111. Das Führerproblem. 57 halb des Kulturstaates jedem, selbst dem Fürsten, eine Schranke seiner Herrschaft gezogen. Hier ist die Auf gabe mehr ethisch-psychologisch, nämlich die-Bekämp fung der Neigung zur Herrschsucht, die jeder in sich anstreben muß, der in hohe Stellungen gelangt und so Gefahr läuft, wieder die Akratie zu sündigen. Allein einzelne Regeln lassen sich da nicht geben; es gilt die Bezwingung eines Triebes, der in vielen schlummert, während andere gar keine Neigung haben, jemand ihren Willen aufzuzwingen, wenn man sie nur selbst gewähren läßt. So hat selbst Bismarck einmal gesagt": „ich bin nie herrschsüchtig gewesen; ich habe immer mehr das Bedürfnis, nicht zu gehorchen, als das, anderen zu befehlen." Was er da meinte, drückt das Wünschens werte aus, besonders wenn man statt „befehlen" etwa das schärfere: tyrannisieren, eben kratein, einsetzt; „geführt" hat er immer, auch bei dieser Ansprache. Aber wer soll nun als Anführer „befehlen", agein? Das ist weit schwerer zu sagen. Zunächst drängt sich da der Begriff „Persönlichkeit"" auf; die wert vollen, bedeutenden, hervorragenden Persönlichkeiten. Leider ist nun dieser Begriff an sich nichts weniger als klar und jeder denkt sich dabei seine eigenen Lieblings tugenden oder Werturteile. Zunächst ist eines klar: kein egoistisches Persönlichkeitsideal, das die Beziehung zu den anderen vernachlässigt, kann hier dienen; der Aristag steht ja nicht isoliert in der Welt, sondern soll führen; also muß die Persönlichkeit willig und geeig- net sein, eine Aufgabe zu erfassen und dabei voran zugehen. Die meisten Fassungen des Begriffes aber gehen von rein subjektiven Standpunkten aus und neigen dem zu, was man besser mit dem Wort Origi