72 1,4. Der Sozialismus mutz, kein 3ufdl. 17 ) Alles, was die Vertreter des wissenschaftlichen Sozialismus des letzten Jahrhunderts über die Möglichkeiten eines so- • zialistischen Zukunftsstaats mit weitgehenden wirtschaftlichen Frei heitsrechten gesagt haben und was ihnen von manchen wenig kri tischen bürgerlichen Nationalökonomen geglaubt worden ist, das ganze lockende Bild von der Möglichkeit einer Versöhnung, einer Vereinigung zwischen Individualismus und Sozialismus, beruht auf einer großen Selbsttäuschung. Ls gibt nur eine einzige Form des Sozialismus, die wirklich möglich ist — unter welchen Umständen freilich sie einzig und allein möglich ist, davon wird nachher noch die Rede sein —, das ist der Rommunismus. Die wissenschaftlichen Sozialisten, die den Kommunismus als Utopie verspottet und an einen sozialistischen Zukunftsstaat geglaubt haben, der von dem harten Zwang des Kommunismus sich freihalten könne, sind in ihrem Glauben an eine unmögliche Gesellschaftsordnung im Grunde viel größere Utopisten als die ehrlich und folgerichtig zu allgemei nem Arbeitszwang, allgemeiner Zwangsregelung des Konsums usw. sich bekennenden Anhänger des Kommunismus. In der Tatsache, daß der Sozialismus, sobald man ihn zu Ende denkt, notwendig zum Kommunismus führt, steckt auch der Schlüssel dafür, weshalb der wissenschaftliche Sozialismus sich so hartnäckig gesträubt hat, ein Bild seines Zukunftsstaats zu entwerfen. Die Vertreter dieser Richtung hatten instinktiv das richtige Gefühl: So bald wir versuchen, die Einrichtungen unseres Zukunftsstaats zu schildern, kommen wir an Einrichtungen kommunistischer Natur nicht vorbei. Die breite Angriffsfläche, die der Kommunismus der Kritik 17) Oie einzelnen Richtungen, die sich innerhalb der ehemaligen Sozial demokratie entwickelt haben und die sich ja wesentlich mit durch ihre ver schiedene Stellung zum Kommunismus voneinander unterscheiden, näher zu charakterisieren, gehört nicht zu den Aufgaben dieser Darstellung, deren Ziel eine prinzipielle Auseinandersetzung mit dem Kommunismus selbst ist. Über die verschiedenen politischen Richtungen, die sich innerhalb des Sozialismus in der letzten Zeit gebildet haben, vgl. Sombart, Sozialismus und soziale Bewegung, 7. Aufl., S. 304ff. «