37 II. Bedeutung der Dertungsgebührentarife. A.) Bolkswirlfchaftliche Bedeutung der Zeitungs gebührentarife. 8 4. Volkswirtschaftliche Bedeutung des Zeitungswesens. Der Staat betrieb die Post in der ersten Zeit ihres Bestehens vorwiegend zum Zwecke der Erzielung möglichst hoher Reinerträge. Vereinzelt schon im 18., in steigendem Maße aber im 19. Jahrhundert wurde mit diesem Grundsatz gebrochen und der Anschauung Geltung verschafft, daß die Hauptaufgabe der Post nicht darin bestehen dürfe, möglichst viel Gewinn zu erzielen, sondern den Verkehr zu erleichtern, d. h. volkswirtschaftliche Interessen wahrzunehmen. Die deutschen Zeitungsgebührentarife gehören sämtlich der neueren Zeit an, in der die Post ihres vorwiegend fiskalischen Charakters bereits entkleidet war und zur Deckung des Staats bedarfs durch Erzielung im einzelnen mäßiger privatwirt schaftlicher Reinerträge beitrug. Demgemäß find bei Auf stellung der Tarife sowohl volkswirtschaftliche als auch finan zielle Gesichtspunkte maßgebend gewesen. Inwiefern die ein zelnen Tarife diesen Momenten Rechnung zu tragen suchten, soll im folgenden betrachtet werden. Um ein Urteil über die volkswirtschaftliche Bedeutung der Zeitungsgebührentarife zu gewinnen, macht es sich notwendig, zunächst auf die volks wirtschaftliche Rolle, die das Zcitungswesen spielt, kurz ein zugehen. Im Laufe des letzten Jahrhunderts hat im deutschen Zeitungswesen eine weitgehende Spezialisation stattgefunden?) Neben den eigentlichen politischen und nicht politischen Zeitungen entwickelten sich z. B. immer mehr die Zeitschriften, Zeitungen und Zeitschriften unterscheiden sich äußerlich durch die Form des Erscheinens in losen Bogen oder in Heften und in kürzeren oder längeren Fristen. Der Hauptunterschied i) von SBeuft III S. 58t) ff. unterscheidet schon Mitte des 18. Jahr hunderts: „Journale, Staats- und Politische Zeitungen, Gelehrte Zeitungen, Oeconomische Zeitungen, welche sonst unter dem Namen derer Jntelligeutz-, Anfrag- und Nachrichten-Zettel fürkommen".