22 OOOOOOOOOÜOOOOOOOOOOO pflegten die ostfriesischen Kreise überwiegend gemüßigt liberale Übgeordnete zu wühlen, Wun aber kam seit dem Jahre 1858 die Bewegung in preusten, welche eine Belebung der schlummernden Kräfte und eine Linigung Deutschlands versprach, gröstte Hoff nungen für eine freiere Entwicklung und für die nationale Linigung wurden auf den damaligen Prinzregenten, den spateren König Wilhelm, gesetzt; auch die Jugend geriet in Bewegung. Später fehlte es nicht an Lnttäufchungen; wir wissen, dast sich dann die öache zu einem schroffen Konflikt zuspitzte. Ls war namentlich die Heeresvorlage, welche die Geister aufregte und erbitterte. Der gute, za notwendige Sinn der Heeresvorlage entging der öffentlichen .Meinung, dazu fehlte es an Versuchen einer Üufklärung und Verständigung; so witterte sie in zener Vorlage nur Weaktion und Junkertum. Wir ereiferten uns leidenschaftlich darüber und fühlten uns radikal gestimmt. Über so unreif das Leben damals in poli- sifcher Hinsicht war, so wohltuend war die Wärme der moralischen gesinnung, namentlich die Überzeugung, dast die gebildete Jugend dazu berufen sei, ein einiges und freies Deutschland hervorzubringen. Damals schlummerte noch die soziale gefahr mit ihren ungeheuren Problemen. Üuch das lluftreten Lassalles wurde meist mit der be- bequemen Wendung zurückgeschoben, man dürfe keine Staatshilfe erbitten, sondern allein der Selbsthilfe vertrauen. So schien der Kern der ganzen Wation in dem gebildeten Bürgerstande zu liegen. Die Studierenden aber schienen besonders berufen, in dieser Wichtung zu wirken. Der einzelne empfing daraus das Bewusttfein, dast sein eigenes Bestreben etwas bedeute, za unentbehrlich sei. Ls war nach meiner Überzeugung später ein groster Mangel, dast die aka demische Jugend viel zu wenig eigene Ideale für das ganze Leben besäst, und dast sie nur die vorhandene Ordnung anerkennen sollte. Schluß der gymnasialzeit. ^Heine Zpmnasialzeit nahte sich nunmehr ihrem Lnde. Meine fj I ^.Mutter-und ich selbst durften freier an die Zukunft denken, wir fühlten uns gehoben im Qusmalen schöner Pläne. Vas letzte Schul zahr brachte mir verschiedene anziehende llufgaben. Ich habe ver schiedene Kadetten in der Mathematik ausgebildet, dann erhielt ich durch Weuter und mit Zustimmung des gpmnasialdirektors einen eigentümlichen Üuftrag: ich sollte einen zungen Kaufmann, der zum akademischen Studium übergehen wollte, zum Qbgangsexamen vorbereiten. Ün erster Stelle galt es, den deutschen Üufsatz auf die Höhe zu bringen, dann aber auch klassische Studien mit ihn.