I. Buch B III: K. Olden b erg, Die Konsumtion. Vorbehalten. Hier kam es nur darauf an, die zentrale Stellung des Konsumtions bedarfs im ganzen der Volkswirtschaft zu markieren; für die konstruktive Be trachtung der Volkswirtschaft ist der Bedarf ihr Ausgangspunkt, die realisierte Konsumtion ihr Schlußpunkt. Die erste Frage, die wir in diesem Teile des Handbuchs nach unsern obigen orien tierenden Erörterungen stellen, ist vielmehr die nach der rationellsten Gestaltung der Konsumtion. Rein wirtschaftlich beantwortet sie sich leicht: diejenige Konsum tion ist wirtschaftlich rationell (gehorcht dem „ökonomischen Prinzip“), die mit den gegebenen Mitteln die meiste Befriedigung von Bedürfnissen erzielt. In einem Volke wird dieses Maximum der Befriedigung ceteris paribus in dem Maße erreicht werden, wie das Einkommen den Bedürfnissen entsprechend verteilt ist, also Be dürfnisstärke und Kaufkraft korrespondieren; bei ungleicher Einkommensverteilung und gleichen Bedürfnissen befriedigt der Reiche auch entbehrliche Bedürfnisse mit hohen Aufwendungen, verschwendet insofern Volkseinkommen und kauft in Miß erntejahren dem Armen das Brot vom Munde weg;'wie noch heute z. B. im Kriegs fall bei einer russisch-amerikanischen Sperrung der Getreideausfuhr die Engländer wohl versuchen würden, die indischen Getreidevorräte zu kaufen und so die Hungers not auf das weniger wohlhabende Land abzuwälzen; und wie in älteren Jahrhunderten bei den damals noch großen Unterschieden des örtlichen Geldwerts der Getreide handel in dem Rufe stand, die Hungersnöte nicht zu mildern, sondern (örtlich) zu verschärfen; sein Interesse war ja, die Gebiete hohen Geldwerts und niedriger Preise von Vorräten zu entblößen; erst bei gleichmäßig verteilter Kaufkraft ist der Handel geeignet, die Bedürfnisse gleichmäßig zu befriedigen. Mag im Interesse der Pro duktion und aus Gründen nicht wirtschaftlicher Art ungleiche Einkommensver teilung vorzuziehen sein: dem Interesse der Konsumtion entspricht eine Verteilung gemäß den Bedürfnissen. Ein Glück für den Armen *), daß der Bedarf des Reichen an Existenzgütern seine durch die Bedürfnisstärke gezogene enge natürliche Grenze hat. Vom privatwirtschaftlichen Standpunkt des einzelnen Konsu menten, und darum indirekt auch vom Standpunkt der Volkswirtschaft ist ferner diejenige Konsumtion die rationellste, die, auf der Grundlage wirtschaftlichster Produktion, mit vollendeter Haushaltungskunst die Bedürfnisgrade des eigenen Haushalts richtig einschätzt und die verfügbaren Geldmittel richtig zu Rate hält, also zwischen Mitteln und Bedürfnissen des Einzelhaushalts das vorteilhafteste Kompromiß findet, auch bei keiner Ausgabe verschwendet oder geizt. Dabei ist freilich die Kommensurabilität der Bedürfnisse unter sich schon voraus gesetzt. Wie diese vorzustellen sei, macht die moderne „Grenznutze n“ - W ert- lehre einigermaßen anschaulich, indem sie auf den verschiedenen Gebrauchswert die Aufmerksamkeit lenkt, den jedes Gut in verschiedenen Mengen für dieselbe Person besitzt: je größer die schon konsumierte oder erworbene Menge, um so kleiner der Gebrauchswert einer hinzutretenden Konsumtionseinheit; wer schon eine große Wohnung hat, schätzt jedes weitere Zimmer, das er hinzumieten könnte, weniger; zwei Güter haben den gleichen Gebrauchswert, wenn ihr Bedürfnisgrad durch vorher sukzessive erfolgte Teilbefriedigung so abgestimmt ist, daß der Konsument bereit wäre, für die fernere Befriedigung beider im Höchstfälle annähernd das gleiche wirt schaftliche Opfer zu bringen. Indem nämlich kraft eines Naturgesetzes jedes Be dürfnis durch fortschreitende Teilbefriedigung abnimmt, wird es rationell, die Be friedigung bis zu einem Grade fortzusetzen, der noch annähernd die gleiche Genuß stärke auslöst, wie die letzte Teilbefriedigung eines andern Bedürfnisses mit gleichem Aufwande an wirtschaftlichen Opfern. So bildet sich für jeden Einzelfall eine bestimmte Rangordnung der Bedürfnisse, allerdings aus zwei Faktoren komponiert, die wir aber gedankenmäßig trennen !) Block II 520.