78 Weiterer Ausbau. eine wissenschaftliche Arbeit musste sich nun darauf richten, (F A ^die gewonnenen grundlagen näher auszubauen; dies sollte zunächst in einem Buch „OerKampfum einen geistigen Lebens inhalt" geschehen. Ich empfand, über die Religion hinaus, stark die Unwahrhaftigkeit des gegenwärtigen Lebens, das den Schein einer geisiigkeit trug, in Wahrheit aber an erster Stelle von mate riellen Zielen beherrscht wurde. Oie von mir dargebotenen Unter suchungen mustten dem konventionellen und offiziellen Idealismus schroff widersprechen, denn sie behandelten viel zu sehr die Probleme als im Tlust, und sie verlangten viel zu eingreifende Umwand lungen, um denjenigen zu gefallen, denen alles fest und fertig dünkte. Jene Schrift enthielt einen einfachen Qufbau. Sie bot in einem aufsteigenden Teil drei Stufen der Bewegung: den Kampf um eine Selbständigkeit des geisteslebens, den Kampf um einen Lharakter des Zeisteslebens, den Kampf um eine Welt macht des geisteslebens. Oer absteigende Teil gab ein gesamtbild im Uerhültnis zur Zeit, er behandelte dann die einzelnen Haupt gebiete. Vurch das ganze ging die Forderung, das zur llufrecht- erhaltung des geistigen Lebensprozeffes Notwendige deutlich heraus zuarbeiten. Vas Luch (1896) hat zunächst einen begrenzten Kreis von freunden gefunden, aber diesen ist es nach ihren Witteilungen ein Halt und eine Treude gewesen; dann ist es immer mehr auch zu anderen Kreisen vorgedrungen; ich hoffe, in der bevorstehenden vierten Auflage noch kräftiger auf die Zeit wirken zu können. £s wär und es ist mir völlig klar, dast nur die Lrringung eines geistigen Lebensinhaltes die Menschheit vor einem inneren Zerfall behüten kann! sie must entweder steigen oder sinken, ein Beharren beim gegenwärtigen Stande ist unmöglich. Dann aber war mein Hauptaugenmerk auf das Problem der Keligion gerichtet, das mich ja von frühester Jugendzeit an be schäftigte. Ls war die starke Lmpfindung der Unwahrhaftigkeit der gegenwärtigen Lage der Keligion, welche mich zu dem Titel „Oer Wahrheitsgehalt der Keligion" wie zu einer Selbstverständ lichkeit zwang. Ls galt, den unvergänglichen Kern der Keligion von dem zeitlichen gewande zu befreien und ihn in möglichster Ursprünglichkeit herauszustellen. Diese Umwandlung mustte dabei weit tiefer gehen, als gewöhnlich gefordert wird, auch eine klare Auseinandersetzung mit dem geschichtlichen Christentum war un umgänglich; ich möchte meinen, dast keine meiner Schriften mehr aus meinem eignen Leben hervorgegangen ist; eine eigentliche Keligionsphilofophie zu liefern, lag mir dabei fern, mir lag alles an einer Konzentration auf die entscheidenden Hauptpunkte.