Speziell Einfluß der Steuer auf die Konsumtion. 163 natürlich auch die konkurrierende inländische Ware verteuert, obwohl sie steuer frei ist; diese Verteuerung ist zur Steuerlast gerechnet. Die Tabelle zeigt, in wieviel stärkerem Maße das Budget der niederen Einkom mensstufen belastet wird; eine entsprechend stärkere Ablenkung des Konsums der belasteten Artikel ist anzunehmen. Wo der Konsum eines versteuerten und ver teuerten Artikels eingeschränkt wird, muß gleichzeitig das physiologische Bedürfnis durch ein Surrogat befriedigt werden, z. B. durch vermehrten Kartoffelkonsum bei Verteuerung des Brots. Wo wie beim Salz der Konsum nicht leicht einzuschränken ist, wird wenigstens jedes Korn um so sorgfältiger verwendet, während im wohl habenden Haushalte die achtlose Vergeudung nicht unbeträchtlich sein dürfte; und es muß die Mehrausgabe für Salz bei andern Artikeln wieder eingespart werden. Es besteht ja überhaupt bei gegebenem Einkommen eine gewisse gegenseitige Be dingtheit zwischen allen Ausgabeposten; der Verteuerung an einer Stelle muß eine Ersparnis an anderer entsprechen. Auf den oberen Einkommensstufen, die durch Erwerbssteuern belastet sind, kommt diese Bedingtheit auch darin zum Ausdruck, daß auch um diesen Betrag der Erwerbssteuern die andern Ausgabeposten gekürzt werden müssen. Wenn bei den entbehrlicheren Steuerobjekten der Verbrauch grö ßer gewesen sein würde ohne die Steuer, so wird der Rückgang des Verbrauchs den Preis gedrückt und die Ueberwälzung der Steuer beeinträchtigt haben. Immerhin ist Laspeyres *) der Nachweis gelungen, daß die Aufhebung der preußischen Mahl- und Schlachtsteuer 1873 dem Konsumenten in vollem Umfange zugute gekommen sei, woraus folgt, daß die Steuer, solange sie bestand, wahrscheinlich vom Konsu menten in vollem Umfange getragen wurde. Da wir wissen, daß mit der Kopfzahl der Familie die Quote der Nahrungsaus gabe im Budget steigt, so müssen wir leider annehmen, daß ebenso wie die armen auch die kinderreichen Familien von den Verbrauchssteuern vorzugsweise getroffen und in ihrer Ernährung gefährdet werden. Die Tabelle zeigt zweitens, daß die Steuerbelastung auf den mittleren Ein kommensstufen zwischen den beiden Erhebungszeiträumen annähernd gleich ge blieben zu sein scheint. Der scheinbare Rückgang der Belastung auf der obersten und untersten Stufe läßt bei der unvollkommenen Vergleichbarkeit beider Erhe bungen keine sicheren Schlüsse zu. Wohl aber würde der Vergleich einzelner Ver brauchsobjekte, wie Zucker und Kaffee, wenn der Raum die Wiedergabe der de taillierten Tabelle Neumanns erlaubte, eine zunehmende Mehrbelastung der unteren Klassen zeigen, die teilweise wenigstens sich wohl aus der Verbilligung dieser Ar tikel erklärt; die Verbilligung hat vorzugsweise auf den unteren Stufen den Kon sum (und damit die Steuerlast) gesteigert, während auf den oberen Stufen man sich dem Sättigungspunkt schon näherte. Beim Petroleum läßt der starke Verbrauchs rückgang auf der obersten Stufe (von 205 auf 41 kg) den Einfluß von Gas- und elek trischer Beleuchtung erkennen. Der beträchtliche Rückgang des Kaffeekonsums auf den oberen Stufen deutet auf Zunahme des Tee- und Kakaokonsums, vielleicht auch des Surrogatenkonsums hin. Der Rückgang des Salz- und Zuckerkonsums auf den oberen Stufen läßt angesichts der allgemeinen Verbrauchsstatistik auf zunehmenden indirekten Verbrauch dieser Artikel in Suppenwürzen, Konserven und andern Prä paraten schließen. Dagegen zeigt der Branntweinverbrauch auch auf den unteren Stufen einen starken Rückgang, dem eine beträchtliche Vermehrung des Bierver brauchs entspricht. So gibt diese Belastungsstatistik zugleich einen Einblick in Be- darfsverschiebungen, die mit der Steuer nicht Zusammenhängen. Es steht da in, ob auch bei den hier zugrunde hegenden Wirtschaftsrechnungen die Familien der unteren Einkommensstufen die kinderärmeren sind, so daß ihre Mehrbelastung bei gleicher Kinderzahl als noch schwerer erscheinen müßte. Noch nicht angerechnet ist in den obigen Tabellen die Belastung des Haushalts 0 Finanzarchiv 1901. 11*