12 Man kann aber nur dann über den Naturallohn der Arbeiter ver handeln, wenn man ihn auszuzahlen vermag. Dazu bedarf es um fassender Maßnahmen; die Verteilungsorganisationen des Krieges, dürften für diese Zwecke kaum ausreichen. Es bedarf einer weit gehenderen Verknüpfung der einzelnen Wirtschaftsglieder. Um auf diesem Gebiete die Sozialisierung vorbereiten und eine planmäßige Versorgung Aller einleiten zu können, wäre im Augenblick die Schaf fung großer Industrie- oder Bankkonzerne erwägenswert, welche die Versorgung der Arbeiterschaft unter deren Kontrolle in die Hand zu nehmen hätten; ihre spätere Eingliederung in die sozialistische Wirt schaft bleibe hier unerörtert. Es kam bereits während des Krieges mehrfach vor, daß große Werke mit Landgebieten Pacht- oder Liefe rungsverträge abschlossen oder sogar Landgüter kauften, um Lebens mittel für ihre Arbeiter zu erlangen. Wir können uns ohne Schwierig keiten vorstellen, daß ein solcher Industrie- oder Bankkonzern, welcher für die Arbeiter nunmehr Lebensmittel in ähnlicher Weise besorgt, wie er sonst Rohstoffe für eine Industrie beschafft, alles anwenden wird, um die landwirtschaftliche Produktion und den Import zu steigern. So würde z. B. ein solcher Konzern langfristige Investitionskredite ge währen und für Meliorationen aller Art Sorge tragen. Selbstverständ lich würde auf diese Weise eine unmittelbare Interessengemeinschaft zwischen Industrie und Landwirtschaft entstehen, der ähnlich, welche innerhalb eines gemischten Werkes zwischen Gruben, Hüttenwerken und den verarbeitenden Betrieben besteht. Es würde schließlich wohl dazu kommen, daß die Industrie, bzw. der Bankkonzern, gleichzeitig landwirtschaftliche, bergbauliche und industrielle Geschäfte betreibt. Selbstverständlich würde die Industrie ihre Produkte der mit ihr ver knüpften Landwirtschaft zuführen und so zum Teil eine Art Natural- tausch ermöglichen. Ein solcher Naturaltausch würde insbesondere dann an Bedeutung gewinnen, wenn Anbauprämien in Form von Industrieprodukten gewährt würden und überhaupt die Versorgung der Landwirte mit Industrieprodukten möglichst einheitlich und über sichtlich erfolgte. In welchem Ausmaß der Staat in diese Organisationen eingreift, hängt von dem Verhalten der in Frage kommenden Verbände ab. Jedenfalls kann unter Heranziehung der landwirtschaftlichen Genossen schaften und sonstiger Organisationen durch eine solche Maßnahme 'die Sozialisierung der Qesamtwirtschaft ein gut Stück vorwärts ge bracht werden. In welcher Weise man die früher selbständigen Unter nehmer entlohnt, welche nunmehr als Beauftragte der Gesamtheit vor-