I, Die Grundurteile der Politik. 18 einer gewissen Kulturhöhe ist ihr unentbehrlich und sogen. Naturvölker besitzen sie nicht. Ost ist ja von den „Kulturkritikern" (Cyniker, Rousseau, Tolstoj) im Namen der Natur gegen die Kultur protestiert worden; was davon wertvoll ist, richtet sich aber nur gegen die Auswüchse dieser und der von jenen angepriesene vermeintliche Naturzustand ist selbst ein Stück Kultur, allerdings ein bescheidenes. Will man etwa mit dem russischen Bauern, den Tolstoj als Muster hinstellt, etwas erreichen, so muß man ihn „organisieren"; so einfach aus sich selbst heraus, wie der Organismus von Pflanze und Tier wächst menschliche Organisation nicht. Jedenfalls der Organisator muß eine etwas höhere „Kultur" besitzen, als die zu Organisierenden und man darf den Vergleich mit den Organen in der Natur niemals zu Tode Hetzen. Will nian, wie heute häufig geschieht, einen Unter schied zwischen Kultur und bloßer Zivilisation fest halten, indem man jener alle höheren, ideellen Werte und Normen, dieser aber nur die Nützlichkeitswerte (praktische, technische, ökonomische) zuweist, so gehört Organisation an sich zunächst nur zur Zivilisation. Daß sie die höheren Zwecke wahrer Kultur erfülle, ist dann eine Forderung, die man an sie stellt, ein neues Sollen, eine weitere Norm. Das Wort allein sagt nichts über die Ziele; man kann auch eine Räuberbande gut orga nisieren. „Einigkeit" hilft ebensowenig, man kann auch einig sein zum Schlechten. Aber unser Begriff braucht ja auch nicht alles zu leisten und macht Religion, Philosophie, Ethik usw. nicht überflüssig; genug wenn er gestattet, gewisse Seiten unserer Kultur scharf zu * beleuchten.