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        <title>Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Russisch-Polen und dem Deutschen Reiche und die sich daraus für den Friedensschluss ergebenden Folgerungen</title>
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            <idno>1011193744</idno>
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        Oppeln,
November  1915.

Als  Handschrift  gedruckt.
Streng  vertraulich.
Nicht  für  die  Presse.
Die  wirtschaftlichen  Beziehungen
zwischen  Russisch-Polen  und  dem  deutschen  Reiche
und  die  sich  daraus  für  den  Friedensschluß
ergebenden  Folgerungen.

Bearbeitet  von  der
Handelskammer  für  den  Regierungsbezirk  Oppeln  in  Oppeln
unter  Mitwirkung  des
Oberschlesischen  Berg-  und  hüttenmännischen  Vereins  zu  Kattowitz.

überreicht  von
Bergrat  Dr.  ing.  Williger,  Kattowitz.
        <pb n="2" />
        749

Als  Handschrift  gedruckt.
Streng  vertraulich.
Nicht  für  die  Presse.

Die  wirtschaftlichen  Beziehungen
zwischen  Russisch-Polen  und  dem  deutschen  Reiche
und  die  sich  daraus  für  den  Friedensschluß
ergebenden  Folgerungen.

Bearbeitet  von  der
Handelskammer  für  den  Regierungsbezirk  Oppeln  in  Oppeln
unter  Mitwirkung  des
Oberschlesischen  Berg--  und  hüttenmännischen  Vereins  zu  Kattowitz.

Überreicht  von
Bergrat  vr.  in^.  ^Williger,  Kattowitz.

Oppeln,
November  1915.
        <pb n="3" />
        harren  wir  ohne  Wanken
aus,  bis  der  Friede  kommt  —  ein  Friede,
der  uns  die  notwendigen  militärischen,
politischen  und  wirtschaftlichen  Sicherheiten
für  die  Zukunft  bietet  und  die  Bedingungen
erfüllt  zur  ungehemmten  Entfaltung  unserer
schaffenden  Kräfte  in  der  Heimat  und  auf
dem  freien  Meere.
(Der  Kaiser  in  seiner  Kundgebung
Vom  31.  Juli  1915).

Mer  Voraussicht  nach  werden  die  jetzt  zu  Rußland  gehörigen
  polnischen  Landesteile  beim  Friedensschlüsse  von  dem
russischen  Staatskörper  abgetrennt  werden.  Dies  kann  in  der
Weise  geschehen,  daß  entweder  ein  selbständiger  polnischer
Staat  geschaffen  wird,  oder  daß  man  die  betreffenden  Gebietsteile ­
  zwischen  den  verbündeten  Mächten  Deutschland  und  Österreich ­
  teilt  und  diesen  angliedert.  Auch  andere  Lösungen  der  Frage
sind  nicht  ausgeschlossen.  In  jedem  Falle  erscheint  es  wichtig,
schon  jetzt  die  wirtschaftlichen  Verhältnisse  Russisch-Polens  sowie
die  wirtschaftlichen  Beziehungen  zwischen  diesem  Lande  und  dem
deutschen  Reiche  zu  untersuchen,  um  daraus  abzuleiten,  welche
Forderungen  bei  der  Neugestaltung  der  politischen  und  wirtschaftlichen ­
  Verhältnisse  der  russisch-polnischen  Landesteile  seitens
Deutschlands  erhoben  werden  müssen.
Hierbei  ist  allerdings  zu  berücksichtigen,  daß  es  eine  außerordentlich ­
  schwierige  Aufgabe  ist,  die  wirtschaftliche  Lage  des
Königreich  Polens  zu  schildern,  denn  die  meisten  Nachrichten,  die
uns  in  dieser  Beziehung  über  Polen  zur  Verfügung  stehen,  sind
unvollständig  und  nicht  unbedingt  zuverlässig.  Die  nachfolgenden
Ausführungen  können  daher,  insbesondere  soweit  das  statistische
Material  in  Betracht  kommt,  weder  auf  Vollständigkeit  noch  auf
unbedingte  Genauigkeit  Anspruch  erheben.

3
        <pb n="4" />
        Größe  und  Bevölkerung.  Bis  zur  ersten  Teilung  im  Jahre
1772  erstreckte  sich  das  Königreich  Polen  nach  Osten  und  Norden
hin  ungefähr  bis  zum  Dnjepr  und  bis  zur  Düna.  Im  Nachstehenden ­
  soll  jedoch  unter  Polen  immer  nur  das  sogenannte
„Weichselgebiet"  verstanden  werden,  das  einen  Flächenumsang
von  126  955  qkm  mit  einer  Bevölkerung  von  12  776  100  Einwohnern ­
  (Zählung  vom  1.  Januar  1912)  hat.  Es  besteht  aus
10  Gouvernements:  Suwalki,  Lomscha,  Plozk,  Warschau,  Kalisch,
Siedlez,  Radom,  Petrikau,  Kielce  und  Lublin.
Die  mittlere  Bevölkerungsdichte  Polens  mit  100,5  Einwohnern ­
  auf  1  qkm  ist  eine  recht  hohe.  Polen  ist  damit
die  dichtest  bevölkerte  Provinz  des  europäischen
Rußlands,  in  dem  die  durchschnittliche  Bevölkerungsdichte
nur  28,9  Einwohner  auf  den  qkm  betrügt.  Bemerkenswert  ist  der
erhebliche  Unterschied  der  Dichte  in  den  Landesteilen  links  und
rechts  der  Weichsel.  Die  linksseitigen,  vornehmlich  Handel  und
Industrie  treibenden  Gouvernements  haben  im  Durchschnitt  128
Einwohner  auf  einen  qkm,  während  die  rechtsseitigen,  vornehmlich ­
  Landwirtschaft  treibenden,  nur  75  Einwohner  auf  einen  qkm
zählen.  Im  Durchschnitt  bleibt  die  Bevölkerungsdichte  Polens
somit  hinter  der  allgemeinen  Bevölkerungsdichte  Deutschlands,
das  eine  Volksdichtigkeit  von  120,0  Einwohner  auf  den  qkm
hat,  zurück;  sie  übersteigt  jedoch  die  Bevölkerungsdichte  von  Ostpreußen ­
  mit  59,5,  Westpreußen  mit  64,3  und  Posen  mit  68,5
Einwohnern  auf  den  kqm,  Sie  ist  ferner  größer  als  in  der
Schweiz  (91,1),  Österreich-Ungarn  (75),  Frankreich  (73,8),
Dänemark  (70,7)  und  in  anderen  europäischen  Staaten.
Über  die  Verteilung  der  Bevölkerung  auf  die  10  Gouvernemnets
  gibt  die  folgende  Tabelle  Aufschluß.  Aus  dieser  ist  auch
die  Nationalität  der  Bevölkerung  zu  ersehen.
Die  Russen  teilen  sich  in  Großrussen,  Kleinrussen  und
Weißrussen.  Die  Großrussen  stellen  das  eigentliche  Russentum
des  Zentrums  Moskau  dar;  bei  ihnen  ist  der  finnische  und  mongolische ­
  Einschlag  am  stärksten.  Sie  gehören  der  griechischen
Kirche  an.  Die  Kleinrussen  sind  die  Bewohner  der  Ukraine
&amp;lt;  Ruthenen);  sie  gehören,  soweit  sie  nicht  von  den  Russen  gewaltsam ­
  zur  orthodoxen  Kirche  „bekehrt"  wurden,  zur  uniierten
Kirche  und  stellen  sich  nach  Sprache  und  Sitte  aus  einen  Sonderstandpunkt. ­
  Die  Weißrussen  bilden  den  Übergang  vom  Russentum
  zum  polnischen  und  litauischen  Stamm,  mit  denen  sie  auch
politisch  oft  nahe  verbunden  gewesen  sind.  Aus  früherer  Zeit
hat  sich  bei  ihnen  überwiegend  die  römisch-katholische  Kirche  erhalten. ­
        <pb n="5" />
        Gouvernement

Fläche
Quadrat- ­



©evölherung  (einschl.  Militär)*)

1812

1897

Zuauf

  1
Quadrat- ­



Zusam ­
 ­


davon  waren

sammen
(in
Tausenden) ­


«ros-Klein-







Sw

£
53&amp;gt;

lusscn

(in  Tausenden)

1.  Suwalki.  .  .

10  824

693,0

64,0

582,9

24,5

2,0

26,6

134,0

30,5

59,1

304,5

dav.in  Städten

—

90,7

—

73,6

11,3

0,8

0,7

19,8

3,8

29,5

6,8

2.  Lomscha  .  .  .

9  265

694,4

74,9

579,6

27,9

3,8

0,3

448,1

4,7

91,2

—

dav.in  Städten

—

90,4

—

74,8

12,8

1,1

—

24,2

—

35,0

—

3.  Plozk  ....

8  287

755,4

120,5

553,6

15,1

2,3

0,1

447,7

36,0

51,2

—

dav.  in  Städten

—

114,0

—

88,2

12,4

1,8

—

40,5

2,2

30,7

—

4.  Warschau  .  .

15  359

2  639,4

171,8

1  931,9

87,9

15,9

1,3

1  420,4

77,2

317,2

—

dav.  in  Städten

—

1  102,2

—

845,2

66,0

11,0

—

492,9

15,6

252,2

—

5.  Kalisch....

9  961

1  245,2

125,0

840,6

7,5

1,4

—

70.),4

61,4

64,1

—

dav.in  Städten

—

187,3

—

118,0

4,2

0,5

—

65,8

8,4

36,9

—

6.  Siedlez  .  .  .

12  580

1  032,7

82,1

772,1

19,6

107,7

0,2

510,6

11,7

120,2

—

dav.  in  Städten

—

140,7

—

117,7

14,1

2,7

—

35,6

—

63,3

—

7.  Radom  .  .  .

10  854

1  134,8

104,6

814,9

9,6

1,6

0,1

681,0

8,8

112,1

—

dav.in  Städten

—

131,9

—

100,2

6,2

1,1

—

41,1

—

50,7

—

8.  Petrikau.  .  .

10  763

2  013,6

187,1

1  403,9

19,2

2,7

0,1

1  011,9

148,8

213,6

—

dav.in  Städte»

—

809,2

—

511,6

15,6

1,8

—

253,3

81,8

156,3

—

ö.  Kieler  ....

8  868

992,5

111,9

762,0

8,0

1,1

0,1

666,8

2,4

82,9

—

dav.  in  Städten

—

80,0

—

70,4

4,9

0,5

—

28,5

—

36,0

—

10.  Lublin  .  .  .

14  789

1  575,1

106,5

1  160,7

47,9

196,6

0,5

729,5

26,0

155,4

—

dav.in  Städten

226,0

—

160,8

26,2

7,7

—

50,9

72,9

Wie  aus  dieser  Tabelle  hervorgeht,  zählte  im  Jahre  1897
die  Gesamtbevölkerung  einschließlich  des  Militärs  9  402  253
Köpfe.  Davon  waren  267  200  Großrussen  —  2,84  %,  335  100
Kleinrussen  =  3,56  %,  29  300  Weißrussen  —  0,31  %  6  755  400
Polen  =:  71,85  °/c,  407  500  Deutsche  —  4,33  %,  1  267  000
Juden  —  13,48%,  304  500  Littauer  —  3,24%.  Großrussen
waren  in  größerer  Zahl  ansässig  in  den  Gouvernements  Warschau
(87  900)  und  Lublin  (47  900),  Kleinrussen  in  den  Gouvernements ­
  Lublin  (196  600)  und  Siedlez  (107  500),  während
die  Weißrussen  mit  einer  Höchstzahl  (26  600)  im  Gouvernement
Suwalki  vertreten  waren.  Zahlenmäßig  geben  die  Russen  in
keinem  der  10  Gouvernements  den  Ausschlag.
Sieht  man  von  den  Militärpersonen  ab,  so  ergeben  sich  für
die  Gesamtbevölkerung  und  ihre  Verteilung  im  Jahre  1897  folgende ­
  Zahlen:

*)  Dr.  Rudolf  Claus  S.  8/9.
        <pb n="6" />
        Bevölkerung  (ohne  Militär)

1SS7

Gouvernement

davon  waren

Zu-Groß-









§

|

summen ­


Nuss  eil

e3)

£5)

(in  Tausenden)

1-  Suwalki  ...

563,4

11,7

0,2

25,3

133,1

39,1

58,3

304,4

2.  Lomscha  .  .  .

545,6

4,7

0,2

0,1

446,6

4,4

89,2

0,2

3.  Plozk

536,5

2,8

0,1

0,01

446,7

35,7

50,6

0,2

4.  Warschau  .  .

1  844,6

32,2

1,2

0,3

1  418,0

76,1

313,4

0,3

5.  Kalisch  ....

833,5

2,8

0,09

—

704,9

61,3

64,1

0,04

6.  Siedlez....

786,5

9,0

107,3

0,2

509,8

11,7

119,2

—

7.  Radom....

804,4

3,1

0,2

0,05

680,7

8,7

111,5

—

8.  Petrikau  .  .  .

1  388,5

9,4

0,3

0,07

1  011,2

148,5

212,7

—

9.  Kielce  ....

754,8

2,9

0,2

—

666,4

2,3

82,7

—

10.  Lublin  ....

1  121,3

21,3

191,2

0,3

728,6

25,8

152,9

Von  Interesse  ist  hierbei  besonders  die  große  Differenz,  die
sich  bei  den  Zahlen  der  Großrussen  ergibt.  —
Man  wird  jedoch  damit  rechnen  müssen,  daß  die  Angaben
der  Bevölkerungsstatistik  insofern  nicht  ganz  zutreffend  sind,  als
sie  offenbar  stark  zu  Gunsten  der  Russen  gefärbt  sind.  Bei  Feststellung ­
  der  Nationalität  wurde  in  früherer  Zeit  seitens  der
russischen  Regierung  häufig  in  der  Weise  verfahren,  daß  auch  ein
Teil  derjenigen  Personen,  die  neben  ihrer  Muttersprache  russisch
sprachen,  als  Russen  gezählt  wurden.  Infolgedessen  ist
anzunehmen,  daß  namentlich  die  Zahl  der
Deutschen  höher  ist,  als  vorstehend  angegeben.
Die  Polen  stellen  durchweg  das  Hauptkontingent  der  Bevölkerung- ­
  Sie  herrschen  auch  in  allen  Gouvernements  ziemlich
stark  vor  mit  Ausnahme  von  Suwalki;  dieses  Gouvernement
gehörte  ursprünglich  zu  Littauen  und  wurde  erst  von  den  Russen
aus  verwaltungstechnischen  und  vielleicht  auch  politischen  Gründen ­
  zu  Polen  geschlagen.  Es  zählte  1897:  267  627  Littauer  und
6  884  Letten  gegen  133  137  Polen.  Den  Polen  folgen  an  zweiter
Stelle  die  Juden,  deren  Zahl  im  Jahre  1897  am  höchsten  in  den
Gouvernements:  Warschau  (313  387),  Petrikau  (212  728),
Lublin  (152  866),  Siedlec  (119  242)  wor.  Deutsche  wurden
am  meisten  gezählt  in  den  Gouvernements  Petrikau  (148  528),
Warschau  (76  095)  und  Kalisch  (61264).  Littauer  und  Letten
(305  475)  sind  in  der  Hauptsache  im  Gouvernement  Suwalki
seßhaft.
        <pb n="7" />
        Die  Gesamtbevölkerung  Polens  betrug  im  Jahre  1912:
12  776  100  Personen.  Seit  dem  Jahre  1897  (9  702  253  Einwohner), ­
  also  in  einem  Zeitraum  von  12  Jahren,  ist  sie  somit
um  3  373  900  Personen  gestiegen.  Die  Zunahme  betrug  also
35,9

Nach  dem  Religionsbekenntnis  teilte  sich  die  Bevölkerung
im  Jahre  1909  wie  folgt  (in  Prozenten):

Gouverncm.

Katholiken

Mariawit.

Orthodox.

Protestant.

Juden

andere

Kalisch

75,42

0,61

4,00

5,32

14,64

0,01

Kielce

88,39

—

0,36

0,31

10,94

—

Lublin

64,84

0,01

18,32

2,74

14,09

—

Lomscha

81,67

—■

1,12

1,03

16,24

—

Petrikau

67,88

2,42

1,11

12,90

15,67

0,02

Plozk

61,64

0,11

0,46

7,32

10,46

0,01

Radom

83,95

0,02

0,47

1,19

14,38

—

Siedlez

70,79

0,67

11,22

1,57

15,75

—

Suwalkt

79,40

0,08

2,01

5,76

12,73

0,02

Warschau

73,14

0,73

1,76

4,92

19,41

0,04

Die  Deutschen  und  ebenso  ein  Teil  der  Litauer  sind  meist
Protestanten.

Volksbildung.  Das  kulturelle  Niveau  der  Landbevölkerung
Polens  ist  nicht  als  ein  besonders  hohes  zu  bezeichnen,  wenn  auch
der  polnische  Bauer  kulturell  immer  noch  höher  stehen  dürfte  als
der  Zentralrußlands.  Auf  einem  höheren  Niveau  steht  die  industrielle ­
  Arbeiterschaft,  obgleich  sie  sich  in  dieser  Hinsicht  mit  der
deutschen  Arbeiterschaft  bei  weitem  nicht  messen  kann.  Die  Hauptursache ­
  hierfür  ist  in  dem  zur  Zeit  noch  gering  entwickelten  Elementarbildungswesen
  im  Königreich  Polen  zu  suchen.  Bemerkenswert
ist  aber,  daß  der  Pole  im  allgemeinen  bildungsfähig  und  lernbegierig ­
  ist.
Was  den  Stand  des  Elementarschulwesens  in  Polen  anbetrifft, ­
  so  haben  die  Städte,  wenn  man  von  den  Handwerker-  und
den  sonstigen  gemeinniitzigen  Sonntagsschulen  absieht,  keinen
Vorteil  vor  dem  Lande.  Im  Jahre  1882  wurden  in  Polen  bei
einer  ländlichen  polnischen  Bevölkerung  von  4  500  000  Köpfen
2  237  Schulen  gezählt.  Es  entfiel  danach  eine  Dorfschule  aus
1  925  Einwohner.  Im  Jahre  1893  zählte  man  2  569  Schulen
bei  einer  ländlichen  Bevölkerung  von  5  542  038  Köpfen.  Der
Wert  des  Unterrichts  in  diesen  ländlichen  Volksschulen  wird  stark
dadurch  beeinträchtigt,  daß  das  Schuljahr  sehr  kurz  ist;  es  hängt
das  mit  der  Dauer  der  Feldarbeiten  zusammen.  Das  Schuljahr
dauert  nur  von  Mitte  November  bis  Anfang  März.  Die  Mehr-
        <pb n="8" />
        zahl  der  Kinder  besucht  die  Schule  nicht  öfters  als  50  mal  int
Jahre.*)
Das  Elementarschulwesen  in  den  Städten  ist  nicht  besser
gestellt.  Im  Jahre  1893  entfielen  auf  114  Städte  und  353
städtische  Ansiedelungen  nur  351  Elementarschulen.  Wie  bereits
erwähnt,  haben  aber  die  Städte  vor  dem  Lande  den  Vorteil  der
Sonntagsschulen.  In  Warschau  gab  es  1903/04:  52  Handwerker-Sonntagsschulen,
  welche  nur  am  Sonntag  früh  tätig  sind,  nämlich
4  vierklassige,  5  dreiklassige,  16  zweiklasstge  und  27  einklassige.
Wenn  man  durchschnittlich  auf  eine  Klasse  50  Kinder  annimmt,
so  können  in  diesen  Schulen  2  600  Kinder  aus  der  Arbeiterklasse
den  allerdürftigsten  Unterricht  finden.
Dem  niedrigen  Stand  des  Elementar-Schulwesens  entspricht
die  Zahl  derjenigen,  die  lesen  und  schreiben  können.  Im  Jahre
1897  betnig  die  Zahl  derer,  die  lesen  und  schreiben  konnten,  41  %
der  Bevölkerung  über  9  Jahren.  Am  größten  (51  %)  war  die
Zahl  im  Gouvernement  Warschau,  am  kleinsten  (30  %)  in
Radom  und  Kielce.  Hierbei  muß  allerdings  erwähnt  werden,
daß  unter  die  Analphabeten  alle  gerechnet  werden,  dierussis  di
nicht  lesen  oder  schreiben  können,  wenn  sie  in  ihrer  Muttersprache
auch  nicht  ohne  jede  Kenntnis  des  Lesens  und  Schreibens  sind.
Nach  der  Militärstatistik  konnten  von  den  Ausgehobenen  polnisä)
und  russisch  lesen:  1874—83:  15  %,  1890—98:  27,5,%,  1905:
37,2  %.**)
Gegenwärtig  wird  die  Zahl  der  Schreib-  und  Leseunkundigen ­
  in  Polen  auf  69,5  %  geschätzt  und  zwar  kommen  auf  10  leseund
  schreibkundige  Frauen  13  schreib-  und  lesekundige  Männer.
Neben  der  breiten  Masse  der  Bevölkerung  steht  die  Jntellegenz
  der  Städte  und  des  Adels,  die  sich  durch  eigene  Schulen.
Studium  im  Auslande,  Fortbildung  in  Musik,  Theater  und
Wissenschaften  stets  weiter  zu  bilden  sucht,  auf  einer  durchaus
hohen  Kulturstufe.
Städte.  Wie  bereits  erwähnt,  liegen  die  volksreicheren
Städte  Polens  auf  dem  Gebiete  links  der  Weichsel;  es  hängt  das
damit  zusammen,  daß  der  rechts  der  Weichsel  liegende  Teil  in
der  Hauptsache  der  Landwirtschaft  dient,  während  links  der
Weichsel  sich  neben  der  Landwirtschaft  eine  starke  Industrie
entwickelt  hat.  Die  bedeutenderen  Städte  Polens  sind  aus  der
Tabelle  1  (cf.  am  Schluß)  ersichtlich.  Diese  Tabelle  gibt  auch
zugleich  über  die  Verkehrseinrichtungen,  Bildungsanstalten  und
*)  Strasburger  S.  64  f.
**)  Statistisches  Jahrbuch  für  das  Königreich  Polen,  Jahrgang  1914.
        <pb n="9" />
        9

die  daselbst  ansässige  Industrie  Aufschluß.  Auf  Vollständigkeit
kann  diese  Tabelle  allerdings  keinerlei  Anspruch  machen.
Über  die  städtischen  Einrichtungen  der  größeren  Städte  im
Jahre  1909/10  gibt  die  nachstehende  Tabelle*)  Auskunft.

Gouvernements ­


Anzahl
der
Städte

Zahl

der

Städte  mit

Beleuch ­
 ­


Darunter

Wasser-




Kanali ­
 ­


Schlach  thän-



Fcuertvehr


Straften  -
bahnen

Telefon ­


Elektrisch ­
  ®“ 8

Petroleum ­


Warschau

25

24

3

23

3

1

23

23

3

4

Kalisch

13

13

1

13

—

—

13

13

—

—

Kielce

7

7

j

7

2

—

7

7

—

—

Lomscha

7

7

7

i

—

7

7

—

—

Lublin

13

12

1

12

i

2

13

13

—

2

Petrikau

15

13

3  2

10

i

—

14

14

4

6

Plvzk

9

9

—  1

9

i

i

9

9

—

2

Radom

10

10

1  —

10

—

i

10

10

—

—

Suwalki

10

10

10

—

10

10

—

—

Siedlez

12

9

i

9

—

—

11

12

121

114

4  8

110

9

5

117

118

7

14

Alan  ersieht  aus  dieser  Tabelle  die  Ansätze  zur  modernen
L-tädteentwickelung,  die  wahrscheinlich  wesentlich  besser  ohne  die
russische  Verwaltung  gewesen  wäre.  Jedenfalls  dürften  die  Zustände ­
  in  den  russisch-polnischen  Städten  zum  Teil  weit  besser
sein,  als  diejenigen  in  ähnlichen  galizisch-polnischen  Städten.
Die  Trinkwasserversorgung  der  polnischen  Städte  ist  sehr
ungünstig.  Unter  27  untersuchten  Städten  haben  nur  8  artesische
Brunnen.  Die  meisten  Städte  müssen  sich  mit  Wasser  aus  Flüssen
oder  gewöhnlichen  Brunnen  begnügen,  die  vielfach  weder  ausgemauert ­
  oder  zementiert,  noch  mit  Pumpen  versehen  sind.  Darauf ­
  dürften  die  ungünstigen  hygienischen  Verhältnisse  in  den
polnischen  Städten  zurückzuführen  sein.  Namentlich  die  Kindersterblichkeit ­
  ist  überall  recht  bedeutend.
Verteilung  des  Grund  und  Bodens.  Im  Königreich  Polen
entfiel  im  Jahre  1909  aus  Ackerland  56,3  %,  Wälder  18.%,
Wiesen  8.%;,  Weiden  6,8  %,  Unland  4,2  %,  auf  Baugründe,
Plätze,  Gärten  3,9  ■%,  auf  andere  Gründe  2,8  %  der  Fläche.**)
Landwirtschaft.  Die  Verteilung  des  Grundbesitzes  unter  die
verschiedenen  Besitzkategorien  verhält  sich  laut  nachstehender
Tabelle.

*)  Bergt,  t).  Bvustedt  S.  288.
•*)  Rogouski  S.  10.
        <pb n="10" />
        10

polnischer  Grundbesitz  im  ^ahre  1907.  f)

Gouvernements ­


Bevölkerung ­

in
1000

Hanptkategorien  des  Grundbesitzes

B  erteilung  des  Privatgruudbesitzes
  nach  verschiedenen ­
  Kategorien

Zahl  der  Desjätinen

**)  in  1000

%  Anteil  an  der  Gesamtfläche ­


Zahl  der  Desjätinen
in  1000

Privat-




Bäuerlicher ­

Grundbesitz ­

(z»»etcilt

und  erworben) ­


Städtischer ­

und
vorstädti-


Grundbesitz ­


§

Gesamt ­
 ­


Privat-



 ­
 ­

Besitz

i«.
ü®
'■B'S.
©

©
Jr
G

Bauerhöfe ­


©
es

Mai°-



anderer ­

Besitz

Gesamt ­
 ­


Warschau

2  482,0

773

653

46

64

1  538

50,3

42,5

3,0

4,2

697

43

32

773

Kalisch

1  126,7

454

509

35

16

1  017

44,7

50,1

3,5

1,7

414

5

35

454

Kielce

965,2

351

424

33

80

890

39,5

47,6

3,8

9,1

304

4

42

351

Lomscha

683,6

504

267

30

97

899

56,0

29,7

3,4

10,8

149

327

27

504

Lublin

1  508,3

675

726

60

23

1  485

45,5

48,9

4,1

1,6

579

17

78

675

Petrikau

1  933,4

439

535

60

67

1  102

39,9

48,6

5,5

6,1

385

6

46

439

Plozk

700,0

502

301

24

21

850

59,1

35,5

2,9

2,5

355

128

18

502

Radom

1  080,8

421

556

53

76

1107

38,0

50,2

4,8

6,9

365

6

49

421

Suwalki

667,3

254

634

33

188

1111

22,9

57,1

3,0

16,9

187

4

63

254

Siedlez

981,9

642

524

74

21

1  263

50,8

41,5

5,9

1,7

441

147

53

642

12  129,2

5015

5129

448

653

11262

44,7

45,2

4,0

6,2

3876

687

443

5015

Nach  dieser  Tabelle  hat  an  der  Gesamtfläche
Von  11  262  000  Desj.  ^  12  275  580  Im
der  Staat  einen  Anteil  in

Höhe  von

653  000

„  —  6,2  P/o-Während

  auf  städtischen  und  vorstädtischer

  Grundbesitz
auf  bäuerlichen  Grundbesitz

448  000

„  =  4,0  %

(zugeteilt  und  erworben)

5  129  000

„  =  45,2%

auf  Privatbesitz

5  015  000

„  =  44,7  %■

entfallen.
Der  Privatbesitz  teilt

sich  in  Bauernhöfe

3  876  000

„  —  ca.  34,42  %

kleinadeligen  Grundbesitz

687  000

„  =  „  6,10  %

Majorats-  und  anderen  Besitz

443  000

„  =  „  3,93%

*)  In  dieser  Rubrik  sind  Banerhöfe,  kleinndeligcr  Grundbesitz,  Majorate
und  andere  Besitzungen  einbegriffen;  auch  gehört  hierzu  der  Grundbesitz  der
Gesellschaften  (Schulen  u.  s.  tu,),  der  katholischen  und  anderen  Kirchen,  Wohltätigkeitsanstalten, ­
  Hüttenwerke,  Fabriken,  Eisenbahnen  u.  ct.  m.,  d.  h.  aller
Grundbesitz  außer  deni  bäuerlichen  (zugeteilten  und  erworbenen),  dem  städtischen
und  vorstädtischen  und  dem  Staatsbesitz.
**)  1  Desjatine  1,09  ha.
f)  Aus:  „Die  russische  landwirtschaftliche  und  industrielle  Produktion
von  Prof.  Dr.  C.  Ballod"  in  der  Zeitschrift  des  Kgl.  Preutz.  statist.  Landesnmts,
  15.  Jahrgang  1915.
        <pb n="11" />
        D  i  e  Tabelle  läßt  erkennen,  daß  die  weitverbreitete ­
  Auffassung,  Russisch-Polen  sei
das  U  r  l  a  n  d  des  M  a  g  n  a  t  e  n  t  u  m  s  und  des
Großgrundbesitzes  gegenwärtig  nicht  mehr
zutrifft.
Nach  Sering  sind  „im  östlichen  Deutschland  die  Betriebe
von  weniger  als  ö  ha  Fläche  unselbständig  in  dem  Sinne,  daß
ihre  Inhaber  der  Nebenarbeit  zum  Unterhalt  ihrer  Familien  bedürfen". ­
  (Die  innere  Kolonisation  im  östlichen  Deutschland,
Leipzig  1893).  Wenn  man  dasselbe  für  das  Königreich  Polen
annimmt,  so  sind  im  ganzen  Königreich  Polen  ungefähr  41.%
der  Bauernwirtschaften  unselbständig.  In  den  Gouvernements,
wo  der  Zwerg-  oder  Kleinbauernbesitz  am  stärksten  vertreten  ist,
steigt  diese  Zahl  im  Gouvernement  Kielce  auf  51
„  „  Kalisch  „  50  .%
Plozk  „  48,5%
„  „  Petrikau  „  45,2%
Nach  Auffassung  von  anderer  Seite  sind  jedoch  nicht  allein
die  weniger  als  5  ha  umfassenden  Besitzungen  in  Polen  als  unselbständig ­
  zu  bezeichnen,  sondern  mit  Ausnahme  einzelner,  die
durch  besonders  guten  Boden  begünstigt  sind,  alle  diejenigen
Wirtschaften,  .welche  unter  6  ha  Fläche  betragen,  (vergl.  z.  B.
v.  Rosenwerth,  Die  Zusamnienlegung  der  Grundstücke  in  Russisch-Polen).
  Von  Rosenwerth  gibt  a.  a.  O.  S.  128/129  eine  Aufstellung ­
  über  die  Größe  der  einzelnen  Besitzungen  Russisch-Polens,
  die  wir  nachstehend  im  Auszug  wiedergeben.

GoUvcrile-Mkllt


Z  a  f)  1  der  Lesitzungsn  in  %

Zahl
der
Besitzungen ­


unter
IVj
ha

IV.
bis
3  ha

3  bis
47,
ha

4V.
bis
6  ha

6  bis
77s
ha

77.
bis
10  ha

10
bis
15  ha

15
bis
25  ha

25
und
mehr
ha

Warschau.  •  .

14

15,2

16,1

14,4

9,6

13

10,4

4,9

1,7

114106

Kalisch  ....

20,6

17,6

19,9

13,5

8,6

9,4

6,4

3,2

0,9

97  665

Kielce

23,3

22,2

25,3

14,6

5,6

5

2,8

0,7

0,35

115  310

Lomscha  .  .  .

17,7

14,7

12,9

13,9

9,5

10

10,7

8

3,9

69  002

Lublin  ....

13,6

18

29,5

16,3

7,5

7,6

5

1,8

0,3

151  307

Piotrkow  .  .  .

17

20,1

23

15,3

8,4

7,7

5,6

2

0,5

119  365

Plvzk

17

17,4

13,7

10,6

7,3

9,4

10,3

10

4,2

52  728

Radom  ....

20,7

20

21

14,3

7,5

8

5,3

2,4

0,5

120  221

Suwalki  .  .  .

16,8

13,4

11,5

8,6

6,9

10,1

12,5

13,8

6,2

64  445

Siedlez  ....

10

15

20

18

11,5

10,0

9,6

4,9

1,4

108  080

Russisch-Polen

16,9

17,9

20,5

14,3

8,1

9

7,2

4,3

1,5

1  011  240
        <pb n="12" />
        12

Hiernach  sind

unter  6  Im  Größe

im

Gouvernement

Warschau

59,7  %

aller  Besitzungen

„

„

Kali  sch

71,6.%

„  „

„

„  '

Kielce

85,4  %

„  „

„

„

Lomscha

59,2  P/o

„  „

„

„

Lublin

77,4.%

„  „

„

„

Piotrkow

75,4  %

„  „

„

„

Plozk

58,7  %

„  „

„

„

Radom

76,0  %

„  n

„

„

Suwalki

50,3  ,%■

„  „

n

„

Siedlez

63,0%

ff  ff

sodaß  im  Gesamtdurchschnitt
Polens  im  Jahre  1909:  69,9  %  aller  Besitzungen
als  unselbständig  anzusehen  waren.

Tatsächlich  herrschen  hinsichtlich  des  kleinbäuerlichen  Grundbesitzes ­
  auch  traurige  Verhältnisse  vor.  „Jeder  Bauer*)  besitzt
in  der  ganzen  Mur  verstreute  Grundstücke,  deren  Zahl  bei  Besitzen ­
  von  6—8  ha  nicht  selten  100,  mitunter  sogar  200  beträgt.
Dabei  haben  die  Parzellen  die  denkbar  ungünstigste  Form.  Vorwiegend
  sind  die  schmalen,  sich  bis  ins  unendliche  ziehenden
Streifen,  es  sind  solche  von  5000  m  Länge  bei  einer  Breite  von
nur  10  m  bekannt,  und  solche,  die  2—4  m  breit  und  über  1  km
lang  sind,  sind  fast  in  jedem  Dorfe  zu  finden.  Bei  einer  solchen
Lage  ist  es  klar,  daß  die  Grundstücke  der  verschiedenen  Besitzer
gleichartig  und  gleichzeitig  bebaut  werden  müssen,  daher  herrscht
in  einzelnen  Teilen  Polens  auch  jetzt  noch  die  3  Felderwirtschaft,
bei  der  Vs  der  ganzen  Oberfläche  brach  liegen  muß,  und  als
kümmerliche  trockene  Weide  dient."  Anregungen  zu  einer  Zusammenlegung ­
  der  Grundstücke  sind  zwar  von  altersher  gegeben
worden,  doch  ist  bisher  eine  zwangsweise  allgemeine  Durchführung
noch  nicht  erfolgt,  sondern  alles  dem  guten  Willen  der  Beteiligten
anheimgegeben.  Eine  wirklich  rationelle  und  lohnende  Bodenbearbeitung ­
  ist  deshalb,  soweit  es  den  Kleinbesitz  angeht,  zur  Zeit
kaum  durchführbar.
Diese  schlechte  Lage  des  bäuerlichen  Kleinbesitzes  findet
ihren  Ausdruck  auch  in  der  großen  Zahl  der  Abwanderer.  Nach
Deutschland  stellte  sich  die  Abwanderung  im  Jahre  1904  auf
137701  Köpfe.  Wie  festgestellt,**)  besteht  der  größere  Teil  dieser
polnischen  Abwanderer  aus  landbesitzenden  Bauern,  denen  die
*)  Bergt,  u.  Rosenwerth  a.  a.  O.  S.  11.
**)  Bergt,  von  Orpiszewski  S.  48.
        <pb n="13" />
        13

eigene  Scholle  keinen  ausreichenden  Lebensunterhalt  gewährt  und
die  deshalb  auf  Nebenbeschäftigung  angewiesen  sind.
Für  die  Lage  der  Landbevölkerung  ist  ferner  charakteristisch
die  große  Zahl  von  Besitzlosen.  Durch  die  Bauernreform  von
1864  war  die  Zahl  der  Besitzlosen  bis  auf  220  000  zurückgedrängt,
1891  war  sie  jedoch  bereits  wieder  auf  über  880  000  und  1901
sogar  auf  1  220  331  angewachsen.*)  Die  Zahl  der  Besitzlosen
betrug  danach  18  %  der  Gesamtbevölkerung  Polens.
Alle  diese  Umstände  zeigen  die  polnische  Landbevölkerung
in  ärmlichen  Lebensverhältnissen,  die  nur  gemildert  werden  einmal ­
  durch  den  vielfach  nicht  unerheblichen  Besitz  der  Gemeinden
an  Weiden  und  Waldgerechtigkeiten,  die  die  Viehhaltung  trotz
der  geringen  Grundbesitze  erleichtern  und  ferner  durch  die  große
Bedürfnislosigkeit  der  Bauern,  die  sich  bei  schwachen  Ernten
schließlich  auch  recht  und  schlecht  durchhungern.  Eine  im  Jahre
1900  angestellte  Untersuchung  über  das  Budget  eines  russischen
Bauern  —  hiervon  dürfte  dasjenige  eines  polnischen  Bauern  nicht
viel  abweichen  —  ergibt,  „daß  von  1300  Mark  jährlicher  Gesamteinnahme ­
  einer  Bauernfamilie,  die  überdies  zur  guten  Hälfte
in  Naturalien  und  nur  zur  knappen  Hälfte  in  Geld  besteht,  je
rund  7  bis  8  Menschen  ihren  Lebensunterhalt  bestreiten.  Nach
den  Untersuchungen  des  Grafen  Witte  beträgt  der  Jahreskonsum
jedes  einzelnen  Mitgliedes  der  Bauernfamilien  in  Geld  nur  rund
53  Rubel  oder  115  Mark,  von  denen  nach  Abzug  der  Wirtschaftsbedürfnisse ­
  nur  noch  26  Mark  für  die  persönlichen  Bedürfnisse
übrig  bleiben.  Von  diesen  26  Mark  werden  im  Durchschnitt  nur
4,75  Mark  für  die  Kleidung,  3,70  Mark  für  Schnaps,  1,05  Mark
für  Tee  und  Zucker,  knapp  1  Mark  für  Fisch,  85  Pf.  für  Produkte ­
  der  Viehzucht  und  20  Pf.  für  den  also  auch  in  Rußland
nicht  ganz  entbehrlichen  Artikel  Seife  ausgegeben.**)
Die  Lage  des  kleinbäuerlichen  Grundbesitzes  ist  auf  die  von
ihnen  erzielten  Ernten  nicht  ohne  Einfluß  geblieben.  Aus  den
Ernteberichten  der  landwirtschaftlichen  Zentralgesellschaft  in
Warschau  läßt  sich  erkennen,  daß  sich  die  Erträge  der  bäuerlichen
Grundstücke  durchschnittlich  35—60  %  niedriger  stellen,  als  die
von  den  Vorwerksdörfern,  die  öfters  in  unmittelbarer  Nähe
liegen.
Das  Verhältnis  der  Durchschnittserträge  des  Groß-  und
Kleinbesitzes  erhellt  aus  der  folgenden  Tabelle:
Strasburger  S.  16,  von  Orpiszewski  S.  24.
**)  äSergl.  Dr.  E.  Wallroth:  Abschluß  eines  allgemeinen  Zolltnrifabkommens
  mit  Rußland  1915  S.  5.
        <pb n="14" />
        14

Srntsbericht  der  landwirtschaftlichen  LentralgesÄIschatt  zu  Warschau
rom  I.  Januar  1009.*)

D  u  r  ch  s  ch  n  i  t  t  s  er  tr  ä  g  e  in  dz  ti  o  it  ha

Gouvernement ­


Roggen
Groß-  &amp;gt;  Kleinbesitz ­


Weizen
Groß-  &amp;gt;  Kleinbesitz ­


Hafer
Groß-  j  Kleinbesitz ­


Gerste
Groß-  i  Kleinbesitz


Kartoffeln
Groß-  |  Kleinbesitz ­


Kalisch

14-24

10-18

16-36

12-20

11-21

8-21

11-24

11-21

140-280

92-280

Kielce

8-24

10-16

12-24

10-20

13'/s-27

11-27

11-21

9-16

70-216

115-185

Lublin

6-22

6-26

10-24

8-30

9-27

8-211/s

H-211/2

6i/ 2 -21

84-280

92-216

Lomscha

10-24

16

14-24

14

6‘/ 3 -18

6%

61/2-16

8

115-185

185

Petrikau

14-20

8-10

24

—

11-131/2

9

11

—

140-216

92-115

Plozk

16-22

10-16

18

—

16

—

'  12

9

140

140-170

Radom

8-16

6-12

12-24

—

11-27

8-21

9-21

8-16

185-222

155-210

Siedlez

10-20

8-14

14-30

12-20

8-21

8-16

11-131/2

6Vz-13i/2

93-208

155-280

Suwalki

8-20

8-16

8-20

8-16

4-11

3-9

51/2-18

61/2-12

84-210

92-216

Warschau

12-24

10-22

16-28

16-28

11-24

8-16

12-21

8-16

115-315

92-216

Die  Fruchtbarkeit  des  Bodens  im  Königreich ­
  Polen  kommt  derjenigen  der  benachbarten ­
  Provinzen  Deutschlands  gleich.  Die
längs  der  Talzüge  durchzogenen  Geschiebemergel-  und  Lehmböden
und  Tone  mit  Schwarzerdebildungen  nördlich  der  Weichsel  und
zwischen  Weichsel,  Bzura  und  Pilica.  Insbesondere  zeichnen  sich
die  Kreise  Wloclawek,  Kutno  und  Lenczyca  durch  ihre  Fruchtbarkeit ­
  aus,  welche  den  Zuckerrübenbau  sehr  erfolgreich  gestaltet.
Östlich  der  Weichsel  und  südlich  der  Pilica  beginnt  zum  Teil  im
österreichischen  Verwaltungsgebiete  die  Verbreitung  von  mergligen, ­
  kalkigen  und  tonigen  Schichten  der  Kreideformation,  die  von
Schwarzerdebildungen  bedeckt  sind  und  gleichfalls  sich,  wo  die
Grundwasserverhältnisse  nicht  ungünstig  einwirken,  als  außerordentlich ­
  fruchtbar  erweisen.
Der  größere  Teil  des  Generalgouvernements  Warschau  ist
von  hohem  landwirtschaftlichen  Wert.  Allerdings  wird  in  weiten
Gebieten  dieser  Wert  erst  durch  die  Hereinbringung  einer  höheren
Kultur  zum  Vorschein  kommen.  Hier  herrschen  die  gleichen  Verhältnisse ­
  vor  wie  in  den  fruchtbaren  Gegenden  von  Ostpreußen,
die  von  Endmoränen  durchzogen  werden;  die  offensichtliche
Fruchtbarkeit  wird  lediglich  durch  eine  starke  Steinbestreuung
beeinträchtigt,  deren  Beseitigung  aber  unter  gleichzeitiger  Verwertung ­
  des  Steinmaterials  für  Häuser-  und  Straßenbauten  in
verhältnismäßig  kurzer  Zeit  möglich  ist.

*)  v.  Rosenwerth  S.  127.
        <pb n="15" />
        Hinsichtlich  der  Intensität  des  landwirtschaftlichen  Betriebes
steht  die  polnische  Landwirtschaft,  soweit  es  sich  um  Großbetriebe
handelt,  meist  derjenigen  der  Provinzen  Ost-  und  Westpreußen
oder  Posen  nicht  erheblich  nach.  (Vergl.  unten  die  Tabelle.)
Am  geringsten  ist  die  Intensität  der  Bewirtschaftung  in  Suwalki,
Lomscha  und  im  nördlichen  Siedlez,  Gebiete,  in  denen  Sumpf
und  Wald  vorherrschen.

Die  folgende  Tabelle  gibt  einen  Vergleich  mit  der  Ernte
der  an  Polen  angrenzenden  preußischen  Provinzen.  In  Deutschland ­
  wurden  pro  ha  durchschnittlich  von  1899—1904  geerntet
dz  —  100  leg

Roggen

Weizen

Gerste

Kartoffeln

Hafer

Ostpreußen

13,6

16,0

15,4

112,1

14,9

Westpreußen

12,9

20,5

18,6

112,5

15,1

Brandenburg

14,4

21,3

19,8

133,7

16,5

Pommern

14,7

22,3

19,2

130,9

15,9

Posen

13,9

17,3

16,5

122,2

14,5

Schlesien

14,0

17,4

18,6

124,4

16,7

DeutschesReich  15,3

19,0

18,4

128,8

17,2

Mit  Getreide  wurde  bestellt  in  ganz  Polen  eine  Fläche
von  35  000  qkm.
Der  Anbau  der  einzelnen  Fruchtarten  deckte  im  Jahre
1898  folgende  Flächen:

Es  waren  angebaut*)
mit  Weizen  882  298  polnische  Morgen
„  Roggen  3  478  393  „  „
„  Gerste  755  778  „  „
„  Hafer  1  813  607  „
„  Erbsen  280  402  „  „
„  Kartoffeln  1  395  030  „  „
„  Zuckerrüben  86  500  „  „

Nach  den  durchschnittlichen  Erträgen  der  Ernten  folgen  in
ihrer  Bedeutung  die  in  Polen  angebauten  Getreidesorten  wie
folg:  aufeinander:**)
Roggen  (1904):  119  000  000  Pud  =  38  984  400  Ztr.
Hafer  (1904):  39  000  000  „  =  12  776  400  „
Winterweizen  (1904):  35  000  000  „  —  11  466  000  „
Gerste  (1904):  23  000  000  „  =  7  533  200  „

*)  v.  Orpiszewski  S.  1t.
**)  Friedrichsen  ©.  60.

15
        <pb n="16" />
        16

Im  Durchschnitt  der  Jahre  1905—1909  wurden  insgesamt
192  000  000  Pud  —  62  899  200  Zentner  Getreide  geerntet.  Auf
den  Kopf  der  Bevölkerung  kam  sonach  eine  Getreideernte  von
15  Pud  —  246  kg,  auf  das  qkm  Fläche  eine  Ernte  von  1300
Pud  =  21  t.*)
Die  Kartoffelernte  ist  sehr  groß;  sie  beträgt  jährlich  etwa
300  Millionen  Pud  —  98  280  000  Zentner.
An  Heu  werden  etwa  100  Millionen  Pud  jährlich  geerntet.**) ­

Der  Zuckerrübenbau  in  Polen  unterlag  ziemlichen  Schwankungen. ­
  In  einzelnen  Bezirken  wurden  in  Einzeljahren  bis  zu
23  %.  der  gesamten  dem  Ackerbau  dienenden  Fläche  mit  Zuckerrüben ­
  bestellt.***)  Die  49  Zuckerfabriken  in  Polen  hatten  im
Jahre  1905/06  11  912  172  dz  Nüben  verarbeitet,  die  auf  einer
Anbaufläche  von  59  133,59  ha  geerntet  waren.

Der  Viehbestand  Polens  im  Jahre  1910  betrugt)

Gouvernements ­


Bevölkerung ­

in
1000

Pferde

Hornvieh

Schafe,  Widder

Schweine

4  Jahre
und
ältere
Anzahl
in  1000

unter
4  Jahre
alte
Anzahl
in  1000

auf
100
Einwohner ­


Anzahl
in
1000

auf  100
Einwohner ­


Anzahl
in
1000

auf  100
Einwohner ­


Anzahl
in
1000

auf  iv»
Einwohner ­


Warschau

2  482,0

129

37

12

354

25

157

ii

78

5

Ka  lisch

1  126,7

82

30

12

201

21

89

9

44

5

Kielce

965,2

88

19

12

183

21

23

3

22

3

Lomscha

683,6

73

15

15

165

28

114

19

30

5

Lublin

1  508,3

167

53

17

339

26

163

13

127

10

Petrikan

1  933,4

86

15

9

214

19

77

7

24

2

Plozk

700,0

72

24

16

200

34

151

26

40

7

Radom

1  080,8

83

22

11

210

22

69

7

60

6

Suwalki

667,3

88

15

18

122

21

132

23

70

12

Siedlcz

981,9

100

33

16

292

35

165

20

76

9

Forstwirtschaft.  Das  Weichselgebiet  hat  ein  Waldareal  von
2  812  000  Desjätinen  —  3  072  110  ha  bezw.  30  721,1  qkm
Forsten.  In  Deutschland  deckt  der  Wald  25,9  %  der  gesamten
Bodenfläche,  während  (vergl.  oben  Seite  9)  in  Polen  die
Wälder  nur  18%  Gesamtfläche  bedecken.
Eine  geordnete  Waldwirtschaft  fehlt.  Etwa  1 h 0  des  Waldes
gehört  den  Bauern,  3 I 10  der  Krone  und  %&amp;lt;&amp;gt;  dem  privaten  Grund-*)
  Ballod  S.  19.
**)  Friedrichsen  S.  60.
***)  Zweig  S.  72.
t)  Ballod  S.  13.
        <pb n="17" />
        17

besitz.  Am  besten  steht  es  noch  um  die  Pflege  der  fiskalischen
Wälder;  die  von  ihnen  bedeckte  Fläche  ist  oft  erheblich,  z.  B.  bei
Augustow,  Skiernewice  ic.
Holzstatistik.  Die  Holzausfuhr  aus  Polen  nach  Deutschland ­
  auf  der  Eisenbahn  im  Jahre  1913  ergib:  sich  aus  nachstehenden ­
  Zahlen:*)
Rundholz,  roh,  beschlagene  Stämme  .....  73  423  t
Nutzholz,  Werkholz,  Holzdraht  usw  .55  952  t
Brennholz,  Eisenbahnschwellen,  Grubenholz  .  .  .  103  865  t
Hiervon  ging  über  die  Hälfte  nach  Oberschlesien,  nämlich:
Rundholz,  roh,  beschlagene  Stämme  .....  48  925  t
Nutzholz,  Werkholz,  Holzdraht  usw  18  046  t
Brennholz,  Eisenbahnschwellen,  Grubenholz  ...  82  340  t
Hierzu  kommt  das  auf  dem  Wasserwege  ausgeführte  Holz.
Nach  der  Statistik  der  Binnenschiffahrt  haben  1912  Brahemünde

und  die  Einlager  Schleuse  passiert:
Eisenbahnschwellen  9  777  t
Grubenholz  1483  t
Rundholz  1151  t
Bau-  und  Nutzholz,  unbearbeitet,  hart  .....  73  827  t
weich  ....  564  777  t
„  „  „  beschlagen,  hart  4  357  t
weich  .....  56  286  t
„  „  „  gesägt,  hart  1  960  t
weich  59  629  t
Korb-  und  Floßweiden  ..........  615  t

Von  diesem  Holz  dürste  ein  Teil  allerdings  nicht  aus  Polen
sondern  aus  dem  eigentlichen  Rußland  stammen.
Industrie.  Die  Grundlage  der  polnischen  Industrie  bildet
das  Vorkommen  von  Steinkohlen  und  Erzen  aller  Art,  die  in
Polen  fast  ebensolange  bekannt  sind  und  ausgebeutet  werden,  wie
in  dem  benachbarten  Oberschlesien.  Trotzdem  datiert  die  eigentliche ­
  Entwickelung  der  polnischen  Industrie  erst  seit  der  Mitte
des  vorigen  Jahrhunderts.  Insbesondere  waren  es  zwei  Ilmstände, ­
  welche  den  Aufstieg  der  bis  dahin  fast  noch  handwerksmäßig ­
  betriebenen  polnischen  Industrie  zur  Großindustrie  begünstigten. ­
  Das  war  einmal  die  Abschaffung  der  Zollgrenze
*)  Bergt.  Statistik  der  Mterbewegung  auf  deutschen  Eisenbahnen  nach
Verkehrsbezirken  geordnet.  Herausgegeben  vom  Kaiserlichen  Statistischem  Amte.
80.  Bd.  1913.  Siehe  auch  Anlage  II.
        <pb n="18" />
        18

zwischen  Rußland  und  Polen,  die  im  Jahre  1851  erfolgte  und
die  Aufnahme  Polens  in  das  russische  Zollgebiet  zur  Folge  hatte,
und  sodann  die  im  letzten  Viertel  des  vorigen  Jahrhunderts  beginnende ­
  und  sich  immer  stärker  entwickelnde  protektionistische
Schutzzollpolitik  Rußlands,  deren  Treibhausatmosphäre  die  polnische ­
  Industrie  außerordentlich  schnell  emporwachsen  ließ.
Die  Industrie  Polens  ist  in  3  Gebieten  ansässig,  dem
Warschauer,  dem  Lodzer  und  dem  Sosnowice-Czenstochauer
Gebiet.  Warschau  ist  das  Zentrum  einer  ganzen  Reihe  Industrien, ­
  während  Lodz  der  eigentliche  Sitz  der  polnischen  Textil-Jndustrie
  ist.  Der  Sosnowice-Czenstochauer  Bezirk  hat  seine
Bedeutung  in  erster  Linie  durch  seine  Montanindustrie.
Einen  Überblick  über  die  industrielle  Produktion  Russisch-Polens
  gibt  die  folgende  Tabelle.*)

Bergbau-  und
Hutten-Industrie

Textil-Jndustrie


Nahrungsmittel ­


MetaL-Berarbeitnng


Bekleidungsgewerbe ­


Zahl  der  Anstalten ­
  .  .  .

479

1  166

3  032

I  510

1  918

Gesamtwert  d.
Produktion  in
Rubeln.  .  .

601  394  419

341  266  000

154  724  115

110  301  000

47  919  600

Zahl  der  Arbeiter ­
  .  .  .

45  695

150  305

42  458

62  027

25  438

Steine
und  Erden

Chemikalien ­


Tierprodukte ­


Papier  und
Polygraphie

Holz-Industrie


Gemischte
Gewerbe

Zahl  der  Anstalten ­
  .  .  .

520

264

284

672

879

229

Gesamtwert  d.
Produktion  in
Rubeln.  .  .

30  433  000

29  331  000

29  378  000

25  695  784

23  215  000

7  286  000

Zahl  der  Arbeiter ­
  .  .  .

23  075

8153

7  074

15  402

17  259

3  074

Im  Konzern  der  gesamten  russischen  Industrie  nimmt  die
polnische  Industrie  nach  dem  Stande  vom  Jahre  1907  die  durch
folgende  Tabelle**)  dargestellte  Stellung  ein:

*)  Aus:  „Die  Polen  und  der  Weltkrieg",  Dr.  A.  von  Guttry  S.  114.
**)  Otto  Goebel  bei  Gering  S.  185.
        <pb n="19" />
        19

Industrieller  Bezirk

Gesamte  industrielle
Produktion

%

St.  Petersburg

593  Millionen  Mark

9,22

Mittelrußland  (Moskau  je.)  .  .  .

2  435

37,86

Südrußland

1  092

16,98

Ural

244  „  „

3,79

Kaukasus  ....

323

5,02

Kiew

318

4,94

Polen  mit  Grodno

1  113

17,31

Ostseeprovinzen  ....

313

4,86

Summa  der  Produktion  des  europ.
Rußlands  ohne  Finnland  .  .  .

6  431  Millionen  Mark

99,98

Gesamtproduktion  (mit  Asien  ohne
Finnland)

7  056

Der  Anteil  der  einzelnen  Industriezweige  Polens  an  der
Gesamtproduktion  Rußlands  stellt  sich  folgendermaßen:*)

Industriezweig

Gesamterzeugung
Rußlands  (mit
Asien  ohne  Finnland) ­
  in
Millionen  Mark

Erzeugung ­

Polens
mit  Grodno

Anteil
in
%

Textilindustrie

2  760

619

22  -

Metallverarbeitung  {  f)  8 au &amp;lt;5 en  •  ■
1  b.  Rohesten  .  .  .

1  610
185

192
18

12
10

Kohlenförderung

274

57

21  -

Holzverarbeitung

280

24

9

Papierindustrie  u.  polygraphische  Gewerbe

227

33

15

Keramische  Industrie

218

36

17

Verarbeitung  von  Tierzuchtprodukten  .  .

238

32

13

Nahrungsmittel-Industrie  (ohne  Zucker,

Brennerei,  Brauerei)

349

16

4,6

Chemische  Industrie

308

38

12

Zucker

379

48

13

Im  besonderen  ist  bezüglich  der  einzelnen  Industriezweige
zu  bemerken:

Textilindustrie.**)  Die  Textilindustrie  Polens  ist  die  bedeutendste ­
  Industrie  des  Weichselgebiets,  da  schätzungsweise  ihre
Produktion  die  Hälfte  der  Produktion  aller  Industrien  in  Russisch-Polen ­
  ausmacht  und  von  ihr  die  Hälfte  aller  Industriearbeiter ­
  Polens  beschäftigt  wird.  Die  Zahl  der  Unternehmungen
betrug  1910:  1166  mit  einer  Produktion  im  Werte  von
341  266  000  Rubel;  darunter  643  Fabriken  wollener  und  baum-*)
  Otto  Goebel  bei  Sering  S.  185.
**)  Rosa  Luxemburg,  Frieda  Bielschowsky.
        <pb n="20" />
        20

wollener  Waren  mit  einer  Produktion  im  Werte  von  268  498  000
Rubel  und  116  944  Arbeitern;  ferner  42  Unternehmungen  in
Seide  und  Halbseide  mit  8  387  000  Rubeln  Produktionswert  und
13  Leinen-  und  Jutefabriken  mit  7  240  000  Rubeln  Produktionswerte. ­
  Der  Erzeugung  sonstiger  Textilwaren  dienen  468  Fabriken
mit  einem  Produktionswert  von  57  141  000  Rubel.
Die  älteste  Heimstätte  der  polnischen  Textilindustrie  ist
Lodz.  Hier  siedelten  sich  zu  Ende  des  ersten  Viertels  des  vorigen
Jahrhunderts  schlesische,  sächsische  und  deutsch-böhmische  Tuchweber ­
  an.  In  den  Jahren  1818—1827  sollen  etwa  10  000
Familien  deutscher  Tuchweber  auf  diese  Weise  nach  Lodz  gekommen ­
  sein.  Die  handwerksmäßige  Produktion  dieser  Einwanderer ­
  bildete  die  Grundlage,  auf  der  sich  durch  deutschen
Fleiß,  begünstigt  durch  Unterstützungsmaßregeln  der  russischen
Regierung,  insbesondere  die  Aufhebung  der  Zollgrenze  zwischen
Rußland  und  Polen  im  Jahre  1851  und  die  Zollpolitik  von  1877
an  die  heutige  Großindustrie  aufgebaut  hat.  Aus  dieser  historischen ­
  Entwickelung  erklärt  sich  einmal,  daß  noch  heute  die  Lodzer
Textilindustrie  sich  teilweis  in  deutschen  Händen  befindet,  und
zum  anderen,  daß  der  Lodzer  Jndustriebezirk,  zu  dem  auch  die
Stadt  Lodz  mit  ihren  Betrieben,  ferner  die  Städte:  Zgierz,
Pabianice,  Tomaschow,  Osorkow  und  Zdunska-Wola  nebst  einer
Reihe  kleinerer  Ortschaften  zählen,  unter  den  3  Textilindustriebezirken
  Polens  die  erste  Stelle  einnimmt.
Im  Lodzer  Bezirk  ragt  die  Stadt  Lodz,  das  „russische
Manchester",  durch  ihre  Bedeutung  vor  allen  Städten  hervor;
sie  ist  die  eigentliche  Hochburg  der  polnischen  Baumwollindustric,
die  sie  zu  mehr  als  der  Hälfte  in  den  eigenen  Mauern  beherbergt,
wie  die  nachfolgende  Tabelle  zeigt.

Stanc!  cier  polnischen  Gaumivollinäustrie  im  Jahre  1908.

Ganz
Polen

Gouv.
Pctrikan

Davon
allein  Stadt
Lodz

§1
i  ä

Gouv.
Warschau

Anzahl  der  Fabriken  .  .

76

68

48

5

3

Anzahl  der  Spindeln  und

Spinnereien  ....

1  111  273

1  031  451

604  019

19  090

60  732

Anzahl  der  Spindeln  und

Zwirnereien  ....

154  671

125  149

98  354

1172

8  350

Anzahl  der  Webstühle  .  .

26  215

25  207

16  793

1008

—

Anzahl  der  Arbeiter.  .  .

56183

53  472

32  210

1  793

918

Wert  der  Produktion  in

Rubeln

183  506  099

98  579126

58  744  828

2  404  141

2  522  823
        <pb n="21" />
        21

Der  Anteil  der  Stadt  Lodz  an  der  polnischen  Baumwollindustrie ­
  ist  seitdem  weiter  gewachsen.  Von  den  rund  8  Mill.
B  a  u  m  w  o  I  l  s  p  i  n  d  e  l  n  Rußlands  entfielen  im  Jahre  1910
etwa  1,2  Millionen  auf  das  Petrikauer  Gouvernement,  wovon
0,9  Millionen  auf  die  Stadt  Lodz  kommen;  das  ergibt  etwa
75  c /o  aller  Baumwollspindeln  des  Gouvernements  und  10  des
ganzen  russischen  Reiches.  &amp;lt;—

Der  Zahl  der  Spindeln  entspricht  auch  der  Verbrauch  an
Rohmaterial.  Im  Jahre  1911  weist  Lodz  eine  Einfuhr  von
46  Millionen  kg  Baumwolle  nach.  Bis  1913  dürste  die  Einfuhr ­
  auf  über  50  Millionen  kg  gestiegen  sein.  Zum  Vergleich
mag  angeführt  werden,  daß  der  Verbrauch  Deutschlands  an  roher
Baumwolle  und  Baumwollabfällen  486  Millionen  kg  beträgt.
Die  in  Lodz  zur  Verarbeitung  gelangende  Baumwolle  entstammt
zu  etwa  30  ,%■  den  russischen  Baumwollgebieten.  Der  Rest  kommt
aus  Amerika  und  England;  an  ihrer  Einfuhr  sind  deutsche  Importeure ­
  stark  beteiligt.  Ägyptische  und  persische  Baumwolle  wird
in  Lodz  nur  wenig  verarbeitet.  Die  mittlere  Garnnummer  ist
für  Lodz  17—18  englisch.  Die  Herstellung  vorwiegend  grober
Garne  entspricht  der  Fabrikation  der  billigen  Waren,  die  75  %
der  gesamten  Lodzer  Baumwollproduktion  ausmachen.  Der  Preis
der  Lodzer  Ware  beläuft  sich  auf  20  Kopeken  und  darunter  pro
Arschin  (3  Arschin  —  2,13356  Meter,  1  Kopeke  —  2,15  Pfg.).
Die  Baumwollweberei  in  Lodz  hat  sich  fast  gänzlich ­
  vom  handwerksmäßigen  emanzipiert.  Sie  arbeitet  in  der
Hauptsache  mit  mechanischen  Webstühlen,  wenn  daneben  auch
einige  Unternehmer  noch  Heimarbeit  ausgeben.  Während  früher
die  Lodzer  Textilindustrie  eine  große  Garnausfuhr  nach  dem
zentralrussischen  Jndustriebezirk  hatte,  hat  in  den  letzten  Jahren
Lodz  in  steigendem  Maße  seine  Garne  in  den  eigenen  Webereien
selbst  verbraucht  und  sogar  von  auswärts,  insbesondere  aus  dem
Sosnowice-Czenstochauer  Bezirk  Garn  einführen  müssen.  Im
Durchschnitt  der  Jahre  1893—1904  wurden  aus  dem  Sosnowice-Czenstochauer ­
  Bezirk  140  000  Pud  (1  Pud  —  16,381  kg)
Garn  nach  Lodz  importiert,  während  von  Moskau  13  000  Pud
und  von  Petersburg  52  000  Pud  nach  Lodz  gingen.
Ein  Charakteristikum  der  Lodzer  Industrie  ist  die  Vielseitigkeit ­
  der  Produktion  der  einzelnen  Fabriken.  Im  Gegensatz
zu  Deutschland,  wo  das  Prinzip  der  Arbeitsteilung  so  scharf
durchgeführt  ist,  daß  sich  die  Herstellung  nicht  allein  nach  Branchen,
sondern  auch  nach  Artikeln  sowohl  lokal  wie  betrieblich  geschieden
        <pb n="22" />
        hat,  werden  in  Lodz  „in  ein  und  derselben  Fabrik  Damentuche,
Alpakas  und  leichte  Herrenstoffe  oder  platte  geköperte  und  buntgewebte ­
  Bamnwollwaren  hergestellt".*)  Es  findet  das  seine
Ursache  darin,  daß  in  Lodz  der  Industrielle  den  Absatz  seiner
Waren  selbst  in  die  Hand  nehmen  muß,  da  er  sich  nicht  auf  den
Großkaufmann,  dessen  Fehlen  bekannt  ist,  stützen  kann  und  deshalb ­
  den  Wünschen  seiner  zahlreichen  Kundschaft  gerecht  werden
muß.
H  a  u  p  t  a  r  t  i  k  e  l  der  Lodzer  wie  der  polnischen  Baumwoll-Jndustrie
  überhaupt  ist  wohl  seit  Bestehen  der  Industrie
der  B  a  r  ch  e  n  d  ,  der  als  gerauhter  Baumwollstoff,  Moleskin,
Baumwolltrikot  in  den  Handel  gebracht  wird  und  für  den  als
Mette  die  Garnstärke  Nr.  14—20  und  als  Schuß  Nr.  2—12  verwendet ­
  werden.  Daneben  werden  hergestellt:  Satin,  Futterstoffe
(Kreas,  Croiso),  Waschstoffe,  Madapolam,  Inletts,  Nesseltuch,
Taschentücher,  baumivollene  Plüsche,  Decken,  Portieren.  Nicht
unbedeutend  ist  auch  die  Herstellung  halbwollener  Waren.  Vorwiegend-beschränkt ­
  sich  die  Fabrikation  auf  weiße,  glatte  Stoffe;
buntgewebte  und  gedruckte  werden  weniger  hergestellt.  Ganz  gcringfügig
  ist  die  Herstellung  feiner  Baumwollwaren,  Mousseline,
Bengalin,  Tüll,  Chiffon,  Batist,  da  deren  Herstellung  bei  der
billigen  Einfuhr  nicht  lohnt;  sie  bilden  den  Hauptbestandteil  des
deutschen  Imports  in  Textilwaren.
In  der  Baumwollindustrie  ist  durchweg  der  Großbetrieb
zur  Vorherrschaft  gelangt;  ca.  90  %  der  gesamten  Produktion
werden  von  einigen  wenigen  Riesenbetrieben  hergestellt,  wie  die
nachstehende  Tabelle  veranschaulicht.

Goctsutung  cler  Aktiengesellschaften  in  cler  polnischen
Laummollinäustrie  nach  ciem  Stancle  von  1908.

Aktiengesellschaft ­


Insgesamt

Anzahl  der  Fabriken

23

76

„  „  Spindeln  in  Spinnereien  .  .  .

883  034

1  111  273

„  ,,  „  „  Zwirnereien  .  .  .

109  405

154  671

„  „  Webstühle

21  027

26  215

„  „  Arbeiter

43  283

56193

Wert  der  Produktion  in  Rubeln

83  214  777

103  506  099

Die  Aktiengesellschaften  sind  ausnahmslos  Familiengründungen; ­
  ihre  Aktien  wurden  an  der  Börse  nicht  gehandelt.  Aus

*)  Bielschowsky  Seite  64.
        <pb n="23" />
        den  Bilanzen  der  Lodzer  Aktiengesellschaften  vom  Jahre  1900  hat
Bielschowsky*)  folgende  Daten  zusammengestellt:

Anzahl  der
Gesellschaften ­


Aktienkapital ­

Rbl.

Immobilien
und
Maschinen
Rbl.

Materialien
und
Waren
Rbl.

Gesamter
Gewinn
Rbl.

Durchschnitts- ­



9

28,5  Will.

45,3  Mill.

28,9  Mill.

2,2  Mill.

5  7/12

-  Im  Gegensatz  zur  Baumwollindustrie  hat  die  W  o  l  l  -
i  n  d  u  st  r  i  e  dem  Zug  zur  Großindustrie  nicht  ganz  Folge
leisten  tonnen.  Neben  dem  modernen  Großbetriebe  steht  hier  der
Kleinbetrieb  und  die  Hausindustrie.  Zentrum  und  älteste  Heinistätte ­
  der  Wollindustrie  Polens  ist  gleichfalls  Lodz,  daneben  für
schwere  Wollstoffe  Tomaszow  und  Zgierz,  das  sich  schon  früh
durch  seine  Tuchwebereien  auszeichnete.  AusKalisch  und  Zdunska-Wola,
  in  der  sie  in  den  achtziger  Jahren  stark  vertreten  war,  verschwindet ­
  sie  allmählich  mit  dem  Absterben  der  Hausindustrie.
Lodz  zählt  ea.  150  000  Kammgarnspindeln,  von  denen  130  000
in  französischen  Tochterunternehmnngen  laufen.
Gesponnen  werden  in  Lodz
in  Kammgarn  Nr.  20—70,
„  Zwirnen  2 / 30 — 2 /-o,
„  Cheviot-Garnen  Nr.  10—32,
„  Cheviot-Zwirnen  V 12 —V«  (numeriert  nach  metrischem
System).
Versponnen  werden  neben  feinen  russischen  Kammgarnwollen ­
  aus  der  Krim  und  ordinären  kaukasischen  Wollen  auch
La  Plata-,  Kap-  und  Australwollen.  Die  vom  Ausland  importierte ­
  Wolle  beträgt  etwa  Vz—Vs  des  Gesamtbedarfs.  Polnische
Wolle  wird  ivegen  ihrer  kurzen,  dünnen  Faser  vorwiegend  zur
Streichgarnfabrikation  verwendet.  Vor  Ausbruch  des  Krieges
bestanden  in  Lodz  ungefähr  80  Streichgarnspinnereien,  von  denen
75  °/ci  Lohnarbeit  für  die  kleineren  und  mittleren  Lodzer
Webereien,  die  das  Rohmaterial  selbst  einzukaufen  und  zu  mischen
pflegen,  ausführen.  Ein  Gegenstück  hierzu  bilden  die  Lodzer
Lohn-Wollwebereien.  Diese  haben  zum  großen  Teil  noch  Handbetrieb. ­
  Überhaupt  weist  die  Wollweberei,  auch  in  den  selbständigen ­
  Unternehmungen,  noch  eine  ganze  Reihe  Handbetriebe  auf,
die  insbesondere  bei  der  Herstellung  von  Kammgarn,  Paletotstoffen,
  Läufern,  Tüchern  die  Konkurrenz  der  mechanischen
Webereien  ertragen  konnten.  Diese  kleinen  Spinnereien  und
*)  a.  a.  O.  Seite  79.  Tie  entsprechenden  Zahlen  für  die  Wollindustrie
sieh.  folg.  Seite.
        <pb n="24" />
        24

warn

Webereien  sind  in  ihrer  Bedeutung  jedoch  immer  mehr  zurückgedrängt ­
  von  den  großen  gemischten  Betrieben,  die  sich  ihnen
gegenüber  als  imposante  Unternehmungen  darstellen,  wenn  sie
auch  andererseits  einen  Vergleich  mit  den  Riesenbetrieben  der
Baumwollindustrie  nicht  aushalten  können.
Die  größten  Unternehmungen  der  Branche  sind  als  Aktiengesellschaften ­
  gegründet.  Im  Jahre  1900  wurden  10  Aktiengesellschaften ­
  gezählt  mit  einem  Aktienkapital  von  17  925  000
Rubel.  Der  Wert  der  Materialien  betrug  12  095  000  Rubel,
derjenige  der  Immobilien  und  Maschinen  15  905  000  Rubel.
Der  Gesamtgewinn  war  auf  836  600  Rubel  angegeben.  Die
Durchschnittsdividende  berechnete  sich  auf  3,9  %,
Was  die  Art  der  von  der  W  o  l  l  i  n  d  u  st  r  i  e  hergestellten
Waren  anbetrifft,  so  zeigt  sich  hier  die  Beschränkung  auf  die
billigeren  Artikel  nicht  in  dem  Maße,  wie  bei  der  Baumwollindustrie. ­
  Mit  Ausnahme  der  ganz  teuren  Waren  und  der  Modeneuheiten, ­
  die  vom  Auslande  eingeführt  werden,  werden  von  der
Wollindustrie  alle  zur  Branche  gehörenden  Waren  hergestellt.
Die  Textilindustrie  im  Sosnowicer  Bezirk,  der  den
südwestlichen  Teil  des  Gouvernements  Petrikau  mit  den  Städten
Czenstochau,  Bendzin,  Zawiercie  und  Sosnowice  umfaßt,  ist
jüngeren  Datums.  Ihr  Entstehen  ist  eine  unmittelbare  Folge
der  russischen  Zollpolitik  von  1877  an,  die  die  ausländischen
Unternehmer  veranlaßte,  jenseits  der  sich  ihnen  immer  mehr  verschließenden ­
  Grenze  Filialfabriken  anzulegen.  Die  Unternehmungen ­
  des  Bezirks  sind  durchweg  in  der  Form  von  Aktiengesellschaften ­
  organisiert.  Während  die  deutschen  Tochterunternehmungen ­
  in  der  Folgezeit  verselbständigt  worden  sind,  haben  die  französischen ­
  und  englischen  Unternehmungen,  die  neben  den  deutschen
in  geringerem  Umfange  gegründet  wurden,  den  Filialcharakter
beibehalten.  Die  französischen  Unternehmungen  dienen  hauptsächlich ­
  der  Kammgarnspinnerei,  die  von  Roubaixer  Spinnern
nach  Polen  verpflanzt  wurde.
Die  Kammgarnspinnerei  ist  der  bedeutendste  im  Sosnowice-Czenstochauer
  Bezirk  vertretene  Textilindustriezweig.  Vor
Ausbruch  des  Krieges  liefen  daselbst  ungefähr  220  000  Kammgarnspindeln, ­
  d.  h.  69  %  aller  auf  Kammgarn  laufenden  Spindeln ­
  in  Polen.  Die  Produktion  der  Kammgarnspinnerei  hatte
einen  Gesamtwert  von  etwa  30  Millionen  Rubel.  Hinter  der
Kammgarnspinnerei  tritt  die  Baumwollspinnerei  zurück.  Die
Zahl  der  Baumwollspindeln  im  Sosnowice-Czenstochauer  Textilindustriebezirk ­
  betrug  im  Jahre  1910:  100  000.  Die  Baum-
        <pb n="25" />
        Wollweberei  ist  von  kleinerem  Umfange;  sie  umfaßt  nur  14%
aller  mechanischen  Webstühle  Polens.  Die  Jahresproduktion  der
Baumwollindustrie  des  Sosnowice-Czenstochauer  Bezirks  hatte
einen  Wert  von  etwa  15  Millionen  Mark.
Was  die  Betriebsart  anlangt,  so  herrscht  durchweg  der
Großbetrieb  vor.  Die  Gesamtproduktion  der  Textilindustrie  des
Bezirks  beträgt  etwa  50  Millionen  Rubel.
Begünstigt  ist  die  Textilindustrie  des  Sosnowice-Czenstochauer ­
  Bezirks  durch  die  Nähe  des  Kohlenreviers,  das  ihr  die
nötigen  Heizstoffe  und  in  den  Fainilienangehörigen  der  Bergarbeiter ­
  zugleich  billige  Arbeitskräfte  liefert.
Der  Warschauer  Jndustriebezirk  zählt  10
Baumwolle  verarbeitende  Fabriken  mit  einem  Produktionswert
von  15  367  100  Rubel,  während  die  Wolle  verarbeitende  Industrie ­
  12  Fabriken  mit  einem  Produktionswert  von  2  172  600
Rubel  umfaßt.  Die  Leinenfabriken  Warschaus  haben  einen  Produktionswert ­
  von  9  300  000  Rubel.  Insgesamt  zählt  der  Warschauer ­
  Rayon  103  Textilfabriken  mit  einer  Gesamtproduktion
von  28  051  000  Rubel.
Das  Absatzgebiet  der  polnischen  Textilindustrie  liegt
nur  zum  geringen  Teil  in  Polen.  Polen  selbst  nimmt  nur  ungefähr
l /io  der  Erzeugnisse  seiner  Industrie  auf,  während  e ho  in  das
übrige  europäische  und  asiatische  Rußland  versandt  werden.  Von
anderer  Seite  wird  der  Absatz  der  polnischen  Textilindustrie  auf
den  russischen  und  asiatischen  Märkten  auf  S U  der  Produktion
geschätzt.  Neben  dem  Territorium  des  Weichselgebietes  werden  zunächst ­
  die  westlichen,  südlichen  und  südwestlichen  Teile  Rußlands
mit  den  Erzeugnissen  der  polnischen  Textilindustrie  versorgt.  Es
handelt  sich  hier  um  Landesteile,  die  ehemals  zum  polnischen
Königreich  gehörten,  nämlich  Podolien,  Wolhynien  und  Littauen.
Im  Norden  wendet  sich  der  Absatz  der  Textilindustrie  nach  den
Ostsee-Provinzen,  in  denen  insbesondere  Riga  Garne  und  Fertigfabrikate ­
  aufnimmt.  Auch  Petersburg  nimmt  einen  nicht  unbedeutenden ­
  Teil  der  polnischen  Textilerzeugnisse  auf.  Im  Süden
erstreckt  sich  das  Absatzgebiet  der  polnischen  Textilindustrie  bis  zum
Don.  Haupthandelsplätze  sind  hier  ftir  polnische  Textilwaren  Odessa
und  Berditschew.  Bedeutender  als  nach  den  vorgenannten  Gegenden
ist  der  Absatz  nach  Zentral-Rußland.  Hier  nehmen  insbesondere
Moskau,  Nischnij  Nowgorod  und  Wladimir  große  Mengen  auf.
Der  Kaukasus  und  das  asiatische  Rußland  haben  sich  immer  mehr
als  gute  Aufnahmemärkte  für  polnische  Textilwaren  entwickelt.
Über  die  Grenzen  des  russischen  Reiches  hinaus  hat  jedoch  Polen
        <pb n="26" />
        26

seine  Textilerzeugnisse  noch  nicht  absetzen  können.  Es  liegt  das
daran,  daß  die  polnische  Textilindustrie  namentlich  infolge  der
hohen  Zölle  auf  Rohmaterialien  zu  teuer  produziert,  sodaß  sie
mit  der  deutschen  und  der  englischen  Textilindustrie,  die  den  Weltmarkt ­
  beherrschen,  nicht  in  Konkurrenz  treten  kann.  Deshalb  har
auch  die  Ausfuhr  nach  China  und  Persien  und  der  Türkei  trotz
der  staatlichen  Subvention  von  Exportgesellschaften  keinen  Raum
gewinnen  können.
Montanindustrie.*)  Nächst  der  Textilindustrie  ist  die
Montanindustrie  Russisch-Polens  von  besonderer  Bedeutung.
Russisch-Polen  ist  reich  an  Bodenschätzen  und  zwar  hauptsächlich ­
  an  Steinkohlen,  Eisen-,  Zink-,  Blei-  und  Kupfererzen.
Die  Geschichte  der  polnischen  Montanindustrie  beginnt  erst
nach  der  dritten  Teilung  Polens,  als  unter  der  Leitung  des
preußischen  Staatsministers  Graf  Reden  in  Russisch-Polen,
ebenso  wie  in  dem  benachbarten  Oberschlesien,  die  ersten  größeren
Steinkohlengruben  ins  Leben  gerufen  wurden.  Noch  heut  trägt
das  mächtigste  Steinkohlenflöz  in  Russisch-Polen  Redens  Namen.
Steinkohlenbergbau.  Geologisches.  Die  Steinkohlengebirgsschichten
  treten  hauptsächlich  im  Kreise  Bendzin  in  der
Gegend  von  Dombrowa  auf;  sie  bilden  einen  Teil  des  großen
mährisch-schlesisch-polnischen  Steinkohlenbeckens.  Die  Ausdehnung ­
  der  Steinkohlensormation  erstreckt  sich  nach  Osten  bis  etwa
an  eine  Linie  von  Sombkowice  in  südöstlicher  Richtung  über
Sarnow-Slawkow  bis  in  die  Gegend  südlich  von  Olkusz.  Das
Areal  der  flözführenden  Kohlenformation  im  russisch-polnischen
Jndustriebezirk  beträgt  nach  deutscher  Schätzung  etwa  400  qkm,
während  die  amtlichen  russischen  Berichte  ein  erheblich  größeres
Areal,  nämlich  800  qkm,  als  kohleführend  annehmen.  Der  Vorrat ­
  an  abbauwürdiger  Kohle  wird  nach  einer  Schätzung  des  russischen ­
  Geologen  Czarnocki  aus  dem  Jahre  1909  nach  Abzug  der
Abbauverluste  auf  über  2  Milliarden  Tonnen  angegeben,  was  zutreffen ­
  dürfte.  Was  die  Schichtenfolge  anlangt,  so  handelt  es  sich
um  die  gleichen  Schichten,  welche  in  Oberschlesien  bei  Zabrze,
Beuthen  und  Myslowitz  auftreten  und  nach  Polen  hinüberstreichen; ­
  sie  finden  ihre  Fortsetzung  in  Galizien  bei  Jaworznv,
Sierza  und  Tenczynek.
In  Polen  findet  eine  Verschmelzung  der  Schichten  in
östlicher  Richtung  statt;  die  Sattelflöze  Oberschlesiens  haben  sich
zu  einem  einzigen  Flöz,  dem  Redenflöz,  vereinigt,  das  hier  die
*)  Quellenangabe  s.  am  Schluß.
        <pb n="27" />
        27

außerordentliche  Mächtigkeit  von  12—18  m  aufweist.  Die
Hangenden  Karwiner  Schichten  und  die  liegenden  Ostrauer
Schichten  sind  gleichfalls  zusammengeschmolzen;  auch  diese  Schichtn ­
  enthalten  eine  Anzahl  bauwürdiger  Flöze  von  ansehnlicher
Mächtigkeit.
Die  Schichten  des  Steinkohlengebirges  treten  an  zahlreichen
Punkten  zu  Tage,  überall  sonst  wird  das  Karbon  von  den  jüngeren ­
  Schichten  der  Trias,  des  Tertiärs  und  des  Diluviums  überlagert. ­
  Die  Mächtigkeit  dieser  Schichten  ist  jedoch  nicht  bedeutend, ­
  so  daß  die  Tiefe  der  Schächte  in:  allgemeinen  gering  ist.
In  Dombrowa  wurde  früher  sogar  das  mächtige  Redenflöz  im
Tagebau  gewonnen.
Die  Lagerung  der  Steinkohlengebirgsschichten  ist  verhältnismässig ­
  wenig  gestört.  Größere  Faltenverwerfungen  sind  nicht
vorhanden.  Dagegen  treten  eine  Anzahl  meist  nordsüdlich  verlaufender ­
  Sprünge  auf,  die  namentlich  im  westlichen  Teile  des
Gebietes  fiir  den  Bergbau  störend  sind.
Die  Wasserführung  der  Schichten  ist  im  allgemeinen  nicht
bedeutend.  Mit  größeren  Wasserschwierigkeiten  haben  die  Gruben
hauptsächlich  dort  zu  kämpfen,  wo  das  Steinkohlengebirge  die
stark  Wasser  führenden  Schichten  der  Trias  unterlagert.
Steinkohlen  finden  sich  auch  noch  in  den  Schichten  der
Keuperformation  weiter  südlich  in  der  Gegend  von  Blanowicc
und  Zawierce.  Diese  sogenannten  Moorkohlen  sind  in  Flözen
entwickelt,  die  geringe  Stärke  besitzen  (bis  2  m)  und  verhältnismäßig ­
  aschereich  sind.  Sie  werden  in  mehreren  Gruben  abgebaut,
dienen  meist  Jndustriezwecken,  sind  aber  auch  für  Hausbrandzwecke ­
  im  näheren  Umkreise  gut  verwendbar.
Beschaffenheit  der  Kohlen.  Die  Kohlen  aus  den
verschiedenen  Gruben  und  Flözen  des  Dombrowaer  Beckens  sind
verhältnismäßig  wenig  von  einander  verschieden.  Sie  gehören
durchweg  zur  Gattung  der  nicht  backenden  Magerkohlen.  Infolge
ihres  starken  Sauerstoffgehaltes  brennen  sie  mit  langer  Flamme.
Die  Menge  der  flüchtigen  Bestandteile  beträgt  40%,  der  mittlere ­
  Heizwert  der  lufttrockenen  Kohle  6600  Wärmeeinheiten.  Der
Aschengehalt,  der  starken  Schwankungen  unterworfen  ist,  ist  recht
hoch,  er  beträgt  im  Durchschnitt  über  7
Zur  Herstellung  von  Koks-  und  Leuchtgas  ist  die  Dombrowaer ­
  Kohle  nicht  geeignet.
Im  folgenden  seien  einige  Analysen  von  polnischen  Kohlen
mitgeteilt.  Es  enthielt  die  Kohle  im  ursprünglichen  Zustande:
        <pb n="28" />
        28

Name  der
Grube

Kohlenstoff ­


Wasserstoff ­


Stickstoff ­


Schwefel

Wasser

Asche

Sauerstoff ­


Czeladz

67,46

3,68

0,74

0,81

8,82

5,85

12,64

Saturn

69,39

4,08

0,79

0,41

7,65

5,07

12,61

Renard

67,27

4,00

0,84

0,88

10,46

5,71

10,84

Kasimir

61,99

3,63

0,66

1,19

12,48

7,94

12,11

Man  ersieht  aus  diesen  Zahlen,  daß  die  Dombrowaer  Kohle
der  oberschlesischen  Kohle  wesentlich  an  Güte  nachsteht.  Die  oberschlesische ­
  Kohle  hat  wesentlich  höhere  Heizkraft  und  geringeren
Aschegehalt.  Ferner  sind  die  Kohlen  aus  zahlreichen  oberschlesischen ­
  Flözen  zum  Verkoken  oder  zum  Vergasen  geeignet.
Erwähnt  sei  hier,  daß  die  Dombrowaer  Kohle  auch  von  der
Donezkohle  an  Güte  stark  übertroffen  wird.  Das  Donezrevier
liefert  säst  alle  Sorten  von  Kohlen,  nämlich  Antrazit,  Kokskohle,
Gaskühle,  wenig  backende  Kohle  und  Magerkohle.  Der  Heizwert
soll  bei  der  Donezkohle  im  Durchschnitt  7500  Wärmeeinheiten
betragen.  Das  Wertverhältnis  der  Dombrowaer  Kohle  zur  Donezkohle ­
  wurde  1913  von  Münzer  (Analysen  russischer  Kohle  und
kurze  Charakteristik  der  Hauptkohlenlagerstätten  Rußlands)  mit
121  :  100  angegeben.  Frühere  Berechnungen  bestimmten  es  mit
130  :  100.
Die  Steinkohlenindustrie  Polens  liegt  in  den  Händen  der
nachstehenden  Gesellschaften,  welche  im  Jahre  1913  die  angegebenen ­
  Mengen  gefördert  haben:
Tonnen  %
Sosnowicer  Kohlengruben-  und  Hüttenanlagen-Gesellschaft
(Gruben  Niwka,  Klimontow  I  und  II,  Mortimer,  Milvwice)  1  472  661  21,55

Montan-Gesellschaft  Saturn  (Gruben  Saturn,  Jupiter!  -  852  624  12,48
Montau-Gesellschaft  Graf  Renard  (Gruben  Graf  Renard,
Andreas  II)  704  201  10,31
Warschauer  Kohlengruben-  und  Hüttenanlagen-Gesellschaft
(Gruben  Kasimir,  Jakob)  876  465  12,83
Französisch-italienische  Gesellschaft  der  Dombrowaer  Steinkohlengruben ­
  (Gruben  Paris,  Koszelew)  660  332  9,66
Czeladzer  Steinkohlengruben-Gesellschaft  (Grube  Czeladz)  617  363  9,03
Grodziecer  Steinkohlengruben-  und  Industrie-Gesellschaft
(Grube  Grodziec  II)  642  288  9,40
Gewerkschaft  Flora  (Gruben  Flora,  Franz)  395  865  5,79
Französisch-russische  Bergbau-Gesellschaft  (Grube  Reden)  274  032  4,01
C.  G.  Schoen  (Grube  Anton)  97  288  1,42
14  kleinere  Gruben  verschiedener  Besitzer  (Andreas  III,
Alma,  Rudolf,  Grodziec  I,  Stanislaus,  Florian,  Wanczyk,
Helene,  Amerika,  Nikolaus,  Alwine,  Zdzislaw,  Lilit)  240  469  3,52

Summe  Steinkohlen  6  833  588  100,00
        <pb n="29" />
        Aus  dieser  Zusammenstellung  geht  hervor,  daß  95  %  der
gesamten  Kohlenförderung  sich  in  den  Händen  von  neun  Gesellschaften ­
  befinden,  deren  jede  über  250  000  Tonnen  fördert.
Die  Anlage-  bezw.  Aktienkapitalien  der  Steinkohlengruben-Gesellschaften

  des  Dombrowaer  Bezirks  sind  im  folgenden  zusammengestellt: ­

Sosnowicer  Kohlengruben-  und  Hüttenanlagen-Gesellschaft  9  750  000  Rubel
Montau-Gesellschaft  Saturn  .  5  000  000  „
Warschauer  Kohlengruben-  und  Hüttenanlagen-Gesellschaft  3  000  000  „
Montan-Gesellschaft  Graf  Rennrd  7  098  970  „
Französisch-italienische  Gesellschaft  2  250  000  „
Czeladzer  Steinkohlengruben-Gesellschaft  9  750  000  „
Gewerkschaft  Flora  .'  1  050  000  „
Französisch-russische  Bergbau-Gesellschaft  2  250  000  „
Grodzieeer  Steinkohleugruben-  u.  Industrie-Gesellschaft  .  .  2  625  000  „

Die  Hauptgruben  waren  ursprünglich  im  Besitz  des  Staates.
Ein  Teil  der  Gruben  befand  sich  in  deutschen  Händen  und  gelangte ­
  zu  verhältnismäßiger  Blüte,  bis  Regierungsmaßnahmen
verschiedener  Art  die  Deutschen  zwangen,  ihren  Besitz  zu  verkaufen. ­
  Die  meisten  Werke  wurden  gegründet  und  kainen  dann
in  inobiler  Form  hauptsächlich  in  französische  Hände.  Auch  die
Staatsgruben  wurden  an  französische  Gesellschaften  verkauft  oder
verpachtet.  Die  meisten  Gruben,  auch  diejenigen  mit  deutschem
und  polnischem  Namen,  sind  daher  heut  im  Besitz  französischer
Gesellschaften.  Nur  wenige  Gruben,  wie  Saturn  und  Grodziee,
sind  in  deutschen  Händen  geblieben.  Russen  und  Polen  sind  nur
in  geringem  Umfange  an  der  Industrie  beteiligt.
Im  folgenden  werden  über  die  wichtigsten  Gesellschaften,
die  in  Russisch-Polen  Steinkohlenbergbau  treiben,  nähere  Mitteilungen ­
  gemacht;  hierbei  ist  das  Aktienkapital  sowie  die  Förderung ­
  der  einzelnen  Gruben  nochmals  angegeben.
Die  Sosnowicer  Gesellschaft  fiir  Kohlengruben, ­
  Erzgewinnung  und  Hiittenbetrieb
in  Sosnowice  (Sosnowicer  Aktien-Gesellschaft)  ist  eine
französische  Gesellschaft.  Sie  erwarb  im  Jahre  1890  von  dem
deutschen  Besitzer  von  Kramsta  Kohlen-  und  Galmeigruben  und
Zinkhütten.  1912/13:  Aktienkapital  9  750  000  Rubel,  dazu  an
Obligationen  (1912/13)  5  312  437  Rubel.  Dividende  12  %•»
Gruben:  Niwka  (427  696  t),  Klimontow  I  (186  187  t),  Klimontow
  II  (2  782  t),  Klimontow  III  (noch  nicht  im  Betrieb),
Mortimer  (208  161  t),  Milowice  (647  835  t).
D  i  e  Montan-Gesellschaft  Saturn  in  Sosnowice ­
  wurde  im  Jahre  1890  von  deutschen  und  Lodzer
Kapitalisten  gebildet.  Hauptaktionär  ist  der  Industrielle  von

29
        <pb n="30" />
        30

Scheibler  in  Blumerode  bei  Breslau.  Die  Gesellschaft  erwarb
vom  Fürsten  Hohenlohe  die  Saturngrube  bei  Czeladz  sowie  Zinkund
  Bleierzgruben.  Inzwischen  hat  sie  noch  eine  neue  Anlage,
die  Jupitergrube  in  Wojkowice,  errichtet.  1912/13:  Aktienkapital ­
  5  Millionen  Rubel.  Obligationen  2  175  500  Rubel.
Dividende  14%.  Gruben:  Saturn  (833  104  t)  und  Jupiter
(19  520  t).
D  i  e  Warschauer  Gesellschaft  für  Steinkohlengruben ­
  und  Hüttenindustrie  befindet  sich
hauptsächlich  in  polnischen  Händen.  Sie  betreibt  die  Kasimir-,
Felix-  und  Jacobgrube  in  Niemce  bei  Granica  und  hat  ferner
die  Juliusgrube  bei  Porombka  angelegt.  1912:  Aktienkapital
3  Millionen  Rubel.  Dividende  17,5  %;.  Gruben:  Kasimir  mit
Jacob  (876  465  t).
Die  Gewerkschaft  Graf  Renard  ist  eine  der
ältesten  Gesellschaften  im  polnischen  Jndustriebezirk.  Sie  Ivar
früher  eine  deutsche  Gesellschaft,  die  von  dem  Grafen  Renard
gegründet  wurde.  Seit  dem  Jahre  1884  befinden  sich  jedoch  die
meisten  Kuxe  in  französischen  Händen.  Die  Gesellschaft  besitzt
außer  zwei  Steinkohlengruben  ein  Rohrwerk  und  eine  große
Brauerei.  1912/13:  Kapital  7  686  873  Rubel.  Dividende
400  000  Rubel.  Gruben:  Graf  Renard  (662  472  t)  und  Andreas ­
  II  (41  729  t).  Die  Gewerkschaft  gehört  zum  Konzern
der  Huta  Bankowa  und  der  französisch-russischen  Gesellschaft;
dieser  Konzern  ist  vom  Credit  Lyonnais  abhängig.
Die  französisch-italienische  Gesellschaft
wird  gleichfalls  mit  französischem  Kapital  betrieben.  Sie  hat
vom  russischen  Staate  die  Koszelewgrube  auf  90  Jahre  gepachtet
und  ferner  die  Paris-Grube  bei  Dombrowa  erworben.  1912/13:
Anlagekapital  (Aktien  und  Obligationen)  3  615  188  Rubel.
Dividende  675  000  Rubel.  Gruben:  Paris  und  Koszelew
(660  332  t).
Ebenso  ist  die  Kohlengrubengesellschaft
Czeladz  eine  französische  Gesellschaft.  1912:  Aktienkapital
3  750  000  France,  Amortisationsfonds  2  521  354  Francs.  Grube:
Czeladz  (617  363  t).
Die  Anteile  der  Steinkohlen-Aktiengesellschaft
  Flora  in  Dombrowa  sollen  hauptsächlich  in  den
Händen  der  österreichischen  Länderbank  sein.  Der  Sitz  der  Verwaltung ­
  ist  Warschau.  1912:  Aktienkapital  1  050  000  Rubel.
Dividende  10  %.  Gruben:  Flora  (389  596  t),  Franz  (6  269  t).
        <pb n="31" />
        31

D  i  e  französisch-russische  Gesellschaft  ist
gleichfalls  in  französischen  Händen.  Sie  hat  vom  russischen
Staate  die  Reden-  und  Thadeusgrube  sowie  ferner  Galmeigruben
und  Zinkhütten  gepachtet.  1912/13:  Aktienkapital  2  250  000
Rubel,  Amortisationsfonds  2  816  653  Rubel.  Grube:  Reden
(274  032  t).

Die  Grodziecer  Gesellschaft  für  Kohlengruben ­
  und  Industrie-Anlagen  in  Grodziec
bei  Bendzin  betreibt  die  gleichnamige  Grube.  Die  Hauptaktionäre
sind  Fürst  Henckel  von  Donnersmarck  und  Geheimer  Kommerzienrat ­
  von  Friedlaender-Fuld.  Außerdem  ist  an  der  Grube  auch
polnisches  Kapital  beteiligt.  1912:  Anlagekapital  3  501  000  Rubel. ­
  Obligationen  1  130  556  Rubel.  Dividende  10.%.  Grube:
Grodziec  II  (642  289  t).
Die  Antongrube  befindet  sich  im  Besitz  der  deutschrussischen ­
  Kapitalisten  Schön  &amp;amp;  Lamprecht.  Der  Besitz  soll  in
Umwandlung  in  eine  russische  Aktiengesellschaft  begriffen  fein.
Das  Anlagekapital  ist  nicht  bekannt.
Im  folgenden  ist  die  Förderung  der  polnischen  Gruben  und
zum  Vergleich  diejenige  des  oberschlesischen,  des  Ostrau-Karwiner
und  des  galizischen  Beckenanteils  im  Jahre  1913  mitgeteilt.
Es  förderten:
die  oberschlesischen  Gruben  .....  43  801  056  t
„  Ostrau-Karwiner  Gruben  .  .  .  .  9  376  513  t
„  galizischen  Gruben  ......  1  970  705  t
„  russisch-polnischen  Gruben  ....  6  833  587  t

Die  Förderung  der  polnischen  Gruben  könnte  ohne  besondere ­
  Schwierigkeiten  auf  das  Doppelte  bis  Dreifache  ihrer  jetzigen ­
  Höhe  gesteigert  werden.
Zum  Vergleich  sei  ferner  noch  die  Förderung  aus  den
anderen  russischen  Kohlenbezirken  angegeben:

Donezrevier  .  .  .  .  .
Dombrowaer  Revier  .  .
Ural  .......
Moskauer  Revier  .  .  .
Kaukasus
Turkestan  ......
West-Sibirien  .  .  .  .
Oftz-Sibirien  .  .  .  .  ^
Zusammen

1911
1000  Pud

Tonnen

1  209  710

=

19  815  049

360  400

—

5  903  352

41  800

—

684  684

10  860

—

177  887

3  380

=

55  364

3  500

57  330

31  437

514  938

64  356

—

1  054151

1  725  443

—

28  262  755
        <pb n="32" />
        32

Das  Königreich  Polen  steht  also  unter  den  kohleliefernden
Bezirken  Rußlands  an  zweiter  Stelle.  Das  Donezbecken  liefert
etwa  70,7.%;  und  das  Dombrowaer  Becken  ungefähr  21,1%  der
in  Rußland  geförderten  Kohle.
Nach  der  Teilung  des  Kreises  Bendzin  in  ein  deutsches
und  ein  österreichisches  Verwaltungsgebiet  liegen  im  deutschen
Verwaltungsgebiete  folgende  Gniben  mit  einer  Jahresförderung
im  Jahre  1913:

1.  Saturn  und  Jupiter  .  .  .

mit

852  624  Tonnen  Kohle

2.  Czeladz

„

617  363

„

„

3.  Milowice

„

647  835

„

„

4.  Grodziec  I

„

62  322

„

„

5.  Grodziec  II  .....

„

642  229

„

„

6.  Graf  Renard

„

662  472

„

„

und  Andreas  II  .  .  .

„

41  729

„

„

7.  Anton  .......

„

97  288

„

„

8.  Alma

„

37  198

„

„

9.  Andreas  III  .....

„

44136

„

„

10.  Kleinere  Förderungen  mit

ca.

50  000

„

„

Die  gesamte  Förderung  betrug

demnach  1913  .....

.  3  755  196

Tonnen  Kohle.

Im  österreichischen  Gebiet  liegen  die  Gruben:

1.  Flora  und  Franz  ....

mit

395  865  Tonnen  Kohle

2.  Reden

„

274  032

„

3.  Mortimer

„

208  161

„

„

4.  Paris-Koszelew  .....

„

660  332

„

„

5.  Niwka  ........

„

427  696

„

„

6.  Klimontow

„

188  968

„

„

7.  Kasimir-Jacob  .....

„

876  465

„

„

8.  Kleinere  Förderungen  mit

ca.

20  000

„

„

insgesamt  mit  3  051  519  Tonnen  Kohle.

.  Die  Gruben  im  deutschen  Verwaltungsgebiet  fördern  demnach: ­
  3,755  Millionen  Tonnen  Kohle,  diejenigen  im  österreichischen ­
  Verwaltungsgebiet:  3,052  Millionen  Tonnen  Kohle.  Die
Differenz  ist  also  nicht  erheblich.
I  in  übrigen  ergibt  ein  Vergleich  zwischen
den  beiden  Gebieten,  welche  unter  österreichischer ­
  und  deutscher  Verwaltung  st  e  h  e  n  ,
ganz  erhebliche  Vorteile  für  das  österreichische ­
  Gebiet.  Diese  zeigen  sich  in  der  Tatsache,  daß  die
Flöze  des  österreichischen  Teiles  des  Kreises  Bendzin,  wenn-
        <pb n="33" />
        gleich  ihre  Ablagerungen  auch  von  einigen  größeren  Sprüngen ­
  durchsetzt  werden,  ungestörter  sind  als  die  von  zahlreichen
kleineren  Störungen  betroffenen  Flözpartien  der  Gruben  des
deutschen  Verwaltungsgebietes.  In  dem  erstgenannten  Gebiete
sind  die  Flöze  auf  größere  Erstreckung  hin  in  gleichmäßiger  Stärke
entwickelt  und  im  allgemeinen  von  einer  durchschnittlich  größeren
Mächtigkeit  als  in  den  deutschen  Gebieten.  Die  regelmäßige
Lagerung  dieser  einzelnen  Flözpartien  gewährleistet  auch  eine
durchgängig  günstigere  Kohlenqualität  gegenüber  den  Kohlen  der
deutscherseits  verwalteten  Gruben.

Die  betrieblichen  Einrichtungen,  Arbeite ­
  r  v  e  r  h  ä  l  t  n  i  s  s  e  pp.  Hierüber  geben  folgende  statistische
Mitteilungen  aus  1912  Aufschluß:

Zahl  der  Schächte:
Förderschächte  51
Wasserhaltungsschächte  12
Andere  Schächte  67

zusammen  130  (1911:  120
1910:  133,  1909:  129)

Dampfkessel:  317
Pferde:  969  (1911:  1087,  1910:  1129,  1909:  1206).
Dampfmaschinen  (1911):
38  mit  2  695  ?S  zur  Förderung  |  zusammen
68  „  8  642  „  „  Wasserhaltung  295  mit  30  240
189  „  18  903  „  zu  anderen  Zwecken  j  PS
Materialien  verbrauch:
Holz  5  319  577  Kubikfuß,  Pulver  2  404  765  Pfd,,  Dynamit  626  428  Pfd.
(darunter  29  740  Pfd.  Miedziankit),  andere  Sprengstoffe  für  79  496  Rubel.

Arbeiter:
eigentliche  Bergleute  5121
Gehilfen:
unter  Tage  9  964
über  Tage,  männlich  6  736
„  „  ,  weiblich  1  076

zusammen  22  897

Löhne  (Rubel):

insgesamt  pro  Schicht
der  eigentlichen  Bergleute  3  309  348  2,20
der  Gehilfen:
unter  Tage  3  439  965  1,18
über  Tage,  männlich  ....  2  322  125  1,18
„  „  ,  weiblich  .  .  .  180  795  0,57
Zusammen  9  252  233  j  3g

Die  Jahresleistung,  berechnet  auf  den  Kopf  der  beschäftigten
Arbeiter,  stellte  sich  im  Jahre  auf  rund  222  Tonnen.  In  Oberschlesien ­
  betrug  die  Jahresleistung  im  Jahre  1912  je  Kopf  344
Tonnen.  Man  kann  also  sagen,  daß  die  Löhne  der  Dombrowaer
        <pb n="34" />
        34

Bergarbeiter  hinter  denen  der  oberschlesischen  Arbeiter  wesentlich
zurückstehen,  daß  aber  auch  die  Leistung  der  ersteren  erheblich  geringer ­
  ist.  Diese  geringere  Leistung  ist,  abgesehen  von  den  vielen
gesetzlichen  Feiertagen  Rußlands,  zum  Teil  auch  darauf  zurückzuführen, ­
  daß  die  Einrichtungen  der  polnischen  Gruben  denjenigen
der  oberschlesischen  nachstehen.  Allerdings  haben  sich  die  polnischen
Bergwerke  in  den  letzten  Jahren  bemüht,,  ihren  Betrieb  mit  den
neuesten  Errungenschaften  der  Technik  auszustatten.  Jmnierhin
sind  ihre  Einrichtungen  denen  der  oberschlesischen  nicht  ebenbürtig.
Es  dürfte  keinem  Ziveifel  unterliegen,  daß  der  Betrieb  der
polnischen  Gruben  auch  in  technischer  Hinsicht  noch  außerordentlich ­
  verbesserungsfähig  ist.

Absatzverhältnisse  im  Jahre  1913.  über  die
Absatzverhältnisse  der  polnischen  Gruben  geben  folgende  Zahlen
Aufschluß:

Verkaufte  Kohle  in

Auf  der  Grube  (Kumulativ)  421  929  t  6,78  %
Mit  der  Eisenbahn  an  eigene  Werke  ....  79  792  t  1,28  %
Mit  der  Eisenbahn  an  fremde  Abnehmer  .  .  5  719  096  t  91,86  %
Auf  dem  Wasserwege  5086  t  0,08  %
zusammen  6  225  903  t  100,00  %
Selb  st  verbrauch:
Arbeiterhäuser,  Schlafhäuser,  Grubeugebäude  .  134131  t  21,83  %
Dampfkesselfeueruug  470  702  t  76,61  %
Für  verschiedene  andere  Zwecke  6  155  t  1,00  %
Mit  der  Eisenbahn  verschickt  2  745  t  0,45  %
Als  wertlos  abgesetzt  719  t  0,11  %
zusammen  614  452  t  100,00  %
Insgesamt:  Verkauf  91,02  %,  Selbstverbrauch  8,98  %
(Oberschlesien)  „  91,66  %,  „  8,34  %)
Versand  mit  der  Eisenbahn:
Innerhalb  des  Königreichs  Polen  5  105  622  t  88,00  %
Stach  Rußland  635173  t  10,20  %
Über  die  Grenze  60  838  t  0,98  %

Versand  auf  dem  Wasserwege:
Innerhalb  des  Königreichs  Polen  4  204  t
Über  die  Grenze  882  t

0,07  %
0,01  %

des  Verkaufs.

Lic  russischen  Staatsbahnen  verbrauchten  1911:
196  530  000  Pud  oder  58,36  %  Donezkohle
42  000  000  „  „  12,47  %  Dvmbrvwaer  Kohle
87  200  000  „  „  25,90  %  Ural-  und  sibirische  Kohle
3  400  000  „  „  1,02  %  Moskaukvhle
2  200  000  „  „  0,65  %  Tibulsker  und  Fergausker  Kohle
5  400  000  „  „  1,60  %  Ussurische  Kohle.
        <pb n="35" />
        35

Über  die  Bestimmung  der  im  Jahre  1913  mit  der  Eisenbahn ­
  verfrachteten  Mengen  polnischer  Kohlen  gibt  die  nachstehende
Tabelle  Aufschluß.  Es  gingen
an  die  Eisenbahnen  1  273  594  Tannen
„  die  Metallhütten  390  516  „
„  Zuckerfabriken  225  798  „
„  Metall-  und  mechanische  Fabriken  244  095  „
„  Spinnereien  799180  „
„  sonstige  gewerbliche  und  Fabrikanlagen  ...  1  386158  „
„  staatliche,  gemeindliche,  Gesellschafts-  und  Landwirtschastsanlagen
  .  75  823  „
„  sonstige  Abnehmer  1  430  040  „
Die  Dombrowaer  Kohle  ist  hiernach  fast  ausschließlich,
nämlich  zu  rund  90  %\  im  Lande  selbst  verbraucht  worden.  Nur
10-%  sind  nach  dem  eigentlichen  Rußland  gegangen  und  nur
geringe  Mengen  gelegentlich  nach  Deutschland  und  Österreich.
Erwähnt  sei  hier,  daß  für  viele  industrielle  Zwecke  die  geringwertige ­
  Dombrowaer  Kohle  nicht  geeignet  ist.  Infolgedessen
wurden  bedeutende  Mengen  oberschlesischer  Kohle  nach  Polen
und  Rußland  eingeführt.  Im  Jahre  1913  betrug  die  Einfuhr
oberschlesischer  Kohle  nach  Rußland  1  669  348  t.  Hiervon  gingen
511  567  t  nicht  nach  Polen,  sondern  nach  dem  eigentlichen  Rußland. ­
  Die  grüßten  Posten  oberschlesischer  Kohle  wurden  in  beit
Lodzer  Fabriken  und  in  den  Warschauer  Gasanstalten  verbraucht.
Lraunkohienvergvau.  In  den  jüngeren  Schichten  der  Tertiärformation ­
  sind  Braunkohlen  an  zahlreichen  Stellen  bekannt,
doch  sind  verhältnismäßig  wenig  Vorkommen  bis  jetzt  aufgeschlossen. ­
  Braunkohlen  finden  sich  namentlich  im  Grenzgebiete
gegen  die  Provinzen  Ostpreußen  und  Posen.  Ferner  find  in  den
letzten  Jahren,  soweit  Nachrichten  vorliegen,  an  mehreren  anderen
Stellen,  namentlich  in  der  Gegend  von  Lodz  und  Warschau  durch
Bohrunternehmer  Braunkohlenflöze  erbohrt  worden;  doch  gestatten
die  bisherigen  Unterlagen  noch  kein  endgültiges  Urteil  über  den
Wert  dieser  Aufschliisse.  Man  kann  aber  mit  gewisser  Wahrscheinlichkeit ­
  rechnen,  daß  eine  systematische  Durchforschung  des  Untergrundes ­
  wichtige  weitere  Anhaltspunkte  liefern  würde,  da  die  allgemeinen ­
  geologischen  Vorbedingungen  für  das  Vorhandensein
von  Braunkohlen  in  weiten  Gebieten  gegeben  find.
Die  Braunkohlengruben  im  Gouvernement  Petrikau  sind
in  der  folgenden  Zusammenstellung  angegeben.
        <pb n="36" />
        Name

Ort

Eigentümer

Förderung
1913  in  t

Elka

bei  Lazy

K.  Modzelewski

24  936

Helena

bei  Zawierce

Sosnowicer  Röhrenwerke

6  124

Kamilla

Ciagowice
Post  Zawierce

F.  Morkis

22  259

Katharina

Poremba
Post  Zawierce

Akt.-Ges.  Poremba

84  547

Kasimir

Blanowice
Post  Zawierce

Delikatny

325  *

Nierada

Nierada
Post  Zawierce

P.  Strzeszewski

18  216

Teodor

Goluchowiee
Post  Zawierce

Heinrich  Berndt

2  063  **

In  1913  zusammen:

155  082

Über  den  Absatz  an  Braunkohlen  geben  folgende  Mitteilungen ­
  Aufschluß:
Selbstverbrauch  der  Gruben  .  .  8  661  t  —  5,61  %
Verkauft  .........  145  769  t  —  94,39  %
Hiervon  wurden  auf  den  Gruben
verkauft  35  967  t  =  24,67  %
Versand  mit  der  Bahn  ....  109  802  t  —  75,33  %
Die  mit  der  Bahn  versandten  Braunkohlen  blieben  sämtlich
im  Königreich  Polen.
Die  Zahl  der  beschäftigten  Arbeiter  war  gering.  Sie  betrug
an  eigentlichen  Bergleuten  ......  281
an  Hilfsarbeitern  (männlich)
unter  Tage  .......  28
über  Tage  199
zusammen  508.
Der  Verdienst  belief  sich
bei  den  eigentlichen  Bergleuten  auf  1,14  Rubel
bei  den  Hilfsarbeitern
unter  Tage  ...  „  0,81  „
über  Tage  ...  „1,00  „
Über  die  etwaige  Förderung  an  Braunkohlen  aus  den
anderen  Gouvernements  waren  Angaben  nicht  zu  erlangen.
*)  Förderung  aus  1910,  da  Förderung  später  eingestellt.
**s  Förderung  aus  1911,  da  Förderung  später  eingestellt.
        <pb n="37" />
        37

Eisenerzbergbau.  Geologisches.  Die  Eisenerzlagerstätten ­
  Russisch-Polens  sind  von  sehr  erheblicher  Bedeutung.
Am  verbreitetsten  sind  die  Raseneisenerze.  Sie
treten  nahe  der  Erdoberfläche  in  verhältnismäßig  geringer
Mächtigkeit  an  zahlreichen  Punkten  auf  und  haben  häufig  eine
große  flächenhafte  Ausdehnung.  Bergmännisch  sind  sie  stets  leicht
abzubauen.  Vorkommen  von  Raseneisenerzen  sind  besonders  in
den  Gouvernements  Warschau  und  Kalisch  zwischen  Lenczyca  und
Warschau,  dann  südlich  von  Kalisch,  in  der  Umgegend  von  Last,
im  Gouvernement  Petrikau  und  in  der  Umgegend  von  Radom
nachgewiesen.  Die  Raseneisenerze  dienen  und  zwar  zum  Teil  in
umfangreicher  Weise  als  Zuschlagsmaterial  zu  den  übrigen  Eisenerzen. ­


Im  Kreise  B  e  n  d  z  i  n  komnien  Eisenerze  in  Triasschichten
und  zwar  im  Muschelkalk  und  iin  Keuper  als  Brauneisenerze ­
  vor.  In  ihrer  Zusammensetzung  und  in  ihrem  Auftreten
gleichen  sie  völlig  den  Erzen  des  oberschlesischen  Jndustriebezirks
in  der  Gegend  von  Tarnowitz  und  Beuthen.  Der  im  Muschelkalk ­
  vorhandene  Vorrat  an  Brauneisenerzen  darf  als  sehr  bedeutend ­
  angenommen  werden.
Große  Wichtigkeit  kommt  den  T  o  n  e  i  s  en  erz  l  a  g  erst ­
  ä  t  t  e  n  der  Juraformation  in  den  Kreisen  W  i  e  l  u  n  und
C  z  e  n  st  o  ch  a  u  zu.  Diese  Erze  treten  hauptsächlich  an  dein
Westrande  des  Höhenzuges  auf,  der  sich  von  Wielun  über  Czenstochau
  in  südöstlicher  Richtung  bis  in  die  Gegend  von  Olkusz
erstreckt.  Die  Erze  sind  Toneisensteine,  die  die  Schichten  des
braunen  Jura  in  zahlreichen  Bänken  von  allerdings  meist  nur
geringer  Mächtigkeit  durchsetzen.  Da  sie  in  geringer  Tiefe  auftreten, ­
  sind  sie  leicht  zu  gewinnen.  Alsdann  ist  zu  beachten,  daß
diese  Erze  den  oberschlesischen  Eisenhütten  verhältnismäßig  nahe
liegen.  Zur  Zeit  wird  das  Vorkommen  durch  eine  Anzahl  Gruben,
die  den  Eisenhütten  des  polnischen  Jndustriebezirks  gehören,  ausgebeutet. ­
  Die  jährliche  Förderung  beträgt  etwa  300  000  Tonnen.
Der  vorhandene  Erzvorrat  ist,  wie  viele  Untersuchungen  ergeben
haben,  ein  ganz  bedeutender.  Daß  die  Förderung  zur  Zeit  noch
nicht  erheblich  ist,  ist  darauf  zurückzuführen,  daß  die  polnischen
Eisenhütten  kein  Interesse  daran  hatten,  die  Förderung  über
ihren  eigenen  Bedarf  hinaus  zu  steigern.  Eine  Ausfuhr  nach
Oberschlesien  war  infolge  des  Ausfuhrverbots  der  russischen  Regierung ­
  nicht  möglich.
        <pb n="38" />
        38

Eisenerze  treten  ferner  im  Gouvernement  K  i  e  l  c  e  in
den  älteren  Gebirgsschichten,  die  das  polnische  Mittelgebirge
bilden,  auf  und  zwar  als  Braun-  und  R  o  t  e  i  s  e  n  st  e  i  n  e.
Auch  findet  man  hier  auf  den  Kluftflächen  der  Erzlagerstätten
sowie  auch  an  sonstigen  Kluftflächen  besonders  wertvolle  Manganerze. ­

Ferner  werden  Brauneisenerze  in  dem  westlichen  Teil  des
Gouvernements  Radom,  in  den  Kreisen  Jlza,  Konst
und  Opoczno  abgebaut.  Die  hauptsächlichsten  Gruben  liegen
bei  Suchednia,  Chlewiska,  Szydlowiec,  Ostrowiec,  Nieklan,
Wierzbnik  und  Konsk;  gleichartige  Vorkommen  reichen  auch  in
den  Kreis  Kielce  hinein.  Nach  den  amtlichen  russischen  Schätzungen ­
  beträgt  der  nachgewiesene  Vorrat  dieser  Eisenerze  über
3  Millionen  Tonnen,  in  Wirklichkeit  ist  er  aber  sehr  viel  größer.
Die  Erze  treten  meist  in  der  Trias-  und  untergeordnet  auch  in
der  Juraformation  auf.
Diese  Eisenerzgebiete  in  den  Gouvernements  Kielce  und
Radom,  die  zur  Zeit  unter  österreichischer  Verwaltung  stehen,  sind
von  ganz  erheblichem  Werte,  welcher  noch  erhöht  wird  durch  die
Tatsache,  daß  es  sich  hier  nicht  nur  um  Eisenerze  handelt,  sondern
daß  gleichzeitig  auch  Kupfer-  und  Bleierze  vorkommen.  Die
Eisenerzlagerstätten  dieser  Gegend  sind  erheblich  reichhaltiger  und
vielseitiger  als  in  den  an  Oberschlesien  angrenzenden  unter  deutscher ­
  Verwaltung  stehenden  Gebieten;  es  kommen  hier  nicht  nur
die  ärmeren  Eisenerze  in  Frage,  welche  der  Jura-,  Keuper-  und
Triasformation  angehören,  sondern  auch  hochprozentige  Eisenerze ­
  älterer  Schichten.  Ferner  hat  das  Auftreten  älterer  Gebirgsschichten,
  die  ihrem  geologischen  Alter  nach  denen  des  Harzes
oder  des  Thüringer  Waldes  in  Deutschland  entsprechen,  auch  das
Vorkommen  anderer  nutzbarer  Gesteine  (Marmor,  Kalksteine,
Quarzite)  zur  Folge,  welche  den  Wert  gerade  dieses  Gebietes
ganz  besonders  erhöhen.  Der  allgemeine  Wert  der  Eisenerze,
welche  die  Grundlage  geworden  sind  für  eine  ausgedehnte  Eisenhüttenindustrie, ­
  wird  insbesondere  durch  die  Tatsache  noch  erheblich ­
  gesteigert,  daß  die  Eisenerze  hier  sämtlich  mehr  oder  weniger
erheblichen  Gehalt  an  Mangan  ausweisen.
Bezüglich  der  Eigenschaften  der  einzelnen  Erze  sei  noch  bemerkt, ­
  daß  die  Raseneisenerze  zum  Teil  sehr  phosphorreich
  sind.  Man  kann  jedoch  im  Martinbetrieb  jetzt  auch  phosphorreiches ­
  Material  verarbeiten.  Die  dabei  fallende  Schlacke  ist
bekanntlich  ein  wertvolles  Düngemittel.  Der  Eisengehalt  der
        <pb n="39" />
        39

polnischen  Raseneisenerze  beträgt  im  Durchschnitt  im  getrockneten
Zustande  etwa  35—40  %„  Bisher  sind  Raseneisenerze  nur  in
geringem  Umfange  gefördert  worden.
Auch  die  Brauneisenerze  sind  in  Russisch-Polen  noch
fast  unverritzt,  so  daß  viele  frische  Förderungen  eingerichtet
werden  können.  Ihr  Eisengehalt  beträgt  im  trockenen  Zustande
etwa  35  %.  Er  ist  also  ein  recht  hoher,  wenn  man  berücksichtigt,
daß  die  oberschlesischen  Brauneisenerze  meist  wesentlich  geringhaltiger ­
  sind.
Die  Toneisensteine  haben  in  rohem  Zustande  25
bis  35  %,  Eisen;  durch  Rösten  läßt  sich  der  Gehalt  jedoch  auf
40—48  %;  erhöhen.
Die  genannten  Erze  sind  hiernach  keine  hochprozentigen
Erze,  jedoch  bilden  sie  ein  außerordentlich  wertvolles  Zuschlagsmaterial. ­

Erivähnt  sei  noch,  daß  in  Russisch-Polen  noch  große
Mengen  von  alten  Eisenschlacken  vorhanden  sind.  Der  Eisengehalt ­
  dieser  Schlacken  beträgt  30—43  %i.  Auch  sie  würden  für
den  oberschlesischen  Hüttenbetrieb  ein  wertvolles  Zuschlagsmaterial
bilden.
Nach  den  bisherigen  Schätzungen  der  russischen  Geologen
sind  in  Polen  Eisenerze  in  einer  Gesamtmenge  von  300—600
Millionen  Tonnen  vorhanden.  Die  Vorräte  sind  also  sehr  bedeutend. ­
  Für  die  Zukunft  der  oberschlestschen  Eisenindustrie  ist
es  von  grundlegender  Bedeutung,  daß  namentlich  die  Toneisensteinvorkommen, ­
  die  sich  entlang  der  oberschlesischen  Grenze  hinziehen, ­
  in  deutschen  Besitz  gelangen.  Aber  auch  das  Eisenerzgebiet ­
  der  Gouvernements  Radom  und  Kielce  ist,  wie  ausgeflihrt,
von  großem  Wert;  von  Wichtigkeit  wäre  es  namentlich  im  Hinblick ­
  aus  den  in  Deutschland  herrschenden  Manganmangel,  die
manganhaltigen  Eisenerze  des  Radomer  und  Kielcer  Gebietes
den  oberschlesischen  Hütten  nutzbar  zu  machen.  Zur  Zeit  gehören
diese  Gebiete,  wie  erwähnt,  zum  österreichischen  Interessengebiet.
Eisenerzbergbau.  Die  vorhandenen  Eisenerzförderungen ­
  sind  in  der  folgenden  Zusammenstellung  aufgeführt:
        <pb n="40" />
        40

Förderungen:

Gouvernement ­


N  a  m  e

Ort

Eigentümer

Bemerkungen

Petrikau  .

Kalisch
Kielce.

Radom

Barbara
Dolina
Helena
Julius
Klepaczka
Marzellina
Peter
Stanislaus
Josef
Konstantin
Kostrzyna
Przystajn
Wawrzyniec
jLaurentiusj
Mlynek
Swaty

Zrobisko
Eduard
Heinrich
Emilie
Peter
Demba
Ludwig
Hamlet
Anton
Dalaja
Dziadek
Bronislaw
Zdislaw
Krzykawa
Anna
Jadwiga
Paul
Pleschniowka
Bodzechow

bei  Sosnowice

Czenstochau

„  Poraj
Sosnowice
„  Poraj

„  Sosnowice

Poraj

Wielun

bei  Suchednia

Slawkow
Suchednia
Ostrowiec

Brzenkowicer
Bauernschaft
B.  Hantke

Czenstochauer
Gesellschaft
Sosnowicer
Röhrenwalzwerkc
Bali  Zyß

I.  Riesenkampf
Galonscher
Bauernschaft
I.  Riesenkampf
Jablonski

A.  Wendrychowsky


Sujkvwski
Wendrychowsky
Akt.-Gesellschaft
Bodzechow

in  Fristen
in  Fristen

Verpachtet

Im  Vorstand
Fürst  von
Donnersmarck

in  Fristen

Peter,  Hamlet
und  Dalaja
in  Fristen

in  Fristen

in  Fristen

in  Fristen
        <pb n="41" />
        4l

Gouvernement ­


Name

Ort

Eigentümer

Bemerkungen

Radom  .

Chlewiska
Gruben  der
Ostrowiecer
Hochofenund
  Hüttengesellschaft ­


bei  Szydlowice
„  Ostrowiec

Graf
Broel-Plater
Ostrowiecer
Gesellschaft

"

Graf  Julius
Tarnowski

„  Konst

Graf
I.  Tarnowski

"

Graf  Josef
Plater

Furmanow
bei  Nieklan

Graf  I.  Plater

in  Fristen

Gruben  der
Starachowicer

Gesellschaft

„  Wierznik

Starachowicer
Bergbaugesellschaft ­


in  Fristen

Die  Förderung  der  Eisenerzgruben  im  Jahre  1912  betrug:
17  940  889  Pud  —  293  872  t.  Sie  war  am  größten  bei
B.  Hantke  (97  585  1),  der  Czenstochauer  Gesellschaft  (62  676  t)
und  General  Riesenkampf  (60  308  t).
Es  unterliegt  keinem  Zweifel,  daß  die  Förderung  an  Eisenerzen ­
  auf  ein  Vielfaches  ihrer  jetzigen  Menge  gesteigert  werden
kann.  Zum  Vergleich  sei  angegeben,  daß  die  Förderung  an  Eisenerzen ­
  betrug:
Im  Jahre  1910  in  Rußland  5  757  986  Tonnen
„  „  „  „  Österreich  4  520  880  „
„  „  „  „  Deutschland  28  697  760
Von  der  Eisenerzförderung  Rußlands  entfielen  in  1910
auf  Russisch-Polen  173  860  Tonnen  oder  3,0  %:
13Iei-,  Zink-  und  Kupfererzbergbau.  Blei-  Und  Kupfererze ­
  finden  sich  in  dem  palaeozoischen  Gebirgszuge  im  Gouvernement ­
  Kielce.  Die  Kupfererze  treten  daselbst  als  Kupferlasur,
Kupfergrün,  Malachit,  Kupferletten  und  Kupferkies  auf.  Die
dortigen  Bleierzlagerstätten  sind  noch  verbreiteter  und  durchsetzen
einen  großen  Teil  des  Lysagora-Gebirges.  Schon  jetzt  sind  die
Bleierzgruben  von  Kielce,  welche  auf  dem  Vorkommen  von  bleierzführenden ­
  Spalten  in  den  devonischen  Kalksteinen  des  polnischen ­
  Mittelgebirges  beruhen,  von  der  österreichischen  Militärverwaltung ­
  wieder  in  Betrieb  genommen  worden.  Das  gleiche
gilt  von  den  kupfererzführenden  Schichten  des  polnischen  Mittelgebirges ­
  in  der  Gegend  von  Miedziana,  welche  namentlich  in
        <pb n="42" />
        42

früheren  Zeiten  Gegenstand  eines  lebhaften  Abbaues  waren,
dessen  Wiederaufnahme  durch  die  österreichische  Verwaltung  sofort ­
  in  richtiger  Erkenntnis  der  Bedeutung  dieses  Vorkommens
wieder  in  die  Wege  geleitet  wurde.
Ferner  sind  die  Zink-  und  Bleierze  in  den  Muschelkalkschichten ­
  der  Trias  bei  Olkusz  zu  erwähnen,  die  von  altersher
bekannt  sind.  Die  Bleierze  werden  seit  Jahren  an  die  Königlich
Preußische  Vleihütte  in  Friedrichshütte  bei  Tarnowitz  geliefert,
während  die  Zinkerze  das  Material  für  die  Zinkhütten  in  Bendzin
und  Dombrowa  bilden.
Die  wertvolleren  Bleierzvorkommen  befinden  sich,  wie  nochmals ­
  ausdrücklich  hervorgehoben  sei,  im  österreichischen  Interessengebiet. ­


Zinkerzgruben,  über  die  einzelnen  Zinkerzgruben,  welche
sich  sämtlich  im  Gouvernement  Kielce  befinden,  ihre  Förderung
und  die  daraus  hergestellten  Produkte  gibt  die  nachstehende  Zusammenstellung ­
  Ausschluß:

Name
der
Grube

Ort

Eigentümer

Fdrdernng  1910

Auf  der  Wüsche
erhalten  in  1910

Galmei

Galmei
mit  Bleiglanz ­


Galniei

Bleiglanz ­


Boleslaw

bei  Sosno-Sosnowicer



9  661t

2  384  t

23  958  t

565  t

wice

Gruben-  und

Hüttenges.

Ulysses

Tlukienka

Franco^

4  4421t

3  915  t

13  232  t

14  t

bei

Russische

Dombrowa

Gesellschaft

Galmei-Tlukienka



5  536  t

1  409  t

Wäsche

Josef

In  1911  förderten  Boleslaw  9  115  t  Galmei  und  1  351  t
Galmei  mit  Bleiglanz,  Ulysses  30  938  1  bezw.  14  956  t;  in  1912
Boleslaw  9  204  t  bezw.  3  656  t,  Ulysses  34  866  t  bezw.  13  423  t.
Im  ganzen  wurden  also  im  Jahre  1910  54  082  t  Galmei
und  6  299  t  Bleiglanz,  in  1911  40  053  t  bezw.  16  307  t,  in  1912
44  070  t  bezw.  17  079  t  gewonnen.  Zum  Vergleich  sei  mitgeteilt, ­
  daß  die  oberschlesischen  Zink-  und  Bleierzgruben
im  Jahre  1913  107  787  t  Galmei
400  387  t  Zinkblende
52  572  t  Bleierze
erzeugten.
        <pb n="43" />
        43

Außer  im  Königreich  Polen  findet  in  Rußland  Zinkgewinnung ­
  nur  noch  im  Kaukasus  seit  einigen  Jahren  statt.
Auf  den  polnischen  Zinkerzgruben  waren  beschäftigt  1  475
Arbeiter.
Kali-  unci  Pstrolsumlagarstättsn.  Mit  dem  Auftreten  von
Kalilagerstätten  in  Russisch-Polen  kann  mit  gewisser  Wahrscheinlichkeit ­
  gerechnet  werden.  In  Deutschland  treten  die  Kalisalze  in
der  sogenannten  Zechsteinformation  auf.  Das  Vorhandensein
dieser  Formation  ist  überall  im  tieferen  Untergründe  des  westlichen ­
  Polens  anzunehmen.  Man  muß  daher,  obwohl  bisher  noch
positive  Aufschlüsse  fehlen,  mit  dem  Auftreten  von  Kalilagerstätten ­
  in  den  Gouvernements  Plozk,  Warschau,  Kalisch,  Petrikau,
Kielce,  Radom  sowie  in  den  westlichen  Teilen  der  Gouvernements ­
  Siedlez  und  Lublin  rechnen.  Um  der  deutschen  Kaliindustrie ­
  ihre  jetzige  Monopolstellung  zu  erhalten,  ist  es  von
größter  Wichtigkeit,  die  in  Polen  aller  Wahrscheinlichkeit  nach
vorhandenen  Kalilagerstätten  Deutschland  anzugliedern.
Auch  das  Vorkommen  von  P  e  t  r  o  l  e  u  m  l  a  g  e  r  st  ä  t  -
t  e  n  in  Polen  als  Fortsetzung  des  galizischen  Quellengebiets  liegt
durchaus  im  Bereich  der  Möglichkeit.  Welchen  Wert  die  Erwerbung ­
  derartiger  Lagerstätten  für  Deutschland  hätte,  braucht
nicht  eingehender  erörtert  zu  werden!
SlsenhüttsninäustriL.  Im  Anschluß  an  die  polnischen  Eisenerzlagerstätten ­
  sind  in  Russisch-Polen  und  zwar  speziell  im  Dombrowaer
  und  Radomer  Bezirk  eine  Anzahl  Eisenhüttenwerke  errichtet ­
  worden.  Die  hauptsächlichsten  Eisenhütten  gehen  aus  den
nachfolgenden  Zusammenstellungen  hervor:

R  ame

Eigentümer

Ort

Erzeugnisse

Arbeiter-



Gouvernement
Petrikau
Blachownia

Großf.  Mich.  Alexan-Post



Gewöhnliche  u.  email-Czenstochauer



drowicz,  gepachtet  von
der  Ver.  Königs-  und
Lanrahüttte
B.  Hantle

Tschenstochau
Tschenstochau

lierte  Gußwaren,
Em.-Blechwaren
Martin-,  Gießerei-,

—

Hütte
Huta  Bankowa

Aktiengesellschaft

Dombrowa

Puddel-,  Hämatit-,
Phosphor-Eisen
und  Stahl
Roheisen  und  Stahl,

1  354

Huta  Bankowa

Stabeisen,  Bleche,
Schmiedestücke  u.  a.

2  747
        <pb n="44" />
        N  «me

Eigentümer

Ort

Erzeugnisse

Ar.
beiterzahl


Gouvernement
Petrikau

Katharinahütte

Ver.  Königs-  und
Lanrahütte

Sielce

Roheisen,  Stahl,
Walzeisen,  Gußwaren,
Bleche,  Röhren,
Schrauben

1849

Milvwice

Aktiengesellschaft  des
Walzwerks  Milowice

Sosnowice

Eisen-  u.  Stahlblöcke,
Grubenschienen  und
sonstiges  Eisenbahnmaterial, ­
  Stab-Bandeisen ­
  K.,  Kleineisenzeug, ­
  Draht

Puschkin

Eisenhütten-Akt.-Gesellschaft
  Milowice

"

Stab-  und  Bandeisen,
Schrauben-  u.  Nagel-Draht,
  Hufeisen

Sosnowicer
Röhren-  u.  Eisen-Aktien-Gesellschaft

Gouvernement
Radom

Aktiengesellschaft

Zawierce  und
Sosnowice

Martin-,  Gießerei-,
Puddel-,  Phosphor-Roheisen,
  Gußartikcl,
Eisenbahnmaterial,
Stahlguß,  Schmiedestücke, ­
  Träger,  Blöcke,
Grob-,  Fein-,  Drahtbleche, ­
  Gas-,  Wasscrleitungs-,
  Heizröhren,
Säulenrohre  und  die
dazu  gehörigen  Verbindungsstücke, ­
  Gasbehälter, ­
  Stahlfässer,
elektrisch  geschweißt
u.  a.

Gruben-u.Hütten-Aktiengesellschaft


—

Bodzechow
(Ostrowiec)

Betrieb  eingestellt

—

Bodzechow

Eisenhütte
Chlewiska

Graf  Broel-Plater

Szydlowiec

H  olzkohlen-Roh  eisen,
Gießerei-  und  Puddeleisen,
  weißes  schwedisches ­
  für  Schmiedeguß

194

Gruben-  n.  Hüttenderselbe



Nieklan

Betrieb  eingestellt

—

anlagen  Nieklan

Ostrowiecer  Hochofen- ­
  und  Hütten-—



Klimkiewiczöw

Roheisen,  Stahl-  und
Stabeisen,  Radsätze

2  500

Aktien-Gesellschaft

Starachowicer
Motan-Aktien-—



Starachowice
Post  Wierzbnik

Betrieb  eingestellt

—

Gesellschaft

Eisenhütte
Stomporkow

Graf  Jul.  Tarnowski

Stomvorkow
Post  Nieklan

Gießerei-Roheisen

700
        <pb n="45" />
        45

Im  folgenden  seien  über  einzelne  größere  Gesellschaften
noch  einige  Mitteilungen  gemacht.
Die  Gesellschaft  der  Metallfabriken  B.
H  a  n  t  k  e  besitzt  ein  großes  Eisenhüttenwerk  bei  Czenstochau.
Die  Gesellschaft  ist  eine  russische  Aktiengesellschaft,  doch  ist  der
Hauptteil  des  Kapitals  (über  90  %  )  in  deutschen  Händen.  Etwa
die  Hälfte  der  Aktien  befindet  sich  im  Besitz  der  Oberschlesischen
Eisen-Jndustrie-Miengesellschaft.  Außerdem  ist  an  der  Gesellschaft
die  Berliner  Handelsgesellschaft  beteiligt.  Das  modern  eingerichtete
Werk  hat  zwei  Hochöfen,  fünf  Martinöfen,  vier  Walzenstraßen
für  Träger,  Draht-  und  Blechwerkstätten.  Das  Aktienkapital  beträgt ­
  5  Millionen  Rubel.  Hiervon  befinden  sich  im  Besitz  der
Oberschlesischen  Eisen-Jndustrie-Aktiengesellschaft  2294333  Rubel.
1912/13:  Reservefonds  103  317  Rubel,  Amortisationsfonds
6  130  935  Rubel.  Dividende  10%.  Roheisenprodukiton  1910:  '
2  637  284  Pud  ==  43  199  Tonnen.
Die  8  0  e  161e  Anonyme  des  Forges  et
Acieries  de  Huta  Bankowa  ä  Dombrowa  ist,
wie  schon  der  Name  sagt,  eine  französische  Aktiengesellschaft,  die
zu  dem  schon  erwähnten  Konzern  der  französisch-italienischen  Gesellschaft ­
  und  der  Gewerkschaft  Graf  Renard  gehört  und  vom
Credit  Lyonais  abhängig  ist.  Das  Werk  hat  3  Hochöfen,  ein
großes  Martinwerk  und  Walzenstraßen  für  Stabeisen  und  Bleche,
Eisen-  und  Stahlfacongießerei,  Abteilungen  für  Schmiedestücke
und  Schiffsbau  pp.  Das  Werk  stellte  hauptsächlich  Kriegsmaterial
für  die  russische  Regierung  her.  1912/13:  Aktienkapital  7  425  000
Rubel,  Reservefonds  I  1  093  942  Rubel,  Reservefonds  II
500  000  Rubel,  Reservefonds  III  35  920  Rubel,  Amortisationsfonds ­
  372  788  Rubel,  Dividende  12Roheisenproduktion
1910:  4  739  273  Pud  =  77  629  Tonnen.
Die  Katharina  Hütte  gehört  der  deutschen  Aktiengesellschaft ­
  Vereinigte  Königs-  und  Laurahütte  in  Berlin.  Sie  ist
im  Jahre  1882/83  erbaut,  hat  einen  Hochofen  im  Betrieb  und
einen  in  Reserve,  Puddelei,  4  Martinöfen,  Eisengießerei,  Walzenstraßen ­
  für  Stabeisen,  Universaleisen,  Grob-  und  Feinblech,  Walzwerke ­
  für  Röhren,  Rohrverzinkerei,  Schraubenfabrik.  1912/13:
Amortisationsfonds  3  937  299  Rubel,  Gewinn  804  682  Rubel,
Roheisenproduktion  967  173  Pud  —  15  842  Tonnen.  Außerdem
hat  die  Vereinigte  Königs-  und  Laurahütte  das  Emaillierwerk
Blachownia  im  Jahre  1896  auf  24  Jahre  gepachtet.  Der  Reingewinn ­
  des  Emaillierwerks  betrug  im  Jahre  1912/13  29  726
Rubel.
Das  Milowicer  Eisenwerk  gehört  der  gleichnamigen ­
  Aktiengesellschaft,  deren  Anteile  sich  im  deutschen  Besitz
        <pb n="46" />
        46

befinden.  Das  Werk  hat  zwei  Martinofen,  eine  Luppenstraße  und
drei  Walzenstraßen  für  Fertigeisen,  Haken-,  Schrauben-,  Muttern-,
Nieten-,  Hammer-  und  Beilenfabrik,  Drahtzieherei,  Kleineisenfabrik. ­
  Das  Aktienkapital  betrug  im  Jahre  1912:  2  365  000
Rubel,  der  Reservefonds  7  132  Rubel,  der  Reingewinn  2  215
Rubel.
Auch  das  EisenwerkPuschkin  gehörte  früher  einer
Aktiengesellschaft,  deren  Kapital  sich  in  deutschen  Händen  befand.
Das  Werk  ist  jetzt  in  den  Besitz  der  Milowicer  Gesellschaft  übergegangen. ­
  Es  fertigt  Stabeisen.  1912:  Aktienkapital  500  000
Rubel,  Reservefonds  16  167  Rubel,  Amortisationsfonds  169  639
Rubel,  Verlust  11  848  Rubel.  An  der  Gesellschaft  ist  Fürst
Henckel  von  Donnersmarck  beteiligt.
Die  Sosnowicer  Röhren-  und  Eisen-Aktiengesellschaft
  ist  eine  hauptsächlich  französische  Gesellschaft, ­
  doch  ist  an  ihr  mit  500  000  Rubel  die  Oberschlesische
Eisenbahn-Bedarfs-Aktiengesellschaft  beteiligt.  Der  Gesellschaft  gehören ­
  zwei  Werke,  von  denen  eins  in  Zawiercie  und  eins  in  Sosnowice
  liegt.  Das  Werk  in  Zawiercie  besitzt  einen  Hochofen,  Stahlund
  Walzwerke.  Das  Sosnowicer  Werk  hat  Blech-  und  Röhrenwalzwerke ­
  sowie  ein  Preßwerk.  1912:  Aktienkapital  6  000  000
Rubel,  Reservefonds  854  017  Rubel,  Amortisationsfonds
4  970  073  Rubel,  Dividende  16%.  Roheisenproduktion  (1910)
3  260  000  Pud  =  59  012  Tonnen.
T  i  e  Ostrowiecer  Hochofen-  und  Hütte  n  -
Aktiengesellschaft  ist  eine  russische  Aktiengesellschaft,
deren  Anteile  im  Besitz  polnischer  und  belgischer  Kapitalisten  sind.
Das  Werk  besitzt  4  Hochöfen,  ein  Martinwerk,  Walzwerk  x.
1912/13:  Aktienkapital  2  000  000  Rubel,  Reservefonds  2  035  000
Rubel,  Amortisationsfonds  1  988  897  Rubel.  Roheisenproduktion
2  454  447  Pud  =  40  204  Tonnen.
D  i  e  Eisenhütte  S  t  o  in  p  o  r  k  o  w  befindet  sich  in
Polnischem  Privatbesitz.  Nur  Hochöfen.  1912:  Anlagekapital
700  000  Rubel,  Dividende  12*/,  %|.  Roheisenproduktion  (1910)
625  517  Pud  —  10  642  Tonnen.
Betriebsverhältnisse.  In  der  polnischen  Eisenindustrie ­
  besteht  nicht  in  demselben  Maße  die  Wechselwirkung  zwischen
Kohle  und  Eisen  wie  in  Oberschlesien  und  Westfalen,  da  die  Kohle
nicht  mehr  die  Grundlage  für  den  Eisenhüttenbetrieb  bildet,  nachdem ­
  dieser  vorwiegend  auf  die  Verwendung  von  Koks  angewiesen
ist;  der  erforderliche  Koks  muß  jedoch  aus  Deutschland  und  Österreich ­
  bezogen  werden.  Einen  größeren  Aufschwung  hat  die  polnische ­
  Eisenindustrie  erst  in  den  letzten  15  Jahren  genommen.
        <pb n="47" />
        Das  älteste  Werk  ist  die  Huta  Bankowa,  die  sich  früher  im  Besitz
des  russischen  Staates  befand.  Die  Katharinahütte  wurde  vor
etwa  33  Jahren,  das  Zawiercer  Werk  vor  17  Jahren  und  die
Czenstochauer  Anlage  vor  etwa  20  Jahren  erbaut.  Für  alle  diese
Werke  waren  früher  die  Produktionsbedingungen  insofern  nicht
günstig,  als  sie  in  der  Hauptsache  verhältnismäßig  arme  Erze  und
teuren  Koks  verhütten  mußten,  und  infolge  der  Armheit  der  Erze
der  Koksverbrauch  sehr  hoch  war.  Seit  einer  Reihe  von  Jahren  erfolgt ­
  aber  eine  Anreicherung  der  verhütteten  Erze  durch  südrussische
Kriwoirogerze  mit  etwa  60—66%  Eisen,  wodurch  sich  der  Koksverbrauch ­
  und  die  Produktionsverhältnisse  ganz  wesentlich  gebessert
haben.  Die  südrussischen  Erze  sind  neben  hohem  Eisengehalt  durch
ihre  Reinheit  ausgezeichnet.  Schwedische  Erze  wurden  ans  den
polnischen  Hütten  bisher  nicht  verarbeitet.
Die  polnische  Kohle  wurde  in  der  Hauptsache  nur  zum
Kesselheizen  benutzt,  während  für  die  übrigen  Hüttenzwecke  oberschlesische
  Kohle  bezogen  wurde.
Zu  erwähnen  sind  ferner  die  verhältnismäßig  geringen
Leistungen  der  Arbeiter,  die  hohen  Beamtengehälter  und  sonstige
Unkosten,  die  gezahlt  werden  mußten.  Infolge  aller  dieser  Umstände ­
  stellten  sich  die  Selbstkosten  in  Polen  pro  Tonne  Roheisen
um  etwa  20  Mark  höher  als  in  Oberschlesien.
Auch  das  Alteisen  ist  in  Polen  sehr  teuer,  zumal  bei  dem
geringen  Eisenverbrauch  pro  Kopf  der  Bevölkerung  der  Entfall
an  diesem  Material  überhaupt  gering  ist.  Die  Konvertierungskvsten
  des  Eisens  waren  infolge  des  Mangels  an  brauchbarer
Chamotte  und  Ferrolegierungen  k.  gleichfalls  hoch.  Blöcke  waren
kaum  unter  120  Mark  und  Fertigeisen  unter  180—200  Mark
je  Tonne  herzustellen.  Dessenungeachtet  arbeiteten  die  Werke  infolge ­
  der  Staatsaufträge  und  des  hohen  Schutzzolles  mit  großen:
Nutzen.  Ein  großer  Teil  des  Roheisens  wurde  der  Berfeinerungsindustric
  zugeführt.
Über  den  Bezug  an  südrussischen  Erzen  im  Jahre  1912  gibt
die  folgende  Zusammenstellung  Aufschluß:
Es  bezog:  Kriwoirogerze  Manganerze
Pud  Tonnen  Pud  Tonne»

Huta  Bankowa
Katharinahütte  .  .
Zawiercier  Hütte  .
Milowice  .  .  .
Stomp  orkow  .  -
Czenstochauer  Hütten
Ostrowiecer  Werke

8  676  520  —  142  121  —
1  972  580  —  32  310  87  000  1425
6  058  200  —  99  233  104  600  —  1713
129  700  —  2  124  —
871  720  —  14  279  —
5  493  850  —  89  989  160  150  =  2624
7  353  970  —  120  458  224  900  —  3684

Insgesamt  30  656  540  —  500  514  576  650  —  9446

Über  die  Menge  der  von  den  Hütten  verbrauchten  polnischen ­
  Erze  liegen  nähere  Angaben  nicht  vor.  Jedenfalls  wurden

47
        <pb n="48" />
        48

mit  Ausnahme  kleiner  Mengen  die  in  Polen  geförderten  Eisenerze ­
  auf  den  dortigen  Hütten  verarbeitet.  Hierzu  kamen  polnische
Schlacken,  Kiesabbrände  n.  Im  allgemeinen  wurden  zur  Hälfte
südrussische  Kriwoirogerze  und  zur  andern  Hälfte  andere  Schmelzmaterialien
  verhüttet.
Über  den  Koksverbrauch  gibt  folgende  Zusammenstellung
Aufschluß:
Bezug  aus  Oberschlesien:  1908:  125  895  t,  davon  nach  Dombrowa  24  000  t

1911:213  690  t,  „  „  „  32  250  t
Niederschlesien:  1908:  24  281  t,  „  „  „  11  863  t
1911:  29  947  t,  „  „  „  13  060  t
Mähr.-Ostrau:  1908:  120573  t,  ?
1911:233  312  t,  ?

Hierbei  ist  zu  benierken,  daß  nicht  sämtlicher  eingeführter
Koks  im  Eisenhüttenbetrieb  Verwendung  fand.
Der  Verbrauch  erfolgte:
bei  oberschlesischem  Koks:  in  Dombrowa  für  Hochofenzwecke,  im
sonstigen  Gebiet  überwiegend  für  Hochofenzwecke,  sonst  für
Einzelabnehmer;
bei  niederschlesischem  Koks:  in  Dombrowa  für  Hochofenzwecke,
sonst  für  Gießereien,  Zuckerfabriken,  Zichoriendarren,  Heizzwecke, ­
  Händler;
bei  Mährisch-Ostrauer  Koks:  in  Dombrowa  für  Hochofenzwecke,
die  übrigen  Mengen  größtenteils  ebenfalls  für  Hochofenzwecke, ­
  der  Rest  für  Einzelabnehmer.
In  1912  haben  sich  die  Koksbezüge  der  russisch-polnischen
Hochofenwerke  noch  verstärkt.
Die  Huta  Bankowa  bezog  1911  rund  42  % :  ihres  Koksb  edarses
  aus  Oberschlesien,  rund  15—20:%  aus  Niederschlesien  und
den  Rest  aus  Mährisch-Ostrau.
Über  die  Betriebseinrichtungen  der  polnischen  Eisenhütten
im  Jahr  1913  gibt  folgende  Zusammenstellung  Aufschluß:

Hochofen  im  Betrieb  11
„  „  „  2  13
Kupolöfen  17
Bessemerbirnen  2
Tropena-  und  Robertöfen  .  1
Martinöfen  im  Betrieb  30
„  „  Umbau  2  32
Glüh-,  Wärm-  und  Schweißöfen  64
Puddelöfen  io
Tiegelöfen  10
        <pb n="49" />
        49

Im  folgenden  ist  die  Produktion  der  großen  Hütten  und
zwar  von  Huta  Bankowa,  Ostrowiec,  Czenstochauer  Hütte,  Katharinahütte, ­
  Blachownia,  Sosnowicer  Rühren-  und  Eisenwerke,
Akilowicer  Walzwerk,  Puschkin,  Chlewiska  und  Stomporkow  im
Jahre  1913  angegeben.

in
Tonnen

Summe

Erzeugnis  I
Roheisen:
Gießerei-Zur
  weiteren  Verarbeitung
Guß  aus  den:  Hochofen
Nicht  besonders  genannt
Spiegeleisen  19—20  %  Mn  ...
Manganeisen  50—60%  Mn
1912
1911
1910
Alteisen
Brucheisen
Erzeugnis  II:  A
Martingußblöcke
Puddelblöcke
1912
1911
1910

B
Rohguß  aus  Kupol-  und  Glühöfen
Stahlguß  aus  Martin-  und  Tiegelöfen  sowie  Birnen.  .  .
'  Rohe  Wasserleitungsröhren  mit  Muffen
1912
1911
1910
Geschmiedete  und  gewalzte  Blöcke  und  Platinen  ....
1912
1911
1910
Erzeugnis  III:
Doppel  1-  über  100  mm  Höhe
Straßenbahn-  und  Phöntxschienen
Eisenbahnschienen  von  8,32  Pfd.  und  mehr  auf  den  lfd.  Fuß
Grubenschienen  unter  8,32  Pfd.  auf  den  laufenden  Fuß.  .
Flacheisen-  und  stahl  und  alle  Arten  Handels-  und  Profileisen
Feder-  und  Springfederstahl
Zementstahl
Walzdraht,  rund  und  quadratisch
Eisen-  und  Stahlblech  über  3  mm

32  935
347  332
978
37  106
6
9

27  192
8  700
586  416
8  416

30  075
4  899,

9  295!
566
579
3  584
266  992
2  369
699!
42199
23  528!

418  366
392  227
346  614
250  622

594  832
520  329
456  457
403  613

35  026
32  424
29  402
27  775
48  911
41  389
36  014
34  581
        <pb n="50" />
        50

in
Tonnen

Summe

Eisen-  und  Stahlblech  von  3  mm  bis  Nr.  20

17  945

Dachblech,  dünner  als  Nr.  20

11  170

Univcrsal-Eiscn  und  -Stahl  150—600  mm  breit,  einschließl.

Rohrstreifen

31  899

Radreifen  für  Waggons  und  Tender

17  740

Waggon-  und  Tenderachsen

6  248

Abschnitte,  Enden  und  Ausstiche  von  der  Rüderfabrikation  .

31  900

466  714

1912

427133

1911

389  602

1910

358  173

Erzeugnis  IV:

Gezogene  und  geschweißte  Rohre

30  490

Verbindungsstücke  und  Unterlagsteile

44  732

Verschiedene  Beschläge

2  305

Maschinen-  und  Schienennügel

7  004

81531

1912

76  440

1911

65  783

1910

54  315

Zum  Vergleich  sei  folgende  Mitteilung  über  die  Erzeugnisse
der  Eisenindustrie  ganz  Rußlands  gebracht:

Eisenindustrie  Rußlands  1913

Roheisen

282  398  360  Pud

=  4  625  685  t

Brucheisen  ...  .

13  786  808  „

225  828  t

Alteisen

20  482  097  „

—  335  497  t

Abfälle

39  074  781  „

640  045  t

Erzeugnisse  II  A

300  232156  „

=  4  917  803  t

Erzeugnisse  11  B

24  053  154  „

—  393  991  t

Geschmiedete  und  gewalzte  Blöcke  und
Platinen

14161  396  „

231  964  t

Erzeugnisse  III

246  501  424  „

—  4  037  693  t

Erzeugnisse  IV

11  790  958  „

=  193136  t

Zahl  der  Hochofen  im  Betrieb.  151

—  Zahl  der  Arbeiter  299  778.

Die  Zahl  der  auf  den  polnischen  Eisenhütten  beschäftigten
Arbeiter  im  Jahre  1913  betrug  18  881.  Über  die  Lohnverhältnisse ­
  der  Eisenhüttenarbeiter  liegen  Angaben  nicht  vor;  doch
waren  —  im  Gegensatz  zu  den  sonstigen  Arbeitern  —  die  Löhne
der  gelernten  Eisenhüttenarbeiter  ziemlich  hoch  und  von  den  in
der  deutschen  Eisenindustrie  gezahlten  wenig  verschieden.
        <pb n="51" />
        51

Im  folgenden  sei  noch  der  Eisenverbrauch  pro  Kopf  im
Jahre  1911  mitgeteilt  in
Vereinigten  Staaten  ......  233  kg
Deutschland  .........  136  „
England  .  105  „
Rußland  25  „
Königreich  Polen  (1910)  19  „
Man  sieht  aus  dieser  Zusammenstellung,  daß  in  Polen  der
Eisenverbrauch  außerordentlich  niedrig  war  und  sogar  kleiner  als
in  dem  übrigen  Rußland.  Bei  einer  Angliederung  Russisch-Polens
  an  das  deutsche  Wirtschaftsgebiet  würde  zweifellos  der
Eisenverbrauch  stark  steigen  und  sich  der  deutschen  und  namentlich ­
  der  oberschlesischen  Eisenindustrie  außerordentlich  günstige
Absatzaussichten  eröffnen.
Zinkhütten.  Russisch-Polen  besitzt  3  Zinkhütten,  welche
im  Kreise  Bendzin  gelegen  sind.  Im  einzelnen  gibt  über  diese
Zinkhütten  folgende  Zusammenstellung  Aufschluß:
Pud  Tonnen  Pud  Tonnen
Zink  Zinkstaub

Paulinen-Zagorze



Sosnowicer

460  Arbeit.

1910:  231  953  =  3  799

27  108  =

444

hütte

Gruben-  u.

1911:  321  444  =  5  265

—

—

Hütten-Ges.

1912:  254  292  =  4165

31  421  =

515

KonstanDombro- ­





  „

1910:  156  012  =  2  555

5  659  =

93

tin

wa

Russische

1911:  144  070  =  2  360

4  871  =

80

Gesellschaft

1912:  155457  =  2546

4  956  =

81

Bendziner

bei  BendLociete ­



204  „

1910:  138  939  =  2  276

5  672  =

93

Hütte

zin

Miniere  tu

1911:  140  617  =  2  303

4  938  =

81

Dombrowa

1912:  124  861  =2  045

3  980  =

65

Außerdem  ist  noch  das  Zinkwalzwerk  von  Tillmanns  und
Oppenheim  in  Bendzin  vorhanden,  das  Zinkblech  und  gelochte
Zinkbleche  herstellt  und  etwa  100  Arbeiter  beschäftigt.
Ferner  betreibt  die  Sosnowicer  Gesellschaft  in  Sosnowice
eine  Zinkweißfabrik.
Insgesamt  wurden  also  in  Russisch-Polen  im  Jahre  1912
8  756  t  Rohzink  hergestellt.  Eingeführt  wurden  in  Rußland  an
Roh-  und  Walzzink  im  Jahre  1912  20  200  t.
Metallindustrie.  Die  Metallindustrie  Russisch-Polens  war
recht  bedeutend.  Über  sie  gibt  die  nachstehende  Tabelle  Aufschluß:
        <pb n="52" />
        52

Zahl  der
Anlagen

Wert  der  Produktion ­
  (Rubel)

Arbeiter

Maschinen-,  Kessel-,  Brückeiibaufabriken  .
Fabriken  von  Müllerei-  und  landwirtschaft-107



35  835  000

18  683

lichen  Maschinen

84

6  661  000

3  867

Eisengießereieil  .
Bauschlossereien,  Schmiedeanstalten,  Geld-63



17  321  000

9  977

schrankfabriken

464

5  803  000

4  967

Klempnereien
Metallmöbel-,  Haus-  und  Küchengeräte-93



1  704  000

1  034

fabriken
Nägel-  und  Drahtwarenfabriken,  Draht-48



7  640  000

5  856

ziehereien  und  Blechwalzwerke  .  .  .

60

10  900  000

4  512

Waagen-,  Werkzeug-,  Jnstrumenteufabriken
Metallgießereien,  Armaturfabriken,  und

83

8  580  000

2  74!»

Kupferschmieden

117

7  144  000

2  732

Gold-,  Silber-.  Alfenidwarenfabriken  .  .

123

5  113  000

2  224

Elektrotechnische  Anstalten

50

1  690  000

670

Fabriken  verschiedener  Metallwaren  .  .

218

6  910  000

4  743

1  510

115  301  000

62  027

Der  Hauptsitz  der  polnischen  Metallindustrie  befindet  sich
im  Gouvernement  Warschau.
Die  Warschauer  Maschinenfabriken  haben  ein  sehr  reichhaltiges ­
  Arbeitsprogramm,  besonders  in  Einrichtungen  für
Zuckerfabriken,  Brauereien  und  Brennereien.  Deutsche  Kapitalisten ­
  haben  Geld  und  Erfahrungen  dazu  hergegeben.
Auch  Waggon-  und  Brückenbaufabriken  stehen  in  Blüte.  Die
Warschauer  Verfeinerungsindustrie  hat  einen  starken  Bedarf
an  Roh-,  Gießerei-,  Walzeisen  und  Blechen.  Stahl  wird  meist
aus  eigenem  Eisen  erzeugt.  Gießerei-  und  sonstiges  Spezialeisen
wird  überwiegend  aus  dem  Donezgebiet,  aus  England  und
Deutschland  eingeführt.
Die  Menge  des  aus  Südrußland  bezogenen  Roheisens  betrug ­
  im  Jahre  1912  5  169  750  Pud  —  84  681  t.  Über  die  aus
anderen  Ländern  eingeführten  Eisenmengen  sind  Angaben  nicht
vorhanden.
Erwähnt  sei  noch,  daß  aus  dem  Donezbecken  Kohle  in  Polen
eingeführt  wurde,  die  gleichfalls  in  den  Warschauer  Fabriken  Verwendung ­
  fand.  Die  Menge  betrug  1911  3  576  710  Pud  —
58  587  Tonnen.
Zcmentindustrie.  Russisch-Polen  besitzt  eine  nicht  unbedeutende ­
  Zementindustrie.  Die  Produktion  der  Zementindustrie
Polens  weist  ständig  steigende  Ziffern  auf.  So  wurden  im  Jahre
1913  2,6  Millionen  Faß  gegenüber  1,65  Millionen  im  Jahre
1912  und  1,40  Millionen  Faß  im  Jahre  1911  gewonnen.  Die
voraussichtliche  Ausbeute  für  1914  war  auf  3,45  Millionen,  die
        <pb n="53" />
        53

für  1915  sogar  auf  4,65  Millionen  Faß  geschätzt.  Die  Industrie
war  zu  einem  Syndikat  mit  dem  Sitz  in  Warschau  zusammengeschlossen, ­
  das  jedoch  mit  dem  1.  Januar  1915  abgelaufen  ist.
Zum  Syndikat  gehörten  folgende  Fabriken:
*)  1)  Portland-Cement-Fabrik  Grodziec  in  Zabkowice,
2)  Aktiengesellschaft  Firley  in  Lublin,
*)  3)  Akt.-Ges.  der  Porltand-Cement-Fabrik  Wysocka  in  Lazy,
4)  Portland-Cement-Fabrik  Klucze,  Akt.-Ges.  Rabszytyn,
5)  Portland-Cement-Fabrik  Lazy,  Akt.-Ges.  Lazy,
*)  6)  Portland-Cement-Fabrik  Wrzosowa  in  Poray  bei
Czenstochau,
7)  Portland-Cement-Fabrik  Akt.-Ges.  Ogrodzieniec  in
Zawierzie,
8)  Portland-Cement-Fabrik  Akt.-Ges.  Wiek  in  Zawierzie,
vom  Syndikat  gepachtet  ist
9)  die  Portland-Cement-Fabrik  Opoczno  in  Opoczno  und
vom  Syndikat  vor  3  Jahren  aufgekauft  ist
10)  die  Portland-Zement-Fabrik  Kielce,  Akt.-Ges.  in  Kielce.
Die  Fabriken  zu  9  und  10  befanden  sich  jedoch  in  den
letzten  Jahren  vor  dem  Kriege  außer  Betrieb.
Außerhalb  des  Syndikats  befand  sich  nur  die  Fabrik  Jakub
in  Rudniki.
Bisher  war  die  Zementindustrie  Russisch-Polens  der  deutschen ­
  Zementindustrie  nicht  ebenbürtig,  da  ihr  ein  Kalkstein  von
den  vorzüglichen  Eigenschaften,  wie  sie  speziell  der  oberschlesische
Kalkstein  besitzt,  fehlt.  Dazu  kommt,  daß  die  Fabriken  infolge
des  hohen  russischen  Einfuhrzolles  aus  Maschinen  nicht  die  technisch
und  maschinell  auf  der  Höhe  stehenden  Maschinen  besitzen,  wie  sie
der  deutschen  Zementindustrie  zur  Verfügung  stehen.  Das
polnische  Fabrikat  ist  infolgedessen  gegenüber  dem  deutschen
minderwertig  und  dem  Preise  nach  bisher  nicht  konkurrenzfähig
gewesen.  Die  deutsche  Industrie  konnte  jedoch
auch  ihrerseits  der  polnischen  Zementindustrie ­
  keine  Konkurrenz  bereiten,  da  Rußland ­
  hohe  Zölle  auf  Zement  erhebt  (0,12
Rubel  per  Pud),  wodurch  die  Einfuhr  in
Rußland  verhindert  war.
Die  Produktion  der  polnischen  Fabriken  erreicht  mit  2,6
Millionen  Faß  über  50  %  die  bisherige  Absatzmenge  der  schlesischen ­
  Fabriken,  die  ihre  Jahresproduktionsfähigkeit  von  67 2 —7
Millionen  Faß  auch  in  günstigen  Verbrauchsjahren  bisher  nur
mit  etwa  70  %  ausnutzen  konnten.  —
*)  Die  Fabriken  zu  t,  3  und  6  liegen  in  dem  gegenwärtig  deutschen
Verwaltungsbezirk,  die  übrigen  im  öfterr.  Verwaltungsbezirk.
        <pb n="54" />
        54

Das  Absatzgebiet  der  polnischen  Fabriken  lag  nur  zu  1 U
der  Produktion  im  Weichselgebiet,  2 / s  wurden  nach  dem  eigentlichen ­
  Rußland  abgesetzt.
Chamotteindustrie.  Die  russisch-polnische  Chamotteindustrie
hat  erst  in  den  letzten  Jahren  einen  bemerkenswerten  Aufschwung
genommen.  Bisher  beschränkten  sich  die  russisch-polnischen  Chamottefabriken
  in  der  Hauptsache  auf  die  Herstellung  von  Steinen
im  sogenannten  Normalformat,  also  Vierkantsteine,  Radialsteinen
(für  Kupolöfen)  sowie  Wölbsteinen  für  Kesseleinmauerungen,
Kanalsteinen  fiir  Stahlwerke  und  sonstigem  feuerfesten  Mauerwerk ­
  für  einfachere  Beanspruchung.  Chamottesteine  für  hohe  Beanspruchung ­
  und  solche  von  schwierigerer  Formgebung  sowie
Dinassteine  wurden  hauptsächlich  aus  Deutschland  bezogen.
Seit  einigen  Jahren  vermehrten  sich  jedoch  die  Bestrebungen ­
  Rußlands  Lezw.  Russisch-Polens,  den  Bedarf  an  feuerfesten
Materialien  im  eigenen  Lande  zu  decken.  Unter  dem  Drucke  der
behördlichen  Vorschriften,  an  Staatswerke,  Eisenbahnen  und
sonstige  Behörden  und  Kommunen  nach  Möglichkeit  inländisches,
also  russisches  bezw.  russisch-polnisches  Fabrikat  zu  verwenden,  vergrößerten ­
  sich  die  bestehenden  Fabriken.  Auch  fanden  eine  Anzahl
Neugründungen  statt,  teilweise  durch  französisch-englische  Industrie-Gesellschaften, ­
  und  schließlich  wagte  sich  die  russisch-polnische ­
  Chamotte-Jndustrie  auch  an  die  Herstellung  weniger  einfacher ­
  Formate.  Es  wurden  z.  B.  die  Fabriken  von  „Tomasz
Glowacki  in  Ostrowiece",  von  „I.  Schein  in  Myszkow",  „Fürst
Drucko-Lubecki  in  Cmielow",  „W.  Klepacki  in  Ostrowiece"  und
andere  vergrößert;  neu  entstanden  u.  a.  die  Fabriken:  „Marywill
in  Radom  (französisches  Unternehmen)",  „Ruda-Maleniecka"
und  „Rogalin  in  Wierzbnik",  ferner  „Dowbor  in  Skarzysko".
Unterstützt  wurde  Rußland  bezw.  Russisch-Polen  in  den
Emanzipationsbestrebungen  von  Deutschland  durch  das  Vorkommen ­
  brauchbarer  Rohmaterialien  im  eigenen  Lande,  der  zollfreien ­
  Einfuhr  etwa  fehlender  bezw.  wertvollerer  Rohmaterialien
aus  Deutschland  und  Österreich-Ungarn  und  schließlich  durch  den
hohen  Schutzzoll  (9  bezw.  45  Kopeken  per  Pud  —  16,38  kg)
verbunden  mit  Zoll-Chikanen  aller  Art.
Die  Entwickelungsfähigkeit  der  russisch-polnischen  Chamotte-Jndustrie
  erscheint  durch  den  Krieg  nur  aufgehalten;  es  ist  zu
befürchten,  daß  ihre  Konkurrenz  sich  den  deutschen  Fabriken
feuerfester  Produkte,  besonders  den  östlichen,  welche  den  russischen
bezw.  russisch-polnischen  Markt  bisher  hauptsächlich  beherrschten
und  ihre  Leistungsfähigkeit  auf  den  betreffenden  russischen  bezw.
russisch-polnischen  Absatz  eingerichtet  haben,  immer  fühlbarer
machen  wird.
        <pb n="55" />
        55

Kalkindustrie.  Die  Kalkindustrie  ist  in  Russisch-Polen  ansäßig
  in  der  Hauptsache  in  den  Bezirken  Czenstochau,  Kielce,
Opoczno  und  in  der  Warschauer  Gegend.  Ihre  Konkurrenz  ist
der  deutschen  Kalkindustrie  bisher  kaum  fühlbar  geworden.
Branntweinbrennereien.  Die  Branntweinbrennereien  Polens ­
  stellten  im  Jahre  1912/13  35,19  Millionen  Galonen  Branntwein ­
  her  (eine  Galone  —  3,794  Liter).
Zuckerfabriken.  An  Zuckerfabriken  zählte  Polen  im  J^re
1905/06  49  Unternehmungen,  die  11  912  172  dz  Rüben  verarbeiteten. ­
  Im  Jahre  1913  wurden  53  Zuckerfabriken  gezählt.
Die  Zuckerindustrie  ist  hauptsächlich  ansässig  in  den  Gouvernements ­
  Warschau  und  Lublin.
Sonstige  Industrien  sind  insbesondere  in  Warschau  ansäßig.
Zu  erwähnen  sind  die  Unternehmungen  der  Galanterie-Lederwarenbranche,
  Holzwarenerzeugung,  Herren-  und  Damen-Konfektion,
  Krawatten-  und  Wäschefabrikation,  ferner  Gerbereien  und
Bierbrauereien.  Alle  diese  Industriezweige  gehören  mit  verhältnismäßig ­
  wenigen  Ausnahmen  der  Kleinindustrie  an-  Ihre  Produktion ­
  hat  den  Wert  mehrerer  Millionen  Rubel.
Handel.  Im  polnischen  Außenhandel  spielen  die  Deutschen
und  die  Juden  als  Kapitalisten  die  Hauptrolle.  Der  Viehhandel
und  das  Getreidegeschäft  ist  fast  ausschließlich  in  jüdischen  Händen,
ebenso'  das  Fell-  und  Holzgeschäft.
In  der  Textilbranche  herrschen  dagegen  die  deutschen  Unternehmer ­
  vor.  Die  Eisen-  und  Kohlenindustrie  wird,  wie  erwähnt,
zum  Teil  mit  stanzösischem  und  zum  Teil  mit  deutschem  Kapital
betrieben.  In  der  Warschauer  Eisen-  und  Maschinenindustrie
herrscht  das  polnische  Element.
Der  Kleinhandel  ruht  fast  ausschließlich  in  jüdischen  Händen.
Verkehrswesen.  Den  Handelsverkehr  zwischen  Deutschland
und  Polen  vermittelte  in  der  Hauptsache  die  Eisenbahn.  Das
Eisenbahnwesen  Polens  steht  auf  einer  geringen  Stufe  der  Entwicklung, ­
  da  die  russische  Regierung  aus  strategischen  Gründen
den  Bau  von  Bahnen  links  der  Weichsel  nicht  begünstigte  oder
nur  strategische  Bahnen  baute  ohne  Berücksichtigung  der  Bedürfnisse ­
  des  Landes.  Links  der  Weichsel  hat  Polen  nur  eine  Bahnlinie, ­
  die  Warschau—Wiener  Bahn,  welcher  sich  von  Thorn  aus
kommend  bei  Skierniewice  eine  zweite  Hauptlinie  anschließt.
Sonst  bestehen  links  der  Weichsel  nur  die  Nebenbahnen  Kalisch—
Lodz—Lowicz  und  Lodz—Tomaszow—Ossowiec  sowie  die  sogenannte ­
  Weichselbahn  Sosnowiece—Jwangorod.  Die  Warschau—
Wienerbahn  ist  normalspurig,  während  die  Weichselbahn  die  breite
russische  Spur  besitzt.  Beide  Bahnen  befanden  sich  im  Eigentum
des  russischen  Staates.
        <pb n="56" />
        56

Rechts  der  Weichsel  ist  das  Eisenbahnnetz  ein  dichteres,  wenn
es  sich  auch  in  keiner  Weise  mit  den  Bahnverbindungen  der  westlichen ­
  Kulturstaaten  vergleichen  läßt.'  Warschau  bildet  hier  den
Ausgangspunkt  der  Bahnen  nach  Petersburg  und  Moskau,  die
unter  ernander  durch  Nebenlinien  mehrfach  verbunden  sind,  sowie
auch  den  Ausgangspunkt  der  Weichselbahn,  die  über  Jwangorod,
Lublin,  Cholm  nach  Kiew  geht.
Zwischen  Deutschland  und  Rußland  bestehen ­
  8  Eisenbahnverbindungen,  von  denen
7  in  polnisches  Gebiet  führen;  es  sind  dies
die  Bahnübergänge  bei  Grajewo,  Mlawa,
Thorn,  Kalisch,  Herby  und  zwei  Übergänge
bei  Sosnowice.
Eingeschaltet  sei  hier,  daß  zwischen  Polen  und
Österreich  nur  ein  Übergang,  der  von  Granica,
vorhanden  ist.  Das  ist  besonders  charakteristisch  und  zeigt,
wie  der  Verkehr  Polens  immer  nach  Deutschland  und  weniger
nach  Österreich  tendierte.
Der  Güterverkehr  zwischen  Deutschland  und  Polen  auf  den
Bahnen  hatte  in  den  Jahren  1912/13  nach  der  Preußischen
Eisenbahnstatistik  folgenden  Ilmfang:
(Siehe  Anlage  2  am  Schluß.)
Hinter  dem  Güterverkehr  der  Eisenbahnen  steht  der  Verkehr ­
  auf  der  Weichsel  stark  zurück,  obwohl  gerade  die
Weichsel  nach  Lage  und  Größe  berufen  wäre,
eine  Hauptader  des  Güterverkehrs  zu  werden.
Daß  der  Weichselverkehr  diesen  Anforderungen  nicht  gerecht
wird,  liegt  an  dem  schlechten  Zustande  des  Stromes,  vor
allen  Drngen  an  den  unaufhörlichen  Versandungen  und  damit ­
  zusammenhängend  an  der  ungenügenden  Tiefe.  Außerbem
  fehlen  auf  der  ganzen  Stromstrecke  innerhalb  des  Königreichs
Polen  jegliche  Stromverwaltung  und  infolgedessen  alle  Vorrichtungen ­
  und  Anlagen  zum  Aus-  und  Einladen,  wie  Umschlagplätze,
Geleise,  Kräne  und  dergl.,  kurz  alles,  was  für  eine  normale  Entwickelung ­
  des  Schiffsverkehrs  unbedingt  notwendig  ist.
Von  Bedeutung  ist  nur  die  Weichselflößerei.  Der  ganze
Strom  bildet  die  Hauptader  des  gewaltigen  Holzverkehrs  aus
seinem  gesamten  Stromgebiete  und  den  östlichen  Narbargebieten,
der  den  deutschen  Markt  mit  Bau-  und  Nutzholz  versorgt  und
noch  einen  Überschuß  stir  die  Ausfuhr  aus  den  deutschen  Hafenplätzen ­
  liefert.
Arbeiterfrage.  Die  Zahl  der  Fabrikarbeiter  Polens  betrug
im  Jahre  1907  über  300  000  Köpfe.  Im  Jahre  1897  wurden
        <pb n="57" />
        57

243  733  Arbeiter  gezählt,  die  sich  folgendermaßen  auf  die  einzelnen ­
  Industrien  verteilten:*)

1.  Textilindustrie  ...........
2.  Unternehmungen  zur  Erzeugung  von  Eßwaren,

115  181

die  der  Akzise  nicht  unterliegen  .....
3.  Unternehmungen  zur  Bearbeitung  von  anima-5

  288

lischen  Produkten  ..........

5  876

4.  Holzindustrie

8  995

5.  Papierindustrie  ..........

4  265

6.  Chemische  Industrie  .........

3  331

7.  Keramische  Industrie  .  .

17  218

8.  Metallindustrie  ...........

24  427

9.  Übrige  Unternehurungen........

4  083

zusammen  188  664

Nicht  eingerechnet  sind  hier  die  in  den  Bergwerken  und  in
der  Eßwarenbearbeitungsindustrie  beschäftigten  Arbeiter.  Die
Zahl  der  Bergarbeiter  betrug  1900:  47  247.**)
Hauptsächlich  rekrutiert  sich  die  Fabrikarbeiterklasse  aus  der
Landbevölkerung.  Es  steht  somit  ein  großes  und  unerschöpfliches
Angebot  an  Arbeitskräften  zur  Verfügung.  Da  dieses  im  eigenen
Lande  größer  ist,  als  der  Bedarf,  wanderten  jedes  Jahr  zahlreiche
Personen  als  sogenannte  Saisonarbeiter  ins  Ausland  und  zwar
nach  Deutschland  und  Amerika.
Das  starke  Angebot  an  Arbeitern  in  Polen  ist  nicht  ohne
Einfluß  auf  die  Löhne  geblieben.
Der  Durchschnittslohn  des  Feldarbeiters  während  der  Feldarbeit ­
  stellt  sich  nach  den  Angaben  des  Warschauer  Statistischen
Komitees  laut  nachstehender  Tabelle  ***)  wie  folgt:
Tagelohn  eines  Arbeiters  bei  Selbstbeköstigung  in  Kopeken

Gvuvernements

Frühling

Sommer

Herbst

Winter

1890

1900

1890

1900

1890

1900

1890

1900

Suwalki

«7a

57

33

42

29

36

22

28

Lomscha

457g

51

30

31

28

31

21

23

Warschau

447g

587g

28

36

28

26

20

26

Petrikau

44

55'/s

28

33

31

37

21

24

Plvzk

43

627a

23

32

25

36

16

23

Lublin

397 a

407a

27

27

26

27

21

21

Siedlec

36'/-42



24

26

24

26

18

20

Kalisch

35

•577a

25

25

26

38

16

25

Radom

35

417a

24

27

23

27

18

21

Kielce
Königreich

347g

397a

21

24

22

24

16

18

Polen  407sj  50'/z
*)  Strasburg  er  S.  45.

267»

31

26

32

19

23

**)  Rabinowitz  S.  7.
***)  v.  Orpiszewski  S.  27.
        <pb n="58" />
        58

Die  Löhne  der  Industriearbeiter  stellten  sich  im  Jahre  1897
für  die  verschiedenen  Jndustriearten  folgendermaßen:*)
Im  Durchschnitt  bezog  ein  Arbeiter  in  Rubeln  jährlich:

Textilarbeiter  209,00
Nicht  der  Akzise  unterliegende  Nahrungsmittelindustrie  228,56
Bearbeitung  von  animalischen  Produkten  308,88
Holzindustrie  121,69
Papierindustrie  170,79
Chemische  Industrie  223,57
Keramische  Industrie  228,47
Metallindustrie  293,43
Übrige  Unternehmungen  .  .  151,79

Gesamtdurchschnitt:  224,3

Im  Jahre  1912  bezogen  die  Fabrikarbeiter  in  Russisch-Polen
die  in  der  folgenden  Tabelle  angegebenen  Löhne:

Art  der  Fabriken

Anzahl
der
Fabriken

Anzahl
der
Arbeiter

Von  Spal
männlich

e  3  waren
weiblich

Durch  -
schnitts-Jahres-


Rbl.

Industrie  allgemein  .  .

3  259

302  875

199  935

102  940

306

Baumwollindustrie  .  .

261

68175

32  317

35  858

298

Wollindustrie

595

57  178

35  222

21  956

336

Seidenindnstrie  ....

25

2  221

873

1348

314

Leinen-,  Jute-,  Hanf-Industrie


11

14  063

6  538

7  525

271

Sonstige  Textilindustrie

226

10  569

6  256

9  313

320

Metallindustrie  **)  .  .  .

462

48  715

43  609

5106

364

Mineralienindustrie  ***)

341

23  055

18169

4  886

277

Arbeiterorganisationen.  Bisher  bestanden  dank  des  anormalen ­
  politischen  Zustandes  im  Königreich  Polen  unter  den
Arbeitern  im  Königreich  Polen  keine  offiziellen  beruflichen  Organisationen. ­
  Trotz  aller  gesetzlichen  und  politischen  Maßregeln
haben  sich  jedoch  allmählich  auch  unter  den  polnischen  Arbeitern
geheime  Verbände  gebildet,  unter  welchen  die  „polnische  Sozialistische ­
  Partei"  die  mächtigste  ist.  Diese  Organisationen  umfassen
den  bei  weitem  größten  Teil  der  polnischen  Fabrikarbeiterschaft,
sie  sind  jedoch  eher  politischer  als  ökonomischer  Natur.  Die  von
ihnen  eingeleiteten  Streiks  verfolgten  in  der  Hauptsache  nicht  so
sehr  wirtschaftliche  als  politische  Ziele.
*)  Strasburger  S.  45.
**)  Das  sind  Maschinen-,  Kesselfabriken,  Schlossereien,  Schmieden,
Klempnereien,  Drath-,  Nägel-,  Blechfabriken,  Metallgießereien,  Armaturfabriken,
Gold-  und  Silberwarenfabriken,  Fabriken  für  elektrotechnische  Artikel.
***)  Das  sind  Zement-,  Gips-,  Steinzeug-,  Glas-,  Spiegel-,  ceramische
Fabriken.
        <pb n="59" />
        61

Aus  den  vorstehenden  Ausführungen  geht  hervor,  daß
Polen  ein  von  der  Natur  äußerst  reich  bedachtes ­
  Land  ist.  Das  Wertvollste,  was  es  besitzt,  sind
die  reichen  Bodenschätze,  die  es  in  seinem  südlichen
Teile  in  seinem  Schoße  birgt;  Kohle,  Zink-,  Blei-  und  Kupfererze. ­
  Schon  diese  Zusammenstellung  zeigt,  daß  die  Grundbedingungen ­
  für  die  nutzbringende  Verwertung  der  einzelnen
Mineralien  im  Lande  selbst  gegeben  sind.  Wenn  trotzdem  die
polnischen  Bodenschätze  heute  zum  größten  Teile  noch  der  Ausbeutung ­
  harren  und  die  Montanindustrie  verhältnismäßig  gering
entwickelt  ist,  so  liegt  das  in  der  Hauptsache  an  der  Zugehörigkeit ­
  zu  Rußland  und  den  daselbst  herrschenden  Verhältnissen.
Ähnlich  liegen  die  Verhältnisse  in  bezug  auf  die  Landwirtschaft. ­
  Der  Boden  ist  zum  Teil  außerordentlich ­
  fruchtbar  und  würde  bei  rationeller ­
  Bewirtschaftung  reiche  Erträge  liefern. ­
  Weite  Flächen  werden  jedoch  ungenügend  oder  gar  nicht
ausgenutzt;  sie  sind  versumpft  und  unkultiviert.
Auch  die  umfangreichen  Forsten  harren  zuin  Teil  noch  der
intensiven  Erschließung.
Dazu  besitzt  Polen  eine  gesunde,  arbeitstüchtige ­
  und  leicht  zu  erziehende  Landbevölkerung, ­
  die  einen  starken  Geburtenüberschußliefert. ­
  Es  verfügt  also  in  reichem  Maße  über  die
Arbeitskräfte,  die  zur  Entwicklung  von  Landwirtschaft  und  Industrie ­
  nötig  sind.
Äußerst  ungünstig  sind  dagegen  die  Verkehrsverhältnisse. ­
  Die  Eisenbahnen  sind  z.  Zt.  ganz
unzureichend  und  im  wesentlichen  aus  strategischen  Gründen,
nicht  im  Interesse  des  Aufschlusses  des  Landes  erbaut.
Reich  ist  Polen  dagegen  an  Wasserstraßen,
die  aber  gleichfalls  für  den  Verkehr  bisher  nur  wenig  nutzbargemacht
  worden  sind.
Die  Grundlagen  für  die  Entwicklung
einer  umfangreichen  Industrie  sind  überall
gegeben.  Trotzdem  hat  sich  diese  nicht  in  gesunder  Weise
entwickeln  können.  Nur  soweit  sie,  wie  die  Montanindustrie,  die
Zuckerfabriken  pp-,  aus  den  natürlichen  Quellen  des  Landes
schöpfen  konnte,  ist  sie  eine  gesunde.  Die  Industriezweige  dagegen, ­
  die  sich,  wie  der  größte  Teil  der  Textilindustrie,  nur  in-
        <pb n="60" />
        62

folge  der  von  Rußland  aufgerichteten  Zollschranken  entwickelt
haben,  sind  als  künstlich  zu  betrachten  und  haben  unter  veränderten ­
  Verhältnissen  keine  Lebensfähigkeit.  —
Was  die  bisherigen  wirtschaftlichen  Beziehungen
Polens  zu  Deutschland  anlangt,  so  ergibt  sich  ohne  weiteres, ­
  daß  sie  bisher  nicht  in  dem  Maße  entwickelt  sind,  wie  es  den
Bedürfnissen  beider  Länder  entsprechen  würde.  Leider  ist  eine
Waren-Ein-  und  Ausfuhrstatistil  für  Polen  nicht  vorhanden;  man
ist  daher  aus  die  Verkehrsstatistik  der  Eisenbahn  (Anlage  2)  angewiesen, ­
  die  jedoch  die  Werte  der  Waren  nicht  angibt.  Immerhin
ist  aus  ihr  ersichtlich,  daß  schon  jetzt  gewisse  Stoffe  aus  Polen
nach  Deutschland  in  großen  Mengen  exportiert  werden,  so  vor
allem  Erze  und  Holz,  ferner  Mehl  und  Mühlenfabrikate  sowie
landwirtschaftliche  Produkte  wie  Gerste,  Hirse,  Sämereien,  Flachs,
Kleie  und  Ölkuchen.  Sehr  umfangreich  ist  ferner  die  Ausfuhr
Polens  nach  Deutschland  in  Geflügel  aller  Art  und  Schweinen.
Aus  Deutschland  nach  Polen  wurden  hautpsächlich  Halbund
  Fertigfabrikate  ausgeführt,  z.  B.  Eisen  und  Stahl,  Eisenund
  Stahlwaren,  Dampfkessel,  Zink,  Garne,  Leder,  Lumpen,
Düngemittel,  in  den  letzten  Jahren  auch  Roggen,  Hafer,  Öle.
Bedeutend  war  die  Ausfuhr  stets  in  Steinkohle  und  Koks.  Es
ist  also  bemerkenswert,  daß  Polen  schon  jetzt  trotz  der  hohen  Zollschranken ­
  ein  Importland  wenigstens  in  gewissem  Unifange  für
Deutschlands  Industrien  gewesen  ist,  während  es  seinerseits  an
Deutschland  Rohprodukte  aller  Art  abgegeben  hat.
Ohne  weiteres  ist  schon  aus  dem  Vorstehenden  ersichtlich,
daß  Polen  unter  allen  Umständen  für  Deutschland  außerordentlich ­
  begehrenswert  ist;  im  folgenden  seien  aber  noch  einige  besonders ­
  wichtige  Momente,  die  unseres  Erachtens  unbedingt  zu
einer  wirtschaftlichen  Angliederung  Polens  an  Deutschland  zwingen, ­
  kurz  hervorgehoben:
So  hoch  entwickelt  unsere  Landwirtschaft  auch  ist,  so  ist  sie
leider  doch  nicht  in  der  Lage,  den  gesamten  Bedarf  des  deutschen
Volkes  an  Brotgetreide  und  Futtermitteln  zu  decken.  Wir  b  e  -
dürfen  deshalb  unbedingt  weiteren  Bodens
zur  landwirtschaftlichen  Nutzung,  um  in  Hinsicht ­
  auf  die  Ernährung  unseres  Volkes  gänzlich ­
  vom  Auslande  unabhängig  zu  werden;  dieses  ist
schon  aus  dem  Grunde  erforderlich,  damit  in  Zukunft  auch  in  den
Augen  unserer  Feinde  ein  Plan  zur  Aushungerung  des  deutschen
Volkes  nie  wieder  aufkommen  kann.  Diesen  zur  Zeit  fehlenden
Mehrbedarf  decken  zu  helfen,  ist  Polen  mit  seinem  wertvollen
Ackerboden,  der  bei  rationeller  Anwendung  neuzeitlicher  Agrikul-
        <pb n="61" />
        03

turtechnik  weit  größere  Überschüsse  wie  jetzt  abwerfen  kann,
äußerst  geeignet.
Ebenso  würde  die  deutsche  Industrie  durch
die  Angliederung  eines  so  aufnahmefähigen
Wirtschaftsgebietes  ein  größeres  und  gesicherteres ­
  Tätigkeitsfeld  erhalten.  Unerschlossene
Gebiete  sind  auf  dem  Weltmärkte  kaum  noch  vorhanden.  Die
Konkurrenz  der  verschiedenen  Länder  auf  den  weniger  entwickelten ­
  Gebieten  des  Erdballs  wird  dauernd  eine  heftigere  werden,
und  insbesondere  der  deutsche  Kaufmann  wird  nach  dem
Kriege  im  Auslande  große  Schwierigkeiten  überwinden
müssen,  da  die  maßlose,  andauernde  Verhetzung,  die  Deutschlands
Feinde  getrieben  haben,  fast  alle  fremden  Länder  gegen  Deutschland ­
  eingenommen  hat  und  unsere  Feinde  selbst  sich  gewiß  nach
Kräften  absperren  werden.  Es  ergibt  sich  daher  als  zwingende
Notwendigkeit,  für  Handel  und  Industrie  im  Jnlandc  selbst  einen
breiteren  Rückhalt  zu  schaffen.  Hierzu  ist  aber  Russisch-Polen  mit
seinen  außerordentlichen  Entlvicklungsmöglichkeiten  als  aufnahmefähiges ­
  Absatzgebiet  ganz  besonders  geeignet.
Der  allgemeine  Kulturzustand  Polens  ist  zur  Zeit  noch  ein
niedriger.  In  den  Städten  fehlt  Wasserleitung  und  Kanalisation,
die  Dächer  sind  mit  Stroh  gedeckt,  die  Stuben  ungedielt  und
untapeziert  rc.  Eigentliche  Mobilien,  Haus-  und  Ackergeräte
sind  nur  primitiv  vorhanden.  Die  Eisenbahnstränge  sind  gering
an  Zahl  und  wenig  leistungsfähig,  ebenso  verfügen  die  Bahnen
über  einen  nur  geringen  Wagenpark.  Falls  das  Land  mit  deutschem ­
  Kapital  und  deutscher  Intelligenz  befruchtet  würde,  würden
sich  auf  allen  Gebieten  große,  ungeahnte  Bedürfnisse  zeigen.  Es
kann  s  o  m  i  t  keinerlei  Zweifel  unterliegen,
daß  die  gesamte  deutsche  Industrie  aus  einer
A  n  g  l  i  e  d  e  r  u  n  g  Polens  sehr  erheblichen  Nutzen
ziehen  würd  c.
Bon  ganz  besonderer  Wichtigkeit  würde  eine  solche  Angliederung ­
  aber  für  den  oberschlesischen  Jndustricbezirk  sein,  da
dieser  infolge  seiner  Lage  am  südöstlichen  Zipfel  des  deutschen
Reiches  stets  mit  großen  Absatzschwierigkeiten  zu  kämpfen  gehabt
hat.  Von  drei  Seiten  vom  Auslande  eng  umschlossen,  fehlt  ihm
ein  natürliches  größeres  Absatzgebiet.  Der  Handel  der  oberschlesischen ­
  Grenzstädte  ist  daher  besonders  auf  den  Grenzverkehr
zugeschnitten,  in  dem  er  ein  Hauptmoment  seiner  Existenz  findet,
so  daß  die  Erhaltung  dieses  Absatzgebietes  ftir  ihn  zu  einer
Lebensfrage  wird.  —  Die  Beengung  des  Absatzes  und  der  Mangel
eines  Hinterlandes  hat  des  weiteren  aber  auch  für  die  oberschlesische
Montanindustrie  zur  Folge  gehabt,  daß  sie  trotz  reicher  Boden-
        <pb n="62" />
        64

schätze  des  Landes  sich  nur  langsam  und  mühsam  entwickeln
konnte  und  von  ihren  westlichen  Schwestern  seit  langem  überholt
worden  ist.  Welche  Bedeutung  eine  leistungsfähige  oberschlestsche
Industrie  aber  auch  im  Landesverteidigungsinteresse  Hatz  zeigt
sich  besonders  jetzt,  wo  Oberschlesien  in  umfangreichem  Maße  zur
Deckung  der  Heeresbedürfnisse  herangezogen  wird.  Alle  Schwierigkeiten. ­
  die  bisher  die  Entwicklung  von  Oberschlesien  gehemmt
haben,  würden  durch  die  Angliederung  Polens  an  Deutschland,
wenn  auch  nicht  völlig  beseitigt,  so  doch  mindestens  stark  gemildert
werden.
Von  großer  Bedeutung  für  unser  gesamtes ­
  deutsches  Wirtschaftsleben  ist  ferner
die  Arbeiterfrage.  Von  jeher  haben  Deutschlands
Landwirtschaft  und  Industrie  und  insbesondere  auch  die
oberschlesische  Montanindustrie  aus  den  benachbarten  russischpolnischen ­
  Gebieten  Arbeiter  bezogen.  Schon  vor  dem  Kriege
inachten  sich  jedoch  in  Rußland  Bestrebungen  bemerkbar,  die  Ausfuhr ­
  von  Arbeitern  nach  Deutschland  zu  verbieten.  Auch  diese
Gefahr  kann  lediglich  durch  eine  Angliederung  Polens  mit  Sicherheit ­
  beseitigt  werden.
Nicht  unerwähnt  bleiben  dürfen  auch
die  Vorteile,  die  Deutschland  die  Weichsel
bringen  w  ü  r  d  e.  Natürlich  müßte  zunächst  eine  sachgeinüße
  Regulierung  des  Stromlaufes  vorgenommen  und  dadurch ­
  ein  reger  Schiffsverkehr  auf  der  Weichsel  ins  Leben
gerufen  werden.  Mittels  des  Bromberger  Kanals  ist  die
Weichsel  mit  Westeuropa  verbunden  und  mittels  des  Dnjepr-Bug-Kanals
  mit  Mittel-  und  Südrußland  und  dem  Schwarzen
Meer.  Von  Süden  her  wird  die  Weichsel  bald  Anschluß  an  das
österreichische  Wassernetz  erhalten,  welches  nach  Osten  mit  dem
Prut  und  nach  Westen  mit  der  Oder.  der  Donau  und  der  Elbe
in  Verbindung  steht  oder  gebracht  werden  dürfte.  Der  Weichselstrom ­
  könnte  demnach  das  Verbindungsnetz  zwischen  den  größten
Strömen  Europas  und  zwar  dein  Rhein,  der  Donau,  der  Elbe,
dein  Dnjestr  und  dem  Dnjepr  werden.
Von  gleicher  Bedeutung  ftir  die  deutsche  Industrie  würde
auch  die  Herstellung  einer  S  ch  i  f  f  a  h  r  t  s  st  r  a  ß  e,  wenn  auch
mit  geringeren  Ausmaßen,  auf  der  Narew-Vober-Linie
  sein.  Der  Boberfluß,  aus  dem  Gouvernement  Suwalki
kommend,  steht  in  Verbindung  mit  dem  Njemen  und  fließt  in
den  Narew  und  dieser  in  den  Bug.  Diese  ganzen  Distrikte  sind
außerordentlich  holzreich  und  es  würde  sich  daher  nach  Herstellung
einer  brauchbaren  Schiffahrtsstraße  sehr  bald  eine  lebhafte
Flößerei  im  sonstigen  Verkehr  entwickeln.
        <pb n="63" />
        65

Nur  kurz  soll  erwähnt  werden,  daß  auch  aus  strategischen ­
  Gründen  eine  Abtrennung  Polens  von  Rußland  erfolgen ­
  muß.  Soweit  der  deutsche  Osten  in  Betracht  kommt,  muß
für  die  Zukunft  unbedingt  dafür  gesorgt  werden,  daß  feindliche
Einbrüche,  wie  sie  Ost-  und  Westpreußen  haben  erdulden  müssen,
und  von  denen  Schlesien  und  Posen  zeitweise  bedroht  waren,  in
Zukunft  ausgeschlossen  sind.  Zum  Schutze  des  Reiches
und  seiner  ö  st  l  i  ch  e  n  G  r  e  n  z  p  r  o  v  i  n  z  e  n  i  st  daher ­
  die  Erwerbung  von  Vorgelände  mit
strategischer  Grenzlinie  erforderlich.  Im  übrigen ­
  wird  auch  von  militärischer  Seite  betont,  daß  das  Vorgelände
der  Festungen  Breslau,  Posen  und  Thorn  der  Erweiterung  bedarf.
Polen  muß  daher  als  Wall  zwischen  Deutschland  und  Rußland
aufgerichtet  iverden.  Alsdann  wird  die  Bedrohung  Deutschlands  und
der  europäischen  Kultur  durch  Rußland  endlich  ihr  Ende  erreichen.
In  welcher  Weise  soll  sich  nun  die  Angliederung  Polens
an  Deutschland  vollziehen?
Ohne  näher  auf  die  staatsrechtliche  Form,  unter  der  eine
solche  erfolgen  konnte,  einzugehen,  sei  hier  kurz  erwähnt,  daß  es
unseres  Erachtens  das  Beste  wäre,  einen  Staat  nach  Art  der
römischen  Provinzen  zu  schaffen,  der  von  Deutschland
abhängig  wäre.  Das  Militärwesen  müßte  Deutschland  unterstellt
werden;  ebenso  hätten  sämtliche  Verkehrsmittel,  Eisenbahnen  und
Wasserstraßen  in  den  Besitz  des  deutschen  Reiches  überzugehen  oder
müßten  seinem  unmittelbaren  Einfluß  unterstehen.  Das  Gleiche
hätte  für  Post,  Telegraph-  und  Kabelwesen  zu  gelten.  Ebenso  wäre
es  leicht,  die  wirtschaftlichen  Beziehungen  zwischen
Deutschland  und  Polen  durch  Zoll-  und  sonstige  Verträge  sü  zu
ordnen,  daß  den  Bedürfnissen  der  deutschen  Industrie  und  Landwirtschaft ­
  wie  den  Bedürfnissen  des  Neulandes  in  vollem  Umfang ­
  Rechnung  getragen  würde.
Auch  die  Errichtung  eines  selbständigen  polnischen  Reiches
würde  von  dem  hier  im  Vordergründe  stehenden  wirtschaftlichen
Standpunkte  aus  den  Interessen  Deutschlands  nicht  zuwiderlaufen, ­
  da  es  dann  gleichfalls  leicht  wäre,  bei  der  Gründung  von
vornherein  dem  deutschen  Jnteressenstandpunkt  Geltung  zu  verschaffen. ­

Um  ein  übergreifen  der  nach  dem  Kriege
zu  erwartenden  erneuten  und  verstärkten
polnischen  Agitation  auf  deutsches  Gebiet
zu  verhindern,  iväre  es  erforderlich,  daß
längs  der  deutschen  Grenze  ein  rein  deutsch  zu
besiedelnder  Schutzstreifen  geschaffen  w  i  r  d.  Zu  diesem
Zweck  müßten  die  daselbst  ansässigen  Polen  weiter  nach  Kongreß-
        <pb n="64" />
        66

polen  hinein  bezw.  in  ein  östlich  Kongreßpolen  zu  schaffendes
Ansiedlungsgebiet  verpflanzt  werden  und  an  Stelle  des  so  ausgesiedelten ­
  polnischen  Grundbesitzes  müßten  die  deutsche  n
Bauern  Polens  wie  auch  des  weiteren  Rußlands  in  den  Schutzstreifen ­
  hineingezogen  werden.  Dadurch  würde  die  Gefahr  einer
polnischen  Agitation  und  eines  verstärkten  Hineinziehens  der
deutschen  Ostprovinzen  in  diese  Agitation  zum  mindestens  stark
abgeschwächt  werden.  —.
Eine  Angliederung  bezw.  wirtschaftliche
Verbindung  Polens  mit  Deutschland  würde
auch  für  Polen  von  großem  Vorteil  sein.
Neue  Industrien,  wie  Brennereien,  Holzindustrien,  Papierfabriken, ­
  Brauereien,  Maschinenfabriken  usw.  würden  erstehen,  die
polnische  Landwirtschaft  und  Viehzucht  würde  allmählich  auf  die
Höhe  der  deutschen  kommen  und  auch  die  Forstwirtschaft  würde
unter  deutschem  Einfluß  zur  Blüte  gelangen;  die  meisten  polnischen ­
  Industrien,  insbesondere  auch  der  Bergbau,  wiirden  sich
weiter  entwickeln.
Allerdings  muß  zugegeben  werden,  daß  die  polnische  Textilund
  Eisenhüttenindustrie  hiervon  wohl  auszunehmen  sind.  Ihnen
würde  im  Falle  einer  Angliederung  Russisch-Polens  an  Deutschland ­
  und  der  Errichtung  einer  Zollschranke  nach  Rußland  hin  der
Absatz  nach  dem  eigentlichen  Rußland  entzogen  werden  und  damit ­
  eine  große  Schwierigkeit  für  ihre  weitere  Lebensfähigkeit
entstehen.
Bei  der  Textilindustrie  vermag  der  Verlust  eines  Absatzgebietes ­
  von  160  Millionen  Konsumenten  durch  die  Absatzmöglichkeit ­
  nach  Deutschland  nicht  ausgeglichen  zu  werden,  zumal
dieses  auch  wesentlich  andere  Bedürfnisse  ausweist.  Immerhin
kann  angenommen  werden,  daß  die  hochentwickelte  Technik  der
meist  modern  eingerichteten  Betriebe  verbunden  mit  den  billigen
Arbeitskräften  und  den  kaufmännischen  Fähigkeiten  der  Unternehmer ­
  diesen  Schwierigkeiten  gewachsen  sein  und  sie  allmählich
überwinden  würde.
Dem  Verlust  des  russischen  Absatzgebietes  würde  im  Falle
einer  Angliederung  Polens  an  Deutschland  als  A  k  t  i  v  p  o  st  e  n
auch  gegenüber  zu  stellen  sein  das  h  ö  h  e  r  e  51  u  l  t  u  r  n  i  v  e  a  u.
der  Eintritt  sicherer  Vertrags-  und  Rechtsverhältnisse, ­
  ein  billigerer  Kredit,  Zollfreiheit ­
  des  Hauptroh  st  ofses,  bessere  Verkehrsverhältnisse ­
  und  ähnliche  mit  einer  Angliederung
an  Deutschland  verbundene  Vorteile  sur  Russisch-Polen,  die  bei
der  Bewertung  industrieller  Betriebe  mit  von  Bedeutung  sind.
Eventuell  müßten  in  dem  init  Rußland  zu  schließenden
        <pb n="65" />
        67

Handelsverträge  Maßnahmen  vereinbart  werden,  die  einem  Teil
der  polnischen  Industrie  —  für  eine  Übergangszeit  —  noch  die
Möglichkeit  eines  Absatzes  nach  Rußland  erhalten.
Auf  die  deutsche  Textilindustrie  würde  der
Hinzutritt  der  polnischen  Industrie  wohl  auch  nicht  ohne  Einfluß ­
  sein.  Da  aber  die  deutsche  Industrie  der  polnischen  überlegen ­
  ist,  würden  in  dieser  Hinsicht,  zumal  wenn  der  russische
Markt  für  die  polnische  Industrie  zunächst  erhalten  werden  kann,
besondere  Befürchtungen  einer  allzugroßen  Konkurrenz  wohl  nicht
zu  hegen  sein.  Vielfach  wird  auch  die  Ansicht  vertreten,  daß  im
Falle  einer  Angliederung  Russisch-Polens  an  Deutschland  ein  großer
Teil  der  polnischen  Industrie  nach  Rußland  auswandern  würde.
Für  die  polnische  Eisenindustrie  würde  eine
Angliederung  Polens  an  Deutschland  weitergehendere  Nachteile
nach  sich  ziehen,  da  sie  wohl  zu  einer  teilweisen  Stillegung  der
Eisenwerke  führen  würde,  soweit  diese  nicht  zur  Herstellung  von
Spezialartikeln  übergehen.  Die  polnischen  Hütten  müßten  sich  nach
einer  Angliederung  an  Deutschland  und  im  Falle  der  Wiederaufrichtung ­
  einer  russischen  Zollgrenze  nach  dem  Westen  derselben
Hilfsmittel  bedienen,  wie  die  deutschen.  Sie  müßten  also  außer
einheimischen  überwiegend  schwedische  Erze  verarbeiten  und
würden  diese  bei  ihrer  Lage  nur  unter  erhöhten  Kosten  heranbringen ­
  können.  Sie  würden  also  unwirtschaftlich  arbeiten  und
könnten  mit  den  deutschen  Hütten  nicht  konkurrieren.  Auch  hier
ließe  sich  allerdings  durch  vertragliche  Abmachungen  mit  Rußland ­
  —  wenigstens  für  eine  Übergangszeit  —  die  bisherige  Absatzmöglichkeit ­
  erhalten.
Gewisse  Schwierigkeiten  würde  der  Anschluß  Polens  an
Deutschland  auch  für  die  Z  e  m  e  n  t  i  n  d  u  st  r  i  e  im  Gefolge
haben,  zumal  der  oben  hervorgehobene  Umstand,  daß  die  polnischen ­
  Zementfabriken  der  deutschen  Zementindustrie  gegenüber
z.  Zt.  nicht  konkurrenzfähig  sind,  mit  dem  Moment,  in  dem  den
polnischen  Fabriken  die  vollkommneren  deutschen  Maschinen  zollfrei ­
  zur  Verfügung  stehen,  sein  Ende  erreichen  würde.  Die  polnischen ­
  Fabriken  liegen  geographisch  fast  ausnahmslos  so,  daß  sie,
sobald  sie  zu  Deutschland  gehören,  und  damit  der  Absatz  nach
Rußland  in  Fortfall  kommt,  wie  oben  ausgeführt,  im  großen  und
ganzen  dasselbe  Absatzgebiet  wie  die  schlesischen  Fabriken  haben
würden.  Es  bedarf  keiner  weiteren  Ausführungen,  daß  dadurch
eine  gewaltige  Überlastung  des  gemeinsamen  Absatzgebietes  der
schlesisch-polnischen  Fabriken  eintreten  würde.  Diese  Schwierigkeiten ­
  fiir  die  deutsche  und  die  polnische  Industrie  können
sedoch  dadurch  beseitigt  werden,  daß  bei  der  Neuregelung
der  Zölle  zwischen  Deutschland  und  Rußland  die  Absatz-
        <pb n="66" />
        68

Möglichkeit  der  deutschen  und  polnischen  Fabriken  nach  Rußland
durch  zollfreie  Einfuhr  von  Zement  in  Rußland  gewährleistet
wird,  womit  gleichzeitig  der  von  der  deutschen  Zementindustric
seit  langem  beklagte  und  scharf  bekämpfte  Zustand  beseitigt  würde,
daß  die  Einfuhr  russischen  Zements  nach  Deutschland  zwar  zollfrei ­
  erfolgen  konnte,  die  Ausfuhr  deutschen  Zeinents  nach  Rußland ­
  aber  einem  Zoll  von  0,12  Rubel  pro  Pud  unterlag.  —
Wenn  somit  auch  einigen  polnischen  Industrien  durch
einen  Anschluß  Polens  an  Deutschland  gewisse  Nachteile  entstehen
ivürden,  so  kann  dadurch  doch  die  w  i  r  t  s  ch  a  f  t  -
l  i  ch  e  Notwendigkeit  eines  Anschlusses  Polens ­
  an  Deutschland  nicht  in  Frage  gestellt
werde  n.  Abgesehen  davon,  daß  bei  der  Frage  der  zukünftigen
Gestaltung  Polens  für  Deutschland  nur  das  Interesse  der
deutschen  Volkswirtschaft  maßgebend  und  entscheidend  sein
kann,  sind  überdies  auch  die  einzelnen  polnischen  Industrien  erwachsenden ­
  Nachteile  gegenüber  dem  sonst  für  ganz  Polen  unter
deutschem  Einfluß  zu  erwartenden  Aufblühen  der  weiteren  Entwickelung ­
  nicht  ins  Gewicht  fallend,  zumal  sie  sich,  wie  wir  gescheit
haben,  durch  entsprechende  Regelung  der  zukünftigen  Handelsbeziehungen ­
  mit  Rußland  zum  größten  Teil  auch  beseitigen  lassen.
Ganz  unverhältnismäßig  schwerer  würden  die
Schäden  und  Nachteile  sein,  die  die  deutsche
Industrie  und  der  deutsche  Haitdcl  erleiden
m  ü  ß  t  e  n  ,  &amp;gt;v  e  it  n  Polen  nicht  an  D  e  u  t  s  ch  l  a  n  d
käme,  oder  w  e  n  n  im  Falle  der  Errichtung
'  eines  s  e  l  b  st  ä  n  d  i  g  e  n  Polnischen  Reiches  den
Interessen  Deutschlands  nicht  durch  deutsche
Oberhoheit  Geltung  verschafft  würde.  —
So  sehr  dies  aber  auch  immer  von  neuem  betont  werden
iituß,  so  muß  leider  allem  Anschein  nach  doch  mit  der  Möglichkeit ­
  gerechnet  werden,  daß  größere  und  wichtigere  Teile  Polens
iticht  an  Deutschland,  sondern  an  Österreich  angegliedert  werden.
Schon  jetzt  ist  zwischen  den  verbündeten  Staaten  Deutschland  und
Österreich  eine  Teilung  des  besetzten  Gebietes  in  der  Weise  erfolgt, ­
  daß  die  Grenze,  an  der  Drei-Kaiserecke  beginnend,  sich  zunächst ­
  in  nördlicher  Richtung  der  Warschau—Wiener  Bahn  entlang ­
  hinzieht,  um  alsdann  nach  Osten  umzubiegen  und  in  der
Gegend  von  Tomaschow  die  Pilitza  zu  erreichen.
Es  darf  wohl  erwartet  werden,  daß  diese  Grenze  lediglich
als  ein  P  r  o  v  i  s  o  r  i  u  m  gewählt  ist,  da  eine  Bahnlinie ­
  niemals  als  eine  geeignete  Grenzlinie
zwischen  zwei  Staaten  a  n  z  u  s  e  h  e  n  ist;  einer  die
Grenze  bildenden  Bahn  würde  jede  Möglichkeit  einer  weiteren
        <pb n="67" />
        69

Entwickelung  und  eines  weiteren  Ausbaues  genommen  oder  zum
mindesten  durch  die  Notwendigkeit  des  Zusammenwirkens  zweier
Staaten  außerordentlich  erschwert  sein.
Es  muß  aber  auch  aus  allgemeinen  deutschen  Jnteressengründen
  gefordert  werden,  daß  die  Grenze  des  eventuell  an
Deutschland  anzugliedernden  Teiles  Russisch-Polens  erheblich
weiter  nach  Osten  hinausgeschoben  wird,  da  Deutschland  und  insbesondere ­
  die  oberschlesische  Industrie  sonst  von  jedem  direkten
Verkehr  mit  Rußland  abgeschnitten  wäre.
Verlangen  die  deutschen  Interessen  unbedingt,  daß  die
Warschau  —  Wiener  Bahn  fest  in  deutschen
Händen  bleibt,  so  erscheint  es  doch  äußerst  fraglich,  ob  diese
eine  Bahnlinie  den  deutschen,  insbesondere  den  oberschlesischen
Interessen  genügen  würde.  Bisher  gehen,  wie  ausgeführt,  von
Deutschland  nach  Rußland  8  Eisenbahnlinien,  von  denen  7  durch
Polen  führen.  Von  österreichischer  Seite  dagegen  führt  nur
eine  Bahnlinie  in  polnisches  Gebiet;  das  beweist  u.  E.  zur
Genüge,  daß  die  Beziehungen  zwischen  Deutschland ­
  und  Rußland  b  e  z  w.  Russisch-Polen  von
jeher  w  e  i  t  enger  waren,  als  die  zwischen
Österreich  und  R  u  ß  l  a  n  d  und  läßt  daher  auch
das  Verlangen  nach  Aufrechterhaltung  dieser
Beziehungen  als  natürlich  und  begründet
erscheine  n.
Bei  der  künftigen  Gestaltung  der  Verhältnisse  Polens  muß
Deutschland  daher  auch  über  die  Warschau  —
Wiener  Bahn  hinaus  Einfluß  auf  die  Eisenbahn ­
  v  e  r  k  e  h  r  s  w  e  g  e,  insbesondere  auf  die
Weichselbahn  über  Jwangorod  erhalten.  Dieser-Einfluß
  kann  Österreich  gegenüber  nur  durch  gleichzeitige  Angliederung ­
  des  entsprechenden  Landesgebietes  Polens  an  Deutsch
land  sicher  gestellt  werden,  da  andernfalls  Österreich  alles  daran
setzen  würde,  eine  Benutzung  der  Bahnlinie  durch  Deutschland
zu  verhindern,  um  es,  soweit  nur  irgend  möglich,  von  seinen  alten
Handelsbeziehungen  zu  Rußland  und  Russisch-Polen  abzudrängen.
Zum  mindesten  niüßten  daher,  wenn  sich  eine  Angliederung  der
entsprechenden  Gebietsteile  nicht  erreichen  lassen  sollte,  mit
Österreich  bindende  Abmachungen  getroffen  werden,  durch
die  der  deutsche  Einfluß  auch  auf  die  Weichselbahn  unbedingt  sicher
gestellt  wäre.  Die  deutsche  Ausfuhr  nach  Polen  und  die  Durchfuhr
nach  Rußland  muß  unbedingt  unabhängig  von  dem  österreichischen ­
  Einfluß  gestaltet  werden.
Die  Durchfuhrbahnen  aus  Deutschland
nach  Rußland  diirfen  daher  keinesfalls  in
        <pb n="68" />
        70

österreichische  Hände  übergehen.  Sie  wären  eventuell ­
  einer  Gesellschaft  zu  übertragen,  in  der  deutsches  Kapital
den  Hauptanteil  hätte.  Damit  sie  sich  fortzuentwickeln  und  auszubauen ­
  in  der  Lage  wären,  müßte  ihnen  das  Recht  der  Enteignung ­
  und  das  Recht  für  beliebige  Anschlüsse  konzessionsmäßig
zugestanden  iverden.  Ebenso  wären  sie  mit  Steuerfreiheit  oder
Steuerermäßigung  auszustatten.  Aus  die  Tarifstellung  dürfte
Österreich  gleichfalls  keinen  Einfluß  ausüben.
Was  die  Wasserstraßen  anlangt,  so  müßten  sie
gleichfalls  in  irgend  einer  Form  dem  deutschen  Einfluß  unterstellt ­
  werden,  damit  sie  leistungsfähig  ausgebaut  werden  können.
Aber  auch  noch  in  mancher  anderen  Hinsicht  müßten  für  den
Fall,  daß  sich  ein  Anschluß  wichtiger  Teile  Polens  an  Österreich
nicht  verhindern  lassen  sollte,  besondere  Kautelen  geschaffen  werden, ­
  um  die  deutschen  Interessen  zu  wahren.
Zunächst  wäre  auszubedingen,  daß  d  e  u  t  s  ch  e  n  Reichsangehörigen ­
  der  Erwerb  von  Grund-  und
Bergwerkseigentum  auch  in  den  ö  st  e  r  r  e  i  ch  i  -
s  ch  e  n  Teilen  Polens  g  e  st  a  t  t  e  t  werden  muß.
Ebenso  müßten  Deutsche  unter  den  gleichen  Bedingungen ­
  Landwirtschaft  und  I  n  d  u  st  r  i  e.  treiben
dürfen  wie  Inländer.
Ferner  müßte  der  Export  von  Deutschland  na  ch
Polen  durch  niedrige  Zölle  erleichtert  werden.  Alsdann
wäre  zu  fordern,  daß  die  Freizügigkeit  der  polnischen  Arbeiter
nicht  unterbunden  wird.  Dagegen  müßte  uns  das  Recht  vorbehalten ­
  bleiben,  uns  davor  zu  schützen,  daß  Deutschland  mit
Polen  und  Juden  überschwemmt  wird.
Mit  Rücksicht  auf  die  in  Polen  vermuteten  Kali-  und
P  e  t  r  o  l  e  u  m  v  o  r  k  o  m  m  e  n  wäre  es  ferner  geboten,  rechtzeitig ­
  mit  Österreich  Abkoinmen  zu  treffen,  die  uns  vor  späteren
unangenehmen  Überraschungen  bewahrten.
Ob  alle  diese  Kautelen  genügen  würden,  um  die  deutschen
Interessen  im  Falle  einer  teilweisen  Angliederung  Polens  an
Österreich  nach  allen  Richtungen  zu  wahren,  muß  immerhin
äußerst  zweifelhaft  erscheinen;  s  i  e  st  e  l  l  e  n  u.  E.  aber  das
M  i  n  d  e  st  m  a  ß  dessen  dar,  was  zur  Sicherung
der  deutschen  Interessen  Österreich  gegenüber ­
  gefordert  werden  muß.  —
Auch  für  Polen  s  e  l  b  st  erscheint  uns  zur
Erreichung  einer  einheitlichen  und  gleichmäßigen
  Fortentwicklung  eine  Angliederung
wichtiger  L  a  n  d  e  s  t  e  i  l  e  an  Ö  st  e  r  r  e  i  ch  nicht
w  ü  n  s  ch  e  n  s  w  e  r  t.
        <pb n="69" />
        71

Eine  direkte  Gefahr  für  Deutschland  und  speziell  Oberschlesien ­
  würde  es  aber  bedeuten,  wenn  der  Kreis  Bendzin  an
Österreich  fiele,  da  dies  für  die  Weitergestaltung  der  wirtschaftlichen ­
  Verhältnisse  zwischen  Deutschland  und  Österreich  von
schwerwiegender  Bedeutung  wäre.
Durch  einen  Anschluß  des  Kreises  Bendzin
an  Österreich  würde  sich  die  Lage  der  o  bersch ­
  l  e  s  i  s  ch  e  n  Montanindustrie  noch  weiter  verschlechtern. ­
  Ihre  Lebensfähigkeit  wird  zurzeit  im  wesentlichen ­
  nur  aufrecht  erhalten  durch  die  Möglichkeit  des  oberschlesischen
  Kohlenabsatzes  nach  dem  Auslande,  in  erster  Reihe
nach  Österreich-Ungarn,  das  ungefähr  Vs  des  ganzen  Absatzes
aufnimmt.  Jede  Erweiterung  des  österreichis
  ch  e  n  Kohlengebietes  lv  ü  r  d  e  so  m  i  t  die  wirtschaftliche ­
  Lage  der  oberschlesischen  Steink
  o  h  l  e  n  g  r  u  b  e  n  u  n  g  ü  n  st  i  g  beeinflussen.  Im  Jahre
1913  sind  z.  B.  von  Oberschlesien  nach  Österreich-Ungarn  11,1
Mill.  Tonnen  Kohlen  ausgefiihrt  worden.  Würde  nun  die  gesamte
oder  ein  erheblicher  Teil  der  Produktion  der  jetzigen  polnischen
Gruben  Österreich  zufallen,  so  wäre  damit  unter  Berücksichtigung
der  großen  Erweiterungsfähigkeit  dieser  Gruben,  die,  wie  oben  erwähnt, ­
  ohne  Schwierigkeit  10  Millionen  Tonnen  jährlich  produzieren ­
  können,  fast  der  gesamte  österreichische  Kohlenmarkt  für
das  oberschlesische  Steinkohlenrevier  verloren.  Bei  den  ungünstigen ­
  Absatzbedingungen  für  oberschlesische  Kohlen  nach  Deutschland ­
  loürde  es  für  die  oberschlesische  Steinkohlenindustrie  fast
unmöglich  sein,  sich  für  diesen  Verlust  Ersatz  zu  schaffen.  Hierzu
kommt,  daß  die  oberschlesische  Steinkohlenaussuhr  nach  Polen
ihren  Weg  zu  den  polnischen  Eisenhütten  nahm,  die  auch  gerade
in  der  Hauptsache  in  dem  Teile  des  Kreises  Bendzin  liegen,  der
gegenivärtig  bereits  unter  österreichischer  Verwaltung  steht.  Durch
eine  Angliederung  dieses  Teiles  an  Österreich  würde  auch  die
Ausfuhr  nach  Polen  der  oberschlesischen  Steinkohlenindustrie  zum
großen  Teile  abgeschnitten  sein,  für  ihre  Lieferung  würde  das
Ostrauer  Revier  eintreten.  Aber  darüber  hinaus
würde  die  Vermehrung  des  K  o  h  l  e  n  r  e  i  ch  t  u  m  s
in  Ö  st  e  r  r  e  i  ch  noch  viel  verhängnisvoller  dadurch, ­
  daß  Ö  st  e  r  r  e  i  ch  in  i  t  einem  Schlage  in
eine  ganz  andere  Position  bei  den  künftigen ­
  Handelsverträgen  käme.  Es  ist  bekannt,
daß  Deutschland  Österreich  gegenüber  nur  geringe  wirtschaftliche ­
  Druckmittel  geltend  machen  kann,  um  einigermaßen
günstige  Handelsverträge  durchzusetzen.  Es  bedarf  keiner  weiteren
Ausführung,  daß  Österreich  bei  den  Handelsvertragsverhandlun-
        <pb n="70" />
        gen  in  industrieller  Beziehung  Deutschland  gegenüber  noch  ganz
anders  dastehen  würde,  wenn  es  selbst  genug  Kohlen  hätte.  Sobald ­
  es  über  die  nötigen  Kohlenvorräte  verfügt,  wird  es  voraussichtlich ­
  einen  großen  Teil  der  Jndustrieartikel,  die  wir  jetzt  noch
nach  Österreich  liefern  können,  sich  selbst  anfertigen  und  infolgedessen ­
  müßten  zukünftige  Handelsverträge,  sobald  Österreich
eigene  Kohlen  in  genügender  Menge  besitzt,  unbedingt  viel  un-.
günstiger  als  bisher  ausfallen.
Auf  jeden  Fall  müßten  daher  die  wirtschaftlichen ­
  Beziehungen  z  w  i  s  ch  e  n  Österreich
und  Deutschland  zunächst  f  ü  r  eine  längere
Reihe  von  Jahren  sichergestellt  werden,  ehe
die  Anglieder  nng  wichtiger  Teile  von  Polen
a  n  Österreich  überhaupt  in  Frage  kommen
dürfte.  —
Eine  schwere  Schädigung  für  die  deutschen
Interessen  würd  e  es  auch  bedeuten,  wenn
die  russisch-polnischen  Eisenhütten  des  Bendz
  i  n  e  r  Kreises  an  Österreich  gelangten.  Österreich ­
  würde  die  Möglichkeit  besitzen,  die  wirtschaftlichen  Bezugsquellen ­
  dieser  Hütten,  die,  ivie  oben  ausgeführt,  bisher  nicht  allzu
günstig  waren,  günstiger  zu  gestalten.  Die  Hütten  könnten  mit  zollfreiem ­
  Koks  aus  Mährisch-Ostrau  versorgt  werden.  Ebenso  könnten
ihnen  als  Ersatz  für  die  südrussischen  Eisenerze  solche  aus  Ungarn
zugeführt  werden.  Es  würde  damit  in  Österreich  vor  den  Toren
Oberschlesiens  eine  Konkurrenz  großgezogen  werden,  die  die  deutsche
Eiseneinfuhr  nach  Österreich,  Polen  und  den  Balkanländern  lahmlegen ­
  müßte.  Es  würden  damit  aber  nicht  allein
die  Interessen  der  ober  schlesischen  Montani
  n  d  u  st  r  i  e  schwer  geschädigt,  sondern  überhaupt ­
  die  deutschen  W  i  r  t  s  ch  a  f  t  s  i  n  t  e  re  s  s  e  n,
da  die  Eisenausfuhrwerte  itu  wesentlichen
diejenigen  sind,  die  die  deutsche  Handelsbilanz ­
  in  Ord  nu  ng  halten.
Ähnlich  liegen  die  Verhältnisse  für  die  oberschlesische
Zementindustrie,  die  sich  schon  jetzt  mit  den  unweit  der
oberschlesischen  Grenze  befindlichen  und  durch  die  bestehende  Zollungleichheit ­
  bevorzugten  österreichischen  Zementfabriken  in  scharfem ­
  Konkurrenzkampf  befindet.
Wird  die  österreichische  Zementindustrie  durch  Angliederung
des  Kreises  Bendzin  mit  den  gerade  dort  recht  leistungs-  und  erweiterungsfähigen ­
  Zementfabriken  noch  weiter  vergrößert  und  gestärkt, ­
  so  entsteht  auch  in  der  Zementfabrikation  in  der  allernächsten ­
  Nähe  Oberschlesiens  eine  so  mächtige  österreichische  In-
        <pb n="71" />
        73

dustrie,  daß  daraus  der  oberschlesischen  Zementindustrie  die  größte
Gefahr  erwächst.  —
Diese  schwerwiegenden  Gesichtspunkte  zeigen  deutlich  die
unbedingte  Notwendigkeit,  daß  im  Falle  einer  nicht
zu  vermeidenden  teil  weisen  Angliederung
Polens  an  Ö  st  erreich  jedenfalls  der  Kreis
B  e  n  d  z  t  n  mit  seinen  Kohlen-  und  Eisen  werten
vollständig  an  Deutschland  fallen  muß;  andernfalls ­
  würde  der  Friede  nicht  die  Bedingungen ­
  erfüllen  zur  ungehemmten  Entfaltung ­
  unserer  schaffenden  Kräfte  in  der
Heimat,  sondern  im  Gegenteil  sie  mit  schweren
neuen  Fesseln  b  e  l  a  st  e  n  und  dauernd  lahmlegen. ­

Für  die  Berechtigung  dieses  Verlangens  sprechen  aber  auch
noch  andere  Gründe.
Bekanntlich  hat  der  Kreis  B  e  n  d  z  i  n  in
früheren  Zeiten  bereits  zu  Preußen  gehört;
er  kam  mit  einem  größeren  Bezirk  durch  die  dritte  Teilung
Polens  an  Preußen,  das  ihn  jedoch  im  Jahre  1807  im  Tilsiter
Frieden  an  das  von  Napoleon  gebildete  Herzogtum  Warschau
abtreten  mußte.  Neben  diesen  historischen  Ansprüchen  bestehen
geographische  und  geologische.  Ein  Vergleich  auf
der  Karte  läßt  auf  den  ersten  Blick  erkennen,  daß  der  Kreis
Bendzin  direkt  wie  aus  Oberschlesien  herausgeschnitten ­
  erscheint,  und  was  die  geologischen  Beziehungen
anbetrifft,  so  sind  die  dortigen  Kohlen-  und  Zinkablagerungen ­
  lediglich  die  Ausläufer  der
o  b  e  r  s  ch  l  e  s  i  s  ch  e  n.  Endlich  gehört  der  Kreis  Bendzin  zu
Oberschlesien  gewissermaßen  auch  kulturell,  denn  fast  alles,
was  dort  in  industrieller  und  kulturfördernder  Hinsicht  geschehen
und  geschaffen  ist,  ist  auf  deutsche  Initiative  zurück ­
  z  u  f  ü  h  r  e  n.  Die  meisten  Gruben  aus  älterer  Zeit  —  und
auch  auf  die  meisten  Gruben  aus  neuerer  Zeit  trifft  dies  zu  —
sind  durch  deutsches  Kapital  und  durch  deutsche
Intelligenz  erschlossen  worden.  Graf  Reden,  der  in  Oberschlesien
  die  ersten  großen  Kohlengruben  ins  Leben  gerufen  hat,
schuf  zu  gleicher  Zeit  im  Kreise  Bendzin,  der  damals  zu  Preußen
gehörte,  verschiedene  noch  heute  bestehende  große  Grubenanlagen,
und  so  ist  es  fortgegangen  über  ein  Jahrhundert  lang.  Die
meisten  bedeutenden  Gruben  sind  —  und  zwar  bis  vor  wenigen
Jahrzehnten  —■  in  deutschen:  Besitz  gewesen,  bis  sie  den
Besitzern  durch  die  deutschfeindlichen  Maßnahmen  der  russischen
Regierung  allmählich  verleidet  worden  sind.  Sie  wurden  meist
        <pb n="72" />
        gegründet,  und  die  Anteile  sind  dann  zum  großen  Teil  auf  den
französischen  Markt  gebracht  worden.  So  sind  die  Werke  in
mobiler  Form  in  französischen  Besitz  geraten.  Nur  ein  kleiner  Teil
des  mobilen  Besitzes  ist  hierbei  in  deutschen  Händen  geblieben.
Neben  den  Gruben  sind  auch  die  für  Rußland  sehr  bedeutsamen ­
  Eisen-  und  Zinkhütten  m  e  i  st  durch
Deutsche  geschaffen  lind  entwickelt  worden.  Daß  sie  in
neuerer  Zeit  in  anderen  Besitz,  zum  Teil  in  französischen  und
zum  Teil  in  russisch-polnischen,  übergegangen  sind,  lag  ebenfalls
an  der  Gesetzgebung  und  den  Verwaltungsmaßnahmen  Rußlands.
Natürlich  hat  die  große  Industrie,  die  jenseits  der  Grenze
parallel  mit  der  oberschlesischen  entstanden  ist,  auch  ähnliche  Geineindebildungen
  wie  in  Oberschlesien  hervorgerufen;  man  kann
wohl  sagen,  daß  sich  diese  Städte,  namentlich  Czenstochau,  Sosnowice
  und  Bendzin,  nach  dem  Muster  der  benachbarten  deutschen
Städte  entwickelt  haben.  Diese  Städte  sind  viel  besser  als  ihr
Ruf;  es  sind  dort,  ganz  im  Gegensatz  zum  weiteren  Polen  und
Rußland  und  schließlich  auch  Galizien,  viele  Einrichtungen  geschaffen ­
  oder  im  Werden  begriffen,  die  als  moderne  Errungenschaften ­
  von  deutschen  Städten  in  Anspruch  genommen  werden.
Infolge  dieser  geographischen  Lage,  der  geologisch-bergbaulichen ­
  Verhältnisse  und  der  Kulturverhältnisse  des  Meises  Bendzin ­
  hat  stets  ein  äußerst  reger  Verkehr  und  Handel  zwischen
diesem  Kreise  einerseits  und  den  Kreisen  Kattowitz,  Beuthen,  Gleiwitz,
  Tarnowitz  k.  andererseits  stattgefunden.  Die  Bevölkerung  ist
absolut  nicht  russifiziert  oder  stark  polnisch.  Es  kann  mit  Sicherheit ­
  behauptet  werden,  daß,  falls  der  Kreis  in  deutsche  Hände
kommt,  er  in  kürzester  Frist,  was  Germanisation  anbetrifft,  dasselbe ­
  Bild  bieten  würde,  wie  die  Jndustriekreise  hier  in  Oberschlesien, ­
  wobei  natürlich  vorausgesetzt  wird,  daß  die  sämtlichen
französischen  und  russischen  Direktoren  aus  der  Leitung  der
dornigen  Industrie  entfernt  werden,  was  sich  unseres  Erachtens
übrigens  in  kürzester  Frist  von  selbst  vollziehen  würde.
llmgekehrt  ivürde  das  Gebiet,  wenn  es  Österreich  zugeschlagen ­
  ivürde,  wohl  in  ganz  kurzer  Zeit  vollständig  polonisiert  sein.
Das  ivürde  aber  die  ungünstigsten  Folgen  für  Oberschlesien  haben.
Die  Polnische  Agitation  in  O  b  e  r  s  ch  l  e  s  i  e  n  ,  die
bisher  hauptsächlich  aus  Krakau  genährt
wurde,  würde  alsdann  in  verstärktem  Maße
i  h  r  H  a  u  P  t  e  r  h  e  b  e  n.  Es  darf  daran  erinnert  werden,  daß
kurz  vor  Ausbruch  des  Krieges  die  polnische  Agitation  gerade
in  Österreich  zu  erheblichen  Ausschreitungen  gegen  die  Deutschen
führte;  und  daß  sich  die  polnische  Agitation  bereits  jetzt  wieder
lebhaft  bemerkbar  macht.  —
        <pb n="73" />
        75

Zu  Österreich  haben  die  Kreise  Bendzin  und  Ezenstochau
nie  und  der  Kreis  Olkucz  nur  geringe  Beziehungen  gehabt.  Es
besteht  zwar  noch  ein  Einfallstor  nach  dorthin  über  Gramm,  aber
der  Verkehr  ist  hier  immer  gleich  Null  gewesen;  allenfalls  war  ein
Durchgangspersonenoerkehr  Wien—-Krakau—Warschau  vorhanden.
Einen  Kreis,  der  so  von  der  Natur  zum  Anschluß  an
Deutschland  bestimmt  ist,  in  fremde  Hände  fallen  zu  lassen,  wäre
an  sich  schon  ein  schwerer  Fehler.  Dieser  würde  um  so  größer
sein,  als  er,  wie  oben  gezeigt,  die  schwersten  wirtschaftlichen  Verluste ­
  für  die  deutsche  Volkswirtschaft  zur  Folge  haben  müßte.
Sollte  es  daher  nicht  möglich  sein,  die  Anglicdcrung  Polens
an  Österreich  überhaupt  zu  verhindern,  so  muß  jedenfalls,  wie
immer  wieder  hervorgehoben  werden  mutz,  der  Kreis  Vendzin
unbedingt  in  deutschen  Händen  bleiben.  —
Das  Ergebnis  der  vorstehenden  Untersuchung  fassen  wir  in
folgende  kurze  Leitsätze  zusammen:
1.  Polen  ist  ein  außerordentlich  reiches  Land,  bei  dem
alle  Grundbedingungen  für  eine  gesunde  Fortentwickelung  in
allgemeinkultureller,  landwirtschaftlicher  und  industrieller  Hinsicht ­
  gegeben  sind.  Sein  bisheriges  Zuriickblciben  beruhte  aus
seiner  Zugehörigkeit  zu  Rußland.  Aus  strategischen  und  wirtschaftlichen ­
  Gründen  darf  Polen  weiterhin  nicht  mehr  bei  Rußland ­
  verbleiben.
2.  Bei  der  Lostrennung  Polens  von  Rußland  muß  dafür ­
  gesorgt  werden,  daß  das  Land  für  die  deutsche  Volkswirtschaft ­
  nutzbar  gemacht  wird.  Die  kulturelle  Hebung  und  die
Erzeugung  von  Rohstoffen  in  Polen  ist  nach  Möglichkeit  zu
fördern,  und  die  Ausfuhr  nach  Deutschland  zu  erleichtern.
Ebenso  ist  die  Möglichkeit  zu  schaffen,  daß  die  deutschen  Fertigwaren ­
  ungehinderten  Absatz  in  Polen  genießen.  Ferner  muß
dem  deutschen  .Kapital  und  der  deutschen  Intelligenz  die  Möglichkeit
  geboten  werden,  sich  nutzbringend  in  Polen  zu  betätigen.
3.  Zur  Erreichung  dieser  Ziele  ist  es,  um  den  aus
nationalen  wie  wirtschaftlichen  Gründen  notwendigen  Schutz
gegen  die  polnische  Agitation  zu  erlangen,  zunächst  nötig,
längs  der  deutschen  Grenze  einen  rein  deutsch  zu  besiedelnden
Schutzstreifen  zu  schaffen.  Bezüglich  des  verbleibenden  Hauptteils ­
  des  polnischen  Gebietes  erscheint  es
4.  am  zweckmäßigsten,  aus  Polen  einen  von  Deutschland ­
  abhängigen  Schutzstaat  nach  Art  der  alten  r  ö  in  i  s  ch  e  n
P  r  o  v  i  n  z  c  n  zu  machen.  Polen  würde  alsdann  in  weitgehendem ­
  Maße  Selbstverwaltung  genießen.  Jedoch  wären
die  sämtlichen  Verkehrsmittel  (Eisenbahnen,  Wasserstraßen)
in  den  Besitz  des  deutschen  Reiches  zu  übertragen  oder  seinem
        <pb n="74" />
        76

unmittelbaren  Einfluß  zu  unterstellen.  Das  Gleiche  gilt  für
Post,  Telegraph  und  Kabelwesen.  Natürlich  müßte  das  Deutsche
Reich  auch  die  Militärhoheit  in  Polen  besitzen.
5.  Stach  Möglichkeit  muß  dahin  gestrebt  werden,  daß
Polen  nicht  Österreich  angegliedert  wird,  da  alsdann  der
deutschen  Landwirtschaft  und  Industrie  ein  sehr  wertvolles
Neuland  verloren  gehen  würde.  Außerdem  ist  zu  bezweifeln,
ob  es  Österreich  gelingen  würde,  Polen  in  gleicher  Weise  fortzuentwickeln, ­
  &amp;gt;vie  dies  Deutschland  tun  würde.
6.  Sollte  sich  jedoch  eine  teilweise  Angliederung  Polens
an  Österreich  in  irgend  welcher  Form  nicht  verhindern  lassen,
so  ist  jedenfalls  mit  allen  Mitteln  dahin  zu  wirken,  daß
wenigstens  der  ganze  -Kreis  Bcndzin  mit  einen,  weiteren
Grenzgebiet  unter  deutsche  Herrschaft  kommt.  Anderenfalls
würde  Österreich  infolge  der  dort  vorhandenen  Mincralschätze
in  wirtschaftlicher  Hinsicht  so  gestärkt  werden,  daß  es  sich  in
weitem  Maße  von  Deutschland  wirtschaftlich  unabhängig
machen  könnte.  Hierdurch  würde  aber  die  gesamte  deutsche
Bolkswirtschaft  und  insbesondere  die  schon  jetzt  schwer
kämpfende  oberschlesische  Montanindustrie  erheblich  geschädigt
werden.
7.  Bei  einer  Angliederung  Polens  an  Österreich  wären
Kautelen  zu  schaffen,  die  dem  deutschen  Kapital  und  der
deutschen  Intelligenz  die  Betätigung  in  Polen  ermöglichen.
Ferner  müßte  die  deutsche  Industrie  durch  Gewährung  von
Zollvergünstigungen  die  Möglichkeit  eines  ungestörten  Absatzes ­
  ihrer  Erzeugnisse  in  Polen  erhalten:  schließlich  wäre  der
deutschen  Industrie  auch  eine  ungestörte  Durchfuhr  ihrer  Erzeugnisse ­
  durch  Polen  nach  Rußland  unbedingt  zu  gewährleisten. ­

Ausgaben  und  Fragen  von  schwerwiegenden  Folgen  sind  es,
die  gelöst  werden  müssen.  Falls  die  vorstehenden  Zeilen  mit  dazu ­
  beitragen  helfen,  ist  ihr  Zweck  erfüllt.
Wir  möchten  mit  den  Worten  Paul  Rvhrbachs  schließen,
die  er  seinem  Buche  „Rußland  und  wir"  vorausschickt:
»Was  heute  verfehlt,  versäumt  und  verkehrt  entschieden
wird,  das  werden  wir,  nicht  für  Jahre  und  Jahrzehnte,
sondern  für  unsere  ganze  nationale  Zukunft,  als  hindernde
Kette  am  Bein  nachzuschleppen  haben.  Wer  dafür  die  Verantwortung ­
  ans  sich  laden  will,  dem  werden  kommende  Geschlechter, ­
  ja  vielleicht  schon  unsere  Kinder,  die  Schuld  daran
zumessen,  daß  neue  und  noch  unerhörtere  Blutopfer  fallen
müssen,  als  wir  sie  diesmal  schon  gebracht  haben,  wenn  jetzt
kein  Ende  mit  der  Bedrohung  Deutschlands  und  der  europäischen ­
  Kultur  durch  das  östliche  Barbarentum  gemacht  wird."
        <pb n="75" />
        77

Anlage  I.

Zusammenstellung  der  Städte  Polens
unter  Berücksichtigung  ihrer  Gecieutung  für
lstianclel  uncl  Industrie.

Stadt  Bemerkungen
Äugustow  Gouv.  Suwalki.  —  12  746  Einw.  —  Post,  Telegraph, ­
  Eisenbahn  (Orany—Grodno).  —  Bedeutende
Viehmärkte.  —  Die  Stadt  liegt  an  dem  75  km  langen
Augustowkanal,  der  den  Njemen  über  Bobr  und
Narew  mit  der  Weichsel  verbindet.—Sie  wurde  1560
von  Sigismund  II.,  August  von  Polen  gegründet.
Hrndjin  Gouv.  Petrikau,  5  Lm  von  der  österr.  Grenze.  —
21  190  Einwohner.  —  Post,  Telegraph,  Eisenbahn
(Tabkowice—Sosnowice).  —  In  der  Nähe  Kohlengruben ­
  und  Staatszinkwerk.  —  Einwohner  meist
Juden.
Äiala  Gouv.  Siedlez,  an  der  Krzna  (zum  Bug).  -
13  123  Einw.  —  Post,  Telegraph,  Eisenbahn  (Warschau—Brest). ­
  —  Gymnasium.
Eholi»  Gouv.  Lublin,  an  der  Ucherka.  —  19  236  Einwohner.
—  Post,  Telegraph,  Eisenbahn  (Kowel—Mlawa  und
Brest—Cholm).  —  Bistum.  —  Vieh-  und  Getreidehandel.— ­
  Gymnasium,  geistliches  Seminar,  Museum.
Genstocha«  Gouv.  Petrikau,  links  an  der  Warthe.  —  45  130
Einwohner.  —  Post,  Telegraph,  Eisenbahn  (Warschau—Gramm). ­
  —  Industrien:  Baumwollwaren,
Jute,  Bier,  Zelluloid,  Leim,  Nadeln,  Knöpfe,  Zündhölzer, ­
  Spielsachen,  Heiligenbilder.  —  Brigade-Kommando. ­
  —  Reichsbanksiliale.  —  Wallfahrtsort.  —
.Knaben-Gymnasium.  —  Garten-  und  Obstbaumschule.
Grajewo  Gouv.  Lomscha,  rechts  vom  Lyck.  —  4026  Einw.  —■
Post,  Telegraph,  Eisenbahn  (Brest—Profilen,  direkte
Wagen  von  Kasatin  (wichtigster  Verbindungspnnkt
        <pb n="76" />
        78

Stadt

Kali  sch

Kalwarija

Kielcc

Kolo

Konin

Konsk

Hutno

Bemerkungen
der  südrussischen  Eisenbahnen)  nach  Königsberg).  —
Grenzzollamt.
Gouv.  Kali  sch.  an  drei  Armen  der  Prosna.  6  Im  von
der  preuß»  Grenze.  —-  21  680  Einw.  —  Post.  Telegraph. ­
  —  Industrien:  Zucker.  Tabak.  Tuch.  Band
und  Wollwaren.  Bier-  und  Metbrauereien.  —  Röm.-kath.
  Bischofssitz.  —  Grenzwache.  Militärkommando.
—  Reichsbankfiliale.  —  Seminar.  Knaben-  und
Mädchenghmnasium.  Realschule.  —  Die  sehr  alte
Stadt  wurde  1108  von  Boleslaw  III..  1655  und
1706  von  den  Schweden  erobert.
Gouv.  Suwalki.  an  der  Scheschupa  (zum  Njemen).
—  8420  Einw.  (7io  Israeliten).  —  Textilindustrie.
Lederfabrikation.  Torfgewinnung.
Gouv.  Kielce.  —  23  189  Einw.  —  Post.  Telegraph.
Eisenbahn  (Jwangorod—Dombrowa).  —  Industrie:
Eisen.  Zucker.  —  Reichsbankfiliale.  —  Garnison.
Bistum.  Priesterseminar.  Gymnasium,  Mädchenprogymnasium.
  -—  In  der  Nähe  Bergbau  auf  Eisen,
Kupfer  und  Blei.  Nahebei  auch  das  Bad  Busko  mit
Schwefel-  und  Salzquellen.
Gouv.  Kalisch.  links  an  der  Warthe.  —  9359  Einw.
—  Post,  Telegraph.  —  Baumwoll-,  Porzellan-  und
Fayence-Fabriken.  —  Handelsschule.  Greisenheim.
Gouv.  Kalisch.  links  an  der  Warthe.  —  8528  Einw.
—  Post.  Telegraph.  —  Industrien:  Tuchweberei.
Watte-  und  Zichorien-Fabrikation.  Maschinen.  Zement.
  Essig.  —  Einwohner  zur  Hälfte  Juden.
Gouv.  Radom.  —  8235  Einw.  (70  Juden).  —
Post.  Telegraph.  Eisenbahn  (Koljveschki—Ostrowez).
—  Fabrik  für  Eisen-,  Kupferwaren  und  Wagen.  —
Ausfuhr  von  Eisen  und  Getreide.
Gouv.  Warschau,  links  an  der  Ochnja  (zur  Weichsel).
-  11213  Einw.  —  Post.  Telegraph.  Eisenbahn
(Skierniewice—Alexandrowo).  —  Fabriken  (Zucker
usw.).  —  Bedeutender  Handel,  besonders  mit  Getreide. ­
  —  Zwei  Drittel  der  Einwohner  sind  Juden.
        <pb n="77" />
        79

Stadt
Zentschiha

Lod;

Lublin

Lomscha

Lowitsch

Lukow

Bemerkungen
Gouv.  Kalisch,  an  der  Bsura  (zur  Weichsel).  —
9788  Einw.  —  Post.  Telegraph.  —  Woll-  und  Baumwollspinnerei. ­
  Tabakfabrikation.  Lehrerseminar.
Gouv.  Petrikau.  Festung,  an  der  Ludka.  213  m.  Seehöhe. ­
  —  351  570  Einw.  (viele  Deutsche).  —  Post.
Telegraph,  Eisenbahn  (nach  Koluszki).  —  Hauptsih
der  Baumwvll-  und  Wollindustrie  Rußlands,  meist
in  deutschen  Händen.  —  Fabrikation  von  Seidenund
  Stahlwaren.  —  Reichsbankfiliale  und  Kommerzbank. ­
  —  Technische  Anstalt.  —  Garnison.  —  Knabeirund ­
  Mädchengymnasium.  Handels-  und  mittlere  Industrieschule. ­
  —  Theater.  —  Die  Stadt  war  1820
noch  ein  Dorf  von  800  Einwohnern,  seit  1823  Ansiedlung ­
  deutscher  Arbeiter.
Gouv.  Lublin,  links  an  der  Bystryza  (zur  Weichsel).
192  in  Seehöhe.  —  50  152  Einw.  —  Post,  Telegraph.
Eisenbahn  (nach  Luckow).  —  Dampfmühlen.  Wollweberei. ­
  Fabrikation  von  Tabak,  landwirtschaftlichen
Geräten.  Leder.  —  Handel:  Getreide.  Wolle.  Wein.
—  Reichsbankfiliale.  —  Kathol.  Bistum,  Garnison.
Brigadekommando.  Priesterseminar.  Knaben-  und
Mädchengymnasium.  Theater.  Militärspital.  —  Schon
unter  den  Jagellonen  eine  der  größten  Städte  Polens.
Gouv.  Lomscha,  Festung,  links  an  der  Narew  (zum
Bug).  100  in  Seehöhe.  —  26  075  Einw.  —  Post.
Telegraph.  —  Getreide-,  Holz-,  Teerhandel.  —  Reichsbankstelle. ­
  —  Garnison.  —  Knaben-  und  Mädchengymnasium.

Gouv.  Warschau,  rechts  an  der  Bsura.  —  12  434  Einwohner. ­
  —  Post.  Telegraph,  Eisenbahn  (Skierniewice—Alexandrowo).
  —  Fabrik  von  Leder,  Tonwaren. ­
  Öl.  Essig.  —  Pferdezucht.  —  Garnison.  —
Realschule.  Mädchenprogymnasium.  —  Fürstentum
Lowitsch.
Gouv.  Siedlez.  an  der  Krzna  (zum  Bug).  —  10  352
Einw.  —  Post,  Telegraph.  Eisenbahn  (nach  Jwangorod.
  Lublin  und  Warschau—Terespol).  —  Gerbereiindustrie. ­
  —  Garnison.
        <pb n="78" />
        80

Stadt

Nlariampol
Mechow
Wlawa
Ueschawa

Uowo-Alerandrija


Uomommsk

Uowo-Radomsk


Uomys-Dwor

Gpatow

B  e  m  e  r  f  u  u  g  e  n
Gouv.  Suwalki,  rechts  an  der  Scheschuppe.  —  4272
Einwohner  (meist  Juden).  —  Post,  Telegraph.  —
Mehrere  Fabriken:  Messingwaren,  Brauereien.  —
Garnison.  —  Knabengymnasium.
Gouv.  Kielce.  —  4156  Einw.  —  Post,  Telegraph.
—  Kollegiatstift.
Gouv.  Plozk,  8  km.  von  der  preuß.  Grenze.  —
13  449  Einwohner.  —  Post,  Telegraph,  Eisenbahn
(Deutsch-Eylau—Neu-Georogiewsk  und  nach  Marienburg ­
  und  Kowel).  —  Hauptzollamt.  —  Garnison.
—  Fabrikation  landwirtschaftlicher  Geräte,  Leder,
Seife.  —  Getreidehandel.  —  Eisenbahnschule.
Gouv.  Warschau,  links  an  der  Weichsel.  —  2573  Einwohner. ­
  —  Post,  Telegraph,  Eisenbahn  (Skierniewice—Alerandrowo,
  Station  4 1 /,  km  südlich).  —
Getreidehandel.
Gouv.  Lublin,  rechts  an  der  Weichsel.  —  3892  Einwohner. ­
  —  Post,  Telegraph,  Eisenbahn  (Kowel—
Mlawa),  Dampferstation.  —  Landwirtschaftliches  und
Forst-Institut,  Meteorologische  Station,  Mädchenprogymnasium.
  —  Sommerfrische.
Gouv.  Warschau,  an  der  Vereinigung  von  Wisnewka
und  Strebrna  (zur  Weichsel).  —  7978  Einw.  —
Post,  Telegr.,  Eisenbahn  (Warschau—Brest  Litowsk,
Ostrolenka—Piljawa).  —  Schrotgießerei.  —  Sommerfrische. ­

Gouv.  Petri  kau,  an  der  Radomka  (zur  Warthe).  —
14  464  Einw.  —  Post,  Telegraph,  Eisenbahn  (Warschau—Wien). ­
  —  Industrien:  Möbelfabrikation,
Tuch  und  Leder.
Gouv.  Warschau,  am  Einfluß  des  Bug  in  die  Weichsel ­
  (gegenüber  Nowogeorgijewsk).  —  7252  Einw.
—  Post,  Telegraph,  Eisenbahn  (Kowel—Mlawa).
—  Korn-  und  Holzhandel.
Gouv.  Radom,  an  der  Opatowka  (zur  Weichsel).
7431  Einw.  —  Post,  Telegraph.  —  Industrie:  Landwirtschaftliche ­
  Geräte.
        <pb n="79" />
        Stadt  Bemerkungen

81

Gpotschno

Gouv.  Radom,  an  der  Drzewiczka  (zur  Pilica).  —
8333  Einw.  (Hälfte  Juden).  —  Post,  Telegraph,
Eisenbahn  (Koljuschki—Tomaschow—Ostrowez).

GsjurKom

Gouv.  Kalisch,  an  der  Bsura  (zur  Weichsel).  —
12  902  Einw.  —  Post,  Telegraph.  —  Bedeutende
Woll-,  auch  Baumwollindustrie,  Färberei  usw.

GstrolenKa

Gouv.  Lomscha,  links  an  der  Narew.  —  8679  Einw.
—  Post,  Telegraph,  Eisenbahn  (nach  Piljawa  und
Linie  Lapy—Malkin).  —  Tuchfabrikation.  —  Garnison. ­


Ostrom

Gouv.  Lomscha,  rechts  vom  Bug.  —  10  838  Einw.
—  Post,  Telegraph,  Eisenbahn.  —  Fabrik  von  landwirtschaftlichen ­
  Geräten,  Butter.  —  Garnison.

Gstrom

Gouv.  Siedlez.  —  3960  Einw.  —  Post.—Tuchfabrik.

Gstromier

Gouv.  Radom,  an  der  Kamennaja  (zur  Weichsel).
—  9803  Einw.  —  Post,  Telegraph,  Eisenbahn  (Koljuschki—Tomaschewo). ­
  —  Gußeisen  und  Stahlwerke.

Pabjansty

Gouv.  Petrikau,  an  der  Dobrzynka  (zur  Warthe).  —
26  892  Einw.  —  Post,  Telegraph,  Eisenbahn  (elektr.
Bahn  nach  Lodz).  —  Industrien:  Woll-  und  Baumwollweberei,
  Tuchfabrikation,  Färberei,  landwirtschaftliche ­
  Geräte,  Papier,  Chemikalien.

Petrikau

Gouv.  Petrikau,  links  an  der  Pilitza.  —  32  173  Einwohner ­
  (über  11  000  Deutsche).  —  Post,  Telegraph,
Eisenbahn  (Warschau—Granica).  —  Fabrikation  von
landwirtschaftl.  Geräten,  Leder,  Kacheln,  Glas,  Bier
usw.  —  Reichsbankfiliale.  —  Garnison.  —  Gymnasium ­
  für  Knaben  und  Mädchen,  Handels-  und  Handwerksschulen. ­
  —  Früher  Königswahlstatt.

Plo;k

Gouv.  Plozk,  rechts  an  der  Weichsel  (auf  60  m  hohem
Steilufer).  —  27  073  Einw.  —  Post,  Telegraph,
Dampferstation.  —  Fabrikation  landwirtschaftl.  Geräte. ­
  —  Getreidehandel.  —  Reichsbankfiliale.  —
Garnison,  Bistum,  Geists.  Lehrerseminar  (kathol.),
Gymnasium  für  Knaben  und  Mädchen.  —  Eisenbahn.
        <pb n="80" />
        82

Stadt
Kadom

Samostse
Sandomir

Sdunska-Wolsa


Sgersch

Sjedle,

Sjerads

Suwalki

Bemerkungen
Gouv.  Radom,  an  der  Radomka.  —  30  126  Einw.
—  Post,  Telegraph,  Eisenbahn  (Dombrowa—Jwangorod).
  —  Industrie:  Hut-  und  Lederfabrikation,
Stahlgießerei,  Bier-  und  Branntwein,  Tonwaren,
landwirtschaftl.  Geräte  usw.  —  Bedeutender  Handel.
—  Reichsbankfiliale.  —  Garnison.  —  Gouvernements-Schule, ­
  Knaben-  und  Mädchengymnasium,
Handels-  und  Eisenbahnschule.  —  über  ein  Drittel
Juden.

Gouv.  Lublin.  —  14  705  Einw.  -
ben-  und  Mädchenprogymnasium.

Garnison,  Kna-Gouv.

  Radom,  an  der  Weichsel,  Flußhafen.  —  6534
Einw.  —  Post,  Telegraph,  Dampferstation.  —  Bistum, ­
  Priesterseminar,  Kollegiatstift,  Knaben-  und
Mädchenprogymnasium.

Gouv.  Kalisch,  rechts  an  der  Warthe.  —  15  910  Einw.
—  Post,  Eisenbahn.  —Woll-  und  Baumwollindustrie.
—  Realschule.
Gouv.  Petrikau,  an  der  Bsura.  —  Post,  Telegraph.
—  19  124  Einw.  —  Woll-  und  Baumwollspinnereien.
—  Handelsschule.
Gouv.  Siedlez,  links  vom  Liwjez  (zum  Bug).  —
26  234  Einw.  (viele  Juden).  —  Post,  Telegraph,
Eisenbahn  (Warschau-S.  —  Jwangorod  —  Matkindofct).
  —  Industrien:  Bierbrauerei  und  Branntweinbrennerei. ­
  —  Garnison,  zwei  Knaben-  und  ein  Mädchengymnasium, ­
  Theater.
Gouv.  Kalisch,  links  an  der  Warthe.  —  7005  Einw.
—  Fabrikation  von  landwirtschaftlichen  Geräten,  Kerzen, ­
  Seife,  Leder.  —  Knabenprogymnasium.
Gouv.  Suwalki,  zwischen  Gautscha-  und  Wigrysee.
—  27  165  Einw.  (davon  14  000  Juden).  —  Post,
Telegraph,  Eisenbahn  (Grodno—Wilna).  —  Fabrikation ­
  von  Leder,  Butter  usw.  —  Garnison,  Knabenund
  Mädchengymnafium,  Handels-  und  Handwerkerschule.
        <pb n="81" />
        Stadt

Bemerkungen

83

Eomaschow  Gouv.  Petrikau,  links  an  der  Piliza.  —  21  041  Einwohner. ­
  —  Post,  Telegraph,  Eisenbahn  (Kolußki—
Ostrowiec).  —  Fabrikation  von  Tuch,  Chemikalien
usw.  —  Reichsbankfiliale.  —  Handelsschule.
Tschenflochow  Gouv.  Petrikau,  an  der  Warthe.  —  45  130  Einw.
—  Post,  Telegraph,  Eisenbahn  (Warschau—Gramm). ­
  —  Herstellung  von  Heiligenbildern,  Amuletten
usw.  —  Baumwoll-  und  Juteindustrie,  Fabrikation
von  Bier,  Zelluloid,  Leim,  Nadeln,  Knöpfen,  Zündhölzern, ­
  Spielsachen.  —  Nahebei  das  Kloster  Jasno-Gura,
  eines  der  reichsten  Klöster  der  Welt.  Jährlich
50  000  Pilger.  —  Reichsbankfiliale,  Garnison,  Brigade-Kommando, ­
  Knabengymnasium,  Garten-  und
Obstbauschule.
Warschau  Gouv.  Warschau,  15  Forts,  Lagerfestung,  30/40  m
über  der  Weichsel.  —  Mit  Vororten  756  426  Einw.
(32  000  Mann  Militär;  56  %  Katholiken,  35%
Juden,  8,5  %i  Russen;  1897:  4360  Reichsdeutsche).
—  Post,  Telegraph,  Eisenbahn  (nach  allen  Richtungen), ­
  Dampferstation.  —  Industrie:  Mehr  als  300
Fabriken  mit  einem  sährlichen  Produktionswert  von
etwa  75  Mill.  Mark.  Hauptsächlich  Fabrikation  in
Baumwolle  und  Tabak,  Leder,  Tuch,  Öl,  Wagen,
Chemikalien,  Maschinen  und  anderen  Metallgegenständen, ­
  namentlich  in  Bronze,  Gold-  und  Silberwaren ­
  usw.  Handelsplatz  ersten  Ranges.  Handelsplatz ­
  für  Polen,  steht  aber  auch  mit  dem  Innern  Rußlands ­
  nach  allen  Seiten,  sowie  mit  Danzig  in  Verbindung. ­
  —  Filiale  der  Reichsbank  und  zahlreiche
andere  Banken.  —  Zollamt,  Konsulate,  Erzbistum,
Universität  und  botan.  Garten,  sehr  reicher  Bibliothek
und  vielen  Sammlungen,  zahlreiche  Schulen  und  Institutionen ­
  aller  Art.
Weljuil  Gouv.  Kalisch,  rechts  an  der  Oleschniza  (zur  Warthe).
—  7850  Einw.  (51,5%;  Kathol.,  34,7%  Juden).
—  Telegraph.  —  Fabrikation  von  Vier,  Seife,  Töpferwaren ­
  usw.  —  Garnison.
Wirballen  Gouv.  Suwalki,  nahe  der  preuß.  Grenze.  —  3285
Einw.  (33,6  %'  Kathol.,  37  %i  Juden).  —  Post,
Telegraph,  Eisenbahn  (Berlin—Warschau).  —  Grenzstation, ­
  Zollamt.
        <pb n="82" />
        84

Stadt

Bemerkungen
Myladsiamoni  Gouv.  Suwalki,  an  der  Mündung  des  Schirwindt  in
die  Scheschuppe.  —  3988  Einw.  (29,5  %  Kathol.,
45,5  %i  Juden).  —  Bierbrauerei.  —  Grenzamt,
Priesterseminar.
Wlodawa  Gouv.  Siedlez,  links  am  Bug,  an  der  Mündung  der
Wlodawka  in  den  Bug.  —  Mit  Orchuweß  6758  Einwohner ­
  (56,7  %  Juden).  —  Post,  Telegraph,  Eisenbahn ­
  (Brest—Cholm).  -—  Eisenindustrie,  Gerberei.
—  Garnison.
Wlostawek  Gouv.  Warschau,  links  an  der  Weichsel.  —  31  894
Einw.  —  Post,  Telegraph,  Eisenbahn  (Skierniewice
—Alexandrowo),  Dampferstation.  —  Fabrikation
von  landwirtschaftl.  Geräten,  Zelluloid,  Porzellan,
Met.  —  Garnison,  kathol.  Bistum,  kathol.  Priesterseminar, ­
  Handelsschule.
Zgier;  Gouv.  Petrikau,  an  der  Bsura  (zur  Weichsel).  —
19  124  Einw.  (11  417  Kathol.).  —  Post,  Telegraph.
—  Fabrikstadt:  Woll-  und  Baumwollspinnereien.  —
Handelsschule.
Sosnowiee  Gouv.  Petrikau.  —  9048  Einw.  —  Post,  Telegraph,
Eisenbahn  (nach  Schoppinitz,  Zomkowice  und  Jwangorod).
  —  Industrien:  Zinkwerke,  Knochenmehl,
Kessel  und  Rohre,  Schrot,  Nägel,  Glas,  Papier.  —
Nordöstlich  davon  das  Dombrowa-Kohlengebiet.  —
Zollamt.  —  Realschule.
        <pb n="83" />
        85

Anlage  2.

Lisenbahn-Süter-Verkehr
Zwischen  Deutschland  uncl  I^uffisch-Polen.

Güter

1913
|
Versand  Empfang

1912
Versand  |  Empfang

1.  Abfälle

3  211

83

1581

259

2.  Baumwolle,  rohe,  Abfälle

von  Baumwolle  usw.  .  .

—

20  671

9

30  595

3.  Bier  .......

—

184

—

149

4.  Blei  .......

45

1987

80

2  534

5.  Borke  und  Lohe  .  .  .

21

10176

25

5  475

6a.  Braunkohlen,  rohe  .  .

37

57

—

45

l).  Braunkohlenbriketts  und

Koks  ......

—

411

44

31

7.  Zement

1

638

58

7  569

8.  Chemikalien  u.  Drogeriewaren

  ......

316

8  088

390

11  132

9.  Dachpappe,  Steinpappe

usw.  .......

26

203

11

79

10.  Düngemittel,  auch  künstliche

  .......

3  346

185189

7  253

176  669

11a.  Eisen,  roh,  aller  Art  usw.

4

7  789

77

17  741

b.  Luppen  und  rohe  Blöcke

von  Eisen  u.  Stahl  usw.

24

316

21

403

e.  Eisen-  und  Stahlbruch  .

67

130

216

55

12.  Eisen  und  Stahl,  Stabund

  Formeisen  usw.  .  .

64

16  670

81

10  704

13.  Eisenbahnschienen,  Schienenbefestigungsgegen-


  usw.  .....

—

92

—

86

14.  Eisenbahnschwellen,

eiserne  ......

—

—

—

—

15.  Eiserne  Achsen  und  Bandagen,

  Räder  usw.  .  .

—

60

24

14

16.  Eiserne  Dampfkessel,  Reservoirs

  usw.  ....

990

141912

525

102  535

17.  Eiserne  Röhren  und

Säulen  ......

16

3  629

11

2  320

18.  Eisen-  und  Stahldraht  .

10

733

9

778
        <pb n="84" />
        86

1913

1912

Güter

Versand

Empfang

Versand

Empfang

19a.  Eisen-  u.  Stahlwaren.

93

24  327

86

20  371

b.  Sonstige  Metallwaren  •

128

1950

34

2170

20.

Eisenerz  (ausschl.  Schwefelkies) ­
  ......

9  841

73

9  203

14

21.

Erde,  Kies,  Mergel,  Lehm,
Ton  usw.  .....

432

20  598

869

21  409

22a.  Erze,  roh,  Bleierze  usw.

2  802

99

1  038

979

b.  Kupfererze,  Kupferstein

111

178

17

120

o.  übrige  Erze  ....

30160

35  892

40  690

39  416

23.

Farbhölzer  .....

—

17

—

30

24.  Fische

334

49  778

525

50  278

25.

Flachs,  Hanf,  Hede,  Werg

3187

367

1464

456

26.  Fleisch  auch  Speck.  .  .

5  883

3

4  007

22

27.

Garn  und  Twiste  .  .  .

43

4118

20

4494

28a.  Weizen

3  738

8  929

4132

2  053

b.  Roggen

438

105  842

5  423

22024

c.  Hafer

273

15174

889

2  385

d.  Gerste  ......
e.  Hirse,  Buchweizen,  Hül-15553



157

63  964

61

senfriichte

6212

1448

25  630

1184

f.  Mais  (Kukuruz)  .  .

1  923

422

8  440

393

g-  Malz

—

—

75

10

b.  Lein-  und  Öls  amen  .  .

1  211

3  489

1  792

3136

i.  andere  Sämereien  .  .

6  381

3  844

10  278

2  496

29.  Glas  und  Glaswaren  .

47

2  420

20

2  209

30

Häute,  Felle,  Leder,  Pelzwaren

  ......

2  853

17  406

3  033

12  967

31.

Holz:
a.  Rundholz  roh  beschla-Ä



gene  Stämme  .  .  .

73  423

21

82  203

2

s

b.  Nutzholz,  Werkholz,

«-Q


Holzdraht  usw.  .  .  .

55  952

1915

70  750

1885

£

o.  Brennholz,  Eisenbahnschwell.,

  Grubenholz  usw.

103  865

113

85  297

167

31.  Holz:

d.  außereuropäisches  .  .

1

1  702

206

1  783

32.  Holzzeugmasse,  Strohmasse



37

1326

3

1866
        <pb n="85" />
        87

Güter

19
Versand

13
Empfang

19
Versand

12
Empfang

33.  Hopfen  ......

128

35

93

249

34.  Jute  .......

11

12153

—

16013

35.  Kaffee,  Kakao,  Tee  .  .

5

2  468

11

2  738

36.  Kalk,  gebr.  .....

358

529

169

958

37.  Kartoffeln  .....

16  685

48  288

100  661

71

38.  Knochen  ......

230

9

478

29

39.  Knochenkohle  ....

649

—

921

19

40.  Lumpen  ......

1083

12  140

1276

10  394

41g.  Mehl  u.  Mühlenfabrikate

  .......

915

2  555

876

1328

b.  Kleie  ......

238  731

2603

250  928

1832

42.  Obst,  Gemüfe,  Pflanzen

usw.  .......

534

5  783

612

10  851

43.  Öle,  Fette,  Tran  und

Talg

131

3  005

242

1982

44.  Ölkuchen,  Kokoskuchen

usw.  .......

67  033

202

77  031

422

45.  Papier  und  Pappe  usw.

138

393

174

469

46.  Petroleum  und  andere

Mineralöle  .....

10435

6  028

2  353

2  928

47.  Reis,  Reismehl  u.  Reiskleie

  .......

23

6  799

10

6  746

48.  Tonröhren  und  Zementröhren

  ......

167

1716

98

2110

49.  Rüben,  Zucker-  u.  Futterrüben,

  Zichorienwurzeln

5  266

—

61  103

—

50.  Rübensirup,  Melasse  .  .

4  916

1

7  037

—

51.  Salpetersäure,  Salzsäure

—

28

570

23

52.  Salz

1228

1  656

713

1209

53.  Schiefer  ......

—

5

—

8

54.  Schwefelsäure  ....

1  303

24

3  867

55a.  rohe  kalzinierte  Soda  .

—

—

—

•—

b.  kaustische  Soda  .  .  .

—

1

—

22

56.  Spiritus,  Branntwein

Essig

3145

329

1045

202

57.  Stärke,  Stärkezucker  usw.

1024

280

2  218

297

58.  Steine,  bearbeitet,  Marmorwaren

  und  Platten

usw

24

5  995

225

2  614
        <pb n="86" />
        Güter

1913
Versand  !  Empfang

1912
Versand  Empfang

59.  Steine,  gebr.,  Bruch-  und

Bausteine  usw.  .  .  .

1  148

101953

5  206

85  909

60a.  Steinkohlen  ....

458

1  209  014

61

1  071  080

b.  Steinkohlenbriketts  .  .

—

8129

—

2  979

c.  Steinkohlenkoks  .  ■  .

20

j  276  346

70

245  459

61.  Tabak,  roh,  Tabakrippen

76

6

276

7

62.  Teer,  Pech,  Asphalt,

Harz  usw

177

15  837

310

12  997

63.  Tonwaren,  Porzellan,

Steingut  usw

4

6035

3

4  050

64.  Torf,  Torfstreu,  Holzkohlen

  ......

20

894

47

440

65.  Wein

19

1  039

26

736

66.  Wolle

573

19  488

580

16  740

67.  Zink,  Zinkasche,  Zinkbrocken

  ......

62

10  362

230

6  674

68.  Zucker:

a.  roh  .

2  048

15

605

1

b.  raffiniert  .....

18  756

30

29  749

5

69.  Sammelladungen  .  .  .

1

37  672

31  399

70.  Sonstige  Güter  .  •  .

12147

20  517

13  490

19  654

Summe

721  467

2  522  267

990  024

2129  064

Vieh

(in  Stück)

1.  Pferde

338

40

3  973

60

2.  Stiere,  Ochsen  ....

15

3.  Kühe,  Rinder  (Färsen)

—

30

21

63

4.  Kälber  ......

—

2

5.  Schafe  ......

—

12

—

—

6.  Fette  u.  magere  Schweine

103  634

3

73  555

31

7.  Ferkel

—

—

—

—

8.  Geflügel  ......

1  396  592

244

1  710  508  j

1  422

Summe

1  500  564  !

346

1  788  057

1  576
        <pb n="87" />
        Anlage  5.

Gewerbe-Statistik  Polens  nach  ciern  Stande
von  1910.
Anzahl  der  Betriebe  10  953
Anzahl  der  Arbeiter  400  922
Wert  der  Produktion  860  148  918

Zahl
der
Betriede

Zahl  der
Arbeiter

Wert  der
Produktion

Bergbau-  und  Hiittenbetricb:
Kohlengruben  ......

41

25  429

26171  929

Galmeigruben  und  Wäschen  .  -

3

l  543

481840

Zinkhütten

3

?54

2  309  256

Eisenerzgruben

29

1  824

61  l  739

Eisenhütten

15

13  197

28  639  709

Steinbrüche  und  Lehmgruben  .  .

355

2  888

762  074

Kalkanlagen........

32

?  ?

1  076  362

Salzsiedereien  .......

1

62

86  510

Metallindustrie:
Maschinen-  und  Kesselfnbriken,
Briickenbauanstalten  ....

10?

18  683

35  835  000

Fabriken  für  Miillerei-  und  landwirtschaftl.
  Geräte  ....

84

3  867

6  661  000

Eisengießereien  ......

63

9  977

17  321  000

Schlossereien,  Schmieden,  Geldschrankfabriken ­
  .  .....

464

4  967

5  803  000

Fabriken  eiserner  Möbel  und
Hausgeräte  .

48

5  856

7  640  000

Klempnereibetriebe

93

1034

1  704000

Nägel-,  Draht-,  Blechfabriken

60

4  525

10  900000

Waagen-,  Gefäß-,  Instrumentenfabriken ­


83

2  749

8  580  000

Metallgießereien,  Armaturensabriken
  ........

11?

2  732

7  144  000

Fabriken  von  Edellmetallgegenständen


123

2  224

5113000

Verschiedene  Metallwaren  .  .  .

218

4  743

6910000

Anlagen  für  elektrotechnische  Erzeugnisse ­


50

670

I  690000
        <pb n="88" />
        90

Zahl
der
Betriebe

Zahl  der
Arbeiter

Wert  der
Produktion

Gesamte  Textilindustrie:

l  166

150  305

341  266  OOO

Fabriken  wollener  und  baumwollener ­
  Stoffe  .......

643

116  944

268  498  OOO

Fabriken  seidener  und  halbseidener
Stoffe  .

42

3  254

8  387  OOO

Fabriken  leinener,  Jute-  und  Hanf-Stoffe


13

3  955

7  240  OOO

Vigogne-,  Kunstwolle-,  Watte-,
Spinnereien

24

1  871

5  701  OOO

Fabriken  von  Wirk-  und  Stückwaren ­
  .  ......

105

3  981

8  726  OOO

Fabriken  für  Plüsch,  Tischzeuge,
Möbel,  Portieren  .....

23

2  610

10130  OOO

Fabriken  für  Bänder

27

2119

3  986  OOO

Fabriken  für  Gumi-  und  Wachstuch-Erzeugnisse ­
  .....

14

1855

4000000

Fabriken  für  Spitzen,  Tüll,  Vorhänge, ­
  Stickereien

114

5  970

8  350  OOO

Sonstige  Fabriken  der  Textilbranchc


161

7  745

16  248  OOO

Genuszinittclgewcrbc  (Zuckerfabriken, ­
  Brauereien,  Brennereien,
Hefefabriken,  Branntwein-  und
Metfabriken,  Zigarrenfabriken
u.  dergl.  ........

3  032

42  458

154724115

Keramische  Industrie  (Zement-,
Gips-,  Steinfabriken,  Glas-  und
Spiegelfabriken,  Tonwarenfabriken) ­
  '  .  .

520

23075

30  433000

Chemische  Industrie

264

9  153

29  831  OOO

Industrie  tierischer  Produkte  (Leder, ­
  Pinsel,  Riemen  u.  dergl.)  .

284

7  034

29  378  OOO

Holzindustrie

879

17  259

23  215  OOO

Papierindustrie  und  polygraphisches ­
  Gewerbe  ....

672

15  402

25  695  784

Konfektion  ........

1918

25  438

47  919  600

Verschiedene  Gewerbe  (Wagenbau,
Musikinstrunvente,  Spielzeug
u.  a.)

220

3  074

7  256  OOO
        <pb n="89" />
        X

Literatur-Verzeichnis.

Prof.  Dr.  C.  Ballod:  Die  russische  landwirtschaftliche  und  industrielle  Produktion
(in  der  Zeitschrift  des  Königl.  prenß.  Statistischen  Landesamts).
Bartonee:  Über  die  geologisch-montanistischen  Verhältnisse  des  süd-östlichen
Teiles  von  Polen  1914.
Bielschowsky,  Frida:  Die  Textilindustrie  der  Lvdzer  Rayons.  Ihr  Werden
und  ihre  Bedeutung.  Heft  160  der  staats-  und  sozialwissenschaftlichen
Forschungen,  herausgegeben  von  Gustav  Schmoller  und  Max  Sering.
Axel  von  Boustedt:  Das  Russiche  Reich.
Dr.  Rudolf  Claus:  Tie  Zusammensetzung  der  Bevölkerung  Rußlands  nach
Nationalitäten  in  der  Zeitschrift  des  Königl.  preuß.  Statistischen
Landesamts).
Cleinow:  Die  Zukunft  Polens,  II.  Band  (Leipzig  1914).
Dr.  Max  Friederichsen:  Tie  Grenzmarken  des  europäischen  Rußlands,  ihre
geographische  Eigenart  und  ihre  Bedeutung  für  den  Weltkrieg
(Hamburg  1915).
Dr.  Otto  Goedel:  Russische  Industrie  (in  russische  Kultur-  und  Volkswirtschafts-Aussätze
  und  -Vorträge,  im  Aufträge  der  Vereinigung  für  staarswissenschaftliche
  Fortbildung  zn  Berlin,  herausgegeben  von  Max
Sering,  Berlin  und  Leipzig  1913.
v.  Gnttry:  Tie  Polen  und  der  Weltkrieg,  3.  Ausl.  1913.
Janasz:  Einfluß  des  Zuckerrübenbaues  auf  die  Landwirtschaft  ini  Königreich
Polen  (Leipziger  Phil.  Diss.  Weida  1910).
v.  Orpiszewski:  Die  Abwanderung  der  landwirtschaftlichen  Arbeiter  aus  dem
Königreich  Polen  nach  Deutschland  (Phil.  Diss.  Göttingen  1898).
Peyer:  Das  private  Syndikat  der  russischen  Zuckerindustrie  (Phil.  Diss.  Königsberg ­
  1908).
Przeglad  Gorniczo  -  Hutniczy  (Berg  -  und  Hüttenmännische  Rundschau)
Dombrowa.
Przemysl  i  Handel  Krolestwa  Polskiego  (Industrie  und  Handel  des  Königreichs ­
  Polen)  Jahrgang  1912,  Warschau.
Rabinowitz:  Zur  Entwickelung  der  Arbeiterbewegung  in  Rußland  (Giessener
Phil.  Diss  Berlin  1913).
Reymann:  Die  Weichsel  als  Wasserstraße  (Heidelberger  Phil.  Diss.  Warschau  1912).
Dr.  Kasimir  Ritter  v.  Rogoyski:  Beitrag  zur  jetzigen  wirtschaftlichen  Lage
Polens  (Krakau  1915).
v.  Rosenwerth:  Tie  Zusammenlegung  der  Grundstückein  Russisch-Polen  (Phil.
Diss.  Halle  1910).
Rocznik  Statystyczna  Krolestwa  Polskiego  (Statistisches  Jahrbuch  des
Königreichs  Polen)  2.  Jahrgang  1914,  Warschau.
Sartisson:  Beitrüge  zur  Geschichte  und  Statistik  des  russischen  Bergbau-  und
Hüttenwesens  (Phil.  Diss.  Heidelberg  1900).
Spandowski:  Die  polnischen  Gewerbevereine  (Münchener  Staatswirtsch.  Diss.
Posen  1909).
Statistik  der  Güterbewegung  auf  deutschen  Eisenbahnen  nach  Berkehrsbezirkeu
geordnet,  herausgegeben,  vom  Kaiserlichen  Statistischen  Amte,
80.  Bd  1913.
Statistisches  Jahrbuch  für  das  Königreich  Polen,  Jahrgang  1914.
Strasburger:  Zur  Entwickelung  der  Arbeiterfrage  im  Königreich  Polen
(Münchener  Staatswirtsch.  Diss.  Warschau  1907).
Zweig:  Die  russische  Handelspolitik  seit  1877  (in  Heft  123  der  Staats-  und
sozialwissenschaftlichen  Forschungen,  herausgegeben  von  Gustav
Schmoller  und  Max  Sering,  Leipzig  1906).

91

Inhaltsverzeichnis  umstehend.
        <pb n="90" />
        Druck  von  Erdinann  Raube,  Oppeln.

Inhalts-Verzeichnis.

Seite
Borwort  .  3
Größe  und  Bevölkerung  4
Religionsbekenntnis  7
Volksbildung  7
Städte  8
Verteilung  des  Grund  und  Bodens  9
Landwirtschaft  9
Viehbestand  16
Forstwirtschaft  1(5
Holzstatistik  17
Industrie  (Allgemeines)  17
Textilindustrie  19
Montanindustrie  26
Steinkohlenbergbau  26
Braukohlenbergban  35
Eisenerzbergbau  37
Blei-,  Zink-  nnd  Kupfererzbergban  41
Zinkerzgruben  .  .  42
Kali-  und  Petroleumlagerstätten  43
Eisenhütteniudustrie  43
Zinkhütten  51
Metallindustrie  51
Zementindustrie  52
Chamotteindustrie  *  54
Kalkindustrie  55
Branntweinbrennereien  .  55
Zuckerfabriken  55
Sonstige  Industrien  55
Handel  .  55
Verkehrswesen  55
Arbeiterfrage  56
Arbeiterorganisationen  •  58
Schlußfolgerungen  61
ilulagr  I.  Zusammenstellung  der  Städte  Polens  unter  Berücksichtigung
ihrer  Bedeutung  für  Handel  und  Industrie  77
Anlage  2.  Eisenbahngüterverkehr  zwischen  Deutschland  u.  Russisch-Polen  85
Anlage  3.  Gewerbestatistik  Polens  nach  dem  Stande  von  1910  ...  89
Literatur-Verzeichnis  ,91
        <pb n="91" />
        73

Image  Engineering  Scan  Reference  Chart  TE263  Serial  No.  _

&amp;gt;araus  der  oberschlesischen  Zementindustrie  die  größte
L  Hst-  —
j  schwerwiegenden  Gesichtspunkte  zeigen  deutlich  die
l  Notwendigkeit,  daß  im  Falle  einer  nicht
^  i  d  enden  teilweisen  Angliederung
j;  n  Österreich  jedenfalls  der  Kreis
n  i  t  seinen  Kohlen-  und  Eisenwerten
st  i  g  an  Deutschland  fallen  muß;  anwürde
  der  Friede  nicht  die  Ben
  erfüllen  zur  ungehemmten  Ent-Unserer
  schaffenden  Kräfte  in  der
stindernim  Gegenteil  sie  mit  schweren
is  sseln  belasten  und  dauernd  lahm-Berechtigung
  dieses  Verlangens  sprechen  aber  auch
*i:  Gründe.
sf'r  ntlich  hat  der  Kreis  Bcndzin  in
Z  e  i  t  e  n  bereits  zu  Preußen  gehört;
7  einem  größeren  Bezirk  durch  die  dritte  Teilung
r :  ceußen,  das  ihn  jedoch  im  Jahre  1807  im  Tilsiter
s-  as  von  Napoleon  gebildete  Herzogtum  Warschau
^iJe.  Neben  diesen  historischen  Ansprüchen  bestehen
stlsche  und  geologische.  Ein  Vergleich  auf
f;t  auf  den  ersten  Blick  erkennen,  daß  der  Kreis
s i-  ft  wie  aus  Oberschlesien  herausgeerscheint,
  und  was  die  geologischen  Beziehungen
si:  sind  d  i  e  dortigen  Kohlen-  und  Z  i  n  k  -
feigen  lediglich  die  Ausläufer  der
z-s  i  s  ch  e  n.  Endlich  gehört  der  Kreis  Bendzin  zu
ss  sewissermaßen  auch  kulturell,  denn  fast  alles,
rdustrieller  und  kulturfördernder  Hinsicht  geschehen
"st  s  ist,  ist  auf  deutsche  Initiative  zu-:cit.
  Die  meisten  Gruben  aus  älterer  Zeit  —  und
freisten  Gruben  aus  neuerer  Zeit  trifft  dies  zu  —
7  cutsches  Kapital  und  durch  deutsche
f:  »z  erschlossen  worden.  Graf  Reden,  der  in  Ober-7
  sten  großen  Kohlengruben  ins  Leben  gerufen  hat,
§;:  r  Zeit  im  Kreise  Bendzin,  der  damals  zu  Preußen
ebene  noch  heute  bestehende  große  Grubenanlagen,
-  fortgegangen  über  ein  Jahrhundert  lang.  Die
enden  Gruben  find  —-  und  zwar  bis  vor  wenigen
j.  -  in  deutschem  Besitz  gewesen,  bis  sie  den
*  die  deutschfeindlichen  Maßnahmen  der  russischen
-^nützlich  verleidet  worden  sind.  Sie  wurden  meist
        <pb n="92" />
        ﻿
        <pb n="93" />
        ﻿
        <pb n="94" />
        ﻿
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
