3 deckten, oder wenn ein unteilbares Gut gegen verschiedenartige Güter aus getauscht werden sollte. Daher tauschte man schließlich die Gegenstände nicht mehr unmittelbar, sondern schätzte ihren Wert nach einem drit ten Gute, das sich allgemeiner Beliebtheit erfreute und von jedem, auch wenn ein unmittelbares Bedürfnis danach nicht vorhanden war, gern an genommen wurde. Die gewohnheitsmäßige Verwendung irgendeiner Ware als allgemeinesTausch mittel macht sie zum „Geld". Unser deutsches Wort „Geld" ist das Verbalsubstantiv von „gelten", bedeutet nichts anderes als „Entgelt für Empfangenes". Das Geld dient als Wertmesser, es ist der „gemeinsame Nenner" für alle Waren, die Recheneinheit, in der alle Waren ausgedrückt werden. Der unmittelbare Güteraustausch wird durch die Anwendung eines allgemeinen Tauschmittels in einen mittelbaren Tausch oder Kauf (Ware—Geld—Ware) verwandelt. 2. Waren- und Metallgeld Die Form, in der das Geld zuerst auftrat, war das W a r e n g e l d. Bei Völkern, deren Hauptreichtum in großen Viehherden bestand, dient das Vieh diesem Zweck. So bei den Römern, wie aus der Etymologie des lateinischen pecunia (Geld), abgeleitet von pecus (Vieh), hervorgeht. Seine Eigenschaft als Wertmesser bringt deutlich folgende Stelle der „Ilias" zum Ausdruck: „Erst dem Sieger ein groß dreifüßig Geschirr auf dem Feuer, welches zwölf Rinder bei sich die Danaer schätzten, doch dem Besiegten ein blühend Weib, vier Rinder an Werte." An einer anderen Stelle bei Homer wird gesagt, der Harnisch des Diomedes habe den Wert von neun, der des Glaukos von hundert Ochsen gehabt. Bei der Ackerbau treibenden Bevölkerung waren meistens Früchte und Getreide, bei Völkern, die häufig mit ihren Nachbarn Krieg führten, Waffen und Kriegs gefangene (Sklaven) Wertmesser und Zahlungsmittel. Auch in der Gegenwart besteht bei primitiven Völkern noch das Waren geld. Die Kaurimuschel, d. i. das Gehäuse einer kleinen Porzellan schnecke, die in den ältesten Zeiten in Afrika Wertmesser war, vertritt heute noch im Nigergebiete die Scheidemünze. T e e z i e g e l sind noch heute Geld bei den Bewohnern von Hochasien, Salz tafeln und Datteln bei mehreren anderen in der Kultur zurückgebliebenen Völkern.