ÖÖOÖOOOOOOÖOÖOOÖOOÖOÖ 4 Wahlrecht hatten. Was die geistige Bewegung betrifft, fo hatte Ostfriesland fchon vor der Deformation manche Schulen, auch Dorfschulen, fa es ist wohl an keiner Stelle ein Schulzwang früher erstrebt als in Ostfriesland. freilich ist dieser Schulzwang nicht energisch ausgeführt. Das literarische Leben bewegt sich ent sprechend der abgeschlossenen Lage des Landes namentlich um ost- friestsche tragen und Aufgaben. Die Ostfriesen haben ihre geistige Kraft vor allem der eigenen Heimat gewidmet, aber es sei nicht vergessen, dast das kleine Land dem deutschen Leben manche hervorragende Morscher auf verschiedenen gebieten gegeben hat. vor allem sind zwei ausgezeichnete Juristen aus Ostfriesland hervor gegangen. Hermann Lonring (1606 bis 1681), ein universaler gelehrter, der von ganz kuropa gefeiert wurde; er hat das besondere Verdienst, die deutsche Kechtsgeschichte begründet zu haben. Der andere Jurist von erstem Kang ist allen bekannt: Kudolf Ihering. Dann hat Ostfriesland in den beiden Tabricius bedeutende llstronomen gehabt. David Tabrieius* ** korrespondierte eifrig mit Kepler, seine Beobachtungen haben dazu beigetragen, das gewaltige Werk Keplers über den Planeten Mars zu fordern; der Sohn, Johannes Tabricius, aber ist der Entdecker der Sonnenstecke. (ln der Medizin hat Ostfriesland ebenfalls zwei berühmte Männer hervorgebracht. Keift* (fi8iZ) hat als ein hervorragenderMediziner in den Freiheitskriegen die Lazarette geleitet und vorher mehrere * David l5abricius(i;64—1617). llus feinem Briefwechsel mitKepleristnarnent- lich eine Stelle bemerkenswert, welche den Unterschied der Weltanschauungen beiderWänner klar beleuchtet. KeplerfWerkel, 332) schreibt: Tibi äeus in nsluram venit, midi nstura sä äivinllslem aspirst. ** Neils llndenken wird nicht nur in der Wissenschaft, sondern auch durch die ehrenvolle Erwähnung in den goetheschen Werken dauernd festgehalten. Im Juli 1814 versagten goethe und Niemer ein Vorspiel zu Theatervorstellun gen in Halle. Dies Vorspiel scheint in Neils früherem garten stattgefunden zu haben. Wag goethe selbst nicht viel für jenes Vorspiel getan und Niemer die Hauptsache geleistet haben: goethe ha! die hier dem llndenken Neils erwiesene Lhrung in seine Werke aufgenommen. Ls heigt dort im dritten lluftritt: Und dieses Leben sollt ihr billig kennen, Das Land wohl kennen, dem es angehört, Das immerdar ln feiner Tlurcn Nlittc Den deutschen Biedersinn, die eigne Sitte, Der edlen Dreiheit längsten Sprog gewährt: Das meerenlrungcne Land von gärten, Wiesen, Den reichen Wohnsitz jener tapfern Triefen. (Siehe goethe, vollständige llusgabe letzter Hand, 11.28., 0.331.) Merkwürdigerweise ist diese Huldigung des friesischen Lebens und Landes wenig bekannt.