OOOOOOOOOÖOOOOOOOOOOO 36 OOOOOOOÖOOOÖOOOÖOOOOO zu untersuchen, ob nicht bedenkliche SubjeFte sich dort versteckten. Lchliestlich wurde diese Polizeitätigkeit der Ltudenten freilich zu bunt und ausgelassen, so dast der damalige Prorektor sein tiefes Bedauern darüber aussprach, dast die akademische Jugend so wenig 3inn für die Not des Vaterlandes habe; damit fand unsere obrig- keitliche Tätigkeit ein rasches Lnde. Die Jugend vermag eben mit grostem Trust der gesinnung eine Lust an kecken Htreichen unmittel bar zu verbinden. Nach wenigen Tagen kamen die preusten. Inzwischen war die graste Wendung erfolgt, welche auf lange Zeit das. öchicksal Deutschlands entschieden hat: die zur Bismarck- fchen Politik. Diese Wendung spaltete auch die geister der Jugend. Die zungen Leute waren vor zenem Krieg zum gröstten Teil ent schieden liberal, za oft radikal gesinnt, aber sie waren zugleich durchaus national; wir hofften auf ein einiges Deutschland, das mit der nationalen Wacht zugleich die politische Freiheit und die volle Lntwicklung aller Kräfte bringen sollte. Die wirtschaftlichen Tragen beschäftigten uns nur nebenbei; die gewaltige Ausdehnung der modernen Industrie und Technik war damals erst im Werden; was daraus an Verwicklungen entstehen mustte, das konnten wir in keiner Weife übersehen. Vuch von Weltpolitik war damals wenig die Kede; das einige Deutschland, so hoffte man, würde alles in beste Ordnung bringen. Zugleich fühlte die akademische Iugend sich besonders berufen, den grosten Üufstieg zu führen. Zweifellos war dabei mancher Überschwang, auch viel Unreife des Urteils; aber für die gesinnung war es ein Vorteil, dast man die Vufgabe als eine eigene ergriff und sich verpflichtet fühlte, alle Kraft dafür einzusetzen. Die Bismarcksche Politik dagegen stellte die Lage unter einen völlig neuen Ünblick. Hatten wir bis dahin die Linigung Deutsch lands vom gemeinsamen Willen des ganzen Volkes erwartet, so wurde uns nun zene Leistung von oben her entgegengebracht. Die einzelnen hatten kaum etwas Tigenes zu tun, sondern nur sich willfährig der gebotenen gestaltung einzufügen. Die überwiegende Mehrzahl folgte dieser Kichtung; es wirkte wohltuend und befesti gend, dast sich aus dem wirren getriebe Ser Parteien und der sich gegenseitig widersprechenden Programme eine feste Hand her vorhob und ein deutliches Ziel vorhielt. Qndere aber konnten bei aller Qnerkennung der überlegenen graste des Mannes die Tat sache nicht vollauf verwinden, dast zene Wendung ohne alle öelbst- tätigkeit des Volkes erfolgte, und dast sie zugleich in die Bahnen eines ausgesprochenen Kealismus geriet. Diesen Männern erschien die Wendung als zu äusterlich, als zu einseitig militärisch und wirt schaftlich. lluch ich selbst konnte bei aller Qnerkennung und Be wunderung der genialen politischen und diplomatischen Leistungen