518 mehrere Länder gleichzeitig an der Strippe: Er telephoniert z. B. mit Amsterdam, ein anderer Devisenhändler derselben Bank in der durch ein Schiebefenster verbundenen Nachbarzelle gleichzeitig mit Brüssel; der Brüsseler Geschäftsfreund ist vielleicht gleichzeitig mit Paris, und Paris ist mit London verbunden. So ergeben sich oft eine Menge gewinnver sprechender Möglichkeiten, die augenblicklich aber infolge der in den meisten Ländern bestehenden Devisenbewirtschaftung stark eingeschränkt sind. Über die volkswirtschaftliche Bedeutung der Arbitrage sagte Di. von Sie mens 1892 im Reichstage: Stellen Sie sich eine große Wassermasse vor; wenn an einem Punkte eine Verschiebung oder Versenkung eintritt, so strömt das Wasser dahin, um sich dort, wo die Lücke ist, eine Unterkunft zu suchen und das Gleichmaß der Fläche wieder herzustellen. Die Arbitrage ist weiter nichts als diejenige Operation, welche versucht, dieses Gleichgewicht der öko nomischen Bewegung und der Geldverhältnisse der verschiedenen Staaten auf rechtzuerhalten. Es kommen so und so viele Fälle vor, wo die Zahlungs bilanz eines Volkes sich gegenüber seinem Nachbar verschiebt: wir müffen zu bestimmten Zeiten Getreide kaufen und bezahlen; wir haben nicht gleich die Möglichkeit, dies durch Fabrikate auszugleichen; da treten andere Dinge ein; Geld kann man nicht nehmen, weil das Metall zum Export zu teuer ist; man nimmt Effekten, d. h. verzinsliche Geldwerte." X. Die wichtigsten Effektenbörsen des Auslandes l ) Sind schon, bedingt durch die Höhe der Umsätze, die Börsen desselben Landes verschieden organisiert, so bestehen große Unterschiede iw Aufbau der einzelnen Weltbörsen. Jede Effektenbörse ist ein besonders geartetes Gebilde. An den meisten ausländischen Börsen findet Kasia- und Terminhandel statt. In New Jork jedoch gibt es nur das Kassageschäft; in London überwiegt der Terminhandel; in Wien bietet das Arrangement-Geschäft Ersatz für den Terminhandel. I. Die Wiener Börse Durch kaiserliches Patent vom 1. August 1771 wurde in Wien die Errichtung einer Geldbörse angeordnet. Ihre Leitung erfolgte durch Organe der Reg^' rung. Für Aufrechterhaltung der Ordnung hatten ebenfalls Staatsbeamte 5 U sorgen, die k. k. Börsenkommisiare. 1875 erhielt die Wiener Börse eine autw Z S. Gerhard Schachner, Handbuch der Weltbörsen. Stuttgart I 931 ' H. Blume r, Die Organisation der wichtigsten Effektenbörsen des Auslandes, Schweizerische Handelswissenschaftliche Zeitschrift. XXVII, 1. Plutus-Briefe. X,