71 Eine direkte Gefahr für Deutschland und speziell Ober schlesien würde es aber bedeuten, wenn der Kreis Bendzin an Österreich fiele, da dies für die Weitergestaltung der wirtschaft lichen Verhältnisse zwischen Deutschland und Österreich von schwerwiegender Bedeutung wäre. Durch einen Anschluß des Kreises Bendzin an Österreich würde sich die Lage der o ber sch l e s i s ch e n Montanindustrie noch weiter ver schlechtern. Ihre Lebensfähigkeit wird zurzeit im wesent lichen nur aufrecht erhalten durch die Möglichkeit des ober- schlesischen Kohlenabsatzes nach dem Auslande, in erster Reihe nach Österreich-Ungarn, das ungefähr Vs des ganzen Absatzes aufnimmt. Jede Erweiterung des österreichi- s ch e n Kohlengebietes lv ü r d e so m i t die wirt schaftliche Lage der oberschlesischen Stein- k o h l e n g r u b e n u n g ü n st i g beeinflussen. Im Jahre 1913 sind z. B. von Oberschlesien nach Österreich-Ungarn 11,1 Mill. Tonnen Kohlen ausgefiihrt worden. Würde nun die gesamte oder ein erheblicher Teil der Produktion der jetzigen polnischen Gruben Österreich zufallen, so wäre damit unter Berücksichtigung der großen Erweiterungsfähigkeit dieser Gruben, die, wie oben er wähnt, ohne Schwierigkeit 10 Millionen Tonnen jährlich produ zieren können, fast der gesamte österreichische Kohlenmarkt für das oberschlesische Steinkohlenrevier verloren. Bei den ungünsti gen Absatzbedingungen für oberschlesische Kohlen nach Deutsch land loürde es für die oberschlesische Steinkohlenindustrie fast unmöglich sein, sich für diesen Verlust Ersatz zu schaffen. Hierzu kommt, daß die oberschlesische Steinkohlenaussuhr nach Polen ihren Weg zu den polnischen Eisenhütten nahm, die auch gerade in der Hauptsache in dem Teile des Kreises Bendzin liegen, der gegenivärtig bereits unter österreichischer Verwaltung steht. Durch eine Angliederung dieses Teiles an Österreich würde auch die Ausfuhr nach Polen der oberschlesischen Steinkohlenindustrie zum großen Teile abgeschnitten sein, für ihre Lieferung würde das Ostrauer Revier eintreten. Aber darüber hinaus würde die Vermehrung des K o h l e n r e i ch t u m s in Ö st e r r e i ch noch viel verhängnisvoller da durch, daß Ö st e r r e i ch in i t einem Schlage in eine ganz andere Position bei den künfti gen Handelsverträgen käme. Es ist bekannt, daß Deutschland Österreich gegenüber nur geringe wirtschaft liche Druckmittel geltend machen kann, um einigermaßen günstige Handelsverträge durchzusetzen. Es bedarf keiner weiteren Ausführung, daß Österreich bei den Handelsvertragsverhandlun-