111. Das Führerproblem. 79 im Interesse des Ganzen, daß man die Gegenpartei nicht unterschiedslos bekämpft; da sie nun einmal exisüert, ist es für alle wichtig, daß die guten und nicht die unvernünftigen Elemente in ihr regieren. Und das sollte nicht nur die Partei selbst, sondern auch ihre Gegner bedenken; kämen in allen „Farben" die Äristvi hoch und lenkten ihre Parteien, so käme auch das Wert vollste und Bleibendste innerhalb der Anschauungen und Aktionen zum Durchbruch; und eine Verständigung ist immer eher möglich zwischen bedeutenden politi schen Persönlichkeiten, als den blind wütenden Durch schnittsköpfen. Immerhin, zum politischen Leben ist Gruppenbildung nicht zu entbehren. Ganz anders bei den geschilderten „anonymen Ge sellschaften", die der wahre Krebsschaden unserer Kul tur sind. Hier müßte sich gerade der vielgeschmähte Staat mit den einzelnen Begabten verbünden gegen Clique, Coterie und Kastengeist. Da der große Geg ner der Persönlichkeit nicht das Ganze, sondern der „Sonderbund" ist, so wäre ein aus der Aristagie zu folgerndes Zukunftsprogramm: Staat und öffent liche Körperschaft (Stadt, Gemeinde, Behörde usw.) mit und für die Persönlichkeit gegen Cliquen und Bünde. Der Staat (oder die Gesellschaft) bedarf der Führer und bedarf gar nicht der Mittelmäßigkeits verbände, die jene hindern; wie sollen die vielen schwe ren Aufgaben der Kultur gelöst werden, als durch den energischen Vorgang Einzelner? Sie leiten auch die vielgepriesene „Entwicklung" und wieder nicht der „Bund", der ja durchaus auf Erhaltung der bequemen und allseitig genehmen Fortwurstlerei eingestellt ist. Wie man es auch betrachtet: die öffentlichen, aner