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        <title>Wesen und Weg der Sozialisierung</title>
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            <forname>Otto</forname>
            <surname>Neurath</surname>
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      <div>—  17

schied  ein  Feldherr  auf  Grund  irgendwelcher  „Kriegseinheiten“,  wohin ­
  er  seine  Kanonen,  seine  Trains,  seine  Soldaten  dirigieren  solle?
Entschied  er  auf  Grund  irgendwelcher  „Schießeinheiten“,  welche
Mengen  an  Granaten,  Minen,  Kleinmunition  usw.  er  auf  bestimmte
Punkte  schleudern  solle?  Wir  werden  eben  Erzeugung  und  Verbrauch, ­
  die  Verteilung  von  Wohnung,  Nahrung,  Kleidung,  Bildung,
Arbeit  und  Mühsal  usw.  in  ähnlicher  Weise  durch  unmittelbare  Betrachtung ­
  der  verschiedenen  Möglichkeiten  zu  bestimmen  haben.  Wer
davor  zurückschreckt,  möge  seine  Hände  von  der  Sozialisierung  lassen.
Es  ist  kindlich,  zu  glauben,  man  könne  eine  der  gewaltigsten  Umgestaltungen ­
  aller  Zeiten  durchführen  helfen,  ohne  mit  der  Überlieferung ­
  in  entscheidenden  Punkten  zu  brechen.
Ebenso,  wie  w r ir  den  Wirtschaftsplan  als  Ersatz  für  einen
„Wirtschaftlichkeitsanzeiger“  einführen,  müssen  wir  auch  einen  „Anreizersatz“ ­
  schaffen.  An  die  Stelle  des  Reingewinns  muß  die  Prämie
für  erhöhte  Leistung  treten.  Daß  es  nicht  leicht  fällt,  die
Leistung  leitender  Persönlichkeiten  entsprechend  zu  beurteilen  und  zu
belohnen,  unterliegt  keinem  Zweifel.  Die  ausschlaggebenden  Menschen
wirken  auch  im  allgemeinen  nicht  ausschließlich  um  solchen  Erfolges
willen,  wohl  aber  ein  großer  Teil  der  Betriebsleiter.  Es  muß  die
Methodik  der  modernen  Betriebslehre  auch  auf  diese  Gebiete  zur
Anwendung  kommen.  Was  die  Rationalisierung  der  Arbeit  innerhalb
eines  Einzelbetriebs  leistet,  das  wird  sie  eben  auch  innerhalb  des
Riesenbetriebes  „Volkswirtschaft“  zu  leisten  haben.  Technisch
  im  einzelnen  beurteilbare  Erfolge  werden  entsprechend  belohnt
werden.  Der  Leiter  eines  Betriebes  innerhalb  einer  sozialisierten  Wirtschaft ­
  würde  aber  nicht  nur  Prämien  dafür  bekommen,  daß  er  viel
erzeugt  und  die  Rohstoffe  sparsam  verwendet,  sondern  auch  dafür,  daß
er  Arbeitsverhältnisse  verbessert,  die  Krankheitsziffer  der  Arbeiter
herabdrückt  usw.
Diese  Gestaltungsform  fügt  sich  der  Sozialisierung  aufs  beste  ein,
welche  vor  allem  auch  als  Technisierung  aufzufassen  ist.  Techniker, ­
  Ärzte  und  Volkswirte  werden  in  gemeinsamer  Arbeit
durch  unmittelbare  Verwendung  aller  Errungenschaften  der  Technik,
der  Medizin  und  der  gesellschaftlichen  Organisation  das  Glück  aller
zu  fördern  haben.  Wenn  einmal  die  freie  Verkehrswirtschaft  gebrochen ­
  und  die  sozialisierte  Wirtschaft  an  ihre  Stelle  getreten  ist,
dann  bedeutet  die  Durchführung  des  Taylorsystems,  die  allgemeine
Einführung  der  wissenschaftlichen  Betriebsführung,  nicht  mehr,  wie
bisher,  Bedrückung  der  Arbeiterschaft,  nicht  möglicherweise  Massen ­</div>
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