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        <title>Wesen und Weg der Sozialisierung</title>
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            <forname>Otto</forname>
            <surname>Neurath</surname>
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einflussen  könnte,  müßte  im  einzelnen  erörtert  werden,  innerhalb  des
Rahmens  eines  grundlegenden  gesellschaftstechnischen  Gutachtens  möge
das  Gesagte  genügen.
Zum  Schluß  muß  noch  einiges  über  die  Durchführbarkeit  der
Sozialisierung  bemerkt  werden,  weil  gerade  über  diesen  Punkt  die
sonderbarsten  Anschauungen  und  Gerüchte  bestehen.  Die  oben  angedeuteten ­
  Maßnahmen  lassen  sich  im  allgemeinen  sofort  in  Angriff ­
  nehmen,  und  was  noch  bedeutsamer  ist,  sie  lassen  sich  bereits
innerhalb  eines  einzelnen  Staates  durchführen,  es
bedarf  nicht  einer  Sozialisierung  der  Weltwirtschaft.  Während  in  der
freien  Konkurrenz  die  Arbeitsbedingungen  jedes  Staates  wesentlich
von  den  Arbeitsbedingungen  des  Konkurrenzstaates  abhingen,  hat  es
die  sozialisierte  Wirtschaft  in  der  Hand,  die  Produktionslasten  in
mannigfachster  Weise  auf  die  Gesamtheit  ihrer  Mitglieder  zu  verteilen. ­
  Der  Staat  tritt  wie  ein  einziger  großer  Trust  allen  anderen
Staaten  gegenüber  und  regelt  die  Arbeits-  und  Produktionsbedingungen
als  innere  Angelegenheit.  Er  kann  z.  B.  den  Export  durch  erhöhte
Sparsamkeit  seiner  Bewohner  ermöglichen.
Im  augenblicklichen  Zeitpunkt  sind  die  internationalen ­
  Verhältnisse  einer  Sozialisierung  ganz
besonders  günstig,  weil  der  Krieg  die  Rechte  fremder  Staaten
und  Unternehmer  an  unseren  Betrieben  so  gut  wie  ganz  beseitigt  hat,
es  sich  also  fast  ausschließlich  um  eine  Auseinandersetzung  zwischen
Volksgenossen  handelt.  Es  ist  kaum  anzunehmen,  daß  eine  so
günstige  Gelegenheit  je  wieder  kommt.
Es  ist  ärmlich,  die  Sozialisierung  mit  dem  Argument  zu  bekämpfen, ­
  die  Entente  werde  die  vergesellschafteten
Betriebe  beschlagnahmen.  Wenn  die  Entente  irgend  einen
Betrieb  ernstlich  beschlagnahmen  will,  fragt  sie  nicht  darnach,  ob  er
privater  oder  staatlicher  Besitz  ist.  Oder  hat  vielleicht  die  Entente
danach  gefragt,  wem  die  landwirtschaftlichen  Maschinen  gehören,  die
man  ihr  abliefern  muß?  Und  glaubt  man  wirklich,  daß  solche  Tagesargumente ­
  in  die  Wagschale  fallen,  wenn  es  darum  geht,  die  Forderungen ­
  gewaltiger  Volksmassen  zu  befriedigen,  wenn  es  darum  geht,.
Krisen,  Elend,  Sorge  auf  Jahrhunderte  hinaus  zu  beseitigen?
Auch  das  oft  gehörte  Argument,  der  Auslandskredit  werde
Einzelnen  leichter  als  dem  Staate  gewährt,  ist  nicht  allzu  kräftig.  Er
gilt  nur  für  die  Periode  der  Unsicherheit  und  Unruhe.  Wenn  einmal
die  Sozialisierung  in  größtem  Stil  im  Gange  ist,  dann  verliert  der  Einzelne ­
  seine  Kreditfähigkeit,  während  die  des  Staates  wächst.  Wen</div>
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