133 Den in der Inflationszeit ins Leben gerufenen Spezialbanken war nur ein kurzes Dasein beschieden. In der Hauptsache handelte es sich um Zusammen schlüsse zur Erzielung gemeinschaftlicher Haftung für Kredite bestimmter Gruppen. Großindustrielle und industrielle Konzerne haben mitunter ihre eigene Hausbank, so die I. G. Farbenindustrie AG. die Deutsche Länder bank AG. Weitere Hausbanken sind die August Thyssen Bank AG., die Kali Bank AG., die Giesche Bank AG. usw. Wie die deutsche Industrie in ihrer fortschreitenden Vertrustung Riesen organismen schuf, so haben auch die Banken, um leistungskräftig und widerstandsfähig zu sein, ihr Kapital vereint (fusioniert), oder sie haben „Interessengemeinschaften" geschlossen, d. h. eine wechselseitige Förderung vereinbart, ohne auf ihre wirtschaftliche und rechtliche Selbständigkeit zu verzichten. Als Grund der Verschmelzung wird oft die Ersparung von Arbeit und Kapital angegeben. Durch Vereinfachung der Arbeitsmethode und zweckmäßigerer Nutzbar machung der vorhandenen Arbeitskräfte kann erheblich an Unkosten gespart wer den, insbesondere auch durch Zusammenlegung von Filialen der fusionierten Banken. An vielen Plätzen bestand keine wirtschaftliche Notwendigkeit, eine weitere Großbankfiliale zu errichten. Nur des Prestiges wegen geschah es, und daher arbeiteten solche Filialen oft mit Verlust. Die Interessengemeinschaft stellt einen stärkeren oder schwächeren Grad der Jnteressenverknüpfung dar. Bei der Fusion geht eine Gesell schaft in die andere auf und damit unter, während bei der Interessen gemeinschaft beide Unternehmungen als selbständige Rechtssubjekte fort bestehen. Auch partielle Verschmelzungen kommen vor: Nur bestimmte Abteilungen zweier Banken werden verschmolzen. Bei der Fusion erhält dasmeue Gebilde in der Regel einen Namen, der auf die miteinander verbundenen Institute hinweist, z. B.: Deutsche Bank und Dis- conto-Gesellschaft. Die Commerz- und Discontobank nannte sich nach Vereini gung mit der Mitteldeutschen Privatbank: Commerz- und Privat-Bank. Die Interessengemeinschaft wird auf eine Reihe von Jahren abgeschlossen, kann aber innerhalb dieser Frist nach einer vereinbarten Zeit gekündigt werden. Fassen wir zusammen: Die Entwicklung der Kapital, und Machtkon- zentration im deutschen Bankwesen vollzog sich: A. Auf direktem Wege: 1. durch Kapitalserhöhungen, die vor allem erforderlich waren, um 3) S. H. Comprix, Die Arbeitnehmerbanken. Halberstadt 1929. W. Schlick, Die Beamtenbanken, Karlsruhe 1936. W. Schätz, Die Banken der Beamten, Arbeiter und Angestellten in Deutschland. Stuttgart 1932.