OOOOOOOOOOOOOOOOOOOOO 21 OOOOOOOOOOOOÖOOOOOOOO kritisch geprüft. Beim Dleulernen einer Sprache z. B. kam ich nicht sofort auf die Höhe, aber je mehr die Üufgabe mich beschäftigte, deslo sicherer fühlte ich mich, und derSchlust des Schuljahres pflegte mich an der Spitze der Klasse zu finden. Die Neigung zur Mathe matik führte meine Mutter und mich zu dem Plane, auf einer technischen Hochschule Mathematik und Physik zu studieren. Später hat die Philosophie die Mathematik bei mir zurückgedrängt, doch blieb ich bis zum Schlust meiner Schulfahre ein vortrefflicher Mathematiker. Die Wendung zur Philosophie wurde verstärkt durch das lebhafte religiöse Interesse, welches mich von früher Jugend beseelte. MeinerTamilientradition entsprach ein gemästigter Liberalismus; wir fühlten uns von der Orthodoxie, wie sie in Ost- friesland damals vorherrschte, wenig befriedigt. Ls waren nicht so sehr einzelne Sätze, welche die Meinigen zum Widerspruch trieben, als die Überzeugung, dast diese Orthodoxie bei aller persönlichen Tüchtigkeit den grasten Problemen nicht gewachsen sei. So gingen wir von Haus aus unseren eigenen Weg. Dazu kamen meine eigenen Lrfahrungen, welche mich stark zur Beschäftigung mit religiösen Tragen trieben: der Verlust meiner Lieben, mein zarter gesundheitszustand, die mir drohende Blindheit. So hatte meine frühe Kinderzeit wenig Sonne, sie war voller Hemmungen. Über ich setzte allen Hemmungen die Überzeugung entgegen, dast eine höhere Macht wie überhaupt über der Menschheit, so auch für mich selbst walte, und dast ich ihr vertrauen dürfe. Diesen glauben habe ich keinen Üugenblick aufgegeben; wohl aber habe ich eine selbst ständige Kritik an dem überkommenen Kirchenglauben geübt. Schon frühzeitig habe ich grasten Ünstost an der überlieferten Lehre vom Mittleramt Lhristi und von der Stellvertretung durch ihn genommen, und schon als kleines Kind habe ich meine Mutter mit der Trage gequält, warum nicht gott selbst die Menschen zu sich zöge und das Böse von ihnen wende. Diese Übweichung von dem Kirchenglauben machte es mir unmöglich, Theologie zu studieren. Das dort gebotene religiöse Leben schien mir zu eng und zu gebunden; ich habe mich auch weiterhin viel mit theologischen Problemen beschäftigt, aber ich habe keinen Üugenblick daran gedacht, Theologe zu werden; die Lrfahrungen meines Onkels konnten mich darin nur bestärken. In der Politik waren wir Ostfriesen vor allem gute Deutsche; ich erinnere mich noch, wie ängstlich wir in unseren llufsätzen den Üusdruck „Hannoveraner" vermieden und nur von Deutschen redeten. Zugleich war man durchgängig in Ostfriesland freisinnig, nicht im Sinne der Berliner Demokratie, wohl aber im Sinne der alten Tradition von den freien, selbständigen, vor allem auf das -Recht bedachten Ostfriesen, üuch zur hannoverschen Kammer