10 würden. Die Bedeutung, die Durchführbarkeit jeder Einzelmaßnahme würde aus der Betrachtung des Ganzen ersichtlich werden. Um den dann schließlich von der Volksvertretung gewählten Plan durchführen zu können, muß jeder deutsche Freistaat ein Zentral- wirtschaftsamt besitzen. Es genügt nicht, die Wasser wirtschaft, die Kohlenwirtschaft, die Ernährungswirtschaft usw. zu zen tralisieren. Es muß in jedem Staatswesen eine Stelle vorhanden sein, welche die gleichzeitigen Verände rungen, die Zusammenhänge zwischen den verschie denen Gebieten in jedem Augenblick im Auge hat, um gegebenenfalls eingreifen zu können. Selbstverständ lich müßte jedes Zentralwirtschaftsamt eine Abteilung für Reichsfragen besitzen, die ihrerseits mit der Reichszentrale in Verbindung zu stehen hätte. Kompetenzfragen und ihre politischen und gesellschaftstechni schen Folgen bleiben hier unerörtert. Vor einer Zersplitterung der kommenden Verwaltungswirtschaft kann nicht nachdrücklich genug gewarnt werden. Die Kriegswirt schaft zeigt uns am besten, welchen ungeheuren Umfang staatliche Eingriffe annehmen können, ohne daß es zu einem wirklich umfassenden Gesamtplan kommen müßte. Nicht einmal das Preissystem wurde als Ganzes voll erfaßt. Fehlte es an Zucker, so erhöhte man wohl die Rübenpreise, ohne die zahllosen Nebenwirkungen ausreichend zu be achten, die eine solche vereinzelte Preisveränderung ausübt. Fragen wir uns nun, wie man die Ergebnisse solcher Wirtschafts pläne verwenden kann. Sie geben vor allem eine uns bisher unbe kannte schematisierende Übersicht über den Wirtschaftsablauf, zwingen unser Denken, die Geldrechnung abzutun und uns mit der Natural rechnung zu beschäftigen, Produktion und Verbrauch werden einander näher gerückt, Dinge und Menschen treten uns plastischer gegenüber. Die Verschleierungen, welche durch „Valuta“, „Devisenkurse“, „Kon junktur“, „Depression“ usw. erzeugt werden, sind plötzlich beseitigt. Alles wird durchsichtig und beherrschbar. Auf Grund des Wirtschaftsplanes gestalten sich alle Verhand lungen über Arbeitslohn und Arbeitszeit völlig anders als bisher. Besäßen wir eine Naturalrechnungszentrale, so könnte man in großen Zügen Wirtschaftspläne für den 7-, 8- und Qstündigen Arbeits tag entwerfen und nun fragen, ob längere Freizeit und Konsumzeit und kleinere Warenmenge oder kürzere Konsumzeit und größere Waren menge innerhalb bestimmter Grenzen vorzuziehen ist. Während die überlieferte Ordnung den Achtstundentag nur als Mittel zur Leistungs-