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        <title>Die südrussische Eisenindustrie</title>
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            <forname>Hugo</forname>
            <surname>Klein</surname>
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        </author>
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          <msIdentifier>
            <idno>1012685772</idno>
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        n/z  W
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        DIE  SÜDRUSSISCHE
EISENINDUSTRIE

VON

HUGO  KLEIN

S
n
I  w
!  -
i.  !•

VERLAG  STAHLEISEN,  DÜSSELDORF
1920
        <pb n="3" />
        Vorwort.

Die  naohfoigende  Niederschrift  entstand  Ende  1918  in  Kiew,
während  die  Truppen  des  ukrainischen  Volksführers  Petljura  mit
denen  des  Hetman  Skoropadski  um  den  Besitz  der  Stadt  rangen.
Wenn  ich  heute  die  Niederschrift  der  Öffentlichkeit  übergebe,
so  tue  ich  dies  in  dem  Glauben,  daß  das  kommende  Jahr  uns
wieder  die  Verbindung  mit  dem  südöstlichen  Europa  bringen  wird,
und  daß  sich  dort  allmählich  Verhältnisse  anbahnen  werden,  die
die  Möglichkeit  bieten,  die  natürlichen  Reiohtümer  des  Bodens  zu
verwerten.
Rußland  hatte  in  gewaltiger  Produktionssteigerung  von  1906  bis
zum  Jahre  1913  seine  Roheisenerzeugung  fast  verdoppelt.  Es  stand
an  fünfter  Stelle  der  Roheisen  herstellenden  Länder  der  Welt  und
hätte  im  Jahre  1915  oder  1916  die  französische  Roheisenproduktion
überflügelt  und  damit  seinen  Platz  hinter  England  eingenommen,
wenn  der  Krieg  und  seine  Folgen  nicht  Einhalt  geboten  hätten!
Der  Zweck  der  Niederschrift  war,  dem  deutschen  Berg-  und
Hütteningenieur  sowie  dem  deutschen  Maschinenbauer,  der  hoffentlich ­
  bald  wieder  seinen  Weg  nach  Südrußland  finden  wird,  eine
Beschreibung  dessen  zu  geben,  was  an  Bodenschätzen  im  Lande
vorhanden  ist  und  was  Menschenhände  bisher  geschaffen  haben,  um
die  toten  Reiohtümer  in  lebende  Werte  zu  verwandeln.
Einzelne  Teile  der  Niederschrift  sind  im  Jahre  1918  in  „Stahl
und  Eisen“  von  mir  veröffentlicht  worden.
Für  diejenigen  Leser,  denen  die  russische  Gewichtseinheit  nicht
geläufig  ist,  ist  eine  Umrechnungstabelle  angeheftet.
Will  ich  (Rhld.',  im  Dezember  1919.

Der  Verfasser.
        <pb n="4" />
        Inhaltsangabe.
Seite
Die  Entwicklung  bis  zum  Kriege  1
Beschreibung  der  südrussischen  Hüttenwerke  6
Gesamterzeugung  der  südrussisohen  Hüttenwerke  i.  J.  1913  und  1915  .  .  .51
Die  südrussische  Eisenindustrie  während  der  Revolution  58
Die  Zukunft  der  südrussisohen  Eisenindustrie  60
Technische  Ausrüstung  der  südrussisohen  Hüttenwerke  .  71
Arbeiferverhältnisse,  Arbeiterfürsorge  77

Quellen  (in  russischer  Sprache).
Statistische  Berichte  des  Büros  der  Montanindustriellen.  Charkow  1913  u.  1915.
Berichte  des  Chefs  der  Bergvervvaltung  des  Südbezirks  1913  und  1915.
Donez-Anthrazit  von  Ter  Dawidow.  Charkow  1915.
Handbuch  für  die  Bergindustriellen  Südrusslands.  Charkow  1916.
Gesetze  über  Arbeiterfürsorge.  Charkow  1912.
Verordnungen  zur  Arbeiterfürsorge  bei  Krankheitsfällen.  Moskau  1917.
        <pb n="5" />
        Die  Entwicklung  bis  zum  Kriege.

Anfangs  der  90  er  Jahre  wurde  unter  dem  Ministerium  Witte
ein  verschärfter  Zollsohutz  für  alle  Erzeugnisse  des  russischen  Bergbaues ­
  und  der  Eisenindustrie  eingeführt,  und  zugleich  hiermit  erfolgte ­
  die  Heranziehung  fremdländischen  Kapitales  zur  Errichtung
einer  eigenen  Industrie  im  Süden  Rußlands.  Als  Kapitalgeber  erschienen ­
  vorzugsweise  Franzosen  und  Belgier.
Die  Möglichkeit  zur  Schaffung  einer  großen  südrussischen  Eisenindustrie ­
  war  gegeben,  seitdem  der  Jekaterinoslawer  Gutsbesitzer
Alexander  Pohl  nach  jahrelangen  Bemühungen  Anfang  der  80  er
Jahre  die  Ausbeutung  der  Krivoi  Roger  Erzfelder  durch  die  Gründung ­
  der  „Societe  Fran9aise  des  Mines  et  Hauts-Fourneaux  de  Krivoi
Rog“  veranlaßt  hatte.  Die  Mächtigkeit  des  Erzvorkommens  von
Krivoi  Rog,  der  reiche  Eisengehalt  und  das  Fehlen  jedweder  störender ­
  Beimengungen  in  den  Erzen  ließen  die  Aussicht  auf  eine  große
südrussische  Eisenindustrie  im  Verein  mit  dem  bekannten  Kohlenvorkommen ­
  des  Donezgebietes  berechtigt  erscheinen.
Die  von  dem  Engländer  Hughes  in  den  70er  Jahren  im  Kohlengebiete ­
  errichteten  Eisenwerke  der  „Neurussischen  Gesellschaft“,
welche  mit  örtlichen  Brauneisenerzen  ein  kümmerliches  Dasein  gefristet ­
  hatten,  erwarben  im  Jahre  1885  Erzfelder  bei  Krivoi  Rog.
Im  nächsten  Jahre  wurde  durch  die  belgische  Firma  John  Cockerill
im  Verein  mit  der  Societe  des  Acieries  de  Varsovie  die  „Societe
Metallurgique  Dnjeprovienne  du  Midi  de  la  Russie“  gegründet.  Dieser
Gründung  folgten  dann  im  nächsten  Jahrzehnte  eine  Reihe  von
belgischen  und  französischen  und  im  geringen  Maße  deutschen  Gesellschaften, ­
  die  den  Erzbergbau  von  Krivoi  Rog,  den  Kohlenbergbau
des  Donezbeckens  und  die  Errichtung  von  gemischten  Hüttenwerken
im  Jekaterinoslawer  und  Donezbezirke  bezweckten.
Um  die  Wende  des  Jahrhunderts  stand  dann  diese  neuzeitlich
eingerichtete  Eisenindustrie  in  der  Hauptsache  fertig  da  in  einem
Lande,  in  welchem  der  Bedarf  an  Eisen  und  Stahl  erst  geweckt
werden  mußte.  Schon  als  nur  ein  Teil  dieser  neubegründeten  Ge-Klein,
  Die  südrussische  Eisenindustrie.  1
        <pb n="6" />
        2

Die  Entwicklung  bis  zum  Kriege.

Seilschaften  begann,  Fertigerzeugnisse  auf  den  Markt  zu  werfen,
während  andere  noch  für  den  Bau  ihrer  Einrichtungen  Eisen  verbrauchten, ­
  zeigte-  es  sich,  daß  die  Möglichkeit  der  derzeitigen  Bedarfsentwicklung ­
  überschätzt  worden  war  und  daß  eine  übermäßige
Erzeugung  eintreten  würde.  Die  Verkaufspreise  sanken  bald  unter
die  Gestehungskosten  und  verursachten  vielen  der  Werke  derartige
Verluste,  daß  sie  gezwungen  waren,  unter  gerichtliche  Verwaltung
zu  gehen  und  durch  spätere  Sanierung  ihre  Daseinsbedingungen  zu
verbessern.  Eine  Reihe  von  Gesellschaften,  deren  Anlagen  bis  zur
Fertigstellung  noch  größerer  Kapitalien  bedurft  hätten,  so  die  Hochofenwerke ­
  von  Werchnij-Dnjeprowsk,  Bielaja,  Almasnaja  und  die
Hüttenwerke  von  Kertsch  mußten  ihre  Unternehmungen  vollständig
liquidieren.  Die  eingeb  rächten  Kapitalien  gingen  verloren.
Im  Jahre  1902  hatte  eine  Anzahl  von  metallurgischen  Gesellschaften ­
  auf  die  Anregung  der  Societe  Dnjeprovienne  hin  eine  Verkaufsvereinigung ­
  errichtet,  die  den  Zweck  hatte,  die  vorhandenen
Aufträge  so  zu  verteilen,  daß  die  Fortführung  der  Betriebe  den
Werken  ermöglicht  wurde.  Die  Verkaufsvereinbarungen  erstreckten
sich  bald  auf  Schienen,  Träger,  Grob-  und  Feinbleche  (nicht  syndiziert ­
  waren  Dachbleche),  Radreifen,  Achsen,  dann  gußeiserne  Rohre,
Lokomotiven,  Waggons  und  Brücken.  Dazu  kam  später  die  Vereinbarung ­
  über  den  Verkauf  von  Handels-Stabeisen.  Außerdem
hatten  sich  die  Spezialroheisen  herstellenden  Hochofenwerke  zusammengetan ­
  und  den  Verkauf  von  Spiegel  eisen,  Ferro  mangan  und
Ferrosilicium  unter  sich  geregelt.
Die  Verteilung  der  Aufträge  hatte  eine  mäßige  Preissteigerung
zur  Folge,  die  den  Werken  gestattete,  ihre  Betriebe  weiter  zu
führen  und  sie  vor  dem  Ruin  zu  bewahren.  Der  russisch-japanische
Krieg  brachte  eine  kurze  Steigerung  der  Aufträge,  aber  die  bald
nach  Beendigung  ausbrechenden  inneren  Wirren  und  die  Einschränkung ­
  aller  Arten  von  Regierungsbestellungen  zwangen  die  Werke,
Auslandsbestellungen  zu  verlustbringenden  Preisen  einzuholen.  Erst
einige  glückliche  Ernten  und  die  von  1910  an  einsetzenden  ausgedehnten ­
  Regierungsbestellungen  für  die  Vergrößerung  des  Eisenbahnnetzes ­
  und  die  Vermehrung  der  Flotte  brachten  eine  ungeahnte  Erhöhung ­
  der  Aufträge,  die  über  die  Kriegsjahre  hinaus  bis  zum  Ausbruche ­
  der  russischen  Revolution  angedauert  hat.
Die  Entwicklung  der  südrussischen  Eisenindustrie  läßt  sich
aus  nachfolgender'  Tabelle  erkennen:
        <pb n="7" />
        Die  Entwicklung  bis  zum  Kriege.

8

1900

1902

1904

1911

1912

1913

1914

1915

1916

I

n  Millionen  Pu

d:

Förderung  an  Eisenerz

210

137

218

302

344

384

281

266

335

Förderung  an  Kohlen  .

601

575

711

1032

1087

1252

1371

1316

1360

Förderung  an  Anthrazit

71

67

93

184

218

291

312

310

376

Roheisen-Erzeugung

92

84

111

148

173

189

186

167

176

Erzeugung  an  Fertigfabrikaten

  aus  Stahl

und  Eisen  ....

59

57

73

113

128

141

145

126

127

Während  die  Roheisenerzeugung  Südrußlands  von  1900  bis  zum
letzten  Friedensjahre  1913  von  92  Millionen  Pud  auf  189  Millionen
Pud  stieg,  also  um  105  °/ 0 ,  vermehrte  sich  die  Roheisenerzeugung
der  übrigen  russischen  Industriegebiete;  Ural,  Polen,  Nord-  und
Zentralrußland  von  83  Millionen  Pud  auf  93  Millionen  Pud,  also  nur
um  12  °/ 0 .  Der  Anteil  des  Südens  an  der  Roheisenerzeugung  des
ganzen  russischen  Reiches  betrug  im  Jahre  1900  52,5  °/ 0 ,  im  Jahre
1913  67  °/ 0 .  Trotz  der  großen  Steigerung  der  Roheisenerzeugung
konnten  die  russischen  Hochöfen  in  den  letzten  Jahren  vor  dem
Kriege  den  Bedarf  an  Roheisen  bei  weitem  nicht  decken,  weil  den
Hochofenwerken  in  den  meisten  Fällen  Stahl-  und  Walzwerke,
Gießereien  und  Konstruktionswerkstätten  angegliedert  waren,  die  in
ihrer  Gesamtheit  so  ausgedehnt  angelegt  waren,  daß  sie  jede  Roheisen-Mehrerzeugung ­
  selbst  verarbeiten  konnten.  Die  russische
Regierung  mußte  sich  daher  vom  Jahre  1912  ab  entschließen,  Zollerleichterungen ­
  bei  Einfuhr  ausländischen  Roheisens  zuzugestehen.
Der  Zoll  wurde  soweit  heruntergesetzt,  daß  den  verbrauchenden
Werken  ein  Preis  von  57  Kopeken  das  Pud 1 )  franko  Bahnstation  in
Südrußland  zugestanden  wurde.  Für  das  Jahr  1914  und  1915
sollten  dann  weitere  20  Millionen  Pud  Roheisen  zugelassen  werden,
für  welche  ein  Preis  von  70  bis  75  Kopeken 2 )  —  den  Zoll  einbegriffen ­
  —  festgesetzt  war.  Von  diesem  Vorrechte  beim  Bezüge
ausländischen  Roheisens  sollten  in  erster  Linie  die  Fabriken  zur
Herstellung  landwirtschaftlicher  Maschinen,  die  Eisenbahnen-  und
Regierungswerkstätten  Nutzen  ziehen  und  diejenigen  Werke  der
Weiterverarbeitungs-Industrie,  die  keine  eigenen  Hochöfen  besaßen.
Die  Produktion  der  Fertigerzeugnisse  der  südrussischen  Hüttenwerke ­
  hatte  im  Jahre  1900  59  Millionen  Pud  betragen,  im  Jahre
1913  141  Millionen,  also  eine  Steigerung  von  140°/ 0 ,  während  die
Erzeugung  für  die  übrigen  Bezirke  Rußlands  im  gleichen  Zeiträume,
von  75  Millionen  Pud  auf  101  Millionen  Pud  stieg,  also  um  35°/ 0
0  75.—  Mark  die  Tonne.
ä )  92.20  Mark  bis  98.80  Mark  die  Tonne.

1*
        <pb n="8" />
        4

Die  Entwicklung  bis  zum  Kriege.

Aber  trotz  der  Steigerung  konnte  die  Eisenindustrie  den  plötzlich
an  sie  herantretenden  Ansprüchen  nicht  genügen,  und  die  russische
Regierung  sah  sich  gezwungen,  einen  Teil  ihrer  Regierungsaufträge
an  das  Ausland  zu  vergeben.  Gegen  die  hierdurch  entstehende  Vergrößerung ­
  der  Einfuhr  und  Verschlechterung  der  russischen  Handelsbilanz ­
  nahm  das  russische  Handelsministerium  Ende  1913  Stellung
und  warf  der  Industrie  vor,  daß  sie  infolge  der  Syndizierung  der
Werke  nicht  mit  der  Entwicklung  des  kulturellen  Lebens  Schritt
halte.  Aber  wie  wenig  verlockend  die  Anlage  neuer  Werke  und
Investierung  weiterer  Kapitalien  zur  Vergrößerung  der  bestehenden
Anlagen  war,  geht  aus  den  nachfolgenden  Zahlen  der  Rentabilität
der  Werke  hervor:

Durchschnittliche  Dividende  der  Berg-  und  Hüttenwerke
Südrußlands:

1900
%

1901
%

1902
%

1903
%

1904
%

1905
%

1906
%

1907
%

1908
%

1909
%

1910
%

1911
%

Kohlen-  und
Anthrazit-Bergbau
  .

2,97

1,23

0,89

0,59

0,94

0,78

0,57

1,08

1,77

1,44

1,24

0,99

Eisenerz-Bergbau


1,92

1,28

1,49

0,96

0,36

5,04

'  \

2,22

2,55

10,52

6,06

15,10

Gemischte
Hüttenwerke

12,15

12,93

10,58

9,48

8,01

6,76

3,84

3,45

3,81

2,93

4,46

6,19

Weiterverarbeitungs- ­

  .

0,42

1,20

2,57

4,50

5,36

6,94

6,72

6,02

3,70

1,82

6,83

8,80

Und  trotz  dieser  verhältnismäßig  geringen  Verzinsung  des
Aktienkapitals  hatten  die  14  größten  gemischten  Hüttenwerke  Südrußlands ­
  vom  Jahre  1911  bis  1914  ihr  Aktienkapital  von  132  Millionen ­
  Rubel  auf  190  Millionen  Rubel  vermehrt,  d.  h.  um  44  °/ 0 .
""Der  Vorwurf  des  Handelsministers  war  unberechtigt.  Man  hatte
außer  acht  gelassen,  daß  zumal  in  Rußland  Neubauten  und  Inbetriebsetzungen ­
  erweiterter  Betriebe  lange.  Zeit  beanspruchen.  Das
Ergebnis  der  Erweiterungsanlagen,  die  ’in  den  Jahren  vor  dem
Kriege  vorgenommen  waren,  würde  erst  in  den  Jahren  1915  und
1916  zum  Ausdruck  gekommen  sein,  wenn  nicht  der  Krieg  alle  Verhältnisse ­
  von  Grund  aus  verändert  hätte.
Die  Lage  der  russischen  gemischten  Hüttenwerke  war  immer
eine  unsichere,  weil  der  Eisenbedarf  in-  großem  Maße  auf  schwankenden ­
  Regierungsbestellungen  basierte  und  die  Weiterverarbeitungsindustrie ­
  wie  auch  die  Maschinenindustrie  noch  wenig  entwickelt
waren.  Die  Errichtung  von  Maschinenfabriken  hatte  anfangs  der
        <pb n="9" />
        Die  Entwicklung  bis  zum  Kriege.

5

90  er  Jahre  unter  dem  Zollschutze  durch  das  ausländische  Kapital
eingesetzt,  war  dann  aber  durch  die  Krisen  der  Wende  des  Jahrhunderts ­
  angehalten  worden.  Viele  Gründungen  wurden  liquidiert,
andere  erholten  sich  erst  nach  Einführung  des  Zolltarifes  von  1904.
Immerhin  blieb  Rußland  in  großem  Maße  auf  den  Bezug  von
Maschinen  aus  dem  Auslande  ailgewiesen.  Die  Einfuhr  von  Maschinen
nach  Rußland  belief  sich  im  Jahre  1913  auf  163,7  Millionen  Rubel,
davon  kamen  aus  Deutschland  Maschinen  im  Werte  von  89,3  Millionen ­
  Rubel,  demnach  64,5  °/ 0 .
Die  starke  Entwicklung  der  Industrie  ließ  eine  Reihe  von  russischen ­
  Interessen-Verbänden  entstehen,  die  für  weiteren  Zollschutz
und  Begünstigung  der  heimischen  Industrie  eine  eifrige  Propaganda
machten,  welche  sich  hauptsächlich  gegen  den  gefährlichsten  Konkurrenten ­
  —  Deutschland  —  richtete.  Im  Jahre  1912  kam  diese
Gegnerschaft  gegen  die  Erneuerung  des  deutsch-russischen  Handelsvertrages ­
  von  1904,  der  im  Jahre  1917  ablaufen  sollte,  an  die
Öffentlichkeit.  Sie  wurde  in  Rußland  von  einer  Gruppe  Leute  geführt, ­
  an  deren  Spitze  der  russische  Nationalökonom  Professor  Goldstein ­
  stand.  Sie  warfen  der  russischen  Regierung  das  Abhängigkeitsverhältnis ­
  Rußlands  von  Deutschland  vor,  das  nur  Rohstoffe  und
Halbfabrikate  aus  Rußland  bezog,  dafür  aber  Maschinen  und  Fertigfabrikate
  nach  dort  ausführte.  Als  Ersatz  für  Deutschland  wollten
sie  die  kleinen  Staaten,  Belgien,  Holland,  Skandinavien  und  Italien
heranziehen;  aber  sie  übersahen,  daß  das  Grundübel  doch  darin
1  ag,  daß  Rußland  als  Agrarstaat  trotz  hoher  Zölle  es  in  Jahrzehnten
nicht  zu  einer  selbständigen  Industrie  hatte  bringen  können,  daß
anstatt  des  „Abhängigkeitsverhältnisses  von  Deutschland“  dann  ein
Abhängigkeitsverhältnis  von  den  kleinen  Staaten  treten  würde,  und
daß  weiter  Deutschland  als  Abnehmer  der  überschüssigen  Rohstoffe
und  Lieferant  von  Fertigfabrikaten  doch  den  Vorzug  der  Nähe  hatte,
der  beiden  Ländern  zugute  kam.  Aber  die  anti-deutsche  Strömung
in  der  russischen  Intelligenz  und  den  russischen  Ministerien  nahm
die  Idee  des  Professors  Goldstein  gerne  auf,  und  der  Ministerpräsident ­
  Kokowzew  befahl,  die  Vorarbeiten  zur  Erneuerung  des  Handelsvertrages ­
  mit  Deutschland  abzubreohen  und  zuerst  Berichte  der
Börsen  und  der  Handels-  und  Industrieverbände  über  ihre  Stellungnahme ­
  zur  Erneuerungsfrage  einzufordern.  Zur  Beeinflussung  dieser
Berichte  setzte  eine  Propaganda  durch  Professor  Goldstein  ein,  die
in  den  meisten  Fällen  dazu  führte,  daß  die  Verbände  sich  gegen
die  von  der  deutschen  Regierung  gewünschte  Verlängerung  des
deutsch-russischen  Handelsvertrages  aussprachen.  Das  war  der  Stand
der  Dinge  bei  Ausbruch  des  Krieges.
        <pb n="10" />
        BHH

Beschreibung'  der  südrussischen  Hüttenwerke.
Socitftfi  Metaliurgique  Dnjeprovieime  du  Midi  de  la  Russie.
Gegründet  1886  von  der  belgischen  Firma  John  Cockeril!  und  der
Societe  des  Acieries  de  Varsovie.
Kapital:  13130000  Rubel  bis  zum  Jahre  1911
15  000000  „  im  Jahre  1912.
26250000  »  seit  dem  Jahre  1917.
Von  den  Aktien  sind  80°/ 0  in  belgischem  Besitz  zerstreut,
20  °/ 0  in  nicht  belgischen,  zum  Teil  deutschen  Händen.
Dividende:  1909  1910  1911  1912  1913
Rubel  15.'—  20.—  30.—  30.—  62.50  auf  die  250  Rubel-Aktie.
Obligationssohuld:  1151000.—  Rubel.
Reservekapital:  17254964.—  Rubel.
Sitz  der  Verwaltung:  St.  Petersburg,  zur  Zeit  Kiew.
Umsatz  der  Gesellschaft  in  den  letzten  Betriebsjahren:
1913/1914  41501024.—  Rubel
1914/1915  40309481.—  ,.
1915/1916  52808189.—  „
1916/1917  86177125.—  „
1.  Hüttenwerk  in  Kamenskoe,  Bahnstation  Zaporochze,
40  km  westlich  Jekaterinoslaw.
Hochofenanlage;  6  Hochöfen  mit  vertikalen  Aufzügen,  Ladung
der  Materialien  von  Hand,  alte  Einrichtung,  noch  nicht  modernisiert. ­
  Agglomerierungsanlage  für  Flugstaub  nach  Patent  Grünewalde. ­

Gasreinigunganlage  weitgehendst  durchgeführt.
Gasgebläse:  5  Gasgebläse  zu  2000  P.  S.
Kraftanlage:  11  Gasdynamos,  meist  Cockerill,  von  insgesamt ­
  17  500  P.  S.  —  Erzeugung  1913  —  30202245  kW/st,  1915
==  46  569  707  kW/st.
Bessemerstahlwerk:  3  Birnen  zu  15  Tonnen  mit  3  kleinen
Mischern  von  insgesamt  300  Tonnen.
        <pb n="11" />
        Society  MetaUurgique  Dnjeprovienne  du  Midi  de  la  Russie.

7

Martinstahlwerk:  a)  Alte  Anlage:  4  Öfen  zu  20  t,  1  Ofen
zu  10  t.
b)  Neue  Anlage:  3  Öfen  zu  50  t,  2  Öfen
zu  60  t.
Dazu  eine  Vorfrischeranlage  von  350—500  t.
Walzwerke;  Blockwalzwerk  von  1100mm  0;  2  Schienenstraßen,
eine  zu  2,  eine  zu  3  Gerüsten,  850  mm  0;  eine  Grobstraße  650  mm  0;
eine  Mittelstraße  450  mm  0;  zwei  kleine  Straßen  330  und  280  mm  0;
eine  Drahtstraße,  System  Klein,  zu  13  Gerüsten;  eine  Grobblechstraße ­
  2800  mm  Ballenlänge;  eine  Universalstraße,  eine  Feinblochstraße, ­
  eine  Dachblechstraße,  Bandagen-  und  Achsenanlage.
Waggonfabrik  zur  Herstellung  von  Güterwaggons  von  1200
Pud  Tragfähigkeit  im  Bau  begriffen.  Die  Fabrik  soll  zunächst
400  Waggons,  später  800  Waggons  monatlich  herstellen.  Rußland
hatte  bis  zum  Kriege  jährlich  einen  Bedarf  von  60000  Waggons,
konnte  aber  nur  45000  Waggons  hersteilen.  Die  Dnjeprovienne  ist
zur  Waggonfabrikation  günstig  gelegen,  da  zu  einem  Waggon  390  Pud
Eisen  und  110  Pud  Holz  benötigt  werden  (Holz  kommt  auf  dem
Dnjepr  aus  Weißrußland).
Fabrik  feuerfester  Steine,  moderne  Einrichtung,  Mentheimscher
  Ofen  für  Chamottesteine.  Produktion  monatlich:  100000  Pud
Chamottesteine,  50000  Pud  Dinassteine.
Produktion  des  Hüttenwerkes:

Roheisen  .  .

1913
25538646

Pud

1915
23646043

Pud

Martinstahl  ....

15266977

77

15702796

77

Bessemerstahl  .  .  .

8404410

77

8944958

77

Walzerzeugnisse;
Halbfabrikate

1221393

77

292349

(  77

Stabeisen  .

4685545

77

3197554

7?

I-  u.  U-Eisen  .  .  .

2610853

77

1797989

77

Eisenbahnschienen  .

3450752

77

3957415

77

Rillenschienen  .  .

297423

77

100999

7?

Grubenschienen  .  .

152813

77

108361

77

Bleche  &amp;gt;•  3  mm  .  .

1463  2'75

77

1205519

77

Bleche  bis  Nr.  20

387009

77

564198

77

Dachbleche  ....

363413

77

48861

7?

Universaleisen  .  .  .

248425

7?

217320

77

Walzdraht  ....

3246450

77

4521387

77

Radreifen

1120539

77

2273135

77

Achsen

656515

77

1188478

77

Federnstahl  ....

114956

77

965  550

7?

Abfälle  f.  d.  Verkauf

199782

77

359862

77

Walzerzeugnisse  .

20219143

Pud

20798977

Pud
        <pb n="12" />
        8

Beschreibung  der  südrussisohen  Hüttenwerke.

An  weiterverarbeiteten
das  Werk:
Gußeiserne  Rohre  ....
Eisenbahnlasehen,  Unterlagsplatten ­
  usw.  .  .  .
Dampfkessel  u.  Teile  ders.
Brückenbau
Reservoire  und  Zisternen  .
Fertige  Radsätze  ....
Abgedrehte  Achsen  .  .  .
Verschiedene  Fabrikate

Fertigerzeugnissen  versandte
1913  1915

71937

Pud

—

Pud

16333

n

20323

11

54079

11

72  724

11

21859

ii

6188

11

47  831

ii

96  394

11

248622

ii

620583

11

37  468

ii

7164

11

26  921

ii

94977

11

525050

Pud

918353

Pud

Arbeiterverhältnisse:  Die  Anzahl  der  Arbeiter  belief  sich
im  Jahre  1913  auf  9422  Arbeiter  und  265  Beamte,  von  letzteren
waren  13  Ausländer;  im  Jahre  1915  betrug  die  Anzahl  der  Arbeiter
9162,  die  der  Beamten  293,  von  denen  nur  2  Ausländer  waren.
Die  Arbeiterlöhne  betrugen  im  Jahre  1913  4076098  Rubel
=  36  'Rubel  pro  Arbeiter  und  Monat,  im  Jahre  1916  5091  516
Rubel  =  45,70  Rubel  pro  Arbeiter  und  Monat.
Werkswohnungen:  Eine  Arbeiterkolonie  besteht  beim  Werke
nicht.  Im  Jahre  1913  verfügte  das  Werk  nur  über  123  Arbeiterhäuser ­
  mit  205  Wohnungen,  die  sich  bis  zum  Jahre  1915  auf  131
Häuser  mit  257  Wohnungen  erhöhten.  Von  9422  Arbeitern  wohnten
über  9000  Arbeiter  in  eigenen  oder  gemieteten  Wohnungen  der  umliegenden ­
  Dörfer.
Es  bestand  eine  Werksschule  mit  22  Lehrern  und  ll  Lehrerinnen, ­
  in  welcher  726  Knaben  und  601  Mädchen  unterrichtet  wurden. ­
  Der  Unterhalt  der  Schule  kostete  dem  Werke  46  620  Rubel
=  4,95  Rubel  pro  Arbeiter  und  Jahr.  Im  Jahre  1915  wurden  für
den  Unterhalt  der  Schule  39861  Rubel  verausgabt  =  4,35  Rubel  pro
Arbeiter  und  Jahr.
2.  Hochofonwerk  Kadiewka,  Station  Almasnaja  der  Jekaterinenbahn
  (früher  der  in  Liquidation  geratenen  belgischen  Societe
d’Almasnaja  gehörig).  Alte  Einrichtungen.  Das  Werk  wird  benutzt,
um  Gießerei-,  Martin-  und  Spezialroheisen  (Ferromangan,  Ferrosilicium,
  Spiegeleisen)  herzustellen.
Hochofenanlage:  2  Hochöfen  mit  vertikalen  Aufzügen,  Ladung
der  Rohstoffe  von  Hand.  Keine  Gasmotore.
Kraftanlage:  2  Dampfmaschinen  von  insgesamt  700  PS.  —
Erzeugung  1913  =  2027520  kW/st.  —  1915  =  2028600  kW/st.
        <pb n="13" />
        Societe  Metallurgique  Dnjeprovienne  du  Midi  de  la  Russie.

9

Produktion:  Roheisen  1913  =  7  213  701  Pud,
1915  =  6420928  Pud.
Arbeiterverhältnisse:  Die  Anzahl  der  Arbeiter  betrug  im
Jahre  1913  730,  die  der  Beamten  9,  von  denen  4  Ausländer  waren.
Im  Jahre  1915  wurden  890  Arbeiter  beschäftigt  und  10  Beamte,
darunter  2  Ausländer.
Die  Arbeiterlöhne  betrugen  im  Jahre  1913  343  763  Rubel
=  39,24  Rubel  pro  Arbeiter  und  Monat;  im  Jahre  1915
380791  Rubel  =  41,75  Rubel  pro  Arbeiter  und  Monat.
Werkswohnungen:  Von  den  730  Arbeitern  des  Werkes  wohnten
200  ledige  Arbeiter  in  Werkskasernen,  330  Arbeiter  bewohnten
208  Werkswohnungen  und  200  Arbeiter  hatten  eigene  oder  gemietete
Wohnungen.  Eine  Vermehrung  der  Werkswohnungen  wurde  bis
zum  Jahre  1915  nicht  vorgenommen.
Es  bestand  eine  Werksschule  mit  2  Lehrern  und  2  Lehrerinnen ­
  für  50  Knaben  und  55  Mädchen;  der  Unterhalt  der  Schule
kostete  im  Jahre  1913  2711  Rubel  =  3,70  Rubel  pro  Arbeiter  und
Jahr.  Im  Jahre  1915  wurden  für  die  Schule  3000  Rubel  verausgabt ­
  =  3,37  Rubel  pro  Arbeiter  und  Jahr.
3.  Eisenerzgruben  im  Krivoi  Roger  Bezirk;
a)  Grube  Rostkowskij,  Station  Wetschernij-Kut.  Saxaganski-Flöz.

Die  Grube  wird  nur  im  Tagesbau  ausgebeutet.
Förderung  1913  =  46  911802  Pud,
»  1915  =  29146  730  Pud.
b)  GrubeSchmakowo,  StationSchmakowo.  Saxaganski-Flöz,
Die  Grube  wird  untertags  ausgebeutet.
Förderung  1913  =  19  384858  Pud,
„  1915  =  15927  790  Pud.
4.  Manganerzgrube  im  Nikopoler  Gebiete,  Station  Marganez,
  Station  der  Bahn  Nikopol-Alexandrowsk.  Die  Grube  besteht
aus  3  Schachtanlagen  und  1  Erzwäsche.
Förderung  1913  =  7  203  720  Pud  Reinerz  von  48°/ 0  Mn.
»  1915  =  5480916  »  '»  »  48  °/ 0  n
5.  Kohlengruben:
a)  Annenski-Grube,  Station  Lomowatka  der  Jekaterinenbahn,
  Gleisanschluß  der  Grube  6,7  Werst.  Förderung  an
Kokskohle  aus  4  Schachtanlagen  1914  =  7  300000  Pud,
1915  =  7  987  000  Pud.
h)  Kadiewki-Grube,  Station  Almasnaja  der  Jekaterinenbahn.
  Gleisanschluß  bis  10,2  Werst.  Förderung  an  Koks ­
        <pb n="14" />
        10

Beschreibung  der  südrusaischen  Hüttenwerke.

kohle  aus  4  Schachtanlagen  1914  ==  39  960000  Pud,
1915  =  40564000  Pud.
Koksofen  anlage:  6  Gruppen  zu  40  Öfen  mit  Gewinnung  der
Nebenprodukte  zu  12  Tonnen  Einsatz,  System  Köppers.
60  Öfen  ohne  Gewinnung  der  Nebenprodukte.
Mögliche  Produktion  der  Anlage:
240  Öfen  X  13850  Pud  ==  3324000  Pud  im  Monat
60  „  X  2  700  v  =  162  000  »  »  ,,
Die  Produktion  an  Koks  belief  sich  1915  auf
28  690264  Pud  für  die  Öfen  mit  Gewinnung  der  Nebenprodukte,
1501607  i)  ohne  »  »  n
An  Nebenprodukten  wurden  gewonnen:
25°/ 0 iges  Ammoniakwasser  =  267  000  cbm
Teer  =  1002  637  Pud
Pech  =  352  240  »
Benzol  =  42  207  »
Kreosot  und  Öle  .  .  .  .  =  307008  n
Naphthalin  =  4013  »
Anthrazen  =  634  »
c)  Lidiewski-Grube,  Station  Rutsohenkowo  der  Jekaterinenbahn,
  Gleisanschluß  7,9  Werst.
Förderung  1914  =  13990000  Pud  FJammkohle,
»  1915  =  12  053  000  »  n
d)  Maksimowski-Grube,  Station  Almasnaja  der  Jekaterinenbahn.
  Gleisanschluß  bis  14  Werst.
Förderung  an  Kokskohle  1914  =  9490000  Pud.
n  n  j&amp;gt;  1915  =  9440000  n
Koksofenanlage;  200  Öfen  ohne  Gewinnung  der  Nebenprodukte, ­
  System  Coppee.  Produktionsmöglichkeit  2300Pud
X  200  Öfen  =  460000  Pud  im  Monat.  Produktion  im
Jahre  1915  =  5  203  393  Pud.
Societe  Metallurgique  Russo-Belge.
Gegründet  1895  von  der  Societe  Generale  de  Belgique.
Kapital:  15000000  Rubel  bis  zum  Jahre  1912.
20000000  Rubel  seit  dem  Jahre  1913.
Die  Aktien  befinden  sich  fast  ausschließlich  in  belgischem  Besitz. ­
  Die  Dividende  der  250  Rubel-Aktie  betrug  meist  60  Frcs.,
1912  und  1913  80  Frcs.
        <pb n="15" />
        Soci6te  Metallurgique  Russo-Be!ge.

11

Obligationsschuld:  9149250  Rubel.
Reservekapital:  7135031  Rubel.
Sitz  der  Verwaltung:  St.  Petersburg.
Umsatz  der  Gesellschaft  in  den  letzten  Betriebsjahren:
1913;  23157  570  Rubel
1914:  25253238  »
1915:  41248153  n
1916:  54283822  „

1.  HüttenwerkinEnakiewo,  Bahnstation  der  Jekaterinenbahn.
Hochofenanlage;  5  Hochöfen,  davon  2  Öfen  mit  Stähler-Aufzügen ­
  umgebaut.  Die  Modernisierung  der  übrigen  Hochöfen  ist  vorbereitet. ­
  Aufladung  der  Erze  mittels  Löffelbagger  und  elektrischem
Kran.  Zufuhr  zu  den  Aufzügen  durch  eine  elektrische  Untergrundbahn.
Gasreinigungsanlage  vollständig  durchgeführt.
Gasgebläse:  9  Gasgebläse  von  insgesamt  11250  PS.
Kraftanlage:  10  Gasdynamo  von  insgesamt  14200  PS.  (zum
Teil  sind  außerdem  Gasmotore  als  Walzenzugmaschinen  eingebaut).
Erzeugung  1913  =  15  526  601  kW/st  —  1915  =  30330826  kW/st.
Bessemerstahl  werk:  2  Birnen  zu  15  Tonnen  mit  2  Mischern
von  insgesamt  300  t.
Martinstahlwerk:  7  Martinöfen  von  25  bis  60  t.
Walzwerke:  Blockwalzwerk  von  1100  mm  0;  Schienenstraße
850  mm  0;  Mittelstraße  550  mm  0;  zwei  kleine  Straßen  360  und
280  mm  0;  Drahtstraße  System  Klein  240  mm  0;  Grobblechstraße
3000  mm  Ballenlänge;  Üniversalstraße;  Dachblechstraße  umgebaut
in  eine  Mittelstraße.
Koksofenanlage:  260  Öfen  zu  8  t  mit  Gewinnung  der  Nebenprodukte, ­
  System  Coppee.
Produktionsmöglichkeit  9400  Pud  X  260  Öfen  =  2  444000  Pud
im  Monat.

Produktion  im  Jahre  1915  =  23  016  000  Pud  Koks,

604025  n  Teer,
259  600  »  Pech.
268336  n  Ammoniumsulfat,
128413  »  Benzol,
308660  !&amp;gt;  Kreosot  und  Öle.
2  250  »  Anthrazen.
        <pb n="16" />
        12

Beschreibung  der  südrussischen  Hüttenwerke.

Produktion  des  Hüttenwerkes:

1913

1915

Roheisen

21317142

Pud

22396832

Pud

Martinstahl  ....

8605735

11

10243141

11

Bessemerstahl  .  .  .

10688661

11

8192837

11

Walz  er  Zeugnisse:

Halbfabrikate  .  .  .

76416

11

394727

11

Stabeisen

3849932

11

3451906

11

I-  und  U-Eisen  -.  .  .

3431088

11

2040136

11

Eisenbahnschienen

246358

11

58751

11

Rillensehienen  .  .  .

4081853

11

3699469

11

Grubenschienen  .  .  .

1065464

11

783601

11

Feinbleche  bis  Nr.  20

1237800

11

1900535

ii

Dachbleche  ,  .  .*  .  .

850228

11

—

ii

Walzdraht

2239385

-  »

2551138

ii

Abfälle  f.  d.  Verkauf

4249

11

18865

ii

Walzerzeugnisse;

17082773  Pud

14899128

Pud

An  weiterverarbeiteten  Fertigerzeugnissen

versandte

Werk;

1913

1915

Eisenbahnlasohen,  Unterlagsplatten  usw.  16  730  Pud  23  761  Pud.
Arbeiterverhältnisse:  Die  Anzahl  der  Arbeiter  belief  sich
im  Jahre  1913  auf  8395,  die  der  Beamten  auf  332,  von  denen  117
Ausländer  waren.  Im  Jahre  1915  betrug  die  Arbeiteranzahl  8007,
die  der  Beamten  161,  von  denen  noch  53  Ausländer  waren.
Die  Arbeiterlöhne  betrugen:
1913  =  4173374  Rubel  =  41,50  Rubel  pro  Arbeiter  und  Monat,
1915  =  4447503  Rubel  =  46,82  Rubel  pro  Arbeiter  und  Monat.
Werkswohnungen:  745  ledige  Arbeiter  lebten  in  Werkskasernen, ­
  2093  Arbeiter  wohnten  in  903  Arbeiterfamilienwohnungen
und  5557  Arbeiter  in  eigenen  oder  gemieteten  Wohnungen  der  Umgegend. ­
  Im  Jahre  1915  hatte  sich  die  Anzahl  der  Werkswohnungen
nicht  erhöht.
Es  bestand  eine  Werksschule  mit  18  Lehrern  und  3  Lehrerinnen, ­
  in  welcher  590  Knaben  und  456  Mädchen  unterrichtet  wurden,
und  deren  Unterhalt  25  562  Rubel  kostete  =  3,05  Rubel  pro  Arbeiter
und  Jahr.  Im  Jahre  1915  wurden  23  614  Rubel  für  den  Unterhalt
der  Schule  ausgegeben  =  2,94  Rubel  pro  Arbeiter  und  Jahr.
2.  Eisenerzgruben  im  Krivoi  Roger  Bezirke:
a)  Ternowski-Grube  (Charin).  Saxaganski-Flöz.  Gleisanschluß ­
  12  Werst.
        <pb n="17" />
        Sooiete  Metallurgique  Russo-Belge.

13

Förderung  1913  =  11962  445  Pud,
»  1915  =  8431144  »
b)  Kolatschewski-Grube.  Saxaganski-Flöz.
Förderung  1913  =  33107  980  Pud,
n  1915  =  16650545  »
c)  Bojedarowski-Grube  (Chartsschenko).  Saxaganski-Flöz.
Förderung  1913  =  3  825761  Pud,
n  1915  =  5377486  »
d)  Lichmann-Grube.  Lichmanowski-Flöz.
Förderung  1913  =  1397  860  Pud.
»  1915  =  —  »
e)  Schirokij-Grube.  Lichmanowski-Flöz.
Förderung  1913  =  7  556303  Pud,
»  1915  =  6138000  »
3.  Kohlengruben:
a)  Werowski-Grube,  durch  Eisenbahn  mit  dem  Hüttenwerk ­
  verbunden.  Förderung  aus  2  Schachtanlagen
1914  =  21820000  Pud  Kokskohle,
5456000  n  Magerkohle,
1915  =  insgesamt  25240000  Pud  Kohle.
Koksofenanlage:  60  Öfen  mit  Gewinnung  der  Nebenprodukte, ­
  System  Coppee,  zu  8  t  Einsatz.  Produktionsmöglichkeit ­
  der  Anlage:  10  500  Pud  X  60  Öfen  =  630000
Pud  pro  Monat.
Produktion  im  Jahre  1915:
Koks  =  5  601570  Pud
Ammoniakwasser  =  65  802  cbm
Teer  =  113  194  Pud
Pech  =  52  600  »
Benzol  .  .  .  .  =  11482  »
Kreosot  und  Öle  =  69  432  »
Anthrazen  .  .  .  =  463  n
b)  Sophiewski-Grube,  durch  Gleisanschluß  von  13  Werst
Länge  mit  dem  Hüttenwerk  verbunden.
Förderung  aus  2  Schachtanlagen
1914  =  26831000  Pud  Kokskohle,
2100000  n  Gaskohle,
1915  =  insgesamt  26  257  000  Pud  Kohle.
Koksofenlage:  72  Öfen  ohne  Gewinnung  der  Nebenprodukte, ­
  System  Coppee.  Produktionsmöglichkeit  der
        <pb n="18" />
        14  Beschreibung  der  südrussischen  Hüttenwerke.

Anlage;  7200  Pud  X  72  Öfen  =  620000  Pud  monatlich.
Produktion  im  Jahre  1915  ==  1  427629  Pud  Koks.
Die  Gruppe  wurde  im  Laufe  des  Jahres  1915  stillgesetzt.
c)  Bunge-Grube,  durch  Gleisanschluß  von  7 1 / 3  Werst  Länge
mit  dem  Hüttenwerk  verbunden.
Förderung  auf  2  Schachtanlagen
1914  =  14  594000  Pud  Kokskohle,
1915  =  11631000  »  »
d)  Gustav-Grube,  durch  Gleisanschluß  von  4 1 / 2  Werst
Länge  mit  dem  Hüttenwerk  verbunden.
Förderung  aus  6  Schachtanlagen
1914  =  2510000  Pud  FJammkohle,
1915  =  4777000  »  n
Societe  Metallurgique  de  Taganrog.
Gegründet  1896  von  der  Societe  d’Ougree  Marihaye,  der  Societe  des
Forges  et  Toleries  Liegeoises  und  der  Bank  J.  Nagelmakers  &amp;amp;  Fils.
Kapital:  7  500000  Rubel  bis  zum  Jahre  1910
10000000  „  im  Jahre  1911
12500000  „  im  Jahre  1912
21000000  „  im  Jahre  1913  infolge  des  Ankaufes ­
  der  Kertscher  Hüttenwerke.
Kapitalverlust  1906  =  18000000  Fr  cs.  durch  Herabsetzung ­
  des  Aktiennennwertes.
Seit  1909  Dividende  von  5  °/ 0  bis  8  °/ 0  steigend.
Aktienbesitz  3 / 5  in  russischen  Händen  (Asow-Don-Bank)

~j b  in  altem  belgischem  Besitz.
Reservekapital:  3  785000  Rubel.
Obligationsschuld:  4586000  Francs.
Sitz  der  Verwaltung:  St.  Petersburg.
1.  Hüttenwerk  in  Taganrog,  Station  der  Jekaterinenbahn.
Hochofenanlage:  4  Hochöfen,  von  denen  2  mit  Schrägaufzug. ­
  Materialienladung  von  Hand,  2  Agglomerierungsanlagen  für
das  feinkörnige  Kertscher  Erz:
a)  Pressen  „Couffinhall“  und  Trockenöfen,
b)  Convertoren  Patent  Heberlein  der  Frankfurter  Metallgesellschaft. ­

Gasreinigungsanlage  vollständig  durchgeführt.
        <pb n="19" />
        Societ4  Mdtallurgique  de  Taganrog.

15

Gasgebläse:  Ein  Gasgebläse  zu  1750  PS.
Kraftanlage:  2  Gasdynamos  zu  3100  PS.
2  Dampfturbinen  zu  3000  PS.
Erzeugung  1913  =  27083200  kW/st
„  1915  =  26  809029  kW/st
Thomas-Stahlwerk:  3  Birnen  zu  8  t.
Martin-Stahlwerk:  4  Martinöfen  zu  20  t.
Walzwerke:  Grobstraße  700  mm  0;  Mittelstraße  500  mm  0;
2  kleine  Straßen  300  und  250  mm  0;  eine  Grobblechstraße;  eine
Universalstraße;  eine  Fein-  und  Dachblechstraße;  Bandagen-  und
Achsenfabrikation;  Rohrwalzwerk,  bestehend  aus  3  Walzenstraßen.
Verzinkerei  für  Rohre  und  Dachbleche.
Thomasschlacken-Mühlen.
Koksofenanlage:  100  Öfen  ohne  Gewinnung  der  Nebenprodukte ­
  System  Coppee.  Produktionsmöglichkeit  4830  Pud  mal
100  Öfen  =  483  000  Pud  im  Monat.  Produktion  im  Jahre  1915  =
4392193  Pud.
Produktion  des  Hüttenwerkes:

Roheisen

1913
9457274  Pud

1915
6541520

Pud

Martinstahl

4266239

3280956

Thomasstahl

6208914

77

4136903

77

Walzerzeugnisse:

Halbfabrikate

891556

77

360319

77

Stabeisen

2007724

77

1274935

77

I-  und  U-Eisen  ....

521969

77

196220

77

Eisenbahnschienen  .  .  .

1697000

77

1507220

77

Rillenschienen

36679

77

—

Grubenschienen  ....

636236

475767

77

Grobbleche

484416

77

253757

77

Feinbleche  bis  Nr.  20  .  .

74872

77

166345

77

Dachbleche

1557894

77

1079642

77

Universaleisen

638468

77

411141

77

Radreifen  „•  .

235790

77

500  008

77

Achsen

54115

77

39  445

77

Abfälle  für  den  Verkauf  .

300

77

434

77

Walzerzeugnisse:  8837019  Pud  6265233  Pud

An  weiterverarbeiteten  Fertigerzeugnissen  versandte
das  Werk:
        <pb n="20" />
        Beschreibung  der  südrussisohen  Hüttenwerke.

16

1913  1915
Eisenbahnlaschen,  Unterlagsplatten  usw.  13430  Pud  32  697  Pud
Eiserne  Rohre  und  Teile  zu  diesen  .  .  416046  „  340239  „
Verschiedene  Fabrikate  5683  „  6686  „
Fertigerzeugnisse:  435159  Pud  379622  Pud

Arbeiterverhältnisse:  Die  Anzahl  der  Arbeiter  betrug  im
Jahre  1913  4891,  die  der  Beamten  147,  von  denen  67  Ausländer
waren.  Im  Jahre  1915  belief  sich  die  Anzahl  der  Arbeiter  auf
3630,  die  der  Beamten  auf  180,  von  denen  52  Ausländer  waren.
Die  Arbeiterlöhne  betrugen  im  Jahre  1913  2  344  577  Rubel  =
Rubel  40,00  pro  Arbeiter  und  Monat,  im  Jahre  1915
1968144  Rubel  =  45,18  pro  Arbeiter  und  Monat.
Werkswohnungen;  Eine  Arbeiterkolonie  besteht  nicht.  Die
Arbeiter  wohnen  in  den  naheliegenden  Vororten  der  Stadt  Taganrog.
Schule:  Das  Werk  war  beteiligt  an  einer  Gemeindeschule,  in
welcher  227  Knaben  und  115  Mädchen  unterrichtet  wurden,  und  zu
deren  Unterhalt  das  Werk  im  Jahre  1913  4782  Rubel  zusteuerte  =
0,98  Rubel  pro  Arbeiter  und  Jahr.  Im  Jahre  1915  wurden  4137  Rubel
gezahlt  =  1,14  Rubel  pro  Arbeiter  und  Jahr.
2.  Hüttenwerk  in  Kertsch  (Halbinsel  Krim),  früher  der  in
Liquidation  geratenen  Societe  Metallurgique  de  Kertsch  gehörig.
Hochofenanlage;  2  Hochöfen  mit  vertikalen  Aufzügen,  Zufuhr ­
  der  Rohstoffe  durch  eine  elektrische  Bahn.
2  Agglomerierungsanlagen  für  das  feinkörnige  Kertscher  Erz:
a)  7  Pressen  „Couffinhall“  mit  Trockenöfen;
b)  7  Konvertoren  „Patent  Heberlein“.
Gasreinigung  zum  Teil  im  Betrieb,  Trockengasreinigung  im  Bau.
Gasgebläse:  Ein  Gasgebläse  zu  2000  PS.
Kraftanlage:  Eine  Gasdynamo  zu  2000  PS.
Eine  Dampfturbine  zu  2000  PS.
3  Dampfmaschinen  zu  600  PS,
kW-Erzeugung  1913  =  3900000  kW/st
„  „  1915  =  3023177  kW/st
Thomas-Stahlwerk:  3  Birnen  zu  15  t  und  eine  Mischeranlage
zu  200  t.
Walzwerke:  Blockwalzwerk  1100  mm  0;  Knüppelstraße
850  mm  0  und  Schienenstraße  850  mm  0.
Thomasschi  acken-Mühlen.
Koksofenanlage:  200  Öfen  ohne  Gewinnung  der  Nebenprodukte ­
  System  Coppee.
        <pb n="21" />
        Societe  Metallurgique  de  Taganrog.

17

Produktionsmöglichkeit  der  Anlage:
4800  Pud  X  200  Öfen  =  960000  Pud  im  Monat.
Produktion  im  Jahre  1915  =  1  501  597  Pud.
Die  Anlage  hat  wegen  Kohlenmangel  nur  teilweise  gearbeitet.
Produktion  des  Hüttenwerkes:

1913

1915

Roheisen

.  607615  Pud

2059709  Pud

Thomasstahl

—

1717452  „

Walzerzeugnisse:

Halbfabrikate

—

161745  „

U-Eisen

—

63258  „

Eisenbahnschienen  .  .  .

—

1258  852  ,,

Enden  für  den  Verkauf  .

—

176018  „

Walzerzeugnisse:

—

1659873  Pud

Das  Hochofen-Werk  wurde  im  Oktober  1913  in  Betrieb  gesetzt
und  arbeitete  im  Jahre  1915  wegen  Kohlenmangel  nur  mit  großen
Unterbrechungen.
Arbeiterverhältnisse:  Die  Anzahl  der  Arbeiter  belief  sich
im  Jahre  1913  auf  2048,  die  der  Beamten  auf  77,  von  denen
31  Ausländer  waren.  Im  Jahre  1915  betrug  die  Arheiteranzahl
1062,  die  der  Beamten  95,  von  denen  23  Ausländer  waren.
An  Arbeiterlöhnen  wurden  im  Jahre  1913  638  396  Rubel  gezahlt, ­
  im  Jahre  1915  695  476  Rubel.  Durchsehnittslöhne  lassen  sich
nicht  errechnen,  weil  das  Werk  weder  1913  noch  1915  volle
12  Monate  gearbeitet  hat.
Werkswohnungen;  Im  Jahre  1915  wohnten  160  Mann  in
Werkskasernen,  305  Mann  in  305  Arbeiterwohnungen,  und  597  Arbeiter ­
  in  eigenen  Wohnungen.
Schule:  Im  Jahre  1915  bestand  eine  Schule,  in  welcher
49  Knaben  und  56  Mädchen  unterrichtet  wurden,  und  deren  Unterhalt ­
  1447  Rubel  kostete  =1,36  Rubel  pro  Arbeiter  und  Jahr.
3.  Eisenerz-Gruben  bei  Kertsch.
&amp;lt;  a)  Erzgruben  bei  Eltigen  (südlich  Kertsch).  Es  wird
in  offenem  Tageshau  gearbeitet,  Mächtigkeit  der  Erzablagerungen
4—30  m,  Abbau  0,5—10  m  Erde.
Förderung  1913  =  14  433986  Pud
Förderung  1915=  —
b)  Erzgruben  der  Stadt  Kertsch  (nordwestlich  Kertsch  beim
Hüttenwerke  gelegen).  Es  wird  in  offenem  Tagesbau  mit  Löffel-  und
Klein,  Die  südrussische  Eisenindustrie.  2
        <pb n="22" />
        18

_  Beschreibung  der  südrussisohen  Hüttenwerke.

Eimer-Bagger  gearbeitet.  Mächtigkeit  der  Erzablagerungen  4—10  m,
darüber  Abbau  1—2  m  Erde.
Förderung  1913=  1  629  550  Pud  (im  Oktober  1913  in  Betrieb  gesetzt)
Förderung  1915  =  10687009  Pud.
4.  Kohlengruben:
Grube  bei  Slawianoserbsk,  Station  der  Jekaterinenbahn,
durch  Gleisanschluß  von  4,7  Werst  mit  der  Station  verbunden,
außerdem  Pferde-  und  Drahtseilbahn  zwischen  den  einzelnen  Schachtanlagen ­
  und  der  Auf  ladezentrale.
Förderung  aus  9  Schachtanlagen
1914  =  13580000  Pud  Kokskohle
1915  =  11770000  „  „
Koksofenanlage:  72  Öfen  ohne  Gewinnung  der  Nebenprodukte
System  Coppee.
Produktionsmöglichkeit  der  Anlage:
4500  Pud  X  72  Öfen  =  324000  Pud  im  Monat.
Produktion  im  Jahre  1915  =  3  215  700  Pud.
„La  Providence  Russe“  ä  Marioupol.
Gegründet  1897  von  der  Societe  Beige  de  la  Providence  ä
Marchienne  au  Pont,  nachher  trat  bei  der  Sanierung  französisches
Kapital  ein  durch  die  „Union  Parisienne“.
Kapital:  14620000  Rubel.
Kapitalverlust;  30000000  Frcs.  durch  Aufhebung  des
Nennwertes  und  Überführung  der  Genußscheine.
Dividende  der  privilegierten  200  Frcs.  Aktien.
1911  1912  1913
Frcs.  32.—  43.85  21.16
Dividende  der  privilegierten  500  Frcs.  Aktien
1911  1912  1913
Frcs.  0  25.—  29.17
Obligationsschuld;  5910000  Frcs.
Sitz'der  Verwaltung:  St.  Petersburg.
1.  Hüttenwerk  in  Sartana  bei  Mariupol,  Station  der  Jekaterinenbahn. ­

Hochofenanlage:  4  Hochöfen  mit  vertikalen  Aufzügen,  Ladung
der  Materialien  von  Hand.
Agglomerierungsanlage  für  das  feinkörnige  Kertscher  Erz;
Drehbarer  Glühofen  System  Schmidt-Kopenhagen.
        <pb n="23" />
        La  Providence  Russe“  ä  Marioupol.

19

Gasreinigung  nicht  vorhanden.
Gasgebläse;  Keine.
Kraftanlage:  4  Dampfmaschinen  und  2  Abdampfturbinen  von
insgesamt  3100  PS.
Erzeugung  1913  =  8000000  kW/st.
„  1915  =  5150000  kW/st.
Thomas-Stahlwerk;  4  Birrien  zu  12  t.
Martin-Stahlwerk;  3  Öfen  zu  25  t.
Walzwerke:  Blockwalzwerk  und  Schienenstraße  750  mm  0;
Mittelstraße  450  mm  0  und  kleine  Straße  300  mm  0;  Grohblechstraße.

Thomas  schlacken-Mühle.
Koks-ofenanlage:
186  Öfen  ohne  Gewinnung  der  Nebenprodukte  System  Coppee
und  System  Piett.
46  Öfen  mit  Gewinnung  der  Nebenprodukte  System  Coppee.
Produktionsmöglichkeit  der  Anlage:
4800  Pud  X  186  Öfen  =892  800  Pud  im  Monat
6700  „  X  46  „  =308  200  „  „
Produktion  im  Jahre  1915  =  10468000  Pud  Koks
34416  „  Ammoniak  wasser
63  240  „  Teer
2496  „  Benzol.
Produktion  des  Hüttenwerkes.

1913

1915

Roheisen  .  .  .

10142398

Pud

7255959

Pud

Martinstahl

4734233

11

3286231

Thomasstahl  ....

5899420

11

4291386

11

Walzerzeugnisse:

Halbfabrikate  ....

1534  585

11

515429

11

Stabeisen  ......

1711658

11

765666

11

I-  und  U-Eisen  .  .  .

1183845

1059471

Eisenbahnschienen  .  .

2691079

11

2936622

11

Grobbleche

1684658

11

694352

Feinbleche

63966

11

48665

üniversaleisen  ....

18009

11

102890

11

Walzerzeugnisse:  8887800  Pud  6123095  Pud

Arbeiterverhältnisse:  Die  Anzahl  der  Arbeiter  belief  sich
im  Jahre  1913  auf  3137,  die  der  Beamten  auf  111,  von  denen  34
Ausländer  waren.  Im  Jahre  1915  betrug  die  Ärbeiteranzahl  2481,
die  der  Beamten  117,  von  denen  35  Ausländer  waren.
2*
        <pb n="24" />
        20

Beschreibung  der  südrussisohen  Hüttenwerke.

An  Arbeiterlöhnen  wurden  im  Jahre  1913  1680022  Rubel
gezahlt  =  45  Rubel  pro  Arbeiter  und  Monat,  im  Jahre  1915
1317501  Rubel  =  44,25  Rubel  pro  Arbeiter  und  Monat.
Werkswohnungen:  Im  Jahre  1913  wohnten  900  ledige  Arbeitet ­
  in  Werkskasernen,  1700  Arbeiter  wohnten  in  846  Arbeiterfamilienwohnungen ­
  und  537  Arbeiter  wohnten  in  eigenen  oder  gemieteten ­
  Wohnungen.  Im  Jahre  1915  hatte  sich  die  Anzahl  der
Arbeiterfamilienwohnungen  auf  936  erhöht,  in  denen  1406  Arbeiter
wohnten.  680  Ledige  wohnten  in  Werkskasernen  und  395  nicht  in
W  erkswohnungen.
Schule:  Es  bestand  eine  Werksschule  mit  2  Lehrern  und
5  Lehrerinnen,  in  welcher  175  Knaben  und  132  Mädchen  unterrichtet ­
  wurden,  und  deren  Unterhalt  6515  Rubel  kostete  =  2,07  Rubel
pro  Arbeiter  und  Jahr.  Im  Jahre  1915  wurden  6945  Rubel  bezahlt ­
  =  2,80  Rubel  pro  Arbeiter  und  Jahr.
2.  Eisenerzgruben  im  Krivoi  Roger  Bezirk;
a)  Tarapakowski-Grube,  Tarapakowski-Flöz.
Förderung  1913  =  1038290  Pud
„  1915  =  1154252  '  „
b)  Buchinik-Grube,  Lichmanowski-Flöz.
Förderung  1913  =  3431280  Pud
„  1915=  —
3.  Eisenerzgruben  im  Kertscher  Bezirk:
Grube  bei  Kysaul-Tscherelekski,  an  der  Südspitze  der
Straße  von  Kertsch  gelegen.  Es  wird  im  offenen  Tagesbau  gearbeitet. ­
  Ablagerungen  von  8—12  m  Erz,  Abbau  an  Erde  darüber
bis  6  m.
Förderung  1913  =  13  246  900  Pud
„  1915=  2213200  „
4.  Kohlengrube:
Rutschenkowski-Grube,  Station  Rutschenkowo  der  Jekaterinenbahn.

Schmalspurbahn  9—14  Werst  zur  Station.
Förderung  aus  3  Schachtanlagen  1914=  10  750000  Pud,  hiervon ­
  waren  3  250000  Pud  Gaskohle  und  7  500000  Pud  Kokskohle.
Förderung  1915  =  8410000  Pud  Gas-  und  Kokskohle.
        <pb n="25" />
        Soeiete  des  Toleries  de  Konstantinowka  (Donez),  Hauts-Fourneaux  usw.  21

Soeiete  des  Töleries  de  Konstantinowka  (Donez),  Hauts-Fourneaux,
  Acieries,  Laminoirs.
Gegründet  1896  durch  belgische  Industrielle.  Auch  französische
Banken  (H.  Lippens  &amp;amp;  Co.  und  Association  Industrielle  Financiere)
sind  stark  beteiligt.
Kapital:  1880000  Rubel  bis  zum  Jahre  1912
3  705000  „  seit  1912
Dividende  der  Aktie  zu  250  Frcs.
1912  1913  1914  1915  1916
35.—  37.50  20  —  15.—  20.—  Frcs.
Obligationsschuld:  6676500  Frcs.
1  Sitz  der  Verwaltung:  Brüssel.
1.  Hüttenwerk  in  Konstantinowka,  Station  der  Südbahn.
Hochofenanlage;  Ein  Hochofen  ausgeblasen  und  ein  Hochofen ­
  im  Bau.  Ladung  der  Erze  mit  Hand.  Der  Koks  wird  durch
eine  Drahtseilbahn  von  den  nahegelegenen  Koksöfen  auf  die  Hochöfen ­
  gebracht.
Gasreinigung:  Keine.
Gasgebläse:  Keine.
Kraftanlage:  5  Dampfmaschinen  von  insgesamt  2575  PS.
Erzeugung  1913  =  207  980  kW/st,
„  1915  =  14148000  kW/st.
Martin-Stahlwerk:
a)  Alte  Anlage:  4  Öfen  zu  28—32  t,
b)  Neue  Anlage:  1  Ofen  zu  40  t  (ohne  Gaserzeugeranlage,  nur
mit  Koksofengas  geheizt).
Walzwerke:  Mittelstraße  580  mm  0;  kleine  Straße  305  mm  0;
Daohblechstraße  von  5  Gerüsten.
Koksofen  a  n  1  ag  e:  40  Öfen  mit  Gewinnung  der  Nebenprodukte
System  Coppee.
Produktionsmöglichkeit;  9200  Pud  X  40  Öfen  =  368000  Pud  im  Monat.
Produktion  im  Jahre  1915  =  2  429  363  Pud  Koks,
148  279  „  Teer,
42  776  „  Ammoniumsulfat.
        <pb n="26" />
        22  Beschreibung  der  südrussisohen  Hüttenwerke.

Produktion  des  Hüttenwerkes:
1913  1915

Roheisen

3679754  Pud

3696061  Pud

Martinstahl

3867334  ,,

4922600  „

Walzerzeugnisse:

Stabeisen

3098572  „

3990155  „

I-  und  Ü-Esen  .  .  .  .

119  950

20601  „

Grubenschienen  .  .  .  .

68674  ,.

28810  „

Dachbleche

398924  „

113641  „

Walzer  Zeugnisse:

3686120  Pud

4153207  Pud.

An  weiterverarbeitet

en  Fertigerzeugnissen  versandte

das  Werk;

Eisenbahnlasohen,  Unter-1913



1915

lagsplatten  usw.  .  .  .

151551  Pud

1059000  Pud,

Arbeiterverhältnisse:  Die  Anzahl  der  Arbeiter  belief  sich
im  Jahre  1913  auf  1512,  die  der  Beamten  auf  49,  von  denen  32
Ausländer  waren.  Im  Jahre  1915  betrug  die  Arbeiteranzahl  1774,
die  der  Beamten  51,  von  denen  29  Ausländer  waren.
An  Arbeiterlöhnen  wurden  im  Jahre  1913  744269  Rubel  gezahlt ­
  =41  Rubel  pro  Arbeiter  und  Monat,  im  Jahre  1915
966,916  Rubel  =  45,50  pro  Arbeiter  und  Monat.
Werkswohnungen:  Im  Jahre  1913  wohnten  110  ledige  Arbeiter
in  Werkskasernen,  502  Arbeiter  in  181  Arbeiterfamilienwohnungen
und  900  Arbeiter  in  gemieteten  oder  eigenen  Wohnungen.  Im  Jahre
1915  hatte  sich  die  Anzahl  der  Werkswohnungen  nicht  erhöht.
Es  bestand  eine  Werksschule  mit  einem  Lehrer  und  zwei
Lehrerinnen,  in  welcher  64  Knaben  und  35  Mädchen  unterrichtet
wurden,  und  deren  Unterhalt  dem  Werke  im  Jahre  1913  2711  Rubel
kostete  =  1,79  Rubel  pro  Arbeiter  und  Jahr,  im  Jahre  1915  kostete
der  Unterhalt  2547  Rubel  =  1,43  Rubel  pro  Arbeiter  und  Jahr.
2.  Erzgruben  im  Krivoi  Roger  Gebiet:
a)  Tscherwonnaja-Grube,  Tscherwonnaja-Flöz.
Förderung  1913  =  1173  670  Pud
„  1915  =  1321  389  „
b)  Kamtschatka-Grube,  Scholtaja  Reka-Flöz.
Förderung  1913  =  69000  Eud
,,  1915  =  742000
        <pb n="27" />
        Sooiete  Russe  pour  I»  Fabrication  des  Tubes.

23

Societe  Russe  pour  la  Fabrication  des  Tubes.
(Anciennement  Chaudoir).
Gegründet  1889  von  C.  &amp;amp;  H.  Chaudoir  mit  Hilfe  belgischer
Kapitalisten.  Nachher  haben  sich  die  Hahnschen  Röhrenwalzwerke,
Großenbaum  &amp;amp;  Oderberg,  an  dem  Unternehmen  beteiligt.
Kapital:  6000000  Rubel  vor  dem  Kriege,  die  zu  je  ein  Drittel
verteilt  waren  auf;
Die  belgische  Gruppe:  Familie  Chaudoir  und  Freunde,
Die  deutsche  Gruppe:  Hahnsche  Röhrenwerke,
Die  französische  Gruppe:  Lavessiere,  Paris.
7  500000  Rubel  während  des  Krieges;  die  erhöhten
1  500  000  Rubel  wurden  unter  die  belgische  und  französische  Gruppe
verteilt:
Dividende;  Vor  dem  Kriege  12—16°/ 0 ,  während  des  Krieges
bis  25  °/ 0  steigend,
Amortisation;  ca,  9000000  Rubel.
Obligationsschuld:  a)  Alte  Obligationen  1000000  Rubel,
b)  Neue  Obligationen  4000000  Rubel,  von
der  Deutschen  Bank  im  Jahre  1913
ausgegeben.
Sitz  der  Verwaltung:  Moskau.
Umsatz  der  Werke 1 ):  1913  =  16118576  Rubel.
1914  =  19269180  „
1915  =  27495843  „
1916  =  53810598  „
1917  =  77908396  „
1-  Hüttenwerke  Ä  und  C  in  Gorjainowo,  Station  der
Jekaterinenbahn  bei  Jekaterinoslaw.
Hochofenanlage  auf  Werk  C;  Ein  Hochofen  mit  Sohrägaufzug,
  Ladung  der  Materialien  mit  Hand.  Außerdem  ein  kleiner,
während  des  Krieges  gebauter  Hochofen  zur  Herstellung  von  Ferromangan,
  der  aber  nicht  fertiggestellt  worden  ist.
Gasreinigungsanlage  als  Vorreinigung  durchgefübrt.
Gasgebläse:  Keine.
Kraftanlage  auf  Werk  A  und  C:  Drei  Dampfturbinen  und
eine  Dampfmaschine  von  insgesamt  7150  PS.
Erzeugung  1913  =  3  508  300  kW/st,
„  1915  =  9000000  ,,

l )  Es  wird  vermutet,  daß  der  Versand  von  einer  zur  anderen  Abteilung
der  Gesellschaft  in  den  „Umsatz“  eingerechnet  worden  ist.
        <pb n="28" />
        24

Beschreibung  der  südrussischen  Hüttenwerke.

Martinstahlwerk;  a)  Auf  Werk  A:  4  Öfen  zu  25—30  t,
b)  „  „  C;  1  Ofen  zu  50  t.
Walzwerke  auf  Werk  C:  eine  Grobblechstraße  2000  mm  Ballenlänge; ­
  eine  Universalstraße;  Rohrwalzwerke,  bestehend  aus  6  Straßen
und  Rohrschweiß  werk  System  Froriep  zur  Herstellung  der  großen
Rohrleitungen  für  Baku;  Walzwerk  für  nahtlose  Rohre,  System  Fassl.
Verzinkerei  für  Rohre  durch  Elektrolyse.

Produktion  des  Hüttenwerkes:

1913

1915

Roheisen  .

....  —  Pud

4682733  Pud

Martin  stahl

7112917  „

Walzerzeugnisse

Grobbleche

und

Universaleisen



.  .  .  .  2268777  „

3  704  718

Abfälle  für

den

Verkauf  131399  „

69  714  „•

3774432  Pud.

Walzerzeugnisse:  2400176  Pud
An  weiter  verarbeiteten  Fertigerzeugnissen  versandte
das  Werk:
1913  1915
Stahlgußstücke  ....  25491  Pud  27382  Pud,
Eiserne  Rohre  und  Teile
zu  diesen  1390092  „  1582  286  „
Verschiedene  Fabrikate  .  5668  „  2  329  „
Fertigerzeugnisse:  1421251  Pud  1611997  Pud.
Arbeiterverhältnisse:  Die  Anzahl  der  Arbeiter  betrug  1913
2880,  die  der  Beamten  228,  von  denen  12  Ausländer  waren.  Im
Jahre  1915  belief  sich  die  Arbeiteranzahl  auf  3475,  die  der  Beamten
auf  250,  von  denen  14  Ausländer  waren.
Die  Arbeiterlöhne  betrugen  im  Jahre  1913  1515959  Rubel
=  44  Rubel  pro  Arbeiter  und  Monat,  im  Jahre  1915
2027976  Rubel  =  48,60  Rubel  pro  Arbeiter  und  Monat.
Werkswohnungen:  Eine  Arbeiterkolonie  besteht  nicht.  Die
Arbeiter  wohnen  in  den  umliegenden  Vororten  und  der  Stadt  Jekaterinoslaw,
  mit  der  das  Werk  A  durch  die  städtische  elektrische  Bahn
verbunden  ist.
Schule:  Es  bestand  eine  Werksschule  mit  5  Lehrern  und
9  Lehrerinnen,  in  welcher  216  Knaben  und  179  Mädchen  unterrichtet ­
  wurden  und  deren  Unterhalt  im  Jahre  1913  12  631  Rubel
kostete  =  4,38  Rubel  pro  Arbeiter  und  Jahr.  Im  Jahre  1915  kostete
die  Schule  14  799  Rubel  =  4,25  Rubel  pro  Arbeiter  und  Jahr.
        <pb n="29" />
        Societe  Russe  pour  la  Pabrication  des  Tubes.

25

2.  Walzwerke  B  (Amur)  in  Nischni-Dnjeprowsk,  Station  der
Jekaterinenbahn  bei  Jekaterinoslaw.
Kraftanlage:  Eine  Turbine  und  drei  Dampfmaschinen  von
insgesamt  3100  PS.
Erzeugung  1913  =  3508300  kW/st.
„  1915  =  6895421  „
Walzwerke:  Grobstraße  700  mm  0;  5  Walzstraßen  für  Dachund
  Schwarzbleche  und  eine  Polierstraße.
Verzinkerei  für  Dachbleche  und  Rohre.
Verzinnerei  für  Herstellung  von  Weißblechen.
Schaufelfabrik,  die  im  Kriege  bis  1  Million  Schaufeln  monatlich ­
  herstellte.

Produktion  des  Hüttenwerkes:

Walzerzeugnisse:
Halbfabrikate  —  Pud  622138  Pud
Stabeisen  136  719  „  428295  „
Feinbleche  159000  „  220000  „
Dachbleche  2  037  246  „  1376075  „

Enden  für  den  Verkauf 1 )  563108  „  730  708  „
Walzerzeugnisse:  2896073  Pud  3377216  Pud
An  weiter  verarbeiteten  Fertigerzeugnissen  versandte
das  Werk:

1913
Wellbleche  813571  Pud
Verschiedene  Fabrikate  .  196  435  „
Fertigerzeugnisse:  1010006  Pud

1915
353188  Pud
806658  „
1159846  Pud

Ar  beit  er  Verhältnisse:  Die  Anzahl  der  Arbeiter  belief  sich
im  Jahre  1913  auf  1563,  die  der  Beamten  auf  117,  von  denen  11
Ausländer  waren.  Im  Jahre  1915  betrug  die  Arbeiteranzahl  3938,
die  der  Beamten  106,  von  denen  10  Ausländer  waren.
Die  Arbeiterlöhne  betrugen  im  Jahre  1913  1055410  Rubel
=  56,20  Rubel  pro  Arbeiter  und  Monat,  1915:  2336990  Rubel
=  49,40  Rubel  pro  Arbeiter  und  Monat.
Werkswohnungen:  Es  besteht  keine  Arbeiterkolonie,  die
Arbeiter  wohnen  in  den  Vororten  von  Jekaterinoslaw.
Es  besteht  eine  Werksschule  mit  2  Lehrern  und  4  Lehrerinnen, ­
  in  welcher  107  Knaben  und  85  Mädchen  unterrichtet  wurden,

0  Zur  Weiterverarbeitung  im  Werke  A.
        <pb n="30" />
        26

Beschreibung  der  südrussischen  Hüttenwerke.

deren  Unterhalt  im  Jahre  1913  4812  Rubel  =  3,07  Rubel  pro  Arbeiter ­
  und  Jahr  kostete.  Im  Jahre  1915  beliefen  sich  die  Kosten
auf  6103  Rubel  =  1,55  Rubel  pro  Arbeiter  und  Jahr.
Aktiengesellschaft  „Briansk“.
Gegründet  1873  durch  die  russischen  Industriellen  Golubew
und  Fürst  Tenischew  als  Lokomotivfabrik  und  Stahlwerke  zur  Herstellung ­
  von  Artilleriematerial  in  Bejiza  (Briansk,  Gouvernement  Orel).
Im  Jahre  1887  errichtete  die  Gesellschaft  das  „Südrussische  Alexander-Hüttenwerk“
  bei  Jekaterinoslaw,  im  Jahre  1898  das  „Briansker
Hüttenwerk“  in  Kertsch,  das  sie  nach  einigen  Jahren  in  eine  besondere ­
  Gesellschaft  „Societe  Metallurgique  de  Kertsch“  umwandelte,
die  um  1903  in  Liquidation  geriet.
Kapital:  24180000  Rubel  im  Jahre  1911
30800000  „  „  „  1913
41180000  „  „  „  1914
51182000  während  des  Krieges.
Dividende  der  100  Rubel-Aktie:  Bis  1906  keine.
1906  1907/09  1910  1911  1912/13  1914  1915/16
Gewöhnliche
Aktie  .  .  0,50  12,50  6,—  8,—  9,—  11,—  Rubel
Privilegierte
Aktie  .  .  —  5,—  5,—  6,—  8,—  9—  11,—  „
Die  Gesellschaft  wird  kontrolliert  durch  die  Russisch-Asiatische
und  die  Internationale  Bank  in  St.  Petersburg.
Reservekapital;  6868000  Rubel.
Obligationsschuld:  8970000  Rubel.
Sitz  der  Verwaltung:  St.  Petersburg,  zurzeit  Kiew.
Umsatz  der  Gesellschaft!  1913:  47677  128  Rubel
1914:  53463819  „
1915:  70708209  „
1916:  104462491  „
1.  Hüttenwerke  „Alexander-Werke“  Gorjainowo,  Station
der  Jekaterinenbahn  bei  Jekaterinoslaw.
Hochofenanlage:  6  Hochöfen,  davon  5  mit  Schrägaufzügen,
Ladung  in  Kübel,  die  durch  ein  unterirdisches  Kanalsystem  gefahren
werden.  Einrichtung  noch  nicht  ganz  fertig,  Ladung  der  Kübel
teilweise  von  Hand.
Gasreinigung  durchgeführt.
        <pb n="31" />
        Aktiengesellschaft  „Briansk“.

27

Gasgebläse:  6  Gasgebläse  von  insgesamt  9000  PS.
Kraftanlage:  5  Dampfturbinen  zu  5000  PS.
Erzeugung  1913  ==  45894969  kW/st
„  1915  =  39  606  667  „
Bessemerstahlwerk:  3  Birnen  zu  12  t  mit  2  Mischern  von
insgesamt  550  t.
Martinstahlwerk:  2  Anlagen,  die  enthalten:  3  Öfen  zu  40  t,
2  Öfen  zu  30  t,  3  Öfen  zu  50  t  und  eine  Vorfrischeranlage  zu  250  t.
Walzwerke:  Blockwalzwerk;  Schienenstraße  800mm  0;  2  Mittelstraßen ­
  550  und  410  mm  0;  kleine  Straße  325  mm  0  und  Drahtstraße ­
  260  mm  0;  Grobbleehstraße,  Dachblechstraße  von  2  Gerüsten,
Rohrgießerei:  System  Ardelt  zur  Herstellung  von  Rohren
bis  52  Zoll  0.
Brückenbau-Anstalt.
Feuerfeste  Steinfabrik  zur  Herstellung  von  1200000  Pud
Chamottesteine  und  900000  Pud  Dinassteine  jährlich.
Produktion  des  Hüttenwerkes;

Roheisen

1913
25037  393  Pud

1915
17577824

Pud

Martinstahl

12285635

11

10244644

Bessemerstahl  ....

7633642

11

4428228

n

W  alzerzeugnisse:

Halbfabrikate  .  .  .  ,

186424

11

115975

Stabeisen

4668362

4558127

I-  und  U-Eisen  .  .  .  .

1107873

643364

Eisenbahnschienen  .  .

3911021

2211889

Grubenschienen  .  .  .  .

106477

11

16834

11

Grobbleche

1642504

1793873

11

Dachbleche

770685

11

201868

11

Universaleisen  .  .  .  .

223314

11

235700

11

Walzdraht

2903626

11

1379294

11

Federnstahl  .  .  .

3018

11

15172

11

Enden  für  den  Verkauf

365284

11

140575

11

Walzerzeugnisse:  .

15888588  Pud

11312671  Pud

An  weiterverarbeiteten  Fertigerzeugnissen  versandte  das
Werk:
        <pb n="32" />
        28  Beschreibung  der  südrussischen  Hüttenwerke.
1913  1915
Gußeiserne  Rohre  und  Teile
zu  diesen  1310234  Pud  671624  Pud
Eisenbahnlaschen,  Unterlagsplatten ­
  usw  75891  „  63  206  „
Brücken-  und  Hochbau  .  .  480187  „  264081  „
Reservoire  u.  Zisternen  .  .  42  259  „  40096  „
Verschiedene  Fabrikate  .  .  31868  „  51  786  ,,

Fertigerzeugnisse

1940439  Pud

1090793  Pud

Arbeiterverhältnisse:  Die  Anzahl  der  Arbeiter  betrug  1913
8482,  die  der  Beamten  536,  von  denen  12  Ausländer  waren.  Im
Jahre  1915  belief  sich  die  Arbeiteranzahl  auf  10399,  die  der  Beamten ­
  auf  675,  von  denen  5  Ausländer  waren.
Die  Arbeiterlöhne  betrugen  im  Jahre
1913:  4611408.—  Rubel  =  45.25  Rbl.  pro  Arbeiter  und  Monat.
1915:4427353.—  „  —35,41  „
Werkswohnungen;  Eine  Arbeiterkolonie  besteht  nicht.  Die
Arbeiter  wohnen  in  gemieteten  oder  eigenen  Wohnungen  in  den
naheliegenden  Vororten  der  Stadt  Jekaterinoslaw,  mit  der  das  Werk
durch  die  städtische  elektrische  Bahn  verbunden  ist.
Schule:  Es  bestand  eine  Werksschule  mit  15  Lehrern  und
14  Lehrerinnen,  in  welcher  495  Knaben  und  517  Mädchen  unterrichtet ­
  wurden,  und  deren  Unterhalt  36110  Rubel  kostete,
=  3,54  Rubel  pro  Arbeiter  und  Jahr.  Im  Jahre  1915  kostete  der
Unterhalt  35  908  Rubel  =  2,87  Rubel  pro  Arbeiter  und  Jahr.
2.  Erzgruben:
a)  Alexandrowski-Grube,  Saxaganski-Flöz.
Förderung  1913  =  6  300000  Pud.
Förderung  1915  =  4600000  „
b)  Suchaja  Balka,  Saxaganski-Flöz.
Förderung  1913  =  15  870000  Pud.
Förderung  1915  =  14  700  000  „
3.  Erzgruben  der„UdobnijaSemlja“,  einer  Gesellschaft,
die  aus  3  Teilhabern  besteht:
1.  der  „Briansker“  Aktiengesellschaft,
2.  der  „Societe  Fran9aise  de  Krivoi  Rog“,
3.  der  „Societe  du  Donez  ä  Droujkowka“.
        <pb n="33" />
        Aktiengesellschaft  „Kraniatorskaja“  Hüttenwerke  u.  Maschinenfabrik.  29

Zu  dieser  gehören  folgende  Gruben:
a)  Karnawatka-Grube,  Saxaganski-Flöz.
Förderung  1913  =  33  000  000  Pud.
Förderung  1915  ==  15  347  000  „
b)  Tarapakowski-Grube,  Tarapakowski-Flöz.
Förderung  1913  =  6  200  000  Pud.
Förderung  1915  =  3  153  000  „
c)  Lichmanowski-Grube,  Lichmanowski-Flöz.
Förderung  1913  —  15142  000  Pud.
Förderung  1915  =  7  348000  „
d)  Tscherwonaja-Grube,  Tscherwonnij-Flöz.
Förderung  1913  =  4  400  000  Pud.
Förderung  1915  ==  648000  „
4.  Kohlengruben:
a)  Rutschenkowski-Grube,  Station  Rutschenkowo  der
Jekaterinenbahn,  Gleisanschluß  bis  4 1 / 2  Werst.
Förderung  1914  ==  44  202  000  Pud.  davon
Gaskohle  =  31  099  000  Pud
Kokskohle  =  13  103  000  Pud
Förderung  1915  insgesamt  36000000  Pud.
Koksofenanlage:  140  Öfen  ohne  Gewinnung  der  Nebenprodukte, ­
  System  Coppee,
105  Öfen  mit  Gewinnung  der  Nebenprodukte. ­

Produktionsmöglichkeit  der  Anlage:
3  600  Pud  X  140  Öfen  =  504  000  Pud  im  Monat,
10800  Pud  X  105  Öfen  =  1134  000  Pud  im  Monat.
Produktion  1915:  6  255  650  Pud  Koks.
b)  Tschulkowski-Grube,  Station  Glasnaja  der  Jekaterinenbahn, ­
  Gleisanschluß  bis  8,8  Werst.
Förderung  aus  3  Schachtanlagen  1914  —  17  160000  Pud
Magerkohle,
1915  =  15  648  000  Pud
Magerkohle.
Aktiengesellschaft  „Kraniatorskaja“  Hüttenwerke  und
Maschinenfabrik.
Gegründet  um  1897  durch  den  Industriellen  K.  O.  Gamper  (Firma
Fitzner  &amp;amp;  Gamper,  Sosnowice).  An  dem  Unternehmen  ist  die
Maschinenfabrik  Borsig,  Tegel-Berlin  und  polnisches  Kapital  beteiligt.
        <pb n="34" />
        30

Beschreibung  der  südrussisohen  Hüttenwerke.

Kapital;  10  000000  Rubel.
Dividende:  Noch  keine  gezahlt.
Reservekapital:  352  333  Rubel.
Sitz  der  Verwaltung:  Bis  zum  Kriege  Warschau,  nachher
Petersburg.
Umsatz  der  Gesellschaft:
1913/14  =11501  353  Rubel
1914/15  =  12  235  999  „
1915/16  =  14800  434  „
1916/17  =  16  800  372  „
1.  Hüttenwerk  und  Maschinenfabrik  Kramatorskaja,
Station  der  Südbahn.
Hochofenanlage:  3  Hochöfen,  von  denen  einer  mit  Stähler-Benrath-Aufzug,
  einer  mit  Kennedy-Aufzug  und  einer  mit  vertikalem ­
  Aufzuge  noch  nicht  umgebaut  ist.  Ladung  der  Materialien
von  Hand.
Gasreinigung;  Nur  teilweise  fertiggebaut.
Gasgebläse:  1  Gasgebläse  zu  1800  P.S.
Kraftanlage:  3  Turbinen  und  1  Dampfmaschine  von  insgesamt ­
  7600  P.  S.
Erzeugung  1913  =  15024000  kW/st.
Erzeugung  1915  =  14178000  „
Martinwerk:  2  Öfen  zu  50  t,  1  Ofen  zu  35  t  und  1  Mischer
zu  200  t.
Walzwerke:  Mittelstraße  620mm0;  kleine  Straße  360  mm  0
und  Drahtstraße  280  mm  0.
Eisengießerei:  Produktionsmöglichkeit  70000  Pud  monatlich.
Stahlgießerei:  2  kleine  Bessemer-Birnen  zu  2  t.
Maschinenfabrik;  Speziell  zur  Herstellung  von  Hüttenwerkseinrichtungen ­
  ausgerüstet.
Fabrik  von  Nieten,  Bolzen  und  Schrauben.
Werkstätten  für  Hochbaukonstruktionen  und  Kräne.
Fabrik  zur  Herstelluug  von  Achsen  für  Bauernwagen.
Koksofenanlage;  Im  Bau.  50  Öfen  mit  Gewinnung  der
Nebenprodukte,  Produktionsmöglichkeit  450000  bis  540000  Pud
monatlich.
        <pb n="35" />
        Aktiengesellschaft  „Kramatorskaja“  Hüttenwerke  u.  Maschinenfabrik.  31
Produktion  des  Hüttenwerkes:

1913

1915

Roheisen

10  058  451  Pud

8  711  541  Pud

Martinstahl

5  287  560  „

4717  517

5?

Walzer  Zeugnisse:

Halbfabrikate  ....

623  995  „

553577

5?

Stabeisen

2  500  712  „

1  988839

5»

I-Eisen

660  910  „

295188

Univefsal-Eisen  .  .  .

3  200  „

16  030

Walzdraht

805876  „

1  018  240

Enden  für  den  Verkauf

196  736  „

157  616

y&amp;gt;

Walz  er  Zeugnisse:

4  791429  Pud

4  029  490  Pud

An  weiterverarbeiteten  Fertigerzeugnissen

versandte

Werk:

1913

1915

Gußeiserne  Fabrikate  .

.  199  272  Pud

140  929  Pud

Eisenbahnschienen.  Unterlagsplatten

  usw.  .  .

.  345069  „

404  028

JJ

Hochbau-Konstruktionen  .  95  267  „

40  716

J?

Dampfmaschinen  .  .  ,

.  .  7  341  „

3  041

»

Kräne

.  .  91  747  „

47  604

Drehbänke  und  Maschinen  211187  „

85  140

V

Fertigerzeugnisse

:  949  883  Pud

721458  Pud

Arbeiterverhältnisse:  Die  Anzahl  der  Arbeiter  belief  sich
im  Jahre  1913  auf  3605,  die  der  Beamten  auf  246,  von  denen  26
Ausländer  waren.  Im  Jahre  1915  betrug  die  Arbeiteranzahl  3392,
die  der  Beamten  251,  von  denen  9  Ausländer  waren.
Die  Arbeiterlöhne  betrugen  im  Jahre

1913  =  1  308  981  Rubel  =  30.25  Rubel  pro  Arbeiter  u.
1915  =  1429  747  „  =35.12  „

Monat
5J

Werkswohnungen:  Im  Jahre  1913  bestanden  139  Arbeiterwohnungen. ­
  3466  Arbeiter  wohnten  in  gemieteten  oder  eigenen
Wohnungen.  Im  Jahre  1915  hatte  sich  die  Anzahl  der  Arbeiterfamilienwohnungen ­
  auf  171  erhöht.

Schule:  Es  bestand  eine  Werkssohule  mit  einem  Lehrer  und
7  Lehrerinnen,  in  welcher  155  Knaben  und  146  Mädchen  unterrichtet ­
  wurden,  und  deren  Unterhalt  9000  Rubel  kostete
=  2,49  Rubel  pro  Arbeiter  und  Jahr.  Im  Jahre  1915  kostete  die
Schule  10000  Rubel  =  2,94  Rubel  pro  Arbeiter  und  Jahr.
        <pb n="36" />
        32

Beschreibung  der  südrussisohen  Hüttenwerke.

2.  Erzgruben:
a)  Losowatski-Grube,  Saxaganski-Flöz.
Förderung  1913  =  3  084  000  Pud.
Förderung  1915  =  3  515  000  „
b)  Rachmanowski-Grube,  Lichmanowski-Flöz.
Die  Grube  wurde  von  der  Gesellschaft  während  des  Krieges
erworben.
Förderung  1915  =  1  392  751  Pud.
,.Societ6  du  Donez  ä  Droujkowka“.
Gegründet  1894  von  französischen  Kapitalisten  (Pasteur,  Raymond).
Kapital:  4500000  Rubel  bis  zum  Jahre  1911,
7  960000  „  seit  1911.
Bis  1912  keine  Dividenden.
1913  =  lO°/ 0  Dividende,
1914  =  10°/ 0  Dividende.
Reservekapital;  3  519  211  Rubel.
Obligationsschuld:  4  476  740  Rubel.
Sitz  der  Verwaltung:  Paris  mit  einem  Nebensitz  in  St.
Petersburg.
Umsatz  der  Gesellschaft:
1913/14  ==  14132727  Rubel
1914/15  =  11  379190  „
1915/16  =  13359896  „
1916/17  =  19  133494  „
1.  Hüttenwerk  in  Droujkowka,  Station  der  Südbahn.
Hochofenanlage:  4  Hochöfen,  von  denen  nur  3  Cowper-Apparate
  und,  Maschinen  haben.  Alte  Einrichtung  mit  vertikalen
Aufzügen  und  Ladung  der  Rohstoffe  von  Hand.
Gasreinigung;  Nicht  durchgeführt.
Gasgebläse:  Ein  Gasgebläse  zu  800  P.  S.
Kraftanlage:  10  Dampfmaschinen  von  insgesamt  2270  P.  S.
Erzeugung  1913  =  10  945  000  kW/st.  '
„  1914  =  11347  000  „
Bessemerstahlwerk:  3  Bjrnen  und  ein  Mischer  zu  100  t.  ■
Martinstahlwerk:  Alte  Anlage:  1  Ofen  zu  15  t,  2  Öfen  zu
25  t,  1  Ofen  zu  45  t.
        <pb n="37" />
        Societe  du  Donez  ä  üroujkowka“.

33

Walzwerke:  Blockwalzwerk  mit  Schienenstraße  850  mm  0:
Mittelstraße  600  mm  0;  kleine  Straße  325  und  Drahtstraße  250  mm  0;
Grobblechstraße  3600  mm  Ballenlänge.
Koksofenanlage:  134  Ofen  ohne  Gewinnung  der  Nebenprodukte, ­
  System  Coppee,
70  Öfen  mit  Gewinnung  der  Nebenprodukte. ­

Produktionsmöglicheit  der  Anlage:
4  000  Pud  X  134  Öfen  =  536  000  Pud  monatlich.
10000  „  X  70  Öfen  ==  700000  „
Produktion  1913  ==  5  483  006  Pud  Koks.
„  1915  =  3  084  520  „
Produktion  des  Hüttenwerkes:

Roheisen

1913
11578049

Pud

1915
8  049  372  Pud

Martinstahl  ....

5  455185

4015271

Bessemerstahl  .  ,  .  .

6  896  868

D

4  946  060

&amp;gt;5

Walzerzeugnisse:
Halbfabrikate  ....

14  368

9  013

Stabeisen

2  548188

»

1  641  454

})

I-  und  U-Eisen  .  .  .

2  961  719

864  371

J)

Eisenbahnschienen  .  .

2  983  685

3544413

V

Rillenschienen  .  .  .

51446

—

&amp;gt;&amp;gt;

Grubenschienen  .  .  .

157  226

38454

Grobbleche

961196

V

785  406

Feinbleche

1  931

—

Walzdraht

286  565

&amp;gt;&amp;gt;

-  268101

Federnstahl  .  .  .  .

183940

»

151714

Enden  für  den  Verkauf

8004

}}

125  988

Walzerzeugnisse;  10158268  Pud  7428914  Pud

An  weiterverarbeiteten  Fertigerzeugnissen  versandte
das  Werk:

1913
Eisenbahnlaschen,  ünterlagsplatten
  usw.  .  .  .  24  345  Pud
Verschiedene  Fabrikate  .  140  961  „
Fertigerzeugnisse;  165306  Pud

1915
1338  Pud
125  887  „
127225  Pud

Arbeiterverhältnisse:  Die  Anzahl  der  Arbeiter  belief  sich  im
Jahre  1913  auf  3849,  die  der  Beamten  auf  196,  von  denen  80  Ausländer ­
  waren.  Im  Jahre  1915  betrug  die  Arbeiteranzahl  3640,  die
der  Beamten  207,  von  denen  61  Ausländer  waren.
Klein,  Die  südrussische  Eisenindustrie,  3
        <pb n="38" />
        34

Beschreibung  der  südrussisohen  Hüttenwerke.

Die  Arbeiterlöhne  betrugen  im  Jahre
1913  =  1850754  Rubel  =  40.—  Rubel  pro  Arbeiter  und  Monat.
1915  =  1635650  „  =  37.28  „  „  .  „
Werkswohnungen;  Im  Jahre  1913  wohnten  220  Arbeiter  in
Kasernen,  2082  Arbeiter  in  694  Pamilienwohnungen  und  1547  in  gemieteten ­
  oder  eigenen  Wohnungen.  Im  Jahre  1915  hatte  sich  die
Anzahl  der  Arbeiterwohnungen  auf  722  erhöht.
Schule:  Es  bestand  eine  Werksschule  mit  9  Lehrern  und
12  Lehrerinnen,  in  welcher  457  Knaben  und  308  Mädchen  unterrichtet ­
  wurden,  und  deren  Unterhalt  im  Jahre  1913  16  428  Rubel
kostete  =  4,26  Rubel  pro  Arbeiter  und  Jahr.  Im  Jahre  1915  kostete
der  Unterhalt  20  974  Rubel  =  5,76  Rubel  pro  Arbeiter  und  Jahr.
2.  Erzgruben:
a)  Erzgrube  Ewgeniewski,  Lichmanowski-Flöz.  1
Förderung  1913  =  11618  856  Pud.
Förderung  1915  =  5  889560  „
b)  Erzgrube  Selenowski,  Lichmanowski-Flöz.
Förderung  1913  =  3847446  Pud
Förderung  1915  =  —  „
Außerdem  war  die  Gesellschaft  mit  den  Gesellschaften  „Briansk“
und  „Krivoi  Rog“  an  den  Gruben  der  „Udobnija  Semlja“  beteiligt ­
  (s.  S.  28).

„Neurussische  Gesellschaft“  in  Jusowka.
Gegründet  im  Jahre  1870  durch  den  Engländer  John  Hughes,
der  als  erster  im  Süden  Rußlands  Kokshochöfen  erbaute  und  dazu
die  örtlichen  Brauneisenerze  verwandte.  Die  Hütte  erhielt  eine
Regierungsprämie  für  die  Lieferung  von  Eisenbahnschienen  während
einer  Reihe  von  Jahren,  konnte  aber  nicht  zur  Entwicklung  gelangen, ­
  bis  sie  im  Jahre  1885  Erzfelder  im  Krivoi  Roger  Gebiete
erwarb.  Während  des  Krieges  wurden  die  Werke  an  die  Gesohoßfabrik
  „Parwjanen“  in  St.  Petersburg  verkauft.
Kapital:  11  400000  Rubel  im  Jahre  1914.
22856000  „  „  „  1917.
Obligationsschuld:  5380000  Rubel.
Sitz  der  Verwaltung:  London  mit  Nebensitz  in  St.  Petersburg. ­
        <pb n="39" />
        (Neurussische  Gesellschaft“  in  Jusowka,

35

Umsatz  der  Gesellschaft:
1913  =  19  894  516  Rubel
1914  =  18560115
1915  =  17580208  „
1916  =  37486337
1917  =  44026255  „
1.  Hüttenwerk  in  Jusowka,  Station  der  Jekaterinenbahn.
Hochofenanlage;  5  Öfen,  von  denen  einer  mit  Kennedy-Begichtung, ­
  die  anderen  Öfen  mit  vertikalen  Aufzügen.  Alte  Einrichtung. ­
  Ladung  der  Materialien  bei  allen  Öfen  von  Hand.
Gasreinigung:  Keine.
Gasgebläse:  Keine.
Kraftanlage:  2  Dampfmaschinen  und  2  Dampfturbinen  von
insgesamt  6  700  P.  ’S.
Erzeugung  1913  =  20955956  kW/st.
„  1915  =  24448913  „
Bessemerstahl  werk:  4  Birnen  und  Mischeranlage  von
2  Mischern  von  insgesamt  300  t.  Die  Anlage  hat  während  der  letzten
Jahre  nicht  mehr  gearbeitet.
Martinstahlwerk:
a)  Alte  Anlage;  7  Öfen  von  20—30  t.
b)  Neue  Anlage:  3  Öfen  zu  60  t.
Walzwerke;  Blockwalzwerk  und  Schienenstraße;  2  Mittelstraßen
500  und  400  mm  0,  2  kleine  Straßen  330  und  250  mm  0;  Grobblechstraße; ­
  Feinblech-  und  Dachblechstraße.
Konstruktionswerkstätten  für  Brückenbau:
Koksofenanlage;  210  Öfen  ohne  Gewinnung  der  Nebenprodukte, ­
  System  Coppee.
Produktionsmöglichkeit:  3345  Pud  X  210  Öfen  =  702450  Pud
monatlich.
Produktion  1915  =  8102  046  Pud.
Produktion  des  Hüttenwerkes:

1913  1916
Roheisen  16911753  Pud  14538273  Pud
Martinstahl  14159  595  »  12  640802  »
Walzerzeugnisse:
Halbfabrikate  ....  813238  jj  1591700  n
Stabeisen  3  792  254  »  2  379121  »
I-  und  U-Eisen  .  .  .  693  393  n  711685  n

5298885  Pud

4682506  Pud
3*
        <pb n="40" />
        36

Beschreibung  der  südrussisohen  Hüttenwerke.

Übertrag:

5298885  Pud

4682506

Pud

Eisenbahnschienen  .  .

3932730  »

3817294

ff

Rillenschienen  ....

360533  »

98617

ff

Grubenschienen  .  .  .

181258  »

150057

ff

Grobbleche

2140294  n

1482  724

ff

Feinbleche

204376  »

185565

ff

Dachbleche

420669  »

131844

ff

Universaleisen  .  .  .

—  V

61  728

ff

Federnstahl

»

43623

ff

Walzdraht

ff

2  947

ff

Enden  für  den  Verkauf

236029  »

11879

ff

Walzerzeugnisse;

12774774  Pud

10668784  Pud

An  weiterverarbeiteten  Fertigerzeugnissen

versandte

Werk;

1  9  13

1915

Gußstahlstücke  ,  .  .

.  .  10384  Pud

4945

Pud

Eisenbahnlaschen,  Unterlagsplatten

  usw.  .  .

7  079  »

4067

ff

Schmiedestücke  .  .  .

.  .  172180  n

369

ff

Brückenbauten  .  .  .

.  .  447010  »

674043

ff

Äbgedrehte  Achsen

.  .  H

168614

ff

Reservoire  und  Zisternen  .  4  376  n

—

ff

Verschiedene  Fabrikate

.  .  3438  »

3298

ff

Fertigerzeugnisse

.  .  644467  Pud

855336  Pud

Arbeiterverhältnisse:  Die  Anzahl  der  Arbeiter  betrug  1913
6422  Mann,  die  der  Beamten  464,  von  denen  35  Ausländer  waren.
Im  Jahre  1915  belief  sich  die  Arbeiteranzahl  auf  8888  Mann,  die
der  Beamten  auf  890,  von  denen  32  Ausländer  waren.
Die  Arbeiterlöhne  betrugen  im  Jahre
1913  =  2  801468  Rubel  —  35,35  Rubel  pro  Arbeiter  und  Monat,
1915  =  3670384  Rubel  =  40,96  Rubel  pro  Arbeiter  und  Monat.
Werkswohnungen:  Im  Jahre  1913  wohnten  95  ledige  Arbeiterin ­
  Kasernen,  930  Arbeiter  lebten  in  778  Arbeiterwohnungen  des
Werkes  und  5397  Arbeiter  in  Nichtwerkswohnungen.  Im  Jahre  1915
hatte  sich  die  Anzahl  der  Werkswohnungen  auf  853  erhöht.
Schule:  Es  bestand  eine  Werksschulo  mit  34  Lehrern  und
24  Lehrerinnen,  in  der  1194  Knaben  und  856  Mädchen  unterrichtet
wurden,  und  deren  Unterhalt  im  Jahre  1913  72  793  Rubel  kostete
=  11,33  Rubel  pro  Arbeiter  und  Jahr.  Im  Jahre  1915  kostete  der
Unterhalt  97  245  Rubel  —  10,73  Rubel  pro  Arbeiter  und  Jahr.
        <pb n="41" />
        Metallurgische  Gesellschaft  Donez-Juriewka.  37
2.  Erzgruben:  Noworossisker  Grube,  Saxaganski-Flöz.
Förderung  1913  =  13426079  Pud.
n.  1915  =  6441036  »
3.  Kohlengruben  beim  Hüttenwerke:  Kohlenförderung  aus
14  Schachtanlagen,  die  durch  Gleisanschluß  bis  10  Werst  mit  dem
Hüttenwerke  verbunden  sind,  im  Jahre  1914  =  92  607  927  Pud.
Hiervon  waren  Flammkohle  .  27000000  Pud.
Schmiedekohle  10000000  »
Kokskohle  .  .  55000000  »
Förderung  1915  insgesamt  83  846000  n
Koksofenanlage:  Auf  der  Nowo-Smoljaninowskaja-Grube
180  Öfen  mit  Gewinnung  der  Nebenprodukte,  System  Coppee.
Produktionsmöglichkeit:  8640  Pud  X  180  Öfen  —1555  200  Pud
monatlich.
Produktion  1915  =  14  708  351  Pud  Koks,
415836  n  Teer,
215857  »  Pech,
191715  i)  Ammoniumsulf  at,
46  671  n  Benzol,
186868  n  Kreosot  und  Öle.
3Ietallurgische  Gesellschaft  Donez-Juriewka.
Gegründet  1895  durch  den  russischen  Industriellen  Altsohewski
mit  Hilfe  Petersburger  Banken.  Die  Gesellschaft  geriet  nach  dem
Tode  Altschewskis  unter  gerichtliche  Verwaltung  und  ging  nach
deren  Aufhebung  eine  Interessengemeinschaft  ein  mit  der  Metallurgischen ­
  Gesellschaft  Ural-Wolga  und  der  Petersburger  Drahtindustrie.
Beteiligt  sind  französische  Banken  und  die  Moskauer  Industriebank.
Kapital:  15000000  Rubel  bis  1911,
22100000  n  nach  1911.
Dividende:  1914/15  =  6°/ 0 ,  1915/16  =  10°/ 0 ,
Sitz  der  Verwaltung:  St.  Petersburg.
1.  Hüttenwerk  zu  Altsehewskoe,  Station  der  Jekaterinenbahn.
Hochofenanlage:  5  Hochöfen  mit  vertikalen  Aufzügen.  Alte
Einrichtung.  Ladung  der  Materialien  von  Hand.
Gasreinigung  nur  teilweise  durchgeführt.
Gasgebläse:  2  Gasgebläse  von  insgesamt  1400  PS.
Kraftanlage:  11  Dampfmaschinen  von  insgesamt  8100  PS.
Erzeugung  1913  =  7  820030  kW/st.
„  1915  =  11634  709  »
        <pb n="42" />
        38

Beschreibung  der  südrussischen  Hüttenwerke.

\

Martinstahlwerk;  7  Öfen  zu  25—35  t.
Walzwerke:  Blockwalzwerk  und  Schienenstraße;  Mittelstraße
500  mm  0;  2  kleine  Straßen  300  und  250  mm  0;  Drahtstraße  von
11  Gerüsten.
Koksofenanlage:  180  Öfen  ohne  Gewinnung  der  Nebenprodukte, ­
  System  Coppee.
Produktionsmöglichkeit:  4200  Pud  X  180  Öfen  —  756000  Pud
monatlich.
Produktion  1915  =  5  477129  Pud.
Produktion  des  Hüttenwerkes:
1913  1915

Roheisen  15120623  Pud  13148184  Pud

Martinstahl

15319945

7?

10382195

77

Walzerzeugnisse:

Halbfabrikate  ....

2035318

77

1460553

77

Stab  eisen

6288235

7?

3427892

77

I-  und  Ü-Eisen  .  .  .

1828895

77

2089612

7?

Eisenbahnschienen  .  .

2641282

77

1221384

77

Grubenschienen  .  .  .

56100

77

32  304

77

Walzdraht

—

77

580050

77

Enden  für  den  Verkauf

138691

77

26071

77

Walzerzeugnisse:

12988521  Pud

8837866  Pud

Arbeiterverhältnisse:  Die  Anzahl  der  Arbeiter  belief  sich
1913  auf  5133  Arbeiter,  die  der  Beamten  auf  188,  von  denen  17  Ausländer ­
  waren.  Im  Jahre  1915  betrug  die  Arbeiteranzahl  4869,  die
der  Beamten  221,  von  denen  13  Ausländer  waren.
Die  Arbeiterlöhne  betrugen  im  Jahre
1913  2887171  Rubel  =  47.—  Rubel  pro  Arbeiter  und  Monat,
1915  2422925  Rubel  =  40,98  Rubel  pro  Arbeiter  und  Monat.
Werkswohnungen:  Im  Jahre  1913  wohnten  542  ledige  Arbeiter ­
  in  Kasernen;  2465  Arbeiter  in  1324  Arbeiterwohnungen,
2126  Arbeiter  in  gemieteten  oder  eigenen  Wohnungen.  Im  Jahre  1915
war  die  Anzahl  der  Arbeiterwohnungen  nicht  erhöht.
Schule:  Es  bestand  eine  Werksschule  mit  17  Lehrern  und
13  Lehrerinnen,  in  der  558  Knaben  und  448  Mädchen  unterrichtet
wurden,  und  deren  Unterhalt  32  608  Rubel  kostete  =  6,35  Rubel  pro
Arbeiter  und  Jahr.  1915  kostete  die  Schule  34147  Rubel  =  7,01  Rubel ­
  pro  Arbeiter  und  Jahr.
2.  Erzgruben  im  Krivoi  Roger  Bezirk:
a)  Puchmerki-Grube,  Saxaganski-Flöz.
        <pb n="43" />
        SooieG  Miniere  et  Metallurgique  „Union“  ä  Makiewka.

39

Förderung  1913  =  3387  800  Pud.
„  1915  =  4064000  »
b)  Tarapakowski-Grube,  Tarapakowski-Flöz.
Förderung  1913  =  5  228886  Pud.
„  1915  =  2  657000  &amp;gt;.
c)  Polewoi-Grube,  Lichmanowski-Flöz.
Förderung  1913  =  3  547  000  Pud.
„  1915  =  2  673000  n
3.  Kohlengruben:  Förderung  aus  den  3  Gruben  Pawlowski-,
Jumaschewski-  und  Krasnopolski-Gruben,  die  sich  in  der  Nähe  des
Hüttenwerkes  befinden,  im  Jahre  1914  =  14078  900  Pud,  davon
Flammkohle  =  315000  Pud
Kokskohle  =  8  533  440  »
Magerkohle  =  5  230460  »
Förderung  1915  insgesamt  =  17  782  000  n
Koksofenanlage  auf  dem  Pawlowski-Schaoht:  260  Öfen  ohne
Gewinnung  der  Nebenprodukte,  System  Coppee.
Produktionsmöglichkeit;  3000  Pud  X  260  Öfen  =  780000  Pud
monatlich.
Produktion  1915  =  5324745  Pud.
Societe  Miniere  et  Metallurgique  „Union“  ä  Makiewka.
Gegründet  um  1896  durch  die  Societe  Generale  de  Paris,  nachher ­
  verpachtet  an  die  neuerrichtete  Gesellschaft  „Union“;  beteiligt
sind  außer  der  französischen  Gruppe  die  „Österreichische  Länderbank“ ­
  mit  ungefähr  10  000000  Francs,  und  -Huldschinsky,  Gleiwitz,
mit  ungefähr  5000000  Francs  Aktien.  Während  des  Krieges  wurde
ein  Teil  der  Aktien  durch  die  russische  Malzew-Gruppe  erworben.
Kapital:  40000000  Francs.
Sitz  der  Verwaltung:  Paris.
1.  Hüttenwerk  zu  Makiewka:
Hochofenanlage:  3  Hochöfen  (davon  2  System  Burgers)  mit
vertikalen  Aufzügen,  Koksladung  durch  Drahtseilbahn,  die  von  den
Koksöfen  kommend  unmittelbar  über  alle  3  Öfen  hinübergeht.  Ladung ­
  der  Erze  mittels  eines  elektrischen  Kranes  und  von  Hand.
Qasreinigung  durchgeführt.
Gasgebläse:  3  Gasgebläse  von  insgesamt  5400  PS.
Kraftanlage:  3  Gasmotore,  4  Dampfmaschinen  und  2  Dampfturbinen ­
  von  insgesamt  10840  PS.
        <pb n="44" />
        40

Beschreibung  der  südrussischen  Hüttenwerke.

Erzeugung  1913  =  19177  435  kW/st*.
„  1915  =  23756706  »
Martin  stahl  werk:  4  Öfen  zu  30  t;  2  Öfen  zu  40  t  und  1  Elektroofen, ­
  System  Heroult.
Walzwerke:  Blockwalzwerk  und  Schienenstraße  850  mm  0;
Mittelstraße  600  mm  0;  2  kleine  Straßen  330  und  280  mm  0;
Grobblechstraße,  Feinblechstraße  und  2  Dachblechstraßen.
Rohrgießerei:

Produktion

des  Hütt

enwe

r  k  e  s:

1913

1915

Roheisen  14077174  Pud

12547406

Pud

Martinstahl  ....

9479104

7?

11137983

77

Walzerzeugnisse:

Halbfabrikate  ....

1582620

77

2121370

7?

Stabeisen

517698

77

1609100

7*

I-  und  U-Eisen  .  .  .

435308

77

100942

77

Eisenbahnschienen  .  .

2468222

7?

2347451

7’

Grabenschienen  .  .  .

—

77

48  755

77

Grobbleche  .  ,

1310962

77

1041266

77

Feinbleche

140445

77

260844

7*

Dachbleche  ....

607736

77

492041

77

Universaleisen  .  .  .

149410

77

127737

77

Federnstahl

—

77

55  281

77

Enden  für  den  Verkauf

672109

77

242906

77  ■

Walzerzeugnisse:

7884510  Pud

8447693

Pud

An  weiter  verarbeitet

en  Ferti

gerze

ugnissen

versandte

Werk:

191.

i

1915

Gußeiserne  Rohre  und

Teile  zu  diesen  .  .  .

1628833

Pud

1256146

Pud

Stahlgußstücke  ....

66  506

77

35075

77

Eisenbahnlaschen,  Unterlagsplatten

  usw.  .  .  .

305316

77

336994

7*

Wellbleche

5  682

77

8385

77

Verschiedene  Fabrikate

11171

77

7  991

77

Fertigerzeugnisse:

2017508

Pud

1  644  591

Pud

Arbeiterverhältnisse;  Die  Anzahl  der  Arbeiter  belief  sich
1913  auf  3114  Mann,  die  der  Beamten  auf  265,  von  denen  61  Ausländer ­
  waren.  Im  Jahre  1915  betrug  die  Arbeiteranzahl  4790,  die
der  Beamten  454,  von  denen  65  Ausländer  waren.
        <pb n="45" />
        Bergwerks-  und  Hüttengesellsohaft  Nikopol-Mariupol.

41

Die  Ärbeiterlöhne  betrugen  im  Jahre
1913  =  2112240  Rubel  =  56,52  Rubel  pro  Arbeiter  und  Monat.
1915  =  2  208148  Rubel  =  3  8,41  Rubel  pro  Arbeiter  und  Monat.
Werkswohnungen':  Im  Jahre  1913  wohnten  1568  Arbeiter
in  392  Arbeiterwohnungen.  1546  Arbeiter  lebten  in  gemieteten  oder
eigenen  Wohnungen.  Im  Jahre  1915  war  die  Anzahl  der  Ärbeiterwohnungen
  die  gleiche.
Schule;  Es  bestand  eine  Werksschule  mit  2  Lehrern  und  8  Lehrerinnen, ­
  in  der  326  Knaben  und  245  Mädchen  unterrichtet  wurden,
und  deren  Unterhalt  im  Jahre  1913  7800  Rubel  kostete  =  2,50  Rubel ­
  pro  Arbeiter  und  Jahr.  Im  Jahre  1915  kostete  die  Schule
14008  Rubel  =  2,92  Kübel  pro  Arbeiter  und  Jahr.
2.  Erzgruben:  Die  Gesellschaft  hat  während  des  Krieges  die
Gruben  der  Gesellschaft  „Dubowaja  Balka“  gekauft.  Saxaganski-Flöz.
Förderung  1913  =  24312878  Pud.
„  ,  1915  =  11237426  »
3.  Kohlengruben  bei  dem  Hüttenwerke.  Gleisanschluß  zu
den  Stationen  Jasinowataja,  Charzisk  und  Makiewka.
Förderung  aus  15  Schachtanlagen  1914  ==  70174000  Pud,  davon
27  000  000  Pud  Schmiedekohle  und
43000000  »  Kokskohle.
Förderung  1915  insgesamt  71693000  Pud  Kohle.
Koksofenanlage  bei  den  Gruben:  94  Öfen  ohne  Gewinnung
der  Nebenprodukte  und  184  Öfen  mit  Gewinnung  der  Nebenprodukte.
Produktionsmöglichkeit:
6750  Pud  X  94  Öfen  =  635000  Pud  monatlich,
9000  »  X184  »  =  1650000  »  »
Produktion  im  Jahre  1914  =  19480000  Pud.
»  »  »  1915  =  18160000  n
Bergwerks-  und  Hüttengesellschaft  Nikopol-Mariupol.
Gegründet  um  1896,  erbaut  durch  amerikanische  Ingenieure,
kontrolliert  durch  die  Internationale  Handelsbank  zu  St.  Petersburg.
Kapital:  6600000  Rubel  im  Jahre  1911,
13200000  »  »  »  1913,
20  533000  »  n  Anfänge  des  Krieges.
Reservekapital:  3846946  Rubel.
Obligationsschuld:  2187  500  Rubel.
Sitz  der  Verwaltung;  St.  Petersburg.
        <pb n="46" />
        42

Beschreibung  der  südrussisohen  Hüttenwerke.

Fertigerzeugnisse:  1511287  Pud

1  190562  Pud

Umsatz  der  Gesellschaft:  1912/13  =  9584279  Rubel,
1913/14  =  17768377  »
1914/15  =  20104433  «
1915/16  ='23185272  „
1.  Hüttenwerk  zu  Mariupol,  Station  Sartana  der  Jekaterinenbahn.

Hochofenanlage:  2  Hochöfen  mit  Kennedy-Begichtung,  Ladung ­
  der  Materialien  von  Hand.
Gasreinigung  und  Gasgebläse;  keine.
Kraftanlage:  3  Dampfmaschinen  und  4  Turbinen  von  insgesamt ­
  6020  PS.
Erzeugung  1913  =  5981856  kW/st.
„  1915  =  8256367  »
Martinstahlwerk:  a)  Alte.*Anlage:  7Öfenzu25—30t.
b)  Neue  n  2  »  »  501  u.  2  Öfen  i.  Bau.
Walzwerke:  Grobstraße  700  mm  0;  Mittelstraße  450  und
kleine  Straße  300  mm  0  (hat  in  den  letzten  Jahren  nicht  gearbeitet);
Grobblechstraße  und  Feinblechstraße;  großes  Rohrwalzwerk  für  Rohre
von  großem  Durchmesser;  Panzerplattenwalzwork  „Krupp“  von-4,5
  m  Ballenlänge  und  1,4  m  0;  Maschine  von  8000  PS.  und  Presse
von  8000  t.
Koksofenanlage:  100  Öfen  ohne  Gewinnung  der  Nebenprodukte, ­
  System  Coppee.
Produktionsmöglichkeit:  5400  Pud  X  100  Öfen  =  540000  Pud
monatlich.
Produktion  1915  =  2  378303  Pud.

Produktion  des  Hüttenwerkes:

1913  1915
Roheisen  4  265421  Pud  4430846  Pud
Martinstahl  4  789112  »  7  395  474  »
Wälzerzeugnisse:
Grobbleche  3004  725  »  4  775752  »
Feinbleche  91465  ii  206110  »

Enden  für  den  Verkauf  194421  n  178581  n
Walzerzeugnisse:  3290611  Pud  5160443  Pud

An  weiterverarbeiteten  Fertigerzeugnissen  versandte
das  Werk:

1913
Stahlgußstücke  ...  1686  Pud
Rohre  u.  Teile  zu  diesen  1509  601  »

1915
.599  Pud
1189963  »
        <pb n="47" />
        Societe  Frangaise  des  Minieres  et  Hauts-Fourneaux  de  Krivoi  Rog“.  43

Arbeiterverhältnisse:  Die  Anzahl  der  Arbeiter  belief  sich
1913  auf  3232,  die  der  Beamten  auf  125,  Ausländer  waren  nicht
beschäftigt.  Im  Jahre  1915  betrug  die  Arbeiteranzahl  4714,  die
der  Beamten  198,  von  denen  6  Ausländer  waren.
Die  Arbeiterlöhne  betrugen  im  Jahre
1913  =  1  660533  Rubel  =  42,80  Rubel  pro  Arbeiter  und  Monat,
1915=2531  585  Rubel  —  44.75  Rubel  pro  Arbeiter  und  Monat.
Werkswohnungen:  Im  Jahre  1915  wohnten  30  Mann  in  Kasernen; ­
  es  bestanden  1330  Arbeiterfamilienwohnungen,  2744  Arbeiter
wohnten  in  gemieteten  oder  eigenen  Wohnungen  und  610  Arbeiter
arbeiteten  für  Privatunternehmer.
Schule:  Es  bestand  eine  Werksschule  mit  9‘  Lehrern  und  7  Lehrerinnen, ­
  in  denen  227  Knaben  und  232  Mädchen  unterrichtet
wurden,  und  deren  Unterhalt  9543  Rubel  =2,95  Rubel  pro  Arbeiter
im  Jahre  1913  kostete.  Im  Jahre  1915  kostete  die  Schule  23646  Rubel
=  5,76  Rubel  pro  Arbeiter  und  Jahr,  die  beim  Unternehmer  beschäftigten ­
  Arbeiter  nicht  mitgerechnet.
2.  Manganerzgruben  im  Nikopoler  Gebiete;
Pokrow  ski-Grube.
Förderung  1913  =  2  579229  Pud  Manganerz.
„  1915=  1756950  „  ,,
-  3.  Kohlengruben:
Alexandrowski-Grube,  Station  Jusowo  der  Jekaterinenbahn.
Förderung  1914  =  6410000  Pud  Flammkohle.
„  1915  =  7198000  „  „
.,Socict6  Franpaise  des  Minieres  et  Hauts-Fourneaux  de
Krivoi  Rog.“
Gegründet  im  Jahre  1881  durch  französische  Kapitalisten
(Grüner).  Kapital  bis  jetzt  ausschließlich  in  französischen  Händen.
Kapital:  13500000  Francs.
Dividende  1915/16  =  9  °/ 0 .
Reservekapital:  7  926077  Francs.
Obligationsschuld:  3300000  Francs.
Sitz  der  Verwaltung:  Paris.
1.  Hochofenwerk  „Gdanzewski“  in  Krivoi  Rog.
Hochofenanlage:  3  kleine  Hochöfen,  ganz  \eraltet  mit
steinernen  vertikalen  Aufzügen.  Ladung  der  Materialien  \on  Hand.
        <pb n="48" />
        44

Beschreibung  der  südrussischen  Hüttenwerke.

Die  Öfen  waren  bestimmt,  um  aus  ärmeren  Eisenerzen  (Quarziten)
Gießereiroheisen  herzustellen.
Keine  Gasreinigung  und  keine  Gasgebläse.
Kraftanlage:  2  Turbinen  und  2  Dampfmaschinen  von  insgesamt ­
  2350  PS.
Erzeugung  1913  =  2  250000  kW/st.
„  1915  =  2  850000  „
Produktion  des  Werkes;
1913  1915
Roheisen  4626912  Pud  3  604038  Pud
Arbeiterverhältnisse:  Die  Anzahl  der  Arbeiter  belief  sich
1913  auf  530,  die  der  Beamten  auf  33,  im  Jahre  1915  auf  356  Arbeiter ­
  und  35  Beamte,  von  denen  4  Ausländer  waren.
Die  Arbeiterlöhne  betrugen  im  Jahre
1913  =  254091  Rubel=40,—  Rubel  pro  Arbeiter  und  Monat.
1915  =  238  797  „  =35,90  „  „  „  „  „
Werkswohnungen:  90  Mann  wohnten  in  Kasernen,  189  in
Arbeiterfamilienwohnungen  und  251  in  gemieteten  oder  eigenen  Wohnungen. ­
  Im  Jahre  1915  hatte  sich  die  Anzahl  der  Werkswohnungen
nicht  erhöht.
Schule:  Es  bestand  eine  Schule  mit  3  Lehrern  und  2  Lehrerinnen, ­
  in  der  113  Knaben  und  112  Mädchen  unterrichtet  wurden,
und  deren  Unterhalt  4586  Rubel  kostete  =  8,65  Rubel  pro  Arbeiter
undJahr.  ImJahre  1915  kostete  dieSchule  4406  Rubel=  12,37  Rubel
pro  Arbeiter  und  Jahr.
2.  Erzgruben  im  Krivoi  Roger  Gebiet:
a)  Saxaganski-Grube,  Saxaganski-Flöz.
Förderung  1913  =  7  141200  Pud.
„  1915  =  4871200  „
b)  Tscherwonnaja-Balka-Grube,  Tscherwonnij-Flöz.
Förderung  1913  =  2  567  524  Pud.
„  1915  =  3  355  300  „
c)  Inguletzki-Grube,  Inguletz-Flöz.
.  Förderung  1913  =  2388560  Pud.
„  1915  =  2217100  „
d)  Rudniew-Grube,  Lichmanowski-Flöz.
Förderung  1913  =  4  987445  Pud.
„  1915  =  2057  700  „
        <pb n="49" />
        Societe  Anonyme  des  Hauts-Fournenux  de  Olohowaja“.

45

■/

e)  Rachmanowski-Grube,  Lichmanowski-Flöz.
Förderung  1913  =  4837377  Pud.
„  1915  =  1998300  „
f)  Dobrowolski-Grube,  Lichmanowski-Flöz.
Förderung  1913  =  9  874  295  Pud.
1915  =  5  272  900  „
Außerdem  war  die  Gesellschaft  mit  den  Gesellschaften  „Briansk“
und  „Droujkowka“  an  den  Gruben  der  „Udobnija  Semlja“  beteiligt.
(Siehe  Seite  28).
3.  Kohlengruben:  Orlowo-Gelenowskaja-Grube  und  Kamenskaja-Grube
  bei  Station  Orlowskaja  der  Norddonez-Bahn,  mit  Gleisanschluß ­
  an  Station  Almasnaja  der  Jekaterinenbahn.
Förderung  1914  =  30110000  Pud  Kokskohle.
„  1915  =  34060000  „  „
Koksofenanlage;  256  Öfen  ohne  Gewinnung  der  Nebenprodukte, ­
  System  Piett.
Produktionsmöglichkeit:  4275  Pud  X  256  Öfen  =  1094000  Pud
monatlich.
Produktion  1914  =  10528180  Pud.
1915  =  11365000  „

,,Societ6  Anonyme  des  Hauts-Fourneaux  de  Olchowaja.“

Gegründet  im  Jahre  1896  durch  die  belgische  Societe  des  Hauts-Fourneaux
  et  Mirles  de  Halanzy.  Von  1908  bis  1912  unter  Zwangs-Verwaltung.

Kapital:  5000000  Francs.
Dividende:  Keine.
Verlust:  2  000000  Francs  durch  Vergleich  getilgt.

Obligationsschuld;  4000000  Francs.
Sitz  der  Verwaltung:  Brüssel.

1.  Hochofenwerk  zu  Olchowaja;
Hochofenanlage:  2  Hochöfen,  die  Martin-,  Gießerei-,  und
Spezial-Roheisen  für  den  Verkauf  hersteilen.  Alte  Anlage.
Keine  Gasreinigung  und  kein  Gasgebläse.
Kraftanlage:  3  Dampfmaschinen  von  insgesamt  250  PS.

Produktion  des  Werkes:

1913
6018258  Pud

1915
4510098  Pud

Roheisen
        <pb n="50" />
        46

Beschreibung  der  südrussisohen  Hüttenwerke.

Arbeiterverhältnisse:  Die  Anzahl  der  Arbeiter  belief  sich
1913  auf  358,  die  der  Beamten  auf  20,  im  Jahre  1915  auf  345  Arbeiter ­
  und  24  Beamte.  Ausländer  waren  nicht  beschäftigt.
Die  Arbeiterlöhne  betrugen  im  Jahre
1913  =  135387  Rubel  =  31,50  Rubel  pro  Arbeiter  und  Monat
1915  =  157043  „  =  37,93  „
Werkswohnungen:  Im  Jahre  1913  wohnten  150  ledige  Arbeiter ­
  in  Werkskasernen,  22  Arbeiter  in  Familienwohnungen,  186  Arbeiter ­
  hatten  eigene  oder  gemietete  Wohnungen.  Im  Jahre  1915
hatte  sich  die  Anzahl  der  Familien  Wohnungen  auf  32  erhöht.
Schule:  Es  bestand  eine  Werkssohule  mit  2  Lehrern  und
4  Lehrerinnen,  in  der  124  Knaben  und  79  Mädchen  unterrichtet
wurden,  und  deren  Unterhalt  im  Jahre  1913  5545  Rubel  kostete  =
15,48  Rubel  pro  Arbeiter  und  Jahr.  Im  Jahre  1915  kostete  die
Schule  7570  Rubel=  21,94  Rubel  pro  Arbeiter  und  Jahr.
2.  Erzgrube  im  Krivoi  Roger  Bezirk:
Krasnokutski-Grube,  Joltaja  Reka-Flöz
Förderung  1913=  834  208  Pud.
„  1915  =  1032  725  „
3.  Kohlengrube  zu  üspensk,  Station  Lugansk  der  Jekaterinenbahn,
  Gleisanschluß  26  Werst.
Förderung  aus  3  Schachtanlagen  1914  =  14413000  Pud,  davon
Gaskohle  =  6  100000  Pud.
Kokskohle  =  8  313000  „
Förderung  1915  insgesamt  11  547000  Pud.
Koksofenanlage;  168  Öfen  ohne  Gewinnung  der  Nebenprodukte, ­
  System  Collin.
Produktionsmöglichkeit:  4000  Pud  X  168  Öfen  =672000  Pud
monatlich.
Produktion  1914  =  6147492  Pud.
„  1915  =  3973000  „
„Aktiengesellschaft  der  Suliner  Hüttenwerke.“
Gegründet  1870  durch  die  Familie  Pastuchow,  nachher  durch
die  Asow-Don-Bank  kontrolliert.
Kapital;  Im  Jahre  1914  7000000  Rubel.
Sitz  der  Verwaltung:  St.  Petersburg.
1.  Hüttenwerk  zu  Sulin:
Hochofenanlage:  3  Hochöfen,  die  zum  Teil  mit  Anthrazit
betrieben  werden.
        <pb n="51" />
        Aktiengesellschaft  der  Suliner  Hüttenwerke“.

47

Alte  Einrichtung.
Kein  Gasgebläse.
Kraftanlage:  3  Dampfmaschinen  von  insgesamt  600  PS.
Erzeugung  1913  =  1842080  kW/st.
„  1915  =  1785  940  „
Martinwerk:  6  Öfen.
Walzwerke:  Grobstraße,  Mittelstraße,  kleine  Straße,  Drahtstraße, ­
  Grobblechstraße.
Rohrgießerei.
Produktion  des  Hüttenwerkes:

1913

1915

Roheisen

3  511344  Pud

3741988  Pud

Martinstahl

7047926  „

6596493  „

Walzerzeugnisse:

Stabeisen  .......

5619803  „

5045725  „

Grubenschienen  ....

7  894  „

6  262  „

Grobbleche

30309  „

7  703  „

Draht

724517  „

1020894  „

Enden  für  den  Verkauf

2  817  „

1449  „

Walzerzeugnisse:

6  385  340  Pud

6082033  Pud

An  weiterverarbeitete

n  Fertigerzeugnissen  versandte

Werk:

1913

1915

Gußeiserne  Rohre  und

Teile  zu  diesen  .  .  .

628296  Pud

377166  Pud

Unterlagsplatten,  Eisenbahnlaschen

  usw.  .  .

1  745  860  „

2060916  „

Verschiedenes  ....

1089  „

252  „

Fertigerzeugnisse;

2375245  Pud

2438334  Pud

Arbeiterverhältnisse:  Die  Anzahl  der  Arbeiter  belief  sich
im  Jahre  1913  auf  4507,  die  der  Beamten  auf  358,  im  Jahre  1915
auf  4416  Arbeiter  und  351  Beamte.  Ein  Ausländer  war  auf  dem
Werk  beschäftigt.
Die  Arbeiterlöhne  betrugen  im  Jähre
1913  =  1834981  Rubel  =  33,92  Rubel  pro  Arbeiter  und  Monat
1915  =  1940548  Rubel  =  36,60  „  „  „  „  „
Werkswohnungen:  Xm  Jahre  1913  wohnten  1538  Arbeiter
in  443  Arbeiterwohnungen.  2969  Arbeiter  wohnten  in  gemieteten
        <pb n="52" />
        48  Beschreibung  der  südrussisohen  Hüttenwerke.

oder  eigenen  Wohnungen.  Im  Jahre  1915  gab  es  448  Arbeiterwohnungen. ­

Schule:  Es  bestand  eine  Werksschule  mit  4  Lehrern  und
2  Lehrerinnen,  in  der  456  Knaben  und  187  Mädchen  unterrichtet
wurden,  und  deren  Unterhalt  im  Jahre  1913  5639  Rubel  kostete  =
1,25  Rubel  pro  Arbeiter  und  Jahr.  Im  Jahre  1915  kostete  die
Schule  10536  Rubel  =  2,38  Rubel  pro  Arbeiter  und  Jahr.
2.  Erzgrube  im  Krivoi  Roger  Bezirke,  während  des
Krieges  erworben:
Galkowski-Grube,  Saxaganski-Flöz.
Förderung  1913  =  25  329185  Pud.
„  1915  =  14464660  „
3.  Kohlengruben:
a)  Berestowski-Grube,  Station  Post  Kalmius  der  Jekaterinenbahn,
  5  Werst  Gleisanschluß.
Förderung  aus  3  Schachtanlagen  1914  =  14583000  Pud  Kokskohle. ­

Koksofenanlage;  40  Öfen  ohne  Gewinnung  der  Nebenprodukte,
System  Collin.
Produktionsmöglichkeit:  3125  Pud  X  40  Öfen  =  125000  Pud
monatlich.
Produktion  1914  =  1  121  848  Pud  Koks.
„  1915=  896000  „  „
b)  Schidlowski-Grube,  bei  der  Bjelansker  Zweigbahn,
Station  Slawianoserbsk.  Förderung  aus  3  Schachtanlagen ­
  1914  =  3140666  Pud,  davon
Flammkohle  =1640666  Pud.
Kokskohle  =  1500000  ,,
4.  Anthrazit-Gruben:
a)  Nasledischewski-Grube,  5  Werst  Gleisanschluß  zum
Hüttenwerk.
Förderung  aus  3  Schachtanlagen  1914  =  6301  373  Pud.
b)  Jekaterininski-Grube,  Gleisanschluß  zum  Hüttenwerk
0,7  Werst  Förderung  aus  2  Schachtanlagen  1914  =
1  993345  Pud.
„Russische  Gesellschaft  für  Maschinenfabrikation  zu  Lugansk“
(vorm.  Gustav  Hartmann,  Chemnitz).
Gegründet  um  das  Jahr  1890  durch  obige  deutsche  Maschinenfabrik. ­
  Deutsches  Kapital  ist  zur  Zeit  nicht  mehr  beteiligt.  Die
        <pb n="53" />
        Russische  Gesellschaft  für  Maschinenfabrikation  zu  Lugansk".

49

Gesellschaft  wird  durch  die  Internationale  Handelsbank  zu  St.  Petersburg ­
  kontrolliert.
Kapital:  9000000  Rubel.
Dividende:  5  bis  12 1 / 2  °/ 0 .
Reservekapital;  2420000  Rubel.
Sitz  der  Verwaltung:  St.  Petersburg.
Umsatz  der  Gesellschaft:  1913=  9  505000  Rubel
•  1914  =  11720000  „
1915  =  14616000  „
1916  =  19910000  „
1917  =  15000000  „
Lokomotivfabrik  und  Hüttenwerk  zu  Lugansk,  Station
der  Jekaterinenbahn.  ,
Kraftanlage:  7  Dampfmaschinen  und  2  Dampfturbinen  von
insgesamt  4740  PS.
Erzeugung  1913  =  6310308  kW/st.
„  1915  =  4495  720  „
Martinwerk:  5  Öfen  von  5  bis  12  t,  alte  Einrichtung.
Walzwerke:  Mittelstraße  500  mm  0;  kleine  Straße  300  mm  0;
alte  Grobblechstraße;  ein  Feinblechgerüst;  2  Dachblechgerüste.  Rohrwalzwerk ­
  zur  Herstellung  von  Lokomotivrohren.
Lok  o  motivbau  Werkstätten,  moderne  Eisengießerei,
Brückenbauanstalt.
Im  Frieden  wurden  12  Lokomotiven  und  12  Kessel  monatlich
gebaut,  daneben  2  große  Lokomotivreparaturen  ausgeführt.
Produktion  des  Hüttenwerkes:

1913.

1915

Martinstahl

4062161  Pud

3365796  Pud

Walzerzeugnisse:

Stabeisen

1192410

11

1041998

11

~  Grobbleche

1145319

11

955120

11

Feinbleche

240873

11

357464

11

Dachbleche  .  .  .  .  .

200599

11

46159

11

Universaleisen  ....

104693

11

197896

11

Radreifen

—

26917

11

Achsen

—

49034

11

Walzerzeugnisse:
Klein,  Die  südrussische  Eisenindustrie.

2883894  Pud

2674588  Pud
4
        <pb n="54" />
        50

■  Beschreibung  der  südrussischen  Hüttenwerke.

An  weiterverarbeiteten  Fertigerzeugnissen  versandte
das  Werk:

f

1913

1915

Eisengußstücke  ....

40148  Pud

92577  Pud

Stahlgußstücke  ....

58  885

5?

94185

55

Schmiedestücke  ....

111747

»

132796

Lokomotivrohre  ....

32  380

55

86218

Dampfkessel

89201

55

61830

55

Brückenbau  und  Hochbau

173183

55

76  861

Reservoire  und  Zisternen

21947

55

35  430

Radsätze

8251

55

21447

55

Wellbleche

10422

55

2  430

55

Lokomotiven

406  695

55

900623

55

Verschiedene  Fabrikate  .

39127

55

29099

55

Fertigerzeugnisse:

991986

L&amp;gt;ud

1533496  Pud

Arbeiterverhältnisse:  Die  Anzahl  der  Arbeiter  belief  sieh
1913  auf  4354,  die  der  Beamten  auf  298,  von  denen  11  Ausländer
waren.  Im  Jahre  1915  betrug  die  Arbeiteranzahl  5289,  die  der
Beamten  373,  von  denen  5  Ausländer  waren;
Die  Arbeiterlöhne  betrugen  im  Jahre
1913  =  2271246  Rubel  =  43,47  Rubel  pro  Arbeiter  und  Monat.
1915  =  3453  569  Rubel  =  54,41  „  „  „  „  „
Werkswohnungen:  Es  besteht  keine  Werkskolonie.  Die  Arbeiter ­
  wohnen  in  der  Stadt  Lugansk.
Schule;  Es  bestand  eine  Werkeschule  mit  15  Lehrern  und
5  Lehrerinnen,  in  der  312  Knaben  und  196  Mädchen  unterrichtet
wurden,  und  deren  Unterhalt  19  776  Rubel  im  Jahre  1913  kostete  =
4,54  Rubel  pro  Arbeiter  und  Jahr.  Im  Jahre  1915  kostete  die
Schule  27130  Rubel  =  5,15  Rubel  pro  Arbeiter  und  Jahr.
        <pb n="55" />
        Gesamterzeugung  der  südrussisehen
Hüttenwerke.

1913

1915

Roheisen

189162208

Pud

167559355  Pud

Martinstahl  ....

120793440

n

115044816

77

Bessemerstahl  .  .  .

33623580

77

26512083

77

Thomasstahl  ....

12158220

77

10145741

77

Walzerzeugnisse:

Halbfabrikate  .  .  .

8979913

77

8198895

77

Stabeisen

42617812

77

34800767

77

I-  und  U-Eisen  .  .  .

15555773

9882837

Eisenbahnschienen

24022130

77

22861291

7?

Rillenschienen  .  .  .

4827934

77

3899085

77

Grubenschienen  .  .  .

2432142

77

1689205

77

Grobbleche  und  Universaleisen

  ....

17521954

77

18070607

77

Feinbleche

2601737

77

3909717

77

Dachbleche  ....

7207394

"77

3490131

77

Walzdraht

10205419

77

11342051

77

Radreifen

1356329

77

2  800060

77

Achsen

710630

77

1276957

77

Federnstahl  ....

300914

77

1231340

77

Enden  für  denVerkauf

2712929

77

1509983

77  ’

Walzerzeugnisse:

141053010  Pud

124962926  Pud.

An  weiterverarbeiteten  Fertigerzeugnissen  wurden

sandt:

Gußeiserne  Rohre  und

1913

1913

Teile  zu  diesen  .  .

3529218  Pud

2304991  Pud

Gußeiserne  Fabrikate

308637

77

300497

77

Stahlgußstücke  .  .  .

623616

77

615019

77

4461471  Pud

3220507  Pud
4*
        <pb n="56" />
        52

Gesamterzeugung  der  südrussischen  Hüttenwerke.

Übertrag:
Eisenbahnlaschen,  Un-4461471

  Pud

3220507

Pud

terlagsplatten  usw.

2701007

11

4010133

11

Schmiedestücke  .  .  .
Eiserne  Rohre  u.  Teile

296628

11

147213

11

zu  diesen  ....
Dampfkessel  u.  Teile

3  356134

11

3  206  051

11

zu  diesen  ....

143280

11

134554

11

Brücken-  und  Hochbau

1218596

11

1061889

11

Reservoire  u.  Zisternen

116443

11

171920

11

Radsätze

256873

11

642030

11

Abgedrehte  Achsen  .

37468

11

175778

11

Wellbleche

832040

11

366468

11

Lokomotiven  ....

406695

11

900623

H

Kräne
Drehbänke  und  Ma-91747



11

47  604

11

schinen
Versch.  Pertigerzeug-215

  755

11■

86  300

11

nisse

386472

11

1043301

11

Fertigerzeugnisse:  14520609  Pud  15214371  Pud.

In  den  obigen  Tabellen  sind  die  Werke  „Nikolaewer  Schiffswerften“ ­
  und  „Estampage-Jekaterinoslaw“  nicht  enthalten,  da  sie
ihre  Produktionszahlen  nicht  veröffentlichen.
        <pb n="57" />
        Die  südrussische  Eisenindustrie  während  der
Revolution.

Am  23.  April  1917  veröffentlichte  die  vorläufige  russische  Regierung, ­
  deren  Leitung  damals  dem  Namen  nach  das  Kadettenministerium
des  Fürsten  Lwow  hatte,  einen  Erlaß  zur  Bildung  von  Arbeiterausschüssen ­
  sowohl  in  privaten  als  auch  in  staatlichen  Industrieunternehmungen ­
  jeglicher  Art.  Diese  Verordnung  entstand  ohne
Zweifel  schon  damals  unter  dem  Drucke  des  Petersburger  Arbeiterrates. ­
  Die  kadettischen  Mitglieder  des  Ministeriums  mögen  seine
Annahme  gutgeheißen  haben,  weil  sie  glaubten,  durch  die  Bildung
von  Arbeiteraussohüssen  die  Anzahl  der  allgemeinen  Arbeiterzusammenkünfte, ­
  die  in  Rußland  stets  zu  politischen  Versammlungen  ausarteten, ­
  auf  ein  Mindestmaß  einschränken  zu  können.
Sie  hatten  gehofft,  durch  ihre  Verordnung  die  drängenden  Kräfte
der  Arbeiter  in  geordnete  Bahnen  gelenkt  zu  haben;  aber  ihr  Irrtum
wurde  bald  offenkundig.  Die  allgemeine  Arbeiterversammlung  war
in  dieser  Verordnung  durch  die  Regierung  gutgeheißen,  und  die
Forderungen  der  Arbeiter  gingen  sofort  dahin,  alle  Fragen  durch
allgemeine  Arbeiterversammlungen  zu  entscheiden.  Den  Arbeiterausschüssen ­
  blieb  nur  die  vorbereitende  Arbeit,  und  nach  erfolgter
Abstimmung  waren  sie  die  ausführenden  Organe  der  Beschlüsse  der
Arbeiterversammlungen.  Wöchentlich  wurden  mehrere  allgemeine
Arbeiterversammlungen  abgehalten,  bei  gutem  Wetter  auf  den  Werkshöfen, ­
  bei  schlechtem  Wetter  in  den  Walzwerkshallen.  Hierzu  wurden
alle  Betriebe  für  die  Dauer  der  Versammlung  (meist  1  bis  l x / 2  Stunde)
stillgelegt,  auch  die  Hochöfen!  /Anmeldung  oder  Einholung  der  Erlaubnis ­
  bei  den  Werksleitungen  erfolgte  nicht.  Der  Grundzug  der
Versammlung  zeigte  sich  immer  unverhüllter.  Auf  der  Tagesordnung
stand  häufig  zur  Besprechung:  „Augenblickliche  politische  Lage“.
Als  sachkundige  Personen,  die  laut  der  Regierungsverordnung  zu
den  Versammlungen  hinzugezogen  werden  konnten,  erschienen  —  wie
während  der  Revolution  des  Jahres  1905  —  Wanderredner  (Studenten,
Juristen,  Mitglieder  der  Arbeiterräte).  Sie  machten  den  Arbeiter,
        <pb n="58" />
        54

Die  südrussisohe  Eisenindustrie  während  der  Revolution.

der  sich  selbst  wegen  seiner  Unbildung  durch  keine  aufklärende
Zeitung  unterrichten  und  sich  kein  Urteil  über  das  Gehörte  bilden
konnte,  mit  dem  bekannt,  was  den  Zwecken  und  Zielen  der  Petersburger ­
  Arbeiterräte  entsprach.  Ein  Netz  ständiger  Aufklärungsarbeit
und  Befehlsübergabe,  von  den  Arbeiterräten  ausgehend,  wurde  über
das  ganze  Land  gezogen.  Die  Weisungen  kamen  von  dem  Ausschüsse ­
  der  Arbeiter-  und  Soldatenräte,  gingen  durch  die  Bezirksausschüsse ­
  und  die  Arbeiterräte  in  den  Hauptzentren  der  Industrie
an  die  Arbeiterausschüsse  jedes  einzelnen  Unternehmens.  Es  war
die  Parallelorganisation  zu  der  im  Heere  geschaffenen.  Der  Petersburger ­
  Soldatenrat  hatte  sich  durch  seine  Räte  bei  Korps,  Division,
Regiment  und  Kompagnie  die  Befehlsübermittlung  bis  in  den  vordersten ­
  Schützengraben  gesichert.  Die  Beeinflussung  der  großen  Massen
geschah  in  zündender  Rede  wirksamer,  als  das  geschriebene  Wort
es  vermocht  hätte.
Schon  im  Mai  1917  warfen  die  Redner  die  späteren  bolschewistischen ­
  Losungen  in  das  Volk:  „Alles  Land  den  Bauern,  alle
Fabriken  den  Arbeitern!“  Noch  konnten  die  Forderungen  der  Redner
bei  den  Arbeitern  nur  Wünsche  erwecken,  die  später  erst  greifbare
Formen  annehmen  sollten.  Noch  waren  die  Werksleitungen  im  Besitze ­
  der  Werkskassen.  Zahllose  Besprechungen  in  den  Arbeiteraussohüssen
  und  Versammlungen  beschäftigten  sich  mit  der  Frage
der  Bezahlung  der  verlorenen  Arbeitsstunden,  die  den  Teilnehmern
der  Ausschußsitzungen  vergütet  werden  sollten.  Je  nach  der  Standhaftigkeit ­
  der  leitenden  Werksbeamten  wurde  diese  Frage  ver-  &amp;gt;
schieden  gelöst.
Im  Mai  1917  fanden  auf  Einladung  des  Vorsitzenden  der  von
der  Regierung  während  des  Krieges  geschaffenen  Eisen-Verteilungsstelle
  Versammlungen  der  Vertreter  der  Industriellen-  und  der  Ärbeiterausschüsse
  statt,  in  denen  zum  ersten  Male  allgemeine  Mindestlöhne
für  die  verschiedenen  Gattungen  der  Metallarbeiter  festgesetzt  wurden.
Aber  die  Arbeitervertreter  erklärten  sich  mit  den  von  den  Industriellen ­
  angebotenen  Erhöhungen  nicht  einverstanden  und  verließen
den  Versammlungsort.  Auf  den  einzelnen  Hüttenwerken  wurden
dann  nach  und  nach  die  in  Jekaterinoslaw  und  Charkow  abgelehnten
Lohnsätze  von  den  Arbeiterversammlungen  angenommen  und  traten
in  Kraft.
Während  des  Sommers  1917  bemächtigten  sich  die  Arbeiterausschüsse ­
  der  Leitung  der  Konsumvereine,  die  sich  zur  Verpflegung
der  Arbeiter  während  des  Krieges  bedeutend  ausgebaut  hatten.  Allgemeine ­
  Arbeiterversammlungen  erklärten  sich  mit  der  Leitung  des
Einkaufes  durch  die  bisherigen  gemischten  Verwaltungen  unzufrieden
und  beauftragten  die  Arbeiterausschüsse,  die  Leitung  selbst  zu  über-
        <pb n="59" />
        Die  südrussische  Eisenindustrie  während  der  Revolution.  55
nehmen.  Die  von  den  Werken  vorgeschossenen  Gelder  von  zum
Teil  beträchtlicher  Höhe  gingen  in  der  Folge  durch  ungeübte  und
betrügerische  Führung  verloren.
In  den  Betrieben  sanken  Meister  und  Ingenieure  immer  mehr
zu  Statisten  herab.  Wer  sich  irgendwann  —  sei  es  auch  vor  Jahren  —
mißliebig  gemacht  hatte,  mußte  seinen  Wirkungskreis  verlassen.  Auch
„gegenrevolutionäre  Gesinnung“  war  oft  der  Grund  zur'Entlassung
eines  Vorgesetzten  durch  die  Arbeiterversammlung.  Neu  eintretende
Beamte  mußten  sich  die  Genehmigung  des  Arbeiterausschusses  vor
Antritt  ihrer  Tätigkeit  erwirken.  Die  geringfügigsten  Vorkommnisse
innerhalb  der  Betriebe  unterlagen  einer  weitschweifigen  Beurteilung
in  einem  der  Ausschüsse  oder  der  allgemeinen  Arbeiterversammlung.
Der  nachher  unterlegene  Teil  fügte  sich  nicht,  und  eine  höhere
Stelle  mußte  sich  wieder  mit  derselben  Sache  beschäftigen.  Die
neuen  Autoritäten  hatten  weder  das  Ansehen  noch  die  Machtbefugnis,
ihren  Urteilen  Kraft  zu  verleihen.
Mit  der  Herrschaft  der  Bolschewiki  Anfang  November  1917
ging  die  Demokratisierung  der  Werke  weiter.  Ein  Erlaß  Lenins
ordnete  die  Bildung  von  „Überwachungsausschüssen“  auf  Werken
und  Fabriken  an.  Sie  bestanden  nur  aus  Arbeitern,  hatten  die
Prüfung  aller  Betriebsberichte,  aller  Einkäufe  und  Verkäufe,  und
verlangten  und  erhielten  das  Recht  der  Gegenzeichnung  eines  jeden
Briefes,  der  aus  den  Werken  herausging.  Der  Kampf  um  die  Werkskasse ­
  ging  weiter.  Er  hatte  je  nach  der  Persönlichkeit  des  Leitenden
oder  je  nach  den  örtlichen  Verhältnissen  mehr  oder  weniger  Erfolg.
Sache  des  späteren  Geschichtschreibers  wird  es  sein,  den  Werdegang ­
  der  russischen  Revolution  darzulegen.  Dem  Zeitgenossen  zeigt
sich  in  ihr  kein  höherer  Gedanke.  Sie  war  eingestellt  einzig  und
allein  auf  das  Losungswort:  „Gib!“  —  „Gib  das  Land  den  Bauern,
gib  die  Fabriken  den  Arbeitern!“.  Aber  von  neuen  Pflichten,  die
mit  der  Übernahme  der  Rechte  zusammenhingen,  wollte  keiner  etwas
wissen!  Der  Ackerboden  blieb  ungepfiügt  und  in  den  Fabriken
wurde  nicht  gearbeitet.  Der  Akkordlohn  wurde  abgeschafft,  die  Zeitverschwendung ­
  kannte  keine  Grenzen  mehr.  Neue  Werte  wurden
immer  weniger  geschaffen,  aber  neues  Geld  weiter  gedruckt.  Und
weil  es  bald  mehr  Geld  als  Ware  im  nichtarbeitenden  Lande  gab,
sank  die  Kaufkraft  des  Geldes,  und  es  entstand  die  fortschreitende
Teuerung,  deren  Stillstand  nicht  abzusehen  ist,  bevor  das  Wirtschaftsleben ­
  des  Landes  nicht  in  seine  früheren  Bahnen  gelenkt  wird.
Als  zu  Ende  des  Jahres  1917  die  Arbeitsleistung  des  Arbeiters*
in  den  Kohlengruben  von  Monat  zu  Monat  sank,  waren  zuerst  einzelne ­
  Abteilungen  der  Hüttenwerke  und  nachher  ganze  Werke  gezwungen, ­
  ihre  Betriebe  zeitweise  einzustellen.  Auf  Befehl  der  Arbeiter-
        <pb n="60" />
        56

Die  südrussische  Eisenindustrie  während  der  Revolution.

ausschüsse  wurden  indessen  den  Arbeitern  ihre  Löhne  in  vollem
Umfange  weiter  bezahlt.  Fehlten  den  Werken  die  nötigen  Mittel,
so  zahlte  der  Ausschuß  der  Arbeiterräte  des  betreffenden  Bezirkes
aus  Regierungsgeldern.
Es  kam  der  letzte  Abschnitt,  die  Zeit  der  „Nationalisierung“
der  Werke.  Die  Petersburger  Regierung  der  Volksbeauftragten  hatte
die  Arbeiter  aufgefordert,  die  Leitung  der  Werke  nunmehr  selbst
in  die  Hand  zu  nehmen.  Allgemeine  Arbeiterversammlungen  beschlossen ­
  demnach  auf  jedem  Werke  und  in  jeder  Fabrik  die  „Nationalisierung“. ­
  Aber  in  den  meisten  Fällen  fanden  sich  nicht  die  Leute,
den  Beschluß  durohzuführen.  Auf  manchen  Werken  herrschte  der
Überwachungsausschuß  neben  der  früheren  Werksleitung  weher.  Auf
anderen  wurden  Arbeiter  zu  Mitgliedern  des  Aufsichtsrates  ernannt,
ohne  indessen  irgendwelchen  Einfluß  gewinnen  zu  können.  Nur  da,
wo  die  Petersburger  Regierung  besondere  Beauftragte  hinsandte,
wurde  die  Enteignung  durchgeführt.
Das  Abschiedsgeschenk  der  Bolschewiki-Regierung  war  der  „Kollektivvertrag“.
  Nach  monatelangen  Verhandlungen  zwischen  dem
allrussischen  Verbände  der  Metallarbeiter  und  dem  Verbände  der
Industriellen  wurde  er  in  Petersburg  am  16.  März  1918  unter  dem
Drucke  der  Regierung  unterschrieben.  Er  sollte  rückwirkende  Kraft
ab  1.  Februar  1918  haben,  aber  in  Wirklichkeit  erfolgte  wohl  nur
von  wenigen  Unternehmungen  eine  Nachzahlung  für  die  ersten  Monate
des  Jahres  1918,  weil  mittlerweile  infolge  des  geringen  Güterverkehrs
die  Bestände  der  Fertigerzeugnisse  auf  den  Werken  sich  anhäuften
und  die  Werke  —  da  auch  die  Mittel  der  Banken  erschöpft  waren  —
nicht  einmal  die  Möglichkeit  hatten,  ihren  laufenden  Verpflichtungen
nachzukommen.
Der  Kollektivvertrag  bestimmte  Annahme  und  Entlassung  der
Arbeiter  durch  die  Berufsverbände.  Er  teilte  die  Arbeiter  in  verschiedene ­
  Arbeitsgruppen  ein  und  setzte  die  Arbeitslöhne  so  fest,
daß  die  früher  entsprechend  höhere  Bezahlung  des  gelernten  Arbeiters
an  verantwortlicher  Stelle  gegenüber  dem  ungelernten  Arbeiter  nicht
mehr  bestehen  blieb.  Erhielt  früher  der  erste  Walzer  oder  Maschinist
den  vier-  oder  fünffachen  Lohn  eines  Tagelöhners,  so  war  jetzt  der
höchste  Lohn  eines  gelernten  Arbeiters  auf  den  doppelten  Verdienst
des  Tagelöhners  festgelegt.  Große  Gruppen  von  Arbeitern  waren
mit  diesem  Ausgleich  unzufrieden.  Auch  daß  jede  Arbeit  in  einzelnen
Gruppen  gleichartig  behandelt  wurde,  rief  Unzufriedenheit  hervor.
•Die  Anstellung  von  Arbeitern  durch  die  Ältesten-Ausschüsse  führte
bald  zu  einer  Übervölkerung  der  Werke.  Unternehmungen,  die  vor
der  Revolution  80  Beamte  und  2000  Arbeiter  hatten,  wiesen  im
April  1918  einen  Bestand  von  500  Beamten  und  5400  Arbeitern
        <pb n="61" />
        Die  südrussische  Eisenindustrie  während  der  Revolution.

auf.  Dabei  war  die  Versandziffer  des  Werkes  auf  ein  Viertel
früheren  Betrages  gesunken.
Bei  zeitweiliger  Stillegung  eines  Betriebes  oder  Werkes  sollt^
den  Arbeitern  für  die  ersten  12  Arbeitstage  zwei  Drittel  ihres  Arbeitslohnes, ­
  für  die  ganze  spätere  Zeit  der  Stillegung  die  Hälfte  bezahlt
werden.  Verlangte  der  Arbeiter  während  dieser  Zeit  seine  Abrechnung, ­
  so  kamen  ihm  12  Tage  Vorausbezahlung  zu.  Im  Falle  der  endgültigen ­
  Einstellung  eines  Betriebes  oder  Werkes  mußte  die  Werksverwaltung ­
  bei  der  Entlassung  der  Arbeiter  eine  „Unterstützung“
in  Höhe  des  Arbeitslohnes  für  24  Arbeitstage  nach  den  Sätzen  des
Kollektivvertrages  auszahlen.  Außer  dieser  „Unterstützung“  blieb
die  Forderung  der  gesetzlichen  Zahlung  von  14  Tagen  bestehen,  so
daß  die  Arbeiter  beim  Stillstände  vieler  Fabriken  die  Auszahlung
von  38  Arbeitstagen  verlangten.

Da  der  Kollekti  wert  rag  von  den  Industriellen  nur  unter  der
Bedingung  unterschrieben  worden  war,  daß  die  Ärbeitleistung  wieder
einen  guten  Durchschnitt  erreichen,  und  daß  die  Regierung  den  erhöhten ­
  Ausgaben  entsprechende  höhere  Verkaufspreise  für  die  Fertigerzeugnisse ­
  festsetzen  würde,  so  weigerten  sich  nachher  —  da  beide
Vorbedingungen  nicht  erfüllt  wurden  —  die  Industriellen,  den  Vertrag ­
  anzuerkennen  und  die  neuen  Lasten  auf  sich  zu  nehmen.

Nach  dem  Einzuge  der  Truppen  der  Mittelmächte  wurde  die
Lage  der  Industrie  noch  schwieriger.  Das  rollende  Eisenbahnmaterial
hatte  sich  durch  den  Rückzug  der  Bolschewiki  weiter  verringert,
Militärzüge  nahmen  den  Rest  in  Anspruch,  und  die  Kohlenförderung
langte  kaum  für  den  Bedarf  der  Eisenbahnen.  Den  Hüttenwerken
und  Fabriken  konnte  nichts  abgegeben  werden,  und  die  Werke,  die
bisher  den  Betrieb,  wenn  auch  verlangsamt-  und  unter  schweren
geldlichen  Opfern,  aufrecht  erhalten  hatten,  kamen  jetzt  nach  und
nach  zum  Stillstand.  Nach  Wiederaufnahme  des  Eisenbahnbetriebes
und  der  teilweisen  Abfuhr  der  bedeutenden  Bestände  an  Fertigerzeugnissen, ­
  sowie  nach  Wiedereröffnung  der  Banken  gelang  es  dann
den  meisten  Werken,  sich  von  der  Verpflichtung,  während  des  Stillstandes ­
  der  Betriebe  die  Arbeitslöhne  weiter  zu  zahlen,  durch  endgültige ­
  Abrechnung  aller  Arbeiter  zu  befreien.
Wenn  auch  die  Beruhigung  des  Landes  im  Monat  Mai  und
Juni  die  Wiederaufnahme  des  Eisenbahnbetriebes  erlaubte,  konnte
doch  die  Kohlenförderung  nicht  gesteigert  werden.  Es  fehlte  an
Arbeitern,  da  mit  den  abziehenden  Bolschewiki  eine  große  Anzahl
von  Bergleuten  des  Donezgebietes  verschwunden  war,  weil  sie,  aus
Nordrußland  stammend,  die  Ungewißheit  der  Okkupation  im  fremden
Lande  nicht  ertragen  wollten.  Noch  im  November  1917  waren
        <pb n="62" />
        58

Die  siidrussisohe  Eisenindustrie  während  der  Revolution.

280000  Arbeiter  in  den  Kohlengruben  des  Donezgebietes  beschäftigt
gewesen,  im  Sommer  1918  waren  es  nur  nocli  115000  Mann.
Die  Preise  für  Eisen  und  Eisenfabrikate  stiegen  im  Frühjahr  1918
von  Monat  zu  Monat  und  erreichten  im  Sommer  den  fünfzehn-  bis
zwanzigfachen  Preis  der  Friedenszeit.  Die  Hüttenwerke  beabsichtigten, ­
  einzelne  Abteilungen  wieder  in  Betrieb  zu  nehmen,  um  die
noch  zu  verhältnismäßig  niedrigen  Gestehungskosten  lagernden  Halbfabrikate ­
  in  marktfähige,  hochbezahlte  Ware  zu  verarbeiten  und
mit  einer  Mindestmenge  an  Kohle  eine  Höchstmenge  von  Fertigerzeugnissen ­
  herzustellen.  Hierdurch  hofften  sie,  die  finanziellen
Mittel  für  eine  erweiterte  Tätigkeit  sich  zu  verschaffen,  soweit  und
sobald  die  Kohlenlieferungen  und  der  Bedarf  an  Eisen  im  Lande
es  erlaubten.
In  den  Monaten  Juli  bis  Oktober  hatten  so  die  Werke:  Dnjeprovienne,
  Briansk,  Südrussische  Rohrwalzwerke,  Donez-Juriewka,
Makiewka  und  Taganrog  je  einige  Martinöfen  und  einzelne  Walzenstraßen ­
  in  Betrieb  genommen,  während  Enakiewo  und  Jusowka  zugleich ­
  je  einen  Hochofen  anbliesen.  Kramatorskaja,  das  als  einziges
Werk  einen  Hochofen  durch  alle  Wirren  der  Revolutionszeit  hindurch
in  Feuer  gehalten  hatte,  war  Anfang  Oktober  infolge  Materialmangels ­
  gezwungen,  seinen  Hochofen  stillzulegen.  Bis  zum  November ­
  1918  bestand  das  Eisenverkaufs-Syndikat  „Prodameta“,  das
folgende  Preise  innehielt:
Stabeisen  zum  Grundpreise  von  19,50  Rubel  das  Pud  plus
2,4  mal  die  Zuschläge  für  Qualität,  Profil  und  Länge,  die  im  Dezember
1917  üblich  waren,  d.  h.  ungefähr  3  bis  4  Rubel  das  Pud,  insgesamt
also  22,60  bis  23,50  das  Pud.
Grobbleche  und  Universaleisen  zum  Grundpreise  von  22,40
Rubel  das  Pud  plus  2,5  mal  die  Zuschläge  vom  Dezember  1917,
d.  h.  ungefähr  5—-6  Rubel,  insgesamt  also  27,40  bis  28,40  Rubel
das  Pud.
Im  freien  Handel  wurden  verkauft  ab  Werk;
Dachbleche,  schwarze,  711  mal  1422  mm.  0,4  mm  dick,  das
Blech  =  10  russ.  Pfund  zum  Preise  von  37  bis  45  Rubel  das  Pud.
Dachbleche,  verzinkte,  Dimensionen  und  Gewicht  wie  bei
den  schwarzen  Blechen  zum  Preise  von  58  bis  70  Rubel  das  Pud  *).
b  Nach  dem  damaligen  Rubelkurse  von  1,17  Mark  =  1  Rubel  betrugen
die  Preise  Ende  1918:
Stabeisen  die  Tonne  1600  bis  1670  Mark,
Grobbleche  und  Universaleisen  die  Tonne  ,1950  »  2025  »
Feinbleche  0,4  mm,  die  als  Dachbleche  in

Rußland  verwandt  werden,

2640  »  8200  „
4200  »  5000  „

schwarz  die  Tonne
verzinkt  »  n
        <pb n="63" />
        Die  südrussisohe  Eisenindustrie  während  der  Revolution.

59

Im  Oktober  hatten  sich  die  Verhältnisse  schon  soweit  gebessert,
daß  die  Herstellung  von  Walzerzeugnissen,  die  im  Juni  nur  376000  Pud
betragen  hatte,  sich  für  Oktober  auf  1564000  Pud  belief.  Aber
fortwährende  Forderungen  der  Arbeiter  und  Kohlenmangel  erlaubten
den  Werken  nicht,  weitere  Abteilungen  in  Betrieb  zu  setzen,  und
die  politischen  Unruhen,  sowie  das  völlige  Versagen  der  Eisenbahnen ­
  im  Monat  November  führten  den  Stillstand  einer  Reihe
von  Werken  herbei.
Ein  klares  Bild  des  Niederganges  der  südrussischen  Eisenindustrie ­
  geben  die  nachfolgenden  Zahlen  der  Förderung  an  Weichkohle ­
  und  Anthrazit  sowie  der  Erzeugung  an  Koks  und  Roheisen
in  den  Jahren  1917  und  1918.

1917

Weichkohle ­


Anthrazit  Koks
1
In  Millionen  Pud

Roheisen

Januar

121,8
111,1

34,2

21,1

13,0

Februar  ......

32,3

16,3

9,6

März

120,1

34,3

18,1

10,0

April

94,9

25,1

19,1

12,4

Mai

101,9

31,4

21,3

13,0

Juni

100.2

31,2

20.1

11,5

Juli

91.3

28,8

-  19,1

11,4

August

87,6

27,6

18,5

11,5

September

86,7

30,0

17,3

11,1

Oktober

92,0

32,5

16,3

9,8

November

88,7

28,5

15,1

.  6,8

Dezember

59,1

19,1

10,7

5,3

1918
Januar

61,8

19,0

9,6

4,3

Februar

28,8

8.4

4,3

2,6

März

51,5

14,0

8,2

3.4

April

34,4

12,3

5,9

2,1

Mai

20,0

7,2

2,4

0,6

Juni

25,1

6,6

2,0

0,7

Juli

29,7

6,4

2,4

0,6

August

33,7

7,1

1,3

0.6

September

33,0

6,5

1.6

0,3

Oktober

33,0

7,0

9

0,6

Selbst  Lenin  hatte  schon  im  Sommer  1918  eingesehen,  daß  die
Abschaffung  der  Akkordarbeit  eine  Torheit  war,  und  daß  an  der
Spitze  industrieller  Unternehmungen  Leute  stehen  müssen,  deren
Vorbildung  ihrem  Dienste  entspricht.  Sein  Erlaß  vom  Sommer
dieses  Jahres,  in  dem  er  zur  Akkordarbeit  zurückruft  und  die  Anstellung ­
  der  früheren  Leiter  der  Staatsverwaltung  und  der  Industrie
anordnet,  damit  „der  Volkswirtschaft  nicht  weiter  Milliarden  verloren ­
  gehen“,  ist  bezeichnend  für  die  Größe  der  Unordnung,  die  die
bolschewistischen  Ideen  in  der  Welt  der  Arbeit  angerichtet  hatten.
        <pb n="64" />
        Die  Zukunft  der  südrnssischen  Eisenindustrie.

Wenn  auch  ein  Teil  der  Arbeiter  eingesehen  haben  mag,  daß
die  Auflösung  aller  Bande  der  Ordnung  letzten  Endes  auch  das
Leben  des  Arbeiters  unerträglieh  macht,  so  gilt  die  Herrschaft  des
Bolschewismus  doch  in  weiten  Kreisen  der  russischen  Arbeiter  als
♦
die  für  sie  vorteilhafteste  Lösung  der  sozialen  Frage.  Als  nach
einem  Stillstände  von  6  Monaten  Ende  Oktober  1918  die  südrussischen ­
  Röhrenwalzwerke  in  Jekaterinoslaw  zur  Wiederaufnahme
der  Arbeit  ,  schritten,  erklärten  nach  längeren  Verhandlungen  die
Arbeitervertreter  sich  mit  den  angebotenen  Arbeitsbedingungen  einverstanden, ­
  fügten  aber  hinzu,  daß  sie  die  erste  Gelegenheit  benutzen ­
  würden,  diese  „erniedrigenden  und  den  Arbeiter  ausbeutenden“
Bedingungen  durch  einen  allgemeinen  Streik  zu  verbessern.  Tatsächlich ­
  hat  denn  auch  die  Arbeit  unter  mehreren  Teilstreiks  nicht
viel  länger  als  einen  Monat  gedauert.
Erst  wenn  die  gesetzliche  Grundlage  für  eine  gleichmäßige  Verteilung ­
  der  Rechte  und  Pflichten  zwischen  dem  Unternehmer  und
dem  Arbeiter  geschaffen  ist,  kann  eine  Wiederkehr  gesunder  Verhältnisse ­
  erwartet  werden.  Aber  um  diese  Scheidung  zwischen  den
berechtigten  Ansprüchen  und  den  das  wirtschaftliche  Leben  des
Landes  tötenden  Forderungen  der  Arbeiter  vorzunehmen,  muß  die
Staatsordnung  wieder  hergestellt  werden,  und  eine  starke  Regierung
sich  auf  breiten  Kreisen  des  Volkes  und  der  Intelligenz  aufgebaut
haben.  Erst  dann  kann  wieder  da  begonnen  werden,  wo  die  ukrainische ­
  Regierung  des  Hetman  Skoropadski  Ende  Mai  1918  begonnen
hatte.  Es  war  damals  ein  Arbeitsausschuß  errichtet  worden,  der
aus  je  8  Vertretern  der  ministeriellen  Behörden,  der  Unternehmerverbände ­
  und  der  Arbeiter-Berufsverbände  bestand.  Er  war  monatelang ­
  vorbereitet  worden  und  hat  monatelang  getagt,  aber  eine
Einigung  konnte  zwischen  den  beiden  Gruppen  in  keinem  Punkte
erzielt  werden.  Es  handelte  sich  vor  allem  um:
1.  Zulassung  von  Ausnahmen  zu  dem  Gesetz  über  den  Achtstundentag; ­
        <pb n="65" />
        Die  Zukunft  der  südrussischen  Eisenindustrie.

61

2.  Befugnisse  der  Werksausschüsse;
3.  Befugnisse  der  Arbeiter-Berufs  verbände;
4.  Einsetzung  von  Schlichtungskammern;
5.  Errichtung  von  Arbeitsinspektionen  und  Arbeitskammern
unter  dem  Arbeitsministerium.
Eine  weitere  unerläßliche  Vorbedingung  für  ein  Wiederaufleben
der  Industrie  ist  die  Gesundung  des  Transportwesens.  Schon  in
den  letzten  Jahren  der  Priedenszeit  betrug  der  jährliche  Bedarf  an
Eisenbahnwaggons  60000  Waggons,  während  die  russischen  Fabriken
insgesamt  nicht  mehr  als  40000  Waggons  hersteilen  konnten.  Man
war  damals  schon  dazu  übergegangen,  Waggons  von  großer  Tragfähigkeit ­
  aus  Amerika  zu  beziehen.  Während  des  Krieges  haben
derartige  Lieferungen  aus  Amerika  angedauert.  Seit  der  Revolution
ist  der  Zufluß  aus  dem  Auslande  versiegt,  die  Produktion  im  Inlande ­
  allmählich  auf  Null  herabgesunken,  der  Verschleiß  aber  —
besonders  infolge  Fehlens  von  Schmiermaterial  —  ins  Ungemessene
gestiegen.  Schon  im  September  wurde  der  Bestand  an  nichtbetriebsfähigen ­
  Lokomotiven  und  Waggons  auf  über  50  °/ 0  angegeben.  Seitdem ­
  ist  die  Charkower  Lokomotivfabrik,  die  einzige,  die  bisher  noch
gearbeitet  hatte,  infolge  Arbeiterstreik  zum  Stillstand  gekommen.
Die  Reparaturwerkstätten  der  Eisenbahn  haben,  nachdem  sie  im
Sommer  monatelang  nur  noch  25  °/ 0  der  früheren  Reparaturenanzahl
fertiggebracht  hatten,  Mitte  August  durch  den  allgemeinen  Eisenbahnerstreik ­
  ihre  Tore  geschlossen.  Sie  begannen  erst  Mitte  Oktober
in  beschränktem  Umfange  ihre  Tätigkeit.
Wenn  man  die  Vorbedingungen  für  ein  Wiederaufleben  der
Eisenindustrie  —  Errichtung  einer  Staatsgewalt,  Regelung  der  Arbeitergesetzgebung ­
  und  Gesundung  des  Transportwesens  ■—  berücksichtigt, ­
  so  kann  man  wohl  sagen,  daß  selbst  unter  günstigen  Umständen ­
  vor  Ablauf  von  2—3  Jahren  die  Wiederaufnahme  der  Arbeit
der  Eisenindustrie  in  einem  Umfange  von  der  Hälfte  der  früheren
Produktion  nicht  möglich  erscheint.
Die  südrussische  Eisenindustrie  war  begründet  auf  den  Eisenerzvorkommen ­
  von  Krivoi  Rog  und  von  Kertsch  und  dem  Kohlenvorkommen ­
  des  Donezgebietes.
Das  Eisenerzvorkommen  von  Krivoi  Rog  an  der  Grenze
der  Gouvernements  Jekaterinoslaw  und  Cherson  gelegen,  ist  bisher
auf  seine  Mächtigkeit  noch  nicht  in  großzügiger  Weise  erforscht
worden.  In  den  Jahren  1911  und  1912  wurde  von  der  Regierung
eine  Kommission  unter  dem  Vorsitze  des  Chefs  der  Bergverwaltung
des  Südbezirkes  ernannt,  die  den  Gesamtvorrat  auf  1  2  Milliarden
Pud 1 )  annahm.  Aber  es  kam  damals  die  Vermutung  auf,  daß  diese
J )  Ungefähr  200000000  t.
        <pb n="66" />
        62

Die  Zukunft  der  südrussischen  Eisenindustrie.

Kommission  in  tendenziöser  Weise  die  Vorräte  geringer  schätzte,
als  es  der  Wirklichkeit  entsprach,  weil  eine  starke  Strömung  unter
den  Industriellen-  und  Regierungskreisen  dafür  eintrat,  die  Ausfuhr
der  Krivoi  Roger  Erze  in  das  Ausland  zu  verbieten  und  die  reichen
Erze  ohne  die  ausländische  Konkurrenz  für  die  russische  Industrie
zur  Verfügung  zu  haben.  Dies  hoffte  man  dadurch  zu  erreichen,
daß  man  den  Vorrat  als  sehr  gering  angab.  Ob  das  nun  zutrifft
oder  nicht,  läßt  sich  nicht  beurteilen.  In  der  Tat  ist  das  Erzvorkommen ­
  derart  launenhaft  —  in  den  Erzlagen  befinden  sich  vielfach
eisenarme  Quarzitnester  und  in  den  Quarzitlagen  sind  manchmal
große  Teile  an  Eisen  angereichert  —,  daß  sieh  der  Vorrat  auch
nicht  annähernd  bestimmen  läßt,  ohne  in  größtem  Maßstabe  das
ganze  Gebiet  durch  Schürfungen  zu  erforschen.  Bei  der  großen
Härte  des  zu  durchbohrenden  Gesteines  würden  die  Kosten  sehr
große  sein.  Schon  vor  dem  Kriege  berechnete  man  jeden  Meter
Bohrung  zu  125  Rubel.  Es  war  damals  eine  Gesellschaft  mit  großem
Kapital  unter  französischer  Führung  in  der  Bildung  begriffen,  die
die  Erforschung  des  ganzen  Gebietes  durchführen  und  die  gemuteten
Flächen  zur  Ausbeutung  vergeben  sollte,  aber  die  geplante  Gesellschaft ­
  kam  infolge  des  Kriegsausbruches  nicht  mehr  zustande.
Sachverständige  Bergleute  des  Krivoi  Roger  Bezirkes  schätzen
bei  Einbeziehung  aller  Flächen,  die  zwischen  den  jetzt  in  Ausbeutung
befindlichen  Gruben  liegen,  und  unter  der  Annahme,  daß  die  Erzflöze ­
  bis  zu  einer  Tiefe  von  300  m  hinuntergehen,  das  ganze  Vorkommen ­
  auf  ungefähr  30  Milliarden  Pud 1 ).
Die  Erze  von  Krivoi  Rog  sind  reine,  reiche  Hämatiterze.  Ihre
Zusammensetzung  ist  folgende;
Fe  Mn  P  Si0 2
56—67%  0,1%  0,04—0,08%  2—13  %
Erze  mit  einem  Eisengehalte  niedriger  als  55%  fanden  wegen
ihres  hohen  Kieselerdegehaltes  nur  in  beschränktem  Maße  und  nur
in  Zeiten  großer  Nachfrage  ihre  Käufer;  sie  wurden  sonst  auf  die
Halden  gestürzt.  Diese  Quarzite  enthalten  40—55  %  Eisen  und
15—35  %  SiO„.  Magnetische  Anreicherungsversuche  der  Quarzite
haben  bisher  keine  Ergebnisse  gehabt.
Die  ertragreichsten  Gruben  liegen  im  Gebiete  des  „Saxagan“
und  werden  zum  großen  Teile  noch  im  Tagbau  betrieben.  Sie  erreichen ­
  eine  Tiefe  bis  140  m,  Schrägaufzüge  schaffen  Gestein  und
Erz  an  die  Oberfläche.  Sobald  das  Verhältnis  von  Gestein  zu  Erz
mehr  wie  2;  1  beträgt,  wird  der  Tagesbau  unlohnend,  und  man

')  Ungsfähr  600000000  t.
        <pb n="67" />
        Die  Zukunft  der  südrussisohen  Eisenindustrie.

153

geht  zur  Schaohtanlage  über.  Die  tiefste  Schachtanlage  des  Gebietes
ist  die  der  Gesellschaft  „Dubowaja  Balka“,  sie  erreicht  280  m  Tiefe.
Die  Erze  werden  an  der  Erdoberfläche  auf  zum  größten  Teile
sehr  primitiven  Brücken  abgestürzt  und  von  Hand  in  die  Waggons
geladen.  Bunker  oder  moderne  Hilfsmittel  zur  Beladung  sind  fast
nicht  vorhanden.
Legt  man  die  Förderung  des  Krivoi  Roger  Bezirkes  im  letzten
Friedensjahre  der  Berechnung  der  zukünftigen  Erzversorgung  Südrußlands ­
  zugrunde,  so  würde  selbst  ohne  weitere  Steigerung  der
Erzförderung  das  Vorkommen  in  der  sehr  kurzen  Zeit  von  30  Jahren
erschöpft  sein,  wenn  die  Schätzung  der  Regierungskommission  der
Wirklichkeit  entsprechen  sollte.  Die  Versorgung  wäre  hingegen  auf
75  Jahre  gesichert,  wenn  die  Abschätzung  der  Krivoi  Roger  Bergingenieure ­
  sich  bewahrheitet.
Im  Jahre  1913  wurden  390000000  Pud  Erze  gefördert,  von
denen  28400000  Pud  zur  Ausfuhr  gelangten.  Die  Erzförderung
entsprach  damals  und  auch  während  des  Krieges  nicht  den  Anforderungen ­
  der  russischen  Industrie.  Die  Anzahl  der  südrussischen
Hochöfen  und  die  Möglichkeit,  die  Roheisenerzeugung  mit  der  bestehenden ­
  Anzahl  an  Hochöfen  noch  zu  steigern,  läßt  demnach  bei
Wiederaufleben  der  russischen  Industrie  eine  weitere  Steigerung  der
Förderung  notwendig  erscheinen.
Es  würde  im  Staatsinteresse  liegen,  durch  umfangreiche  Erforschungsarbeiten ­
  den  Erzvorrat  des  Krivoi  Roger  Gebietes  kennen
zu  lernen,  damit  zur  rechten  Zeit  neue  Richtlinien  für  die  Industrie
aufgestellt  werden  können.
Das  an  zweiter  Stelle  genannte  Erzvorkommen  bei  Kertsch
ist  auf  dem  östlichen  Teile  der  Halbinsel  Krim  bei  der  Stadt  Kertsch
gelegen.  Es  sind  Ablagerungen  feinkörnigen  Brauneisenerzes,  gelb
mit  geringem  Mn-Gehalt,  braun  mit  höherem  Mn-Gehalte.  Das  Erz
enthält  15—20°/ 0  Feuchtigkeit  und  hat  in  bei  100°  C  getrocknetem
Zustande  folgende  Zusammensetzung:

Glühverlust

Fe

Mn  ,  P

SiO,

gelb

15--18°/

 0

40-—42°/o



l-2°/o  l°/o

12—14%

~  braun

15—

-18°/ 0

35-37

  °/ 0

5-770  l7o

13—157,

Langjährige  und  kostspielige  Versuche  auf  den  Hüttenwerken
zu  Taganrog,  Mariupol  und  Kertsch  haben  erwiesen,  daß  die  Verhüttung ­
  dieser  Erze  —  auch  in  brikettiertem  oder  geröstetem  Zustande ­
  —  ohne  Zusatz  reicher  Erze  wirtschaftlich  nicht  lohnend  war.
Die  staubige  Beschaffenheit  der  Erze,  der  notwendige  hohe  Kalksteinzuschlag, ­
  das  hieraus  erfolgende  geringe  Ausbringen  aus  dem
Möller  und  der  hohe  Koksverbrauch  machten  es  notwendig,  dem
        <pb n="68" />
        04

Die  Zukunft  der  südrussisohen  Eisenindustrie.

Möller  25—30  °/ 0  Krivoi  Roger  Erze  von  hohem  Fe-Gehalte  und
niedrigem  Gehalte  an  SiO a  zuzusetzen.  Erschwerend  für  die  Verwendung ­
  der  Kertscher  Erze  kommt  hinzu,  daß  sie  als  sehr  unerwünschte ­
  Beigabe  einen  Ärsengehalt  von  0,04—0,05  °/ 0  haben,  so
daß  ein  Roheisen,  das  ausschließlich  aus  Kertscher  Erzen  erblasen
sein  würde,  einen  Arsengehalt  von  ungefähr  0,15  °/ 0  haben  und  deshalb ­
  für  die  meisten  Zwecke  der  Eisenweiterverarbeitung  nicht  tauglich ­
  sein  würde.
Die  Erzablagerungen  auf  dem  östlichen  Teile  der  Krim  sind
zahlreich  verstreut.  An  den  Abhängen  der  Ufer  des  Schwarzen  und
Asdwschen  Meeres  sowie  beim  Durchqueren  der  Halbinsel  mit  der
Eisenbahn  sieht  man  an  den  Böschungen  der  Eisenbahneinschnitte
die  Erzbänke  hervorkommen.  Auf  über  30  Milliarden  Pud 1 )
wurde  das  Vorkommen  geschätzt,  das  bisher  nur  in  3  Grubenbetrieben ­
  abgebaut  wurde  und  im  letzten  Friedensjahre  eine  Förderung ­
  von  nur  29000000  Pud  erreichte.
Der  Abbau  erfolgt  im  Tagbau  und  ist  äußerst  einfach.  Nach
Abtragen  einer  Erdschicht  von  0,5—4  m  Mächtigkeit  mittels  Trockenbaggers ­
  hat  man  eine  Erzbank  von  4—20  m  Höhe  zum  Abbau  vor
sich,  die  meist  inl  oberen  Teile  aus  braunem  Erze,  im  unteren  Teile
aus  gelbem  Erze  besteht,  und  entweder  von  Hand  oder  mittels
Löffel-  oder  Eimer-Bagger  aufgeladen  wird.  Die  Kosten  der  Förderung ­
  sind  sehr  gering.  Die  Erze  kosteten  —  den  Pachtpreis
von  1 / 1  Kopeke  das  Pud  einbegriffen  —  nur  3 / 4  —  1 1 / 4  Kopeken  das
Pud 2 )  frei  Dampfer.
Man  wird  in  Zukunft  mehr  sein  Augenmerk  auf  das  Kertscher
Erzvorkommen  richten  müssen,  weil  die  Krivoi  Roger  Erze  infolge
der  zur  Ausbeute  in  größerer  Tiefe  notwendigen  Menschenkraft
steigende  Förderkosten  haben  werden,  während  die  Kertscher  Erze
ihre  niedrigen  Gestehungskosten  beibehalten  können;  bestand  doch
das  ganze  Personal  einer  der  Gruben  des  Kertscher  Gebietes  aus
10.  Mann,  die  2  Trockenbagger  bedienten.  Die  Fortschritte  der
Ägglomerierungstechnik  werden  in  der  Zukunft  dazu  verhelfen,  den
großen  Reichtum  des  Landes  nutzbar  zu  machen.  Das  Erz  enthält
außer  15—20  °/ 0  Wasser  noch  ebensoviel  Kohlensäure  und  andere
durch  Glühen  verschwindende  Substanzen,  die  also  zusammen  ein
Drittel  des  Gewichtes  ausmachen,  dessen  Transport  durch  Glühen
der  Erze  vermieden  würde.  Aus  dem  feinkörnigen  und  staubigen,
schwer  verhüttbaren  Erze  wird  die  Agglomerierung  ein  stückiges,
trockenes  Hoohofenmaterial  hersteilen,  dessen  Verwendung  im  Hochofen ­
  indessen  immer  noch  durch  den  Arsengehalt  bis  zu  einer  be-!)

  Ungefähr  500000000  t.  -
2 )  Nach  dem  Rubelkurse  vor  dem  Kriege  0,98—1,65  Mk.  pro  t.
        <pb n="69" />
        Die  Zukunft  der  südrussischen  Eisenindustrie.

(55

stimmten  Grenze  beschränkt  bleiben  wird.  Die  langjährigen  Erfahrungen ­
  in  der  Verhüttung  der  Kertscher  Erze  haben  gezeigt,  daß
ein  Roheisen  mit  0,1  °/ 0  Arsen,  hergestellt  aus  7  5  °/ 0  Kertscher  Erz  und
25  °/ 0  Krivoi  Roger  Erz,  sich  zur  Herstellung  von  Thomasstahl  für  Schienen, ­
  Träger  und  Feinblechen  eignet,  während  das  hieraus  gewalzte  Stabeisen ­
  wegen  der  geringeren  Schweißbarkeit  vielfach  beanstandet  wurde.
Außer  diesen  beiden  großen  südrussischen  Erzvorkommen  findet
man  in  der  älteren  Literatur  häufig  die  Erze  des  Donezbeckens
und  die  Erze  von  Korsak-Mogila  genannt.
Die  Erze  des  Donezbeckens  sind  Brauneisensteine,  in  seltenen
Nestern  in  geringen  Mengen  vorkommend  und  nur  abbauwürdig,
falls  die  Nester  sich  in  der  Nähe  der  Hochofenwerke  oder  der  Bahn
befinden.  Ihre  Förderung  war  nie  bedeutend  gewesen,  sie  wurde
seit  1910  vollständig  eingestellt,  weil  die  in  der  Nähe  der  Hochofenwerke ­
  liegenden  Erze  allmählich  abgebaut  waren,  und  weil  die
Anfuhr  auf  weite  Entfernungen  sich  nicht  lohnte.
Das  Vorkommen  von  Korsak-Mogila  liegt  unweit  Berdjansk  am
Asowschen  Meere.  Die  großen  Hoffnungen,  die  die  Societe  Russo-Belge
  in  Enakiewo  an  die  Erschließung  dieses  Vorkommens  geknüpft
hatte,  haben  sich  nicht  verwirklicht.  Sie  hat  nach  langen  kostspieligen ­
  Versuchen,  die  in  großer  Tiefe  vorkommenden  quarzhaltigen ­
  Roteisensteine  zu  gewinnen,  das  Unternehmen  emsteilen  müssen.
Infolge  der  Erzknappheit  ist  dann  von  1913  ab  und  während  des
Krieges  die  Förderung  in  geringem  Maße  wieder  aufgenommen  worden. ­
  Sie  konnte  aber  nicht  mehr  als  600000  Pud  erreichen.
Außer  den  Eisenerzfeldern  besitzt  Südrußland  noch  ein  wichtiges ­
  Manganerzvorkommen.
Vor  dem  Kriege  wurden  in  Rußland  3  Manganerzgebiete  ausgebeutet: ­

1.  das  kaukasische  Vorkommen  bei  Tsohiaturi  im  Kaukasus;
2.  das  südrussisohe  bei  Nikopol  am  Dnjepr;
3.  das  Vorkommen  im  Ural.
Von  diesen  3  Manganerzgebieten  hat  das  kaukasische  die
größte  Bedeutung.  Es  liegt  bei  Tschiaturi  im  Gouvernement  Kutais
und  besteht  aus  einem  geschlossenen,  allenthalben  Manganerz  führenden ­
  Gebiete  von  57  qkm.  Eine  Schmalspurbahn  verbindet  Tschiaturi ­
  mit  Scharopan,  einer  Station  der  Bahn  Batum-Poti-Tiflis.
Verwickelte  Grundeigentümeransprüche  hatten  dort  eine  Menge
zersplitterter  Kleinbetriebe  entstehen  lassen,  die  mit  den  rückständigsten ­
  Mitteln  die  Ausbeutung  betrieben  und  das  Erz  noch  mit
Ochsengespann  zur  Ladesammelstelle  brachten,  wo  der  Armenier
oder  Grieche  als  Zwischenhändler  die  Ware  aufkaufte.  Erst  in  den
letzten  Jahren  vor  dem  Kriege  war  es  gelungen,  umfassendere  An-Klein,
  Die  südrussische  Eisenindustrie.  5
        <pb n="70" />
        66

Die  Zukunft  der  südrussisohen  Eisenindustrie.

lagen  mit  Bahnbetrieb  zu  schaffen,  unter  denen  auch  einige  deutsche
Unternehmungen  waren.  Im  Jahre  1907  hatte  man  noch  395  in
Tätigkeit  befindliche  Grubenbetriebe  gezählt,  deren  Zahl  aber  im
Jahre  1912  auf  206  zusammengeschmolzen  war.
Der  durch  Schürfungen  festgestellte  Erzvorrat  soll  ungefähr
2  Milliarden  Pud 1 )  betragen.  Das  zum  Versand  gelangende  Erz
hat  im  Durchschnitt  50°/ 0  Mangan,  6—8  °/ 0  Kieselsäure  bei  0,05  bis
0,17°/ 0  Phosphor.
An  zweiter  Stelle  steht  das  Manganerzvorkommen  bei  Nikopol
  am  Dnjepr  im  Gouvernement  Jekaterinoslaw.  Das  Manganerzfeld ­
  erstreckt  sich  auf  8000  ha,  von  denen  im  Jahre  1912  nur
30  ha  im  Tagesbau  erschlossen  waren  und  14  ha  unter  Tage  in  einer
Tiefe  bis  zu  30  m  ausgebeutet  wurden.  In  der  Art  des  Auftretens
ähnelt  das  Erzlager  von  Nikopol  dem  von  Tschiaturi.  Die  Mächtigkeit
der  Flöze  schwankt  zwischen  0,3  und  3,8  m  und  beträgt  durchschnittlich ­
  1.5  m.  Die  Förderung  wurde  in  4  größeren  Gruben  betrieben,
von  denen  3  Aktiengesellschaften  gehören.  Eine  der  bedeutendsten
Gruben  ist  die  der  südrassischen  Hüttengesellschaft  „Dnjeprovienne“.
Der  durch  Schürfungen  festgestellte  Erzvorrat  wurde  auf
700  000  000  Pud 2 )  geschätzt.
Das  dritte  Vorkommen  ist  im  Ural.  Es  ist  unbedeutend  und
war  an  der  gesamten  Manganerzausbeute  Rußlands  nur  mit  ungefähr ­
  1 /-2°/o  beteiligt.
Die  Manganerzgewinnung  Rußlands  verteilte  sich  auf  die  3  oben
genannten  Bezirke  in  den  Jahren  1900—1915  wie  folgt:

Im  Jahre

Kaukasus

Südrußland

Ural

Gesamtförderu  n  g

In  Tausend  Pud

1900

40288

5407

174

45869

1901

22788

4243

215

27246

1902

25925

3503

375

29803

1903

22974

2091

197

25262

1904

20256

3693

220

24169

1905

20876

9235

272

30383

1906

50169

9584

294

60047

1907

40832

16444

410

57686

1908

6955

11015

310

18280

1909-36506



4051

10

40567

1910

33805

10870

56

44731

1911

28635

12339

150

41124

1912

35299

14559

195

50053

1913

59188

16188

1189

76565

1914

40446

14600

220

55266

1915

15  737

16854

200

32791

*)  Ungefähr  SB  000  000  t.
2 )  Ungefähr  11000000  t.
        <pb n="71" />
        Die  Zukunft  der  südrussisohen  Eisenindustrie.

67

Während  das  südrussische  Erz  in  der  Hauptsache  von  der  südrussischen ­
  Eisenindustrie  verhüttet  wurde,  gelangte  das  kaukasische
Erz  in  Poti  und  zum  Teil  in  Batum  zum  Versand,  hauptsächlich
für  das  Ausland.
Von  den  ins  Ausland  versandten  südrussischen  Erzen  gingen
40°/ 0  nach  dem  Hafen  von  Nikolajew  (am  Ausflüsse  des  Bug  ins
Schwarze  Meer  gelegen)  zur  Schiffs  Verladung  und  60°/ 0  über  die
westliche  Landesgrenze  nach  Schlesien.  Die  kaukasischen  Erze  wurden
zu  78  °/ 0  in  Poti,  zu  22  %  in  Batum  verladen.
Hauptabnehmer  der  russischen  Erze  war  Deutschland,  das  im
Jahre  1913  29000000  Pud 1 )  bezog;  dann  folgte  Großbritannien  mit
16  900000  Pud,  weiter  Belgien  mit  12  300000  Pud  und  dann  Frankreich ­
  und  Österreich-Ungarn  mit  geringeren  Mengen.
Das  Kohlenvorkommen  des  Donez-Gebietes  ist  das  mächtigste ­
  der  4  Kohlengebiete  des  europäischen  Rußlands.  Die  Förderung ­
  betrug:
1912  1913
In  Millionen  Pud

Donezgebiet  .  .  .
Dombro  wagebiet  .
üralgebiet  .  .  .  .
Moskauer  Gebiet
Zusammen:

1305  =  73,8  °/ 0
394  =  22,3  %
57=  3,2  °/ 0
13=  0,7  °/ n
1769  =  100,0°  l 0

1544  =  74,9  %
416=  20,6%
73=  3,6%
18  =  0,9  %
2061  =  100,0  % *  2 ).

Das  polnische  Gebiet  hat  schon  im  Frieden  fast  nur  die
Bedürfnisse  des  Zartums  Polens  decken  können.  Seine  Förderung
scheidet  aus,  und  Rußland  bleibt  zu  94,4  %  auf  das  südrussische  Kohlengebiet ­
  angewiesen.  Das  Uralgebiet  ist  unbedeutend  und  kommt
nur  für  das  engere  Gebiet  des  Urals  in  Frage.  Das  Moskauer  Gebiet ­
  liefert  nur  Braunkohlen  von  nicht  hervorragender  Qualität.
Von  beiden  Bezirken  —  Ural  und  Moskau  —  ist  für  die  Zukunftsversorgung ­
  Rußlands  nichts  zu  erwarten.
Der  Krieg  hatte  in  Rußland  eine  große  Kohlenknappheit  gebracht. ­
  Die  gesamte  englische  Kohleneinfuhr  —  300  bis  500  Millionen
Pud  jährlich  —  war  mit  Kriegsausbruch  Infolge  der  Schließung  der
Ostsee  weggefallen.  Der  Russe  griff  in  seiner  Not  zu  dem  einzigen
Brennstoff,  an  dem  er  scheinbar  Überfluß  hatte,  zum  Holz.  Eine
sprunghafte  Steigerung  des  Holzverbrauches,  der  vor  dem  Kriege
bis  30%  der  Brennstoffversorgung  Rußlands  betragen  hatte,  trat
ein  und  erreichte  im  Jahre  1916  51%.  Selbst  die  großen  Waldbestände ­
  Nordwest-  und  Westrußlands  würden  hierdurch  auf  die

J )  Ungefähr  475000  t.
2 )  Ungefähr  34  Millionen  Tonnen.
5*
        <pb n="72" />
        68

Die  Zukunft  der  südrnssisohen  Eisenindustrie.

Dauer  gefährdet  werden.  Im  Jahre  1916  verteilte  sich  die  Brenn  -
stofiversorgung  Rußlands  wie  folgt:

Durch  Kohlen  des  Donezgebietes  ....  34,5°/ 0
Durch  Kohlen  des  übrigen  Rußlands  .  .  2,5°/ 0
Durch  Naphtha  12,0°/ 0
Durch  Holz  51,0°/ n

Als  einzige  große  Quelle  festen  Brennstoffes  steht  Rußland
demnach  das  Donezgehiet  zur  Verfügung,  welches  sowohl,  was  die
Güte  seiner  Kohle  wie  die  Mächtigkeit  seiner  Vorräte  anbetrifft,
auf  lange  Zeiten  hinaus  die  Bedürfnisse  der  russischen  Industrie
in  ihrer  bisherigen  Entwicklung  und  die  Hausbrandversorgung  Südrußlands ­
  decken  kann.
Das  Donez-Kohlenvorkommen  erstreckt  sich  über  den
östlichen  Teil  des  Gouvernements  Jekaterinoslaw,  den  südlichen  Teil
des  Gouvernements  Charkow  und  den  westlichen  Teil  des  Don-Gebietes. ­
  Auf  dieser  weiten  Fläche  begegnet  man  den  verschiedensten
Arten  von  Kohlen,  vom  Anthrazit  bis  zur  Gaskohle.  Die  Fläche,
in  welcher  Anthrazit  vorkommt,  ist  doppelt  so  groß,  als  die  Fläche,
in  der  die  übrigen  Arten  der  Steinkohlen  ausgebeutet  werden.
Man  hat  die  Menge  Anthrazit  bis  zu  einer  Tiefe  von  1700  m
auf  2293  Milliarden  Pud 1 )  geschätzt,  während  die  Vorräte  an
Weichkohle  auf  1098  Milliarden  Pud 2 )  geschätzt  worden  sind.
Trotzdem  also  die  Menge  an  Anthrazit  ganz  bedeutend  die,  der
übrigen  Steinkohlenarten  überwiegt,  ist  die  Anthrazitförderung  bis
zum  Jahre  1910  verhältnismäßig  gering  geblieben.
Die  Förderung  des  Anthrazits  begann  in  den  ersten  Jahren  des
19.  Jahrhunderts.  Erst  um  1850  wird  außer  der  Anthrazitförderung
auch  eine  Weichkohlenförderung  genannt.
Die  Entwicklung  der  Kohlenförderung  im  Donezgebiete  seit
1850  zeigt  folgende  Tabelle:

Jahr

Förderung  an
Anthrazit  |  Weichkohle
in  Millionen  Pud

1850

2,2

0,6

1860

7,0

1.0

1870

14,0

6,0

1880

29,2

57.0

1890

36,4

146,7

1900

71.8

600,5

1910

157,4

861,3

1914

313,5

1399,6

0  37  Milliarden  Tonnen.
2 )  18  Milliarden  Tonnen.
        <pb n="73" />
        Die  Zukunft  der  südrussisohen  Eisenindustrie.

69

Aus  vorstehenden  Zahlen  ist  zu  ersehen,  daß  erst  die  letzten
Jahre  vor  dem  Kriege  eine  bedeutende  Steigerung  in  der  Anthrazitförderung ­
  gebracht  haben.  Außer  der  allgemeinen  Entwicklung  der
Industrie  in  diesen  Jahren  war  wohl  der  Hauptgrund  die  Verminderung ­
  der  Naphthagewinnung  in  Baku  und  die  hierdurch  entstandenen ­
  hohen  Preise  für  die  Naphtha.  Die  russische  Industrie  war
daher  in  vielen  Zweigen  gezwungen,  schleunigen  Ersatz  zu  suchen.
Bahnbrechend  ging  der  Moskauer  Industriebezirk  vor,  in  welchem
der  Verbrauch  an  Anthrazit  als  Ersatz  für  die  Naphtha  von  1900
bis  1913  von  16,4  Millionen  Pud  auf  77  Millionen  Pud  gestiegen  ist.
Die  Anwendung  des  Anthrazites  erstreckte  sich  auf  seine  Verwendung ­
  für  die  Kesselfeuerung,  den  Generatorenbetrieb,  den  Kupolofenbetrieb ­
  der  Gießereien,  den  Betrieb  von  Öfen  zur  Herstellung
von  Steinen  und  Kalk  und  in  geringem  Maße  für  metallurgische
Betriebe.
Von  den  Hüttenwerken  des  Donezgebietes  ist  nur  eine  —  die
Suliner  Aktiengesellschaft  —-  auf  den  Verbrauch  von  Anthrazit  gegründet. ­
  Langjährige  Versuche,  die  Suliner  Hochöfen  ausschließlich
mit  Anthrazit  zu  betreiben,  haben  zu  keinem  guten  Ergebnis  geführt ­
  und  seit  Jahren  arbeiten  die  Hochöfen  mit  einem  Gemisch
von  Koks  und  Anthrazit.  Aber  der  Betrieb  ist  schwierig  und  hat
im  Donezgebiete  keine  Nachahmer  gefunden.
Die  wichtigste  Kohlenart  und  den  Hauptbedarf  der  Hüttenwerke ­
  stellt  die  Kokskohle  dar  zur  Herstellung  von  Koks.  Genaue
Daten  über  die  Vorräte  an  Kokskohle  im  Donezgebiete  liegen  nicht
vor;  aber  die  Tatsache,  daß  schon  in  den  letzten  Jahren  vor  dem  Kriege
bei  einer  jährlichen  Produktion  von  230—270  Millionen  Pud  Koks
ein  Mangel  an  Kokskohlen  bestand,  zeigt,  daß  man  an  die  Grenze
der  Leistungsfähigkeit  herangekommen  war.  Dabei  sind  alle  Bezirke, ­
  die  Kokskohle  enthalten,  in  Ausbeutung  begriffen.  Als  vor
dem  Kriege  die  Lokomotivfabrik  vorm.  Hartmann  in  Lugansk  beabsichtigte, ­
  für  sich  selbst  die  notwendigen  Halbfabrikate  herzustellen,
und  sich  dazu  Hochöfen  und  größere  Stahlwerksanlagen  anzugliedern,
mußte  von  diesem  Projekte  Abstand  genommen  werden,  weil  trotz
aller  Aufwendungen  zur  Erforschung  der  noch  nicht  in  Abbau  be-„findlichen
  Gebiete  kein  freies  Kokskohlenfeld  gefunden  werden
konnte.  Auch  hatten  im  Laufe  der  letzten  Jahre  vor  dem  Kriege
die  Hochofenwerke  mit  ihren  technischsn  Ansprüchen  an  die  Güte
des  Donezkoks  allmählich  heruntergehen  müssen.  Es  gab  damals
schon  kaum  mehr  Koks  mit  weniger  als  12°/ 0  Asche  und  1,2  bis
V°/o  S.
Ziehen  wir  den  Schluß  aus  den  vorstehenden  Zahlen  der  südrussischen ­
  Förderungs-  und  Vorratsmengen  an  Erzen  und  Koks-
        <pb n="74" />
        70

Die  Zukunft  der  südrussisohen  Eisenindustrie.

kohlen,  so  kann  man  wohl  annehmen,  daß  eine  weitere  große  Steigerung ­
  der  südrussischen  Roheisenerzeugung  schon  allein  aus  dem
Kokskohlenmangel  heraus  nicht  zu  erwarten  ist,  daß  die  Daseinshedingungen
  für  neue  gemischte  Hüttenwerke  nicht  gegeben  sind,
daß  die  bestehenden  Hüttenwerke,  falls  die  Regierungsschätzung
des  Krivoi  Roger  Erzvorkommens  sich  bestätigt,  bald  zu  einer
Streckung  der  Erzvorräte,  zum  Verbrauche  ärmerer  Erze  —  seien
es  Quarzite  von  Krivoi  Rog  oder  Brauneisenerze  von  Kertsoh  —
schreiten  müssen,  und  daß  ferner  die  Werke  durch  technische  Vervollkommnung ­
  ihrer  Anlagen  die  steigenden  Preise  für  die  Rohstoffe ­
  auszugleichen  trachten  müssen.
        <pb n="75" />
        Technische  Ausrüstung  der  südrussischen
Hüttenwerke.
Die  südrussischen  Hüttenwerke  sind  vor  dem  Jahre  1900  erbaut, ­
  sodaß  die  modernen  Bestrebungen  zur  Verminderung  der
Arbeiteranzahl  in  den  Werksbetrieben  sich  noch  nicht  haben  geltend
machen  können.  Sie  waren  erbaut  aus  dem  vollen  heraus,  in  der
Überzeugung,  daß  bei  den  in  Rußland  herrschenden  hohen  Preisen
für  Eisen  und  Eisenerzeugnisse  jede  Anlage  gewinnbringend  sein
würde;  sie  waren  erbaut  in  der  Überzeugung,  daß  der  westeuropäische ­
  Arbeitermangel  sich  nie  hier  fühlbar  machen,  und  daß  der
Lohn  des  Arbeiters  und  der  Anteil  der  Arbeiterlöhne  im  Gestehungspreis
  des  Fertigerzeugnisses  eine  winzige,  nicht  zu  beachtende  Ziffer
darstellen  würde.
H  ochofenanlagen:
Man  kann  3  Gruppen  von  Hochofenanlagen  unterscheiden:
1.  Rochofenwerke  mit  Schrägaufzügen  und  Ladung  der  Materialien ­
  durch  mechanische  und  automatisch  wirkende  Einrichtungen.
2.  Hoohofenwerke  mit  Schrägaufzügen  und  Ladung  der  Mate-,
rialien  von  Hand.
3.  Hochofenwerke  mit  vertikalen  Aufzügen  und  Ladung  der
Materialien  von  Hand.
Zur  ersten  Gruppe  gehören  nur  2  Werke:  Russo-Belge  in  Enakiewo
  und  Briansk  in  Jekaterinoslaw.  In  ersterem  ist  die  Modernisierung ­
  zwecks  Ersparung  von  Menschenkräften  am  weitesten  vorgeschritten. ­
  Ein  unterirdisches  Kanalsystem  führt  zu  den  Schrägaufzügen. ­
  Die  Ladung  der  Kübel  geschieht  durch  Löffelbagger  und
elektrische  Kräne,  die  über  den  Vorratsplätzen  sich  bewegen.  Die
Anlage  ist  noch  nicht  fertig.  An  zweiter  Stelle  steht  die  Briansker
Gesellschaft,  die  ebenfalls  durch  ein  unterirdisches  Kanalsystem  die
Kübel  an  die  Schrägaufzüge  heranführt.  Die  Ladung  der  Kübel
geschieht,  soweit  die  Materialien  nicht  durch  die  zahlreichen  Luken
von  selbst  in  die  Kübel  hineinrollen,  von  Hand.  Immerhin  be ­
        <pb n="76" />
        72  Technische  Ausrüstung  der  südrussischen  Hüttenwerke.

nötigt  die  Einrichtung  noch  35  Mann  pro  Hochofen  zur  Begichtung. ­

Zur  zweiten  Gruppe  gehören  die  Werke:  Südrussische  Röhrenwalzwerke ­
  Jekaterinoslaw,  Kramatorskaja,  Konstantinowka  und
Nikopol-Mariupol.  Sie  haben  Schrägaufzüge,  teilweise  Stähler,  teilweise ­
  Kennedy  eingebaut,  haben  aber  merkwürdigerweise  die  Ladung
der  Materialien  und  die  Heranführung  derselben  von  Hand  beibehalten. ­
  Die  Ersparung  an  Menschenkraft  ist  daher  denn  auch  gering. ­
  Auch  Jusowka  hat  einen  neuen  Ofen  System  Kennedy  in
dieser  Art  gebaut.
Zur  dritten  Gruppe  gehören  alle  anderen  Gesellschaften:  Dnjeprovienne,
  Droujkowka,  Jusowka  (für  5  Öfen),  Donez-Juriewka,
Taganrog,  Makiewka,  Providenoe,  Sulin,  Krivoi  Rog  und  Olchowaja.
Allen  diesen  Werken  der  zweiten  und  dritten  Gruppe  steht  die
Modernisierung  der  Anlagen  in  der  Zukunft  bevor.  Bei  der  Dnjeprovienne
  rechnet  man  zur  Begichtung  eines  jeden  Hochofens
60  Mann  pro  Schicht,  was  bei  Aohtstundenarbeit  für  die  6  Hochöfen ­
  des  Werkes  in  Kamenskoe  einen  Arbeiterbestand  von  1080  Mann
allein  für  die  Begichtung  der  Hochöfen  beträgt.  Bei  der,  Teuerung
der  Arbeitskräfte  in  Rußland  und  dem  Mangel  an  Industriearbeitern,
der  sieh  nach  einer  Agrarreform  in  Großrußland  noch  viel  stärker
fühlbar  machen  wird,  ist  die  Modernisierung  nicht  lange  aufzuschieben,
wenn  sie  auch  jetzt  im  Verhältnis  zu  dem  früheren  Kostenaufwand
ganz  riesige  Summen  beanspruchen  wird.
Es  mag  von  Interesse  sein  zu  erwähnen,  daß  kein  einziges  der
südrussisohen  Hochofenwerke  mit  Bunkern  arbeitete.  Eine  Anlage
von  Erzbunkern  ist  auf  der  „Providenoe“  gebaut,  aber  sie  ist  alt
und  hat  sich  nicht  bewährt,  sodaß  die  Vorraträume  zur  automatischen ­
  Ladung  nicht  benutzt  werden.  Gegen  die  Anwendung  von
Bunkern  ist  der  strenge  Winter  in  Rußland  eingeworfen  worden,
aber  der  Winter  dauert  nur  3  Monate,  während  gerade  der  Arbeitermangel ­
  im  Sommer  und  Herbst  besteht.
Bessemerwerke  haben  die  Gesellschaften:  Dnjeprovienne,
Briansk,  Russo-Belge  und  Droujkowka.  Ihre  Daseinsbedingungen
werden  immer  schwieriger,  weil  die  Krivoi  Roger  Erze,  die  einen
entsprechend  niedrigen  Phosphorgehalt  von  nicht  mehr  als  0,04°/ 0
Phosphor  haben,  immer  seltener  werden.  Der  Anteil  der  Bessemerstahlwerke ­
  an  der  Stahlerzeugung  Südrußlands  betrug  im  Jahre  1913
nur  22  °/ 0 ,  im  Jahre  1915  war  er  weiter  auf  17  °/ 0  gesunken.
Thomasstahlwerke  haben  die  Gesellschaften;  Taganrog  in
Taganrog  und  Kertsch,  und  Providenoe  in  Mariupol.  Das  Thomasstahlwerk ­
  in  Kertsch  kam  erst  im  Jahre  1914  in  Betrieb.  Der  An ­
        <pb n="77" />
        Technische  Ausrüstung  der  südrussisohen  Hüttenwerke.

73

teil  der  Thomasstahlwerke  an  der  Stahlerzeugung  Südrußlands  betrug ­
  im  Jahre  1913  und  1915  7—7 1 /. 2 °/ 0 .
Martinstahlwerke.  Neugebaute  oder  neuzeitlich  eingerichtete
Martinstahlwerke  haben  die  Gesellschaften:  Jusowka,  Makiewka,
Briansk,  Dnjeprovienne,  Nikopol-Mariupol,  Südrussisohe  Röhrenwalzwerke, ­
  Konstantinowka,  Kramatorskaja,  und  in  gewisser  Beziehung
gut  eingerichtet  ist  das  Martinstahlwerk  der  Russo-Belge.  Aber  vor
einer  strengen  Kritik  der  Neuzeit  würde  keines  dieser  Stahlwerke
als  allen  Ansprüchen  der  letzten  Vervollkommnung  entsprechend
bestehen  können.  Jedes  der  Stahlwerke  hat  seine  Fehler  und  seine
Unzulänglichkeiten.  Bei  dem  einen  fehlt  die  doppelte  Kranlaufbahn
in  der  Gießhalle,  bei  dem  anderen  ist  die  Gießhalle  selbst  zu  schmal
angelegt;  wieder  bei  einem  anderen  geschieht  die  Ladung  der  Öfen
durch  Cha,rgierwagen  und  nicht  durch  Laufkräne,  welche  die  Öfen
selbst  und  die  Ladebühne  bestreichen.  Bald  geschieht  die  Ladung
der  Materialien  von  Hand  und  nicht  durch  Magnetkräne,  oder  zur
Heranführung  der  Materialien  hat  man  in  ganz  neu  angelegten  Betrieben ­
  noch  Aufzüge  eingebaut  oder  Laufkatzen  und  nicht  Laufkräne, ­
  die  den  Materialienplatz  bestreichen.  Auch  die  Anlage  der
Gaserzeuger  weist  vielfach  Mängel  auf,  so  fehlt  überall  die  automatische ­
  Begichtung.  Auf  keinem  der  Werke  besteht  eine  Schrottpresse. ­

Alle  diese  Fehler  der  Anlagen  drücken  sich  nachher  in  einer
großen  Zahl  unnützer  Arbeitskräfte  aus,  in  einer  oft  eintretenden
Behinderung  der  Produktion  mit  hierdurch  entstehenden  erhöhten
Ausgaben  für  Kohle,  Verschleiß  der  Öfen  usw.  Die  Zukunft  wird
die  südrussischen  Martinstahlwerke  zwingen,  in  der  Anwendung
mechanischer  Hilfsmittel  weiterzugehen  und  die  teure  Menschenkraft
viel  mehr  zu  ersparen,  als  dies  bisher  geschehen  ist.
Walzwerke  und  Kraftanlagen.  Moderne  Anlagen  zur  Krafterzeugung ­
  für  die  Walzwerke  und  die  hierzu  notwendige  vollständig
durohgeführte  Gasreinigung  besitzen  nur  5  südrussische  Hüttenwerke ­
  :
Briansk  ....  25000  P.  S.
Dnjeprovienne  .  17  500  „
Taganrog  .  .  .  12900  „
Russo-Belge  .  .  11040  „
Makiewka  .  .  .  10840  „
Dnjeprovienne  und  Russo-Belge  sind  mit  Gasmotoren  ausgerüstet ­
  (erstere  in  der  Mehrzahl  Cockerill-Motore,  letztere  Klein-Motore).
  Russo-Belge  hat  auch  zum  Teil  Kleinsohe  Gasmotore  als
Walzenzugmaschinen  eingebaut.  Die  Kraftanlage  von  Briansk  be ­
        <pb n="78" />
        74

Technische  Ausrüstung  der  südrussischen  Hüttenwerke.

steht  aus  A.  E.  G.-Dampfturbinen.  Taganrog  und  Makiewka  haben
gemischte  Anlagen:  Erstere  Augsburg-Nürnberg-Motore  und  A.  E.  G.-Dampfturbinen,
  letztere  Mühlhausen-Motore  und  Rateau-Dampfturbinen.
  Auf  den  anderen  Hüttenwerken  sind  hier  und  da  eine  oder
zwei  Dampfturbinen  eingebaut,  aber  keine  der  Kraftanlagen  besitzt
über  10000  P,S.  Allen  diesen  Werken  stehen  noch  große  geldliche
Aufwendungen  zum  Ausbau  ihrer  Kraftanlagen  zwecks  Ersparung
von  Kesselkohlen  bevor.
Die  Walzwerksanlagen  bestehen  meist  ohne  große  Umänderung
seit  ihrer  Erbauung  in  den  90  er  Jahren  mit  Ausnahme  von  einigen
kleinen  und  Drahtstraßen,  die  moderneren  Ursprunges  sind.  Fast
auf  allen  Hüttenwerken  sind  die  Walzwerksanlagen  so  reichhaltig
angelegt,  daß  sie  in  ihrer  Gesamtheit  weit  mehr  Material  verarbeiten
können,  als  Stahlwerke  und  Hochofenanlagen  ihnen  vorzubereiten  imstande ­
  sind.
Die  Beförderung  der  Fertigerzeugnisse  von  den  Walzenstraßen
angefangen  bis  zur  Ladung  in  die  Waggons  ist  auf  den  meisten
Werken  noch  wenig  neuzeitlich  eingerichtet.  Auch  den  Wärmeöfen,
besonders  denjenigen  für  kleine  und  Mittelstraßen,  wurde  im  ganzen
Süden  Rußlands  noch  nicht  genügend  Beachtung  geschenkt.  Der
Kohlen  verbrauch  der  Wärmeöfen  ist  fast  überall  ein  hoher.  Die
hohen  Kohlenpreise  der  Zukunft  werden  in  allen  Werken  notgedrungen ­
  zu  Verbesserungen  führen.
Gestehungkosten  der  Hüttenwerke.  Ein  Vergleich  der
Gestehungskosten  der  südrussischen  Hüttenwerke  mit  denjenigen
Westeuropas  vor  dem  Kriege  ergab,  daß  die  Preise  der  Rohstoffe:
Erz,  Kalkstein,  Kohle  und  Koks  in  Südrußland  entweder  billiger
oder  annähernd  die  gleichen  waren  wie  in  den  westeuropäischen
Werken.  Beim  Roheisen  blieb  dieses  Verhältnis  auch  meist  noch
gewahrt,  wenn  auch  der  Anteil  an  den  Kosten  für  Unterhalt  und
Arbeitslöhnen  im  Selbstkostenpreise  des  südrussischen  Roheisens
schon  erheblich  größer  war.  Der  Preis  des  Martinstahles  war  schon
überall  bedeutend  höher  als  in  Westeuropa.  Je  weiter  dann  in  den
Walzwerken  oder  Werkstätten  die  Verarbeitung  von  Stahl  und  Eisen
fortgesetzt  wurde,  um  so  größer  wurde  der  Unterschied  zwischen  dem
Selbstkostenpreise  des  rüdrussisohen  und  dem  des  westeuropäischen
Werkes,  umso  aussichtsloser  war  der  Gedanke,  jemals  den  hohen
Zoll  auf  russische  Eisenerzeugnisse  entbehren  zu  können,  und  von
einer  gewinnbringenden  Ausfuhr  russischer  Eisenerzeugnisse  auf  den
Weltmarkt  konnte  keine  Rede  sein.  Hierfür  hat  es  mehrere  Gründe
gegeben.  Es  war  vor  allem  die  geringere  Leistungsfähigkeit  des
russischen  Arbeiters  im  Vergleich  zu  dem  westeuropäischen  und  die
große  Anzahl  an  Meistern  und  Äufsichtspersonal,  die  zur  Über-
        <pb n="79" />
        Technische  Ausrüstung  der  südrussischen  Hüttenwerke.

75

waohung  der  Betriebe  notwendig  war.  Ein  zweiter  Grund  war  der,
daß  die  Werke  doch  nicht  den  Anforderungen  zeitgemäßer  Technik
vollständig  entsprechen.  Dies  kam  daher,  daß  die  wenigen  russischen ­
  Maschinenfabriken  sehr  lange  Lieferfristen  verlangten,  selbst
auch  meist  nach  ausländischen  Zeichnungen  arbeiteten,  und  daß  es
langer  Zeit  bedurfte,  bis  jede  in  Westeuropa  eingeführte  Neuerung
und  Verbesserung  in  Plan  und  Ausführung  in  das  Donez-Gebiet  gelangte. ­
  Die  in  Rußland  angefertigten  Maschinen  kosteten  meist
nicht  erheblich  weniger  als  Einkaufspreis  im  Auslande  plus  Zoll,  so
daß  man  sich  schwer  zu  Neueinrichtungen  entschließen  konnte,  wenn
deren  Verzinsung  nicht  hinreichend  gesichert  war.  Auch  die  Generalunkosten ­
  waren  bedeutend  höher  als  in  Westeuropa,  weil  die  Bewachung ­
  des  Werkes  durch  eigene  Wächter  und  vom  Werke  bezahlte ­
  Polizei  sehr  teuer  kam.  die  technische  und  kaufmännische
Werksleitung  viel  mehr  Personen  verlangte  und  der  Verwaltungssitz
in  St.  Petersburg  sowie  noch  ein  Nebensitz  im  Auslande  hohe  Ausgaben ­
  verursachten.
Die  Industrie  der  feuerfesten  Steine.  Bis  zum  Kriege
lieferte  Deutschland  und  in  geringem  Maße  England  einen  großen
Teil  der  hochwertigen  Chamottesteine  für  Hochöfen,  ferner  Stopfenund
  Ausgußsteine  für  Stahlpfannen  und  Dinassteine  für  die  Martinöfen. ­
  In  Südrußland  bestanden  damals  zwei  Fabriken,  die  Dinassteine ­
  herstellten:  Dekonskaja  und  Krasnogorowka,  beide  im  Donez-Gebiete
  gelegen.  Außerdem  hatten  eine  Reihe  von  Hüttenwerken
eigene  Abteilungen  errichtet  zur  Herstellung  ihres  gewöhnlichen  Bedarfes ­
  feuerfester  Steine.
Infolge  des  Krieges  fiel  die  ausländische  Lieferung  weg  und  die
Hüttenwerke  gingen  daran,  ihre  Abteilungen'  soweit  zu  vergrößern,
daß  sie  ihren  ganzen  Bedarf  decken  konnten.  So  machten  sich  die
Dnjeprovienne,  Briansk,  Jusowka,  Russo-Belge  und  Droujkowka
völlig  unabhängig  von  dem  Bezüge  der  südrussischen  Steinfabriken.
Briansk  soll  eine  monatliche  Herstellung  bis  zu  90000  Pud  Dinassteine ­
  erzielt  haben  und  hat  einen  Teil  seiner  Steine  auf  den  Markt
geworfen.
Die  Beschaffenheit  der  in  den  südrussischen  Steinfabriken  hergestellten ­
  Dinassteine  hat  sich  während  des  Krieges  nicht  gebessert,
da  die  Käufer  doch  stets  einem  gewissen  Mangel  gegenüber  standen.
Sie  waren  gezwungen,  bis  zu  1 / 10  des  Gewichtes  Bruchsteine  anzunehmen, ­
  während  früher  die  ausländischen  Steine  trotz  der  Umladung ­
  nicht  mehr  als  1 / 25  Bruch  ergeben  hatten.  Die  nicht  befriedigende ­
  Beschaffenheit  der  Dinassteine  ist  nicht  etwa  in  der  Geringwertigkeit ­
  des  Rohstoffes  begründet;  denn  der  in  den  Bezirken
von  Bachmut  und  Nikitowka  vorkommende  Quarzit  ist  seiner  chemi-
        <pb n="80" />
        76

Technische  Ausrüstung  der  südrussischen  Hüttenwerke.

sehen  Zusammensetzung  nach  geeignet,  einen  hochwertigen  Dinasstein ­
  zu  liefern.*''  Der  Grund  scheint  vielmehr  darin  zu  liegen,  daß  das
Brennen  bei  der  Herstellung  der  Steine  nicht  richtig  durchgeführt
wurde.  Die  Hüttenwerke,  die  jetzt  selbst  ihre  Dinassteine  hersteilen,
geben  an,  in  den  letzten  Jahren  Steine  von  hoher  Güte  erzielt  zu
haben.  Es  hat  allen  Anschein,  als  ob  die  südrussische  Eisenindustrie ­
  in  Zukunft  nicht  mehr  notwendig  haben  wird,
einen  Teil  ihres  Steinbedarfes  aus  dem  Auslande  zu
decken.  Sie  würde  dazu  nur  veranlaßt  werden,  wenn  der  Preisunterschied ­
  zugunsten  der  ausländischen  Steine  sprechen  würde.
        <pb n="81" />
        Arbeiterverhältnisse  und  Arbeiterfürsorge.
Die  Anzahl  der  Arbeiter  der  südrussischen  Hüttenwerke  belief
sich  im  Jahre  1913  auf  78174  Mann,  die  der  Beamten  auf  3  969,
von  denen  568  Ausländer  waren.  Im  Jahre  1915  betrug  die  Arbeiteranzahl ­
  85517  Mann,  die  der  Beamten  4920,  von  denen  421
Ausländer  waren.  Die  Verringerung  in  der  Anzahl  der  ausländischen
Beamten  ist  in  der  Hauptsache  auf  die  Entlassung  aller  „feindlichen“ ­
  Ausländer  zurückzuführen,  die  durch  Russen  während  des
Krieges  ersetzt  wurden.
Vor  dem  Kriege  berechnete  man  den  notwendigen  Verdienst
eines  russischen  Tagelöhners  mit  monatlich  35  Rubel:  Die  Ausgaben
des  Tagelöhners  betrugen  bei  einem  in  Kostgemeinschaft  (zu  8  bis
10  Mann)  lebenden  Arbeiter  monatlich  für  Ernährung  16  Rubel  und
für  Anschaffungen  10  Rubel,  sodaß  ihm  für  sonstige  Bedürfnisse
9  Rubel  übrigblieben.
Die  Durchschnittslöhne  schwankten  denn  auch  bei  den  gemischten ­
  Hüttenwerken  im  Jahre  1913  zwischen  33,92  Rubel  und
56,52  Rubel  pro  Monat  und  betrugen  im  Durchschnitte  aller  Werke
im  Jahre  1  9  1  3  =  41,89  Rubel  pro  Arbeiter  und  Monat.
„  „  1915  ===  4  3,45  „  »  »  n  n  ■
Arbeiterkolonien  haben  die  Hüttenwerke  Jusowka,  Russo-Belge,
  Donez-Jurjewka,  Droujkowka,  Nikopol-Mariupol  und  Providence.
  Die  Arbeiter  der  bei  den  Städten  Jekaterinoslaw,  Taganrog
und  Lugansk  gelegenen  Werke  wohnen  in  den  Vororten  der  betreffenden ­
  Städte.  Bei  den  übrigen  Werken  haben  sich  allmählich
in  der  Nähe  des  Werkes  neue  Gemeinwesen  gebildet,  in  denen  die
Arbeiter  Unterkunft  finden.  Im  Jahre  1913  wohnten  von  78174
Hüttenarbeitern  20178  in  Werkswohnungen  und  57  996  in  eigenen
oder  gemieteten  Wohnungen.  Im  Jahre  1915  hatten  von  85517  Arbeitern ­
  68101  Mann  ihre  Unterkunft  in  eigenen  oder  gemieteten
Wohnungen  gefunden.
Die  Auslagen  für  Schulen  sind  bei  den  meisten  Werken  nicht
bedeutend.  Am  besten  hat  hierfür  die  „Neurussisohe  Gesellschaft“
        <pb n="82" />
        78

/
Arbeiterverhältnisse  und  Arbeiterfürsorge.
in  Jusowka  gesorgt,  dann  folgen  in  weitem  Abstande  die  Dnjeprovienne,
  Briansk,  Donez-Jurjewka,  Russo-Belge,  Nikopol-Mariupol  und
Droujkowka.  Die  übrigen  Werke  haben  nur  geringe  Summen  dafür
aufgewandt.  Zieht  man  den  Durchschnitt  der  von  den  gemischten
Hüttenwerken  für  die  Schulen  verausgabten  Gelder,  so  hatten  die
Hüttenwerke  im  Jahre  1913  3,71  Rubel  pro  Arbeiter  und  Jahr  bezahlt, ­
  im  Jahre  1915  3,76  Rubel.
Arbeiterfürsorge.
Bis  zum  Jahre  1903  gab  es  in  Rußland  keine  gesetzlich  geregelte ­
  Arbeiterfürsorge.  Die  Arbeiterfürsorge  beschränkte  sich
darauf,  daß  die  Hüttenwerke  den  Arbeitern  ärztliche  Behandlung
einschließlich  der  Aufnahme  in  eigene  oder  fremde  Krankenhäuser
zukommen  lassen  mußten  für  diejenigen  Krankheiten,  die  durch  Betriebsunfall ­
  hervorgerufen  waren.  Außerdem  genossen  zwar  die  Arbeiter ­
  und  auch  die  Mitglieder  der  Arbeiterfamilien  in  den  meisten
Hüttenwerken  medizinische  Behandlung,  aber  eine  gesetzliche  Verpflichtung ­
  bestand  dafür  nicht.  Bei  Verlust  der  Arbeitsfähigkeit
infolge  eines  Unfalles  war  der  Arbeiter  darauf  angewiesen,  sich  gütlich ­
  mit  dem  Unternehmer  auseinanderzusetzen,  oder  die  Erfüllung
seines  Anspruches  beim  Friedensrichter  durchzusetzen.
Am  3.  Juni  1903  wurde  der  erste  Schritt  in  der  Regelung  der
Arbeiterfürsorge  durch  das  Gesetz  über  die  Entschädigung  bei  Unglücksfällen ­
  getan.  Durch  dieses  Gesetz  wurde  dem  Arbeiter  das
Recht  auf  Unterstützung  nach  allen  im  Betriebe.  erlittenen  Verletzungen ­
  zugesprochen  und  dem  Unternehmer  die  Pflicht  auferlegt,
diese  Unterstützung  zu  zahlen.  Sie  bestand  aus  einer  zeitweiligen
Unterstützung  bis  zur  Wiederherstellung  der  Arbeitsfähigkeit  und
aus  einmaligen  Abfindungszahlungen  oder  jährlichen  Renten  bei  andauerndem ­
  partiellen  oder  vollständigen  Verluste  der  Arbeitsfähigkeit. ­
  Als  zeitweilige  Unterstützung  sollte  der  Unternehmer  die
Hälfte  des  Arbeiter-Durchschnittslohnes  des  letzten  Jahres  zahlen.
Die  ständige  Rente  betrug  bei  vollem  Verluste  der  Arbeitsfähigkeit
2 / 3  des  Arbeiterdurchschnittslohnes.  Der  prozentuale  Anteil  des  Verlustes ­
  der  Arbeitsfähigkeit  wurde  durch  eine  Ärztekommission  festgesetzt, ­
  in  deren  Bestände  ein  staatlich  angestellter  Arzt  sich  befinden ­
  mußte.  Die  Festsetzung  dieser  Kommission  wurde  durch  den
Berginspektor  des  betreffenden  Bezirkes  gutgeheißen,  der  auch  das
Recht  hatte,  die  Abschätzung  einer  zweiten  Ärztekommission  zur
erneuten  Prüfung  zu  überweisen.  Bei  Todesfällen,  die  durch  ünglücksfall
  im  Betriebe  erfolgt  waren,  bestritt  der  Unternehmer  die
Beerdigungskosten  in  Höhe  von  30  Rubel.  Außerdem  erhielt  die
Witwe  1 / 3  des  Jahresverdienstes  des  Verstorbenen,  jedes  Kind  bis
        <pb n="83" />
        Arbeiterverhältnisse  und  Arbeiterfürsorge.

79

zum  15.  Lebensjahre,  falls  eines  der  Eltern  noch  lebte  1 / 6 ,  falls
beide  Eltern  verstorben  waren  1 j i  des  Jahresverdienstes  als  jährliche ­
  Rente.  Bei  Wiederverheiratung  der  Witwe  zahlte  der  Unternehmer ­
  die  Rente  für  3  Jahre  als  einmalige  Abfindung  aus.  Alle
Rentenzahlungen  konnten  vom  Unternehmer  durch  eine  einmalige
Abfindung  in  Höhe  des  zehnjährigen  Betrages  der  Rente  abgelöst
werden.
Im  Jahre  1912  erschienen  dann  die  Gesetze  über  die  Bildung
von  Krankenkassen,  über  die  Unfallversicherung  und  die  Errichtung
der  betreffenden  Aufsichtsbehörden  für  alle  Unternehmungen,  die
nicht  weniger  als  20  Arbeiter  beschäftigten.  Nach  diesem  Gesetze
sollte  jede  Krankenkasse  nicht  weniger  als  200  Arbeiter  in  sich  vereinigen. ­
  Deshalb  mußten  die  kleineren  Unternehmungen  sich  einer
größeren  Krankenkasse  angliedern,  oder  sich  zu  einer  Krankenkasse
zusammenschließen.
Die  Wirksamkeit  der  Krankenkassen  erstreckte  sich  auch  auf
Unterstützung  bey
1.  Arbeitsunfähigkeit,  hervorgerufen  durch  Krankheit  oder  Unfall,
2.  Schwangerschaft  der  arbeitenden  Frau,
3.  Todesfall  eines  Mitgliedes  der  Kasse.
Die  Unterstützung  bei  Krankheit  oder  Unfall  konnte  je  nach
den  Familienverhältnissen  des  Arbeiters  1 j i  bis  2 / s  seines  Lohnes  betragen. ­

Bei  Geburten  konnte  der  halbe  bis  ganze  Lohn  während  höchstens ­
  6  Wochen  (2  Wochen  vor  und  4  Wochen  nach  der  Geburt)
der  Arbeiterin  gezahlt  werden.
Zur  Bestreitung  der  Beerdigungskosten  wurde  der  zwanzig-  bis
dreißigfache  Tages-Arbeiterlohn  ausgezahlt'.
Die  Krankenkasse  sollte  ihre  Mittel  in  der  Hauptsache  aus
den  von  den  Arbeitern  und  Unternehmern  gezahlten  Beträgen  erhalten, ­
  Durch  eine  Generalversammlung  aller  Arbeiter  des  Unternehmens ­
  wurde  die  Höhe  des  Beitrages  der  Arbeiter  festgesetzt,  und
zwar  konnte  er  1  bis  2  °j Q  des  Arbeiterlohnes  ausmachen.  Dazu
mußte  der  Unternehmer  2 / g  der  von  den  Arbeitern  eingezahlten  Beiträge ­
  der  Kasse  zuführen.  Der  Unterhalt  der  Werkskrankenhäuser
sowie  die  medizinische  Behandlung  der  Arbeiter  blieb  zu  Lasten  des
Unternehmers.
Die  Verwaltung  der  Krankenkasse  führte  ein  Ausschuß,  der
aus  von  den  Arbeitern  gewählten  und  vom  Unternehmer  ernannten
Mitgliedern  bestand,  wobei  die  Arbeitei  Vertreter  ein  Mitglied  mehr
als  der  Unternehmer  stellten.  Da  aber  den  Vorsitz  der  Unternehmer
führte,  und  dieser  doppelte  Stimme  hatte,  konnte  bei  Meinungs-
        <pb n="84" />
        80

Arbeiterverhältnisse  und  Ärbeiterfürsorge.

Verschiedenheit  kein  Beschluß  zustande  kommen.  In  solchen  Fällen
entschied  die  staatliche  Versicherungskammer  des  Gouvernements
und  in  letzter  Instanz  der  Versicherungsrat  beim  Ministerium  für
Handel  und  Gewerbe  in  St.  Petersburg.
Die  Einführung  dieses  Gesetzes  auf  den  Hüttenwerken  wurde
jahrelang  hinausgeschoben,  angeblich  weil  sowohl  die  Regierungsorgane ­
  wie  die  Unternehmerkreise  befürchteten,  daß  aus  den  gewählten ­
  Arbeitervertretern  bei  den  Krankenkassen  sich  bald  Arbeiterführer ­
  herauskristallisieren  würden,  und  so  die  Regierung  selbst
den  Arbeitern  zu  einer  nicht  beabsichtigten  Organisierung  der  Arbeitermassen ­
  verholfen  hätte,  denen  dann  in  den  Geldern  der  Krankenkasse ­
  willkommene  Streikmittel  zur  Verfügung  ständen.  So  kam  es
dann,  daß  bei  Ausbruch  des  Krieges  nur  ganz  wenige  südrussische
Hüttenwerke  eine  Krankenkasse  besaßen.  Auch  im  ganzen  Krivoi
Roger  Erzgebiet  bestand  bis  zum  Juni  1917  nur  auf  einer  einzigen
Grube  eine  Krankenkasse.
Die  Unfallversicherung  wurde  durch  das  Gesetz  von  1912  auch
neu  geregelt.  Es  wurden  obligatorische  Versicherungsgesellschaften
unter  staatlicher  Aufsicht  gegründet,  deren  Mittel  durch  die  Unternehmer ­
  des  betreffenden  Bezirkes  im  Verhältnis  zu  der  Summe  der
bezahlten  Arbeiterlöhne  aufgebracht  werden  sollten.  Auch  diese  Gesellschaften ­
  begannen  erst  ihre  Tätigkeit  am  1.  Juli  1915.  Sie
hatten  die  Ausführung  des  Gesetzes  von  1903  dem  einzelnen  Unternehmer ­
  abgenommen.  Ihnen  lag  demnach  die  Abfindung  und  Rentenzahlung ­
  bei  Unglücksfällen  ob,  wohingegen  die  Auszahlung  der
Krankengelder  während  der  ersten  4  Monate  nach  dem  erlittenen
Unfälle  zu  Lasten  der  Krankenkasse  fiel.
Im  Juli  1917  erließ  dann  die  provisorische  Regierung  ein  dem
Geiste  der  Zeit  entsprechendes  Zusatzgesetz  zu  dem  bestehenden
Gesetze  über  die  Arbeiterfürsorge  während  der  Erkrankung.  Alle
Unternehmer,  die  bisher  noch  in  keiner  Krankenkasse  vertreten
waren,  wurden  nun  gezwungen,  sich  einer  bestehenden  Kasse  anzugliedern. ­
  Die  Änderungen  des  neuen  Zusatzgesetzes  bestanden  in
der  Hauptsache  aus  Folgendem:
1.  Die  Verpflichtung,  einer  Krankenkasse  beizutreten,  wurde
auf  alle  Unternehmungen  mit  mehr  als  5  Arbeiter  ausgedehnt.
2.  Aus  der  Verwaltung  der  Kasse  wurden  die  Vertreter  des
Unternehmers  vollständig  entfernt.  Der  führende  Ausschuß,  der  die
Geschäftsführung  der  Krankenkasse  hatte,  bestand  nur  aus  Arbeitervertretern. ­
  Nur  im  Revisionsaussohusse  war  der  Unternehmer  noch
stimmberechtigt.
3.  Es  stand  den  Krankenkassen  frei,  die  Krankenbehandlung
in  eigene  Verwaltung  zu  übernehmen.  Der  Unternehmer  hatte  in
        <pb n="85" />
        Arbeiterverhältnisse  und  Arbeiterfürsorge.

81

diesem  Falle  1  bis  2  °/ 0  der  Arbeiterlöhne  der  Krankenkasse  zuzuführen, ­
  wobei  aber  dieser  Betrag  nicht  weniger  als  18  Rubel  pro
Arbeiter  und  Jahr  ausmachen  durfte.  Hierdurch  wurden  den  Kassen
große  Barmittel  zugeführt,  über  die  sie  nach  Gutdünken  verfügten.
Die  ärztliche  Behandlung  hatte  den  Hüttenwerken  im  Jahre  1913
11,57  Rubel  gekostet,  im  Jahre  1915  14,90  Rubel,  sodaß  mit  dem
von  der  provisorischen  Regierung  festgesetzten  Mindestbetrag  von
18  Rubel  an  die  Hüttenwerke  weitere  Ansprüche  gestellt  wurden.
4.  Der  Unternehmer,  der  früher  der  von  den  Arbeitern  bezahlten ­
  Beiträge  zur  Kasse  gezahlt  hatte,  mußte  jetzt  denselben  Zuschuß ­
  leisten  wie  der  Arbeiter.
5.  Durch  das  Gesetz  von  1912  wurden  die  Abzüge  für  die
Krankenkasse  nur  vom  Tagesverdienste  bis  5  Rubel  berechnet.
Diese  Grenze  wurde  jetzt  auf  10  Rubel  erhöht.
6.  Die  Unterstützung  während  der  ärztlichen  Behandlung,  die
früher  während  4  Monaten  gewährt  wurde,  sollte  jetzt  auf  6  Monate
ausgedehnt  werden.
7.  Ein  Drittel  des  von  Unternehmer  und  Arbeiter  gezahlten
Betrages  konnte  zur  Unterstützung  bei  Krankheit  und  Todesfall
von  Familienmitgliedern  oder  bei  Geburten  verwandt  werden,  wenn
auch  der  Arbeiter  seinen  vollen  Arbeiterverdienst  weiter  bezog.
Dieses  Gesetz  trat  sofort  nach  Veröffentlichung  in  Kraft.
Anzahl  der  Unglücksfälle.  Im  Jahre  1913  kamen  im
Bezirk  der  Bergverwaltung  Jekaterinoslaw,  welchem  mit  Ausnahme
von  Taganrog,  Makiewka  und  Sulin  alle  Hüttenwerke  des  Südens
angehören,  auf  1000  beschäftigte  Arbeiter  442,8  Verletzungen  durch
Unglücksfälle  im  Betriebe;  also  fast  die  Hälfte  aller  Arbeiter  hatte
im  Laufe  des  Jahres  einen  Unfall  erlitten.  Von  diesen  442,8  Verletzungen ­
  waren  1,2  mit  tödlichem  Ausgange;  12,3  hatten  eine
bleibende  Herabsetzung  der  Arbeitsfähigkeit  zur  Folge;  bei  2,37  erstreckte ­
  sich  der  Verlust  der  vollen  Arbeitsfähigkeit  auf  eine  Zeitdauer ­
  von  3  Monaten  und  426,7  Verletzungen  heilten  ohne  Verlust
an  Arbeitsfähigkeit  aus.
Der  Besuch  der  Krankenhäuser  war  ein  sehr  großer.  Im
Jahre  1913  war  jeder  in  den  Hüttenwerken  beschäftigte  Arbeiter
11,8  mal  in  ärztlicher  Behandlung  gewesen.
Bestrafungen  der  Arbeiter.  Aus  den  Abrechnungen  der
Strafkapitalien  der  Hüttenwerke  geht  hervor,  daß  die  Bestrafungen
für  Vergehen  gegen  die  Werksordnung  im  Jahre  1913  sich  auf
79  Kop.  pro  Jahr  und  beschäftigten  Arbeiter  beliefen.  Im  Jahre
1915  war  diese  Durchschnittszahl  auf  31  Kop.  gesunken.
Klein,  Die  südrussische  Eisenindustrie.  6
        <pb n="86" />
        82

Arbeiterverhältnisse  und  Arbeiterfürsorge.

Die  Strafkapitalien  standen  der  Werksleitung  zur  Verfügung,
aus  denen  sie  nach  Genehmigung  durch  den  staatlichen  Berginspektor ­
  meist  bei  Todesfall  oder  Krankheit  in  der  Familie  des
Arbeiters  Unterstützungen  aushändigte.
Seit  Juli  1917  wurde  auch  die  Verfügung  über  die  Strafkapitalien ­
  der  Werksleitung  entzogen  und  der  Verwaltung  der
Krankenkasse  übertragen,  die  darüber  ohne  Genehmigung  durch  den
Berginspektor  frei  disponieren  konnte.

Die  Revolution  hat  die  ersten  Anfänge  der  gesetzlich  .geregelten
Arbeiterfürsorge  in  Rußland  zerstört.  Durch  den  Übergang  der  Verwaltung ­
  der  Krankenkassen  in  die  Hände  der  Arbeiter  ohne  irgend
welche  Beeinflussung  von  seiten  des  Unternehmers  war  bei  der  geringen ­
  Bildung  des  russischen  Arbeiterstandes  und  dem  Mangel  an
geschulten,  zur  Führung  der  Kassenverwaltung  geeigneten  Kräften
der  Willkür  und  dem  Betrüge  Tür  und  Tor  geöffnet.  Mit  der  Neuregelung ­
  der  Arbeitergesetzgebung  wird  auch  die  Frage  der  Arbeiterfürsorge ­
  wieder  erneut  geprüft  werden  müssen,  und  eine  neue  Zeit
wird  erst  wieder  neue  Normen  finden  müssen.
        <pb n="87" />
        1  Pud

Pud

Tonnen

10000

=•-163,8



20000

=

327,6

30000

=

491,4

40000

=

655,2

50000

=

819,0

60000

=

982,8

70000

=

1146,6

80000

=

1310,4

90000

=

1  474,2

100000

=

1638

200000

=

3  276

300000

=

4914

400000

=

6  552

500000

=

8190

600000

=

9  828

700000

11  466

800000

=

13104

900000

=

14742

1000000

=

16380

1100000

=

18018

1200000

=

19  656

1300000

=

21294

1400000

=

22932

1500000

=

24570

1600000

=

26208

1700000

=

27  846

1800000

=

29484

1900000

=

31122

2  000000

=

32  760

2500000

=

40950

3000000

=

49140

3500000

=

57330

4000000

==65

  520

4500000

=

73  710

5000000

=

81  900

5600000

==90

  090

16,38  kg.
Tonnen
'98280
106470
114660
122850
131040
139230
147420
155610
163800
327600
491400
655200
819000
982800
1  146  600
1310400
1474  200
1638000
2457000
3276000
4095000
4914000
5733000
6552000
7  371  000
8190000
9  009000
9828000
10647000
11466000
12285000
13104000
13923000
14742000
15561000
16380000

Pud
6000000  =
6500000  =
7000000
7500000  =
8000000  =
8500000  =
9000000  =
9500000  =
10000000  =
20000000  =
30000000  =
40000000  =
50000000  =
60000000  —
70000000  =
80000000  =
90000000  =
100000000  =
150000000  =
200000000  =
250000000  =
300000000  =
350000000  =
400000000  =
450000000  =
500000000  =
550000000  =
600000000  =
650000000  =
700000000  =
750000000  =
800000000  =
850000000  =
900000000  =
950000000  =
1000000000  =
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        Druck  von  Oscar  Brandstetter  in  Leipzig.
        <pb n="89" />
        the  scale  towards  document

?ol

Die  südrussische  Eisenindustrie  während  der
Revolution.
Am  23.  April  1917  veröffentlichte  die  vorläufige  russische  Regierung, ­
  deren  Leitung  damals  dem  Namen  nach  das  Kadettenministerium
des  Fürsten  Lwow  hatte,  einen  Erlaß  zur  Bildung  von  Arbeiterausschüssen ­
  sowohl  in  privaten  als  auch  in  staatlichen  Industries|
  Unternehmungen  jegücher  Art.  Diese  Verordnung  entstand  ohne
Zweifel  schon  damals  unter  dem  Drucke  des  Petersburger  Arbeiterrates. ­
  Die  kadettischen  Mitglieder  des  Ministeriums  mögen  seine
Annahme  gutgeheißen  haben,  weil  sie  glaubten,  durch  die  Bildung
-  von  Arbeiteraussohüssen  die  Anzahl  der  allgemeinen  Arbeiterzusammenkünfte, ­
  die  in  Rußland  stets  zu  politischen  Versammlungen  aus-^
  arteten,  auf  ein  Mindestmaß  einschränken  zu  können.
Sie  hatten  gehofft,  durch  ihre  Verordnung  die  drängenden  Kräfte
der  Arbeiter  in  geordnete  Bahnen  gelenkt  zu  haben;  aber  ihr  Irrtum
wurde  bald  offenkundig.  Die  allgemeine  Arbeiterversammlung  war
in  dieser  Verordnung  durch  die  Regierung  gutgeheißen,  und  die
Forderungen  der  Arbeiter  gingen  sofort  dahin,  alle  Fragen  durch
allgemeine  Arbeiterversammlungen  zu  entscheiden.  Den  Arbeiterausschüssen ­
  blieb  nur  die  vorbereitende  Arbeit,  und  nach  erfolgter
j :  Abstimmung  waren  sie  die  ausführenden  Organe  der  Beschlüsse  der
Arbeiterversammlungen.  Wöchentlich  wurden  mehrere  allgemeine
;  Arbeiterversammlungen  abgehalten,  bei  gutem  Wetter  auf  den  Werkshöfen, ­
  bei  schlechtem  Wetter  in  den  Walzwerkshallen.  Hierzu  wurden
alle  Betriebe  für  die  Dauer  der  Versammlung  (meist  1  bis  l 1 / 2  Stunde)
Jstillgelegt,  auch  die  Hochöfen!  'Anmeldung  oder  Einholung  der  Er-:
  laubnis  bei  den  Werksleitungen  erfolgte  nicht.  Der  Grundzug  der
Versammlung  zeigte  sich  immer  unverhüllter.  Auf  der  Tagesordnung
i;-  stand  häufig  zur  Besprechung:  „Augenblickliche  politische  Lage“.
■:  Als  sachkundige  Personen,  die  laut  der  Regierungsverordnung  zu
|h  den  Versammlungen  hinzugezogen  werden  konnten,  erschienen  —  wie
:■  während  der  Revolution  des  Jahres  1905  —  Wanderredner  (Studenten,
Juristen,  Mitglieder  der  Arbeiterräte).  Sie  machten  den  Arbeiter,
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