710 Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit. sonen zumeist auf dem Elend — indirekt also auf dem Eigentum r ) —, und da die wesentliche Funktion der Kegiernng der Schutz des Eigentums ist, so sind die Gesetze, die sie beschützen, hauptsächlich Gesetze zum Schutze des Besitzes. Das Eigentum nun — und in diesem Punkt begnügen sich die Anarchisten damit, die Kritik der Sozialisten unverändert zu über nehmen * 2 ) — ist nichts anderes als die Organisation der Ausbeutung, indem eine Minderheit von Besitzern durch sie die Massen in einer .ewigen Versklavung hält, und sie dazu zwingt, für ein Spottgeld zu arbeiten, während sie selbst sich die Muße, die Annehmlichkeiten des Luxus und der Kultur und alle Wohltaten der Zivilisation vor behält. Das Privateigentum ist das Privilegium par excellence, von dem alle anderen abstammen. Der Staat ist weiter nichts als die Schutzmauer des Eigentums. „Ausbeutung und Kegierung,“ 5 ) „Die Gesellschaft fabriziert selbst jeden Tag Wesen, die unfähig sind, ein ehrliches Leben der Arbeit zu führen, Wesen, die mit antisozialen Gefühlen getränkt sind.“ Kkopoikin, angeführt von Bltzbacher, op. cit. S. 221. „Da die Organi sation der Gesellschaft stets und überall die einzige Ursache der von den Menschen verübten Verbrechen ist, so ist es eine Heuchelei oder eine klare Widersinnigkeit von seiten der Gesellschaft, die Verbrecher zu bestrafen, denn eine jede Strafe setzt die Schuld voraus, und die Verbrecher sind niemals schuldig . . . Wir leugnen den freien Willen und das angebliche Kecht der Gesellschaft, Strafen zu verhängen . . . Jedes menschliche Individuum ist das unwillkürliche Produkt eines natürlichen und sozialen Milieus, in dem es geboren worden ist, sich entwickelt hat, und dessen Einfluli fortgesetzt auf ihm lastet. Die drei groben Ursachen der menschlichen Iramoralität sind: Ungleichheit, sowohl im politischen wie im wirtschaftlichen und sozialen Sinne; Unwissenheit, die sich mit Naturnotwendigkeit daraus ergibt, und ihre notwendige Folgeerscheinung: Sklaverei“ (Bakunin, Programme de l’Alliance im Social-politischen Briefwechsel, S. 332—333). „Das Eigentum und das Elend sind die großen Grundursachen der Verbrechen ... Wenn nun die schlechte soziale Organisation die Grundursache der Verbrechen ist, so müssen sie mit ihr verschwinden“ (Jean Grave, La Societe future S. 137—138). 2 ) „Muß man denn“, sagt Bakunin, „die unwiderstehlichen Argumente des Sozialismus wiederholen, Argumente, deren Zerstörung bisher keinem bürgerlichen Volkswirtschaftler gelungen ist? Was ist denn das Eigentum, was ist denn das Kapital in ihrer heutigen Form? Für den Kapitalisten und für den Eigen tümer ist es die vom Staate garantierte und beschützte Macht und das Eecht, ohne Arbeit zu leben; und da weder das Eigentum noch das Kapital auch nur das geringste erzeugen, wenn sie nicht durch die Arbeit befruchtet sind, so bedeutet dies die Macht und das Eecht, von der Arbeit anderer zu leben, die Arbeit derer auszubeuten, die, ohne Eigentum und ohne Kapital, gezwungen sind, ihre produktiven Kräfte den glücklichen Besitzern des einen oder des anderen zu verkaufen“ (CEuvres, B. III, S. 191). Vgl. auch Kropotkin, La Conquete du Pain: „Häuft nur die Beispiele, wählt sie aus wo ihr wollt; denkt einmal nach über den Ursprung all der großen und kleinen Vermögen, ob sie nun vom Handel, der Bank, der Industrie oder dem Boden herkommen. Überall werdet ihr feststellen, daß der Reichtum der einen aus dem Elend der anderen besteht.“ S. 56. Dieser Satz faßt eine ganze lange, vor hergehende Beweisführung zusammen.