— 67 — waren sie in der Lage, ihre Preise stark zn ermäßigen. Es betrugen z. B. die Einkanfspreise der Generalanzeiger für die Post im Jahre 1900 vierteljährlich: bei 50/0 bis 40 Pf, bei 34°/« 81 bis 100 Pf. „ 15°/° 41 „ 60 „ 22% 101 „ 120 „ „ 17% 61 80 „ „ 7% 121 160 Infolge dieser niedrigen Preise belief sich die prozentual davon abhängige Zeitungsgebühr nur auf 10 bis 40 Pf. vierteljährlich. Derartig mäßige Sätze machten es den Ge neralanzeigern äußerst leicht, nach allen Richtungen und auf jede Entfernung hin sich Absatzgebiete zu verschaffen. Es wurden, so weit es natürliche und wirtschaftliche Verhältnisse nur zuließen, schlummernde Verkehrsbedürfnisse erweckt und so Verkehrsvermehrungeu begünstigt, die immer reichere Jn- seratenerträge lieferten. Eine derartige mittelbare Vergünsti gung beim Postzeitungsvertrieb konnte anderen Blättern, deren Preise sich nicht so leicht auf ein Minimum herab setzen ließen, nicht zu teil werden. Aus diesem Grunde nahmen Abgeordnete usw. gelegentlich der Beratungen, die Ende der 1890 er Jahre im Reichstag über die Reform des Zeitungsgebührentarifs stattfanden, wiederholt, oft in scharfer Weise, gegen die Generalanzeiger Stellung?) Die Generalanzeiger wurden immer wieder als Schulbeispiel dafür angeführt, wie ungerecht und wirtschaftlich ungesund der Tarif nach dem Einkaufspreis der Zeitungen sei, der „Schmarotzer pflanzen gezeitigt" habe, „die zu beseitigen .. . eine allgemeine Aufgabe sei"?) In Wirklichkeit hat die Tarifreform die Generalanzeiger nicht „beseitigt". Es erschienen allerdings im Jahre 1902 7% der Generalanzeiger des Jahres 1900 nicht mehr. Ebenso gut sind jedoch auch andere Blätter weggefallen. Hin und wieder mag wohl die Tarifänderung für die Eristenz- 1) Steiwgr. Ber. 1899/00 Bd. II S. 1711 f. (Abg. Singer); S. 1730 f. (Abg. Fischbeck); a. a. O. Bd. IV S. 2799 (Abg. Dietz); S. 2812 f,' 2816, 2924 (Staatssckr. von Podbielski); S. 2925 . (Abg. Oertel). 2 ) Steiwgr. Ber. 1898/00 Bd. IV S. 2816.