52 zunächst noch die einzigen Regierungssitze in Rußland ohne Eisenbahn bleiben 1 ). — Hier seien im Zusammenhang auch kurz die Aufgaben in Asien berührt, um einen Überblick über den Unternehmungsgeist der russischen Bahn Verwaltungen im ganzen zu erhalten. Gerade hier hat sich die Leistungsfähigkeit des Riesenreiches des öfteren erwiesen, die auch in kritischen Zeiten vor einer zielbewußten Durchführung der Pläne nicht zurückschreckte, freilich nicht zuletzt aus dem Grunde, da es sich um politisch und strategisch wichtige Anlagen handelte. Sollen doch auch jetzt während des Weltkrieges die Arbeiten namentlich an den asiatischen Bauten vorwärts schreiten, allerdings unter Zuhilfenahme von Kriegsgefangenen, so an der Amurbahn, an der Minussinsker Bahn, an dem für die Goldindustrie wichtigen Bahnbau Irkutsk—Bodaibo 2 ). Immer noch hemmen die außerordentlich hohen Ausgaben im fernen Osten, der Bau der Amurbahn, vor deren Anlage Graf Witte warnte, und die kürzlich, obwohl die mit Hochdruck betriebenen Arbeiten 1906 begonnen wurden, zur Hälfte (Strjetensk—Blagowjeschtschensk) fertig wurde 3 ), den Angriff anderer für die Kulturerschließung wichtigerer Aufgaben, wie erneute Klagen beweisen. Die Bahn, die Sibirien mit Zentralasien verbinden soll, mußte immer wieder verschoben werden, und erst am 28. Mai 1912 konnte der Bau von dem ungewöhnlich schnell aufgeblühten Nowo Nikolajewsk nach Barnaul und Semipalatinsk sowie L Wie verlautet, soll im Haushaltungsplan für 1914 tatsächlich eine Linie Nowo Georgijewsk—Plozk aufgenommen sein. Ferner wurden einige Bahnen genannt, die strategischen Charakter haben und die offenbar die erste Antwort auf die französischen Klagen sein sollten. Die meisten liegen übrigens außerhalb des eigentlichen Polen, so die Strecken Kiew—Shitomir—Schepetowka, Dwinsk- Kowno (also unter Umgehung von Wilna) und Kowno—Rossieny—Polangen; die letztere würde somit längs der ostpreußischen Grenze gelegt werden. Auch die baltisch-litauischen Projekte Riga—Wilna und Mitau—Tauroggen tauchen auf, wie nicht zum ersten Male polnisch-galizische Linien. Nur wenige Pläne können Anspruch auf erstmaliges Auftreten, auf Originalität machen. Dazu gehört das große Ostwestprojekt Rjäsan —Tula — Ljudinowo — St. Bychow — Baranowitschi (—Warschau). Ob tatsächlich alle diese Linien, auch ohne daß der Krieg aus gebrochen wäre, so bald gebaut worden wären, ist zu bezweifeln. Das Plozker Projekt soll aber angeblich in Angriff genommen sein. Und der Bauplan Cholm — Tomaschow—Belzec (Galizien) sollte sich ebenfalls nicht mehr im Stadium der Erwägungen befinden. Immerhin ist es gut, wenn man hinsichtlich der Verwirk lichung all dieser Pläne, die stets in Fülle auf treten, wenn militärpolitische Fragen in stärkerem Maße erörtert werden, eine gewisse Skepsis beachtet, wie sie durch die Geschichte des russischen Eisenbahnwesens begründet ist. 2 ) Mit welchem Zielbewußtsein auch während des gewaltigen Krieges die Erledigung der Bahnprojekte betrieben wird, dafür zeugt eine Meldung vom Juli 1915, daß Rußland in Amerika 60 000 t Eisenbahnschienen für sibirische Bahn bauten bestellt habe. 3 ) Der erste Zug Blagowjeschtschensk—Baikalsee ging Mitte Dezember 1913 ab.