<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Kapitalismus und Sozialismus</title>
        <author>
          <persName>
            <forname>Ludwig</forname>
            <surname>Pohle</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
      <publicationStmt />
      <sourceDesc>
        <bibl>
          <msIdentifier>
            <idno>101266578X</idno>
          </msIdentifier>
        </bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
  </teiHeader>
  <text>
    <body>
      <div>118 
II, 2. Oie Arbeitslosigkeit 
daß cs wirtschaftlich unmöglich ist, eine so große Arbeiterzahl wie 
bisher zu den gestiegenen Löhnen weiter zu beschäftigen. Oie sinken 
den Preise für Kohle, Eisen, Walzwerkserzeugnisse usf. erlauben 
das nicht mehr. 
Vas ist die Situation, aus der heraus die Arbeitslosigkeit in Kri 
senzeiten entsteht. Für die menschliche Arbeitskraft bildet sich dann 
eine ganz ähnliche Lage, wie sie auf den Warenmärkten nicht selten 
zu beobachten ist. Waren sind bekanntlich dann unverkäuflich, wenn 
sich Käufer und Verkäufer nicht über den Preis einigen können, wenn 
der Verkäufer sich nicht zu entschließen vermag, die Ware zu dem 
preis herzugeben, den der Käufer äußerstenfalls für sie noch zu 
zahlen bereit ist. Ebenso wird die Ware Arbeitskraft unverkäuf 
lich oder, was dasselbe besagt, die Arbeiter werden arbeitslos, wenn 
die Behauptung der Lohnsätze auf ihrer bisherigen höhe unmög 
lich wird und die Löhne, welche die Unternehmer etwa gerade noch 
zahlen könnten, wenn die ganze bisher beschäftigte Arbeiterzahl auch 
weiterhin Beschäftigung finden sollte, weit abweichen von den Löh 
nen, welche die Arbeiter als angemessen ansehen. Sn dieser Situa 
tion wird es immer zu Arbeiterentlassungen und zu Arbeitslosig 
keit kommen, vielleicht wäre es möglich, durch eine sofortige starke 
Reduktion der Lohnsätze die Arbeiterentlassungen zu vermeiden. Aber 
der versuch wird regelmäßig gar nicht gemacht. Und er wäre wohl 
auch von vornherein zum Scheitern verurteilt und würde durch 
die Lohnkämpfe, die sich unvermeidlich an ihn anschließen, das in 
dieser Situation ohnehin schon sehr empfindliche Wirtschaftsleben 
nur noch mehr in Verwirrung bringen. 
Aus dem Gesagten erhellt, wie die Arbeitslosigkeit auch in Zu 
sammenhang mit der höhe der Lohnsätze in der Volkswirtschaft 
steht — ein bei der Erörterung der Ursachen der Arbeitslosigkeit be 
zeichnenderweise zumeist ganz mit Stillschweigen übergangener Ge 
sichtspunkt. werden Lohnsätze verlangt, die nicht der wirklichen Lage 
des Arbeitsmarktes entsprechen, oder bewegen sich die Löhne auf einem 
Stande, zu dem es unmöglich ist, das ganze vorhandene Arbeits</div>
    </body>
  </text>
</TEI>
