Kapitel III. Der Marxismus. 525 Herrschaft unter der wir leben, die des Privatunternehmens und der privaten Aneignung, im Begriif steht, einer neuen Ordnung der Dinge Platz zu machen, die das System der kollektiven Unternehmung und des gesellschaftlichen Eigentums sein wird, das man aus diesem Grunde mit dem Namen Kollektivismus bezeichnet * 1 ). Der Beweis wird wie folgt geliefert. Auch diesmal muß man etwas weit zurückgehen: bis ins 16. Jahr hundert. Dort liegen die Anfänge der heutigen, sogenannten kapi talistischen Wirtschaftsperiode. Bis dahin gab es kein Kapital und sogar keine Kapitalisten. Zwar existierte natürlich das Kapital in dem Sinne, den die Ökonomisten diesem Worte geben, d. h. unter der Form von Produktionsmitteln. Das Wort Kapital hat aber für die Sozialisten eine andere Bedeutung, die wie man zugeben muß, dem Sprachgebrauch näher steht: Kapital ist das, was eine Rente erzeugt, und das Wort Rente bedeutet ein nicht durch die Arbeit des Kapitalisten, sondern durch die Arbeit anderer erzeugtes Ein kommen. Nun waren aber unter der Zunftordnung die meisten Arbeiter Eigentümer ihrer Produktionsmittel. Dann aber trat eine Reihe von Ursachen auf, die wir hier nicht untersuchen können, deren äußerst dramatische Darlegung man aber in den Büchern Maex’ nachlesen mag, — die Eröffnung neuer Verbin dungswege, und infolgedessen neuer Märkte, dank den großen über seeischen Entdeckungen und der Errichtung der großen modernenStaaten, die Schaffung derGroßbanken und der großenKolonisationsgesellschaften, die Entstehung der Staatsschulden usw., — die alle nach und nach die dem Leser das Verständnis des Beweises zu erleichtern, doch steht es jedem frei, wenn er damit respektvoller gegen Maex zu sein glaubt, anzunehmen, daß Marx keine Ahnung des Ergebnisses hatte, zu dem ihn seine „objektive Analyse“ der Tatsachen führen sollte, als er mit dieser Arbeit begann. l ) Es ist aber zu bemerken, daß der allgemeine Gebrauch des Wortes „Kollekti vismus“ nichts mit Marx zu tun hat, denn das kommunistische Manifest ge braucht nur das Wort „Kommunismus“, das es auf jeder Seite wiederholt. Wenn man James Q-üillaumb (Vorrede zum Bd. II der (Euvres de Ba li o uni ne, S. XXXVI) Glauben schenken soll, wäre der Ursprung des Wortes „Kollekti vismus“ der folgende: „Auf dem 4. allgemeinen Kongreß der Internationale zu Basel (1869) sprachen sich die Delegierten der Internationale fast einstimmig für das Wort „Kollektiveigentum“ (Propriete collective) aus; man konnte aber wahrnehmen, daß unter ihnen zwei verschiedene Strömungen herrschten; die einen, Engländer, Deutsche, Deutsch-Schweizer, waren Staatskommunisten, die anderen, Belgier, Spanier, franzö sische Schweizer und fast alle Franzosen, waren anti-autoritäre Kommunisten, Foederalisten oder Anarchisten, die den Namen Kollektivisten annahmen. Bakunin gehörte zu dieser zweiten Partei, unter der sich auch der Belgier de Paepb und der Franzose Varlin befanden.“ — Es ist auch bemerkenswert, daß Bakunin sich selbst als Kollektivisten bezeichnet (was Marx niemals getan hat), aber nicht uls Kommunisten: erst seit Kropotkin ist der Anarchismus wieder kommunistisch geworden.