103 Tempel und Heiligtümer, insbesondere die von Delphi und Ephe sos, galten als die sichersten und zuverlässigsten Aufbewahrungs orte für Geld und Wertgegenstände. Unter der Schwelle des Gottes hauses oder in dazu besonders eingerichteten Räumen innerhalb des Tempelhofes wurden die Schätze aufbewahrt und von den Priestern und den Schatzmeistern bewacht. Doch nicht immer wurde die Heiligkeit des Altars geachtet. Während des Phokischen Krieges (355—346 v. Chr.) fanden bereits Beraubungen der Tempel statt. Als ziemlich sicher erwiesen gilt es nach neueren Forschungen auch, daß H e r o st r a t den berühmten Dianatempel zu Ephesos nicht deswegen in Brand gesteckt hat, um seinen Namen für alle Zeiten unsterblich zu machen, sondern um durch die Brand stiftung einen vorher von ihm begangenen Tempelraub zu verbergen. Große Konkurrenten dieser Heiligtümer waren die Trapeziten — der Name ist abzuleiten von rgäne^a der Tisch —, die im 4. Jahr hundert v. Chr. zum erstenmal in Hellas erwähnt werden. Ihr Haupt geschäft bestand in der Annahme von Depositengeldern und in der Zahlungsvermittlung. Die Bankiers, die Geld — häufig gegen hohe Zinsen (12—14%) — ausliehen, wurden tSaraoral, diejenigen, die das Wechseln in fremde Münzen besorgten, dgyvQauoißot genannt. Die Funktionen, die in Griechenland die Trapeziten ausübten, ver sahen im alten Nom die argoutarii, von denen wir zum erstenmal im 2. Jahrhundert v. Chr. Kunde erhalten. Ihre Hauptgeschäfte bestanden im Ankauf und Verkauf fremder Geldsorten, in der Annahme von Geldern zur Aufbewahrung und in der Gewährung von Darlehen gegen Unter pfand. Ihre Lüden hatten die römischen Bankiers am Forum. Hieraus er klären sich auch die lateinischen Bezeichnungen für fallieren: „foro cedere“ oder „a foro fugere“. Bis zur Zeit der Völkerwanderung nahm das römische Bankwesen eine gedeihliche Entwicklung. Von da ab ging es rückwärts. Bis zur Zeit der Kreuzzüge war der Bankier ausschließlich Geldwechsler. 2. Das Bankwesen im mittelalterlichen Italien Die Zersplitterung des Münzwesens und die recht häufig vorkom menden Einziehungen von Geldstücken behufs Umprägung in leichtere, schlechtere Münzen ließen ein neues Gewerbe aufkommen, das M ü n z -