32 Das Wesen des wirtschaftlichen Imperialismus. zu fördern, wenn er nach unbegrenzter, d. h. durch die Staatsgrenzen nicht gehemmter Ausdehnung der Wirtschaftskräfte drängt. Er wirkt infolge Zusammenfassung aller Volksktäfte im Wege der Organi sation. Er kann hierbei auch die privaten Wirtschaftsorganisationen nicht entbehren. Er baut vielmehr auf sie auf, wenn er nicht nur die einzelnen Wirtschaftssubjekte, sondern auch deren Organisationen, ins besondere die Interessengemeinschaften, die Eusionen, die Kartelle, die Trusts von Staats wegen fördert, ja vielleicht sogar den Bestand von Kartellen und anderen Zwangsmittel des Großkapitalismus geradezu durch Gesetze aufrecht hält. Das gesellschaftliche Bindemittel ist das Nationalgefühl geworden. Die Entstehung des wirtschaftlichen Imperialismus entspringt außer aus wirtschaftlichen Ursachen, auch aus den Forderungen einer nationalen Wirtschaftspolitik. Dadurch erhält der Materialismus der wirtschaftlichen Ausdehnung seinen sittlichen Gehalt. Ja, man kann sagen, daß der wirtschaftliche Imperialismus der modernen Zeit geradezu die wirksamste Betätigung der Volkszusammengehörigkeit geworden ist. Hochschutzzoll, Exportprämien, Monopolisierung einzelner Ausfuhrartikel, staatliche Unterstützung wissenschaftlicher Forschungen, Veterinärpolizei, stehen im Dienste der wirtschaftlichen Außenpolitik. Am schärfsten tritt er in jenen Staaten zutage, in denen eine zum völkerrechtlichen Subjekt geeinte Nation wirtschaftet, im Nationalstaat. Daher marschieren an der Spitze des wirtschaftlichen Imperialismus England, Frankreich, Deutschland und die Vereinigten Staaten von Amerika. Die wirtschaft liche Ausdehnung zeigte sich in den aus mehreren Nationen zusammen gesetzten Staaten schwächer, wie im alten Österreich-Ungarn. Der wirtschaftliche Imperialismus kann sich auf allen Gebieten der Volkswirtschaft betätigen. Die wirtschaftliche Ausdehnung kann sowohl die Landwirtschaft, wie das Gewerbe und die Industrie, wie den Handel erfassen. Der Imperialismus führt aber nicht nur zur Förderung der Ausfuhr und der Einfuhr von Gütern, sondern ebenso zu der von Menschen. Die Überschüsse der heimischen Arbeitskraft, die im Inlande unbeschäftigt sind, drängen auf Betätigung im Ausland; Überschüsse fremder Volkswirt schaften werden ins Inland gezogen. Der wirtschaftliche Ausdehnungs drang führt zunächst Menschen aus; voran gehen die Bioniere, wie Naturforscher, Missionare, Handelsagenten; es folgt bei zunehmendem Er folge die wachsende Abgabe überschüssiger Arbeitskräfte an das Aus land. Bald aber tritt unter dem Streben der Staatsgewalt, ihr menschliches Kapital unvermindert zu erhalten, eine Hemmung ein: der Staat bemüht sich seinen heimischen Arbeitskräften ausreichende und lohnende Arbeit im Inlande zu verschaffen. Dieser Gedanke der Erhaltung heimischer Arbeitskraft ist wieder eine der Ursachen fortschreitender Industriali