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        <title>Die südrussische Eisenindustrie</title>
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            <forname>Hugo</forname>
            <surname>Klein</surname>
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        </author>
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            <idno>1012685772</idno>
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        ﻿
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        ﻿
        <pb n="4" />
        ﻿DIE SÜDRUSSISCHE
EISENINDUSTRIE

VON

HUGO KLEIN

S

n

I w

! -

i. !•

VERLAG STAHLEISEN, DÜSSELDORF
1920
        <pb n="5" />
        ﻿
        <pb n="6" />
        ﻿Vorwort.

Die naohfoigende Niederschrift entstand Ende 1918 in Kiew,
während die Truppen des ukrainischen Volksführers Petljura mit
denen des Hetman Skoropadski um den Besitz der Stadt rangen.

Wenn ich heute die Niederschrift der Öffentlichkeit übergebe,
so tue ich dies in dem Glauben, daß das kommende Jahr uns
wieder die Verbindung mit dem südöstlichen Europa bringen wird,
und daß sich dort allmählich Verhältnisse anbahnen werden, die
die Möglichkeit bieten, die natürlichen Reiohtümer des Bodens zu
verwerten.

Rußland hatte in gewaltiger Produktionssteigerung von 1906 bis
zum Jahre 1913 seine Roheisenerzeugung fast verdoppelt. Es stand
an fünfter Stelle der Roheisen herstellenden Länder der Welt und
hätte im Jahre 1915 oder 1916 die französische Roheisenproduktion
überflügelt und damit seinen Platz hinter England eingenommen,
wenn der Krieg und seine Folgen nicht Einhalt geboten hätten!

Der Zweck der Niederschrift war, dem deutschen Berg- und
Hütteningenieur sowie dem deutschen Maschinenbauer, der hoffent-
lich bald wieder seinen Weg nach Südrußland finden wird, eine
Beschreibung dessen zu geben, was an Bodenschätzen im Lande
vorhanden ist und was Menschenhände bisher geschaffen haben, um
die toten Reiohtümer in lebende Werte zu verwandeln.

Einzelne Teile der Niederschrift sind im Jahre 1918 in „Stahl
und Eisen“ von mir veröffentlicht worden.

Für diejenigen Leser, denen die russische Gewichtseinheit nicht
geläufig ist, ist eine Umrechnungstabelle angeheftet.

Will ich (Rhld.', im Dezember 1919.

Der Verfasser.
        <pb n="7" />
        ﻿Inhaltsangabe.

Seite

Die Entwicklung bis zum Kriege...................................... 1

Beschreibung der südrussischen Hüttenwerke............................. 6

Gesamterzeugung der südrussisohen Hüttenwerke i. J. 1913 und 1915 . .	.51

Die südrussische Eisenindustrie während der Revolution.............. 58

Die Zukunft der südrussisohen Eisenindustrie........................... 60

Technische Ausrüstung der südrussisohen Hüttenwerke ................ 71

Arbeiferverhältnisse, Arbeiterfürsorge ................................ 77

Quellen (in russischer Sprache).

Statistische Berichte des Büros der Montanindustriellen. Charkow 1913 u. 1915.
Berichte des Chefs der Bergvervvaltung des Südbezirks 1913 und 1915.
Donez-Anthrazit von Ter Dawidow. Charkow 1915.

Handbuch für die Bergindustriellen Südrusslands. Charkow 1916.

Gesetze über Arbeiterfürsorge. Charkow 1912.

Verordnungen zur Arbeiterfürsorge bei Krankheitsfällen. Moskau 1917.
        <pb n="8" />
        ﻿Die Entwicklung bis zum Kriege.

Anfangs der 90 er Jahre wurde unter dem Ministerium Witte
ein verschärfter Zollsohutz für alle Erzeugnisse des russischen Berg-
baues und der Eisenindustrie eingeführt, und zugleich hiermit er-
folgte die Heranziehung fremdländischen Kapitales zur Errichtung
einer eigenen Industrie im Süden Rußlands. Als Kapitalgeber er-
schienen vorzugsweise Franzosen und Belgier.

Die Möglichkeit zur Schaffung einer großen südrussischen Eisen-
industrie war gegeben, seitdem der Jekaterinoslawer Gutsbesitzer
Alexander Pohl nach jahrelangen Bemühungen Anfang der 80 er
Jahre die Ausbeutung der Krivoi Roger Erzfelder durch die Grün-
dung der „Societe Fran9aise des Mines et Hauts-Fourneaux de Krivoi
Rog“ veranlaßt hatte. Die Mächtigkeit des Erzvorkommens von
Krivoi Rog, der reiche Eisengehalt und das Fehlen jedweder stören-
der Beimengungen in den Erzen ließen die Aussicht auf eine große
südrussische Eisenindustrie im Verein mit dem bekannten Kohlen-
vorkommen des Donezgebietes berechtigt erscheinen.

Die von dem Engländer Hughes in den 70er Jahren im Kohlen-
gebiete errichteten Eisenwerke der „Neurussischen Gesellschaft“,
welche mit örtlichen Brauneisenerzen ein kümmerliches Dasein ge-
fristet hatten, erwarben im Jahre 1885 Erzfelder bei Krivoi Rog.
Im nächsten Jahre wurde durch die belgische Firma John Cockerill
im Verein mit der Societe des Acieries de Varsovie die „Societe
Metallurgique Dnjeprovienne du Midi de la Russie“ gegründet. Dieser
Gründung folgten dann im nächsten Jahrzehnte eine Reihe von
belgischen und französischen und im geringen Maße deutschen Ge-
sellschaften, die den Erzbergbau von Krivoi Rog, den Kohlenbergbau
des Donezbeckens und die Errichtung von gemischten Hüttenwerken
im Jekaterinoslawer und Donezbezirke bezweckten.

Um die Wende des Jahrhunderts stand dann diese neuzeitlich
eingerichtete Eisenindustrie in der Hauptsache fertig da in einem
Lande, in welchem der Bedarf an Eisen und Stahl erst geweckt
werden mußte. Schon als nur ein Teil dieser neubegründeten Ge-

Klein, Die südrussische Eisenindustrie.	1
        <pb n="9" />
        ﻿2

Die Entwicklung bis zum Kriege.

Seilschaften begann, Fertigerzeugnisse auf den Markt zu werfen,
während andere noch für den Bau ihrer Einrichtungen Eisen ver-
brauchten, zeigte- es sich, daß die Möglichkeit der derzeitigen Be-
darfsentwicklung überschätzt worden war und daß eine übermäßige
Erzeugung eintreten würde. Die Verkaufspreise sanken bald unter
die Gestehungskosten und verursachten vielen der Werke derartige
Verluste, daß sie gezwungen waren, unter gerichtliche Verwaltung
zu gehen und durch spätere Sanierung ihre Daseinsbedingungen zu
verbessern. Eine Reihe von Gesellschaften, deren Anlagen bis zur
Fertigstellung noch größerer Kapitalien bedurft hätten, so die Hoch-
ofenwerke von Werchnij-Dnjeprowsk, Bielaja, Almasnaja und die
Hüttenwerke von Kertsch mußten ihre Unternehmungen vollständig
liquidieren. Die eingeb rächten Kapitalien gingen verloren.

Im Jahre 1902 hatte eine Anzahl von metallurgischen Gesell-
schaften auf die Anregung der Societe Dnjeprovienne hin eine Ver-
kaufsvereinigung errichtet, die den Zweck hatte, die vorhandenen
Aufträge so zu	verteilen, daß die Fortführung der Betriebe den

Werken ermöglicht wurde. Die Verkaufsvereinbarungen erstreckten
sich bald auf Schienen, Träger, Grob- und Feinbleche (nicht syndi-
ziert waren Dachbleche), Radreifen, Achsen, dann gußeiserne Rohre,
Lokomotiven, Waggons und Brücken. Dazu kam später die Ver-
einbarung	über	den	Verkauf	von Handels-Stabeisen. Außerdem

hatten sich die Spezialroheisen herstellenden Hochofenwerke zusam-
mengetan	und	den	Verkauf	von Spiegel eisen, Ferro mangan und

Ferrosilicium unter sich geregelt.

Die Verteilung der Aufträge hatte eine mäßige Preissteigerung
zur Folge,	die	den	Werken	gestattete, ihre Betriebe weiter zu

führen und sie vor dem Ruin zu bewahren. Der russisch-japanische
Krieg brachte eine kurze Steigerung der Aufträge, aber die bald
nach Beendigung ausbrechenden inneren Wirren und die Einschrän-
kung aller Arten von Regierungsbestellungen zwangen die Werke,
Auslandsbestellungen zu verlustbringenden Preisen einzuholen. Erst
einige glückliche Ernten und die von 1910 an einsetzenden ausge-
dehnten Regierungsbestellungen für die Vergrößerung des Eisenbahn-
netzes und die Vermehrung der Flotte brachten eine ungeahnte Er-
höhung der Aufträge, die über die Kriegsjahre hinaus bis zum Aus-
bruche der russischen Revolution angedauert hat.

Die Entwicklung der südrussischen Eisenindustrie läßt sich
aus nachfolgender' Tabelle erkennen:
        <pb n="10" />
        ﻿Die Entwicklung bis zum Kriege.

8

	1900	1902	1904	1911	1912	1913	1914	1915	1916
			I	n Millionen Pu			d:		
Förderung an Eisenerz	210	137	218	302	344	384	281	266	335
Förderung an Kohlen .	601	575	711	1032	1087	1252	1371	1316	1360
Förderung an Anthrazit	71	67	93	184	218	291	312	310	376
Roheisen-Erzeugung	92	84	111	148	173	189	186	167	176
Erzeugung an Fertig-									
fabrikaten aus Stahl									
und Eisen ....	59	57	73	113	128	141	145	126	127

Während die Roheisenerzeugung Südrußlands von 1900 bis zum
letzten Friedensjahre 1913 von 92 Millionen Pud auf 189 Millionen
Pud stieg, also um 105 °/0, vermehrte sich die Roheisenerzeugung
der übrigen russischen Industriegebiete; Ural, Polen, Nord- und
Zentralrußland von 83 Millionen Pud auf 93 Millionen Pud, also nur
um 12 °/0. Der Anteil des Südens an der Roheisenerzeugung des
ganzen russischen Reiches betrug im Jahre 1900 52,5 °/0, im Jahre
1913 67 °/0. Trotz der großen Steigerung der Roheisenerzeugung
konnten die russischen Hochöfen in den letzten Jahren vor dem
Kriege den Bedarf an Roheisen bei weitem nicht decken, weil den
Hochofenwerken in den meisten Fällen Stahl- und Walzwerke,
Gießereien und Konstruktionswerkstätten angegliedert waren, die in
ihrer Gesamtheit so ausgedehnt angelegt waren, daß sie jede Roh-
eisen-Mehrerzeugung selbst verarbeiten konnten. Die russische
Regierung mußte sich daher vom Jahre 1912 ab entschließen, Zoll-
erleichterungen bei Einfuhr ausländischen Roheisens zuzugestehen.
Der Zoll wurde soweit heruntergesetzt, daß den verbrauchenden
Werken ein Preis von 57 Kopeken das Pud1) franko Bahnstation in
Südrußland zugestanden wurde. Für das Jahr 1914 und 1915
sollten dann weitere 20 Millionen Pud Roheisen zugelassen werden,
für welche ein Preis von 70 bis 75 Kopeken2) — den Zoll einbe-
griffen — festgesetzt war. Von diesem Vorrechte beim Bezüge
ausländischen Roheisens sollten in erster Linie die Fabriken zur
Herstellung landwirtschaftlicher Maschinen, die Eisenbahnen- und
Regierungswerkstätten Nutzen ziehen und diejenigen Werke der
Weiterverarbeitungs-Industrie, die keine eigenen Hochöfen besaßen.

Die Produktion der Fertigerzeugnisse der südrussischen Hütten-
werke hatte im Jahre 1900 59 Millionen Pud betragen, im Jahre
1913 141 Millionen, also eine Steigerung von 140°/0, während die
Erzeugung für die übrigen Bezirke Rußlands im gleichen Zeiträume,
von 75 Millionen Pud auf 101 Millionen Pud stieg, also um 35°/0

0 75.— Mark die Tonne.

ä) 92.20 Mark bis 98.80 Mark die Tonne.

1*
        <pb n="11" />
        ﻿4

Die Entwicklung bis zum Kriege.

Aber trotz der Steigerung konnte die Eisenindustrie den plötzlich
an sie herantretenden Ansprüchen nicht genügen, und die russische
Regierung sah sich gezwungen, einen Teil ihrer Regierungsaufträge
an das Ausland zu vergeben. Gegen die hierdurch entstehende Ver-
größerung der Einfuhr und Verschlechterung der russischen Handels-
bilanz nahm das russische Handelsministerium Ende 1913 Stellung
und warf der Industrie vor, daß sie infolge der Syndizierung der
Werke nicht mit der Entwicklung des kulturellen Lebens Schritt
halte. Aber wie wenig verlockend die Anlage neuer Werke und
Investierung weiterer Kapitalien zur Vergrößerung der bestehenden
Anlagen war, geht aus den nachfolgenden Zahlen der Rentabilität
der Werke hervor:

Durchschnittliche Dividende der Berg- und Hüttenwerke

Südrußlands:

	1900  %	1901  %	1902  %	1903  %	1904  %	1905  %	1906  %	1907  %	1908  %	1909  %	1910  %	1911  %
Kohlen- und Anthrazit- Bergbau .	2,97	1,23	0,89	0,59	0,94	0,78	0,57	1,08	1,77	1,44	1,24	0,99
Eisenerz-  Bergbau	1,92	1,28	1,49	0,96	0,36	5,04	' \		2,22	2,55	10,52	6,06	15,10
Gemischte  Hüttenwerke	12,15	12,93	10,58	9,48	8,01	6,76	3,84	3,45	3,81	2,93	4,46	6,19
Weiterverar- beitungs- Industrie .	0,42	1,20	2,57	4,50	5,36	6,94	6,72	6,02	3,70	1,82	6,83	8,80

Und trotz dieser verhältnismäßig geringen Verzinsung des
Aktienkapitals hatten die 14 größten gemischten Hüttenwerke Süd-
rußlands vom Jahre 1911 bis 1914 ihr Aktienkapital von 132 Mil-
lionen Rubel auf 190 Millionen Rubel vermehrt, d. h. um 44 °/0.
""Der Vorwurf des Handelsministers war unberechtigt. Man hatte
außer acht gelassen, daß zumal in Rußland Neubauten und Inbe-
triebsetzungen erweiterter Betriebe lange. Zeit beanspruchen. Das
Ergebnis der Erweiterungsanlagen, die ’in den Jahren vor dem
Kriege vorgenommen waren, würde erst in den Jahren 1915 und
1916 zum Ausdruck gekommen sein, wenn nicht der Krieg alle Ver-
hältnisse von Grund aus verändert hätte.

Die Lage der russischen gemischten Hüttenwerke war immer
eine unsichere, weil der Eisenbedarf in- großem Maße auf schwan-
kenden Regierungsbestellungen basierte und die Weiterverarbeitungs-
industrie wie auch die Maschinenindustrie noch wenig entwickelt
waren. Die Errichtung von Maschinenfabriken hatte anfangs der
        <pb n="12" />
        ﻿Die Entwicklung bis zum Kriege.

5

90 er Jahre unter dem Zollschutze durch das ausländische Kapital
eingesetzt, war dann aber durch die Krisen der Wende des Jahr-
hunderts angehalten worden. Viele Gründungen wurden liquidiert,
andere erholten sich erst nach Einführung des Zolltarifes von 1904.
Immerhin blieb Rußland in großem Maße auf den Bezug von
Maschinen aus dem Auslande ailgewiesen. Die Einfuhr von Maschinen
nach Rußland belief sich im Jahre 1913 auf 163,7 Millionen Rubel,
davon kamen aus Deutschland Maschinen im Werte von 89,3 Mil-
lionen Rubel, demnach 64,5 °/0.

Die starke Entwicklung der Industrie ließ eine Reihe von russi-
schen Interessen-Verbänden entstehen, die für weiteren Zollschutz
und Begünstigung der heimischen Industrie eine eifrige Propaganda
machten, welche sich hauptsächlich gegen den gefährlichsten Kon-
kurrenten — Deutschland — richtete. Im Jahre 1912 kam diese
Gegnerschaft gegen die Erneuerung des deutsch-russischen Handels-
vertrages von 1904, der im Jahre 1917 ablaufen sollte, an die
Öffentlichkeit. Sie wurde in Rußland von einer Gruppe Leute ge-
führt, an deren Spitze der russische Nationalökonom Professor Gold-
stein stand. Sie warfen der russischen Regierung das Abhängigkeits-
verhältnis Rußlands von Deutschland vor, das nur Rohstoffe und
Halbfabrikate aus Rußland bezog, dafür aber Maschinen und Fertig-
fabrikate nach dort ausführte. Als Ersatz für Deutschland wollten
sie die kleinen Staaten, Belgien, Holland, Skandinavien und Italien
heranziehen; aber sie übersahen, daß das Grundübel doch darin
1 ag, daß Rußland als Agrarstaat trotz hoher Zölle es in Jahrzehnten
nicht zu einer selbständigen Industrie hatte bringen können, daß
anstatt des „Abhängigkeitsverhältnisses von Deutschland“ dann ein
Abhängigkeitsverhältnis von den kleinen Staaten treten würde, und
daß weiter Deutschland als Abnehmer der überschüssigen Rohstoffe
und Lieferant von Fertigfabrikaten doch den Vorzug der Nähe hatte,
der beiden Ländern zugute kam. Aber die anti-deutsche Strömung
in der russischen Intelligenz und den russischen Ministerien nahm
die Idee des Professors Goldstein gerne auf, und der Ministerpräsi-
dent Kokowzew befahl, die Vorarbeiten zur Erneuerung des Handels-
vertrages mit Deutschland abzubreohen und zuerst Berichte der
Börsen und der Handels- und Industrieverbände über ihre Stellung-
nahme zur Erneuerungsfrage einzufordern. Zur Beeinflussung dieser
Berichte setzte eine Propaganda durch Professor Goldstein ein, die
in den meisten Fällen dazu führte, daß die Verbände sich gegen
die von der deutschen Regierung gewünschte Verlängerung des
deutsch-russischen Handelsvertrages aussprachen. Das war der Stand
der Dinge bei Ausbruch des Krieges.
        <pb n="13" />
        ﻿BHH

Beschreibung' der südrussischen Hüttenwerke.

Socitftfi Metaliurgique Dnjeprovieime du Midi de la Russie.

Gegründet 1886 von der belgischen Firma John Cockeril! und der
Societe des Acieries de Varsovie.

Kapital: 13130000 Rubel bis zum Jahre 1911
15 000000	„ im Jahre 1912.

26250000	» seit dem Jahre 1917.

Von den Aktien sind 80°/0 in belgischem Besitz zerstreut,
20 °/0 in nicht belgischen, zum Teil deutschen Händen.
Dividende: 1909 1910 1911 1912 1913

Rubel 15.'— 20.— 30.— 30.— 62.50 auf die 250 Rubel-Aktie.
Obligationssohuld: 1151000.— Rubel.

Reservekapital: 17254964.— Rubel.

Sitz der Verwaltung: St. Petersburg, zur Zeit Kiew.

Umsatz der Gesellschaft in den letzten Betriebsjahren:
1913/1914	41501024.—	Rubel

1914/1915	40309481.—	,.

1915/1916	52808189.—	„

1916/1917	86177125.—	„

1.	Hüttenwerk in Kamenskoe, Bahnstation Zaporochze,
40 km westlich Jekaterinoslaw.

Hochofenanlage; 6 Hochöfen mit vertikalen Aufzügen, Ladung
der Materialien von Hand, alte Einrichtung, noch nicht moderni-
siert. Agglomerierungsanlage für Flugstaub nach Patent Grüne-
walde.

Gasreinigunganlage weitgehendst durchgeführt.

Gasgebläse: 5 Gasgebläse zu 2000 P. S.

Kraftanlage: 11 Gasdynamos, meist Cockerill, von insge-
samt 17 500 P. S. — Erzeugung 1913 — 30202245 kW/st, 1915
== 46 569 707 kW/st.

Bessemerstahlwerk: 3 Birnen zu 15 Tonnen mit 3 kleinen
Mischern von insgesamt 300 Tonnen.
        <pb n="14" />
        ﻿Society MetaUurgique Dnjeprovienne du Midi de la Russie.

7

Martinstahlwerk: a) Alte Anlage: 4 Öfen zu 20 t, 1 Ofen

zu 10 t.

b)	Neue Anlage: 3 Öfen zu 50 t, 2 Öfen
zu 60 t.

Dazu eine Vorfrischeranlage von 350—500 t.

Walzwerke; Blockwalzwerk von 1100mm 0; 2 Schienenstraßen,
eine zu 2, eine zu 3 Gerüsten, 850 mm 0; eine Grobstraße 650 mm 0;
eine Mittelstraße 450 mm 0; zwei kleine Straßen 330 und 280 mm 0;
eine Drahtstraße, System Klein, zu 13 Gerüsten; eine Grobblech-
straße 2800 mm Ballenlänge; eine Universalstraße, eine Feinbloch-
straße, eine Dachblechstraße, Bandagen- und Achsenanlage.

Waggonfabrik zur Herstellung von Güterwaggons von 1200
Pud Tragfähigkeit im Bau begriffen. Die Fabrik soll zunächst
400 Waggons, später 800 Waggons monatlich herstellen. Rußland
hatte bis zum Kriege jährlich einen Bedarf von 60000 Waggons,
konnte aber nur 45000 Waggons hersteilen. Die Dnjeprovienne ist
zur Waggonfabrikation günstig gelegen, da zu einem Waggon 390 Pud
Eisen und 110 Pud Holz benötigt werden (Holz kommt auf dem
Dnjepr aus Weißrußland).

Fabrik feuerfester Steine, moderne Einrichtung, Mentheim-
scher Ofen für Chamottesteine. Produktion monatlich: 100000 Pud
Chamottesteine, 50000 Pud Dinassteine.

Produktion des Hüttenwerkes:

Roheisen . .	1913  25538646	Pud	1915  23646043	Pud
Martinstahl ....	15266977	77	15702796	77
Bessemerstahl . . .	8404410	77	8944958	77
Walzerzeugnisse;  Halbfabrikate	1221393	77	292349	( 77
Stabeisen .	4685545	77	3197554	7?
I- u. U-Eisen . . .	2610853	77	1797989	77
Eisenbahnschienen .	3450752	77	3957415	77
Rillenschienen . .	297423	77	100999	7?
Grubenschienen . .	152813	77	108361	77
Bleche &gt;• 3 mm . .	1463 2'75	77	1205519	77
Bleche bis Nr. 20	387009	77	564198	77
Dachbleche ....	363413	77	48861	7?
Universaleisen . . .	248425	7?	217320	77
Walzdraht ....	3246450	77	4521387	77
Radreifen		1120539	77	2273135	77
Achsen 		656515	77	1188478	77
Federnstahl ....	114956	77	965 550	7?
Abfälle f. d. Verkauf	199782	77	359862	77
Walzerzeugnisse .	20219143	Pud	20798977	Pud
        <pb n="15" />
        ﻿8

Beschreibung der südrussisohen Hüttenwerke.

An weiterverarbeiteten
das Werk:

Gußeiserne Rohre ....
Eisenbahnlasehen, Unter-
lagsplatten usw. . . .
Dampfkessel u. Teile ders.

Brückenbau .............

Reservoire und Zisternen .
Fertige Radsätze ....
Abgedrehte Achsen . . .
Verschiedene Fabrikate

Fertigerzeugnissen versandte
1913	1915

71937	Pud	—	Pud
16333	n	20323	11
54079	11	72 724	11
21859	ii	6188	11
47 831	ii	96 394	11
248622	ii	620583	11
37 468	ii	7164	11
26 921	ii	94977	11
525050	Pud	918353	Pud

Arbeiterverhältnisse: Die Anzahl der Arbeiter belief sich
im Jahre 1913 auf 9422 Arbeiter und 265 Beamte, von letzteren
waren 13 Ausländer; im Jahre 1915 betrug die Anzahl der Arbeiter
9162, die der Beamten 293, von denen nur 2 Ausländer waren.

Die Arbeiterlöhne betrugen im Jahre 1913 4076098 Rubel
= 36 'Rubel pro Arbeiter und Monat, im Jahre 1916 5091 516
Rubel = 45,70 Rubel pro Arbeiter und Monat.

Werkswohnungen: Eine Arbeiterkolonie besteht beim Werke
nicht. Im Jahre 1913 verfügte das Werk nur über 123 Arbeiter-
häuser mit 205 Wohnungen, die sich bis zum Jahre 1915 auf 131
Häuser mit 257 Wohnungen erhöhten. Von 9422 Arbeitern wohnten
über 9000 Arbeiter in eigenen oder gemieteten Wohnungen der um-
liegenden Dörfer.

Es bestand eine Werksschule mit 22 Lehrern und ll Lehre-
rinnen, in welcher 726 Knaben und 601 Mädchen unterrichtet wur-
den. Der Unterhalt der Schule kostete dem Werke 46 620 Rubel
= 4,95 Rubel pro Arbeiter und Jahr. Im Jahre 1915 wurden für
den Unterhalt der Schule 39861 Rubel verausgabt = 4,35 Rubel pro
Arbeiter und Jahr.

2.	Hochofonwerk Kadiewka, Station Almasnaja der Jeka-
terinenbahn (früher der in Liquidation geratenen belgischen Societe
d’Almasnaja gehörig). Alte Einrichtungen. Das Werk wird benutzt,
um Gießerei-, Martin- und Spezialroheisen (Ferromangan, Ferrosili-
cium, Spiegeleisen) herzustellen.

Hochofenanlage: 2 Hochöfen mit vertikalen Aufzügen, Ladung
der Rohstoffe von Hand. Keine Gasmotore.

Kraftanlage: 2 Dampfmaschinen von insgesamt 700 PS. —
Erzeugung 1913 = 2027520 kW/st. — 1915 = 2028600 kW/st.
        <pb n="16" />
        ﻿Societe Metallurgique Dnjeprovienne du Midi de la Russie.

9

Produktion: Roheisen 1913 = 7 213 701 Pud,

1915 = 6420928 Pud.

Arbeiterverhältnisse: Die Anzahl der Arbeiter betrug im
Jahre 1913 730, die der Beamten 9, von denen 4 Ausländer waren.
Im Jahre 1915 wurden 890 Arbeiter beschäftigt und 10 Beamte,
darunter 2 Ausländer.

Die Arbeiterlöhne betrugen im Jahre 1913 343 763 Rubel
= 39,24 Rubel pro Arbeiter und Monat; im Jahre 1915
380791 Rubel = 41,75 Rubel pro Arbeiter und Monat.

Werkswohnungen: Von den 730 Arbeitern des Werkes wohnten
200 ledige Arbeiter in Werkskasernen, 330 Arbeiter bewohnten
208 Werkswohnungen und 200 Arbeiter hatten eigene oder gemietete
Wohnungen. Eine Vermehrung der Werkswohnungen wurde bis
zum Jahre 1915 nicht vorgenommen.

Es bestand eine Werksschule mit 2 Lehrern und 2 Lehre-
rinnen für 50 Knaben und 55 Mädchen; der Unterhalt der Schule
kostete im Jahre 1913 2711 Rubel = 3,70 Rubel pro Arbeiter und
Jahr. Im Jahre 1915 wurden für die Schule 3000 Rubel veraus-
gabt = 3,37 Rubel pro Arbeiter und Jahr.

3.	Eisenerzgruben im Krivoi Roger Bezirk;

a)	Grube Rostkowskij, Station Wetschernij-Kut. Saxa-
ganski-Flöz.

Die Grube wird nur im Tagesbau ausgebeutet.

Förderung 1913 = 46 911802 Pud,

»	1915 = 29146 730 Pud.

b)	GrubeSchmakowo, StationSchmakowo. Saxaganski-Flöz,

Die Grube wird untertags ausgebeutet.

Förderung 1913 = 19 384858 Pud,

„	1915 = 15927 790 Pud.

4.	Manganerzgrube im Nikopoler Gebiete, Station Mar-
ganez, Station der Bahn Nikopol-Alexandrowsk. Die Grube besteht
aus 3 Schachtanlagen und 1 Erzwäsche.

Förderung 1913 = 7 203 720 Pud Reinerz von 48°/0 Mn.

»	1915 = 5480916 »	'»	» 48 °/0 n

5.	Kohlengruben:

a)	Annenski-Grube, Station Lomowatka der Jekaterinen-
bahn, Gleisanschluß der Grube 6,7 Werst. Förderung an
Kokskohle aus 4 Schachtanlagen 1914 = 7 300000 Pud,
1915 = 7 987 000 Pud.

h) Kadiewki-Grube, Station Almasnaja der Jekaterinen-
bahn. Gleisanschluß bis 10,2 Werst. Förderung an Koks-
        <pb n="17" />
        ﻿10

Beschreibung der südrusaischen Hüttenwerke.

kohle aus 4 Schachtanlagen 1914 == 39 960000 Pud,
1915 = 40564000 Pud.

Koksofen anlage: 6 Gruppen zu 40 Öfen mit Gewinnung der
Nebenprodukte zu 12 Tonnen Einsatz, System Köppers.

60 Öfen ohne Gewinnung der Nebenprodukte.

Mögliche Produktion der Anlage:

240 Öfen X 13850 Pud == 3324000 Pud im Monat

60 „ X 2 700 v = 162 000 »	»	,,

Die Produktion an Koks belief sich 1915 auf
28 690264 Pud für die Öfen mit Gewinnung der Nebenprodukte,
1501607 i)	ohne »	»	n

An Nebenprodukten wurden gewonnen:

25°/0iges Ammoniakwasser	=	267 000	cbm

Teer...................=	1002 637	Pud

Pech...................=	352 240	»

Benzol ....................=	42 207	»

Kreosot und Öle	.	.	.	.	=	307008	n

Naphthalin.............=	4013	»

Anthrazen..............=	634	»

c)	Lidiewski-Grube, Station Rutsohenkowo der Jekate-
rinenbahn, Gleisanschluß 7,9 Werst.

Förderung 1914 = 13990000 Pud FJammkohle,

»	1915 = 12 053 000	»	n

d)	Maksimowski-Grube, Station Almasnaja der Jekate-
rinenbahn. Gleisanschluß bis 14 Werst.

Förderung an Kokskohle 1914 = 9490000 Pud.
n	n j&gt;	1915 = 9440000 n

Koksofenanlage; 200 Öfen ohne Gewinnung der Neben-
produkte, System Coppee. Produktionsmöglichkeit 2300Pud
X 200 Öfen = 460000 Pud im Monat. Produktion im
Jahre 1915 = 5 203 393 Pud.

Societe Metallurgique Russo-Belge.

Gegründet 1895 von der Societe Generale de Belgique.

Kapital: 15000000 Rubel bis zum Jahre 1912.

20000000 Rubel seit dem Jahre 1913.

Die Aktien befinden sich fast ausschließlich in belgischem Be-
sitz. Die Dividende der 250 Rubel-Aktie betrug meist 60 Frcs.,
1912 und 1913 80 Frcs.
        <pb n="18" />
        ﻿Soci6te Metallurgique Russo-Be!ge.

11

Obligationsschuld: 9149250 Rubel.

Reservekapital: 7135031 Rubel.

Sitz der Verwaltung: St. Petersburg.

Umsatz der Gesellschaft in den letzten Betriebsjahren:

1913; 23157 570	Rubel

1914: 25253238	»

1915: 41248153	n

1916: 54283822	„

1.	HüttenwerkinEnakiewo, Bahnstation der Jekaterinenbahn.

Hochofenanlage; 5 Hochöfen, davon 2 Öfen mit Stähler-Auf-
zügen umgebaut. Die Modernisierung der übrigen Hochöfen ist vor-
bereitet. Aufladung der Erze mittels Löffelbagger und elektrischem
Kran. Zufuhr zu den Aufzügen durch eine elektrische Untergrundbahn.

Gasreinigungsanlage vollständig durchgeführt.

Gasgebläse: 9 Gasgebläse von insgesamt 11250 PS.

Kraftanlage: 10 Gasdynamo von insgesamt 14200 PS. (zum
Teil sind außerdem Gasmotore als Walzenzugmaschinen eingebaut).
Erzeugung 1913 = 15 526 601 kW/st — 1915 = 30330826 kW/st.

Bessemerstahl werk: 2 Birnen zu 15 Tonnen mit 2 Mischern
von insgesamt 300 t.

Martinstahlwerk: 7 Martinöfen von 25 bis 60 t.

Walzwerke: Blockwalzwerk von 1100 mm 0; Schienenstraße
850 mm 0; Mittelstraße 550 mm 0; zwei kleine Straßen 360 und
280 mm 0; Drahtstraße System Klein 240 mm 0; Grobblechstraße
3000 mm Ballenlänge; Üniversalstraße; Dachblechstraße umgebaut
in eine Mittelstraße.

Koksofenanlage: 260 Öfen zu 8 t mit Gewinnung der Neben-
produkte, System Coppee.

Produktionsmöglichkeit 9400 Pud X 260 Öfen = 2 444000 Pud
im Monat.

Produktion im Jahre 1915 = 23 016 000 Pud Koks,

604025 n Teer,

259 600	»	Pech.

268336 n Ammoniumsulfat,
128413	»	Benzol,

308660	!&gt;	Kreosot und Öle.

2 250	»	Anthrazen.
        <pb n="19" />
        ﻿12

Beschreibung der südrussischen Hüttenwerke.

Produktion des Hüttenwerkes:

	1913		1915	
Roheisen		21317142	Pud	22396832	Pud
Martinstahl ....	8605735	11	10243141	11
Bessemerstahl . . .	10688661	11	8192837	11
Walz er Zeugnisse:				
Halbfabrikate . . .	76416	11	394727	11
Stabeisen		3849932	11	3451906	11
I- und U-Eisen -. . .	3431088	11	2040136	11
Eisenbahnschienen	246358	11	58751	11
Rillensehienen . . .	4081853	11	3699469	11
Grubenschienen . . .	1065464	11	783601	11
Feinbleche bis Nr. 20	1237800	11	1900535	ii
Dachbleche , . .* . .	850228	11	—	ii
Walzdraht		2239385	- »	2551138	ii
Abfälle f. d. Verkauf	4249	11	18865	ii
Walzerzeugnisse;	17082773 Pud		14899128	Pud
An weiterverarbeiteten Fertigerzeugnissen				versandte
Werk;			1913	1915

Eisenbahnlasohen, Unterlagsplatten usw. 16 730 Pud 23 761 Pud.

Arbeiterverhältnisse: Die Anzahl der Arbeiter belief sich
im Jahre 1913 auf 8395, die der Beamten auf 332, von denen 117
Ausländer waren. Im Jahre 1915 betrug die Arbeiteranzahl 8007,
die der Beamten 161, von denen noch 53 Ausländer waren.

Die Arbeiterlöhne betrugen:

1913	= 4173374 Rubel = 41,50 Rubel pro Arbeiter und Monat,
1915 = 4447503 Rubel = 46,82 Rubel pro Arbeiter und Monat.

Werkswohnungen: 745 ledige Arbeiter lebten in Werks-
kasernen, 2093 Arbeiter wohnten in 903 Arbeiterfamilienwohnungen
und 5557 Arbeiter in eigenen oder gemieteten Wohnungen der Um-
gegend. Im Jahre 1915 hatte sich die Anzahl der Werkswohnungen
nicht erhöht.

Es bestand eine Werksschule mit 18 Lehrern und 3 Lehre-
rinnen, in welcher 590 Knaben und 456 Mädchen unterrichtet wurden,
und deren Unterhalt 25 562 Rubel kostete = 3,05 Rubel pro Arbeiter
und Jahr. Im Jahre 1915 wurden 23 614 Rubel für den Unterhalt
der Schule ausgegeben = 2,94 Rubel pro Arbeiter und Jahr.

2.	Eisenerzgruben im Krivoi Roger Bezirke:

a) Ternowski-Grube (Charin). Saxaganski-Flöz. Gleisan-
schluß 12 Werst.
        <pb n="20" />
        ﻿Sooiete Metallurgique Russo-Belge.

13

Förderung 1913 = 11962 445 Pud,

»	1915	=	8431144	»

b)	Kolatschewski-Grube. Saxaganski-Flöz.

Förderung 1913 = 33107 980 Pud,
n 1915 = 16650545	»

c)	Bojedarowski-Grube (Chartsschenko). Saxaganski-Flöz.

Förderung 1913 = 3 825761 Pud,
n 1915 = 5377486	»

d)	Lichmann-Grube. Lichmanowski-Flöz.

Förderung 1913 = 1397 860 Pud.

»	1915	=	—	»

e)	Schirokij-Grube. Lichmanowski-Flöz.

Förderung 1913 = 7 556303 Pud,

»	1915	=	6138000	»

3.	Kohlengruben:

a)	Werowski-Grube, durch Eisenbahn mit dem Hütten-
werk verbunden. Förderung aus 2 Schachtanlagen

1914	= 21820000 Pud Kokskohle,

5456000 n Magerkohle,

1915	= insgesamt 25240000 Pud Kohle.
Koksofenanlage: 60 Öfen mit Gewinnung der Neben-
produkte, System Coppee, zu 8 t Einsatz. Produktions-
möglichkeit der Anlage: 10 500 Pud X 60 Öfen = 630000
Pud pro Monat.

Produktion im Jahre 1915:

Koks...........=	5 601570 Pud

Ammoniakwasser =	65 802 cbm

Teer...........=	113 194 Pud

Pech...........=	52 600	»

Benzol . . . . =	11482	»

Kreosot und Öle =	69 432	»

Anthrazen . . . =	463	n

b)	Sophiewski-Grube, durch Gleisanschluß von 13 Werst
Länge mit dem Hüttenwerk verbunden.

Förderung aus 2 Schachtanlagen

1914	= 26831000 Pud Kokskohle,

2100000 n Gaskohle,

1915	= insgesamt 26 257 000 Pud Kohle.
Koksofenlage: 72 Öfen ohne Gewinnung der Neben-
produkte, System Coppee. Produktionsmöglichkeit der
        <pb n="21" />
        ﻿14	Beschreibung der südrussischen Hüttenwerke.

Anlage; 7200 Pud X 72 Öfen = 620000 Pud monatlich.
Produktion im Jahre 1915 == 1 427629 Pud Koks.

Die Gruppe wurde im Laufe des Jahres 1915 stillgesetzt.

c)	Bunge-Grube, durch Gleisanschluß von 71/3 Werst Länge
mit dem Hüttenwerk verbunden.

Förderung auf 2 Schachtanlagen

1914	= 14 594000 Pud Kokskohle,

1915	= 11631000	»	»

d)	Gustav-Grube, durch Gleisanschluß von 41/2 Werst
Länge mit dem Hüttenwerk verbunden.

Förderung aus 6 Schachtanlagen

1914	= 2510000 Pud FJammkohle,

1915	= 4777000	»	n

Societe Metallurgique de Taganrog.

Gegründet 1896 von der Societe d’Ougree Marihaye, der Societe des
Forges et Toleries Liegeoises und der Bank J. Nagelmakers &amp; Fils.
Kapital: 7 500000 Rubel bis zum Jahre 1910
10000000	„	im	Jahre	1911

12500000	„	im	Jahre	1912

21000000	„	im	Jahre	1913	infolge	des	An-

kaufes der Kertscher Hüttenwerke.
Kapitalverlust 1906 = 18000000 Fr cs. durch Herab-
setzung des Aktiennennwertes.

Seit 1909 Dividende von 5 °/0 bis 8 °/0 steigend.
Aktienbesitz	3/5	in	russischen Händen	(Asow-Don-

Bank)

~jb in altem belgischem Besitz.

Reservekapital: 3 785000 Rubel.

Obligationsschuld: 4586000 Francs.

Sitz der Verwaltung: St. Petersburg.

1.	Hüttenwerk in Taganrog, Station der Jekaterinenbahn.
Hochofenanlage: 4 Hochöfen, von denen 2 mit Schräg-
aufzug. Materialienladung von Hand, 2 Agglomerierungsanlagen für
das feinkörnige Kertscher Erz:

a)	Pressen „Couffinhall“ und Trockenöfen,

b)	Convertoren Patent Heberlein der Frankfurter Metallgesell-

schaft.

Gasreinigungsanlage vollständig durchgeführt.
        <pb n="22" />
        ﻿Societ4 Mdtallurgique de Taganrog.

15

Gasgebläse: Ein Gasgebläse zu 1750 PS.

Kraftanlage: 2 Gasdynamos zu 3100 PS.

2 Dampfturbinen zu 3000 PS.

Erzeugung 1913 = 27083200 kW/st
„	1915 = 26 809029 kW/st

Thomas-Stahlwerk: 3 Birnen zu 8 t.

Martin-Stahlwerk: 4 Martinöfen zu 20 t.

Walzwerke: Grobstraße 700 mm 0; Mittelstraße 500 mm 0;
2 kleine Straßen 300 und 250 mm 0; eine Grobblechstraße; eine
Universalstraße; eine Fein- und Dachblechstraße; Bandagen- und
Achsenfabrikation; Rohrwalzwerk, bestehend aus 3 Walzenstraßen.

Verzinkerei für Rohre und Dachbleche.

Thomasschlacken-Mühlen.

Koksofenanlage: 100 Öfen ohne Gewinnung der Neben-
produkte System Coppee. Produktionsmöglichkeit 4830 Pud mal
100 Öfen = 483 000 Pud im Monat. Produktion im Jahre 1915 =
4392193 Pud.

Produktion des Hüttenwerkes:

Roheisen		1913  9457274 Pud		1915  6541520	Pud
Martinstahl		4266239		3280956	
Thomasstahl		6208914	77	4136903	77
Walzerzeugnisse:				
Halbfabrikate		891556	77	360319	77
Stabeisen		2007724	77	1274935	77
I- und U-Eisen ....	521969	77	196220	77
Eisenbahnschienen .	.	.	1697000	77	1507220	77
Rillenschienen		36679	77	—	
Grubenschienen ....	636236		475767	77
Grobbleche		484416	77	253757	77
Feinbleche bis Nr. 20 . .	74872	77	166345	77
Dachbleche		1557894	77	1079642	77
Universaleisen		638468	77	411141	77
Radreifen „• .	235790	77	500 008	77
Achsen 		54115	77	39 445	77
Abfälle für den Verkauf .	300	77	434	77

Walzerzeugnisse: 8837019 Pud 6265233 Pud

An weiterverarbeiteten Fertigerzeugnissen versandte
das Werk:
        <pb n="23" />
        ﻿Beschreibung der südrussisohen Hüttenwerke.

16

1913	1915

Eisenbahnlaschen, Unterlagsplatten usw. 13430 Pud 32 697 Pud
Eiserne Rohre und Teile zu diesen . . 416046 „	340239 „

Verschiedene Fabrikate............... 5683 „	6686 „

Fertigerzeugnisse:	435159 Pud 379622 Pud

Arbeiterverhältnisse: Die Anzahl der Arbeiter betrug im
Jahre 1913 4891, die der Beamten 147, von denen 67 Ausländer
waren. Im Jahre 1915 belief sich die Anzahl der Arbeiter auf
3630, die der Beamten auf 180, von denen 52 Ausländer waren.

Die Arbeiterlöhne betrugen im Jahre 1913 2 344 577 Rubel =
Rubel 40,00 pro Arbeiter und Monat, im Jahre 1915
1968144 Rubel = 45,18 pro Arbeiter und Monat.

Werkswohnungen; Eine Arbeiterkolonie besteht nicht. Die
Arbeiter wohnen in den naheliegenden Vororten der Stadt Taganrog.

Schule: Das Werk war beteiligt an einer Gemeindeschule, in
welcher 227 Knaben und 115 Mädchen unterrichtet wurden, und zu
deren Unterhalt das Werk im Jahre 1913 4782 Rubel zusteuerte =
0,98 Rubel pro Arbeiter und Jahr. Im Jahre 1915 wurden 4137 Rubel
gezahlt = 1,14 Rubel pro Arbeiter und Jahr.

2.	Hüttenwerk in Kertsch (Halbinsel Krim), früher der in
Liquidation geratenen Societe Metallurgique de Kertsch gehörig.

Hochofenanlage; 2 Hochöfen mit vertikalen Aufzügen, Zu-
fuhr der Rohstoffe durch eine elektrische Bahn.

2 Agglomerierungsanlagen für das feinkörnige Kertscher Erz:

a)	7 Pressen „Couffinhall“ mit Trockenöfen;

b)	7 Konvertoren „Patent Heberlein“.

Gasreinigung zum Teil im Betrieb, Trockengasreinigung im Bau.

Gasgebläse: Ein Gasgebläse zu 2000 PS.

Kraftanlage: Eine Gasdynamo zu 2000 PS.

Eine Dampfturbine zu 2000 PS.

3 Dampfmaschinen zu 600 PS,
kW-Erzeugung 1913 = 3900000 kW/st
„	„	1915 = 3023177 kW/st

Thomas-Stahlwerk: 3 Birnen zu 15 t und eine Mischeranlage
zu 200 t.

Walzwerke: Blockwalzwerk 1100 mm 0; Knüppelstraße
850 mm 0 und Schienenstraße 850 mm 0.

Thomasschi acken-Mühlen.

Koksofenanlage: 200 Öfen ohne Gewinnung der Neben-
produkte System Coppee.
        <pb n="24" />
        ﻿Societe Metallurgique de Taganrog.

17

Produktionsmöglichkeit der Anlage:

4800 Pud X 200 Öfen = 960000 Pud im Monat.

Produktion im Jahre 1915 = 1 501 597 Pud.

Die Anlage hat wegen Kohlenmangel nur teilweise gearbeitet.

Produktion des Hüttenwerkes:

	1913	1915
Roheisen		.	607615 Pud	2059709 Pud
Thomasstahl		—	1717452	„
Walzerzeugnisse:		
Halbfabrikate		—	161745	„
U-Eisen		—	63258	„
Eisenbahnschienen . . .	—	1258 852	,,
Enden für den Verkauf .	—	176018	„
Walzerzeugnisse:	—	1659873 Pud

Das Hochofen-Werk wurde im Oktober 1913 in Betrieb gesetzt
und arbeitete im Jahre 1915 wegen Kohlenmangel nur mit großen
Unterbrechungen.

Arbeiterverhältnisse: Die Anzahl der Arbeiter belief sich
im Jahre 1913 auf 2048, die der Beamten auf 77, von denen
31 Ausländer waren. Im Jahre 1915 betrug die Arheiteranzahl
1062, die der Beamten 95, von denen 23 Ausländer waren.

An Arbeiterlöhnen wurden im Jahre 1913 638 396 Rubel ge-
zahlt, im Jahre 1915 695 476 Rubel. Durchsehnittslöhne lassen sich
nicht errechnen, weil das Werk weder 1913 noch 1915 volle
12 Monate gearbeitet hat.

Werkswohnungen; Im Jahre 1915 wohnten 160 Mann in
Werkskasernen, 305 Mann in 305 Arbeiterwohnungen, und 597 Ar-
beiter in eigenen Wohnungen.

Schule: Im Jahre 1915 bestand eine Schule, in welcher
49 Knaben und 56 Mädchen unterrichtet wurden, und deren Unter-
halt 1447 Rubel kostete =1,36 Rubel pro Arbeiter und Jahr.

3.	Eisenerz-Gruben bei Kertsch.

&lt;	a) Erzgruben bei Eltigen (südlich Kertsch). Es wird

in offenem Tageshau gearbeitet, Mächtigkeit der Erzablagerungen
4—30 m, Abbau 0,5—10 m Erde.

Förderung 1913 = 14 433986 Pud
Förderung 1915=	—

b) Erzgruben der Stadt Kertsch (nordwestlich Kertsch beim
Hüttenwerke gelegen). Es wird in offenem Tagesbau mit Löffel- und

Klein, Die südrussische Eisenindustrie.	2
        <pb n="25" />
        ﻿18

_ Beschreibung der südrussisohen Hüttenwerke.

Eimer-Bagger gearbeitet. Mächtigkeit der Erzablagerungen 4—10 m,
darüber Abbau 1—2 m Erde.

Förderung 1913= 1 629 550 Pud (im Oktober 1913 in Betrieb gesetzt)
Förderung 1915 = 10687009 Pud.

4.	Kohlengruben:

Grube bei Slawianoserbsk, Station der Jekaterinenbahn,
durch Gleisanschluß von 4,7 Werst mit der Station verbunden,
außerdem Pferde- und Drahtseilbahn zwischen den einzelnen Schacht-
anlagen und der Auf ladezentrale.

Förderung aus 9 Schachtanlagen

1914	= 13580000 Pud Kokskohle

1915	= 11770000	„	„

Koksofenanlage: 72 Öfen ohne Gewinnung der Nebenprodukte
System Coppee.

Produktionsmöglichkeit der Anlage:

4500 Pud X 72 Öfen = 324000 Pud im Monat.

Produktion im Jahre 1915 = 3 215 700 Pud.

„La Providence Russe“ ä Marioupol.

Gegründet 1897 von der Societe Beige de la Providence ä
Marchienne au Pont, nachher trat bei der Sanierung französisches
Kapital ein durch die „Union Parisienne“.

Kapital: 14620000 Rubel.

Kapitalverlust; 30000000 Frcs. durch Aufhebung des
Nennwertes und Überführung der Genußscheine.
Dividende der privilegierten 200 Frcs. Aktien.

1911	1912	1913

Frcs. 32.—	43.85	21.16

Dividende der privilegierten 500 Frcs. Aktien
1911	1912	1913

Frcs. 0	25.—	29.17

Obligationsschuld; 5910000 Frcs.

Sitz'der Verwaltung: St. Petersburg.

1.	Hüttenwerk in Sartana bei Mariupol, Station der Jeka-
terinenbahn.

Hochofenanlage: 4 Hochöfen mit vertikalen Aufzügen, Ladung
der Materialien von Hand.

Agglomerierungsanlage für das feinkörnige Kertscher Erz;

Drehbarer Glühofen System Schmidt-Kopenhagen.
        <pb n="26" />
        ﻿La Providence Russe“ ä Marioupol.

19

Gasreinigung nicht vorhanden.

Gasgebläse; Keine.

Kraftanlage: 4 Dampfmaschinen und 2 Abdampfturbinen von
insgesamt 3100 PS.

Erzeugung 1913 = 8000000 kW/st.

„	1915 = 5150000 kW/st.

Thomas-Stahlwerk; 4 Birrien zu 12 t.

Martin-Stahlwerk; 3 Öfen zu 25 t.

Walzwerke: Blockwalzwerk und Schienenstraße 750 mm 0;
Mittelstraße 450 mm 0 und kleine Straße 300 mm 0; Grohblech-
straße.

Thomas schlacken-Mühle.

Koks-ofenanlage:

186 Öfen ohne Gewinnung der Nebenprodukte System Coppee
und System Piett.

46 Öfen mit Gewinnung der Nebenprodukte System Coppee.
Produktionsmöglichkeit der Anlage:

4800 Pud X 186 Öfen =892 800 Pud im Monat
6700	„ X 46	„ =308 200 „	„

Produktion im Jahre 1915 = 10468000	Pud	Koks

34416	„	Ammoniak	wasser

63 240	„	Teer

2496	„	Benzol.

Produktion des Hüttenwerkes.

	1913		1915	
Roheisen . . .	10142398	Pud	7255959	Pud
Martinstahl		4734233	11	3286231	
Thomasstahl ....	5899420	11	4291386	11
Walzerzeugnisse:				
Halbfabrikate ....	1534 585	11	515429	11
Stabeisen ......	1711658	11	765666	11
I- und U-Eisen . . .	1183845		1059471	
Eisenbahnschienen . .	2691079	11	2936622	11
Grobbleche		1684658	11	694352	
Feinbleche		63966	11	48665	
üniversaleisen ....	18009	11	102890	11

Walzerzeugnisse:	8887800 Pud 6123095 Pud

Arbeiterverhältnisse: Die Anzahl der Arbeiter belief sich
im Jahre 1913 auf 3137, die der Beamten auf 111, von denen 34
Ausländer waren. Im Jahre 1915 betrug die Ärbeiteranzahl 2481,
die der Beamten 117, von denen 35 Ausländer waren.

2*
        <pb n="27" />
        ﻿20

Beschreibung der südrussisohen Hüttenwerke.

An Arbeiterlöhnen wurden im Jahre 1913 1680022 Rubel
gezahlt = 45 Rubel pro Arbeiter und Monat, im Jahre 1915
1317501 Rubel = 44,25 Rubel pro Arbeiter und Monat.

Werkswohnungen: Im Jahre 1913 wohnten 900 ledige Ar-
beitet in Werkskasernen, 1700 Arbeiter wohnten in 846 Arbeiter-
familienwohnungen und 537 Arbeiter wohnten in eigenen oder ge-
mieteten Wohnungen. Im Jahre 1915 hatte sich die Anzahl der
Arbeiterfamilienwohnungen auf 936 erhöht, in denen 1406 Arbeiter
wohnten. 680 Ledige wohnten in Werkskasernen und 395 nicht in
W erkswohnungen.

Schule: Es bestand eine Werksschule mit 2 Lehrern und
5 Lehrerinnen, in welcher 175 Knaben und 132 Mädchen unter-
richtet wurden, und deren Unterhalt 6515 Rubel kostete = 2,07 Rubel
pro Arbeiter und Jahr. Im Jahre 1915 wurden 6945 Rubel be-
zahlt = 2,80 Rubel pro Arbeiter und Jahr.

2.	Eisenerzgruben im Krivoi Roger Bezirk;

a)	Tarapakowski-Grube, Tarapakowski-Flöz.

Förderung 1913 = 1038290 Pud
„	1915 = 1154252 ' „

b)	Buchinik-Grube, Lichmanowski-Flöz.

Förderung 1913 = 3431280 Pud
„	1915=	—

3.	Eisenerzgruben im Kertscher Bezirk:

Grube bei Kysaul-Tscherelekski, an der Südspitze der
Straße von Kertsch gelegen. Es wird im offenen Tagesbau ge-
arbeitet. Ablagerungen von 8—12 m Erz, Abbau an Erde darüber
bis 6 m.

Förderung 1913 = 13 246 900 Pud
„	1915= 2213200	„

4.	Kohlengrube:

Rutschenkowski-Grube, Station Rutschenkowo der Jeka-
terinenbahn.

Schmalspurbahn 9—14 Werst zur Station.

Förderung aus 3 Schachtanlagen 1914= 10 750000 Pud, hier-
von waren 3 250000 Pud Gaskohle und 7 500000 Pud Kokskohle.

Förderung 1915 = 8410000 Pud Gas- und Kokskohle.
        <pb n="28" />
        ﻿Soeiete des Toleries de Konstantinowka (Donez), Hauts-Fourneaux usw. 21

Soeiete des Töleries de Konstantinowka (Donez), Hauts-
Fourneaux, Acieries, Laminoirs.

Gegründet 1896 durch belgische Industrielle. Auch französische
Banken (H. Lippens &amp; Co. und Association Industrielle Financiere)
sind stark beteiligt.

Kapital: 1880000 Rubel bis zum Jahre 1912
3 705000	„ seit 1912

Dividende der Aktie zu 250 Frcs.

1912	1913	1914	1915	1916

35.—	37.50	20 —	15.—	20.—	Frcs.

Obligationsschuld: 6676500 Frcs.

1 Sitz der Verwaltung: Brüssel.

1. Hüttenwerk in Konstantinowka, Station der Südbahn.

Hochofenanlage; Ein Hochofen ausgeblasen und ein Hoch-
ofen im Bau. Ladung der Erze mit Hand. Der Koks wird durch
eine Drahtseilbahn von den nahegelegenen Koksöfen auf die Hoch-
öfen gebracht.

Gasreinigung: Keine.

Gasgebläse: Keine.

Kraftanlage: 5 Dampfmaschinen von insgesamt 2575 PS.

Erzeugung 1913 = 207 980 kW/st,

„	1915 = 14148000 kW/st.

Martin-Stahlwerk:

a)	Alte Anlage: 4 Öfen zu 28—32 t,

b)	Neue Anlage: 1 Ofen zu 40 t (ohne Gaserzeugeranlage, nur

mit Koksofengas geheizt).

Walzwerke: Mittelstraße 580 mm 0; kleine Straße 305 mm 0;
Daohblechstraße von 5 Gerüsten.

Koksofen a n 1 ag e: 40 Öfen mit Gewinnung der Nebenprodukte
System Coppee.

Produktionsmöglichkeit; 9200 Pud X 40 Öfen = 368000 Pud im Monat.
Produktion im Jahre 1915 = 2 429 363 Pud Koks,

148 279	„ Teer,

42 776	„ Ammoniumsulfat.
        <pb n="29" />
        ﻿22	Beschreibung der südrussisohen Hüttenwerke.

Produktion des Hüttenwerkes:

1913	1915

Roheisen		3679754 Pud	3696061 Pud
Martinstahl		3867334 ,,	4922600 „
Walzerzeugnisse:		
Stabeisen		3098572 „	3990155 „
I- und Ü-Esen . . . .	119 950	20601 „
Grubenschienen . . . .	68674 ,.	28810 „
Dachbleche		398924 „	113641 „
Walzer Zeugnisse:	3686120 Pud	4153207 Pud.
An weiterverarbeitet	en Fertigerzeugnissen versandte	
das Werk;		
Eisenbahnlasohen, Unter-	1913	1915
lagsplatten usw. . . .	151551 Pud	1059000 Pud,

Arbeiterverhältnisse: Die Anzahl der Arbeiter belief sich
im Jahre 1913 auf 1512, die der Beamten auf 49, von denen 32
Ausländer waren. Im Jahre 1915 betrug die Arbeiteranzahl 1774,
die der Beamten 51, von denen 29 Ausländer waren.

An Arbeiterlöhnen wurden im Jahre 1913 744269 Rubel ge-
zahlt =41 Rubel pro Arbeiter und Monat, im Jahre 1915
966,916 Rubel = 45,50 pro Arbeiter und Monat.

Werkswohnungen: Im Jahre 1913 wohnten 110 ledige Arbeiter
in Werkskasernen, 502 Arbeiter in 181 Arbeiterfamilienwohnungen
und 900 Arbeiter in gemieteten oder eigenen Wohnungen. Im Jahre
1915 hatte sich die Anzahl der Werkswohnungen nicht erhöht.

Es bestand eine Werksschule mit einem Lehrer und zwei
Lehrerinnen, in welcher 64 Knaben und 35 Mädchen unterrichtet
wurden, und deren Unterhalt dem Werke im Jahre 1913 2711 Rubel
kostete = 1,79 Rubel pro Arbeiter und Jahr, im Jahre 1915 kostete
der Unterhalt 2547 Rubel = 1,43 Rubel pro Arbeiter und Jahr.

2. Erzgruben im Krivoi Roger Gebiet:

a)	Tscherwonnaja-Grube, Tscherwonnaja-Flöz.

Förderung 1913 = 1173 670 Pud
„	1915 = 1321 389	„

b)	Kamtschatka-Grube, Scholtaja Reka-Flöz.

Förderung 1913 = 69000 Eud
,,	1915 = 742000
        <pb n="30" />
        ﻿Sooiete Russe pour I» Fabrication des Tubes.

23

Societe Russe pour la Fabrication des Tubes.
(Anciennement Chaudoir).

Gegründet 1889 von C. &amp; H. Chaudoir mit Hilfe belgischer
Kapitalisten. Nachher haben sich die Hahnschen Röhrenwalzwerke,
Großenbaum &amp; Oderberg, an dem Unternehmen beteiligt.

Kapital: 6000000 Rubel vor dem Kriege, die zu je ein Drittel
verteilt waren auf;

Die belgische Gruppe: Familie Chaudoir und Freunde,

Die deutsche Gruppe: Hahnsche Röhrenwerke,

Die französische Gruppe: Lavessiere, Paris.

7 500000 Rubel während des Krieges; die erhöhten
1 500 000 Rubel wurden unter die belgische und französische Gruppe
verteilt:

Dividende; Vor dem Kriege 12—16°/0, während des Krieges
bis 25 °/0 steigend,

Amortisation; ca, 9000000 Rubel.

Obligationsschuld: a) Alte Obligationen 1000000 Rubel,

b)	Neue Obligationen 4000000 Rubel, von
der Deutschen Bank im Jahre 1913
ausgegeben.

Sitz der Verwaltung: Moskau.

Umsatz der Werke1): 1913 = 16118576	Rubel.

1914	= 19269180	„

1915	= 27495843	„

1916	= 53810598	„

1917	= 77908396	„

1- Hüttenwerke Ä und C in Gorjainowo, Station der
Jekaterinenbahn bei Jekaterinoslaw.

Hochofenanlage auf Werk C; Ein Hochofen mit Sohräg-
aufzug, Ladung der Materialien mit Hand. Außerdem ein kleiner,
während des Krieges gebauter Hochofen zur Herstellung von Ferro-
mangan, der aber nicht fertiggestellt worden ist.

Gasreinigungsanlage als Vorreinigung durchgefübrt.

Gasgebläse: Keine.

Kraftanlage auf Werk A und C: Drei Dampfturbinen und
eine Dampfmaschine von insgesamt 7150 PS.

Erzeugung 1913 = 3 508 300 kW/st,

„	1915 = 9000000	,,

l) Es wird vermutet, daß der Versand von einer zur anderen Abteilung
der Gesellschaft in den „Umsatz“ eingerechnet worden ist.
        <pb n="31" />
        ﻿24

Beschreibung der südrussischen Hüttenwerke.

Martinstahlwerk; a) Auf Werk A: 4 Öfen zu 25—30 t,
b) „	„ C; 1 Ofen zu 50 t.

Walzwerke auf Werk C: eine Grobblechstraße 2000 mm Ballen-
länge; eine Universalstraße; Rohrwalzwerke, bestehend aus 6 Straßen
und Rohrschweiß werk System Froriep zur Herstellung der großen
Rohrleitungen für Baku; Walzwerk für nahtlose Rohre, System Fassl.
Verzinkerei für Rohre durch Elektrolyse.

	Produktion des Hüttenwerkes:		
		1913	1915
Roheisen .		....	— Pud	4682733 Pud
Martin stahl			7112917 „
Walzerzeugnisse			
Grobbleche	und	Univer-	
saleisen		. . . . 2268777 „	3 704 718
Abfälle für	den	Verkauf	131399 „	69 714 „•

3774432 Pud.

Walzerzeugnisse: 2400176 Pud

An weiter verarbeiteten Fertigerzeugnissen versandte
das Werk:

1913	1915

Stahlgußstücke ....	25491 Pud	27382 Pud,

Eiserne Rohre und Teile

zu diesen........... 1390092 „	1582 286 „

Verschiedene Fabrikate .	5668 „	2 329 „

Fertigerzeugnisse: 1421251 Pud	1611997 Pud.

Arbeiterverhältnisse: Die Anzahl der Arbeiter betrug 1913
2880, die der Beamten 228, von denen 12 Ausländer waren. Im
Jahre 1915 belief sich die Arbeiteranzahl auf 3475, die der Beamten
auf 250, von denen 14 Ausländer waren.

Die Arbeiterlöhne betrugen im Jahre 1913 1515959 Rubel
= 44 Rubel pro Arbeiter und Monat, im Jahre 1915
2027976 Rubel = 48,60 Rubel pro Arbeiter und Monat.

Werkswohnungen: Eine Arbeiterkolonie besteht nicht. Die
Arbeiter wohnen in den umliegenden Vororten und der Stadt Jekate-
rinoslaw, mit der das Werk A durch die städtische elektrische Bahn
verbunden ist.

Schule: Es bestand eine Werksschule mit 5 Lehrern und
9 Lehrerinnen, in welcher 216 Knaben und 179 Mädchen unter-
richtet wurden und deren Unterhalt im Jahre 1913 12 631 Rubel
kostete = 4,38 Rubel pro Arbeiter und Jahr. Im Jahre 1915 kostete
die Schule 14 799 Rubel = 4,25 Rubel pro Arbeiter und Jahr.
        <pb n="32" />
        ﻿Societe Russe pour la Pabrication des Tubes.

25

2.	Walzwerke B (Amur) in Nischni-Dnjeprowsk, Station der
Jekaterinenbahn bei Jekaterinoslaw.

Kraftanlage: Eine Turbine und drei Dampfmaschinen von
insgesamt 3100 PS.

Erzeugung 1913 = 3508300 kW/st.

„	1915 = 6895421	„

Walzwerke: Grobstraße 700 mm 0; 5 Walzstraßen für Dach-
und Schwarzbleche und eine Polierstraße.

Verzinkerei für Dachbleche und Rohre.

Verzinnerei für Herstellung von Weißblechen.
Schaufelfabrik, die im Kriege bis 1 Million Schaufeln monat-
lich herstellte.

Produktion des Hüttenwerkes:

Walzerzeugnisse:

Halbfabrikate.......... — Pud 622138 Pud

Stabeisen.............. 136 719 „	428295 „

Feinbleche............. 159000 „	220000 „

Dachbleche............. 2 037 246 „	1376075 „

Enden für den Verkauf1) 563108 „	730 708 „

Walzerzeugnisse: 2896073 Pud 3377216 Pud

An weiter verarbeiteten Fertigerzeugnissen versandte
das Werk:

1913

Wellbleche............ 813571 Pud

Verschiedene Fabrikate .	196 435 „

Fertigerzeugnisse: 1010006 Pud

1915

353188 Pud
806658 „

1159846 Pud

Ar beit er Verhältnisse: Die Anzahl der Arbeiter belief sich
im Jahre 1913 auf 1563, die der Beamten auf 117, von denen 11
Ausländer waren. Im Jahre 1915 betrug die Arbeiteranzahl 3938,
die der Beamten 106, von denen 10 Ausländer waren.

Die Arbeiterlöhne betrugen im Jahre 1913 1055410 Rubel
= 56,20 Rubel pro Arbeiter und Monat, 1915: 2336990 Rubel
= 49,40 Rubel pro Arbeiter und Monat.

Werkswohnungen: Es besteht keine Arbeiterkolonie, die
Arbeiter wohnen in den Vororten von Jekaterinoslaw.

Es besteht eine Werksschule mit 2 Lehrern und 4 Lehre-
rinnen, in welcher 107 Knaben und 85 Mädchen unterrichtet wurden,

0 Zur Weiterverarbeitung im Werke A.
        <pb n="33" />
        ﻿26

Beschreibung der südrussischen Hüttenwerke.

deren Unterhalt im Jahre 1913 4812 Rubel = 3,07 Rubel pro Ar-
beiter und Jahr kostete. Im Jahre 1915 beliefen sich die Kosten
auf 6103 Rubel = 1,55 Rubel pro Arbeiter und Jahr.

Aktiengesellschaft „Briansk“.

Gegründet 1873 durch die russischen Industriellen Golubew
und Fürst Tenischew als Lokomotivfabrik und Stahlwerke zur Her-
stellung von Artilleriematerial in Bejiza (Briansk, Gouvernement Orel).
Im Jahre 1887 errichtete die Gesellschaft das „Südrussische Alexander-
Hüttenwerk“ bei Jekaterinoslaw, im Jahre 1898 das „Briansker
Hüttenwerk“ in Kertsch, das sie nach einigen Jahren in eine be-
sondere Gesellschaft „Societe Metallurgique de Kertsch“ umwandelte,
die um 1903 in Liquidation geriet.

Kapital: 24180000 Rubel im Jahre 1911
30800000	„	„	„	1913

41180000	„	„	„	1914

51182000 während des Krieges.

Dividende der 100 Rubel-Aktie: Bis 1906 keine.

1906	1907/09	1910	1911	1912/13	1914	1915/16

Gewöhnliche

Aktie .	.	0,50	12,50	6,—	8,—	9,—	11,—	Rubel

Privilegierte

Aktie .	.	—	5,—	5,—	6,—	8,—	9—	11,—	„

Die Gesellschaft wird kontrolliert durch die Russisch-Asiatische
und die Internationale Bank in St. Petersburg.

Reservekapital; 6868000 Rubel.

Obligationsschuld: 8970000 Rubel.

Sitz der Verwaltung: St. Petersburg, zurzeit Kiew.

Umsatz der Gesellschaft! 1913:	47677 128	Rubel

1914:	53463819	„

1915:	70708209	„

1916:	104462491	„

1.	Hüttenwerke „Alexander-Werke“ Gorjainowo, Station
der Jekaterinenbahn bei Jekaterinoslaw.

Hochofenanlage: 6 Hochöfen, davon 5 mit Schrägaufzügen,
Ladung in Kübel, die durch ein unterirdisches Kanalsystem gefahren
werden. Einrichtung noch nicht ganz fertig, Ladung der Kübel
teilweise von Hand.

Gasreinigung durchgeführt.
        <pb n="34" />
        ﻿Aktiengesellschaft „Briansk“.

27

Gasgebläse: 6 Gasgebläse von insgesamt 9000 PS.

Kraftanlage: 5 Dampfturbinen zu 5000 PS.

Erzeugung 1913 == 45894969 kW/st
„	1915 = 39 606 667	„

Bessemerstahlwerk: 3 Birnen zu 12 t mit 2 Mischern von
insgesamt 550 t.

Martinstahlwerk: 2 Anlagen, die enthalten: 3 Öfen zu 40 t,
2 Öfen zu 30 t, 3 Öfen zu 50 t und eine Vorfrischeranlage zu 250 t.

Walzwerke: Blockwalzwerk; Schienenstraße 800mm 0; 2 Mittel-
straßen 550 und 410 mm 0; kleine Straße 325 mm 0 und Draht-
straße 260 mm 0; Grobbleehstraße, Dachblechstraße von 2 Gerüsten,

Rohrgießerei: System Ardelt zur Herstellung von Rohren
bis 52 Zoll 0.

Brückenbau-Anstalt.

Feuerfeste Steinfabrik zur Herstellung von 1200000 Pud
Chamottesteine und 900000 Pud Dinassteine jährlich.

Produktion des Hüttenwerkes;

Roheisen		1913  25037 393 Pud		1915  17577824	Pud
Martinstahl		12285635	11	10244644	
Bessemerstahl ....	7633642	11	4428228	n
W alzerzeugnisse:				
Halbfabrikate . . . ,	186424	11	115975	
Stabeisen		4668362		4558127	
I- und U-Eisen . . . .	1107873		643364	
Eisenbahnschienen . .	3911021		2211889	
Grubenschienen . . . .	106477	11	16834	11
Grobbleche		1642504		1793873	11
Dachbleche		770685	11	201868	11
Universaleisen . . . .	223314	11	235700	11
Walzdraht		2903626	11	1379294	11
Federnstahl . . .	3018	11	15172	11
Enden für den Verkauf	365284	11	140575	11
Walzerzeugnisse: .	15888588 Pud		11312671 Pud	

An weiterverarbeiteten Fertigerzeugnissen versandte das
Werk:
        <pb n="35" />
        ﻿

28	Beschreibung der südrussischen Hüttenwerke.

1913	1915

Gußeiserne Rohre und Teile

zu diesen................ 1310234 Pud	671624 Pud

Eisenbahnlaschen, Unterlags-
platten usw................. 75891	„	63 206	„

Brücken- und Hochbau . . 480187 „	264081 „

Reservoire u. Zisternen	.	.	42 259	„	40096	„

Verschiedene Fabrikate	.	.	31868	„	51 786	,,

Fertigerzeugnisse

1940439 Pud

1090793 Pud

Arbeiterverhältnisse: Die Anzahl der Arbeiter betrug 1913
8482, die der Beamten 536, von denen 12 Ausländer waren. Im
Jahre 1915 belief sich die Arbeiteranzahl auf 10399, die der Be-
amten auf 675, von denen 5 Ausländer waren.

Die Arbeiterlöhne betrugen im Jahre

1913: 4611408.— Rubel = 45.25 Rbl. pro Arbeiter und Monat.
1915:4427353.—	„	—35,41	„

Werkswohnungen; Eine Arbeiterkolonie besteht nicht. Die
Arbeiter wohnen in gemieteten oder eigenen Wohnungen in den
naheliegenden Vororten der Stadt Jekaterinoslaw, mit der das Werk
durch die städtische elektrische Bahn verbunden ist.

Schule: Es bestand eine Werksschule mit 15 Lehrern und
14 Lehrerinnen, in welcher 495 Knaben und 517 Mädchen unter-
richtet wurden, und deren Unterhalt 36110 Rubel kostete,
= 3,54 Rubel pro Arbeiter und Jahr. Im Jahre 1915 kostete der
Unterhalt 35 908 Rubel = 2,87 Rubel pro Arbeiter und Jahr.

2.	Erzgruben:

a)	Alexandrowski-Grube, Saxaganski-Flöz.

Förderung 1913 = 6 300000 Pud.

Förderung 1915 = 4600000	„

b)	Suchaja Balka, Saxaganski-Flöz.

Förderung 1913 = 15 870000 Pud.

Förderung 1915 = 14 700 000	„

3.	Erzgruben der„UdobnijaSemlja“, einer Gesellschaft,
die aus 3 Teilhabern besteht:

1.	der „Briansker“ Aktiengesellschaft,

2.	der „Societe Fran9aise de Krivoi Rog“,

3.	der „Societe du Donez ä Droujkowka“.
        <pb n="36" />
        ﻿Aktiengesellschaft „Kraniatorskaja“ Hüttenwerke u. Maschinenfabrik. 29

Zu dieser gehören folgende Gruben:

a)	Karnawatka-Grube, Saxaganski-Flöz.

Förderung 1913 = 33 000 000 Pud.

Förderung 1915 == 15 347 000	„

b)	Tarapakowski-Grube, Tarapakowski-Flöz.

Förderung 1913 = 6 200 000 Pud.

Förderung 1915 = 3 153 000	„

c)	Lichmanowski-Grube, Lichmanowski-Flöz.

Förderung 1913 — 15142 000 Pud.

Förderung 1915 = 7 348000	„

d)	Tscherwonaja-Grube, Tscherwonnij-Flöz.

Förderung 1913 = 4 400 000 Pud.

Förderung 1915 == 648000	„

4.	Kohlengruben:

a)	Rutschenkowski-Grube, Station Rutschenkowo der
Jekaterinenbahn, Gleisanschluß bis 41/2 Werst.

Förderung 1914 == 44 202 000 Pud. davon
Gaskohle = 31 099 000 Pud
Kokskohle = 13 103 000 Pud
Förderung 1915 insgesamt 36000000 Pud.
Koksofenanlage: 140 Öfen ohne Gewinnung der Neben-
produkte, System Coppee,
105 Öfen mit Gewinnung der Neben-
produkte.

Produktionsmöglichkeit der Anlage:

3 600 Pud X 140 Öfen = 504 000 Pud im Monat,
10800 Pud X 105 Öfen = 1134 000 Pud im Monat.
Produktion 1915: 6 255 650 Pud Koks.

b)	Tschulkowski-Grube, Station Glasnaja der Jekate-
rinenbahn, Gleisanschluß bis 8,8 Werst.

Förderung aus 3 Schachtanlagen 1914 — 17 160000 Pud

Magerkohle,
1915 = 15 648 000 Pud
Magerkohle.

Aktiengesellschaft „Kraniatorskaja“ Hüttenwerke und
Maschinenfabrik.

Gegründet um 1897 durch den Industriellen K. O. Gamper (Firma
Fitzner &amp; Gamper, Sosnowice). An dem Unternehmen ist die
Maschinenfabrik Borsig, Tegel-Berlin und polnisches Kapital beteiligt.
        <pb n="37" />
        ﻿30

Beschreibung der südrussisohen Hüttenwerke.

Kapital; 10 000000 Rubel.

Dividende: Noch keine gezahlt.

Reservekapital: 352 333 Rubel.

Sitz der Verwaltung: Bis zum Kriege Warschau, nachher
Petersburg.

Umsatz der Gesellschaft:

1913/14 =11501 353 Rubel
1914/15 = 12 235 999	„

1915/16 = 14800 434 „

1916/17 = 16 800 372	„

1. Hüttenwerk und Maschinenfabrik Kramatorskaja,
Station der Südbahn.

Hochofenanlage: 3 Hochöfen, von denen einer mit Stähler-
Benrath-Aufzug, einer mit Kennedy-Aufzug und einer mit verti-
kalem Aufzuge noch nicht umgebaut ist. Ladung der Materialien
von Hand.

Gasreinigung; Nur teilweise fertiggebaut.

Gasgebläse: 1 Gasgebläse zu 1800 P.S.

Kraftanlage: 3 Turbinen und 1 Dampfmaschine von insge-
samt 7600 P. S.

Erzeugung 1913 = 15024000 kW/st.

Erzeugung 1915 = 14178000	„

Martinwerk: 2 Öfen zu 50 t, 1 Ofen zu 35 t und 1 Mischer
zu 200 t.

Walzwerke: Mittelstraße 620mm0; kleine Straße 360 mm 0
und Drahtstraße 280 mm 0.

Eisengießerei: Produktionsmöglichkeit 70000 Pud monatlich.

Stahlgießerei: 2 kleine Bessemer-Birnen zu 2 t.

Maschinenfabrik; Speziell zur Herstellung von Hüttenwerks-
einrichtungen ausgerüstet.

Fabrik von Nieten, Bolzen und Schrauben.

Werkstätten für Hochbaukonstruktionen und Kräne.

Fabrik zur Herstelluug von Achsen für Bauernwagen.

Koksofenanlage; Im Bau. 50 Öfen mit Gewinnung der
Nebenprodukte, Produktionsmöglichkeit 450000 bis 540000 Pud
monatlich.
        <pb n="38" />
        ﻿Aktiengesellschaft „Kramatorskaja“ Hüttenwerke u. Maschinenfabrik. 31
Produktion des Hüttenwerkes:

	1913	1915	
Roheisen		10 058 451 Pud	8 711 541 Pud	
Martinstahl		5 287 560 „	4717 517	5?
Walzer Zeugnisse:			
Halbfabrikate ....	623 995	„	553577	5?
Stabeisen		2 500 712	„	1 988839	5»
I-Eisen		660 910	„	295188	
Univefsal-Eisen . . .	3 200 „	16 030	
Walzdraht		805876	„	1 018 240	
Enden für den Verkauf	196 736	„	157 616	y&gt;
Walz er Zeugnisse:	4 791429 Pud	4 029 490 Pud	
An weiterverarbeiteten Fertigerzeugnissen			versandte
Werk:			
	1913	1915	
Gußeiserne Fabrikate .	. 199 272 Pud	140 929 Pud	
Eisenbahnschienen. Unter-			
lagsplatten usw. . .	. 345069	„	404 028	JJ
Hochbau-Konstruktionen .	95 267	„		40 716	J?
Dampfmaschinen . . ,	. .	7 341	„	3 041	»
Kräne		. .	91 747	„	47 604	
Drehbänke und Maschinen 211187	„		85 140	V
Fertigerzeugnisse	:	949 883 Pud	721458 Pud	

Arbeiterverhältnisse: Die Anzahl der Arbeiter belief sich
im Jahre 1913 auf 3605, die der Beamten auf 246, von denen 26
Ausländer waren. Im Jahre 1915 betrug die Arbeiteranzahl 3392,
die der Beamten 251, von denen 9 Ausländer waren.

Die Arbeiterlöhne betrugen im Jahre

1913 = 1 308 981 Rubel = 30.25 Rubel pro Arbeiter u.
1915 = 1429 747	„	=35.12	„

Monat

5J

Werkswohnungen: Im Jahre 1913 bestanden 139 Arbeiter-
wohnungen. 3466 Arbeiter wohnten in gemieteten oder eigenen
Wohnungen. Im Jahre 1915 hatte sich die Anzahl der Arbeiter-
familienwohnungen auf 171 erhöht.

Schule: Es bestand eine Werkssohule mit einem Lehrer und
7 Lehrerinnen, in welcher 155 Knaben und 146 Mädchen unter-
richtet wurden, und deren Unterhalt 9000 Rubel kostete
= 2,49 Rubel pro Arbeiter und Jahr. Im Jahre 1915 kostete die
Schule 10000 Rubel = 2,94 Rubel pro Arbeiter und Jahr.
        <pb n="39" />
        ﻿32

Beschreibung der südrussisohen Hüttenwerke.

2. Erzgruben:

a)	Losowatski-Grube, Saxaganski-Flöz.

Förderung 1913 = 3 084 000 Pud.

Förderung 1915 = 3 515 000	„

b)	Rachmanowski-Grube, Lichmanowski-Flöz.

Die Grube wurde von der Gesellschaft während des Krieges
erworben.

Förderung 1915 = 1 392 751 Pud.

,.Societ6 du Donez ä Droujkowka“.

Gegründet 1894 von französischen Kapitalisten (Pasteur, Raymond).
Kapital: 4500000 Rubel bis zum Jahre 1911,

7 960000	„ seit 1911.

Bis 1912 keine Dividenden.

1913	= lO°/0 Dividende,

1914	= 10°/0 Dividende.

Reservekapital; 3 519 211 Rubel.

Obligationsschuld: 4 476 740 Rubel.

Sitz der Verwaltung: Paris mit einem Nebensitz in St.
Petersburg.

Umsatz der Gesellschaft:

1913/14 == 14132727 Rubel
1914/15 = 11 379190	„

1915/16 = 13359896	„

1916/17 = 19 133494	„

1.	Hüttenwerk in Droujkowka, Station der Südbahn.
Hochofenanlage: 4 Hochöfen, von denen nur 3 Cowper-
Apparate und, Maschinen haben. Alte Einrichtung mit vertikalen
Aufzügen und Ladung der Rohstoffe von Hand.

Gasreinigung; Nicht durchgeführt.

Gasgebläse: Ein Gasgebläse zu 800 P. S.

Kraftanlage: 10 Dampfmaschinen von insgesamt 2270 P. S.

Erzeugung 1913 = 10 945 000 kW/st. '

„	1914 = 11347 000	„

Bessemerstahlwerk: 3 Bjrnen und	ein	Mischer	zu	100 t.	■

Martinstahlwerk: Alte Anlage: 1	Ofen	zu	15	t,	2 Öfen	zu

25 t, 1 Ofen zu 45 t.
        <pb n="40" />
        ﻿Societe du Donez ä üroujkowka“.

33

Walzwerke: Blockwalzwerk mit Schienenstraße 850 mm 0:
Mittelstraße 600 mm 0; kleine Straße 325 und Drahtstraße 250 mm 0;
Grobblechstraße 3600 mm Ballenlänge.

Koksofenanlage: 134 Ofen ohne Gewinnung der Neben-
produkte, System Coppee,
70 Öfen mit Gewinnung der Neben-
produkte.

Produktionsmöglicheit der Anlage:

4 000 Pud X 134 Öfen = 536 000 Pud monatlich.

10000	„ X 70 Öfen == 700000	„

Produktion 1913 == 5 483 006 Pud Koks.

„	1915 = 3 084 520	„

Produktion des Hüttenwerkes:

Roheisen		1913  11578049	Pud	1915  8 049 372 Pud	
Martinstahl ....	5 455185		4015271	
Bessemerstahl . , . .	6 896 868	D	4 946 060	&gt;5
Walzerzeugnisse: Halbfabrikate ....	14 368		9 013	
Stabeisen		2 548188	»	1 641 454	})
I- und U-Eisen . . .	2 961 719		864 371	J)
Eisenbahnschienen . .	2 983 685		3544413	V
Rillenschienen . . .	51446		—	&gt;&gt;
Grubenschienen .	. .	157 226		38454	
Grobbleche		961196	V	785 406	
Feinbleche		1 931		—	
Walzdraht		286 565	&gt;&gt;	- 268101	
Federnstahl . . . .	183940	»	151714	
Enden für den Verkauf	8004	}}	125 988	

Walzerzeugnisse; 10158268 Pud 7428914 Pud

An weiterverarbeiteten Fertigerzeugnissen versandte
das Werk:

1913

Eisenbahnlaschen, ünter-

lagsplatten usw. . . .	24 345 Pud

Verschiedene Fabrikate . 140 961	„

Fertigerzeugnisse; 165306 Pud

1915

1338 Pud
125 887	„

127225 Pud

Arbeiterverhältnisse: Die Anzahl der Arbeiter belief sich im
Jahre 1913 auf 3849, die der Beamten auf 196, von denen 80 Aus-
länder waren. Im Jahre 1915 betrug die Arbeiteranzahl 3640, die
der Beamten 207, von denen 61 Ausländer waren.

Klein, Die südrussische Eisenindustrie,	3
        <pb n="41" />
        ﻿34

Beschreibung der südrussisohen Hüttenwerke.

Die Arbeiterlöhne betrugen im Jahre
1913 = 1850754 Rubel = 40.— Rubel pro Arbeiter und Monat.
1915 = 1635650	„	= 37.28	„	„	.	„

Werkswohnungen; Im Jahre 1913 wohnten 220 Arbeiter in
Kasernen, 2082 Arbeiter in 694 Pamilienwohnungen und 1547 in ge-
mieteten oder eigenen Wohnungen. Im Jahre 1915 hatte sich die
Anzahl der Arbeiterwohnungen auf 722 erhöht.

Schule: Es bestand eine Werksschule mit 9 Lehrern und
12 Lehrerinnen, in welcher 457 Knaben und 308 Mädchen unter-
richtet wurden, und deren Unterhalt im Jahre 1913 16 428 Rubel
kostete = 4,26 Rubel pro Arbeiter und Jahr. Im Jahre 1915 kostete
der Unterhalt 20 974 Rubel = 5,76 Rubel pro Arbeiter und Jahr.

2.	Erzgruben:

a)	Erzgrube Ewgeniewski, Lichmanowski-Flöz. 1

Förderung 1913 = 11618 856 Pud.

Förderung 1915 = 5 889560	„

b)	Erzgrube Selenowski, Lichmanowski-Flöz.

Förderung 1913 = 3847446 Pud

Förderung 1915 =	—	„

Außerdem war die Gesellschaft mit den Gesellschaften „Briansk“
und „Krivoi Rog“ an den Gruben der „Udobnija Semlja“ be-
teiligt (s. S. 28).

„Neurussische Gesellschaft“ in Jusowka.

Gegründet im Jahre 1870 durch den Engländer John Hughes,
der als erster im Süden Rußlands Kokshochöfen erbaute und dazu
die örtlichen Brauneisenerze verwandte. Die Hütte erhielt eine
Regierungsprämie für die Lieferung von Eisenbahnschienen während
einer Reihe von Jahren, konnte aber nicht zur Entwicklung ge-
langen, bis sie im Jahre 1885 Erzfelder im Krivoi Roger Gebiete
erwarb. Während des Krieges wurden die Werke an die Gesohoß-
fabrik „Parwjanen“ in St. Petersburg verkauft.

Kapital: 11 400000 Rubel im Jahre 1914.

22856000	„	„	„	1917.

Obligationsschuld: 5380000 Rubel.

Sitz der Verwaltung: London mit Nebensitz in St. Peters-
burg.
        <pb n="42" />
        ﻿(Neurussische Gesellschaft“ in Jusowka,

35

Umsatz der Gesellschaft:

1913	= 19 894 516 Rubel

1914	= 18560115

1915	= 17580208	„

1916	= 37486337

1917	= 44026255	„

1.	Hüttenwerk in Jusowka, Station der Jekaterinenbahn.

Hochofenanlage; 5 Öfen, von denen einer mit Kennedy-Be-
gichtung, die anderen Öfen mit vertikalen Aufzügen. Alte Einrich-
tung. Ladung der Materialien bei allen Öfen von Hand.

Gasreinigung: Keine.

Gasgebläse: Keine.

Kraftanlage: 2 Dampfmaschinen und 2 Dampfturbinen von
insgesamt 6 700 P. ’S.

Erzeugung 1913 = 20955956 kW/st.

„	1915 = 24448913	„

Bessemerstahl werk: 4 Birnen und Mischeranlage von
2 Mischern von insgesamt 300 t. Die Anlage hat während der letzten
Jahre nicht mehr gearbeitet.

Martinstahlwerk:

a)	Alte Anlage; 7 Öfen von 20—30 t.

b)	Neue Anlage: 3 Öfen zu 60 t.

Walzwerke; Blockwalzwerk und Schienenstraße; 2 Mittelstraßen
500 und 400 mm 0, 2 kleine Straßen 330 und 250 mm 0; Grob-
blechstraße; Feinblech- und Dachblechstraße.

Konstruktionswerkstätten für Brückenbau:

Koksofenanlage; 210 Öfen ohne Gewinnung der Nebenpro-
dukte, System Coppee.

Produktionsmöglichkeit: 3345 Pud X 210 Öfen = 702450 Pud
monatlich.

Produktion 1915 = 8102 046 Pud.

Produktion des Hüttenwerkes:

1913	1916

Roheisen............ 16911753 Pud	14538273 Pud

Martinstahl......... 14159 595 »	12 640802 »

Walzerzeugnisse:

Halbfabrikate ....	813238 jj	1591700 n

Stabeisen........... 3 792 254 »	2 379121 »

I- und U-Eisen . . .	693 393 n	711685 n

5298885 Pud

4682506 Pud
3*
        <pb n="43" />
        ﻿36

Beschreibung der südrussisohen Hüttenwerke.

Übertrag:	5298885 Pud	4682506	Pud
Eisenbahnschienen . .	3932730 »	3817294	ff
Rillenschienen ....	360533 »	98617	ff
Grubenschienen .	.	.	181258 »	150057	ff
Grobbleche		2140294 n	1482 724	ff
Feinbleche		204376 »	185565	ff
Dachbleche		420669 »	131844	ff
Universaleisen . . .	—	V	61 728	ff
Federnstahl			 »	43623	ff
Walzdraht			 ff	2 947	ff
Enden für den Verkauf	236029 »	11879	ff
Walzerzeugnisse;	12774774 Pud	10668784 Pud	
An weiterverarbeiteten Fertigerzeugnissen			versandte
Werk;	1 9 13	1915	
Gußstahlstücke , . .	. .	10384 Pud	4945	Pud
Eisenbahnlaschen, Unter-			
lagsplatten usw. . .	7 079	»	4067	ff
Schmiedestücke . . .	. . 172180 n	369	ff
Brückenbauten .	. .	. . 447010 »	674043	ff
Äbgedrehte Achsen	.	.		 H	168614	ff
Reservoire und Zisternen .	4 376 n		—	ff
Verschiedene Fabrikate	. .	3438 »	3298	ff
Fertigerzeugnisse	. . 644467 Pud	855336 Pud	

Arbeiterverhältnisse: Die Anzahl der Arbeiter betrug 1913
6422 Mann, die der Beamten 464, von denen 35 Ausländer waren.
Im Jahre 1915 belief sich die Arbeiteranzahl auf 8888 Mann, die
der Beamten auf 890, von denen 32 Ausländer waren.

Die Arbeiterlöhne betrugen im Jahre
1913 = 2 801468 Rubel — 35,35 Rubel pro Arbeiter und Monat,
1915 = 3670384 Rubel = 40,96 Rubel pro Arbeiter und Monat.

Werkswohnungen: Im Jahre 1913 wohnten 95 ledige Arbeiter-
in Kasernen, 930 Arbeiter lebten in 778 Arbeiterwohnungen des
Werkes und 5397 Arbeiter in Nichtwerkswohnungen. Im Jahre 1915
hatte sich die Anzahl der Werkswohnungen auf 853 erhöht.

Schule: Es bestand eine Werksschulo mit 34 Lehrern und
24 Lehrerinnen, in der 1194 Knaben und 856 Mädchen unterrichtet
wurden, und deren Unterhalt im Jahre 1913 72 793 Rubel kostete
= 11,33 Rubel pro Arbeiter und Jahr. Im Jahre 1915 kostete der
Unterhalt 97 245 Rubel — 10,73 Rubel pro Arbeiter und Jahr.
        <pb n="44" />
        ﻿Metallurgische Gesellschaft Donez-Juriewka.	37

2.	Erzgruben: Noworossisker Grube, Saxaganski-Flöz.

Förderung 1913 = 13426079 Pud.
n.	1915 = 6441036	»

3.	Kohlengruben beim Hüttenwerke: Kohlenförderung aus
14 Schachtanlagen, die durch Gleisanschluß bis 10 Werst mit dem
Hüttenwerke verbunden sind, im Jahre 1914 = 92 607 927 Pud.

Hiervon waren Flammkohle . 27000000 Pud.

Schmiedekohle 10000000	»

Kokskohle . . 55000000	»

Förderung 1915 insgesamt 83 846000 n

Koksofenanlage: Auf der Nowo-Smoljaninowskaja-Grube
180 Öfen mit Gewinnung der Nebenprodukte, System Coppee.

Produktionsmöglichkeit: 8640 Pud X 180 Öfen —1555 200 Pud
monatlich.

Produktion 1915 = 14 708 351	Pud	Koks,

415836	n	Teer,

215857	»	Pech,

191715	i)	Ammoniumsulf at,

46 671	n	Benzol,

186868 n Kreosot und Öle.

3Ietallurgische Gesellschaft Donez-Juriewka.

Gegründet 1895 durch den russischen Industriellen Altsohewski
mit Hilfe Petersburger Banken. Die Gesellschaft geriet nach dem
Tode Altschewskis unter gerichtliche Verwaltung und ging nach
deren Aufhebung eine Interessengemeinschaft ein mit der Metallur-
gischen Gesellschaft Ural-Wolga und der Petersburger Drahtindustrie.
Beteiligt sind französische Banken und die Moskauer Industriebank.

Kapital: 15000000 Rubel bis 1911,

22100000 n nach 1911.

Dividende: 1914/15 = 6°/0, 1915/16 = 10°/0,

Sitz der Verwaltung: St. Petersburg.

1.	Hüttenwerk zu Altsehewskoe, Station der Jekaterinenbahn.

Hochofenanlage: 5 Hochöfen mit vertikalen Aufzügen. Alte
Einrichtung. Ladung der Materialien von Hand.

Gasreinigung nur teilweise durchgeführt.

Gasgebläse: 2 Gasgebläse von insgesamt 1400 PS.

Kraftanlage: 11 Dampfmaschinen von insgesamt 8100 PS.

Erzeugung 1913 = 7 820030 kW/st.

„	1915 = 11634 709	»
        <pb n="45" />
        ﻿38

Beschreibung der südrussischen Hüttenwerke.

Martinstahlwerk; 7 Öfen zu 25—35 t.

Walzwerke: Blockwalzwerk und Schienenstraße; Mittelstraße
500 mm 0; 2 kleine Straßen 300 und 250 mm 0; Drahtstraße von
11 Gerüsten.

Koksofenanlage: 180 Öfen ohne Gewinnung der Nebenpro-
dukte, System Coppee.

Produktionsmöglichkeit: 4200 Pud X 180 Öfen — 756000 Pud
monatlich.

Produktion 1915 = 5 477129 Pud.

Produktion des Hüttenwerkes:

1913	1915

Roheisen............ 15120623 Pud 13148184 Pud

Martinstahl		15319945	7?	10382195	77
Walzerzeugnisse:				
Halbfabrikate ....	2035318	77	1460553	77
Stab eisen		6288235	7?	3427892	77
I- und Ü-Eisen . . .	1828895	77	2089612	7?
Eisenbahnschienen . .	2641282	77	1221384	77
Grubenschienen . . .	56100	77	32 304	77
Walzdraht		—	77	580050	77
Enden für den Verkauf	138691	77	26071	77
Walzerzeugnisse:	12988521 Pud		8837866 Pud	

Arbeiterverhältnisse: Die Anzahl der Arbeiter belief sich
1913 auf 5133 Arbeiter, die der Beamten auf 188, von denen 17 Aus-
länder waren. Im Jahre 1915 betrug die Arbeiteranzahl 4869, die
der Beamten 221, von denen 13 Ausländer waren.

Die Arbeiterlöhne betrugen im Jahre
1913 2887171 Rubel = 47.— Rubel pro Arbeiter und Monat,
1915 2422925 Rubel = 40,98 Rubel pro Arbeiter und Monat.

Werkswohnungen: Im Jahre 1913 wohnten 542 ledige Ar-
beiter in Kasernen; 2465 Arbeiter in 1324 Arbeiterwohnungen,
2126 Arbeiter in gemieteten oder eigenen Wohnungen. Im Jahre 1915
war die Anzahl der Arbeiterwohnungen nicht erhöht.

Schule: Es bestand eine Werksschule mit 17 Lehrern und
13 Lehrerinnen, in der 558 Knaben und 448 Mädchen unterrichtet
wurden, und deren Unterhalt 32 608 Rubel kostete = 6,35 Rubel pro
Arbeiter und Jahr. 1915 kostete die Schule 34147 Rubel = 7,01 Ru-
bel pro Arbeiter und Jahr.

2.	Erzgruben im Krivoi Roger Bezirk:
a) Puchmerki-Grube, Saxaganski-Flöz.

\
        <pb n="46" />
        ﻿SooieG Miniere et Metallurgique „Union“ ä Makiewka.

39

Förderung 1913 = 3387 800 Pud.

„	1915 = 4064000 »

b)	Tarapakowski-Grube, Tarapakowski-Flöz.

Förderung 1913 = 5 228886 Pud.

„	1915 = 2 657000	&gt;.

c)	Polewoi-Grube, Lichmanowski-Flöz.

Förderung 1913 = 3 547 000 Pud.

„	1915 = 2 673000 n

3.	Kohlengruben: Förderung aus den 3 Gruben Pawlowski-,
Jumaschewski- und Krasnopolski-Gruben, die sich in der Nähe des
Hüttenwerkes befinden, im Jahre 1914 = 14078 900 Pud, davon

Flammkohle =	315000 Pud

Kokskohle = 8 533 440	»

Magerkohle = 5 230460 »

Förderung 1915 insgesamt = 17 782 000 n

Koksofenanlage auf dem Pawlowski-Schaoht: 260 Öfen ohne
Gewinnung der Nebenprodukte, System Coppee.

Produktionsmöglichkeit; 3000 Pud X 260 Öfen = 780000 Pud
monatlich.

Produktion 1915 = 5324745 Pud.

Societe Miniere et Metallurgique „Union“ ä Makiewka.

Gegründet um 1896 durch die Societe Generale de Paris, nach-
her verpachtet an die neuerrichtete Gesellschaft „Union“; beteiligt
sind außer der französischen Gruppe die „Österreichische Länder-
bank“ mit ungefähr 10 000000 Francs, und -Huldschinsky, Gleiwitz,
mit ungefähr 5000000 Francs Aktien. Während des Krieges wurde
ein Teil der Aktien durch die russische Malzew-Gruppe erworben.

Kapital: 40000000 Francs.

Sitz der Verwaltung: Paris.

1. Hüttenwerk zu Makiewka:

Hochofenanlage: 3 Hochöfen (davon 2 System Burgers) mit
vertikalen Aufzügen, Koksladung durch Drahtseilbahn, die von den
Koksöfen kommend unmittelbar über alle 3 Öfen hinübergeht. La-
dung der Erze mittels eines elektrischen Kranes und von Hand.

Qasreinigung durchgeführt.

Gasgebläse: 3 Gasgebläse von insgesamt 5400 PS.

Kraftanlage: 3 Gasmotore, 4 Dampfmaschinen und 2 Dampf-
turbinen von insgesamt 10840 PS.
        <pb n="47" />
        ﻿40

Beschreibung der südrussischen Hüttenwerke.

Erzeugung 1913 = 19177 435 kW/st*.

„	1915 = 23756706	»

Martin stahl werk: 4 Öfen zu 30 t; 2 Öfen zu 40 t und 1 Elek-
troofen, System Heroult.

Walzwerke: Blockwalzwerk und Schienenstraße 850 mm 0;
Mittelstraße 600 mm 0; 2 kleine Straßen 330 und 280 mm 0;
Grobblechstraße, Feinblechstraße und 2 Dachblechstraßen.
Rohrgießerei:

Produktion	des Hütt	enwe	r k e s:	
	1913		1915	
Roheisen	 14077174 Pud			12547406	Pud
Martinstahl ....	9479104	7?	11137983	77
Walzerzeugnisse:				
Halbfabrikate ....	1582620	77	2121370	7?
Stabeisen		517698	77	1609100	7*
I- und U-Eisen . . .	435308	77	100942	77
Eisenbahnschienen . .	2468222	7?	2347451	7’
Grabenschienen . . .	—	77	48 755	77
Grobbleche . ,	1310962	77	1041266	77
Feinbleche		140445	77	260844	7*
Dachbleche ....	607736	77	492041	77
Universaleisen . . .	149410	77	127737	77
Federnstahl		—	77	55 281	77
Enden für den Verkauf	672109	77	242906	77 ■
Walzerzeugnisse:	7884510 Pud		8447693	Pud
An weiter verarbeitet	en Ferti	gerze	ugnissen	versandte
Werk:				
	191.	i	1915	
Gußeiserne Rohre und				
Teile zu diesen . . .	1628833	Pud	1256146	Pud
Stahlgußstücke ....	66 506	77	35075	77
Eisenbahnlaschen, Unter-				
lagsplatten usw. . . .	305316	77	336994	7*
Wellbleche		5 682	77	8385	77
Verschiedene Fabrikate	11171	77	7 991	77
Fertigerzeugnisse:	2017508	Pud	1 644 591	Pud

Arbeiterverhältnisse; Die Anzahl der Arbeiter belief sich
1913 auf 3114 Mann, die der Beamten auf 265, von denen 61 Aus-
länder waren. Im Jahre 1915 betrug die Arbeiteranzahl 4790, die
der Beamten 454, von denen 65 Ausländer waren.
        <pb n="48" />
        ﻿Bergwerks- und Hüttengesellsohaft Nikopol-Mariupol.

41

Die Ärbeiterlöhne betrugen im Jahre
1913 = 2112240 Rubel = 56,52 Rubel pro Arbeiter und Monat.
1915 = 2 208148 Rubel = 3 8,41 Rubel pro Arbeiter und Monat.

Werkswohnungen': Im Jahre 1913 wohnten 1568 Arbeiter
in 392 Arbeiterwohnungen. 1546 Arbeiter lebten in gemieteten oder
eigenen Wohnungen. Im Jahre 1915 war die Anzahl der Ärbeiter-
wohnungen die gleiche.

Schule; Es bestand eine Werksschule mit 2 Lehrern und 8 Leh-
rerinnen, in der 326 Knaben und 245 Mädchen unterrichtet wurden,
und deren Unterhalt im Jahre 1913 7800 Rubel kostete = 2,50 Ru-
bel pro Arbeiter und Jahr. Im Jahre 1915 kostete die Schule
14008 Rubel = 2,92 Kübel pro Arbeiter und Jahr.

2.	Erzgruben: Die Gesellschaft hat während des Krieges die
Gruben der Gesellschaft „Dubowaja Balka“ gekauft. Saxaganski-Flöz.

Förderung 1913 = 24312878 Pud.

„	,	1915 = 11237426 »

3.	Kohlengruben bei dem Hüttenwerke. Gleisanschluß zu
den Stationen Jasinowataja, Charzisk und Makiewka.

Förderung aus 15 Schachtanlagen 1914 == 70174000 Pud, davon
27 000 000 Pud Schmiedekohle und
43000000 » Kokskohle.

Förderung 1915 insgesamt 71693000 Pud Kohle.

Koksofenanlage bei den Gruben: 94 Öfen ohne Gewinnung
der Nebenprodukte und 184 Öfen mit Gewinnung der Nebenprodukte.

Produktionsmöglichkeit:

6750 Pud X 94 Öfen = 635000 Pud monatlich,

9000 » X184	» = 1650000 »	»

Produktion im Jahre 1914 = 19480000 Pud.

»	»	»	1915 = 18160000 n

Bergwerks- und Hüttengesellschaft Nikopol-Mariupol.

Gegründet um 1896, erbaut durch amerikanische Ingenieure,
kontrolliert durch die Internationale Handelsbank zu St. Petersburg.

Kapital: 6600000 Rubel im Jahre 1911,

13200000	»	»	»	1913,

20 533000	» n Anfänge des Krieges.

Reservekapital: 3846946 Rubel.

Obligationsschuld: 2187 500 Rubel.

Sitz der Verwaltung; St. Petersburg.
        <pb n="49" />
        ﻿42

Beschreibung der südrussisohen Hüttenwerke.

Umsatz der Gesellschaft: 1912/13 = 9584279 Rubel,

1913/14 = 17768377	»

1914/15 = 20104433	«

1915/16 ='23185272	„

1.	Hüttenwerk zu Mariupol, Station Sartana der Jekate-
rinenbahn.

Hochofenanlage: 2 Hochöfen mit Kennedy-Begichtung, La-
dung der Materialien von Hand.

Gasreinigung und Gasgebläse; keine.

Kraftanlage: 3 Dampfmaschinen und 4 Turbinen von insge-
samt 6020 PS.

Erzeugung 1913 = 5981856 kW/st.

„	1915 = 8256367	»

Martinstahlwerk: a) Alte.*Anlage: 7Öfenzu25—30t.

b) Neue n 2	»	» 501 u. 2 Öfen i. Bau.

Walzwerke: Grobstraße 700 mm 0; Mittelstraße 450 und
kleine Straße 300 mm 0 (hat in den letzten Jahren nicht gearbeitet);
Grobblechstraße und Feinblechstraße; großes Rohrwalzwerk für Rohre
von großem Durchmesser; Panzerplattenwalzwork „Krupp“ von-
4,5 m Ballenlänge und 1,4 m 0; Maschine von 8000 PS. und Presse
von 8000 t.

Koksofenanlage: 100 Öfen ohne Gewinnung der Nebenpro-
dukte, System Coppee.

Produktionsmöglichkeit: 5400 Pud X 100 Öfen = 540000 Pud
monatlich.

Produktion 1915 = 2 378303 Pud.

Produktion des Hüttenwerkes:

1913	1915

Roheisen............ 4 265421	Pud	4430846 Pud

Martinstahl......... 4 789112	»	7 395 474 »

Wälzerzeugnisse:

Grobbleche.......... 3004 725	»	4 775752 »

Feinbleche.......... 91465 ii	206110 »

Enden für den Verkauf 194421 n	178581 n

Walzerzeugnisse: 3290611 Pud 5160443 Pud

An weiterverarbeiteten Fertigerzeugnissen versandte
das Werk:

1913

Stahlgußstücke ...	1686 Pud

Rohre u. Teile zu diesen 1509 601 »

1915
.599 Pud
1189963 »

Fertigerzeugnisse: 1511287 Pud

1 190562 Pud
        <pb n="50" />
        ﻿Societe Frangaise des Minieres et Hauts-Fourneaux de Krivoi Rog“. 43

Arbeiterverhältnisse: Die Anzahl der Arbeiter belief sich
1913 auf 3232, die der Beamten auf 125, Ausländer waren nicht
beschäftigt. Im Jahre 1915 betrug die Arbeiteranzahl 4714, die
der Beamten 198, von denen 6 Ausländer waren.

Die Arbeiterlöhne betrugen im Jahre
1913 = 1 660533 Rubel = 42,80 Rubel pro Arbeiter und Monat,
1915=2531 585 Rubel — 44.75 Rubel pro Arbeiter und Monat.

Werkswohnungen: Im Jahre 1915 wohnten 30 Mann in Ka-
sernen; es bestanden 1330 Arbeiterfamilienwohnungen, 2744 Arbeiter
wohnten in gemieteten oder eigenen Wohnungen und 610 Arbeiter
arbeiteten für Privatunternehmer.

Schule: Es bestand eine Werksschule mit 9‘ Lehrern und 7 Leh-
rerinnen, in denen 227 Knaben und 232 Mädchen unterrichtet
wurden, und deren Unterhalt 9543 Rubel =2,95 Rubel pro Arbeiter
im Jahre 1913 kostete. Im Jahre 1915 kostete die Schule 23646 Rubel
= 5,76 Rubel pro Arbeiter und Jahr, die beim Unternehmer be-
schäftigten Arbeiter nicht mitgerechnet.

2.	Manganerzgruben im Nikopoler Gebiete;

Pokrow ski-Grube.

Förderung 1913 = 2 579229 Pud Manganerz.

„	1915= 1756950	„	,,

-	3. Kohlengruben:

Alexandrowski-Grube, Station Jusowo der Jekaterinenbahn.

Förderung 1914 = 6410000 Pud Flammkohle.

„	1915 = 7198000 „	„

.,Socict6 Franpaise des Minieres et Hauts-Fourneaux de

Krivoi Rog.“

Gegründet im Jahre 1881 durch französische Kapitalisten
(Grüner). Kapital bis jetzt ausschließlich in französischen Händen.

Kapital: 13500000 Francs.

Dividende 1915/16 = 9 °/0.

Reservekapital: 7 926077 Francs.

Obligationsschuld: 3300000 Francs.

Sitz der Verwaltung: Paris.

1.	Hochofenwerk „Gdanzewski“ in Krivoi Rog.

Hochofenanlage: 3 kleine Hochöfen, ganz \eraltet mit
steinernen vertikalen Aufzügen. Ladung der Materialien \on Hand.
        <pb n="51" />
        ﻿44

Beschreibung der südrussischen Hüttenwerke.

Die Öfen waren bestimmt, um aus ärmeren Eisenerzen (Quarziten)
Gießereiroheisen herzustellen.

Keine Gasreinigung und keine Gasgebläse.

Kraftanlage: 2 Turbinen und 2 Dampfmaschinen von ins-
gesamt 2350 PS.

Erzeugung 1913 = 2 250000 kW/st.

„	1915 = 2 850000	„

Produktion des Werkes;

1913	1915

Roheisen............ 4626912 Pud	3 604038 Pud

Arbeiterverhältnisse: Die Anzahl der Arbeiter belief sich
1913 auf 530, die der Beamten auf 33, im Jahre 1915 auf 356 Ar-
beiter und 35 Beamte, von denen 4 Ausländer waren.

Die Arbeiterlöhne betrugen im Jahre

1913 = 254091 Rubel=40,— Rubel pro Arbeiter und Monat.

1915 = 238 797	„	=35,90	„	„	„	„	„

Werkswohnungen: 90 Mann wohnten in Kasernen, 189 in
Arbeiterfamilienwohnungen und 251 in gemieteten oder eigenen Woh-
nungen. Im Jahre 1915 hatte sich die Anzahl der Werkswohnungen
nicht erhöht.

Schule: Es bestand eine Schule mit 3 Lehrern und 2 Lehre-
rinnen, in der 113 Knaben und 112 Mädchen unterrichtet wurden,
und deren Unterhalt 4586 Rubel kostete = 8,65 Rubel pro Arbeiter
undJahr. ImJahre 1915 kostete dieSchule 4406 Rubel= 12,37 Rubel
pro Arbeiter und Jahr.

2.	Erzgruben im Krivoi Roger Gebiet:

a)	Saxaganski-Grube, Saxaganski-Flöz.

Förderung 1913 = 7 141200 Pud.

„	1915	= 4871200 „

b)	Tscherwonnaja-Balka-Grube, Tscherwonnij-Flöz.

Förderung 1913 = 2 567 524 Pud.

„	1915 = 3 355 300 „

c)	Inguletzki-Grube, Inguletz-Flöz.

. Förderung 1913 = 2388560 Pud.

„	1915	= 2217100 „

d)	Rudniew-Grube, Lichmanowski-Flöz.

Förderung 1913 = 4 987445 Pud.

„	1915	= 2057 700 „
        <pb n="52" />
        ﻿Societe Anonyme des Hauts-Fournenux de Olohowaja“.

45



■/

e)	Rachmanowski-Grube, Lichmanowski-Flöz.

Förderung 1913 = 4837377 Pud.

„	1915 = 1998300 „

f)	Dobrowolski-Grube, Lichmanowski-Flöz.

Förderung 1913 = 9 874 295 Pud.

1915 = 5 272 900 „

Außerdem war die Gesellschaft mit den Gesellschaften „Briansk“
und „Droujkowka“ an den Gruben der „Udobnija Semlja“ beteiligt.
(Siehe Seite 28).

3. Kohlengruben: Orlowo-Gelenowskaja-Grube und Kamen-
skaja-Grube bei Station Orlowskaja der Norddonez-Bahn, mit Gleis-
anschluß an Station Almasnaja der Jekaterinenbahn.

Förderung 1914 = 30110000 Pud Kokskohle.

„	1915 = 34060000 „	„

Koksofenanlage; 256 Öfen ohne Gewinnung der Neben-
produkte, System Piett.

Produktionsmöglichkeit: 4275 Pud X 256 Öfen = 1094000 Pud
monatlich.

Produktion 1914 = 10528180 Pud.

1915 = 11365000 „

,,Societ6 Anonyme des Hauts-Fourneaux de Olchowaja.“

Gegründet im Jahre 1896 durch die belgische Societe des Hauts-
Fourneaux et Mirles de Halanzy. Von 1908 bis 1912 unter Zwangs-
Verwaltung.

Kapital: 5000000 Francs.

Dividende: Keine.

Verlust: 2 000000 Francs durch Vergleich getilgt.

Obligationsschuld; 4000000 Francs.
Sitz der Verwaltung: Brüssel.

1. Hochofenwerk zu Olchowaja;

Hochofenanlage: 2 Hochöfen, die Martin-, Gießerei-, und
Spezial-Roheisen für den Verkauf hersteilen. Alte Anlage.

Keine Gasreinigung und kein Gasgebläse.

Kraftanlage: 3 Dampfmaschinen von insgesamt 250 PS.

Produktion des Werkes:

1913

6018258 Pud

1915

4510098 Pud



Roheisen
        <pb n="53" />
        ﻿46

Beschreibung der südrussisohen Hüttenwerke.

Arbeiterverhältnisse: Die Anzahl der Arbeiter belief sich
1913 auf 358, die der Beamten auf 20, im Jahre 1915 auf 345 Ar-
beiter und 24 Beamte. Ausländer waren nicht beschäftigt.

Die Arbeiterlöhne betrugen im Jahre

1913 = 135387 Rubel = 31,50 Rubel pro Arbeiter und Monat
1915 = 157043	„	= 37,93	„

Werkswohnungen: Im Jahre 1913 wohnten 150 ledige Ar-
beiter in Werkskasernen, 22 Arbeiter in Familienwohnungen, 186 Ar-
beiter hatten eigene oder gemietete Wohnungen. Im Jahre 1915
hatte sich die Anzahl der Familien Wohnungen auf 32 erhöht.

Schule: Es bestand eine Werkssohule mit 2 Lehrern und
4 Lehrerinnen, in der 124 Knaben und 79 Mädchen unterrichtet
wurden, und deren Unterhalt im Jahre 1913 5545 Rubel kostete =
15,48 Rubel pro Arbeiter und Jahr. Im Jahre 1915 kostete die
Schule 7570 Rubel= 21,94 Rubel pro Arbeiter und Jahr.

2.	Erzgrube im Krivoi Roger Bezirk:

Krasnokutski-Grube, Joltaja Reka-Flöz

Förderung 1913= 834 208 Pud.

„	1915 = 1032 725 „

3.	Kohlengrube zu üspensk, Station Lugansk der Jeka-
terinenbahn, Gleisanschluß 26 Werst.

Förderung aus 3 Schachtanlagen 1914 = 14413000 Pud, davon
Gaskohle = 6 100000 Pud.

Kokskohle = 8 313000 „

Förderung 1915 insgesamt 11 547000 Pud.

Koksofenanlage; 168 Öfen ohne Gewinnung der Nebenpro-
dukte, System Collin.

Produktionsmöglichkeit: 4000 Pud X 168 Öfen =672000 Pud
monatlich.

Produktion 1914 = 6147492 Pud.

„	1915 = 3973000 „

„Aktiengesellschaft der Suliner Hüttenwerke.“

Gegründet 1870 durch die Familie Pastuchow, nachher durch
die Asow-Don-Bank kontrolliert.

Kapital; Im Jahre 1914 7000000 Rubel.

Sitz der Verwaltung: St. Petersburg.

1. Hüttenwerk zu Sulin:

Hochofenanlage: 3 Hochöfen, die zum Teil mit Anthrazit
betrieben werden.
        <pb n="54" />
        ﻿Aktiengesellschaft der Suliner Hüttenwerke“.

47

Alte Einrichtung.

Kein Gasgebläse.

Kraftanlage: 3 Dampfmaschinen von insgesamt 600 PS.

Erzeugung 1913 = 1842080 kW/st.

„	1915 = 1785 940	„

Martinwerk: 6 Öfen.

Walzwerke: Grobstraße, Mittelstraße, kleine Straße, Draht-
straße, Grobblechstraße.

Rohrgießerei.

Produktion des Hüttenwerkes:

	1913	1915
Roheisen		3 511344 Pud	3741988 Pud
Martinstahl 		7047926	„	6596493	„
Walzerzeugnisse:		
Stabeisen .......	5619803	„	5045725	„
Grubenschienen ....	7 894	„	6 262 „
Grobbleche 		30309	„	7 703	„
Draht 		724517	„	1020894	„
Enden für den Verkauf	2 817	„	1449	„
Walzerzeugnisse:	6 385 340 Pud	6082033 Pud
An weiterverarbeitete	n Fertigerzeugnissen versandte	
Werk:		
	1913	1915
Gußeiserne Rohre und		
Teile zu diesen . . .	628296 Pud	377166 Pud
Unterlagsplatten, Eisen-		
bahnlaschen usw. . .	1 745 860 „	2060916	„
Verschiedenes ....	1089 „	252	„
Fertigerzeugnisse;	2375245 Pud	2438334 Pud

Arbeiterverhältnisse: Die Anzahl der Arbeiter belief sich
im Jahre 1913 auf 4507, die der Beamten auf 358, im Jahre 1915
auf 4416 Arbeiter und 351 Beamte. Ein Ausländer war auf dem
Werk beschäftigt.

Die Arbeiterlöhne betrugen im Jähre
1913 = 1834981 Rubel = 33,92 Rubel pro Arbeiter und Monat
1915 = 1940548 Rubel = 36,60	„	„	„	„	„

Werkswohnungen: Xm Jahre 1913 wohnten 1538 Arbeiter
in 443 Arbeiterwohnungen. 2969 Arbeiter wohnten in gemieteten
        <pb n="55" />
        ﻿48	Beschreibung der südrussisohen Hüttenwerke.

oder eigenen Wohnungen. Im Jahre 1915 gab es 448 Arbeiter-
wohnungen.

Schule: Es bestand eine Werksschule mit 4 Lehrern und
2 Lehrerinnen, in der 456 Knaben und 187 Mädchen unterrichtet
wurden, und deren Unterhalt im Jahre 1913 5639 Rubel kostete =
1,25 Rubel pro Arbeiter und Jahr. Im Jahre 1915 kostete die
Schule 10536 Rubel = 2,38 Rubel pro Arbeiter und Jahr.

2.	Erzgrube im Krivoi Roger Bezirke, während des
Krieges erworben:

Galkowski-Grube, Saxaganski-Flöz.

Förderung 1913 = 25 329185 Pud.

„	1915 = 14464660 „

3.	Kohlengruben:

a)	Berestowski-Grube, Station Post Kalmius der Jeka-

terinenbahn, 5 Werst Gleisanschluß.

Förderung aus 3 Schachtanlagen 1914 = 14583000 Pud Koks-
kohle.

Koksofenanlage; 40 Öfen ohne Gewinnung der Nebenprodukte,
System Collin.

Produktionsmöglichkeit: 3125 Pud X 40 Öfen = 125000 Pud
monatlich.

Produktion 1914 = 1 121 848 Pud Koks.

„	1915= 896000	„	„

b)	Schidlowski-Grube, bei der Bjelansker Zweigbahn,

Station Slawianoserbsk. Förderung aus 3 Schacht-
anlagen 1914 = 3140666 Pud, davon
Flammkohle =1640666 Pud.

Kokskohle = 1500000 ,,

4.	Anthrazit-Gruben:

a)	Nasledischewski-Grube, 5 Werst Gleisanschluß zum
Hüttenwerk.

Förderung aus 3 Schachtanlagen 1914 = 6301 373 Pud.

b)	Jekaterininski-Grube, Gleisanschluß zum Hüttenwerk

0,7 Werst Förderung aus 2 Schachtanlagen 1914 =
1 993345 Pud.

„Russische Gesellschaft für Maschinenfabrikation zu Lugansk“
(vorm. Gustav Hartmann, Chemnitz).

Gegründet um das Jahr 1890 durch obige deutsche Maschinen-
fabrik. Deutsches Kapital ist zur Zeit nicht mehr beteiligt. Die
        <pb n="56" />
        ﻿Russische Gesellschaft für Maschinenfabrikation zu Lugansk".

49

Gesellschaft wird durch die Internationale Handelsbank zu St. Peters-
burg kontrolliert.

Kapital: 9000000 Rubel.

Dividende: 5 bis 121/2 °/0.

Reservekapital; 2420000 Rubel.

Sitz der Verwaltung: St. Petersburg.

Umsatz der Gesellschaft: 1913= 9 505000 Rubel
•	1914 = 11720000	„

1915	= 14616000	„

1916	= 19910000	„

1917	= 15000000	„

Lokomotivfabrik und Hüttenwerk zu Lugansk, Station
der Jekaterinenbahn.	,

Kraftanlage: 7 Dampfmaschinen und 2 Dampfturbinen von
insgesamt 4740 PS.

Erzeugung 1913 = 6310308 kW/st.

„	1915 = 4495 720	„

Martinwerk: 5 Öfen von 5 bis 12 t, alte Einrichtung.

Walzwerke: Mittelstraße 500 mm 0; kleine Straße 300 mm 0;
alte Grobblechstraße; ein Feinblechgerüst; 2 Dachblechgerüste. Rohr-
walzwerk zur Herstellung von Lokomotivrohren.

Lok o motivbau Werkstätten,	moderne Eisengießerei,

Brückenbauanstalt.

Im Frieden wurden 12 Lokomotiven und 12 Kessel monatlich
gebaut, daneben 2 große Lokomotivreparaturen ausgeführt.

Produktion des Hüttenwerkes:

	1913.		1915	
Martinstahl		4062161 Pud		3365796 Pud	
Walzerzeugnisse:				
Stabeisen		1192410	11	1041998	11
~ Grobbleche		1145319	11	955120	11
Feinbleche		240873	11	357464	11
Dachbleche . . . . .	200599	11	46159	11
Universaleisen ....	104693	11	197896	11
Radreifen		—		26917	11
Achsen		—		49034	11
Walzerzeugnisse:  Klein, Die südrussische Eisenindustrie.	2883894 Pud		2674588 Pud 4
        <pb n="57" />
        ﻿50

■ Beschreibung der südrussischen Hüttenwerke.

An weiterverarbeiteten Fertigerzeugnissen versandte
das Werk:

f	1913		1915	
Eisengußstücke ....	40148 Pud		92577 Pud	
Stahlgußstücke ....	58 885	5?	94185	55
Schmiedestücke ....	111747	»	132796	
Lokomotivrohre ....	32 380	55	86218	
Dampfkessel		89201	55	61830	55
Brückenbau und Hochbau	173183	55	76 861	
Reservoire und Zisternen	21947	55	35 430	
Radsätze		8251	55	21447	55
Wellbleche		10422	55	2 430	55
Lokomotiven		406 695	55	900623	55
Verschiedene Fabrikate .	39127	55	29099	55
Fertigerzeugnisse:	991986	L&gt;ud	1533496 Pud	

Arbeiterverhältnisse: Die Anzahl der Arbeiter belief sieh
1913 auf 4354, die der Beamten auf 298, von denen 11 Ausländer
waren. Im Jahre 1915 betrug die Arbeiteranzahl 5289, die der
Beamten 373, von denen 5 Ausländer waren;

Die Arbeiterlöhne betrugen im Jahre
1913 = 2271246 Rubel = 43,47	Rubel	pro	Arbeiter	und	Monat.

1915 = 3453 569 Rubel = 54,41	„	„	„	„	„

Werkswohnungen: Es besteht keine Werkskolonie. Die Ar-
beiter wohnen in der Stadt Lugansk.

Schule; Es bestand eine Werkeschule mit 15 Lehrern und
5 Lehrerinnen, in der 312 Knaben und 196 Mädchen unterrichtet
wurden, und deren Unterhalt 19 776 Rubel im Jahre 1913 kostete =
4,54 Rubel pro Arbeiter und Jahr. Im Jahre 1915 kostete die
Schule 27130 Rubel = 5,15 Rubel pro Arbeiter und Jahr.
        <pb n="58" />
        ﻿Gesamterzeugung der südrussisehen
Hüttenwerke.

	1913		1915	
Roheisen		189162208	Pud	167559355 Pud	
Martinstahl ....	120793440	n	115044816	77
Bessemerstahl . . .	33623580	77	26512083	77
Thomasstahl ....	12158220	77	10145741	77
Walzerzeugnisse:				
Halbfabrikate . . .	8979913	77	8198895	77
Stabeisen		42617812	77	34800767	77
I- und U-Eisen . . .	15555773		9882837	
Eisenbahnschienen	24022130	77	22861291	7?
Rillenschienen . . .	4827934	77	3899085	77
Grubenschienen . . .	2432142	77	1689205	77
Grobbleche und Uni-				
versaleisen ....	17521954	77	18070607	77
Feinbleche		2601737	77	3909717	77
Dachbleche ....	7207394	"77	3490131	77
Walzdraht		10205419	77	11342051	77
Radreifen		1356329	77	2 800060	77
Achsen 		710630	77	1276957	77
Federnstahl ....	300914	77	1231340	77
Enden für denVerkauf	2712929	77	1509983	77 ’
Walzerzeugnisse:	141053010 Pud		124962926 Pud.	
An weiterverarbeiteten Fertigerzeugnissen wurden				
sandt:				
Gußeiserne Rohre und	1913		1913	
Teile zu diesen . .	3529218 Pud		2304991 Pud	
Gußeiserne Fabrikate	308637	77	300497	77
Stahlgußstücke . . .	623616	77	615019	77

4461471 Pud

3220507 Pud
4*
        <pb n="59" />
        ﻿52

Gesamterzeugung der südrussischen Hüttenwerke.

Übertrag:  Eisenbahnlaschen, Un-	4461471 Pud		3220507	Pud
terlagsplatten usw.	2701007	11	4010133	11
Schmiedestücke . . . Eiserne Rohre u. Teile	296628	11	147213	11
zu diesen .... Dampfkessel u. Teile	3 356134	11	3 206 051	11
zu diesen ....	143280	11	134554	11
Brücken- und Hochbau	1218596	11	1061889	11
Reservoire u. Zisternen	116443	11	171920	11
Radsätze	256873	11	642030	11
Abgedrehte Achsen .	37468	11	175778	11
Wellbleche		832040	11	366468	11
Lokomotiven ....	406695	11	900623	H
Kräne 	  Drehbänke und Ma-	91747	11	47 604	11
schinen	  Versch. Pertigerzeug-	215 755	11■	86 300	11
nisse 		386472	11	1043301	11

Fertigerzeugnisse: 14520609 Pud 15214371 Pud.

In den obigen Tabellen sind die Werke „Nikolaewer Schiffs-
werften“ und „Estampage-Jekaterinoslaw“ nicht enthalten, da sie
ihre Produktionszahlen nicht veröffentlichen.
        <pb n="60" />
        ﻿Die südrussische Eisenindustrie während der

Revolution.

Am 23. April 1917 veröffentlichte die vorläufige russische Regie-
rung, deren Leitung damals dem Namen nach das Kadettenministerium
des Fürsten Lwow hatte, einen Erlaß zur Bildung von Arbeiter-
ausschüssen sowohl in privaten als auch in staatlichen Industrie-
unternehmungen jeglicher Art. Diese Verordnung entstand ohne
Zweifel schon damals unter dem Drucke des Petersburger Arbeiter-
rates. Die kadettischen Mitglieder des Ministeriums mögen seine
Annahme gutgeheißen haben, weil sie glaubten, durch die Bildung
von Arbeiteraussohüssen die Anzahl der allgemeinen Arbeiterzusammen-
künfte, die in Rußland stets zu politischen Versammlungen aus-
arteten, auf ein Mindestmaß einschränken zu können.

Sie hatten gehofft, durch ihre Verordnung die drängenden Kräfte
der Arbeiter in geordnete Bahnen gelenkt zu haben; aber ihr Irrtum
wurde bald offenkundig. Die allgemeine Arbeiterversammlung war
in dieser Verordnung durch die Regierung gutgeheißen, und die
Forderungen der Arbeiter gingen sofort dahin, alle Fragen durch
allgemeine Arbeiterversammlungen zu entscheiden. Den Arbeiter-
ausschüssen blieb nur die vorbereitende Arbeit, und nach erfolgter
Abstimmung waren sie die ausführenden Organe der Beschlüsse der
Arbeiterversammlungen. Wöchentlich wurden mehrere allgemeine
Arbeiterversammlungen abgehalten, bei gutem Wetter auf den Werks-
höfen, bei schlechtem Wetter in den Walzwerkshallen. Hierzu wurden
alle Betriebe für die Dauer der Versammlung (meist 1 bis lx/2 Stunde)
stillgelegt, auch die Hochöfen! /Anmeldung oder Einholung der Er-
laubnis bei den Werksleitungen erfolgte nicht. Der Grundzug der
Versammlung zeigte sich immer unverhüllter. Auf der Tagesordnung
stand häufig zur Besprechung: „Augenblickliche politische Lage“.
Als sachkundige Personen, die laut der Regierungsverordnung zu
den Versammlungen hinzugezogen werden konnten, erschienen — wie
während der Revolution des Jahres 1905 — Wanderredner (Studenten,
Juristen, Mitglieder der Arbeiterräte). Sie machten den Arbeiter,
        <pb n="61" />
        ﻿54

Die südrussisohe Eisenindustrie während der Revolution.

der sich selbst wegen seiner Unbildung durch keine aufklärende
Zeitung unterrichten und sich kein Urteil über das Gehörte bilden
konnte, mit dem bekannt, was den Zwecken und Zielen der Peters-
burger Arbeiterräte entsprach. Ein Netz ständiger Aufklärungsarbeit
und Befehlsübergabe, von den Arbeiterräten ausgehend, wurde über
das ganze Land gezogen. Die Weisungen kamen von dem Aus-
schüsse der Arbeiter- und Soldatenräte, gingen durch die Bezirks-
ausschüsse und die Arbeiterräte in den Hauptzentren der Industrie
an die Arbeiterausschüsse jedes einzelnen Unternehmens. Es war
die Parallelorganisation zu der im Heere geschaffenen. Der Peters-
burger Soldatenrat hatte sich durch seine Räte bei Korps, Division,
Regiment und Kompagnie die Befehlsübermittlung bis in den vorder-
sten Schützengraben gesichert. Die Beeinflussung der großen Massen
geschah in zündender Rede wirksamer, als das geschriebene Wort
es vermocht hätte.

Schon im Mai 1917 warfen die Redner die späteren bolsche-
wistischen Losungen in das Volk: „Alles Land den Bauern, alle
Fabriken den Arbeitern!“ Noch konnten die Forderungen der Redner
bei den Arbeitern nur Wünsche erwecken, die später erst greifbare
Formen annehmen sollten. Noch waren die Werksleitungen im Be-
sitze der Werkskassen. Zahllose Besprechungen in den Arbeiter-
aussohüssen und Versammlungen beschäftigten sich mit der Frage
der Bezahlung der verlorenen Arbeitsstunden, die den Teilnehmern
der Ausschußsitzungen vergütet werden sollten. Je nach der Stand-
haftigkeit der leitenden Werksbeamten wurde diese Frage ver- &gt;
schieden gelöst.

Im Mai 1917 fanden auf Einladung des Vorsitzenden der von
der Regierung während des Krieges geschaffenen Eisen-Verteilungs-
stelle Versammlungen der Vertreter der Industriellen- und der Ärbeiter-
ausschüsse statt, in denen zum ersten Male allgemeine Mindestlöhne
für die verschiedenen Gattungen der Metallarbeiter festgesetzt wurden.
Aber die Arbeitervertreter erklärten sich mit den von den Indu-
striellen angebotenen Erhöhungen nicht einverstanden und verließen
den Versammlungsort. Auf den einzelnen Hüttenwerken wurden
dann nach und nach die in Jekaterinoslaw und Charkow abgelehnten
Lohnsätze von den Arbeiterversammlungen angenommen und traten
in Kraft.

Während des Sommers 1917 bemächtigten sich die Arbeiter-
ausschüsse der Leitung der Konsumvereine, die sich zur Verpflegung
der Arbeiter während des Krieges bedeutend ausgebaut hatten. All-
gemeine Arbeiterversammlungen erklärten sich mit der Leitung des
Einkaufes durch die bisherigen gemischten Verwaltungen unzufrieden
und beauftragten die Arbeiterausschüsse, die Leitung selbst zu über-
        <pb n="62" />
        ﻿Die südrussische Eisenindustrie während der Revolution.	55

nehmen. Die von den Werken vorgeschossenen Gelder von zum
Teil beträchtlicher Höhe gingen in der Folge durch ungeübte und
betrügerische Führung verloren.

In den Betrieben sanken Meister und Ingenieure immer mehr
zu Statisten herab. Wer sich irgendwann — sei es auch vor Jahren —
mißliebig gemacht hatte, mußte seinen Wirkungskreis verlassen. Auch
„gegenrevolutionäre Gesinnung“ war oft der Grund zur'Entlassung
eines Vorgesetzten durch die Arbeiterversammlung. Neu eintretende
Beamte mußten sich die Genehmigung des Arbeiterausschusses vor
Antritt ihrer Tätigkeit erwirken. Die geringfügigsten Vorkommnisse
innerhalb der Betriebe unterlagen einer weitschweifigen Beurteilung
in einem der Ausschüsse oder der allgemeinen Arbeiterversammlung.
Der nachher unterlegene Teil fügte sich nicht, und eine höhere
Stelle mußte sich wieder mit derselben Sache beschäftigen. Die
neuen Autoritäten hatten weder das Ansehen noch die Machtbefugnis,
ihren Urteilen Kraft zu verleihen.

Mit der Herrschaft der Bolschewiki Anfang November 1917
ging die Demokratisierung der Werke weiter. Ein Erlaß Lenins
ordnete die Bildung von „Überwachungsausschüssen“ auf Werken
und Fabriken an. Sie bestanden nur aus Arbeitern, hatten die
Prüfung aller Betriebsberichte, aller Einkäufe und Verkäufe, und
verlangten und erhielten das Recht der Gegenzeichnung eines jeden
Briefes, der aus den Werken herausging. Der Kampf um die Werks-
kasse ging weiter. Er hatte je nach der Persönlichkeit des Leitenden
oder je nach den örtlichen Verhältnissen mehr oder weniger Erfolg.

Sache des späteren Geschichtschreibers wird es sein, den Werde-
gang der russischen Revolution darzulegen. Dem Zeitgenossen zeigt
sich in ihr kein höherer Gedanke. Sie war eingestellt einzig und
allein auf das Losungswort: „Gib!“ — „Gib das Land den Bauern,
gib die Fabriken den Arbeitern!“. Aber von neuen Pflichten, die
mit der Übernahme der Rechte zusammenhingen, wollte keiner etwas
wissen! Der Ackerboden blieb ungepfiügt und in den Fabriken
wurde nicht gearbeitet. Der Akkordlohn wurde abgeschafft, die Zeit-
verschwendung kannte keine Grenzen mehr. Neue Werte wurden
immer weniger geschaffen, aber neues Geld weiter gedruckt. Und
weil es bald mehr Geld als Ware im nichtarbeitenden Lande gab,
sank die Kaufkraft des Geldes, und es entstand die fortschreitende
Teuerung, deren Stillstand nicht abzusehen ist, bevor das Wirtschafts-
leben des Landes nicht in seine früheren Bahnen gelenkt wird.

Als zu Ende des Jahres 1917 die Arbeitsleistung des Arbeiters*
in den Kohlengruben von Monat zu Monat sank, waren zuerst ein-
zelne Abteilungen der Hüttenwerke und nachher ganze Werke ge-
zwungen, ihre Betriebe zeitweise einzustellen. Auf Befehl der Arbeiter-
        <pb n="63" />
        ﻿56

Die südrussische Eisenindustrie während der Revolution.

ausschüsse wurden indessen den Arbeitern ihre Löhne in vollem
Umfange weiter bezahlt. Fehlten den Werken die nötigen Mittel,
so zahlte der Ausschuß der Arbeiterräte des betreffenden Bezirkes
aus Regierungsgeldern.

Es kam der letzte Abschnitt, die Zeit der „Nationalisierung“
der Werke. Die Petersburger Regierung der Volksbeauftragten hatte
die Arbeiter aufgefordert, die Leitung der Werke nunmehr selbst
in die Hand zu nehmen. Allgemeine Arbeiterversammlungen be-
schlossen demnach auf jedem Werke und in jeder Fabrik die „Natio-
nalisierung“. Aber in den meisten Fällen fanden sich nicht die Leute,
den Beschluß durohzuführen. Auf manchen Werken herrschte der
Überwachungsausschuß neben der früheren Werksleitung weher. Auf
anderen wurden Arbeiter zu Mitgliedern des Aufsichtsrates ernannt,
ohne indessen irgendwelchen Einfluß gewinnen zu können. Nur da,
wo die Petersburger Regierung besondere Beauftragte hinsandte,
wurde die Enteignung durchgeführt.

Das Abschiedsgeschenk der Bolschewiki-Regierung war der „Kol-
lektivvertrag“. Nach monatelangen Verhandlungen zwischen dem
allrussischen Verbände der Metallarbeiter und dem Verbände der
Industriellen wurde er in Petersburg am 16. März 1918 unter dem
Drucke der Regierung unterschrieben. Er sollte rückwirkende Kraft
ab 1. Februar 1918 haben, aber in Wirklichkeit erfolgte wohl nur
von wenigen Unternehmungen eine Nachzahlung für die ersten Monate
des Jahres 1918, weil mittlerweile infolge des geringen Güterverkehrs
die Bestände der Fertigerzeugnisse auf den Werken sich anhäuften
und die Werke — da auch die Mittel der Banken erschöpft waren —
nicht einmal die Möglichkeit hatten, ihren laufenden Verpflichtungen
nachzukommen.

Der Kollektivvertrag bestimmte Annahme und Entlassung der
Arbeiter durch die Berufsverbände. Er teilte die Arbeiter in ver-
schiedene Arbeitsgruppen ein und setzte die Arbeitslöhne so fest,
daß die früher entsprechend höhere Bezahlung des gelernten Arbeiters
an verantwortlicher Stelle gegenüber dem ungelernten Arbeiter nicht
mehr bestehen blieb. Erhielt früher der erste Walzer oder Maschinist
den vier- oder fünffachen Lohn eines Tagelöhners, so war jetzt der
höchste Lohn eines gelernten Arbeiters auf den doppelten Verdienst
des Tagelöhners festgelegt. Große Gruppen von Arbeitern waren
mit diesem Ausgleich unzufrieden. Auch daß jede Arbeit in einzelnen
Gruppen gleichartig behandelt wurde, rief Unzufriedenheit hervor.

•Die Anstellung von Arbeitern durch die Ältesten-Ausschüsse führte
bald zu einer Übervölkerung der Werke. Unternehmungen, die vor
der Revolution 80 Beamte und 2000 Arbeiter hatten, wiesen im
April 1918 einen Bestand von 500 Beamten und 5400 Arbeitern
        <pb n="64" />
        ﻿Die südrussische Eisenindustrie während der Revolution.

auf. Dabei war die Versandziffer des Werkes auf ein Viertel
früheren Betrages gesunken.

Bei zeitweiliger Stillegung eines Betriebes oder Werkes sollt^
den Arbeitern für die ersten 12 Arbeitstage zwei Drittel ihres Arbeits-
lohnes, für die ganze spätere Zeit der Stillegung die Hälfte bezahlt
werden. Verlangte der Arbeiter während dieser Zeit seine Abrech-
nung, so kamen ihm 12 Tage Vorausbezahlung zu. Im Falle der end-
gültigen Einstellung eines Betriebes oder Werkes mußte die Werks-
verwaltung bei der Entlassung der Arbeiter eine „Unterstützung“
in Höhe des Arbeitslohnes für 24 Arbeitstage nach den Sätzen des
Kollektivvertrages auszahlen. Außer dieser „Unterstützung“ blieb
die Forderung der gesetzlichen Zahlung von 14 Tagen bestehen, so
daß die Arbeiter beim Stillstände vieler Fabriken die Auszahlung
von 38 Arbeitstagen verlangten.

Da der Kollekti wert rag von den Industriellen nur unter der
Bedingung unterschrieben worden war, daß die Ärbeitleistung wieder
einen guten Durchschnitt erreichen, und daß die Regierung den er-
höhten Ausgaben entsprechende höhere Verkaufspreise für die Fertig-
erzeugnisse festsetzen würde, so weigerten sich nachher — da beide
Vorbedingungen nicht erfüllt wurden — die Industriellen, den Ver-
trag anzuerkennen und die neuen Lasten auf sich zu nehmen.

Nach dem Einzuge der Truppen der Mittelmächte wurde die
Lage der Industrie noch schwieriger. Das rollende Eisenbahnmaterial
hatte sich durch den Rückzug der Bolschewiki weiter verringert,
Militärzüge nahmen den Rest in Anspruch, und die Kohlenförderung
langte kaum für den Bedarf der Eisenbahnen. Den Hüttenwerken
und Fabriken konnte nichts abgegeben werden, und die Werke, die
bisher den Betrieb, wenn auch verlangsamt- und unter schweren
geldlichen Opfern, aufrecht erhalten hatten, kamen jetzt nach und
nach zum Stillstand. Nach Wiederaufnahme des Eisenbahnbetriebes
und der teilweisen Abfuhr der bedeutenden Bestände an Fertig-
erzeugnissen, sowie nach Wiedereröffnung der Banken gelang es dann
den meisten Werken, sich von der Verpflichtung, während des Still-
standes der Betriebe die Arbeitslöhne weiter zu zahlen, durch end-
gültige Abrechnung aller Arbeiter zu befreien.

Wenn auch die Beruhigung des Landes im Monat Mai und
Juni die Wiederaufnahme des Eisenbahnbetriebes erlaubte, konnte
doch die Kohlenförderung nicht gesteigert werden. Es fehlte an
Arbeitern, da mit den abziehenden Bolschewiki eine große Anzahl
von Bergleuten des Donezgebietes verschwunden war, weil sie, aus
Nordrußland stammend, die Ungewißheit der Okkupation im fremden
Lande nicht ertragen wollten. Noch im November 1917 waren
        <pb n="65" />
        ﻿58

Die siidrussisohe Eisenindustrie während der Revolution.

280000 Arbeiter in den Kohlengruben des Donezgebietes beschäftigt
gewesen, im Sommer 1918 waren es nur nocli 115000 Mann.

Die Preise für Eisen und Eisenfabrikate stiegen im Frühjahr 1918
von Monat zu Monat und erreichten im Sommer den fünfzehn- bis
zwanzigfachen Preis der Friedenszeit. Die Hüttenwerke beabsich-
tigten, einzelne Abteilungen wieder in Betrieb zu nehmen, um die
noch zu verhältnismäßig niedrigen Gestehungskosten lagernden Halb-
fabrikate in marktfähige, hochbezahlte Ware zu verarbeiten und
mit einer Mindestmenge an Kohle eine Höchstmenge von Fertig-
erzeugnissen herzustellen. Hierdurch hofften sie, die finanziellen
Mittel für eine erweiterte Tätigkeit sich zu verschaffen, soweit und
sobald die Kohlenlieferungen und der Bedarf an Eisen im Lande
es erlaubten.

In den Monaten Juli bis Oktober hatten so die Werke: Dnje-
provienne, Briansk, Südrussische Rohrwalzwerke, Donez-Juriewka,
Makiewka und Taganrog je einige Martinöfen und einzelne Walzen-
straßen in Betrieb genommen, während Enakiewo und Jusowka zu-
gleich je einen Hochofen anbliesen. Kramatorskaja, das als einziges
Werk einen Hochofen durch alle Wirren der Revolutionszeit hindurch
in Feuer gehalten hatte, war Anfang Oktober infolge Material-
mangels gezwungen, seinen Hochofen stillzulegen. Bis zum No-
vember 1918 bestand das Eisenverkaufs-Syndikat „Prodameta“, das
folgende Preise innehielt:

Stabeisen zum Grundpreise von 19,50 Rubel das Pud plus
2,4 mal die Zuschläge für Qualität, Profil und Länge, die im Dezember
1917 üblich waren, d. h. ungefähr 3 bis 4 Rubel das Pud, insgesamt
also 22,60 bis 23,50 das Pud.

Grobbleche und Universaleisen zum Grundpreise von 22,40
Rubel das Pud plus 2,5 mal die Zuschläge vom Dezember 1917,
d. h. ungefähr 5—-6 Rubel, insgesamt also 27,40 bis 28,40 Rubel
das Pud.

Im freien Handel wurden verkauft ab Werk;

Dachbleche, schwarze, 711 mal 1422 mm. 0,4 mm dick, das
Blech = 10 russ. Pfund zum Preise von 37 bis 45 Rubel das Pud.

Dachbleche, verzinkte, Dimensionen und Gewicht wie bei
den schwarzen Blechen zum Preise von 58 bis 70 Rubel das Pud *).

b Nach dem damaligen Rubelkurse von 1,17 Mark = 1 Rubel betrugen
die Preise Ende 1918:

Stabeisen die Tonne................ 1600 bis 1670 Mark,

Grobbleche und Universaleisen die Tonne ,1950 » 2025	»

Feinbleche 0,4 mm, die als Dachbleche in

Rußland verwandt werden,

2640 » 8200	„

4200 » 5000	„

schwarz die Tonne
verzinkt » n
        <pb n="66" />
        ﻿Die südrussisohe Eisenindustrie während der Revolution.

59

Im Oktober hatten sich die Verhältnisse schon soweit gebessert,
daß die Herstellung von Walzerzeugnissen, die im Juni nur 376000 Pud
betragen hatte, sich für Oktober auf 1564000 Pud belief. Aber
fortwährende Forderungen der Arbeiter und Kohlenmangel erlaubten
den Werken nicht, weitere Abteilungen in Betrieb zu setzen, und
die politischen Unruhen, sowie das völlige Versagen der Eisen-
bahnen im Monat November führten den Stillstand einer Reihe
von Werken herbei.

Ein klares Bild des Niederganges der südrussischen Eisen-
industrie geben die nachfolgenden Zahlen der Förderung an Weich-
kohle und Anthrazit sowie der Erzeugung an Koks und Roheisen
in den Jahren 1917 und 1918.

1917	Weich-  kohle	Anthrazit	Koks  1  In Millionen Pud		Roheisen
Januar 		121,8  111,1	34,2	21,1	13,0
Februar ......		32,3	16,3	9,6
März		120,1	34,3	18,1	10,0
April		94,9	25,1	19,1	12,4
Mai		101,9	31,4	21,3	13,0
Juni		100.2	31,2	20.1	11,5
Juli		91.3	28,8	- 19,1	11,4
August		87,6	27,6	18,5	11,5
September		86,7	30,0	17,3	11,1
Oktober		92,0	32,5	16,3	9,8
November		88,7	28,5	15,1	. 6,8
Dezember 		59,1	19,1	10,7	5,3
1918  Januar 		61,8	19,0	9,6	4,3
Februar 		28,8	8.4	4,3	2,6
März		51,5	14,0	8,2	3.4
April		34,4	12,3	5,9	2,1
Mai 		20,0	7,2	2,4	0,6
Juni		25,1	6,6	2,0	0,7
Juli		29,7	6,4	2,4	0,6
August		33,7	7,1	1,3	0.6
September		33,0	6,5	1.6	0,3
Oktober 		33,0	7,0	9	0,6

Selbst Lenin hatte schon im Sommer 1918 eingesehen, daß die
Abschaffung der Akkordarbeit eine Torheit war, und daß an der
Spitze industrieller Unternehmungen Leute stehen müssen, deren
Vorbildung ihrem Dienste entspricht. Sein Erlaß vom Sommer
dieses Jahres, in dem er zur Akkordarbeit zurückruft und die An-
stellung der früheren Leiter der Staatsverwaltung und der Industrie
anordnet, damit „der Volkswirtschaft nicht weiter Milliarden ver-
loren gehen“, ist bezeichnend für die Größe der Unordnung, die die
bolschewistischen Ideen in der Welt der Arbeit angerichtet hatten.
        <pb n="67" />
        ﻿Die Zukunft der südrnssischen Eisenindustrie.

Wenn auch ein Teil der Arbeiter eingesehen haben mag, daß
die Auflösung aller Bande der Ordnung letzten Endes auch das
Leben des Arbeiters unerträglieh macht, so gilt die Herrschaft des

Bolschewismus doch in weiten Kreisen der russischen Arbeiter als

♦

die für sie vorteilhafteste Lösung der sozialen Frage. Als nach
einem Stillstände von 6 Monaten Ende Oktober 1918 die süd-
russischen Röhrenwalzwerke in Jekaterinoslaw zur Wiederaufnahme
der Arbeit , schritten, erklärten nach längeren Verhandlungen die
Arbeitervertreter sich mit den angebotenen Arbeitsbedingungen ein-
verstanden, fügten aber hinzu, daß sie die erste Gelegenheit be-
nutzen würden, diese „erniedrigenden und den Arbeiter ausbeutenden“
Bedingungen durch einen allgemeinen Streik zu verbessern. Tat-
sächlich hat denn auch die Arbeit unter mehreren Teilstreiks nicht
viel länger als einen Monat gedauert.

Erst wenn die gesetzliche Grundlage für eine gleichmäßige Ver-
teilung der Rechte und Pflichten zwischen dem Unternehmer und
dem Arbeiter geschaffen ist, kann eine Wiederkehr gesunder Ver-
hältnisse erwartet werden. Aber um diese Scheidung zwischen den
berechtigten Ansprüchen und den das wirtschaftliche Leben des
Landes tötenden Forderungen der Arbeiter vorzunehmen, muß die
Staatsordnung wieder hergestellt werden, und eine starke Regierung
sich auf breiten Kreisen des Volkes und der Intelligenz aufgebaut
haben. Erst dann kann wieder da begonnen werden, wo die ukrai-
nische Regierung des Hetman Skoropadski Ende Mai 1918 begonnen
hatte. Es war damals ein Arbeitsausschuß errichtet worden, der
aus je 8 Vertretern der ministeriellen Behörden, der Unternehmer-
verbände und der Arbeiter-Berufsverbände bestand. Er war monate-
lang vorbereitet worden und hat monatelang getagt, aber eine
Einigung konnte zwischen den beiden Gruppen in keinem Punkte
erzielt werden. Es handelte sich vor allem um:

1.	Zulassung von Ausnahmen zu dem Gesetz über den Acht-
stundentag;
        <pb n="68" />
        ﻿Die Zukunft der südrussischen Eisenindustrie.

61

2.	Befugnisse der Werksausschüsse;

3.	Befugnisse der Arbeiter-Berufs verbände;

4.	Einsetzung von Schlichtungskammern;

5.	Errichtung von Arbeitsinspektionen und Arbeitskammern
unter dem Arbeitsministerium.

Eine weitere unerläßliche Vorbedingung für ein Wiederaufleben
der Industrie ist die Gesundung des Transportwesens. Schon in
den letzten Jahren der Priedenszeit betrug der jährliche Bedarf an
Eisenbahnwaggons 60000 Waggons, während die russischen Fabriken
insgesamt nicht mehr als 40000 Waggons hersteilen konnten. Man
war damals schon dazu übergegangen, Waggons von großer Trag-
fähigkeit aus Amerika zu beziehen. Während des Krieges haben
derartige Lieferungen aus Amerika angedauert. Seit der Revolution
ist der Zufluß aus dem Auslande versiegt, die Produktion im In-
lande allmählich auf Null herabgesunken, der Verschleiß aber —
besonders infolge Fehlens von Schmiermaterial — ins Ungemessene
gestiegen. Schon im September wurde der Bestand an nichtbetriebs-
fähigen Lokomotiven und Waggons auf über 50 °/0 angegeben. Seit-
dem ist die Charkower Lokomotivfabrik, die einzige, die bisher noch
gearbeitet hatte, infolge Arbeiterstreik zum Stillstand gekommen.
Die Reparaturwerkstätten der Eisenbahn haben, nachdem sie im
Sommer monatelang nur noch 25 °/0 der früheren Reparaturenanzahl
fertiggebracht hatten, Mitte August durch den allgemeinen Eisen-
bahnerstreik ihre Tore geschlossen. Sie begannen erst Mitte Oktober
in beschränktem Umfange ihre Tätigkeit.

Wenn man die Vorbedingungen für ein Wiederaufleben der
Eisenindustrie — Errichtung einer Staatsgewalt, Regelung der Ar-
beitergesetzgebung und Gesundung des Transportwesens ■— berück-
sichtigt, so kann man wohl sagen, daß selbst unter günstigen Um-
ständen vor Ablauf von 2—3 Jahren die Wiederaufnahme der Arbeit
der Eisenindustrie in einem Umfange von der Hälfte der früheren
Produktion nicht möglich erscheint.

Die südrussische Eisenindustrie war begründet auf den Eisen-
erzvorkommen von Krivoi Rog und von Kertsch und dem Kohlen-
vorkommen des Donezgebietes.

Das Eisenerzvorkommen von Krivoi Rog an der Grenze
der Gouvernements Jekaterinoslaw und Cherson gelegen, ist bisher
auf seine Mächtigkeit noch nicht in großzügiger Weise erforscht
worden. In den Jahren 1911 und 1912 wurde von der Regierung
eine Kommission unter dem Vorsitze des Chefs der Bergverwaltung
des Südbezirkes ernannt, die den Gesamtvorrat auf 1 2 Milliarden
Pud1) annahm. Aber es kam damals die Vermutung auf, daß diese

J) Ungefähr 200000000 t.
        <pb n="69" />
        ﻿62

Die Zukunft der südrussischen Eisenindustrie.

Kommission in tendenziöser Weise die Vorräte geringer schätzte,
als es der Wirklichkeit entsprach, weil eine starke Strömung unter
den Industriellen- und Regierungskreisen dafür eintrat, die Ausfuhr
der Krivoi Roger Erze in das Ausland zu verbieten und die reichen
Erze ohne die ausländische Konkurrenz für die russische Industrie
zur Verfügung zu haben. Dies hoffte man dadurch zu erreichen,
daß man den Vorrat als sehr gering angab. Ob das nun zutrifft
oder nicht, läßt sich nicht beurteilen. In der Tat ist das Erzvor-
kommen derart launenhaft — in den Erzlagen befinden sich vielfach
eisenarme Quarzitnester und in den Quarzitlagen sind manchmal
große Teile an Eisen angereichert —, daß sieh der Vorrat auch
nicht annähernd bestimmen läßt, ohne in größtem Maßstabe das
ganze Gebiet durch Schürfungen zu erforschen. Bei der großen
Härte des zu durchbohrenden Gesteines würden die Kosten sehr
große sein. Schon vor dem Kriege berechnete man jeden Meter
Bohrung zu 125 Rubel. Es war damals eine Gesellschaft mit großem
Kapital unter französischer Führung in der Bildung begriffen, die
die Erforschung des ganzen Gebietes durchführen und die gemuteten
Flächen zur Ausbeutung vergeben sollte, aber die geplante Gesell-
schaft kam infolge des Kriegsausbruches nicht mehr zustande.

Sachverständige Bergleute des Krivoi Roger Bezirkes schätzen
bei Einbeziehung aller Flächen, die zwischen den jetzt in Ausbeutung
befindlichen Gruben liegen, und unter der Annahme, daß die Erz-
flöze bis zu einer Tiefe von 300 m hinuntergehen, das ganze Vor-
kommen auf ungefähr 30 Milliarden Pud1).

Die Erze von Krivoi Rog sind reine, reiche Hämatiterze. Ihre
Zusammensetzung ist folgende;

Fe	Mn	P	Si02

56—67%	0,1%	0,04—0,08%	2—13 %

Erze mit einem Eisengehalte niedriger als 55% fanden wegen
ihres hohen Kieselerdegehaltes nur in beschränktem Maße und nur
in Zeiten großer Nachfrage ihre Käufer; sie wurden sonst auf die
Halden gestürzt. Diese Quarzite enthalten 40—55 % Eisen und
15—35 % SiO„. Magnetische Anreicherungsversuche der Quarzite
haben bisher keine Ergebnisse gehabt.

Die ertragreichsten Gruben liegen im Gebiete des „Saxagan“
und werden zum großen Teile noch im Tagbau betrieben. Sie er-
reichen eine Tiefe bis 140 m, Schrägaufzüge schaffen Gestein und
Erz an die Oberfläche. Sobald das Verhältnis von Gestein zu Erz
mehr wie 2; 1 beträgt, wird der Tagesbau unlohnend, und man

') Ungsfähr 600000000 t.
        <pb n="70" />
        ﻿Die Zukunft der südrussisohen Eisenindustrie.

153

geht zur Schaohtanlage über. Die tiefste Schachtanlage des Gebietes
ist die der Gesellschaft „Dubowaja Balka“, sie erreicht 280 m Tiefe.

Die Erze werden an der Erdoberfläche auf zum größten Teile
sehr primitiven Brücken abgestürzt und von Hand in die Waggons
geladen. Bunker oder moderne Hilfsmittel zur Beladung sind fast
nicht vorhanden.

Legt man die Förderung des Krivoi Roger Bezirkes im letzten
Friedensjahre der Berechnung der zukünftigen Erzversorgung Süd-
rußlands zugrunde, so würde selbst ohne weitere Steigerung der
Erzförderung das Vorkommen in der sehr kurzen Zeit von 30 Jahren
erschöpft sein, wenn die Schätzung der Regierungskommission der
Wirklichkeit entsprechen sollte. Die Versorgung wäre hingegen auf
75 Jahre gesichert, wenn die Abschätzung der Krivoi Roger Berg-
ingenieure sich bewahrheitet.

Im Jahre 1913 wurden 390000000 Pud Erze gefördert, von
denen 28400000 Pud zur Ausfuhr gelangten. Die Erzförderung
entsprach damals und auch während des Krieges nicht den An-
forderungen der russischen Industrie. Die Anzahl der südrussischen
Hochöfen und die Möglichkeit, die Roheisenerzeugung mit der be-
stehenden Anzahl an Hochöfen noch zu steigern, läßt demnach bei
Wiederaufleben der russischen Industrie eine weitere Steigerung der
Förderung notwendig erscheinen.

Es würde im Staatsinteresse liegen, durch umfangreiche Er-
forschungsarbeiten den Erzvorrat des Krivoi Roger Gebietes kennen
zu lernen, damit zur rechten Zeit neue Richtlinien für die Industrie
aufgestellt werden können.

Das an zweiter Stelle genannte Erzvorkommen bei Kertsch
ist auf dem östlichen Teile der Halbinsel Krim bei der Stadt Kertsch
gelegen. Es sind Ablagerungen feinkörnigen Brauneisenerzes, gelb
mit geringem Mn-Gehalt, braun mit höherem Mn-Gehalte. Das Erz
enthält 15—20°/0 Feuchtigkeit und hat in bei 100° C getrocknetem
Zustande folgende Zusammensetzung:

Glühverlust				Fe	Mn	, P	SiO,
gelb	15-	-18°/0	40-	—42°/o	l-2°/o	l°/o	12—14%
~ braun	15—	-18°/0	35-	37 °/0	5-770 l7o	13—157,

Langjährige und kostspielige Versuche auf den Hüttenwerken
zu Taganrog, Mariupol und Kertsch haben erwiesen, daß die Ver-
hüttung dieser Erze — auch in brikettiertem oder geröstetem Zu-
stande — ohne Zusatz reicher Erze wirtschaftlich nicht lohnend war.
Die staubige Beschaffenheit der Erze, der notwendige hohe Kalk-
steinzuschlag, das hieraus erfolgende geringe Ausbringen aus dem
Möller und der hohe Koksverbrauch machten es notwendig, dem
        <pb n="71" />
        ﻿04

Die Zukunft der südrussisohen Eisenindustrie.

Möller 25—30 °/0 Krivoi Roger Erze von hohem Fe-Gehalte und
niedrigem Gehalte an SiOa zuzusetzen. Erschwerend für die Ver-
wendung der Kertscher Erze kommt hinzu, daß sie als sehr uner-
wünschte Beigabe einen Ärsengehalt von 0,04—0,05 °/0 haben, so
daß ein Roheisen, das ausschließlich aus Kertscher Erzen erblasen
sein würde, einen Arsengehalt von ungefähr 0,15 °/0 haben und des-
halb für die meisten Zwecke der Eisenweiterverarbeitung nicht taug-
lich sein würde.

Die Erzablagerungen auf dem östlichen Teile der Krim sind
zahlreich verstreut. An den Abhängen der Ufer des Schwarzen und
Asdwschen Meeres sowie beim Durchqueren der Halbinsel mit der
Eisenbahn sieht man an den Böschungen der Eisenbahneinschnitte
die Erzbänke hervorkommen. Auf über 30 Milliarden Pud1)
wurde das Vorkommen geschätzt, das bisher nur in 3 Gruben-
betrieben abgebaut wurde und im letzten Friedensjahre eine För-
derung von nur 29000000 Pud erreichte.

Der Abbau erfolgt im Tagbau und ist äußerst einfach. Nach
Abtragen einer Erdschicht von 0,5—4 m Mächtigkeit mittels Trocken-
baggers hat man eine Erzbank von 4—20 m Höhe zum Abbau vor
sich, die meist inl oberen Teile aus braunem Erze, im unteren Teile
aus gelbem Erze besteht, und entweder von Hand oder mittels
Löffel- oder Eimer-Bagger aufgeladen wird. Die Kosten der För-
derung sind sehr gering. Die Erze kosteten — den Pachtpreis
von 1/1 Kopeke das Pud einbegriffen — nur 3/4 — 11/4 Kopeken das
Pud2) frei Dampfer.

Man wird in Zukunft mehr sein Augenmerk auf das Kertscher
Erzvorkommen richten müssen, weil die Krivoi Roger Erze infolge
der zur Ausbeute in größerer Tiefe notwendigen Menschenkraft
steigende Förderkosten haben werden, während die Kertscher Erze
ihre niedrigen Gestehungskosten beibehalten können; bestand doch
das ganze Personal einer der Gruben des Kertscher Gebietes aus
10. Mann, die 2 Trockenbagger bedienten. Die Fortschritte der
Ägglomerierungstechnik werden in der Zukunft dazu verhelfen, den
großen Reichtum des Landes nutzbar zu machen. Das Erz enthält
außer 15—20 °/0 Wasser noch ebensoviel Kohlensäure und andere
durch Glühen verschwindende Substanzen, die also zusammen ein
Drittel des Gewichtes ausmachen, dessen Transport durch Glühen
der Erze vermieden würde. Aus dem feinkörnigen und staubigen,
schwer verhüttbaren Erze wird die Agglomerierung ein stückiges,
trockenes Hoohofenmaterial hersteilen, dessen Verwendung im Hoch-
ofen indessen immer noch durch den Arsengehalt bis zu einer be-

!) Ungefähr 500000000 t.	-

2) Nach dem Rubelkurse vor dem Kriege 0,98—1,65 Mk. pro t.
        <pb n="72" />
        ﻿Die Zukunft der südrussischen Eisenindustrie.

(55

stimmten Grenze beschränkt bleiben wird. Die langjährigen Er-
fahrungen in der Verhüttung der Kertscher Erze haben gezeigt, daß
ein Roheisen mit 0,1 °/0 Arsen, hergestellt aus 7 5 °/0 Kertscher Erz und
25 °/0 Krivoi Roger Erz, sich zur Herstellung von Thomasstahl für Schie-
nen, Träger und Feinblechen eignet, während das hieraus gewalzte Stab-
eisen wegen der geringeren Schweißbarkeit vielfach beanstandet wurde.

Außer diesen beiden großen südrussischen Erzvorkommen findet
man in der älteren Literatur häufig die Erze des Donezbeckens
und die Erze von Korsak-Mogila genannt.

Die Erze des Donezbeckens sind Brauneisensteine, in seltenen
Nestern in geringen Mengen vorkommend und nur abbauwürdig,
falls die Nester sich in der Nähe der Hochofenwerke oder der Bahn
befinden. Ihre Förderung war nie bedeutend gewesen, sie wurde
seit 1910 vollständig eingestellt, weil die in der Nähe der Hoch-
ofenwerke liegenden Erze allmählich abgebaut waren, und weil die
Anfuhr auf weite Entfernungen sich nicht lohnte.

Das Vorkommen von Korsak-Mogila liegt unweit Berdjansk am
Asowschen Meere. Die großen Hoffnungen, die die Societe Russo-
Belge in Enakiewo an die Erschließung dieses Vorkommens geknüpft
hatte, haben sich nicht verwirklicht. Sie hat nach langen kost-
spieligen Versuchen, die in großer Tiefe vorkommenden quarzhal-
tigen Roteisensteine zu gewinnen, das Unternehmen emsteilen müssen.
Infolge der Erzknappheit ist dann von 1913 ab und während des
Krieges die Förderung in geringem Maße wieder aufgenommen wor-
den. Sie konnte aber nicht mehr als 600000 Pud erreichen.

Außer den Eisenerzfeldern besitzt Südrußland noch ein wich-
tiges Manganerzvorkommen.

Vor dem Kriege wurden in Rußland 3 Manganerzgebiete aus-
gebeutet:

1.	das kaukasische Vorkommen bei Tsohiaturi im Kaukasus;

2.	das südrussisohe bei Nikopol am Dnjepr;

3.	das Vorkommen im Ural.

Von diesen 3 Manganerzgebieten hat das kaukasische die
größte Bedeutung. Es liegt bei Tschiaturi im Gouvernement Kutais
und besteht aus einem geschlossenen, allenthalben Manganerz füh-
renden Gebiete von 57 qkm. Eine Schmalspurbahn verbindet Tschia-
turi mit Scharopan, einer Station der Bahn Batum-Poti-Tiflis.

Verwickelte Grundeigentümeransprüche hatten dort eine Menge
zersplitterter Kleinbetriebe entstehen lassen, die mit den rückstän-
digsten Mitteln die Ausbeutung betrieben und das Erz noch mit
Ochsengespann zur Ladesammelstelle brachten, wo der Armenier
oder Grieche als Zwischenhändler die Ware aufkaufte. Erst in den
letzten Jahren vor dem Kriege war es gelungen, umfassendere An-

Klein, Die südrussische Eisenindustrie.	5
        <pb n="73" />
        ﻿66

Die Zukunft der südrussisohen Eisenindustrie.

lagen mit Bahnbetrieb zu schaffen, unter denen auch einige deutsche
Unternehmungen waren. Im Jahre 1907 hatte man noch 395 in
Tätigkeit befindliche Grubenbetriebe gezählt, deren Zahl aber im
Jahre 1912 auf 206 zusammengeschmolzen war.

Der durch Schürfungen festgestellte Erzvorrat soll ungefähr
2 Milliarden Pud1) betragen. Das zum Versand gelangende Erz
hat im Durchschnitt 50°/0 Mangan, 6—8 °/0 Kieselsäure bei 0,05 bis
0,17°/0 Phosphor.

An zweiter Stelle steht das Manganerzvorkommen bei Ni-
kopol am Dnjepr im Gouvernement Jekaterinoslaw. Das Mangan-
erzfeld erstreckt sich auf 8000 ha, von denen im Jahre 1912 nur
30 ha im Tagesbau erschlossen waren und 14 ha unter Tage in einer
Tiefe bis zu 30 m ausgebeutet wurden. In der Art des Auftretens
ähnelt das Erzlager von Nikopol dem von Tschiaturi. Die Mächtigkeit
der Flöze schwankt zwischen 0,3 und 3,8 m und beträgt durchschnitt-
lich 1.5 m. Die Förderung wurde in 4 größeren Gruben betrieben,
von denen 3 Aktiengesellschaften gehören. Eine der bedeutendsten
Gruben ist die der südrassischen Hüttengesellschaft „Dnjeprovienne“.

Der durch Schürfungen festgestellte Erzvorrat wurde auf
700 000 000 Pud2) geschätzt.

Das dritte Vorkommen ist im Ural. Es ist unbedeutend und
war an der gesamten Manganerzausbeute Rußlands nur mit unge-
fähr 1/-2°/o beteiligt.

Die Manganerzgewinnung Rußlands verteilte sich auf die 3 oben
genannten Bezirke in den Jahren 1900—1915 wie folgt:

Im Jahre	Kaukasus	Südrußland	Ural	Gesamtförderu n g
	In Tausend Pud			
1900	40288	5407	174	45869
1901	22788	4243	215	27246
1902	25925	3503	375	29803
1903	22974	2091	197	25262
1904	20256	3693	220	24169
1905	20876	9235	272	30383
1906	50169	9584	294	60047
1907	40832	16444	410	57686
1908	6955	11015	310	18280
1909-	36506	4051	10	40567
1910	33805	10870	56	44731
1911	28635	12339	150	41124
1912	35299	14559	195	50053
1913	59188	16188	1189	76565
1914	40446	14600	220	55266
1915	15 737	16854	200	32791

*) Ungefähr SB 000 000 t.
2) Ungefähr 11000000 t.
        <pb n="74" />
        ﻿Die Zukunft der südrussisohen Eisenindustrie.

67

Während das südrussische Erz in der Hauptsache von der süd-
russischen Eisenindustrie verhüttet wurde, gelangte das kaukasische
Erz in Poti und zum Teil in Batum zum Versand, hauptsächlich
für das Ausland.

Von den ins Ausland versandten südrussischen Erzen gingen
40°/0 nach dem Hafen von Nikolajew (am Ausflüsse des Bug ins
Schwarze Meer gelegen) zur Schiffs Verladung und 60°/0 über die
westliche Landesgrenze nach Schlesien. Die kaukasischen Erze wurden
zu 78 °/0 in Poti, zu 22 % in Batum verladen.

Hauptabnehmer der russischen Erze war Deutschland, das im
Jahre 1913 29000000 Pud1) bezog; dann folgte Großbritannien mit
16 900000 Pud, weiter Belgien mit 12 300000 Pud und dann Frank-
reich und Österreich-Ungarn mit geringeren Mengen.

Das Kohlenvorkommen des Donez-Gebietes ist das mäch-
tigste der 4 Kohlengebiete des europäischen Rußlands. Die För-
derung betrug:

1912	1913

In Millionen Pud

Donezgebiet . . .
Dombro wagebiet .
üralgebiet . . . .
Moskauer Gebiet
Zusammen:

1305 = 73,8 °/0
394 = 22,3 %
57=	3,2	°/0

13=	0,7	°/n

1769 = 100,0° l0

1544 = 74,9 %
416= 20,6%
73=	3,6%

18 =	0,9 %

2061 = 100,0 %* 2).

Das polnische Gebiet hat schon im Frieden fast nur die
Bedürfnisse des Zartums Polens decken können. Seine Förderung
scheidet aus, und Rußland bleibt zu 94,4 % auf das südrussische Koh-
lengebiet angewiesen. Das Uralgebiet ist unbedeutend und kommt
nur für das engere Gebiet des Urals in Frage. Das Moskauer Ge-
biet liefert nur Braunkohlen von nicht hervorragender Qualität.
Von beiden Bezirken — Ural und Moskau — ist für die Zukunfts-
versorgung Rußlands nichts zu erwarten.

Der Krieg hatte in Rußland eine große Kohlenknappheit ge-
bracht. Die gesamte englische Kohleneinfuhr — 300 bis 500 Millionen
Pud jährlich — war mit Kriegsausbruch Infolge der Schließung der
Ostsee weggefallen. Der Russe griff in seiner Not zu dem einzigen
Brennstoff, an dem er scheinbar Überfluß hatte, zum Holz. Eine
sprunghafte Steigerung des Holzverbrauches, der vor dem Kriege
bis 30% der Brennstoffversorgung Rußlands betragen hatte, trat
ein und erreichte im Jahre 1916 51%. Selbst die großen Wald-
bestände Nordwest- und Westrußlands würden hierdurch auf die

J) Ungefähr 475000 t.

2) Ungefähr 34 Millionen Tonnen.

5*
        <pb n="75" />
        ﻿68

Die Zukunft der südrnssisohen Eisenindustrie.

Dauer gefährdet werden. Im Jahre 1916 verteilte sich die Brenn -
stofiversorgung Rußlands wie folgt:

Durch Kohlen	des	Donezgebietes	....	34,5°/0

Durch Kohlen	des	übrigen	Rußlands	.	.	2,5°/0

Durch Naphtha ..........................12,0°/0

Durch Holz.......................51,0°/n

Als einzige große Quelle festen Brennstoffes steht Rußland
demnach das Donezgehiet zur Verfügung, welches sowohl, was die
Güte seiner Kohle wie die Mächtigkeit seiner Vorräte anbetrifft,
auf lange Zeiten hinaus die Bedürfnisse der russischen Industrie
in ihrer bisherigen Entwicklung und die Hausbrandversorgung Süd-
rußlands decken kann.

Das Donez-Kohlenvorkommen erstreckt sich über den
östlichen Teil des Gouvernements Jekaterinoslaw, den südlichen Teil
des Gouvernements Charkow und den westlichen Teil des Don-Ge-
bietes. Auf dieser weiten Fläche begegnet man den verschiedensten
Arten von Kohlen, vom Anthrazit bis zur Gaskohle. Die Fläche,
in welcher Anthrazit vorkommt, ist doppelt so groß, als die Fläche,
in der die übrigen Arten der Steinkohlen ausgebeutet werden.
Man hat die Menge Anthrazit bis zu einer Tiefe von 1700 m
auf 2293 Milliarden Pud1) geschätzt, während die Vorräte an
Weichkohle auf 1098 Milliarden Pud2) geschätzt worden sind.
Trotzdem also die Menge an Anthrazit ganz bedeutend die, der
übrigen Steinkohlenarten überwiegt, ist die Anthrazitförderung bis
zum Jahre 1910 verhältnismäßig gering geblieben.

Die Förderung des Anthrazits begann in den ersten Jahren des
19. Jahrhunderts. Erst um 1850 wird außer der Anthrazitförderung
auch eine Weichkohlenförderung genannt.

Die Entwicklung der Kohlenförderung im Donezgebiete seit
1850 zeigt folgende Tabelle:

Jahr	Förderung an  Anthrazit	| Weichkohle  in Millionen Pud	
1850	2,2	0,6
1860	7,0	1.0
1870	14,0	6,0
1880	29,2	57.0
1890	36,4	146,7
1900	71.8	600,5
1910	157,4	861,3
1914	313,5	1399,6

0 37 Milliarden Tonnen.
2) 18 Milliarden Tonnen.
        <pb n="76" />
        ﻿Die Zukunft der südrussisohen Eisenindustrie.

69

Aus vorstehenden Zahlen ist zu ersehen, daß erst die letzten
Jahre vor dem Kriege eine bedeutende Steigerung in der Anthrazit-
förderung gebracht haben. Außer der allgemeinen Entwicklung der
Industrie in diesen Jahren war wohl der Hauptgrund die Vermin-
derung der Naphthagewinnung in Baku und die hierdurch entstan-
denen hohen Preise für die Naphtha. Die russische Industrie war
daher in vielen Zweigen gezwungen, schleunigen Ersatz zu suchen.
Bahnbrechend ging der Moskauer Industriebezirk vor, in welchem
der Verbrauch an Anthrazit als Ersatz für die Naphtha von 1900
bis 1913 von 16,4 Millionen Pud auf 77 Millionen Pud gestiegen ist.

Die Anwendung des Anthrazites erstreckte sich auf seine Ver-
wendung für die Kesselfeuerung, den Generatorenbetrieb, den Kupol-
ofenbetrieb der Gießereien, den Betrieb von Öfen zur Herstellung
von Steinen und Kalk und in geringem Maße für metallurgische
Betriebe.

Von den Hüttenwerken des Donezgebietes ist nur eine — die
Suliner Aktiengesellschaft —- auf den Verbrauch von Anthrazit ge-
gründet. Langjährige Versuche, die Suliner Hochöfen ausschließlich
mit Anthrazit zu betreiben, haben zu keinem guten Ergebnis ge-
führt und seit Jahren arbeiten die Hochöfen mit einem Gemisch
von Koks und Anthrazit. Aber der Betrieb ist schwierig und hat
im Donezgebiete keine Nachahmer gefunden.

Die wichtigste Kohlenart und den Hauptbedarf der Hütten-
werke stellt die Kokskohle dar zur Herstellung von Koks. Genaue
Daten über die Vorräte an Kokskohle im Donezgebiete liegen nicht
vor; aber die Tatsache, daß schon in den letzten Jahren vor dem Kriege
bei einer jährlichen Produktion von 230—270 Millionen Pud Koks
ein Mangel an Kokskohlen bestand, zeigt, daß man an die Grenze
der Leistungsfähigkeit herangekommen war. Dabei sind alle Be-
zirke, die Kokskohle enthalten, in Ausbeutung begriffen. Als vor
dem Kriege die Lokomotivfabrik vorm. Hartmann in Lugansk beab-
sichtigte, für sich selbst die notwendigen Halbfabrikate herzustellen,
und sich dazu Hochöfen und größere Stahlwerksanlagen anzugliedern,
mußte von diesem Projekte Abstand genommen werden, weil trotz
aller Aufwendungen zur Erforschung der noch nicht in Abbau be-
„findlichen Gebiete kein freies Kokskohlenfeld gefunden werden
konnte. Auch hatten im Laufe der letzten Jahre vor dem Kriege
die Hochofenwerke mit ihren technischsn Ansprüchen an die Güte
des Donezkoks allmählich heruntergehen müssen. Es gab damals
schon kaum mehr Koks mit weniger als 12°/0 Asche und 1,2 bis
V°/o S.

Ziehen wir den Schluß aus den vorstehenden Zahlen der süd-
russischen Förderungs- und Vorratsmengen an Erzen und Koks-
        <pb n="77" />
        ﻿70

Die Zukunft der südrussisohen Eisenindustrie.

kohlen, so kann man wohl annehmen, daß eine weitere große Stei-
gerung der südrussischen Roheisenerzeugung schon allein aus dem
Kokskohlenmangel heraus nicht zu erwarten ist, daß die Daseins-
hedingungen für neue gemischte Hüttenwerke nicht gegeben sind,
daß die bestehenden Hüttenwerke, falls die Regierungsschätzung
des Krivoi Roger Erzvorkommens sich bestätigt, bald zu einer
Streckung der Erzvorräte, zum Verbrauche ärmerer Erze — seien
es Quarzite von Krivoi Rog oder Brauneisenerze von Kertsoh —
schreiten müssen, und daß ferner die Werke durch technische Ver-
vollkommnung ihrer Anlagen die steigenden Preise für die Roh-
stoffe auszugleichen trachten müssen.
        <pb n="78" />
        ﻿Technische Ausrüstung der südrussischen
Hüttenwerke.

Die südrussischen Hüttenwerke sind vor dem Jahre 1900 er-
baut, sodaß die modernen Bestrebungen zur Verminderung der
Arbeiteranzahl in den Werksbetrieben sich noch nicht haben geltend
machen können. Sie waren erbaut aus dem vollen heraus, in der
Überzeugung, daß bei den in Rußland herrschenden hohen Preisen
für Eisen und Eisenerzeugnisse jede Anlage gewinnbringend sein
würde; sie waren erbaut in der Überzeugung, daß der westeuropä-
ische Arbeitermangel sich nie hier fühlbar machen, und daß der
Lohn des Arbeiters und der Anteil der Arbeiterlöhne im Gestehungs-
preis des Fertigerzeugnisses eine winzige, nicht zu beachtende Ziffer
darstellen würde.

H ochofenanlagen:

Man kann 3 Gruppen von Hochofenanlagen unterscheiden:

1.	Rochofenwerke mit Schrägaufzügen und Ladung der Mate-
rialien durch mechanische und automatisch wirkende Einrichtungen.

2.	Hoohofenwerke mit Schrägaufzügen und Ladung der Mate-,
rialien von Hand.

3.	Hochofenwerke mit vertikalen Aufzügen und Ladung der
Materialien von Hand.

Zur ersten Gruppe gehören nur 2 Werke: Russo-Belge in Ena-
kiewo und Briansk in Jekaterinoslaw. In ersterem ist die Moder-
nisierung zwecks Ersparung von Menschenkräften am weitesten vor-
geschritten. Ein unterirdisches Kanalsystem führt zu den Schräg-
aufzügen. Die Ladung der Kübel geschieht durch Löffelbagger und
elektrische Kräne, die über den Vorratsplätzen sich bewegen. Die
Anlage ist noch nicht fertig. An zweiter Stelle steht die Briansker
Gesellschaft, die ebenfalls durch ein unterirdisches Kanalsystem die
Kübel an die Schrägaufzüge heranführt. Die Ladung der Kübel
geschieht, soweit die Materialien nicht durch die zahlreichen Luken
von selbst in die Kübel hineinrollen, von Hand. Immerhin be-
        <pb n="79" />
        ﻿72	Technische Ausrüstung der südrussischen Hüttenwerke.

nötigt die Einrichtung noch 35 Mann pro Hochofen zur Be-
gichtung.

Zur zweiten Gruppe gehören die Werke: Südrussische Röhren-
walzwerke Jekaterinoslaw, Kramatorskaja, Konstantinowka und
Nikopol-Mariupol. Sie haben Schrägaufzüge, teilweise Stähler, teil-
weise Kennedy eingebaut, haben aber merkwürdigerweise die Ladung
der Materialien und die Heranführung derselben von Hand beibe-
halten. Die Ersparung an Menschenkraft ist daher denn auch ge-
ring. Auch Jusowka hat einen neuen Ofen System Kennedy in
dieser Art gebaut.

Zur dritten Gruppe gehören alle anderen Gesellschaften: Dnje-
provienne, Droujkowka, Jusowka (für 5 Öfen), Donez-Juriewka,
Taganrog, Makiewka, Providenoe, Sulin, Krivoi Rog und Olchowaja.
Allen diesen Werken der zweiten und dritten Gruppe steht die
Modernisierung der Anlagen in der Zukunft bevor. Bei der Dnje-
provienne rechnet man zur Begichtung eines jeden Hochofens
60 Mann pro Schicht, was bei Aohtstundenarbeit für die 6 Hoch-
öfen des Werkes in Kamenskoe einen Arbeiterbestand von 1080 Mann
allein für die Begichtung der Hochöfen beträgt. Bei der, Teuerung
der Arbeitskräfte in Rußland und dem Mangel an Industriearbeitern,
der sieh nach einer Agrarreform in Großrußland noch viel stärker
fühlbar machen wird, ist die Modernisierung nicht lange aufzuschieben,
wenn sie auch jetzt im Verhältnis zu dem früheren Kostenaufwand
ganz riesige Summen beanspruchen wird.

Es mag von Interesse sein zu erwähnen, daß kein einziges der
südrussisohen Hochofenwerke mit Bunkern arbeitete. Eine Anlage
von Erzbunkern ist auf der „Providenoe“ gebaut, aber sie ist alt
und hat sich nicht bewährt, sodaß die Vorraträume zur automati-
schen Ladung nicht benutzt werden. Gegen die Anwendung von
Bunkern ist der strenge Winter in Rußland eingeworfen worden,
aber der Winter dauert nur 3 Monate, während gerade der Arbeiter-
mangel im Sommer und Herbst besteht.

Bessemerwerke haben die Gesellschaften: Dnjeprovienne,
Briansk, Russo-Belge und Droujkowka. Ihre Daseinsbedingungen
werden immer schwieriger, weil die Krivoi Roger Erze, die einen
entsprechend niedrigen Phosphorgehalt von nicht mehr als 0,04°/0
Phosphor haben, immer seltener werden. Der Anteil der Bessemer-
stahlwerke an der Stahlerzeugung Südrußlands betrug im Jahre 1913
nur 22 °/0, im Jahre 1915 war er weiter auf 17 °/0 gesunken.

Thomasstahlwerke haben die Gesellschaften; Taganrog in
Taganrog und Kertsch, und Providenoe in Mariupol. Das Thomas-
stahlwerk in Kertsch kam erst im Jahre 1914 in Betrieb. Der An-
        <pb n="80" />
        ﻿Technische Ausrüstung der südrussisohen Hüttenwerke.

73

teil der Thomasstahlwerke an der Stahlerzeugung Südrußlands be-
trug im Jahre 1913 und 1915 7—71/.2°/0.

Martinstahlwerke. Neugebaute oder neuzeitlich eingerichtete
Martinstahlwerke haben die Gesellschaften: Jusowka, Makiewka,
Briansk, Dnjeprovienne, Nikopol-Mariupol, Südrussisohe Röhrenwalz-
werke, Konstantinowka, Kramatorskaja, und in gewisser Beziehung
gut eingerichtet ist das Martinstahlwerk der Russo-Belge. Aber vor
einer strengen Kritik der Neuzeit würde keines dieser Stahlwerke
als allen Ansprüchen der letzten Vervollkommnung entsprechend
bestehen können. Jedes der Stahlwerke hat seine Fehler und seine
Unzulänglichkeiten. Bei dem einen fehlt die doppelte Kranlaufbahn
in der Gießhalle, bei dem anderen ist die Gießhalle selbst zu schmal
angelegt; wieder bei einem anderen geschieht die Ladung der Öfen
durch Cha,rgierwagen und nicht durch Laufkräne, welche die Öfen
selbst und die Ladebühne bestreichen. Bald geschieht die Ladung
der Materialien von Hand und nicht durch Magnetkräne, oder zur
Heranführung der Materialien hat man in ganz neu angelegten Be-
trieben noch Aufzüge eingebaut oder Laufkatzen und nicht Lauf-
kräne, die den Materialienplatz bestreichen. Auch die Anlage der
Gaserzeuger weist vielfach Mängel auf, so fehlt überall die automa-
tische Begichtung. Auf keinem der Werke besteht eine Schrott-
presse.

Alle diese Fehler der Anlagen drücken sich nachher in einer
großen Zahl unnützer Arbeitskräfte aus, in einer oft eintretenden
Behinderung der Produktion mit hierdurch entstehenden erhöhten
Ausgaben für Kohle, Verschleiß der Öfen usw. Die Zukunft wird
die südrussischen Martinstahlwerke zwingen, in der Anwendung
mechanischer Hilfsmittel weiterzugehen und die teure Menschenkraft
viel mehr zu ersparen, als dies bisher geschehen ist.

Walzwerke und Kraftanlagen. Moderne Anlagen zur Kraft-
erzeugung für die Walzwerke und die hierzu notwendige vollständig
durohgeführte Gasreinigung besitzen nur 5 südrussische Hütten-
werke :

Briansk .... 25000 P. S.

Dnjeprovienne . 17 500 „

Taganrog . . . 12900 „

Russo-Belge . . 11040 „

Makiewka . . . 10840 „

Dnjeprovienne und Russo-Belge sind mit Gasmotoren ausge-
rüstet (erstere in der Mehrzahl Cockerill-Motore, letztere Klein-
Motore). Russo-Belge hat auch zum Teil Kleinsohe Gasmotore als
Walzenzugmaschinen eingebaut. Die Kraftanlage von Briansk be-
        <pb n="81" />
        ﻿74

Technische Ausrüstung der südrussischen Hüttenwerke.

steht aus A. E. G.-Dampfturbinen. Taganrog und Makiewka haben
gemischte Anlagen: Erstere Augsburg-Nürnberg-Motore und A. E. G.-
Dampfturbinen, letztere Mühlhausen-Motore und Rateau-Dampftur-
binen. Auf den anderen Hüttenwerken sind hier und da eine oder
zwei Dampfturbinen eingebaut, aber keine der Kraftanlagen besitzt
über 10000 P,S. Allen diesen Werken stehen noch große geldliche
Aufwendungen zum Ausbau ihrer Kraftanlagen zwecks Ersparung
von Kesselkohlen bevor.

Die Walzwerksanlagen bestehen meist ohne große Umänderung
seit ihrer Erbauung in den 90 er Jahren mit Ausnahme von einigen
kleinen und Drahtstraßen, die moderneren Ursprunges sind. Fast
auf allen Hüttenwerken sind die Walzwerksanlagen so reichhaltig
angelegt, daß sie in ihrer Gesamtheit weit mehr Material verarbeiten
können, als Stahlwerke und Hochofenanlagen ihnen vorzubereiten im-
stande sind.

Die Beförderung der Fertigerzeugnisse von den Walzenstraßen
angefangen bis zur Ladung in die Waggons ist auf den meisten
Werken noch wenig neuzeitlich eingerichtet. Auch den Wärmeöfen,
besonders denjenigen für kleine und Mittelstraßen, wurde im ganzen
Süden Rußlands noch nicht genügend Beachtung geschenkt. Der
Kohlen verbrauch der Wärmeöfen ist fast überall ein hoher. Die
hohen Kohlenpreise der Zukunft werden in allen Werken notge-
drungen zu Verbesserungen führen.

Gestehungkosten der Hüttenwerke. Ein Vergleich der
Gestehungskosten der südrussischen Hüttenwerke mit denjenigen
Westeuropas vor dem Kriege ergab, daß die Preise der Rohstoffe:
Erz, Kalkstein, Kohle und Koks in Südrußland entweder billiger
oder annähernd die gleichen waren wie in den westeuropäischen
Werken. Beim Roheisen blieb dieses Verhältnis auch meist noch
gewahrt, wenn auch der Anteil an den Kosten für Unterhalt und
Arbeitslöhnen im Selbstkostenpreise des südrussischen Roheisens
schon erheblich größer war. Der Preis des Martinstahles war schon
überall bedeutend höher als in Westeuropa. Je weiter dann in den
Walzwerken oder Werkstätten die Verarbeitung von Stahl und Eisen
fortgesetzt wurde, um so größer wurde der Unterschied zwischen dem
Selbstkostenpreise des rüdrussisohen und dem des westeuropäischen
Werkes, umso aussichtsloser war der Gedanke, jemals den hohen
Zoll auf russische Eisenerzeugnisse entbehren zu können, und von
einer gewinnbringenden Ausfuhr russischer Eisenerzeugnisse auf den
Weltmarkt konnte keine Rede sein. Hierfür hat es mehrere Gründe
gegeben. Es war vor allem die geringere Leistungsfähigkeit des
russischen Arbeiters im Vergleich zu dem westeuropäischen und die
große Anzahl an Meistern und Äufsichtspersonal, die zur Über-
        <pb n="82" />
        ﻿Technische Ausrüstung der südrussischen Hüttenwerke.

75

waohung der Betriebe notwendig war. Ein zweiter Grund war der,
daß die Werke doch nicht den Anforderungen zeitgemäßer Technik
vollständig entsprechen. Dies kam daher, daß die wenigen russi-
schen Maschinenfabriken sehr lange Lieferfristen verlangten, selbst
auch meist nach ausländischen Zeichnungen arbeiteten, und daß es
langer Zeit bedurfte, bis jede in Westeuropa eingeführte Neuerung
und Verbesserung in Plan und Ausführung in das Donez-Gebiet ge-
langte. Die in Rußland angefertigten Maschinen kosteten meist
nicht erheblich weniger als Einkaufspreis im Auslande plus Zoll, so
daß man sich schwer zu Neueinrichtungen entschließen konnte, wenn
deren Verzinsung nicht hinreichend gesichert war. Auch die General-
unkosten waren bedeutend höher als in Westeuropa, weil die Be-
wachung des Werkes durch eigene Wächter und vom Werke be-
zahlte Polizei sehr teuer kam. die technische und kaufmännische
Werksleitung viel mehr Personen verlangte und der Verwaltungssitz
in St. Petersburg sowie noch ein Nebensitz im Auslande hohe Aus-
gaben verursachten.

Die Industrie der feuerfesten Steine. Bis zum Kriege
lieferte Deutschland und in geringem Maße England einen großen
Teil der hochwertigen Chamottesteine für Hochöfen, ferner Stopfen-
und Ausgußsteine für Stahlpfannen und Dinassteine für die Martin-
öfen. In Südrußland bestanden damals zwei Fabriken, die Dinas-
steine herstellten: Dekonskaja und Krasnogorowka, beide im Donez-
Gebiete gelegen. Außerdem hatten eine Reihe von Hüttenwerken
eigene Abteilungen errichtet zur Herstellung ihres gewöhnlichen Be-
darfes feuerfester Steine.

Infolge des Krieges fiel die ausländische Lieferung weg und die
Hüttenwerke gingen daran, ihre Abteilungen' soweit zu vergrößern,
daß sie ihren ganzen Bedarf decken konnten. So machten sich die
Dnjeprovienne, Briansk, Jusowka, Russo-Belge und Droujkowka
völlig unabhängig von dem Bezüge der südrussischen Steinfabriken.
Briansk soll eine monatliche Herstellung bis zu 90000 Pud Dinas-
steine erzielt haben und hat einen Teil seiner Steine auf den Markt
geworfen.

Die Beschaffenheit der in den südrussischen Steinfabriken her-
gestellten Dinassteine hat sich während des Krieges nicht gebessert,
da die Käufer doch stets einem gewissen Mangel gegenüber standen.
Sie waren gezwungen, bis zu 1/10 des Gewichtes Bruchsteine anzu-
nehmen, während früher die ausländischen Steine trotz der Um-
ladung nicht mehr als 1/25 Bruch ergeben hatten. Die nicht be-
friedigende Beschaffenheit der Dinassteine ist nicht etwa in der Ge-
ringwertigkeit des Rohstoffes begründet; denn der in den Bezirken
von Bachmut und Nikitowka vorkommende Quarzit ist seiner chemi-
        <pb n="83" />
        ﻿76

Technische Ausrüstung der südrussischen Hüttenwerke.

sehen Zusammensetzung nach geeignet, einen hochwertigen Dinas-
stein zu liefern.*'' Der Grund scheint vielmehr darin zu liegen, daß das
Brennen bei der Herstellung der Steine nicht richtig durchgeführt
wurde. Die Hüttenwerke, die jetzt selbst ihre Dinassteine hersteilen,
geben an, in den letzten Jahren Steine von hoher Güte erzielt zu
haben. Es hat allen Anschein, als ob die südrussische Eisen-
industrie in Zukunft nicht mehr notwendig haben wird,
einen Teil ihres Steinbedarfes aus dem Auslande zu
decken. Sie würde dazu nur veranlaßt werden, wenn der Preis-
unterschied zugunsten der ausländischen Steine sprechen würde.
        <pb n="84" />
        ﻿Arbeiterverhältnisse und Arbeiterfürsorge.

Die Anzahl der Arbeiter der südrussischen Hüttenwerke belief
sich im Jahre 1913 auf 78174 Mann, die der Beamten auf 3 969,
von denen 568 Ausländer waren. Im Jahre 1915 betrug die Ar-
beiteranzahl 85517 Mann, die der Beamten 4920, von denen 421
Ausländer waren. Die Verringerung in der Anzahl der ausländischen
Beamten ist in der Hauptsache auf die Entlassung aller „feind-
lichen“ Ausländer zurückzuführen, die durch Russen während des
Krieges ersetzt wurden.

Vor dem Kriege berechnete man den notwendigen Verdienst
eines russischen Tagelöhners mit monatlich 35 Rubel: Die Ausgaben
des Tagelöhners betrugen bei einem in Kostgemeinschaft (zu 8 bis
10 Mann) lebenden Arbeiter monatlich für Ernährung 16 Rubel und
für Anschaffungen 10 Rubel, sodaß ihm für sonstige Bedürfnisse
9 Rubel übrigblieben.

Die Durchschnittslöhne schwankten denn auch bei den ge-
mischten Hüttenwerken im Jahre 1913 zwischen 33,92 Rubel und
56,52 Rubel pro Monat und betrugen im Durchschnitte aller Werke
im Jahre 1 9 1 3 = 41,89	Rubel	pro	Arbeiter	und	Monat.

„	„	1915 === 4 3,45	„	»	»	n n ■

Arbeiterkolonien haben die Hüttenwerke Jusowka, Russo-
Belge, Donez-Jurjewka, Droujkowka, Nikopol-Mariupol und Provi-
dence. Die Arbeiter der bei den Städten Jekaterinoslaw, Taganrog
und Lugansk gelegenen Werke wohnen in den Vororten der be-
treffenden Städte. Bei den übrigen Werken haben sich allmählich
in der Nähe des Werkes neue Gemeinwesen gebildet, in denen die
Arbeiter Unterkunft finden. Im Jahre 1913 wohnten von 78174
Hüttenarbeitern 20178 in Werkswohnungen und 57 996 in eigenen
oder gemieteten Wohnungen. Im Jahre 1915 hatten von 85517 Ar-
beitern 68101 Mann ihre Unterkunft in eigenen oder gemieteten
Wohnungen gefunden.

Die Auslagen für Schulen sind bei den meisten Werken nicht
bedeutend. Am besten hat hierfür die „Neurussisohe Gesellschaft“
        <pb n="85" />
        ﻿78

/

Arbeiterverhältnisse und Arbeiterfürsorge.

in Jusowka gesorgt, dann folgen in weitem Abstande die Dnjepro-
vienne, Briansk, Donez-Jurjewka, Russo-Belge, Nikopol-Mariupol und
Droujkowka. Die übrigen Werke haben nur geringe Summen dafür
aufgewandt. Zieht man den Durchschnitt der von den gemischten
Hüttenwerken für die Schulen verausgabten Gelder, so hatten die
Hüttenwerke im Jahre 1913 3,71 Rubel pro Arbeiter und Jahr be-
zahlt, im Jahre 1915 3,76 Rubel.

Arbeiterfürsorge.

Bis zum Jahre 1903 gab es in Rußland keine gesetzlich ge-
regelte Arbeiterfürsorge. Die Arbeiterfürsorge beschränkte sich
darauf, daß die Hüttenwerke den Arbeitern ärztliche Behandlung
einschließlich der Aufnahme in eigene oder fremde Krankenhäuser
zukommen lassen mußten für diejenigen Krankheiten, die durch Be-
triebsunfall hervorgerufen waren. Außerdem genossen zwar die Ar-
beiter und auch die Mitglieder der Arbeiterfamilien in den meisten
Hüttenwerken medizinische Behandlung, aber eine gesetzliche Ver-
pflichtung bestand dafür nicht. Bei Verlust der Arbeitsfähigkeit
infolge eines Unfalles war der Arbeiter darauf angewiesen, sich güt-
lich mit dem Unternehmer auseinanderzusetzen, oder die Erfüllung
seines Anspruches beim Friedensrichter durchzusetzen.

Am 3. Juni 1903 wurde der erste Schritt in der Regelung der
Arbeiterfürsorge durch das Gesetz über die Entschädigung bei Un-
glücksfällen getan. Durch dieses Gesetz wurde dem Arbeiter das
Recht auf Unterstützung nach allen im Betriebe. erlittenen Ver-
letzungen zugesprochen und dem Unternehmer die Pflicht auferlegt,
diese Unterstützung zu zahlen. Sie bestand aus einer zeitweiligen
Unterstützung bis zur Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit und
aus einmaligen Abfindungszahlungen oder jährlichen Renten bei an-
dauerndem partiellen oder vollständigen Verluste der Arbeitsfähig-
keit. Als zeitweilige Unterstützung sollte der Unternehmer die
Hälfte des Arbeiter-Durchschnittslohnes des letzten Jahres zahlen.
Die ständige Rente betrug bei vollem Verluste der Arbeitsfähigkeit
2/3 des Arbeiterdurchschnittslohnes. Der prozentuale Anteil des Ver-
lustes der Arbeitsfähigkeit wurde durch eine Ärztekommission fest-
gesetzt, in deren Bestände ein staatlich angestellter Arzt sich be-
finden mußte. Die Festsetzung dieser Kommission wurde durch den
Berginspektor des betreffenden Bezirkes gutgeheißen, der auch das
Recht hatte, die Abschätzung einer zweiten Ärztekommission zur
erneuten Prüfung zu überweisen. Bei Todesfällen, die durch ün-
glücksfall im Betriebe erfolgt waren, bestritt der Unternehmer die
Beerdigungskosten in Höhe von 30 Rubel. Außerdem erhielt die
Witwe 1/3 des Jahresverdienstes des Verstorbenen, jedes Kind bis
        <pb n="86" />
        ﻿Arbeiterverhältnisse und Arbeiterfürsorge.

79

zum 15. Lebensjahre, falls eines der Eltern noch lebte 1/6, falls
beide Eltern verstorben waren 1ji des Jahresverdienstes als jähr-
liche Rente. Bei Wiederverheiratung der Witwe zahlte der Unter-
nehmer die Rente für 3 Jahre als einmalige Abfindung aus. Alle
Rentenzahlungen konnten vom Unternehmer durch eine einmalige
Abfindung in Höhe des zehnjährigen Betrages der Rente abgelöst
werden.

Im Jahre 1912 erschienen dann die Gesetze über die Bildung
von Krankenkassen, über die Unfallversicherung und die Errichtung
der betreffenden Aufsichtsbehörden für alle Unternehmungen, die
nicht weniger als 20 Arbeiter beschäftigten. Nach diesem Gesetze
sollte jede Krankenkasse nicht weniger als 200 Arbeiter in sich ver-
einigen. Deshalb mußten die kleineren Unternehmungen sich einer
größeren Krankenkasse angliedern, oder sich zu einer Krankenkasse
zusammenschließen.

Die Wirksamkeit der Krankenkassen erstreckte sich auch auf
Unterstützung bey

1.	Arbeitsunfähigkeit, hervorgerufen durch Krankheit oder Unfall,

2.	Schwangerschaft der arbeitenden Frau,

3.	Todesfall eines Mitgliedes der Kasse.

Die Unterstützung bei Krankheit oder Unfall konnte je nach
den Familienverhältnissen des Arbeiters 1ji bis 2/s seines Lohnes be-
tragen.

Bei Geburten konnte der halbe bis ganze Lohn während höch-
stens 6 Wochen (2 Wochen vor und 4 Wochen nach der Geburt)
der Arbeiterin gezahlt werden.

Zur Bestreitung der Beerdigungskosten wurde der zwanzig- bis
dreißigfache Tages-Arbeiterlohn ausgezahlt'.

Die Krankenkasse sollte ihre Mittel in der Hauptsache aus
den von den Arbeitern und Unternehmern gezahlten Beträgen er-
halten, Durch eine Generalversammlung aller Arbeiter des Unter-
nehmens wurde die Höhe des Beitrages der Arbeiter festgesetzt, und
zwar konnte er 1 bis 2 °jQ des Arbeiterlohnes ausmachen. Dazu
mußte der Unternehmer 2/g der von den Arbeitern eingezahlten Bei-
träge der Kasse zuführen. Der Unterhalt der Werkskrankenhäuser
sowie die medizinische Behandlung der Arbeiter blieb zu Lasten des
Unternehmers.

Die Verwaltung der Krankenkasse führte ein Ausschuß, der
aus von den Arbeitern gewählten und vom Unternehmer ernannten
Mitgliedern bestand, wobei die Arbeitei Vertreter ein Mitglied mehr
als der Unternehmer stellten. Da aber den Vorsitz der Unternehmer
führte, und dieser doppelte Stimme hatte, konnte bei Meinungs-
        <pb n="87" />
        ﻿80

Arbeiterverhältnisse und Ärbeiterfürsorge.

Verschiedenheit kein Beschluß zustande kommen. In solchen Fällen
entschied die staatliche Versicherungskammer des Gouvernements
und in letzter Instanz der Versicherungsrat beim Ministerium für
Handel und Gewerbe in St. Petersburg.

Die Einführung dieses Gesetzes auf den Hüttenwerken wurde
jahrelang hinausgeschoben, angeblich weil sowohl die Regierungs-
organe wie die Unternehmerkreise befürchteten, daß aus den ge-
wählten Arbeitervertretern bei den Krankenkassen sich bald Ar-
beiterführer herauskristallisieren würden, und so die Regierung selbst
den Arbeitern zu einer nicht beabsichtigten Organisierung der Ar-
beitermassen verholfen hätte, denen dann in den Geldern der Kranken-
kasse willkommene Streikmittel zur Verfügung ständen. So kam es
dann, daß bei Ausbruch des Krieges nur ganz wenige südrussische
Hüttenwerke eine Krankenkasse besaßen. Auch im ganzen Krivoi
Roger Erzgebiet bestand bis zum Juni 1917 nur auf einer einzigen
Grube eine Krankenkasse.

Die Unfallversicherung wurde durch das Gesetz von 1912 auch
neu geregelt. Es wurden obligatorische Versicherungsgesellschaften
unter staatlicher Aufsicht gegründet, deren Mittel durch die Unter-
nehmer des betreffenden Bezirkes im Verhältnis zu der Summe der
bezahlten Arbeiterlöhne aufgebracht werden sollten. Auch diese Ge-
sellschaften begannen erst ihre Tätigkeit am 1. Juli 1915. Sie
hatten die Ausführung des Gesetzes von 1903 dem einzelnen Unter-
nehmer abgenommen. Ihnen lag demnach die Abfindung und Renten-
zahlung bei Unglücksfällen ob, wohingegen die Auszahlung der
Krankengelder während der ersten 4 Monate nach dem erlittenen
Unfälle zu Lasten der Krankenkasse fiel.

Im Juli 1917 erließ dann die provisorische Regierung ein dem
Geiste der Zeit entsprechendes Zusatzgesetz zu dem bestehenden
Gesetze über die Arbeiterfürsorge während der Erkrankung. Alle
Unternehmer, die bisher noch in keiner Krankenkasse vertreten
waren, wurden nun gezwungen, sich einer bestehenden Kasse anzu-
gliedern. Die Änderungen des neuen Zusatzgesetzes bestanden in
der Hauptsache aus Folgendem:

1.	Die Verpflichtung, einer Krankenkasse beizutreten, wurde
auf alle Unternehmungen mit mehr als 5 Arbeiter ausgedehnt.

2.	Aus der Verwaltung der Kasse wurden die Vertreter des
Unternehmers vollständig entfernt. Der führende Ausschuß, der die
Geschäftsführung der Krankenkasse hatte, bestand nur aus Arbeiter-
vertretern. Nur im Revisionsaussohusse war der Unternehmer noch
stimmberechtigt.

3.	Es stand den Krankenkassen frei, die Krankenbehandlung
in eigene Verwaltung zu übernehmen. Der Unternehmer hatte in
        <pb n="88" />
        ﻿Arbeiterverhältnisse und Arbeiterfürsorge.

81

diesem Falle 1 bis 2 °/0 der Arbeiterlöhne der Krankenkasse zuzu-
führen, wobei aber dieser Betrag nicht weniger als 18 Rubel pro
Arbeiter und Jahr ausmachen durfte. Hierdurch wurden den Kassen
große Barmittel zugeführt, über die sie nach Gutdünken verfügten.
Die ärztliche Behandlung hatte den Hüttenwerken im Jahre 1913
11,57 Rubel gekostet, im Jahre 1915 14,90 Rubel, sodaß mit dem
von der provisorischen Regierung festgesetzten Mindestbetrag von
18 Rubel an die Hüttenwerke weitere Ansprüche gestellt wurden.

4.	Der Unternehmer, der früher der von den Arbeitern be-
zahlten Beiträge zur Kasse gezahlt hatte, mußte jetzt denselben Zu-
schuß leisten wie der Arbeiter.

5.	Durch das Gesetz von 1912 wurden die Abzüge für die
Krankenkasse nur vom Tagesverdienste bis 5 Rubel berechnet.
Diese Grenze wurde jetzt auf 10 Rubel erhöht.

6.	Die Unterstützung während der ärztlichen Behandlung, die
früher während 4 Monaten gewährt wurde, sollte jetzt auf 6 Monate
ausgedehnt werden.

7.	Ein Drittel des von Unternehmer und Arbeiter gezahlten
Betrages konnte zur Unterstützung bei Krankheit und Todesfall
von Familienmitgliedern oder bei Geburten verwandt werden, wenn
auch der Arbeiter seinen vollen Arbeiterverdienst weiter bezog.

Dieses Gesetz trat sofort nach Veröffentlichung in Kraft.

Anzahl der Unglücksfälle. Im Jahre 1913 kamen im
Bezirk der Bergverwaltung Jekaterinoslaw, welchem mit Ausnahme
von Taganrog, Makiewka und Sulin alle Hüttenwerke des Südens
angehören, auf 1000 beschäftigte Arbeiter 442,8 Verletzungen durch
Unglücksfälle im Betriebe; also fast die Hälfte aller Arbeiter hatte
im Laufe des Jahres einen Unfall erlitten. Von diesen 442,8 Ver-
letzungen waren 1,2 mit tödlichem Ausgange; 12,3 hatten eine
bleibende Herabsetzung der Arbeitsfähigkeit zur Folge; bei 2,37 er-
streckte sich der Verlust der vollen Arbeitsfähigkeit auf eine Zeit-
dauer von 3 Monaten und 426,7 Verletzungen heilten ohne Verlust
an Arbeitsfähigkeit aus.

Der Besuch der Krankenhäuser war ein sehr großer. Im
Jahre 1913 war jeder in den Hüttenwerken beschäftigte Arbeiter
11,8 mal in ärztlicher Behandlung gewesen.

Bestrafungen der Arbeiter. Aus den Abrechnungen der
Strafkapitalien der Hüttenwerke geht hervor, daß die Bestrafungen
für Vergehen gegen die Werksordnung im Jahre 1913 sich auf
79 Kop. pro Jahr und beschäftigten Arbeiter beliefen. Im Jahre
1915 war diese Durchschnittszahl auf 31 Kop. gesunken.

Klein, Die südrussische Eisenindustrie.	6
        <pb n="89" />
        ﻿82

Arbeiterverhältnisse und Arbeiterfürsorge.

Die Strafkapitalien standen der Werksleitung zur Verfügung,
aus denen sie nach Genehmigung durch den staatlichen Berg-
inspektor meist bei Todesfall oder Krankheit in der Familie des
Arbeiters Unterstützungen aushändigte.

Seit Juli 1917 wurde auch die Verfügung über die Straf-
kapitalien der Werksleitung entzogen und der Verwaltung der
Krankenkasse übertragen, die darüber ohne Genehmigung durch den
Berginspektor frei disponieren konnte.

Die Revolution hat die ersten Anfänge der gesetzlich .geregelten
Arbeiterfürsorge in Rußland zerstört. Durch den Übergang der Ver-
waltung der Krankenkassen in die Hände der Arbeiter ohne irgend
welche Beeinflussung von seiten des Unternehmers war bei der ge-
ringen Bildung des russischen Arbeiterstandes und dem Mangel an
geschulten, zur Führung der Kassenverwaltung geeigneten Kräften
der Willkür und dem Betrüge Tür und Tor geöffnet. Mit der Neu-
regelung der Arbeitergesetzgebung wird auch die Frage der Arbeiter-
fürsorge wieder erneut geprüft werden müssen, und eine neue Zeit
wird erst wieder neue Normen finden müssen.
        <pb n="90" />
        ﻿1 Pud

Pud		Tonnen
10000	=•-	163,8
20000	=	327,6
30000	=	491,4
40000	=	655,2
50000	=	819,0
60000	=	982,8
70000	=	1146,6
80000	=	1310,4
90000	=	1 474,2
100000	=	1638
200000	=	3 276
300000	=	4914
400000	=	6 552
500000	=	8190
600000	=	9 828
700000		11 466
800000	=	13104
900000	=	14742
1000000	=	16380
1100000	=	18018
1200000	=	19 656
1300000	=	21294
1400000	=	22932
1500000	=	24570
1600000	=	26208
1700000	=	27 846
1800000	=	29484
1900000	=	31122
2 000000	=	32 760
2500000	=	40950
3000000	=	49140
3500000	=	57330
4000000	==	65 520
4500000	=	73 710
5000000	=	81 900
5600000	==	90 090

16,38 kg.

Tonnen
'98280
106470
114660
122850
131040
139230
147420
155610
163800
327600
491400
655200
819000
982800
1 146 600
1310400
1474 200
1638000
2457000
3276000
4095000
4914000
5733000
6552000
7 371 000
8190000
9 009000
9828000
10647000
11466000
12285000
13104000
13923000
14742000
15561000
16380000

Pud

6000000 =
6500000 =
7000000
7500000 =
8000000 =
8500000 =
9000000 =
9500000 =
10000000 =
20000000 =
30000000 =
40000000 =
50000000 =
60000000 —
70000000 =
80000000 =
90000000 =
100000000 =
150000000 =
200000000 =
250000000 =
300000000 =
350000000 =
400000000 =
450000000 =
500000000 =
550000000 =
600000000 =
650000000 =
700000000 =
750000000 =
800000000 =
850000000 =
900000000 =
950000000 =
1000000000 =
        <pb n="91" />
        ﻿Druck von Oscar Brandstetter in Leipzig.
        <pb n="92" />
        ﻿
        <pb n="93" />
        ﻿the scale towards document

?ol

Die südrussische Eisenindustrie während der

Revolution.

Am 23. April 1917 veröffentlichte die vorläufige russische Regie-
rung, deren Leitung damals dem Namen nach das Kadettenministerium
des Fürsten Lwow hatte, einen Erlaß zur Bildung von Arbeiter-
ausschüssen sowohl in privaten als auch in staatlichen Industrie-
s| Unternehmungen jegücher Art. Diese Verordnung entstand ohne
Zweifel schon damals unter dem Drucke des Petersburger Arbeiter-
rates. Die kadettischen Mitglieder des Ministeriums mögen seine
Annahme gutgeheißen haben, weil sie glaubten, durch die Bildung
- von Arbeiteraussohüssen die Anzahl der allgemeinen Arbeiterzusammen-
künfte, die in Rußland stets zu politischen Versammlungen aus-
^ arteten, auf ein Mindestmaß einschränken zu können.

Sie hatten gehofft, durch ihre Verordnung die drängenden Kräfte
der Arbeiter in geordnete Bahnen gelenkt zu haben; aber ihr Irrtum
wurde bald offenkundig. Die allgemeine Arbeiterversammlung war
in dieser Verordnung durch die Regierung gutgeheißen, und die
Forderungen der Arbeiter gingen sofort dahin, alle Fragen durch
allgemeine Arbeiterversammlungen zu entscheiden. Den Arbeiter-
ausschüssen blieb nur die vorbereitende Arbeit, und nach erfolgter
j: Abstimmung waren sie die ausführenden Organe der Beschlüsse der
Arbeiterversammlungen. Wöchentlich wurden mehrere allgemeine
; Arbeiterversammlungen abgehalten, bei gutem Wetter auf den Werks-
höfen, bei schlechtem Wetter in den Walzwerkshallen. Hierzu wurden
alle Betriebe für die Dauer der Versammlung (meist 1 bis l1/2 Stunde)
Jstillgelegt, auch die Hochöfen! 'Anmeldung oder Einholung der Er-
: laubnis bei den Werksleitungen erfolgte nicht. Der Grundzug der
Versammlung zeigte sich immer unverhüllter. Auf der Tagesordnung
i;- stand häufig zur Besprechung: „Augenblickliche politische Lage“.
■: Als sachkundige Personen, die laut der Regierungsverordnung zu
|h den Versammlungen hinzugezogen werden konnten, erschienen — wie
:■ während der Revolution des Jahres 1905 — Wanderredner (Studenten,
Juristen, Mitglieder der Arbeiterräte). Sie machten den Arbeiter,
      </div>
    </body>
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</TEI>
