43 schäften eine große Zahl von Plänen genehmigt, teilweise von einiger Bedeutung, und zwar nicht nur im Osten. Der Staat mußte eben wieder auf die Mitarbeit Privater zurückgreifen, so daß die endgültige aus schließliche Herrschaft der Staatsbahnidee für Rußland noch nicht zu erwarten ist. Werden doch jetzt sogar in Zentralasien Bahnen von privaten Unternehmern angelegt, wie das Projekt Kokand—Namangan. Und die im Sommer 1914 dem Reichsrat vorgelegte südsibirische Bahn soll ebenfalls von Privaten gebaut werden. Bis zum Herbst 1913 waren an privaten Bahnkonzessionen ungefähr 10 000 W genehmigt 1 ), und der damalige russische Ministerpräsident Kokowtzow hat in Paris bei den Erörterungen über die Anleiheaufnahmen die unumgänglich nötige Mitarbeit der Privatgesellschaften scharf hervorgehoben. Im Januar 1914 wurden die Verhandlungen über die staatlich garantierte 4 1 / 2 %ige Anleihe in Höhe von 665 Millionen, die aber nur der erste Teil der von der französischen Regierung verbürgten, auf 5 Jahre verteilten Anleihe russischer Eisenbahngesellschaften von 2 1 / 2 Milliarden sind, endgültig abgeschlossen. Neun Eisenbahngesellschaften waren daran beteiligt, darunter die Kasaner, die Rjäsan-Uralsker und die Kiew-Woroneshbahn. Zur Erschließung des Nordwestens wurde eine neue Gesellschaft, Olonez. begründet. Eine neue in London unterzubringende Anleihe von 100 bis 120 Millionen Mark (Sommer 1914) sollte vornehmlich der Südostbahn zugute kommen. Das Ziel der Kokowtzowschen Finanzpolitik, daß Rußlands Wirtschaft, gestützt auf gute Staatsfinanzen, große Budget überschüsse usw. das ungeheure Bahnprogramm so viel und so schnell als möglich in sich bewältigen könnte, hat sich nicht befolgen lassen * 2 ). Rußland wird seine Unterstützungspolitik, nach der die privaten Bahnen mit Zuschüssen bedacht werden und die Regierung für die Gewähr von Dividenden eintritt, weiter befolgen. 3. Die Aufgaben (1er nächsten Zukunft, Nordbalm projekte des Kriegsjahres 1914/1915. Es schien vor Kriegsbeginn für die meisten Gebiete des Russischen Reiches — eine Sättigung mit-Bahnen besteht ja noch nirgendwo — wieder eine Zeit außerordentlicher Tätigkeit im Ausbau des Schienen netzes sich anbahnen zu wollen. Daneben ging freilich hier und da ein unnützes, zuweilen uferloses und phantastisches Planen, das Rußland nie ganz fremd war. Man kann sagen, daß Pläne, die plötzlich, gewisser maßen von der Not des Augenblicks gefordert werden und die in der Öffentlichkeit, dem Streit widerstrebender Interessen entrückt, am *) Von Juni 1911 bis Juni 1912 waren 4S18 W zur Ausführung von der Re gierung genehmigt, während allein 14 855 W eingereioht waren. Bis zum 1. Januar 1913 traten weitere 2482 W genehmigte Neubaustreoken hinzu. 2 ) Frankftr. Ztg. 141, 22. Mai 1914.