70 I, 4. Der Sozialismus so wird ihm gar nichts anderes übrigbleiben, als in die Freiheit des Konsums oder in die Freiheit der Arbeit, wahrscheinlich aber in beide, tiefe Eingriffe zu machen. Die Aufrechterhaltung der vom Kollektivismus zur gerechten Entlohnung aller Arbeitsarten auf gestellten Skala ist auf jeden Fall mit der Freiheit des Konsums und der Freiheit der Arbeit auf die Dauer unvereinbar?!-) Vieser Satz ist ebenso sicher und zwingend wie der mathematische Satz, daß die Summe der Winkel in einem Dreieck nicht größer als 180° sein kann, und daß daher, wenn die Größe zweier Winkel ge geben ist, damit auch schon über die Größe des dritten bestimmt ist. So gern die Leiter des kollektivistischen Staats vielleicht auch an der freien Bedarfsbildung festhalten möchten, so wird ihnen unter diesen Umständen bald keine Wahl mehr bleiben. Die Unmöglich keit, die Linkommensordnung der kollektivistischen Gesellschaft sonst durchzuführen, und ebenso die Gefahr des Eintritts von Massen arbeitslosigkeit, die mit jedem System freier Bedarfsdeckung untrenn bar verknüpft bleibt, wird gebieterisch zu Eingriffen in die Frei heit des Konsums und notgedrungen weiter auch in die Freiheit der Arbeit drängen. weiter aber wird dem kollektivistischen Staat kaum das Schicksal erspart bleiben, daß auch seine Linkommensordnung selbst Anfech tungen erfährt und sich auf die Dauer nicht behaupten kann, weil sie den Forderungen der sozialen Gerechtigkeit sehr bald als nicht mehr entsprechend empfunden werden wird. Diese Linkommens ordnung kann, wie richtig bemerkt worden ist, ihre Abstammung aus der liberalen Gedankenwelt nicht verleugnen; der mit sozialem Stilgefühl Ausgestattete wird sie sofort empsinden. Aus der Ge dankenwelt des eigentlichen Sozialismus werden sich daher sehr bald folgende Zweifel und Fragen gegen sie erheben, die hasbach vor trefflich formuliert hat"): „wer wertvollere Arbeit verrichtet, soll 15) Den genaueren Nachweis hierfür siehe bei Tasfel, Das Recht auf den vollen Arbeitsertrag, 190V, §. 60/61. 16) w. Dasbach, Die moderne Demokratie, 1912, S. 379.