28 sie auch scheinen mögen, immer realisierbar sind. An Offerten haben wir keinen Mangel, sondern an Ware. Der Öffentlichkeit sind die Schwierigkeiten, welche heute einer geregelten Einfuhr entgegenstehen, noch immer nicht genügend bekannt. Bei den noch immer ungeklärten Politischen Verhältnissen, bei den ungeregelten Währnngs- und Zahlungs- Verhältnissen und angesichts der desolaten Verkehrsverhältnisse, die einen regelmäßigen Massenvcrkehr mit den östlichen Ländern fast aus schließen, ist es nicht möglich, zu sagen, ob es in der nächsten Zeit überhaupt gelingen wird, namhaftere Nahrungsmittelimportc aus diesen Ländern zu bewerkstelligen. Hierzu kommt, daß von diesen Ländern vielfach die Bezahlung in gesunder ausländischer Valuta verlangt wird, was unsere Lage und die so wünschenswerte Aufnahme des Verkehres mit den Sükzessionsstaatcn, die unser nächstes Ziel sein muß, erschwert. Die Schicksale vieler Transporte, die Schwierigkeiten der Beschaffung der Ware, der Bezahlung, der Beistellung der Transportinittel (Loko motiven, Waggons, Kohle), der Erlangung der Ausfuhrbewilligung und der Zollbehandlnng zeigen deutlich, daß eine Warenbewegung im großen Stile, etwa so wie sie im Frieden stattgefunden hat, leider derzeit nicht erhofft werden kann. Was aber die Einfuhr aus dem Westen, insbesondere ans Übersee anlangt, so kann man daran nicht vorübergehen, daß Wien auf dem Nahrungsgebiete einen großen Überseehandel mit großen finanziellen Beziehungen, wie ihn Deutschland mit Anlehnung an über seeische Finanzinstitute besitzt, wenige Ausnahmen abgesehen, nicht hatte. Wir waren hinsichtlich unserer Nahrungsmitteleinsuhr immer östlich orientiert. Aber abgesehen davon — denn solche Verbindungen sind ja schließlich über kurz oder lang herstellbar —, steht es wohl ziemlich arrßer Zweifel, daß es dem privaten Handel unmöglich wäre, die für die Beschaffung der Massenartikel, wie Getreide, Fleisch, Fett usw., erforderlichen Milliarden aufzubringen, gar nicht zn reden von den auch hier vorhandenen großen Transportschwierigkeiten, *) denn heute muß sich der Käufer und nicht der Verkäufer um die Ver schiffung, Frachtraum rc. kümmern. Der für Österreich erforderliche monatliche Geldbedarf an Getreide allein erfordert je nach der Gattung des Getreides und der Möglichkeit, Entcntefracht zu bekommen, 9 bis *) Das Staatsamt für Volksernährung hat zum Beispiel der Schiffahrts gesellschaft für die Remorköre und Schlepper, welche diese nach Jugoslawien zur Abholung von Getreide gesendet hat, eine Haftungsgarantie int Ausmaße von 25 Millionen Kronen übernehmen müssen.