Allgemeine Statistik der Konsumtion. 127 § 5 regelmäßig 7%—8 kg in Deutschland verbraucht, obgleich der wesentlich niedrigere Salzverbrauch in der Stadt und der zunehmende Konsum animalischer Nahrungs mittel einen im Reichsdurchschnitt rückgängigen Salzkonsum erwarten ließe. Diese Beobachtung ist erfreulich; doch ist in andern Ländern der Konsum mehrmal so hoch. Der jährliche deutsche Tabak konsum betrug nach der korrigierten amtlichen Berechnung in den Kalenderjahren 1862—70 1,4 kg, in den Erntejahren 1871—1911 1,6 kg ohne große Schwankungen; die Konsumsteigerung verbirgt sich in der Form des Uebergangs vom billigen einheimischen zum teuren ausländischen Tabak, vom Pfeifen-, Kau- und Schnupftabak zur Zigarre und Zigarette; eine Verfeinerung des Geschmacks, der Mancher einen gewissen ästhetischen Kulturwert zusprechen wird. Viel weiter rückwärts läßt sich der jährliche Konsum bloßer Einfuhr waren verfolgen. Er stieg im deutschen Zollgebiet, wenn man das Jahrfünft 1836—40 mit dem Zeitraum 1911—12 vergleicht, bei Gewürzen von 50 auf 160 g pro Kopf, bei Tee von 4 auf 60 g, bei Kaffee von 1 auf 2 1 2 / 3 kg, bei Kakao von 10 auf 780 g, bei Südfrüchten von 60 auf 4300 g, bei Reis von 180 auf 2570 g und bei gesal zenen Heringen von 1 auf 2,7 kg 1 ). Die große Verbilligung des Seetransports kommt in dieser Zunahme zum Ausdruck. Man kann für die Volksernährung im Mehrver brauch einiger dieser Waren, wenn man die schnelle Zunahme des konsumierten in ländischen Zuckers hinzunimmt, einen gewissen Ersatz sehen für den wahrscheinlich bedeutenden Rückgang des Verbrauchs anderer Inlandsprodukte, namentlich der nahrhaften groben Gemüse und vermutlich auch des deutschen Obstes pro Kopf. Auf die Deutung des Mehrkonsums von einigen dieser Waren kommen wir zurück. Der jährliche Verbrauch von Petroleum stieg von 1,87 kg im Jahrfünft 1871—75 auf 17 kg 1901—05, um dann auf 15—16 kg zu sinken. Während das Petroleum zuerst, bei schneller Verbilligung, die älteren Beleuchtungsmittel ver drängte, wird es heute durch den schnell zunehmenden Verbrauch von Gas- und elektrischem Licht zurückgedrängt. Die Beleuchtung im ganzen hat aber ohne Zweifel stark zugenommen. Die Ausdehnung des Nachtlebens hängt damit zusammen. Weit unsicherer ist die Erntestatistik. Unter Berücksichtigung der Mehreinfuhr wurden im Reiche nach den Berechnungen und Schätzungen des Sta tistischen Reichsamts jährlich pro Kopf verbraucht Kilogramm: Weizen Roggen Gerste Hafer Kartoffeln 1893/94—1896/97 88,4 152,7 68,8 105,0 580 1897/98—1900/01 89,0 147,6 68,4 114,8 564 1901/02—1904/05 92,9 149,5 74,6 118,6 621 1905/06—1908/09 92,1 144,1 82,0 120,7 634 1909/10—1911/12 89,5 143,8 95,7 118,9 543 Danach hat der Brotgetreidekonsum trotz der Zunahme städtischen Lebens nur wenig abgenommen, ist bei Berücksichtigung der in billigen Jahren vermutlich mehr verfütterten Mengen wohl annähernd gleich geblieben. Daneben weist die starke Verbrauchszunahme von Gerste, Hafer, und zeitweise Kartoffeln, bei gleich zeitig schnell ansteigender Mehreinfuhr anderer wichtiger Futtermittel auf die Zu nahme der Vieh Produktion hin. Und so unsicher Fleischproduktion und Fleischkonsum statistisch zu fassen sind, die Tendenz ihrer schnellen Zunahme in den westeuropäischen Industriestaaten steht fest. Bei undichter Bevölkerung liefert die extensive Weidewirtschaft einen Ueberfluß an Fleisch. Wir finden daher sowohl in der europäischen Vergangenheit wie heute (außerhalb der Tropen) in Amerika 2 ) und Australien sehr hohen Fleischkonsum, zum Teil über den Fleischappetit hinaus. Als es in Argentinien vor 20 Jahren noch keine 1 ) Ungerechnet % kg von deutschen Fischern auf See gesalzene Heringe. 2 ) Auch der nordamerikanische Landmann selbst ist nach Aussage eines guten Kenners ein enorm starker Fleischesser. Anderer Meinung ist R u b n e r 1913, S. 63.