42 Die Kampfmittel des wirtschaftlichen Imperialismus. Grade der Gebundenheit her, von vorübergehender Bindung bis zur dauernden Gefolgschaft. Die Abhängigkeit ist nicht selten eine wechsel seitige, weil auch der Gläubigerstaat ein Interesse an der Verzinsung und Amortisierung im Wege des wirtschaftlichen Imperialismus des Schuldner staates haben kann. Es war die Abhängigkeit Rußlands und Frankreichs infolge der Heranziehung der kleinen französischen Rentner zum wirt schaftlichen und politischen Imperialismus eine wechselseitige. Dem Anlagebedürfnisse des Kapitals kommt häufig das Kreditbedürfnis von Staatsoberhäuptern und Staaten selbst entgegen. Der Widerstand des Khediven von Ägypten, Abbas II. Hilmi, gegen die Ausbeutung durch das französische und englische Kapital hat schließlich England zur Vertretung seiner Gläubigerinteressen mit Waffengewalt veranlaßt. Die internationale Finanzkontrolle unter der Führung Englands und Frank reichs war der Vorläufer der Besetzung (1882), die schließlich nach dem Interessenausgleich von 1904 zum Protektorate Englands über Ägypten (1914) führte. So suchte der englische Imperialismus durch die Ge währung unbegrenzter Anleihen zu doppelt so billigen Bedingungen als sonst, die Kolonien an das Mutterland zu binden; er suchte selbständige Staaten wie Argentinien und zerbröckelnde Staaten wie China abhängig zu erhalten. Portugal und im verminderten Maße auch Spanien stehen in Abhängigkeit vom englischen Anleihemarkt. Anleihen wie die Englands an Persien im Jahre 1902 sind ein steter Grund, um für die Verlängerung oder Erneuerung des Kredits wirtschaftliche oder politische Vorteile zu erlangen, die in keinem Verhältnisse zum Marktwerte der Anleihe stehen. Der finanzielle Beirat, der schließlich zum politischen Herrscher des aus- gebeuteten Landes wird, ist ein wirtschaftliches Eroberungsmittel aller ersten Ranges geworden. Ein Musterbeispiel liefert das japanisch-korea nische Abkommen über die finanziellen und diplomatischen Beiräte vom 22. August 1904 (S t r u p p, Urkunden 2, 135). Die neuere Methode, derartige wirtschaftliche Eroberungen sogar in Staatsverträgen festzulegen, hat einen näheren Einblick in die Technik der Expansion durch die Anleihepolitik gegeben. Die erobernde Kraft des Leihkapitals wird durch dessen bank mäßige Verwertung noch gesteigert. Dadurch, daß das Leihkapital die Form der beliebig vermehrbaren und vertauschbaren Aktien ange nommen hat, ist es in die Hände der Großbanken geraten. Diese sind zwar nur Verwalter fremder Kapitalien, aber sie haben ein weit über die Interessen des Eigentümers hinausgehendes eigenes Interesse an den aus möglichst häufigen Umsätzen sich ergebenden Gewinnen (S z a b o, Freihandel 16). Dieser sogenannte „Effektenkapitalismus“ hat zur ständigen Ausdehnung der Aktienbetriebe durch Kapitalser höhungen oder Neugründungen und schließlich infolge des steigenden Anlagebedürfnisses dazu geführt, daß das in den großen Banken konzen