26 1,2. Lrwerbswirtschaft und Konsumgenossenschaft Die Entfaltung derkonsumgenossenschaftlichen Produktionsweise bei der Befriedigung des Wohnungsbedürfnisses ist also teilweise ein künstliches Gewächs. Ähnlich steht es bei manchen Zweigen des klein- gewerblichen Genossenschaftswesens, die ja ebenfalls unter den Be griff der konsumgenossenschaftlichen Produktionsweise im weiteren Sinne des Worts gebracht werden können, auf deren Entwicklung hier aber nicht im einzelnen eingegangen werden soll. Bus das erneute Vordringen der konsumgenossenschaftlichen Pro duktionsweise in der Gegenwart sind nun von manchen Seiten, und zwar teilweise auch von Vertretern der Wissenschaft, schon die kühn sten Hoffnungen gesetzt worden. Die klonsumvereine sollen, so hofft man, der archimedische Punkt werden, von dem aus es gelingt, die gegenwärtige Produktionsweise aus den Angeln zu heben. Man er blickt in manchen Lagern in den Konsumvereinen so etwas wie apokalyptische Reiter, die den Untergang der sündigen kapitalisti schen Welt ankündigen. Durch ihre Ausbreitung soll der Kapitalis mus von innen heraus ausgehöhlt werden. Auf friedlichem Wege und ohne allzu merkbare Veränderungen werde man mit ihrer Hilfe in eine Art sozialistischer Organisation hineingelangen. Gegen eine solche Entwicklung wäre nun an sich kaum etwas ein zuwenden, allein, so müssen wir fragen, berechtigt die bisherige Ausdehnung der konsumgenossenschaftlichen Produktionsweise wirk lich zu solchen Erwartungen? Wenn man den richtigen Maßstab zur Beurteilung der Bedeutung der konsumgenossenschaftlichen Pro duktionsweise im Wirtschaftsleben der Gegenwart gewinnen will, so darf man nicht die großen Mitgliederzahlen der Konsumvereine aufmarschieren lassen, sondern man muß ermitteln, welchen Bruch teil von der Gesamtzahl der gewerbtätigen Personen eines Landes die in Konsumvereinsbetrieben beschäftigten Personen ausmachen. Legt man diesen Maßstab an, so kommt man für die volkswirtschaft liche Bedeutung des Genossenschaftswesens zu einem außerordent lich bescheidenen Ergebnis, von der Gesamtzahl der gewerbtätigen Personen entfielen nach der gewerblichen Betriebszählung von 1895