70 III. Das Führerproblem. schüft aber erscheint hier als spezielle Befehlskunst. Dennoch gibt es kein besseres Muster: schon im Frieden beginnt man sofort unter den neuen Mannschaften nach künftigen Unteroffizieren, Offizieren, Reserveoffizieren ­ zu suchen und die „Qualifikation" bedeutet im wesentlichen: „Eignung zu einem Führeramt". Nirgends gehört eben so sehr zum System des Ganzen das Doppelte, sich Ergänzende: Disziplin und Führung, Gehorsam und Autorität, Masse und Selbständigkeit. Im Krieg aber ist der Ausgleich dieser scheinbaren Gegensätze noch viel deutlicher, da rächt es sich auch stark, falls man im Frieden die richtige Aufzucht von Führern versäumt haben sollte und dem Einzelnen wird noch reichere Gelegenheit zu persönlicher Auszeichnung und „Qualifikation". Hier hat auch historisch eine bestimmte Tradition ihre Bedeutung, nämlich der Adel; es war der preußische Junker, der den Typus des militärischen Führers schuf, in Generationen Pflegte, erhielt und vererbte. Von ihm hat es der bürgerliche Offizier gelernt, zu führen, und inacht es heute ebenso gut; auch dem Unteroffizier ist jener das Vorbild gewesen und der „preußische Leutnant, den uns keiner nachmacht", trägt adelige Züge, auch wenn sein Träger Müller heißt. Mag man also auch für wissenschaftliche und künstlerische Leitung direkt da nichts gewinnen, für das Problem der Führerschaft überhaupt ist das militärische System einzig in seiner Art und hat sich so ausgebildet eben im Hinblick auf den Krieg, wo man Führer dringend nötig braucht, während man im Zivil auch ohne solche zur Not „fortwursteln" kann. Würde das Prinzip des Aristagein durchdringen und zum allgemeinen Bewußt ­