ihnen nichts anderes zu bieten vermag! Damals ging man ins Leebad, um sich körperlich und geisiig auszuruhen und Kraft für die Ürbeit des Winters zu gewinnen. Vngenehm war auch das Verhältnis zu den einzelnen Insulanern, zu denen sich bald freundliche Beziehungen anspannen. Die meisten Männer waren Leeleute. Ihre Üuffassung betrachtete den Tod zur Lee nicht als ein besonderes Unglück. Die Küstenbewohner pflegen sich über haupt ihre eigene Lebensüberzeugung zu bilden. Der Leemann und seine Umgebung ist fesi überzeugt von dem Walten eines Lchicksals, dem sich niemand entziehen kann. Ls gilt dann als unmännlich, fa feige, sich gegen dieses Schicksal zu sträuben. Merkwürdigerweise kann dieser grundgedanke sehr verschiedene intellektuelle gestaltungen annehmen. Die Ltrengreligiösen sehen in ,jenen Lreignissen eine unmittelbare Rügung gottes; die Minder gläubigen unterwerfen sich dem Schicksal als einer dunklen Macht, aber über die Tatsache eines allesbeherrfchenden Lchicksals ist nicht der mindeste Zweifel. „Vas sollte so sein", das ist der übliche Trost. Dieser Lchicksalsglaube lähmt keineswegs den Mut und die Lnergie des Handelns, aber er verbietet alles unnütze grübeln über das, was hätte kommen können. Ws ein teilnehmender Kur gast einem Langeooger die Trage vorlegte, wie es den Lin- wohnern ginge, wenn ein plötzlicher Unfall oder eine schwere Krankheit sie träfe, da doch kein Ürzt auf der Insel sei, so nieinte jener wetterharte Mann: „Kun ja, dann müssen wir unseren eigenen Tod sterben". — Inzwischen hat sich Langeoog zu einem stattlichen Leebade gehoben, die frühere Schilderung trifft nicht mehr zu. Ich aber denke mit groster Treude an die dort verlebten Wochen; sie waren entscheidend für meine Lntwicklung, weil sie mir gesundheit brachten und ich in tiefer Kühe graste Lindrücke empfing. Zu grasten Keifen kam es sonst nicht, auster jener hannover schen Keife 1852 habe ich Ostfriesland bis zu meinen Studien jahren nicht verlassen. Um so mehr war meine Mutter bemüht, durch kleine Tagesausslüge geist und gemüt zu erfrischen. Sie hatte einmal bei Zschokke, einem ihrer Lieblingsschriftsteller, gelesen, es tue der heranwachsenden Jugend gut, auch selbständige kleine Tagesausslüge zu unternehmen. Vas habe ich dann mit einigen Treunden öfters getan. Lin sehr einfaches Trühstück wurde mit gegeben. Unser gemeinsamer Trank war eine Mischung Sirup und Lfsig. Dann wanderten wir vergnügt durch die einzelnen, oft recht stattlichen Dörfer und hatten besondere Treude an den Tehnen (auf dem Moor angelegten Kolonien), wo uns ein eigentümliches, ungewohntes Leben umgab. Diese Kanäle verbanden nicht nur die einzelnen Orte, sondern sie hatten manche kleinere Werften, wo Legelfchiffe gebaut wurden. Lluch gab es dort glashütten, für die