25 heraus. Darin sind wir viel schlechter daran als Deutschland, das die Grundlagen seiner Ernährung in der eigenen Produktion besitzt, während wir weitaus' den größten Teil unseres Nahrungsmittelbedarfcs importieren müssen; daher kommen die phantastischen Beträge, deren ivir für unsere Lebensmitteleinfnhr bedürfen. Bei dein heutigen Kronenknrse kann der Staat ohne Kredit den Einfuhrbcdarf überhaupt kann, mehr bestreiten. Der Tiefstand unserer Krone stellt uns oor eine Mauer, die den Einkauf von Lebensmitteln fast unmöglich macht. Angesichts der Tatsache, daß durch die staatliche Einfuhrtätigkeit , des Staates, sei cs nun mit oder ohne Kredithilfe, der Nahrungsbcdarf der Bevölkerung nur unzureichend befriedigt werden kann, wird die ' Forderung erhoben, dem Handel die Einfuhr unbeschränkt freizugeben und alle Beschränkungen, denen die Einfuhr im Kriege und teilweise bis jetzt unterworfen !var, aufzuheben. Wie beziiglich der inneren Wirtschaft, wird behauptet, daß nur bei voller Freiheit der Handelstätigkeit, nur durch Aushebung aller Beschränkungen der Einfuhr eine Besserung unserer Ernährungsvcrhältnissc eintreten könne. Wie hinsichtlich der inneren Wirtschaft, stehen sich auch ans dem Gebiete des Verkehres mit dem Auslande Anhänger und Gegner der freien Wirtschaft und des freien Handels gegenüber. Wenn man zu dem Problem: Freie, gebundene oder kontrollierte Einfuhr, Stellung nehmen will, erscheint es weder" erlaubt, dieses Problem etwa aus dem Gesichtspunkte der Abneigung gegen den Handel, als eines überflüssigen, nicht produktiven Faktors im Erwerbs leben zu behandeln — ist doch zu hoffen, daß gerade Österreich und speziell Wien im internationalen Verkehr und im Verkehre mit den Snkzcssionsstaatcn untereinander eine prominente Stellung erringen und einnehmen wird - - cs erscheint aber auch nicht zulässig, daß das Problem rein vom Interessen- oder Jnteressentenstandpunkte aus behandelt werde. Darüber, daß auch diejenigen, die heute gegen den völlig freien Verkehr mit dem Auslande sind, nicht prinzipielle Gegner der freien Wirtschaft, der freien Betätigung, des freien Handels sind und auch nicht sein wollen, besteht kein Zweifel. Nur die Freiheit der Betätigung erzeugt Fortschritt und Wohlfahrt. Wir können ja nicht in die Zünftelei des Mittelalters zurückfallen wollen. Aber ich habe heute schon einmal von der Relativität wirtschaftlicher Lehren gesprochen und es gibt eben Zeiten, wo auch siegreiche Fahnen eingerollt werden müssen.