76 III. Das Führerproblem. Die Lebenserfahrung zeigt zweifellos, das; solche Eigenschaften sehr häufig vorteilhaft sind, um in lei tende Stellung zu gelangen. Zu den Forderungen, die eine Theorie der Aristagie stellen muß, gehört auch die, daß die Wege für die Talente geebnet, ihnen der Auf stieg erleichtert werden muß, ohne daß sie das Opfer des Charakters bringen müssen, das heute noch so häufig von ihnen gefordert wird; zwar nicht offiziell, aber im Stillen. Nicht uni die „Genies" handelt es sich, von denen Hammacher z. B. behauptet, daß unsere Kultur ihnen ungünstig sei; die kommen höch stens für geistige Führerschaft im großen in Betracht und die ungeheure Differenzierung der Aufgaben unserer Kultur ist auch dem Wirken einzelner „Über menschen" ungünstig, weil kein Einzelner mehr alles umfassen kann. Sondern gerade um die echten Ta lente, die weit mehr nottun, als einzelne Wunder männer, deren Notwendigkeit für eine Kultur erst noch ,;u beweisen wäre. Müssen die zu Führern geeigneten ihre besten Eigenschaften unterdrücken und zum Opfer bringen, um hinauf zu gelangen, sich durch Schmeiche lei (nach oben oder unten), Heuchelei und Charakter losigkeit empfehlen, uni als nicht gefährlich befunden zu werden, dann nützt ihr Aufstieg natürlich der Kultur auch nichts; sie waren zwar vielleicht Aristoi, gehörten zu den Besten, aber auf deni Spießrntenlauf der Stre berei haben sie den Charakter eingebüßt, den sie hatten und sind dann nicht mehr Aristoi, wenn sie oben sind. Was sich ihnen dabei entgegenstellt und sie zu diesem Charakteropfer zwingt, ist nun nicht der „Staat" oder die „Gesellschaft", sondern die Gruppenbildnngen aller Art, die man mit den Namen Clique, Koterie, Klasse,