44 wenigsten besprochen werden, häufig schnell vorbereitet und ausgeführt werden. Das alte Elend, daß Projekte, die schon vor vielen Jahren, ja vor Jahrzehnten genehmigt wurden oder wenigstens zur Debatte standen, immer noch nicht gebaut werden, beherrscht freilich auch die neueste Entwickelung. Es ist kaum Zufall, daß der Westen und Süd westen des Reiches unter diesen Verhältnissen besonders leidet. Wie oben erwähnt wurde, mußten von der Regierung genehmigte Baupläne, z. B. in der Gegend von Odessa, wieder kassiert werden. Ähnlich verschwanden Projekte in den Weichselprovinzen. Es seien nur Warschau—Radom, Nowo Georgijewsk—Plozk, Lublin—Tomaschow genannt. Wo aber der Staat den Bahnbau in seine feste Hand nimmt oder Bedingungen an die Zeitdauer der Ausführung knüpft, da kann die Bauentwickelung häufig gelobt werden. Freilich bestimmen den Fiskus in solchen Fällen nicht zuletzt strategische und politische Gründe. Wenn nun auch strategische Motive den Bau begründeten, so haben die Bahnen doch fast stets die wirtschaftliche Hebung des neu erschlossenen Bezirks zur Folge. Im europäischen Reichsteile ist in der jüngsten Bahnpolitik die Bevorzugung der eigentlich kolonialen Gebiete bemerkenswert: die Taktik schließt sich also hier der in Asien befolgten an. Unter den zur Aus führung empfohlenen und teilweise vor dem Kriegsausbruch bereits in Angriff genommenen Arbeiten seien zunächst die Bauten der politischen Provinzen genannt. Die Wladikawkasbahn wird im Süden der Donprovinz ihre Bahnen Rostow—Tiohorjezkaja und Zarizyn—Tichorjezkaja, die Stationen Bataisk und Welikokniashewskaja verbinden und so vermutlich einer neuen West-Ostverbindung nach Astrachan Vorarbeiten. Der Süden leidet ja gerade schmerzlich an Querverbindungen, während er mit dem Innern des Reiches gut verbunden ist. Eine solche stellt auch die neue Bahn durch das verkehrspolitisch sehr zurückgebliebene Taurien dar. Von Zarekonstantinowka an der Jekaterinenbahn Alexandrowsk— Wolnowacha baut die neugebildete Schwarzmeergesellschaft (Tokmak- eisenbahn) eine Linie über Tokmak (an der Linie Tschaplino—Berdjansk) durch das deutsche Mennonitengebiet von Halbstadt nach Fedorowka an der großen Südbahn (124 W), die durch die ebenfalls von deutschen Kolonistengemeinden besetzte Nogaische Steppe bis zum Hafen Skadobsk am Schwarzen Meere (200 W) weitergeführt wird. Mit diesem Neubau wird das alte Projekt (Cherson—) Aleschki—Nowo Alexejewka (—Ge- nitschesk) wohl für längere "Zeit verschwinden. Endlich erhält auch die russische Riviera der südlichen Krim durch die 1912 genehmigte Bahn Sewastopol—Aluschta mit einer Zweigbahn nach Balaklawa einen Schienenweg. Die von der Moskau - Kiew - Woroneshbahn seit 1910 in Angriff genommene und vermutlich bereits 1914 vollendete Linie Bach matsch—Wosnessensk—Odessa wird voraussichtlich einen neuen Quer- limenanscEIüß von Wosnessensk nach Nikolajew erhalten, den die Neben