68 Möglichkeit der deutschen und polnischen Fabriken nach Rußland durch zollfreie Einfuhr von Zement in Rußland gewährleistet wird, womit gleichzeitig der von der deutschen Zementindustric seit langem beklagte und scharf bekämpfte Zustand beseitigt würde, daß die Einfuhr russischen Zements nach Deutschland zwar zoll frei erfolgen konnte, die Ausfuhr deutschen Zeinents nach Ruß land aber einem Zoll von 0,12 Rubel pro Pud unterlag. — Wenn somit auch einigen polnischen Industrien durch einen Anschluß Polens an Deutschland gewisse Nachteile entstehen ivürden, so kann dadurch doch die w i r t s ch a f t - l i ch e Notwendigkeit eines Anschlusses Po lens an Deutschland nicht in Frage gestellt werde n. Abgesehen davon, daß bei der Frage der zukünftigen Gestaltung Polens für Deutschland nur das Interesse der deutschen Volkswirtschaft maßgebend und entscheidend sein kann, sind überdies auch die einzelnen polnischen Industrien er wachsenden Nachteile gegenüber dem sonst für ganz Polen unter deutschem Einfluß zu erwartenden Aufblühen der weiteren Ent wickelung nicht ins Gewicht fallend, zumal sie sich, wie wir gescheit haben, durch entsprechende Regelung der zukünftigen Handels beziehungen mit Rußland zum größten Teil auch beseitigen lassen. Ganz unverhältnismäßig schwerer würden die Schäden und Nachteile sein, die die deutsche Industrie und der deutsche Haitdcl erleiden m ü ß t e n , >v e it n Polen nicht an D e u t s ch l a n d käme, oder w e n n im Falle der Errichtung ' eines s e l b st ä n d i g e n Polnischen Reiches den Interessen Deutschlands nicht durch deutsche Oberhoheit Geltung verschafft würde. — So sehr dies aber auch immer von neuem betont werden iituß, so muß leider allem Anschein nach doch mit der Möglich keit gerechnet werden, daß größere und wichtigere Teile Polens iticht an Deutschland, sondern an Österreich angegliedert werden. Schon jetzt ist zwischen den verbündeten Staaten Deutschland und Österreich eine Teilung des besetzten Gebietes in der Weise er folgt, daß die Grenze, an der Drei-Kaiserecke beginnend, sich zu nächst in nördlicher Richtung der Warschau—Wiener Bahn ent lang hinzieht, um alsdann nach Osten umzubiegen und in der Gegend von Tomaschow die Pilitza zu erreichen. Es darf wohl erwartet werden, daß diese Grenze lediglich als ein P r o v i s o r i u m gewählt ist, da eine Bahn linie niemals als eine geeignete Grenzlinie zwischen zwei Staaten a n z u s e h e n ist; einer die Grenze bildenden Bahn würde jede Möglichkeit einer weiteren