HI. Das Führerproblem. 71 sein kommen, so würde man sich auch hier nicht nur in der Not (wie z. B. in der Revolutionsnot Bismarck) Führer holen und sich nicht mit dem resignierten Diplo maten trösten, der seinem Sohn versicherte) die Welt würde mit sehr wenig Weisheit regiert. Viel lernen für das Problem ließe sich aus den Ein richtungen der Kirchen, denn auch sie haben einen zwingenden Bedarf an Führern, die sie, besonders die katholische, in eigenen Seminarien heranbilden. Auch hier etwas Spezielles, nur nach der anderen Seite, der geistigen Führung, und damit eine Art Seitenstück zum Militär. Der Geistliche kann nicht befehlen, aber doch gelegentlich von der „Willensübertragung" wirk- sam Gebrauch machen; der Offizier führt in erster Linie auf Grund der Disziplin, wird sich aber durchaus nicht auf sie allein verlassen, zumal im Kriege. Systematisch ist auch die Ausbildung bei der Kirche, aber wiederum dadurch sehr einseitig daß sie lauter Führermaterial bekommt. Jedenfalls aber ist besonders der Pfarrer auf dem Lande in seinen mustergültigen Vertretern ein bedeutender Führertypus und alle Versuche, das gesamte Volk zu beeinflussen, bedienen sich ja auch seiner, wo er gehört wird und ihren Zwecken dienen will. In weit geringerem Grade gilt dies von der Beam tenschaft und der geläufige Ausdruck „Bürokratie" weckt sofort den Verdacht, daß hier das Prinzip der Aristagie wieder mehr in die Opposition gerät. Denn wenn keine Kratie gelten soll, dann natürlich auch diese nicht. Die Forderung, mehr zu führen und zu leiten, als zu herrschen (im engeren Sinn) ist hier noch unge nügend erfüllt und die Neigung groß, die Macht des