II. Akratie und Aristagie. 45 ders der kommenden Zeit ist die Pluto kratie, die in Amerika schon blüht; und in den dort gewiß reichlich angewendeten demokratischen Gedanken hat sich kein Heilmittel dagegen gefunden. Teilweise gewiß, weil man sich den nötigen Kampf gegen jede Form einer Kratie nicht prinzipiell klar gemacht hat, sondern über der scheinbar „demokratischen" Form den Kern schran kenloser Gewalt in den Trustbildungen usw. übersah. Dieser Kampf ist unendlich schwieriger in jeder Be ziehung, als das Köpfen von Königen, das man bisher für die höchste Leistung selbstbewußter Demokratie an gesehen hat. Daß die auf solche Erfolge stolze Neuzeit eine noch weit gefährlichere Form der Kratie aus sich erzeugt hat, um so gefährlicher, je schwerer sie äußerlich zu fassen ist und je inehr sie auf Glanz und Dekoration verzichtet, beweist, daß Akratie im Sinne von Kampf gegen jede Kratie nicht nur ein richtiges, sondern auch ein dauerndes Ideal ist. Es wird seinen Sinn nicht einbüßen, solange Menschen bestrebt sind, berechtigten Einfluß in schrankenlose Macht umzuwandeln, sei es in prunkenden Palästen oder — weit zäher oft — in un scheinbaren Kontoren und Direktionszimmern. Die rafsinierteste Form einer Kratie, gegen die man in Zu kunft raffinierte Mittel wird ersinnen müssen, ist die, die man nicht fassen noch köpfen kann, weil sie sich in unscheinbaren, pseudo-demokratischen Masken zu ver bergen versteht. Diese Auffassung muß von ethischer Seite gestützt werden, soll man sie nach ihrer vollen Bedeutung würdigen; dazu kann man auch historisch nachweisen, daß es den Menschen niemals gut bekommt, sich im Besitz vollster Unabhängigkeit zu wissen. Es ist das