Mischers als sehr geistvoll, aber als zu subjektiv, über sein Redner/ vermögen äußerte er sich stets mit höchster Anerkennung. Ls hat aber dieser wissenschaftliche Streit auf den gesundheitszustand Trendelenburgs nicht eingewirkt, wie gelegentlich behauptet wurde; dazu ging ihm die Lache nicht tief genug. Llnfang 1872 hörte ich dann durch einen Berliner Bekannten von einer grasten Ver schlimmerung seines Befindens, und bald empfing ich die Todes nachricht. Ich verlor in Trendelenburg nicht nur einen mir sehr sympathischen Torscher, sondern einen väterlichen Treund, der stets darauf bedacht war, mich auch in meiner eigenen Llrt zu bestärken, der in keiner Weife die Huldigung eines Schulhauptes verlangte. Ich hatte an ihm auch in den akademischen Kreisen einen festen Halt. In den Schriften der preussischen LIkademie hat Lenz ein ein gehendes Bild von Trendelenburg entworfen, das leider die wissen schaftliche Bedeutung und die edle Persönlichkeit des Mannes nicht genügend würdigt; die einzelnenZüge mögen zutreffen, es fehlt aber dem gesamtbild die innere Linheit und Wärnre. Ich selbst habe mich wiederholt über Trendelenburg und seine wissenschaftliche Stellung literarisch ausgesprochen. Llbgesehen von diesem schmerzlichen Verlust, schien ich in Basel auf der Höhe des Lebens zu stehen. Meine wissenschaftliche Lauf bahn hatte sich austerordentlich günstig gestaltet, alles griff in einander, zusagende, ja bedeutende Stellungen waren einander rasch gefolgt, ich war den Mühen und gefahren eines Privat dozenten entgangen und in eine schöne Tätigkeit versetzt, die allen meinen Wünschen entsprach und alle meine Kräfte an spannte. Scherzweise habe ich damals wohl geäustert, ich würde in meinen Leistungen pränumerando bezahlt, ich hätte die Pflicht, eine solche zuvorkommende Behandlung erst durch die Tat zu beweisen. Trendelenburg aber gratulierte mir in einem herz lichen Briefe: „Mögen Sie Muste behalten! Muste in Ihren Jahren, welcher Keichtum an möglichen Keimen!" So war mir alles über Lrwarten gelungen. Liuch in der Lebensumgebung hatte sich alles nach Wunsch gestaltet. Wir hatten eine sehr zusagende Wohnung gemietet, deren groster garten unmittelbar an den Khein grenzte, meine Mutter hatte besondere Treude daran; ich aber hatte täglich meinen Weg nach der Universität über die alte Kheinbrücke zurückzulegen, die einen herrlichen Blick auf das hochragende Mün ster gewährt. Liber eben fetzt, wo alles aufs beste zu stehen schien, drohte eine gefahr, die zunächst nicht als eine schwere erschien, sich aber bald als eine solche herausstellte, eine gefahr für die gefund- heit und das Leben meiner Mutter. Meine Mutter war zart, aber elastisch und von groster Willensstärke, so hatte sie die Mühen des doppelten Umzuges gut überstanden. Wir haben damals noch