42 Für die Zeitungsbezieher hatte dieser Umstand den großen Vorteil, daß die Preise der Zeitungen von den Zeitungs unternehmern wesentlich ermäßigt werden konnten. Die'großen Kosten für Nachrichtendienst, Mitarbeiter,Redaktion, Verwaltung, Satz, Papier und Druck vermag eine moderne Zeitung un möglich aus dem Abonnements- und Einzelverkaufs-Ertrage zu bestreiten. *) Sie müßte sonst ihren Bezugspreis so hoch bemessen, daß ihre Absatzmöglichkeit geschmälert und vielleicht ihre ganze Existenz gesührdet würde. Das finanzielle Rückgrat einer Zeitung bilden jetzt vielmehr die Jnserateueinuahmen. Da die Preise der Inserate bei weitem die Kosten der Her stellung überwiegen, kann dafür der Preis der Zeitungen bis unter die Herstellungskosten des redaktionellen Teils ermäßigt werden?) Die Tagesblätter, die jetzt in Folge des allgemeinen Interesses der Bevölkerung an öffentlichen Dingen eine weite Verbreitung und einen ausgedehnten Leserkreis haben, eignen sich in besonderem Maße für ein zweckmäßiges, wirkungsvolles und werbekrüftiges, dabei verhältnismäßig billiges und bequemes Veröffentlichen von Anzeigen aller Art?) Volks wirtschaftlich von Bedeutung sind namentlich die geschäftlichen Anzeigen. Sie gehören „zu den Reizmitteln, durch welche die moderne Verkehrswirtschaft jenes Wunderwerk der Bedarfs- sammlung vollbringt, deren sie bedarf, um durch Massenproduktion die Herstellungskosten zu erniedrigen und damit die Güterprcise zu verbilligen. Sie hat besonders da ihre Stelle, wo andere ') Die Bezugsgelder deckten im Jahre 1900 bei den „Münchener Neuesten Nachrichten" nur 35,7% der Herstellungskosten (Söbl S. 159 f.); bei der „Kölnischen Volkszeitung" betrugen sie im Jahre 1906 54% (Schölten S. 111). Als Durchschnitt sind 40-45% anzunehmen (Stok- lossa S. 563). „Sehr annoncenreiche Blätter haben berechnet, daß sie nur 37-40% ihrer gesamten Herstellungskosten durch das Abonnement decken" (Bücher, Ztg. S. 529). 2 ) Vgl. Bücher, Ztg. S. 529. - Ueber das „Kostengesctz der Zeitung" bgl. ebenda und Löbl. S. 164 ff., Diez S. 102. 8 ) Ueber die Verbindung des Annoncenwesens mit der politischen Tagespresse Dgl.: Bücher, Vw. S. 248, Bücher, Ztg. S. 528 f., Löbl S. 160 ff., Meißner S. 30 ff., Schacht S. 507 f., Stoklossa S. 563 und Treitschke (Politik. Vorlesnngcn gehalten an der Universität zu Berlin. Herausgegeben von Max Eornicelins) I. Bd. Leipzig 1897 S. 176 f.