20 L Die Grundurteile der Politik. aus eigenem Erlebnis, kennt, überflüssig. Negativ aber sieht man an dem Versagen der Organisation bei der Lebensmittelversorgung, wo es nicht gelang, Erzeuger, Vermittler, Verkäufer und Verbraucher genügend in den Dienst der Sache zu stellen, wie nötig Disziplin zum Blühen von Organisationen ist. Freiheit ist ein unklarer Begriff und dazu noch ein im Grunde negativer, der einer lveiteren Bestimmung bedarf, wovon man eigentlich frei sein will oder kann. Will man ihn wertvoll theoretisch benützen, so muß man suchen, ihm einen positiven Inhalt zu geben, wenn er auch nicht auf alle Anwendungen dieses wandlungs fähigen Schlagwortes paßt. Ich finde, es ist der objek tivierende Ausdruck für das menschliche Ich, die Per sönlichkeit, oder den Willen; also eine Ausstrahlung des Ich, Betätigung der Persönlichkeit, Raum für den Willen. Kann der Mensch sich irgendwie wollend betä tigen, so fühlt er sich frei; zwar nicht unbedingt und unbegrenzt, aber doch in irgend einer Beziehung. Völlig unfrei ist etwa der Gefangene in Einzelhaft oder der Schwerkranke; es bleibt kaum ein Spielraum für seinen Willen und auch seine Betätigung ist ihm vom Aufseher oder Arzt genau vorgeschrieben. Politisch jedenfalls hat Freiheit einen solchen positiven Sinn; politische Freiheit (was Schiller im Don Carlos „Ge dankenfreiheit" nannte) ist die Möglichkeit, sich im Staate handelnd zu betätigen. Daneben freilich schwingt meist ein anderer Gedanke mit, besonders beim rhetorischen Gebrauch dieses Zau berwortes; der völliger Willkür, persönlichsten Be liebens, populär etwa: tun zu können, „was man mag". So etwa, wie der Einzelne spazieren gehen kann oder