— 4 — Die Sozialisierung setzt voraus, daß ein Wirtschaftsplan durch irgendeine entscheidende Zentralstelle verwirklicht wird. Eine solche Verwaltungswirtschaft muß nicht sozialistischer Natur sein, sie kann z. B. einer bevorrechteten Menschengruppe günstigere Lebenslagen sichern; in Sparta sicherte eine Art Verwaltungswirtschaft den Spartiaten die Arbeitserträge der Heloten. Sie muß auch nicht unbedingt in der Hand des Staates liegen; der Ausdruck Verwal tungswirtschaft ist daher mit dem Ausdruck Staatssozialismus nicht bedeutungsgleich. Einen Sozialisten nennen wir den, der für eine Verwal tungswirtschaft mit s o zia 1 i s t i s ch e r V e rt e il u ng eintritt, das heißt: einer Verteilung, welche nach allgemein gültigen Grundsätzen unter Berücksichtigung persönlicher Leistun gen und persönlicher Eigentümlichkeiten, wie Alter, Ge schlecht, Gesundheitszustand usw. erfolgt, aber keine Gruppenvorrechte, keine Vorrechte der Geburt, des Standes, des Erbrechtes usw. kennt. Die Lebenslagen der Einzelnen können innerhalb einer sozialistischen Ordnung grundsätzlich sehr erhebliche Unterschiede aufweisen, so könnten zum Beispiel gewisse gesellschaftlich erwünschte Höchst leistungen besonders prämiiert werden. Von einer vollständigen Verwirklichung des Sozialismus kann man im allgemeinen aber erst dann sprechen, wenn sowohl die sozialistische Verteilung, als auch die planmäßige Verwaltung der Produktion durch die Gesellschaft erfolgt. Daß der Sprachgebrauch in dieser Hinsicht freier ist, zeigt aber etwa die Bezeichnung: soziali stische Monarchie. Sie erscheint gegeben, wenn ein Monarch die sozialistische Wirtschaftsordnung auf Grund seiner absoluten Gewalt verwirklicht. So könnte auch die planmäßige Produktion und Vertei lung nach allgemein gültigen Grundsätzen durch ein Zusammenwirken von Industrieverbänden, Agrarverbänden, Konsumen tenverbänden usw. erfolgen. Wenn dagegen die Gesellschaft durch eine entsprechend gewählte Volksvertretung Produktion und Verbrauch zentralistisch und in gewissem Sinne bürokratisch regelt, dann ist eine sozialdemokratische Lebens Ordnung gegeben. Es kann aber auch an die Stelle der demokratisch gewählten Volks vertretung mit ihrem Verwaltungsapparat unter Umständen das poli tischen Zwecken dienende Rätesystem treten; übereinandergestaf felte Räte als Leiter der Produktion, die sich schließlich zu einem Rat der Räte zusammenschließen, sollen gewissermaßen die Bürokratie an allen Stellen durch Vertretungskörper ersetzen. Daß die Arbeiter jedes