83 Die neuere Zeit in der Geschichte der Reformbestrebungen der italienischen Besteuerung steht entschieden unter dem Einfluß der Grundgedanken, welche die preußische Steuerreform der 1890 er Jahre beherrscht haben. Man fordert Autonomie in der Gemeindebe steuerung. Lacava, der im Prinzip für Trennung der staatlichen und kommunalen Besteuerung eintritt und Gegner des Oktrois ist, erklärt sich zugunsten des Systems der Zuschläge, aber nur soweit sie sich auf die Immobiliarbesteuerung beziehen. „Das nicht nur, um nicht das gegenwärtige System von Grund aus umzustürzen, sondern auch, was noch wichtiger ist, wegen der betrüblichen Lage, in der sich die kommunalen Finanzen befinden. Die Zuschläge vereinfachen die Finanzverwaltung des lokalen Gemeinwesens, bieten bei sehr geringen Kosten Sicherheit der Einnahmen und sind für den Steuerzahler nur insoweit lästig, als er die Hauptsteuer zu zahlen hat.“ Als Ziel der Kommunalsteuerreform fordert er eine Kombination von direkten persönlichen und Realsteuern. Den Immobiliarsteuerzuschlägen sollte ergänzend an die Seite treten eine allgemeine Steuer von den Ein künften aus der Landwirtschaft, Industrie und Handel (imposta generale sul reddito agricolo, industriale e commerciale). Die Familien- und die Mietsteuer sollten zu einer persönlichen Steuer verschmolzen werden 1 ). — Merla schlägt vor, die Grund- und Gebäudebesteuerung dem Staate ausschließlich vorzubehalten, den dazio consumo dagegen den Gemeinden zu überlassen 2 ). — Den umgekehrten Weg empfiehlt A1 e s s i o. Er fordert Abtretung der Realsteuem seitens des Staates an die Gemeinden unter gleichzeitiger Abschaffung der Zuschläge, dagegen Verzicht der Gemeinden auf den dazio consumo zugunsten des Staates; jedoch sollte der dazio consumo, sei es in einer späteren Periode oder sogleich, abgeschafft werden, indem eine persönliche Steuer vom Immobilienbesitz und eine auf breiter Basis aufgebaute Getränkesteuer die Mittel zur Durchführung der Reform liefern anche per il prinoipio prevalente in materia di tasse looali, che cM partecipa in pin larga copia dei vantaggi della comunitä deve maggiormente concorrere a sopportarne gli oneri; mentre nei comuni urbani, dove tutte le eure degli ammini- stratori sono rivolte all’ igiene, all’ edilizia, alla salubritä delle abitazioni, alla siou- rezza e difesa delle medesime, sarebbe a seguirsi un differente criterio, e la sovra- imposta dovrebbe solo colpire la rendita delle case.“ J ) P. Lacava, La finanza locale in Italia, Torino, 1896 (S. 194). Derselbe, Pinanza di Stato e finanza locale, in der „Eiforma sociale“, 1901, S. 863ff. 2 ) G. Merla, Appnnti e considerazioni snl riordinamento finanziario dei Comuni e delle Provincie, Eoma, 1886. 6*