72 III. Das Führerproblem. L-taateS häufiger und stärker anzuwenden, als nötig wäre. Die vernünftigen Tendenzen und guten Absichten, besonders in der Verwaltung, gehen aber auch hier schon durchaus int Sinne des Aristagein und nur die Verwirklichung solchen Ideals ist bei der unabtrenn baren Machtfülle des Beamten groß; und so wird das Prinzip mehr zu einer ethischen Anforderung an den Einzelnen. Der Fortschritt von früheren Zeiten, wo Beamtentyrannei und Willkür weit mehr an der Tagesordnung waren, als heute, bis auf die vielfach darin bessere Neuzeit vollzog sich durchaus im Sinne des Prinzips, dem nur eine immer wachsende Verbrei tung zu wünschen wäre. Wie sehr endlich sich die Einsicht, daß eine Heranbil dung von Führern nötig ist, sogar im Handel durch ringt, der bisher ziemlich einseitig auf Plutokratie be ruhte, zeigt ein neues Buchest das allerdings vielen als Zukunftsmusik erscheinen wird. Hier mag es nur das knappe Bild ergänzen, das die verschiedenen Fälle von Führererziehung zusammenfassen sollte; das Hand werk, besonders in seiner alten Jnnungsform, hatte stets seine besondere Art von Aristagie und statt Führer könnte man im alten deutschen Wortsinn auch sagen: „der Meister", wie heute junge Künstler gern ihre ver ehrten Führer nennen. Was zur Erziehung von Führern nötig ist, läßt sich nicht in ein paar kurze Regeln fassen; das Wichtigste ist hier einstweilen noch, mit Ausnahme von Militär und Geistlichkeit, die Einsicht, daß es über all deren bedarf; der Wille zur Zurückdrängung von Tyrannengelüsteu und das Bestreben, statt dessen eine richtige Führergesinnung bewußt heranzuzüchten. Es scheint mir durchaus möglich, daß es uns Deutschen